Wieder ein Verlust

Keine gute Nachricht: Der Laden „Die Schallplatte“ auf dem Sonnenwall schließt zum Jahresende. Die WAZ widmete diesem traurigen Ereignis einen ganzseitigen Bericht, und zwar nicht im Duisburger Lokalteil, sondern im überregionalen Teil. Denn „Die Schallplatte“, so wird vermerkt, ist „Deutschlands ältestes Geschäft seiner Art“ – sicherlich kein übertriebenes Urteil.
1954 wurde der Laden von Gottfried Haunzwickle gegründet (der übrigens Pate stand, als Rudi Kallamees 1970 sich mit seinem „Disc“ als Fachgeschäft für progressiven Rock selbständig machte). „Die Schallplatte“ blieb durch die Jahrzehnte Anlaufstelle für ein anspruchsvolles Publikum, für das Musik nicht bloß Geräuschkulisse sein darf, die zum einen Ohr rein und zum anderen raus geht..
Thomas Fenn, der letzte Inhaber, bekennt: „Andere Musik reinnhmen? Es gibt Bereiche, damit kann ich nichts anfangen. Tagesaktuelle Popmusik geht mir fürchterlich gegen den Strich. Ich kann es nicht verkaufen. So kann ich mich nicht verstellen.“
„Es wird nochmal laut“ heißt es in dem Zeitungsbericht. Am Samstag, 14. Dezember sind Blind Joe Black und Sängerin Tony Maracas zu hören.
www.schallplatte-duisburg.de

„Ich kenne keine Interessen mehr, ich kenne nur noch Deutsche“

Da es mit dem Inneren Zusammenhalt der Nation derzeit mal wieder nicht so recht klappt (einige Landsleute treiben es gar zu weit), wird die Gelegenheit des Jahrestages ergriffen, über Tränen der Freude zu berichten.
Der November, so sagte ich bereits, ist bei uns noch nie ein trauriger Monat gewesen. Das hätten wir im November 1989 anders empfinden können. Aber wir gingen dann doch fröhlich an die Arbeit (siehe unten).
Eine Nation im Freudentaumel – auch noch die deutsche! Das konnte nichts Gutes verheißen. (Und daß es im einzelnen noch schlimmer hätte kommen können, ist kein Gegenargument). Wer unverstandenes Geschehen bejubelt, ist von allen guten Geistern verlassen.
Das Jahrestagsfoto auf der heutigen WAZ und die Schlagzeile zur aktuellen Lage zeigen den Radius deutscher Lage und deutscher Mentalität. Nation ist, wenn man die Mieten erhöht und die Mieter von der Mieterhöhung begeistert.
Die beiden METZGER-Ausgaben in der Folge des Schrittes von der Zukunft in die Vergangenheit, genannt „friedliche Revolution“ (recte: unfriedliche Konterrevolution) behandeln dieses Welt-Geschehen als Schwerpunktthema.
Unser Motto damals: Wer den schlechten Sozialismus nicht verteidigt, kriegt keinen besseren.
Die beiden Hefte (Nr. 42 und 43) sind weiterhin erhältlich, als Doppelpack für 5 Euro hier zu bestellen.

„Wenn die berauschte Kreatur …“

Gute Frage! Gestern (Landtagswahl in Sachsen und Brandenburg) machte der „Geist“, der doch immer schon ein Un-Geist war, sich bemerkbar (mit über 20 Prozent).
Was hat man denn erwartet?
„Wir sind das Volk“ hat schon immer dasselbe bedeutet.

Da: schaut mal: von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, vielleicht ist das war, ich habe es selbst noch nicht gelesen:
Die Wahl zum 7. Landtag Brandenburg und zum 7. Sächsischen Landtagam 1. September 2019WAHLNACHTBERICHT, ERSTE KOMMENTARUND DATEN

„Wenn die berauschte Kreatur … “ ist zitiert aus einem Gedicht von Walter Mehring.

Der Weg nach oben

Ach, da läuft der Hase!
Wurde das nicht mal als Abwehr von Belästigung, Erpressung und sexueller Nötigung vorgeführt?
Was wirklich? Bewegung für die züchtige Gesellschaft.
Ein Lebensbild kommt zum Vorschein, in dem der Mitmensch grundsätzlich als Täter, Verursacher und Gefährder gesehen wird.


..

Herzlichen Glückwunsch Ilse Storb!

