Eine Studie der Freien Universität Berlin …

… hat Erfreuliches zutage gefördert: 63 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen können wenig oder gar nichts mit Namen wie Honecker oder Begriffen wie Stasi anfangen.
Nun gibt es allerdings Leute, die sich über dieses ermutigende Forschungsergebnis gar nicht freuen können. Zu denen gehört der Direktor einer dubiosen Gedenkstelle, Hubertus Knabe. Das wiederum ist noch schöner als das, was die Studie ermittelte. Der Ärger, der Hubertus Knabe quält, gehört zu den kleinen Freuden des Lebens. Sobald Hubertus Knabe sich mal wieder ärgert, bessert sich das Wetter.

Wer sich heute in der politischen Auseinandersetzung professionell oder halbprofessionell mit (Zeit-)Geschichte beschäftigt, hat dafür durch den Geschichtsunterricht weder die Motivation bekommen, noch wurde er dafür mit dem Rüstzeug versehen. In den 50er und 60er Jahren war der Geschichtsunterricht an westdeutschen Schulen über die Zeit nach 1918 eine Propagandaabteilung des Kalten Krieges. Da mag heute mancher denken: Da müssen wir wieder hin.
(Gut war allerdings, daß wegen Unterrichtsausfalls und wegen Mittelalterverliebtheit der Geschichtslehrer der Geschichtsunterricht auf der Zielgeraden gar nicht mehr an das Zwanzigste Jahrhundert anlangte, worüber manche sich beschweren zu müssen glauben).

7 von 10 Schülern in NRW glauben, die Berliner Mauer wäre von den Amerikanern gebaut worden. Viele der 16- und 17jährigen im Westen glauben, Konrad Adenauer sei ein SED-Politiker gewesen. Nun, warum nicht? Das ist zwar falsch, aber das ist wenigstens noch zum Lachen. Sollte der Geschichtsunterricht an den Schulen demnächst den „Unrechtscharakter der DDR“ in den Vordergrund schieben, muß man den Schülerinnen und Schülern dringend empfehlen, im Geschichtsunterricht Stadtlandfluß zu spielen. Denn was ihren da eingetrichtert werden soll, ist noch falscher als das SED-Mitgliedsbuch für Adenauer. Es ist auch nicht bloß falsch, es ist infam: Die DDR als „zweite Diktatur“, gewissermaßen als Fortsetzung des Dritten Reiches mit anderen Fahnen.
Über die Zählweise muß man sich sowieso wundern. Wieso „zweite“ Diktatur? Nimmt man den Zeitraum seit Bildung des deutschen Nationalstaates, also seit 1871, hat es eine ganze Menge Diktaturen in Deutschland gegeben. Es ist noch nicht mal klar, ob man das Kaiserreich und die Militärdiktatur während des Ersten Weltkrieges als eine oder als zwei Diktaturen zählt. Die Weimarer Republik hat schon 1930 aufgehört, eine parlamentarische Demokratie zu sein. Von 1945 bis 1949 hatten wir hier eine Militärdiktatur, sogar eine Diktatur des Militärs fremder Mächte – und betrachtet man die, kommt man darauf, daß „Diktatur“ gar nicht unbedingt etwas Schlimmes sein muß. Karl Marx gar verwendete die Bezeichnung „Diktatur“ für jegliche politische Herrschaft.
Von einer der schlimmsten Diktaturen hat uns die Europäische Union befreit. Daß der Staat jetzt nicht mehr vorschreiben darf, daß das halbe Pfund Butter 250 Gramm wiegen muß. Von dem Zwang sind wir alle jetzt endlich befreit. Wie habe ich mich mein ganzes Leben lang danach gesehnt, eine Tafel Schokolade kaufen zu können, die 93 Gramm wiegt!
NachhilfeGeschichte..

70 Jahre Hiroshima und Nagasaki

Vor dem Jahrestag der ersten Atombombenabwürfe fordert das Netzwerk Friedenskooperative: Atomwaffen abschaffen!

