Wußten Sie damals, was morgen für ein Tag gewesen sein würde?

„Wissen Sie, was morgen für ein Tag ist?“ fragte ich Sie vor ein paar Tagen. Das war aber nicht die erste Philippika dieses Titels auf diesen Seiten, fiel mir heute auf. Sondern so fragte ich schon am 30. Juni 2015. Der Nachrichtenlage der letzten Tage ist der Kommentar angemessen.
Ich wiederhole:

Wissen Sie, was morgen für ein Tag ist?
Morgen ist der 1. Juli 2015, der 25. Jahrestag der „Währungsunion“.
Ein Nachbarland wurde einverleibt (vulgo: annektiert), die westdeutsche Währung wurde dort eingeführt, als ob das mal so einfach ginge. Folge war, daß eine Volkswirtschaft zusammenbrach.
Der wirtschafts- und währungspolitischen Entscheidung lag keine nüchterne Kalkulation zugrunde, ökonomischer Sachverstand spielte keine Rolle. Umso mehr der Kalte Krieg. Ideologische Verblendung und marktwirtschaftlicher Heilsglauben tobten sich aus. Darum führte die Entscheidung in die Katastrophe. Gucken Sie sich diese „blühenden Landschaften“ doch mal an.
Dieselben Scharlatane, die auf Verluste keine Rücksicht nehmen, sind jetzt damit beschäftigt, „Griechenland zu retten“.
Vor einem Jahr wurden die Renten halbiert, weil die Verkünder der Marktwirtschaft meinten, die Renten wären zu hoch. Letzte Tage in einer dieser TV-Talkshows sagte der Wirtschaftsguru Sinn: in Griechenland sind die Renten zu hoch.
Denen fällt nichts Neues ein. Die Renten sind zu hoch, nicht nur in Griechenland, und nicht nur die Renten, sondern vor allem die Löhne.
Folgt man den Wirtschafts-Pappnasen, dann kommt die riesige Staatsverschuldung daher, daß die einfachen Leute „über ihre Verhältnisse gelebt haben“. Staatsschulden im Kapitalismus sind systembedingt, und wer etwas anderes behauptet, ist ein Idiot.
Und genau das ist der Punkt: Wir haben es mit Vollidioten zu tun.
Wer predigt, die Programme, die jahraus jahrein das Elend nur vergrößert haben, müßten unbedingt fortgesetzt werden, der ist verrückt – wie der Brüsseler ARD-Korrespondent Krause, der sie nicht mehr alle auf dem Kastenmänneken hat.
Wie sieht es eigentlich mit der Staatsverschuldung in Deutschland aus?
Die EU-Wirtschaftspolitiker samt ihren pseudowissenschaftlichen Zuträgern wollen Griechenland nicht „retten“, sondern ihre marktwirtschaftlichen Wahnvorstellungen ausbreiten.
Die Sparpolitik wird die Schulden nicht senken. Die Sparpolitik soll die Schulden nicht senken, sondern die Renten.
Die Anti-Griechenland-Politik läßt erkennen, was den Politikern, die unser Land regieren, zuzutrauen ist.
Und die griechische Regierung? Die tut einfach nicht, was „wir“ ihr befehlen. Wo „wir“ es doch nur gut mit ihnen meinen.
Auch die Anti-Griechenland-Politik der EU hat was mit Kaltem Krieg zu tun. Warten Sie mal ab, wenn in Athen die Konservativen an der Regierung sind, wie dann die Geldquellen wieder sprudeln; und dem Schäuble, dieser schwarzen Null, kann es dann gar nicht schnell genug gehen, seinen griechischen Parteifreunden das Geld überall hineinzuschieben.

Auch das ist ein Aspekt der bürgerlichen Herrschaft: daß man die Kommentare immer mal wieder aus der Schublade holen kann.

