Allerheiligen

„Allerheiligen“ ist ein Hochfest der Katholischen Kirche am 1. November. Ich dachte früher, das wäre das Fest der unbekannten Heiligen, also all der namentlich nicht bekannten Märtyrer. Aber ich wurde von einem evangelischen (!) Religionslehrer informiert, das sei das Freudenfest für wirklich alle Heilgen. Seine Worte: „Auch der Mega-Stars wie Franz von Assisi marschieren da ein.“ (Sie wissen: When the Saints go marchin‘ in. Das darf man nicht verstehen als „When the Saints go march in Inn“, das würde bedeuten „Wenn die Heiligen in die Kneipe gehen“.
So paßt das Allerheiligenfest gar nicht so recht in den November-Kontext. Nur dadurch, daß an Allerheiligen abends auf den Friedhöfen die Gräber mit Lichtern geschmückt werden, wird dieser Kontext hergestellt.
Denn Allerheiligen, Halloween und das katholische Sankt-Martins-Fest, insbesondere die bei den drei Festen benutzten Lichter sind alle gleichen Ursprungs.
(Ich dachte im zweiten Schuljahr immer, das hieße „Sand Machtin“).
Zwischen Erntedank (Anfang Oktober) und dem Lichterfest (Ende Dezember, auch als „Weihnachten“ bekannt), im November also, wird das Totengedenken begangen. Das war schon in der vorchristlichen Zeit so.
Halloween war ein keltisch-heidnisches Fest, bei dem (zum Beispiel aus ausgehöhlten, von innen beleuchteten Kürbissen) Fratzen geschnitzt wurden. Diese Fratzen sollten die bösen Geister erschrecken und von den Gräbern vertreiben. Denn, so glaubte man anscheinend, die bösen Geister seien schreckhaft, wie später die Monster in Semame Street.
Die katholische Kirche hat – wie so oft – die heidnischen Kulte einfach aufgegriffen und mit eigenen Glaubensinhalten auszufüllen versucht. Allerheiligen und Sand Machtin sind also abgeschwächte Variationen von Halloween, das, aus Amerika zurückkehrend, in sich steigernder Form als Fest jugendlich-maskulinen Vollidiotentums begangen wird, wie den heutigen Nachrichten im Radio zu entnahmen war.
Eine ganz andere Erklärung für Halloween hat meine Kollegin Lina parat:
Gruß beim Eintreffen in der österreichischen Hauptstadt.

Nobelpreise

Literatur-Nobelpreis.
Egal wer, ist immer gut, solange es nicht der Biermann ist.

Friedens-Nobelpreis.
Der Trump hat ihn nicht gekriegt, aber er war allen Ernstes vorgeschlagen (von einem Idioten sicher).
Aber eigentlich:
Friedensnobelpreis für Trump wäre vielleicht gar nicht so schlecht,
wenn er ihn gemeinsam mit Kim Jong-un bekäme.
Dann hätten wir alle was zum Lachen.

Noch ein Idiot der Musik

Warum sendet WDR zwei in letzter Zeit so viel schlechte Musik – in Zeiten, in denen mehr auf dem Spiel steht als der gute Geschmack?

Ich nenne ein Beispiel.
Da singt so ein Vollidiot mit unangenehm klingender Säuferstimme etwa 450 mal am Tag:
„Was für eine Nacht! Bin mit ‘nem Schädel aufgewacht, gieß den Kaffee wie in Zeitlupe ins Glas. […] Äh da müßte Musik sein.“

Äh! Ömmes! Äh! Willze wat?
Wieso wundert der sich, daß er „mit ‘nem Schädel“ aufgewacht ist? Was hat der denn erwartet? Sanson était ici, was? Trottel!
Und Kaffee trinkt man doch nicht aus dem Glas.
Sondern aus der Vase.

Zur Lage. Vier Thesen.

1. Die Streitkräfte der USA haben Syrien angegriffen. Dieser Raketenangriff ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht.
Begründet wird der Überfall damit, daß in es im Bürgerkrieg in Syrien einen Zwischenfall mit chemischen Kampfstoffen gab. Daß die dem Assad-Regime unterstehende syrische Armee Giftgas eingesetzt hat, ist nicht auszuschließen. Daß andere Beteiligte des Syrienkonflikts Giftgas eingesetzt haben könnten, ist ebenfalls nicht auszuschließen. Jeder Kriegspartei ist jede Grauenhaftigkeit zuzutrauen. Konflikte, die sich der Kategorie „Gut wehrt sich gegen Böse, Gerecht gegen Ungerecht, Emanzipation gegen Unterdrückung, Fortschritt gegen Reaktion“ (wie: Vietcong gegen US-Imperialismus, ANC gegen Apartheid, Frelimo gegen Kolonialmacht, Che gegen CIA) zuordnen lassen, finden in der gegenwärtigen zeitgeschichtlichen Epoche nicht statt.