Atomwaffen bedrohen seit 70 Jahren unsere Zivilisation
70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki lagern noch immer über 16.000 Atomsprengköpfe auf unserem Planeten mit einer Zerstörungsgewalt, die 900.000 Mal so groß ist wie die Hiroshima-Bombe. Statt dieses Teufelszeug endlich zu beseitigen, wird bei allen offiziellen Atomwaffenstaaten und bei den „Nachzüglern“ Israel, Indien, Pakistan und Nord-Korea modernisiert; neue bessere, genauere Sprengköpfe, neue Trägersysteme, Flugzeuge, U-Boote. Die Proliferationsgefahr steigt. Weitere Regionalmächte können bald „die Bombe“ anstreben und ein neues nukleares Wettrüsten anheizen. Entgegen vergangener Ankündigungen aus der Bundesregierung sollen auch die in Deutschland verbliebenen US-Atomwaffen in Büchel/Eifel nicht abgezogen, sondern ab 2017 durch modernere ersetzt werden – die NATO-Atomwaffenstrategie will es so. Der Krieg in der Ukraine und die wieder aufgelebten Spannungen zwischen Russland und der NATO machen deutlich, dass die Gefahr eines Atomkrieges nicht gebannt und unsere Zivilisation immer noch bedroht ist.
Bei den zahlreichen Aktionen zum Hiroshima-/Nagasakitag fordern wir daher umgehenden Abzug der Atomwaffen aus Büchel. Dies wäre ein erster Schritt hin zu einem atomwaffenfreien Europa und schließlich einer atomwaffenfreien Welt. Wir fordern ein weltweiten Stopp von Modernisierungsplänen und das Abrüsten der Atomwaffenarsenale. Atomwaffen gehören geächtet und abgeschafft.

Atomic_cloud_over_HiroshimaIm November 2012 kommentierte die DFG-VK Duisburg:
Atomwaffen: Hat es auch Methode, es ist doch Wahnsinn
Am 6. September 2012 meldete die WAZ auf der ersten Seite:
„US-Atomwaffen bleiben in Deutschland.
Die noch in Deutschland gelagerten US-Atomwaffen werden ungeachtet der Bemühungen von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) offenbar vorerst nicht abgezogen. Berlin habe sich einverstanden erklärt, daß die Waffen im Land bleiben und sogar mit Milliarden-Aufwand modernisiert würden, berichtete die Berliner Zeitung unter Berufung auf Militärexperten.“
Im Kommentar auf Seite 2 heißt es: „Dabei weiß seit dem Ende des Kalten Krieges eigentlich niemand mehr, gegen wen diese Waffen eingesetzt werden sollen.“
Soll man diesen Satz so verstehen, daß Atomwaffen in einer bestimmten zeitgeschichtlichen Phase noch einen Sinn hatten, den sie nunmehr nicht mehr haben? Beziehungsweise: Daß die Atomwaffenstrategie der USA ihre Rationalität verloren hat (und demnach mal eine hatte)?
Man stelle sich vor, die Regierung würde beschließen, daß die Blindgänger des Zweiten Weltkrieges nicht mehr entschärft werden – und nicht nur das, sondern daß sie auch mit neuen Zündern versehen werden. Das wäre in der Tat irrsinnig. Etwas Ähnliches aber wird mit den Atombomben, den Blindgängern des Kalten Krieges, geplant. Sie sollen uns nicht nur erhalten bleiben, sie werden auch noch modernisiert.
Dem von den USA einseitig vorangetriebenen Wettrüsten haftete immer etwas Wahnhaftes an. Die Potentiale versetzten die Atommächte in die Lage, nicht nur den Gegner vollständig zu vernichten, sondern die Menschheit. Die Potentiale reichten aus, um gleich sechs bis sieben Menschheiten zu vernichten. Da liegt es nahe, vom „Rüstungswahnsinn“ zu sprechen. Wahnhaft ist auch die Vorstellung, durch „Abschreckung“ (also: durch immer mehr Rüstung) Krieg verhindern zu können. (Nicht durch Abschreckung, sondern nur durch Abrüstung ist der Frieden zu sichern).
Mit dem von den USA einseitig vorangetriebenen Wettrüsten war jedoch keineswegs beabsichtigt, ein „Rüstungsgleichgewicht“ zu erhalten. Die Rüstungsstrategie gründete sich auf die Voraussetzung, daß ein termonuklearer Krieg möglich, vorstellbar und vertretbar ist und daß er im klassischen Sinn gewonnen und verloren werden kann. Diese Doktrin gilt nicht nur für die Periode der Systemkonkurrenz. So irrational die Politik mit der Atombombe auch erscheint: ihr wohnt eine perfide Herrschafts-Rationalität inne.
Die USA wollen an der Option, ihre weltpolitischen Ziele mit Massenvernichtungsmitteln durchzusetzen, nicht aufgeben. Die Gefahr eines Atomkrieges besteht weiterhin.