Da wir vorgestern hier …

… von Kamelen redeten:
Ich hab ja selber keinen Fernsehapparat mehr (ist kaputtgegangen), kriege nur dann was vom Fernsehprogramm mit, wenn ich irgendwo bin, wo ein Fernsehapparat eingeschaltet ist.
Ich war bei meiner Mutter zu Besuch, und da lief die Sendung von Günther Jauch, wo der Höcke (AfD) das Fähnchen auf die Armlehne legte und dann redete.
Und redete.
Meine Mutter rief entsetzt: „Was ist der? Lehrer??“
Der ist sogar beamteter Lehrer, Oberstudienrat, vom Schuldienst freigestellt, und er kann jederzeit in den Schuldienst zurückkehren.
Wäre es da nicht besser, wenn die AfD in den Bundestag kommt, weil der Höcke vor dem Plenum weniger Schaden anrichtet als vor einer Schulklasse – vorausgesetzt, er stellt sich da genauso dämlich an wie bei dem Jauch. Er könnte die Pläne zu einer CDU/CSU/AfD-Koalition im Keim ersticken, wenn er zu heftig gegen die Merkel hetzt. Aber darauf spekuliert ja der Seehofer. Man kann sich heute auf gar nichts mehr verlassen.

Gauck hat den Knall gesehen (glaubt er)

Bundespräsident Gauck hat seine obligate Weihnachtsrede geredet. Er sagte:
„Und doch ist etwas anders in diesem Jahr. Der Terror, den wir seit Jahren weltweit erleben, ist plötzlich vorgedrungen bis in unsere Hauptstadt.“

Plötzlich.

In Berlin (unsere Hauptstadt) hat ein Fanatiker ein Attentat verübt. Das Entsetzen darüber war groß.
Damit ist aber keineswegs der Terror über dieses Land hereingebrochen.
Zuvor waren jahrelang mindestens wöchentlich in allen Gegenden Deutschlands Brandfackeln gegen Flüchtlingsheime entzündet, Menschen angegriffen und verletzt, ihr Leben in Gefahr gebracht worden, weil sie „nicht von hier“ sind. Die Reaktion darauf: Gleichgültigkeit. (Auch der Bundespräsident scheint diese Diskrepanz nicht zu erkennen).

Mein Entsetzen über all diese Ignoranz ist nicht geringer als mein Entsetzen über diesen einen zum Töten entschlossenen Fanatiker.
Man wird immer wieder daran erinnert, daß wir in Deutschland leben.

P.S.: Der „Nationalsozialistische Untergrund“ konnte hier ein Jahrzehnt lang Menschen ermorden. Dieser Terror wurde von staatlichen Einrichtungen nicht nur ignoriert, sondern gedeckt und gefördert. von Einrichtungen des Staates, dessen oberster Repräsentant Joachim Gauck ist. Er sollte sich dazu äußern.

Kirk Douglas

Kirk Douglas spielte sehr unterschiedliche Rollen: Spartacus und den sensiblen Maler van Gogh ebenso wie den skrupellosen Chuck Tatum in „Reporter des Satans“, Odysseus ebenso wie den Colonel Dax in „Wege zum Ruhm“ und Ned Land in „20.000 Meilen unter dem Meer“. Vielleicht kann jemand besser als ich im Moment formulieren, was diesen gegensätzlichen Rollen gemeinsam ist. Dem wird dann vielleicht der Filmtitel „Einsam sind die Tapferen“ einfallen.
Kirk Douglas war nie an ein „Studio“ (soll heißen: an einen Filmkonzern) vertraglich gebunden. Er blieb immer ein freier Schauspieler. Er war auch Produzent. So war er nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produktionsleiter von „Spartacus“ (1960).