2. Ohne hinzusehen, ohne für Fakten überhaupt empfänglich zu sein, hat der Präsident der USA Donald Trump das Assad-Regime als Urheber eines Giftgaseinsatzes „erkannt“. Denn diese (durchaus nicht unmögliche, aber auch nicht einzig mögliche) Version kommt ihm gelegen. „Das Entlarven richtet sich nach Angebot und Bedarfen.“ (Volker Seyfried).
Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Gabriel finden die Handlungsweise des US-Präsidenten „nachvollziehbar“. Nachvollziehbar ist solch eine Aggressionshandlung für Leute, für die das Völkerrecht sowieso nicht das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht. So reagieren Politiker der Bundesregierung auf die Demütigungen, die ihnen das Großmaul in Washington täglich zumutet. Hündische Unterwürfigkeit vor dem Großen Bruder haben die intus, daran wird sich so schnell nichts ändern.

3. Der Präsident der USA, so wird kolportiert, soll darüber, daß Zivilisten, auch und gerade Kinder durch Giftgas grausam ihr Leben verloren, zutiefst erschüttert gewesen sein. Wer das Zeitgeschehen der letzten Monate beobachtet hat, kann kaum glauben, daß der Präsident der USA überhaupt für irgendjemanden (außer für sich selbst) Mitgefühl empfindet. Darum dürfte es ihn auch nicht stören, daß durch seinen Vergeltungsschlag Zivilisten, auch Kinder, getötet wurden.
Sollte man den Präsidenten der USA darauf aufmerksam machen wollen, daß durch seine Vorgehensweise das Verhältnis zu Rußland auf gefährliche Weise verschärft wird, wird er antworten, daß es darum noch mehr verschärft werden muß.
Die USA-Regierung hat es gerade nötig, über den Einsatz chemischer Kampfstoffe Krokodilstränen zu verschütten. Wie war das denn in Vietnam?

4. Die Aggression der US-Streitkräfte ist innenpolitisch motiviert. Ein schwacher Präsident brauchte einen Erfolg (besser gesagt: einen Knalleffekt). Damit brachte er vormalige Unterstützer aus der Rapublikanischen Partei gegen sich auf. Der erzkonservative Senator Rand Paul kritisierte: Die USA seien nicht angegriffen worden und hätten folglich nicht militärisch reagieren dürfen. In der Tat ist dieser „Antiinterventionalismus“ eine gewichtige Traditionslinie in der US-Politik. Trump holte sich aus ihren Reihen Unterstützung im Wahlkampf. Jetzt stellt sich heraus, was davon übrigbleibt: Daß die US-Außenpolitik sich lediglich aus Bündnisvereinbarungen herauslöst. Für jemanden wie Paul ist Antiinterventionalismus ein dezidiertes politisches Prinzip, für jemanden wie Trump bloß ein Werbegeschenk.
Es wäre fatal, wenn die Friedensbewegung, hier ohnehin für Querfront anfällig, erzkonservative Ultranationalisten aus der T-Party-Bewegung als Kronzeugen zitiert.
Die einzige Konstante in Trumps Politik ist die Unberechenbarkeit. Das verstört zwar ein paar erzkonservative Senatoren, seine Fangemeinde stört es nicht. Wenn Trump heute hü sagt und morgen hott, jubeln sie ihm in jedem Fall zu.
Für den Frieden in der Welt ist das eine gefährliche Lage.

Good New’s Week oder Netanjahu und Erdogan gingen übber de Rheinbrück

Jetzt hat auch der Pemiermister Tünnes Netanjahu sein Schmähgedicht gekriegt. Aber nicht von irgendeinem ARD-ZDF-Bömmelmann, sondern höchstselbst vom UN-Weltsicherheitsrat (Titel: „Resolution“).
Und der dreht auch prompt so leberwürstig-beleidigt durch, als Erdogan der zweite.

Alles Gute!

Heute früh hörte ich im Radio ein Interview mit dem Kölner Erzbischof Rainer Woelki.
Der Reporter fragte: „Denken wir an die Abgehängten von damals, die Hirten. Würden die heute AfD wählen.?“
Antwort des Kardinals: „Nach der Begegnung mit dem neugeborenen Kind bestimmt nicht. Denn die Weihnachtsbotschaft bedeutet etwas anderes als das, was die AfD sagt.“

Ich wünsche Ihnen, egal woran Sie glauben und woran sie nicht glauben, alles Gute.

Hohes C

Zwei traurige Nachrichten.

Es stand heute noch nicht in der Zeitung, gestern hörte ich es im Radio: Leonard Cohen ist am 7. November, am vorigen Montag gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. Keine vier Wochen vor seinem Tod erschien sein letztes Album „You want it darker“.

LEONARD COHEN . CHANTEUR CANADIEN . FOLK . TOURNAGE D UN CLIP . AVEC DOMINIQUE ISSERMANN . PHOTOGRAPHE . PLAGE DE TROUVILLE . 26 JANVIER 1988 .