Bitte lesen Sie den Kommentar der DFG-VK Duisburg Das Zeitalter der Atombombe ist noch nicht beendet.

HiroshimaMahntWeitere Hinweise:
http://www.friedenskooperative.de/hiroshima/

Time for Change: Yanis Varoufakis

Ab Mitte kommender Woche in der Weltbühne – um Vorbestellungen wird gebeten:
Yanis Varoufakis: Time for Change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre.
Carl Hanser Verlag. 184 S. Fester Einband. 17,90 Euro
Veroufakis_DieWelt_P05.inddMitteilung des Verlags:
„Erfrischender Querdenker – oder Totengräber des Euro? Yanis Varoufakis, ehemaliger Finanzminister von Griechenland, vertritt Thesen, die so kontrovers diskutiert werden wie sein Outfit. In lässigen Auftritten erklärt er die Welt, redet Klartext, wo andere nur Worthülsen produzieren. Viele Menschen berührt er sympathisch, andere sehen in ihm den Leibhaftigen. Wer ist er wirklich, was treibt ihn um? Varoufakis ist ein Meister darin, ökonomische Fragen mit der Geschichte der Kolonialisierung, mit den Matrix-Filmen und aktuellen Bezügen zu verbinden. Sein Buch will Interesse an der Wirtschaft wecken und bezieht leidenschaftlich Position für den Menschen und gegen eine Ökonomie der Unterdrückung.
Yanis Varoufakis, Jahrgang 1961, ist ein griechisch-australischer Wirtschaftswissenschaftler und Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenpublikationen. Er war Professor für ökonomische Theorie an der Universität von Athen und an der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs der Universität in Austin, Texas. Von Januar bis Juli 2015 war er Finanzminister der Regierung unter Alexis Tsipras.“
Konkret (August 2015):
„Daß Yannis Varoufakis, der ‚Rockstar der Ökonomie‘, der ‚linke Posterboy‘, der ‚Edelkommunist‘ oder schlicht der ‚Demagoge‘ (Qualitätspresse), es nicht versucht hätte, wird man ihm nicht nachsagen können. Daß Schäuble, Merkel, Dijsselbloem und Draghi nur Bahnhof oder Kommunismus verstanden haben, als der griechische Finanzminister ihnen ein ums andere Mal wenigstens ein Grundverständnis der kapitalistischen Wirtschaftsweise vermitteln wollte, kann man ihm nicht vorwerfen. Denn daß er in einfacher Sprache ökonomische Zusammenhänge erklären kann, belegt der griechische Wirtschaftswissenschaftler in seinem Buch Time for Change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre.“