Der Film über den historischen Sklavenaufstand in den Jahren 73-71 v.u.Z. (in der Frankfurter Allgemeinen als der „bewegendste, intelligenteste und beste Sandalenfilm aller Zeiten“ gewertet) entstand nach dem Roman von Howard Fast, geschrieben 1950 im Gefängnis, weil der Autor Mitglied der Kommunistischen Partei der USA war. Auch der Drehbuchautor Dalton Trumbo stand auf der Schwarzen Liste.
Die Anklage gegen die Versklavung des Menschen hatte Bezüge zu den Verhältnissen in den USA. Die Szene, in der einer nach dem anderen der geschlagenen Sklavenarmee aufsteht und ruft „Ich bin Spartakus“, nachdem die siegreiche Armee die Auslieferung ihres Anführers verlangt hatte, ist ein deutliches Contra gegen das staatlich angeordnete Denunziantentum in der McCarthy-Ära.
Für die Regie hatte Kirk Douglas den damals noch weitgehend unbekannten Stanley Kubrick gewonnen.

Mit Kubrik hatte er schon 1957 zusammengearbeitet in „Wege zum Ruhm“. In diesem Antikriegsfilm wird die mörderische Stupidität militaristischer Mentalität und nationalistischer Engstirnigkeit vorgeführt, die so klingt:
„Die Leute haben nicht darüber zu entscheiden, ob ein Befehl durchführbar ist oder nicht. Wenn er nicht durchführbar war, so müssten jetzt zum Beweis ihre toten Körper den Boden der Gräben bedecken.“

Eine Dialogstelle in „Wege zum Ruhm“:
„Was hat er über Patriotismus gesagt?“ – „Er sagte, daß Patriotismus die letzte Zuflucht eines Schurken sei.“
Damit dieser Film überhaupt verwirklicht werden konnte, hat Kirk Douglas auf eine Gage verzichtet. So konnte dieser Satz in die Filmgeschichte eingehen.

Was hat Kirk Douglas mit Lichtern des Lichtspiels wie Marilyn Monroe, Marlene Dietrich, Cary Grant, Maureen O’Hara, Charlie Chaplin und Alfred Hitchcock gemeinsam? Auch er hat nie den Oscar bekommen. (Ehrenoscars zählen nicht).

Kirk Douglas hat heute Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt.

Fernsehgucken als Kunst

Ich habe mir angewöhnt, die Krimis im Fernsehen immer erst nach einer halben Stunde einzuschalten. Sie werden dadurch spannender.
Ich verstehe dann zwar nicht, worum es geht. Aber in wahren Leben versteht man ja auch nicht, worum es geht.

Ah! Da sind Sie ja, Herr Schröder!

SuelzkoppSchroederDieser „Kasten“, enthaltend Zitate aus Dialogen in dem Tatort-Film „Moltke“ von 1988 (mit Götz George als Schimanski, Grimmepreis) erschien in DER METZGER Nr. 56 (Februar 1999) auf Seite 3 (als sogenanntes Intro).
In diesem überaus gelungenen und komikgeladenen Schimanski-Film fand ich den running gag lustig. Daß der geniale Überblicker Schimanski sich den Allerwelts-Namen „Schröder“ partout nicht merken kann, daß Hänschen wie immer sanft-korrigierend eingreifen muß, und daß sogar auf den stets korrekten Königsberg Schimanskis brachiale Namensgebung abfärbt – zum Lachen.
Schimanskis Fähigkeit, einen Menschen sehr schnell einschätzen zu können, versagt in diesem Fall ebenso wie sein Namensgedächtnis. Denn dieser „Sülzkopp“ genannte Schröder „hängt“ keineswegs „da mit drin“, sondern ist bloß irgendson Lackaffe, der da rumsteht.

Kurz vor Ausgabe Nr. 56 hatte eine Bundestagswahl stattgefunden, aufgrund derer Helmut K. als Bundeskanzler von Gerhard S. abgelöst wurde.
Hansjürgen Bott wunderete sich, daß in dem Heft die neue Regierung gar nicht kommentiert wurde.
Ich sagte: „Doch! Guck ma Seite 3.“
Aber das war nur eine Ausrede.

