Fernsehapparat immer noch kaputt

„Das sind keine Chauffeure, das sind Weihnachtsmänner.“

Manchmal hatten wir einen Fernsehapparat, aber immer nur für kurze Zeit. Auf der Goldstraße hatten wir einen, den hatten wir auf der Straße in einem Sperrmüllhaufen gefunden, und der ging noch, allerdings nur zwei Tage lang, dann war er endgültig kaputt.
Ich bemerkte lapidar: „Fernseh kaputt – alles kaputt.“
Mike Hellbach fand das gut. Er schrieb mit Filzstift auf den Bildschirm: „Fernseh kaputt – alles kaputt“. So konnte das Gerät, auch wenn es nicht mehr einzuschalten war, noch einige Zeit stehenbleiben und einen guten Zweck erfüllen.
Auch auf dem Immendal in Hochfeld hatten wir mal einen Fernsehapparat. Der stand in der oberen unserer beiden Etagen, in Jennys Zimmer.

Jenny mit Zettel, im Duett mit Willi Kissmer

Jenny mit Zettel, im Duett mit Willi Kissmer

Ich war mit Jenny allein zu Haus, und wir überlegten, ob wir fernsehgucken sollten.
An dem Abend kam „Lohn der Angst“. Jenny kannte den Film nicht. Ich empfahl ihr, sich diesen Film anzusehen.
Ich kannte den Film damals schon auswendig. Aber für Jenny war das Abenteuer der Männer, die Nitroglycerin über holprige Straßen transportierten, etwas Neues. Sie zitterte vor Spannung, klammerte sich mit beiden Händen an der Tischplatte fest.
„Schaffen die das? Kommen die an?“
„Das sag ich nicht.“
Jenny bot dieser Film nicht nur Spannung, sondern auch Komik. An einer Stelle zumindest. Da sagt Luigi zu Bimba über Joe und Mario: „Das sind keine Chauffeure, das sind Weihnachtsmänner!“
Jenny lachte schallend. Sie lag fast auf dem Boden vor Lachen. „Das sind keine Chauffeure, das sind Weihnachtsmänner!“
Das war der Jenny-Humor.

loeven-gartenoffizier(Das ist eine Geschichte aus dem Jahre 1972, die der Kommune-Forschung dienen kann – erstveröffentlicht in dem verdienstvollen Anekdotenbuch „Der Gartenoffizier“).

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