Dieses Buch (und der Erwerb desselben – die Lektüre erst recht) ist ein (wenn auch kleiner) Störfaktor gegen die Europa-Demagogie der Herrschenden. Dieses Buch zu lesen ist ein Akt des zivilen Ungehorsams in einer Zeit, in der eine deutsche Regierung ungeniert und unverhohlen zum Hass gegen ein anderes Volk aufstachelt!
Die Buchempfehlungen in diesem Weblog sind stets mit der Empfehlung verbunden, die Bücher in der Buchhandlung Weltbühne zu kaufen. Für dieses Buch gilt das umso mehr.
Kaufen Sie / bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne, um Dissens zu stiften, wo Dissens vonnöten ist und mehr als ein Bekenntnis. Weil es auch auf den nächsten und übernächsten Schritt ankommt, muß Weltbühne bleiben.
Reden Sie sich nicht damit heraus, daß die Reise nach Neudorf mit der Postkutsche zu beschwerlich ist. Behaupten Sie nicht, Sie hätten nicht gewußt, daß die Buchhandlung Weltbühne auch eine Versandbuchhandlung ist.

Dachgedacht

Als ich – schon einige Jahre ist es her – meinen Zivildienst begann (als Pfleger auf einer chirurgischen Männerstation), war einer der ersten Patienten, denen ich begegnete, ein Dachdecker, der vom Dach gefallen war, der einige Knochenbrüche erlitten hatte. Das war ein fröhlicher Mensch. Nun stand er nach einigen Wochen im Krankenhaus vor der Entlassung, und er sagte, daß er nun gleich wieder aufs Dach steigen würde. Klar doch, meinte er. Auf Dächern herumklettern sei schließlich sein Beruf.
Dachdeck1Also, ich könnte sowas nicht. Wenn mir sowas passiert wäre, würde ich nie wieder auf einem Dach herumsteigen. Nie wieder!
Keine zehn Pferde würden mich aufs Dach bringen.
Dachdeck2Abgesehen davon, daß man auch die Pferde nicht aufs Dach kriegen würde.

So sah das bestimmt auch der Honecker: „Ich steig nicht mehr aufs Dach; da werde ich doch lieber Generalsekretär.“
So hätte ich das auch gemacht.

Dachdeck3
Es wird sogar noch auf’m Schild vor Arbeit auf dem Dach gewarnt.
Aber auch durch die Warnung von Meister Lampe lassen sich die Dacharbeiter nicht abhalten.

Berührung oder Das Foto (die Fotos) zum Zwanzigsten

2015-07a2015-07bZwischen diesen Fotos liegen zwei Jahre (2011-2013). Ich war mir auf Anhieb nicht schlüssig, welches das schönere ist, darum erscheinen in diesem Monat am Zwanzigsten zwei Fotos.

Wie wieder zu sehen ist, geht es mir keineswegs um die „unberührte Natur“, sondern eher um die berührte. Besser gesagt: um die berührte Zivilisation. Wie viel Berührung erträgt sie (noch/wieder)?
Der Wald (der Deutsche) hat seine Inanspruchnahme als Stifter nationalen Sinnes („Romantik“) noch halbwegs überstanden. Wird er von seiner heutigen Funktion als Wohnumfeldverbesserung Schaden erleiden?
Das untere Foto ist das ältere.

Muß das wirklich sein, jeden Monat eine neue Mensa?

Gestern in der WAZ gelesen: Es gibt schon wieder eine neue Mensa. Zwar hat die Duisburger Universität schon drei Mensas (Mensen? Mensae?). – In der WAZ stand: zwei: Die „Mensa Bibliothek“ und die im Rundbau an der Lotharstraße. Die an der Bismarckstraße haben sie vergessen mitzuzählen.
Die „Mensa Bibliothek“ heißt „Mensa Bibliothek“, weil es von da aus nur noch ein paar hundert Meter bis zur Bibliothek ist. Die wurde 1968 gebaut. Na und? Das Haus, in dem ich wohne, ist aus dem 19. Jahrhundert.
Über die Rundbau- (vulgo: Keksdosen-) Mensa steht in der WAZ: „Der Plan, Ersatz zu schaffen […], ist bereits 15 Jahre alt.“ Was? Da war die neue Mensa doch gerade mal eröffnet! Und da hat man schon über Ersatz nachgedacht? Genauso wird es auch mit der nächsten Mensa gehen: noch bevor die überhaupt fertig ist, ist die schon in der Abwicklungsphase.
Ein Neubau ist darum unbedingt vonnöten, weil die Ansprüche sich ändern: Vegan, vegetarisch, Wok, Salat-Büffet etc. Ach! Zu meiner Zeit, als die Universität noch akademisch war, da gelang auch schon ein Extramanü für die Schweinefleisch-Nichtwoller. Das ging. Heutzutage muß um jede Suppe und um jedes Schnitzel ein neues Gebäude drumrumgebaut werden.