30 Jahre Lindenstraße

Gestern war 30 Jahre Lindenstraße, mit allerlei Tamtam, z.B. live gesendet, was der Sache nicht unbedingt zuträglich war, aber egal.
Ich weiß noch, wie Lindenstraße zum ersten Mal gesendet wurde. Das muß nach Adam Riese 1985 gewesen sein. In der ersten Sendung zogen Leute in das Haus ein, die hatten in einem Käfig eine Maus, als Haustier.
Die Maus sagte: Piep. Da fuhr unser Kater aus dem Schlaf hoch. In einem Sekundenbruchteil stand der auf seinen Beinen, bereit und entschlossen, sich auf die Maus zu stürzen. Ich mußte dem erklären, daß das gar keine tatsächliche Maus in der Wohnung war, sondern bloß eine Maus im Fernsehen.
Unser Kater guckte auch gern Fernsehen, besonders Eishockey: diese Männekes, die durchs Bild huschten, faszinierten ihn. Ich sagte: Eines Tages fängst du dir einen…
kater2_ffDas war ein lieber Freund, der sich bei uns seines Katzenlebens freuen konnte. Er hieß Kater. Ich hätte keinen Namen gewußt, der besser zu ihm gepaßt hätte. Der wußte auch, daß er Kater heißt.
Die Ähnlichkeit mit dem Kater aus „Frühstück bei Tiffany“ ist frappant. Der hieß ja auch einfach „Kater“.

Heil dir im Siegerkrands, Sänger des Vaterlanz

Xavier Naidoo soll für das Deutsche Reich singen, hat die ARD entschieden.
Läßt sich die ARD denn jetzt von der Montags-Friedenswahnmache beraten?
„Ausgerechnet Xavier Naidoo soll Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten. Was die ARD da selbstherrlich im Hinterzimmer entschieden hat, ist der blanke Hohn“, kommentiert Carolin Gasteiger in der Süddeutschen Zeitung. „Wenn Xavier Naidoo Deutschland beim ESC vertritt, wirkt das so, als würde man Matthias Matussek zum Bundespräsidenten küren.“

Hat der ARD-Unterhaltungsfritze Thomas Schreiber nicht gewußt, mit wem er es zu tun hat? Dann ist er bloß dumm. Oder war es ein Unterwanderungsversuch? Dann ist er ein Provokateur. Für letztere ebenso wie für die erstere Möglichkeit spricht, daß er „wußte“, daß X.N. „polarisiert“. Dann hat er sich den X.N. gefragt, ob er wirklich so fies ist wie alle sagen. (So kriegt auch Bandbreite Jobs).

Aber der „schlechte Scherz“ (SZ) findet doch nicht statt. Für den gekürten und wieder abgesetzten Reichsbotschafter ist das „ok“: „Mein Einsatz für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander wird hierdurch nicht gebremst.“ Daß Begriffe wie Freiheit und Toleranz zu inhaltslosen Phrasen zerquasselt werden, wird auch nicht gebremst.
ARD-Tollpatsch Schreiber: Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden. „Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten.“
Das ist wiederum schade. Es wäre doch schön, wenn diese europäische Bombastik-Bumm-Schau kaputtzukriegen wäre. Da könnte ein Vertreter des deutschen Kaiserreichs vielleicht doch nützlich sein.
hl-tenoereWer weiß, wo das alles noch hinführt. Vielleicht werden demnächst, wenn „Deutschland“ dran ist, zwei Sänger gleichzeitig gegeneinander singen (siehe Zeichnung).
Metzger114CoverBitte lesen Sie die Xavier-Naidoof-Titelgeschichte in DER METZGER Nr. 114.