LEONARD COHEN . CHANTEUR CANADIEN . FOLK . TOURNAGE D UN CLIP . AVEC DOMINIQUE ISSERMANN . PHOTOGRAPHE . PLAGE DE TROUVILLE . 26 JANVIER 1988 .

Wikimedia Commons

Als die Vergabe des Literaturnobelpreises an Bob Dylan bekanntgegeben wurde, wurde vielfach erörtert, ob der Preis nicht eher oder ebensogut dem kanadischen Songschreiber hätte zuerkannt werden können. Leonard Cohen war als Lyriker im nordamerikanischen Sprachraum schon bekannt, als er sich musikalischer Arbeit zuwandte.
Daß er hierzulande als Schriftsteller nicht hinter dem Musiker verschwand, ist dem März-Verlag zu verdanken, der seine frühen Titel („Schöne Verlierer“, „Blumen für Hitler“) herausbrachte. Cohens melancholisch klingenden Songs ist es zu verdanken, daß er nie von der Schaumfabrik eines sich fortwährend banalisierenden Show-Business aufgefressen wurde. In dem Album „The Future“ (1992) bezieht er sich äußerst skeptisch auf die weltpolitischen Entwicklungen jener Jahre: „I’ve seen the future, it is murder“. Von der tumben Bedusseltheit nach dem „Fall der Mauer“ ließ er sich nicht anstecken.
Joni Mitchell hat in einigen ihrer Songs ihre Beziehung mit Leonard Cohen reflektiert (z.B. „Chelsea Morning“).

Am Dienstag, 8. November starb Raoul Coutard im Alter von 92 Jahren.
Der Name dürfte selbst unter interessierten Kinogängern nicht vielen bekannt sein. Umso nachdrücklicher wird hier an ihn erinnert.
Raoul Coutard war Kameramann des französischen Films von den 50er bis zu dem 90er Jahren. Für die meisten Filme von Jean-Luc Gorard bediente er die Kamera. Er arbeitete auch für Francois Truffaut und Costa-Gavras. Der fortschrittlichen Stellung des französischen Films verpflichtete er sich auch als Regisseur: in dem Vietnam-Drama Hoa Binh (1969) und in „S.A.S. – Terreur à San Salvador“ (1983), einem Film über die Todesschwadronen und die Ermordung des Bischofs Oscar Romero durch die Faschisten.
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Die Autoren der Nouvelle Vague erweiterten die Bildsprache des Kinos, das der Essayistik filmische Möglichkeiten verschaffen sollte. Die Stilrichtung des progressiven, emanzipatorischen, kritisch-analytischen Films wurde von Raoul Coutard nicht weniger geprägt als von den Theoretikern und Regisseuren, mit denen er zusammenarbeitete.

alphavilleAlphaville von Jean-Luc Godard (1965) ist einer der erstaunlichsten, gewagtesten und am schönsten fotografierten politischen Filme. Anna Karina, Eddie Constantine.

Nachtgedanken

Man hat ja schon oft gehört, daß Europa Amerika hinterherläuft. Alle Irrigkeiten der USA kommen nach einer gewissen Zeit in Europa an.
Seit gestern kommt mir das so vor, als ob sich die USA auf europäischen Spuren bewegen.

Bob Dylan und die Stasi

Einige Hüter des Elfenbeinturms sind tatsächlich überrascht, oder sie tun so. Als ob es aus heiterem Himmel gekommen wäre. Bildungsbürger erkennbar als Banausen wissen gar nicht, mit wem sie es überhaupt zu tun haben.

Das erfreulichste aber ist, daß der häßliche Herr Biermann sich kaputtärgert, weil die Stasi schon wieder verhindern konnte, daß ER den Nobelpreis kriegt.

George Martin

Ich habe Ihnen diese Geschichte schon erzählt: Der Elektrogeräte- und Schallplattenhändler und Manager von Liverpooler Beat-Bands Brian Epstein hatte kein Glück, als er versuchte, seine Band „The Beatles“ bei der Plattenfirma Decca unterzubringen. Diese Musik, meinte man bei Decca, hätte keine Zukunft.
Die Jahrhundert-Fehlentscheidung von Decca erwies sich allerdings für die Beatles und für die Freunde guter Musik als Jahrhundert-Glücksfall. Denn dadurch trafen die Beatles bei EMI mit George Martin zusammen. Was wir als Beatles-Musik kennen, wäre ohne diesen erfahrenen, sachkundigen, experimentierfreudigen und kongenialen Produzenten nicht möglich gewesen.
Herausgekommen ist ein Jahrhundert-Klang. Wohl nie zuvor war ein so hohes künstlerisches und intellektuelles Niveau mit solcher Massenwirkung verbunden. Diese Musik steht – pars pro toto – für eine Entwicklung in der Weltkultur in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. (Man kann ja auch umgekehrt feststellen, daß der Anti-Elitarismus in der Kunst nicht sämtliche Abendländer untergehen läßt, wie uns das die Konservativen einreden wollen).

George Martin 1926-2016

George Martin 1926-2016

Foto: Wikimedia Commons