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Es ist ja nicht so, daß eine neue Mensa wirklich gebraucht wird. Der wahre Grund ist, daß die Planer keine leeren Flächen ertragen. Wenn die eine unbebaute Fläche sehen, dann kriegen die ihren Rappel. Und wenn dann doch mal eine Fläche von Gras bedeckt sein darf, dann muß es ein nach Plan angelegter Offizial-Rasen sein. Die freie Ausbreitung des wilden Grases und des Un-Krautes würde vielleicht auch den Menschen seiner Natur näher bringen, und das ist von Nachteil für die Beherrschung (jetzt sind wir schon bei Rousseau).

Der Wald, der gleich dahinter liegt, ist der Bebauungs-Wut entzogen. Aber da läßt man sich auch noch was einfallen.

Auch der Sören Link hat was gesagt: „Hervorragende Leistungen in Forschung, Lehre und Studium benötigen auch ein attraktives infrastrukturelles Umfeld“, sagte der Oberbürgermeister. Und: „Der Mensaneubau wird ebenso wie das neue Hörsaalzentrum die Attraktivität des Campus Duisburg weiter streigern.“
Das läßt Böses ahnen. Bei dem Hörsaalzentrum an der Lotharstraße hat man die Fenster vergessen.

So ziemlich zuerst

Der Spiegel ist immer froh, wenn er berichten kann, das Ende einer Romanze so ziemlich zuerst gemerkt zu haben:

Spiegel-2015-29„Europa – Gegen die Wand […] Der Fall Griechenland bringt das romantische Europäertum an sein Ende. Gerade die Deutschen haben sich lange ein falsches, häufig verklärtes Bild von den Griechen gemacht. Das erklärt die Fallhöhe ihrer Enttäuschung.“

Die Deutschen sind also wieder mal „enttäuscht“.
Daß die Deutschen sich ein falsches Bild von den Griechen gemacht haben, stimmt allerdings. Die Deutschen halten die Griechen für ein Volk, dem sie keine Kriegsreparationen schulden.

Lü-gen-pres-se! Lü-gen-pres-se! Der Metzger Nr. 114!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 114.

Metzger114CoverSowas steht drin:

Ulrich Sander und Bernd Trautvetter: Der Nato-Oberbefehlshaber Philipp M. Breedlove als Einpeitscher der großen Kriege. Vom Planer in Kalkar zum obersten Kriegsherrn der USA für Europa.

Jakop Heinn: Unter Nebenfeinden. Ackermanns Enthüllungen. Von einer fixen Idee besessen ohne Substanz mit maßlosen Beschuldigungen um sich werfen („Kriegshetzer“, „Verfassungsschutzagent“) – das ist kein feiner Mann, der sowas tut.

Renate König: Risiko Kinderkrankheit. Die Masern sind keineswegs eine „harmlose Kinderkrankheit“. Harmlos sind darum auch nicht die militanten Impfgegner.

Helmut Loeven: Entlassen aus der Geschichte? Durch eine bündnispolitische Fehlentscheidung hat die Friedensbewegung sich selbst einen irreparablen Schaden angetan. Durch das Echo darauf wird offenbar, in welchem desolaten Geisteszustand sich die Linke in Deutschland mittlerweile befindet. Nichts mehr verstehend und von keinem verstanden? Der „Friedenswinter“ und seine Folgen.

