Scheiße! Bayern München!

Es war ja erstaunlich, vorgestern, daß auch solche Leute, die sich sonst eigentlich gar nicht für Fußball interessieren, sich auf das Fest am Abend gefreut haben.
Ich hab ja noch die Zeiten gekannt, als noch längst nicht jeder einen Fernsehapparat hatte. Dann kamen die Verwandten zusammen, zu den Finalspielen am Ende der Saison, im Frühsommer. Die Männer hatten ihre Jacken ausgezogen und saßen vor dem Schwarzweißgerät in ihren weißen Hemden (bis 1968 trugen alle Männer weiße Hemden), und es wurde gefachsimpelt auf die knappeste Art: „Paßauf, jetz!“ – „Hasse gesehn?“ – „Jetz abber!“ – „Mensch schieß doch!“ Danach saß man noch im Garten, auf den Tischen standen die Pilsgläser. Oder es gab Bowle.
Ich wußte ja gar nicht, daß ich ein Experte bin. Ich hatte vorhergesagt: Dortmund drängt, aber dann schießt München das Tor. In der 89. Minute. (Es war dann allerdings nicht das 1:0, sondern das 2:1).
Mir wäre es ja lieber gewesen, wenn Borussia Dortmund gewonnen hätte. Ich nenne nicht die vielen Gründe, nur einen: Weil ich auch ausm Ruhrgebiet bin. Die Liebe zur Heimat ist nirgendwo so stark wie im Ruhrgebiet. Woran erkennt man das? Das erkennt man daran, daß nie darüber gesprochen wird. Was so stet und selbstverständlich ist, ist nicht der Rede wert. Ich renne ja auch nicht auf die Straße, um den Leuten zu erzählen: „Gucken Sie mal hier! Ich habe eine Nase!“

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