Finanzminister Schäuble ist eine Tasse

Wann fängt der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mal damit an, Anstalten zu treffen, die Zahlung von Kriegsentschädigungen an Griechenland vorzubereiten?
Er hat sich dazu schon mal geäußert, indem er behauptete, mit dem „Zweiplusviervertrag“ von 1990 seien alle Folgelasten des Zweiten Weltkriegs erledigt.
Ach nee!
Der „Zweiplusviervertrag“ wurde geschlossen zwischen der BRD, der DDR, den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich. Griechenland war gar nicht beteiligt. Griechenland ist im „Zweiplusviervertrag“ kein Vertragspartner.
Wolfgang Schäuble, so wird gesagt, ist Jurist. Dann müßte er doch eigentlich wissen, daß Verträge zu Lasten Dritter gar nicht möglich sind. Verträge kann man mit anderen schließen, aber nicht über andere.
Sonst könnte ich ja mit dem Schäuble vertraglich vereinbaren, daß wir bei Aldi an der Kasse nix mehr bezahlen müssen. Ich gehe mit der Ware einfach durch, und wenn die Kassiererin dafür Geld von mir haben will, dann sage ich: „Wieso? Ich hab mit dem Schäuble einen Vertrag, daß ich hier alles umsonst kriege.“
Ich könnte auch mit dem Schäuble vertraglich vereinbaren, daß ich immer umsonst mit’m Taxi fahren kann. Wenn der Taxifahrer kassieren will, sage ich: „Wieso? Ich hab mit dem Schäuble einen Vertrag, daß ich umsonst Taxi fahren kann.“ Oder noch besser: ich sage: „Laut Zweiplusviervertrag müssen Taxichauffeure mich kostenlos befördern.“
Der Taxifahrer sagt dann: „Sagen Sie mal, sind Sie bekloppt?“
Dann sage ich: „Nicht ich. Sondern der Schäuble.“

Wissen Sie, was morgen für ein Tag ist?

Morgen ist der 1. Juli 2015, der 25. Jahrestag der „Währungsunion“.
Ein Nachbarland wurde einverleibt (vulgo: annektiert), die westdeutsche Währung wurde dort eingeführt, als ob das mal so einfach ginge. Folge war, daß eine Volkswirtschaft zusammenbrach.
Der wirtschafts- und währungspolitischen Entscheidung lag keine nüchterne Kalkulation zugrunde, ökonomischer Sachverstand spielte keine Rolle. Umso mehr der Kalte Krieg. Ideologische Verblendung und marktwirtschaftlicher Heilsglauben tobten sich aus. Darum führte die Entscheidung in die Katastrophe. Gucken Sie sich diese „blühenden Landschaften“ doch mal an.

Dieselben Scharlatane, die auf Verluste keine Rücksicht nehmen, sind jetzt damit beschäftigt, „Griechenland zu retten“.
Vor einem Jahr wurden die Renten halbiert, weil die Verkünder der Marktwirtschaft meinten, die Renten wären zu hoch. Letzte Tage in einer dieser TV-Talkshows sagte der Wirtschaftsguru Sinn: in Griechenland sind die Renten zu hoch.
Denen fällt nichts Neues ein. Die Renten sind zu hoch, nicht nur in Griechenland, und nicht nur die Renten, sondern vor allem die Löhne.
Folgt man den Wirtschafts-Pappnasen, dann kommt die riesige Staatsverschuldung daher, daß die einfachen Leute „über ihre Verhältnisse gelebt haben“. Staatsschulden im Kapitalismus sind systembedingt, und wer etwas anderes behauptet, ist ein Idiot.
Und genau das ist der Punkt: Wir haben es mit Vollidioten zu tun.
Wer predigt, die Programme, die jahraus jahrein das Elend nur vergrößert haben, müßten unbedingt fortgesetzt werden, der ist verrückt – wie der Brüsseler ARD-Korrespondent Krause, der sie nicht mehr alle auf dem Kastenmänneken hat.
Wie sieht es eigentlich mit der Staatsverschuldung in Deutschland aus?
Die EU-Wirtschaftspolitiker samt ihren pseudowissenschaftlichen Zuträgern wollen Griechenland nicht „retten“, sondern ihre marktwirtschaftlichen Wahnvorstellungen ausbreiten.
Die Sparpolitik wird die Schulden nicht senken. Die Sparpolitik soll die Schulden nicht senken, sondern die Renten.
Die Anti-Griechenland-Politik läßt erkennen, was den Politikern, die unser Land regieren, zuzutrauen ist.
Und die griechische Regierung? Die tut einfach nicht, was „wir“ ihr befehlen. Wo „wir“ es doch nur gut mit ihnen meinen.
Auch die Anti-Griechenland-Politik der EU hat was mit Kaltem Krieg zu tun. Warten Sie mal ab, wenn in Athen die Konservativen an der Regierung sind, wie dann die Geldquellen wieder sprudeln; und dem Schäuble, dieser schwarzen Null, kann es dann gar nicht schnell genug gehen, seinen griechischen Parteifreunden das Geld überall hineinzuschieben.
Lesen Sie das und das.
Und lesen Sie auch das.