Exkurs: „Die Idioten sind unter uns“. Das Neue Deutschland berichtete über die Kritik an der Rechtsöffnung und am Querfront-Kurs der Friedensbewegung. Daraufhin durften sich auf Wojnas Facebook-Seite die unkontrollierten Reflexe austoben. Zitate.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal u.a.: Hilf dem Reichsbürger Naidoof auf das Fahrrad; Sparkasse doof, Postbank ebenfalls doof; Wambachsee und Mercatorstraße oder Warum werden Investoren nicht einfach aus der Stadt gejagt?; Wann bezahlt Schäuble (die schwarze Null) endlich unsere Schulden an Griechenland?; Der Volksbelustiger Dieter Nuhr ist kein Kabarettist, sondern eine Tasse.

Charakter & Lage. Konkret-Herausgeber Gremliza hat mit einem historischen Vergleich daneben gegriffen. Putin ist nicht Dollfuß.

Lothar Röse: Paris mon amour. Das Entsetzen über ein Attentat auf eine Satirezeitungs-Redaktion sollte nicht von kritischer Analyse der Lage abhalten, auch wenn das Entsetzen sich dann vielleicht vergrößert. Der Kapitalismus ist nicht gut für dich, erkundige dich nach ihm!

Marvin Chlada: Es geht voran? Ein Blick in die Zukunft der internationalen Arbeiterbewegung – auch wenn von der Zukunft schon ein Stück geschehen ist! Über ein Buch aus dem VSA-Verlag.

Konrad Knurrhahn: Horizont. Glosse über denselben mit dem Rat, ihn zu erweitern.

Sinngebung: Ready made. Konkrete Poesie oder Ist die experimentelle Literatur reine Maschinenkunst? Lesen Sie selbst!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Dieter Nuhr ist ebenfalls eine Tasse

Dieter Nuhr, der, um als Kabarettist durchgehen zu können, das Näschen zu hoch trägt, und dem, um als Satiriker zu gelten, die Traute fehlt, den Widerspruch zum Volksempfinden (dem gesunden) auf sich zu nehmen, äußerte bei Twitter: „Meine Familie hat demokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein Sieg des Volkswillens!“
Viele, aber nicht alle fanden das gut. Eine Gegenstimme: „Da hat jemand nicht richtig aufgepasst. Wenn, dann müßte es heißen: Meine Familie hat demokratisch gegen die verlangten Sparauflagen unserer Bank entschieden. Wenn man zu dem Ganzen etwas zu sagen hat, dann Bitteschön auch sachlich und fundiert.“
Diesem Rat wollte der Volksbelustiger nicht folgen. Stattdessen führte er vor, daß auch er Krokodilstränen von sich lassen kann: „Daß es den Griechen schlecht geht, ist mir bekannt und extrem erschütternd“, schrieb er auf Facebook, und dann wurde er philosophisch (si tacuisses!): „Aber 200 Jahre Ausbeutung und Korruption abzulösen durch primitiven Antikapitalismus ist so ziemlich das Dümmste, was man tun kann.“
Wer so viel Dummheit in einem einzigen Satz unterbringen kann, ist dann natürlich mit nutzlosen Ratschlägen flott bei der Hand: „Mein Tipp wäre: ein Finanzamt aufbauen, das den Namen verdient, und Korruption bekämpfen, anstatt die anzupissen, die genau dabei helfen wollen.“
Ist das die kabarettistische Kunst des „Kabarettisten“ Dieter Nuhr, Regierungspropaganda in die Latrinen-Version zu übertragen? Für einen, der anscheinend überhaupt nicht mitgekriegt hat, was da eigentlich vor sich geht, nimmt er das vorlaute Mündchen reichlich voll.

"Nie ohne meine Maserung!"

