Das wird nix mit Peer Steinbrück

Wie viele Leute den Steinbrück nicht wählen werden, weil „Peer“ ein zu ungewöhnlicher Name ist, weiß im Moment noch keiner. Mit Irrationalität ist allerdings immer zu kalkulieren, wenn es um die Demokratie in Deutschland geht.
Irrational ist die Entscheidung der SPD für diesen Kanzlerkandidaten insofern, daß diese Partei nur zu irrationalen Entscheidungen fähig ist. Diese Einschätzung wird auch dadurch nicht widerlegt, daß sie ja manchmal mit ihren Entscheidungen Erfolg hat.
Kaum war der Kanzlerkandidat der SPD gekürt, fragte man sich überall, ob der SPD-Kandidat überhaupt ein Kandidat der SPD ist. Aber man erinnere sich mal an die Ära Schmidt. Damals wurden Sozialdemokraten wie Coppik und Hansen ja gerade darum ausgegrenzt und ausgeschlossen, weil sie sich an Parteiprogramm und Parteitagsbeschlüsse hielten. Sowas gehört sich nicht in der SPD.
Steinbrücks Nachteil ist seine Beredsamkeit. Damit hat er keine Chance gegen die Merkel, denn die kann nicht reden. Den Steinbrück versteht man nicht. Zwar haben die Leute den Brandt, den Schmidt und den Schröder auch nicht verstanden, aber Brandt war eben Brandt und Schmidt war Schmidt. Steinbrück hat auch nicht die einnehmende Hemdsärmeligkeit wie Schröder. Aber der Schröder wurde darum gewählt, weil die Leute den dicken Kohl einfach nicht mehr sehen wollten. Die Merkel wird noch ertragen. Und sowas dauert.
Ein weiterer Nachteil für Steinbrück: Er vertritt genau die Politik, mit der Schröder sich unbeliebt machte. Sein Vorteil: Die Leute haben ein schlechtes Gedächtnis.
Wie die SPD es fertigbringen wird, den Steinbrück als Sympathieträger zu präsentieren, wird sich noch zeigen. Die Frau an seiner Seite, die Nahles mit ihrem stets hämischen Dauergrinsen wird ihm dabei nicht viel helfen. Wollen die Leute einen, den sie nicht als Chef haben wollen, als Regierungschef haben? Das muß sich erst noch herausstellen. Vielleicht wollen die Leute ja gar keinen Bundeskanzler, der ihnen sympathisch ist.
Steinbrück hat gesagt, er schließt eine große Koalition aus. Das heißt aber nur, daß er das gesagt hat, und nicht, daß er eine große Koalition ausschließt. Die SPD kann heutzutage froh sein, wenn sie mehr als 30 % kriegt. Da helfen auch nicht die Grünen samt ihrem Höhenflug. Höhenflüge haben es so an sich, daß sie entweder zu Ende gehen oder schon zu Ende gegangen sind. Die CDU kann nicht allein regieren, sie braucht die FDP. Die kann ihr bei der nächsten Wahl abhanden kommen. Aber damit ist eher nicht zu rechnen. Aber wenn doch, und wenn die Linken tatsächlich wieder in den Bundestag kommen, und dann auch noch die Quatschpartei der Piraten – wenn weder Schwarzgelb (ob mit oder ohne Gelb) noch „Rot“-Grün eine Mehrheit kriegen, ja dann wird Schwarzgelb durch die große Koalition abgelöst.
Fehlt nur noch, daß Schwarzrot/Rotschwarz auch keine Mehrheit kriegt.

P.S.: Vorabdruck aus DER METZGER Nr. 102, der heute gedruckt wurde.

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