Wissen Sie, was heute für ein Tag ist? Heute ist der Tag meines Rentenbescheids.

Legalize it!

Über den Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken, der in der Bundesrepublik nach einem Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts erleichtert zugänglich gemacht werden soll, las ich in der WAZ diesen Kommentar (4. Februar, Seite 1, Verfasser: Frank Preuß):
„Längst überfällig.
Die Politik bewegt sich langsam, aber immerhin hat sie sich nun zu einem kleinen Schritt aufgerafft: Cannabis auf Kassenrezept, wenn es um Behandlung von Schmerzen zum Beispiel krebskranker Menschen geht – das ist überfällig. Wenn es nun ausgerechnet auch noch die Steinzeitideologen der CSU fordern, dann weiß man, wie lange es schon überfällig ist.
[…] Es ist ja beileibe nicht das erste Mal, daß Juristen Politiker zwingen, sich mit einer Wirklichkeit zu beschäftigen, die ihren Grundüberzeugungen zuwider laufen mag: In diesem Fall einer Wirklichkeit, im der das Leid von Hunderttausenden gelindert werden kann, wenn man endlich die rechtlichen Rahmenbedingungen schafft.
Wer nun befürchtet, die komplette Freigabe von Cannabis stehe damit unmittelbar bevor, unterschätzt das Beharrungsvermögen in der Politik. Bis aus der Erkenntnis, daß der repressive Umgang mit Drogen gescheitert ist, weil er nur Millionen Menschen kriminalisiert und das organisierte Verbrechen füttert, Berliner Beschlüsse werden, dürfte es noch eine Weile dauern.“

Vierzig Jahre mußten vergehen, bis es amtlich war, daß der Untergang des Nazi-Regimes als erfreuliche Tatsache zu bewerten ist („Tag der Befreiung“).
Mehr als ein halbes Jahrhundert mußte vergehen, bis die CDU dann doch sich dazu durchringen mußte, zuzugeben, daß die Bundesrepublik Deutschland ein Einwanderungsland ist.
Jahrzehntelang hat sich die CDU in ihrem Starrsinn gegen den Ausstieg aus der Atomenergie gestemmt.
Jahrzehntelang hat sich die CDU in ihrer Dummheit, in ihrer spießbürgerlichen Verblendung jeder erfolgversprechenden Korrektur, jeder Entideologisierung der Drogenpolitik verweigert. Dadurch ist irreparabler Schaden entstanden. Durch die Legalisierung wäre immerhin der Drogenmafia ein schwerer Schlag zu versetzen.
Mary
Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat sogleich versichert, daß eine allgemeine Freigabe von Cannabis ausgeschlossen ist. Warum? Mit welchem Argument?
Ich frage: Ist es Dummheit allein? Oder gibt es eine Verbindung zwischen der CDU und der Drogenmafia?