„Nie ohne meine Maserung!“

Er findet, Schäuble und sein europäisches Gefolge „wollen nur helfen“, sanftmütig wie er sie findet. Dieter Nuhr hat nicht mitgekriegt, daß die Gläubiger-Bagage befohlen hatte, Finanzbeamte zu entlassen, und verboten hatte, qualifizierte Finanzfachleute nach der Ausbildung in den Staatsdienst zu übernehmen. Dieter Nuhr hat nicht mitgekriegt, daß der Plan der griechischen Regierung, auf sehr hohe Einkünfte höhere Steuern zu erheben, vom Gläubiger-Kartell vom Tisch gewischt wurde. Denn einme Regierung, die im von Berlin aus regierten Europa noch „Piep“ sagen will, hat es nicht von den Reichen, sondern von den Rentnern zu nehmen. So entspricht des der marktliberalen Doktrin, die mit religiösem Fanatismus durchgedrückt wird, und wenn alles in Scherben fällt.
Wer sich von Elend „erschüttert“ zeigen will, sollte nicht die feiern, die das Elend nicht nur verschuldet haben, sondern auch vergrößern wollen.
Irgendjemand (ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn) hat mal gesagt: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“ Diesen Rat sollte man dem Herrn Nuhr mal bekannt machen.

Zwei Fälle

Zwei Todesfälle mit dem heutigen Datum, die zunächst kaum was miteinander zu tun haben, aber die Ahnung von einer höheren Gerechtigkeit wecken können, allein schon durch die Unterschiedlichkeit des Alters der beiden verstorbenen Männer.
Was den einen von den beiden betrifft: Können Sie sich vorstellen, daß das Gebot, mit dem Tod solle doch jeder Streit enden, in jedem Falle einzuhalten doch manchmal zu schwerfällt vor lauter Verachtung?

Der eine also: Philipp Mißfelder (nomen est omen), der 35 Jahre alt wurde, ein Berufsjugendlicher also, in dieser Eigenschaft einige Jahre lang Vorsitzender eines der fiesesten Vereine (Junge Union), ein Berufsschnösel, Garant für das weitere Wirken bejubelter Menschenverachtung, der sich in die Herzen verkorkster Existenzen hineinsmeilen konnte.
„Ich halte nichts davon, wenn 85jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“, wird er zitiert. „Früher sind die Leute schließlich auch auf Krücken gelaufen.“
Das Entsetzen, das er damit verursachte, war beabsichtigt. Schließlich müssen die Diener der Herrschaft, ab und zu ihre charakterliche Schäbigkeit öffentlich vorzeigen, das gehört zu ihrem Job.
(85jährige und Ältere von der Gesundheitsversorgung auf dem Stand der Heilkunst auszuschließen ist nur das vorgeschobene Signal, um Atmosphäre zu schaffen, weil sich Sozialkosten in größerem Maße dann einsparen lassen, wenn man die – sagen wir mal: 60jährigen schon ausgrenzt. Und der Drecksack grinst dazu.)
Dieser wurde nur 35 Jahre alt. Er fiel nicht einem Unfall oder einem Attentat zum Opfer. Für den hatte der Liebegott tatsächlich nur 35 Jahre vorgesehen.

Der andere: Gerhard Zwerenz. Der wurde 90 Jahre alt.
Ein profilierter Mann (auch im nichtmetaphorischen Sinne). Ich gebe zu, daß ich von den sehr vielen Büchern, die er geschrieben hat, nur wenige in der Hand gehalten habe. Ich begegnete dem Autor eher durch Artikel in Konkret (früher, ja früher!) und anderen Zeitungen und Zeitschriften.
Einmal erlebte ich den live, und zwar als Redner bei der Abschlußveranstaltung des Ostermarsches Ruhr 1968 in der Westfalenhalle in Dortmund. Das war ein Mann, der wüten konnte. Während seiner Rede rief er dazu auf, der illegalen KPD beizutreten.
Mit dem Namen Gerhard Zwerenz endeten die Unterschriftenlisten all der vielen fortschrittlichen Aufrufe, die mit Wolfgang Abendroth begonnen hatten.
In Wikipedia werden über 80 Bücher aufgezählt (und das ist nur eine Auswahlliste). Das VLB verzeichnet nur zwei derzeit lieferbare Buchtitel!
Sowas ist kein Einzelfall. Ehrt und schätzt den Antiquar! (Aber nicht den nächstenbesten).