Samstag in der Zeitung gelesen:
Anekdote (2007):

Schräg hinter mir sitzt Frau Professor Ilse Storb. Die tippt mir auf die Schulter:
„Sind Sie der Professor Januscheck?“
„Nein. Ich bin Helmut Loeven.“
Eine Minute später: tipptipptipp:
„Sind Sie denn bei uns auf der Uni?“
„Ich war auf der Duisburger Uni.“
Eine Minute später wieder: tipptipptipp:
„Professor Loeven? Kenne ich gar nicht.“
„Nein, ich bin auch kein Professor.“
Eine Minute später: „Sie sehen aber aus wie ein Professor!“
Als alle Reden geredet sind, kläre ich Frau Professor Ilse Storb auf: „Ich hab an der Uni studiert. Bei Ihnen.“
„Bei mir??? Was haben wir denn gemacht?“
„Musik und Politik.“
„Das hab ich ja immer gemacht. Was haben wir denn gemacht? Doch bestimmt Henze und Nono.“
„Und Hanns Eisler.“
Frau Storb, begeistert: „Hanns Eisler! Ja! Gegen die Dummheit in der Musik!“ Wenn die das Klavier entdeckt, das da hinten in der Ecke steht, dann gibt es kein Halten mehr, dann legt die los!

aus: Schon seit 20 Jahren Wissenschaft gegen den Strich. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) feierte Geburtstag. in DER METZGER Nr. 81.

Was habe ich auch noch in dem WAZ-Interview gelesen? Über Helge Schneiders Katzenklo:

So hab ich sie erlebt, meine Professorin: bei aller Exzentrik stets kritisch und anspruchsvoll – und hochkompetent. Wer mit Vergnügen erlebt hat, daß sie im Fernsehen jedem die Schau stehlen konnte, sollte auch wissen, daß es in ihren Seminaren ernst und konzentriert zuging.
Ihr Engagement für Amnesty International soll erwähnt sein. In der Chile-Solidarität hatten wir miteinander zu tun. Sie besuchte uns auch manchmal am Uni-Büchertisch. Sie hätte also wissen können, daß ich nicht Professor Januscheck bin.
Heute hat sie Geburtstag. Ilse Storb wird 90 Jahre alt.
à la bonne heure!

Die Füße der Gans oder Koch doch selber Kaffee

Nehmen Sie es mir nicht übel, sondern freuen Sie sich. Im Fernsehen kommen ja auch oft Wiederholungen, und das ist gut und nicht schlecht.

Die Füße der Gans oder Koch doch selber Kaffee, Veröffentlicht am 16. November 2013 von hl [und hier geringfügig überarbeitet]

Konkret berichtet über die wechselvolle Beziehung der Alice Schwarzer zu Günter Amendt.
Ihr Klang von 1980: „Ich rief ihn an. Er kam nach Köln. Wir sprachen bis in den späten Abend. In diesem Gespräch wird deutlich, daß Amendt und mich noch viel mehr verband, als wir vermutet hatten.“
1988, nachdem sie in einer TV-Diskussion mit Amendt über Pornographie schlecht ausgesehen hatte: „Der Journalist Günter Amendt präsentiert sich, nur weil er vor Jahren zwei Bücher über Jugendsex geschrieben hat, im Fernsehen auch gerne als ‚Sexualwissenschaftler‘.“ In Gänsefüßchen!
2013, zwei Jahre nach Amendts Tod: „Ich bin mit Emma mal wieder verdammt allein. Und kein Günter Amendt ist in Sicht.“

Günter Amendt…

 

…Tongtong…

Die Gemeinsamkeits-Feier 1980 fand keineswegs in allerbester Stimmung statt. Eine 22jährige Emma-Redaktionsfrau, die damals nicht mehr und noch nicht wieder meine Freundin (und noch nicht METZGER-Autorin) war, erhielt von Alice Schwarzer im üblichen Kasernenhofton den Befehl: „Koch mal Kaffee!“ Sie darauf: „Ich bin doch nicht zum Kaffeekochen eingestellt! Koch doch selber Kaffee!“ Frau Schwarzer war darüber sehr verärgert, während Günter Amendt sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

…and the Girl

Günter Amendt, Sexualwissenschaftler, Journalist (hauptsächlich für Konkret), kundig in Drogenpolitik und im Lebenswerk von Bob Dylan, SDS-Mitglied, Kommunist, 2011 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, wäre heute 80 Jahre alt geworden.