Was hat Weizsäcker denn gesagt?

In der Rede am 8. Mai 1985 – 40. Jahrestags des Kriegsendes in Europa – sagte Bundespräsident von Weizsäcker, der 8. Mai 1945 sei ein Tag des Befreiung gewesen.
Weizsäcker hat eigentlich doch etwas Selbstverständliches gesagt, und ist dennoch ein Wagnis eingegangen.
Daß der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war, der Befreiung von Faschismus, das hatten andere schon vorher gesagt. Ich hatte das gesagt, und die, mit denen ich mich geistig verwandt fühle. Wir standen damit im Gegensatz zu denen, die von „Zusammenbruch“ sprachen. Das war nicht bloß ein Unterschied in der Formulierung. Manche suchten den Ausweg aus dem Dilemma mit der Formulierung „Stunde Null“ – als könnte man die Geschichte einfach nochmal von vorn anfangen lassen.
Weizsäcker sprach gewissermaßen als Schiedsrichter des öffentlichen Bewußtseins.
Die Feststellung über die Bedeutung des Datums 8. Mai ist das Fazit der Rede, in der auch diese Sätze vorkamen:
„Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der getöteten Homosexuellen, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen sterben mußten. Wir gedenken der erschossenen Geiseln. Wir denken an die Opfer des Widerstandes in allen von uns besetzten Staaten. Als Deutsche ehren wir das Andenken der Opfer des deutschen Widerstandes, des bürgerlichen, des militärischen und glaubensbegründeten, des Widerstandes in der Arbeiterschaft und bei Gewerkschaften, des Widerstandes der Kommunisten.
[…] Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren. Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“
Der das sagte, wandte sich gegen den bis dahin geltenden herrschaftlichen Konsens, gegen die Staats- und Gesellschaftsdoktrin dieses Landes. Wer die Veranstaltung damals im Fernsehen gesehen hat, erinnert sich auch an die versteinerten Gesichter von Kohl und seiner Bagage. Das Prinzip der Konkurrenz („gegeneinander“) wurde von Konservativen stets als Element der Herrschaftssicherung gesehen und genutzt.
Das Hantieren mit Vorurteilen, Feindschaften und Haß, im Inneren wie im Äußeren, hat mit dem Ende Hitlers kein Ende gefunden. Es waren dieselben Vorurteile, wenig oder gar nicht temperiert, dieselben Opfer des Hasses, dieselben Feindschaften und dieselben Feindbilder. Gerade auch die Feindschaft gegen die Russen war konstituierendes Element der Nachkriegsordnung. Ohne den inneren und ohne den äußeren Feind hätte dieses Land, dieses Volk nicht auf Vordermann gebracht werden können.
Die Doktrin der CDU lautete: Wer nicht genauso denkt wie wir, der ist ein Feind, und den muß man bekämpfen, und dabei ist jedes Mittel erlaubt.
Erinnern wir uns an die Zeit vor 30 Jahren. Die 80er Jahre waren eine Zeit großer Auseinandersetzungen darüber, wie wir uns selbst verstehen, wie unsere Zukunft gestaltet sein soll und wie wir leben wollen. „Alternativ“ zu denken und zu leben (was damals vielleicht noch ein Begriff mit Inhalt war), das bedeutete, in die Reihe der Feinde eingereiht zu werden, gegen die Vorurteile, Feindschaft und Haß mobil gemacht werden.

Über Gott (live)

Einige Passagen meiner Lesung in der Zeche Carl in Essen am 31. August wurden gefilmt. Heute zeige ich Euch: „Den lieben Gott gibt es. Aber gibt es ihn auch wirklich?“ (aus „Wir bleiben im Bahnhof“).

Ton- und Bildaufzeichnung: Hafenstaedter.
Fortsetzung folgt.