Die Merkel ist auch eine Tasse

Wie der gestrigen WAZ zu entnehmen ist, geht der dogmatische 150-Prozent-Kurs der Bundesregierung (und der von der Bundesregierung geführten EU) einigen Fachleuten auf den Wecker:
„In den USA wird die Kritik am strengen Spar-Diktat der EU gegenüber Griechenland immer lauter. Auch Präsident Barack Obama schaltete sich in die Debatte ein.
Mit Nobelpreisen ausgezeichnete Wissenschaftler wie Paul Krugman und Josef Stiglitz sowie Leitmedien wie die ‚New York Times‘ werben seit Tagen für einen teilweisen Schuldenschnitt gegenüber Griechenland; bislang ein Tabu in EU-Kreisen. Die Geldgeber-Länder mit Deutschland an der Spitze hätten Griechenland auf einen Kurs gezwungen, der Wachstum verhindere, die Wirtschaft immer weiter in die Depression treibe und zur Verarmung beitrage, heißt es.
Mit Verweis auf ein Gutachten des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen die Ökonomen fest, dass Griechenland unter den herrschenden Bedingungen seine Schulden niemals zurückzahlen kann. Krugman vergleicht die von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geprägte Politik mit „mittelalterlichen Ärzten, die darauf bestehen, ihre Patienten ausbluten zu lassen – und wenn ihre Heilmethode die Patienten kränker macht, dann verlangen sie noch mehr Aderlass.“

Für den Spiegel stellt sich die Sache ähnlich dar:
Spiegel-2015-28..

„Politik wird durch Zwang ersetzt“

In der neuen Ausgabe des Freitag geht die Politologin Gesine Schwan mit der Griechenland-Politik der Bundesregierung, also auch ihrer Partei, der SPD, hart ins Gericht.

FreitagSchwanZitat:
„Die EU tut sich mit dem Interessenausgleich zurzeit extrem schwer. Das konnte man auch beim Flüchtlingsgipfel vergangenes Wochenende sehen, wo der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi entsetzt war über den Mangel an Solidarität unter den Mitgliedsstaaten. In der derzeitigen Situation verschweigt man da gern auch, dass Griechenland trotz seiner schwierigen Lage sehr viele Flüchtlinge aufnimmt und sich bemüht, sie menschlich unterzubringen. […]
Nach meiner Analyse geht es jenen, die mit aller Vehemenz gegen die griechische Regierung vorgehen, schlicht darum, diese zu Fall zu bringen. Dahinter steht natürlich der Streit zwischen Weitermachen mit der Austeritätspolitik oder Formulieren einer Alternative. Weil sie das Zweite will, gibt es geradezu einen Hass auf die Syriza-Regierung. Ein wichtiges Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion hat mir gesagt, Angebote für eine Umschuldung lägen auf dem Tisch – wenn die Griechen ihre Regierung abwählten, indem sie beim Referendum für Ja stimmten, würden sie die Umschuldung bekommen. Das zeigt: Es geht darum, die Regierung loszuwerden. […]
Indem Syriza immer wieder aufgetischt wurde, was der konservative Vorgänger Andonis Samaras ausgehandelt hatte, hat man das Scheitern provoziert. Es mag hinzukommen, dass man dem griechischen Staatswesen als Ganzem misstraut. Aber es ist ja klar, dass die Syriza-Regierung dem Wunsch, möglichst alle vier Wochen ihre Finanzen auf die Einhaltung der Austeritätspolitik hin kontrollieren zu lassen, nicht nachkommen konnte. Keine Regierung würde das, wenn sie die Politik für fundamental schädlich hält.“

Das ganze Interview ist nachzulesen:
https://www.freitag.de/autoren/jan-pfaff/politik-wird-durch-zwang-ersetzt
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