„Meine Nummer sehen Sie.“ – „Ja, wo denn?“

Eine gute Erfindung ist der Anrufbeantworter – sofern sich das Gerät bei jemandem befindet, den ich anrufen will. Ich werde meine Mitteilung los (z.B. wenn ein bestelltes Buch eingetroffen ist) und brauche nicht tagelang hinter den Leuten hinterherzutelefonieren.
Weniger praktisch ist zuweilen der eigene Anrufbeantworter, etwa, wenn jemand mir seine Mitteilung draufnuschelt. Das ist doch keine Stereo-Box, die das genuschelte Wort erklingen läßt, sondern ein kleiner krächzender Lautsprecher.
Ärgerlich fand ich eine Anruferin, die mir einen langen Sermon aufs Band sprach, um Rückruf bat und dann, ganz karriereorientiert, eine zehnziffrige Telefonnummer innerhalb einer halben Sekunde runterrasselte. Mitschreiben war nicht möglich. Ich mußte mir den ganzen Sermon nochmal anhören, um dann wenigstens schon mal die erste oder die ersten beiden Ziffern notieren zu können. Nach dreimaligem Abhören hatte ich gerade vier Ziffern notiert und gab auf. War sowieso nichts Wichtiges.
Vorschlag zur Güte: Wenn Sie jemanden anrufen, und es meldet sich der Anrufbeantworter, legen Sie am besten erstmal auf, legen sich die Worte zurecht und wählen die Nummer nochmal, um dann kurz und knapp UND DEUTLICH Ihre Mitteilung zu hinterlassen. Telefonnummern bitte langsam UND DEUTLICH aufsagen, damit sie mitgeschrieben werden können.
Letzten Freitag sprach eine Dame auf den AB, die sich als „Doktor Öckel“ (oder Eckel oder so ähnlich) vorstellte und nach den Öffnungszeiten fragte. Dann sagte sie: „Meine Nummer sehen Sie ja.“
JA, WO DENN?
Als Flammenschrift an der Wand? Vor meinem „geistigen Auge“? Im Kaffeesatz?
„Sie werden sich ja dann melden.“
Habe ich nicht, weil ich es nicht konnte. Und die Anruferin ist jetzt bestimmt beleidigt – und wäre es noch mehr, wenn man ihr glaubhaft versichern würde, daß dieser Umstand nicht meiner Nachlässigkeit, sondern eigenem Ungeschick zu verdanken ist.
Wahrscheinlich vermutete die Anruferin, daß ihre Telefonnummer auf dem Display erscheint. Das setzt allerdings das Vorhandensein eines solchen voraus. Ich habe es in meinem langen Leben immerhin schon zu einem Tastentelefon gebracht. Aber das gehört zu den ca. 90 Prozent aller im Einsatz befindlichen Festnetz-Geräten, die kein Display haben. Das hätte die Anruferin in Betracht ziehen müssen.

Auf dem Telefon in der Buchhandöung Weltbühne sind nur die Nummern auf den Tasten zu lesen.

Auf dem Telefon in der Buchhandöung Weltbühne sind nur die Nummern auf den Tasten zu lesen.

Es gibt Leute, die besitzen einen Lastwagen. Aber aus der Tatsache, daß einige Leute einen Lastwagen besitzen, zu schlußfolgern, daß ich auch einen habe, das ist – ich nenne es mal: unakademisch.
Die Frage nach den Öffnungszeiten ist übrigens berechtigt. Denn in der heute beginnenden Woche wird an den meisten Tagen nicht erst, wie üblich, um halbsieben geschlossen, sondern schon um halbsechs. Denn bei den Veranstaltungen der Antifaschistischen Woche im Dokumentationszentrum der VVN ist die Buchhandlung Weltbühne mit einem Büchertisch präsent. Wie gern hätte ich das der Frau Dr. Eckel/Öckel mitgeteilt!

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