Wußtest Du schon, daß …

… es früher in vielen Zeitungen und Zeitschriften eine Rubrik mit dem Titel „Wußtest Du schon, daß …“ (respective „Wußten Sie schon, daß …“) gab? Nein? Dann wissen Sie es jetzt.
Das gab – in Schülerzeitungen etwa – der Verlegenheit eine Gelegenheit zu krampfhaftem Nonsense („…daß sonntags schulfrei ist“), aber auch in Kundenzeitungen von Bäcker und Metzger und in der Lotto-Totto-Zeitung stand sowas („…daß der Killimann Scharo der högste Berg von Dingenskirchen ist“).

Und darum gibt es das von jetzt an auch hier. Und das hat einen aktuellen Anlaß.

Wußten Sie schon, daß auch Doris Lessing, Elfriede Jelinek und Harold Pinter nicht nach Stockholm kamen, um den Nobelpreis entgegenzunehmen?
Pinter war wohl schon von Krankheit beeinträchtigt. Aber die Jelinek soll sinngemaß geäußert haben, unter so viel Leuten fühle sie sich nicht wohl.
Da wurde noch nicht ein solcher Anstoß genommen wie in diesen Tagen an der Abwesenheit des Nobelpreisträgers bei der Preisübergabe.
Was sagt man dazu?

Dies ist übrigens Notat Nümero 1212. Wußten Sie schon, daß das keine Schnapszahl ist und ich kein’n ausgeben muß? Die letzte Schnapszahl fand hier am 21. Juli statt.

Kirk Douglas

Kirk Douglas spielte sehr unterschiedliche Rollen: Spartacus und den sensiblen Maler van Gogh ebenso wie den skrupellosen Chuck Tatum in „Reporter des Satans“, Odysseus ebenso wie den Colonel Dax in „Wege zum Ruhm“ und Ned Land in „20.000 Meilen unter dem Meer“. Vielleicht kann jemand besser als ich im Moment formulieren, was diesen gegensätzlichen Rollen gemeinsam ist. Dem wird dann vielleicht der Filmtitel „Einsam sind die Tapferen“ einfallen.
Kirk Douglas war nie an ein „Studio“ (soll heißen: an einen Filmkonzern) vertraglich gebunden. Er blieb immer ein freier Schauspieler. Er war auch Produzent. So war er nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produktionsleiter von „Spartacus“ (1960).

Der Film über den historischen Sklavenaufstand in den Jahren 73-71 v.u.Z. (in der Frankfurter Allgemeinen als der „bewegendste, intelligenteste und beste Sandalenfilm aller Zeiten“ gewertet) entstand nach dem Roman von Howard Fast, geschrieben 1950 im Gefängnis, weil der Autor Mitglied der Kommunistischen Partei der USA war. Auch der Drehbuchautor Dalton Trumbo stand auf der Schwarzen Liste.
Die Anklage gegen die Versklavung des Menschen hatte Bezüge zu den Verhältnissen in den USA. Die Szene, in der einer nach dem anderen der geschlagenen Sklavenarmee aufsteht und ruft „Ich bin Spartakus“, nachdem die siegreiche Armee die Auslieferung ihres Anführers verlangt hatte, ist ein deutliches Contra gegen das staatlich angeordnete Denunziantentum in der McCarthy-Ära.
Für die Regie hatte Kirk Douglas den damals noch weitgehend unbekannten Stanley Kubrick gewonnen.

Mit Kubrik hatte er schon 1957 zusammengearbeitet in „Wege zum Ruhm“. In diesem Antikriegsfilm wird die mörderische Stupidität militaristischer Mentalität und nationalistischer Engstirnigkeit vorgeführt, die so klingt:
„Die Leute haben nicht darüber zu entscheiden, ob ein Befehl durchführbar ist oder nicht. Wenn er nicht durchführbar war, so müssten jetzt zum Beweis ihre toten Körper den Boden der Gräben bedecken.“

Eine Dialogstelle in „Wege zum Ruhm“:
„Was hat er über Patriotismus gesagt?“ – „Er sagte, daß Patriotismus die letzte Zuflucht eines Schurken sei.“
Damit dieser Film überhaupt verwirklicht werden konnte, hat Kirk Douglas auf eine Gage verzichtet. So konnte dieser Satz in die Filmgeschichte eingehen.

Was hat Kirk Douglas mit Lichtern des Lichtspiels wie Marilyn Monroe, Marlene Dietrich, Cary Grant, Maureen O’Hara, Charlie Chaplin und Alfred Hitchcock gemeinsam? Auch er hat nie den Oscar bekommen. (Ehrenoscars zählen nicht).

Kirk Douglas hat heute Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt.

What to do? Michael Moore.

Mit den beiden To-do-Listen, mit denen Dokumentarfilmer Michael Moore die Präsidentenwahl in den USA kommentierte, machte die Zeitung Die Welt die Leute hier bekannt.

Die erste To-do-Liste:

1. Übernehmt die Demokraten und gebt sie dem Volk zurück, schreibt Moore. Die Partei habe die Amerikaner maßlos enttäuscht.
2. Der Regisseur fordert: Feuert alle Experten, Vorhersager, Meinungsforscher und alle anderen in den Medien, die sich weigerten zuzuhören oder zu erkennen, was wirklich vor sich geht.
3. Jeder Demokrat im Kongress, der nicht bereit ist, die Republikaner mit der gleichen Härte zu bekämpfen, wie diese es mit Präsident Obama in acht Jahren gemacht haben, muss seinen Platz räumen, verlangt Moore.
4. Jeder muss aufhören, zu sagen, wie „fassungslos“ und „schockiert“ er ist: „Trumps Sieg war keine Überraschung“, sagt der Filmemacher. Ihn nicht ernst zu nehmen, habe ihn nur noch stärker gemacht.
5. Moore verlangt: „Ihr müsst jedem, den ihr heute trefft, diesen Satz sagen: ,Hillary Clinton hat die meisten Stimmen geholt‘.“ Die Mehrheit habe Clinton Trump vorgezogen. Dieser sei wegen eines verrückten Wahlsystems Präsident geworden.

Die zweite To-do-Liste:

1. Es muss schnell und entschieden eine Opposition geformt werden, so wie es sie seit den 60er-Jahren nicht gegeben hat, schreibt Moore. Er und viele andere würden ihren Teil dazu beitragen.
2. „Bereitet euch darauf vor, Trump wegen Amtsvergehen anzuklagen“, fordert der Dokumentarfilmer. Verletzt er seinen Eid oder bricht das Gesetz, müsse dafür gesorgt werden, dass er sein Amt verliere.
3. Moore verlangt, energisch dagegen zu kämpfen, dass Trump Richter für den Supreme Court nominieren kann, die die Rechte von Frauen, Migranten und Armen missachten.
4. „Fordert vom Democratic National Committee, sich bei Bernie Sanders zu entschuldigen“, schreibt Moore. Hätte man ihm eine faire Chance gegeben, hätte er wohl Trump geschlagen.
5. Verlangt von Präsident Obama, dass „die illegalen Eingriffe“ des FBI-Direktors James Comey in die Wahl genau untersucht werden, schreibt Moore.
6. Das amerikanische Wahlsystem muss reformiert werden, fordert der Regisseur: „Das ,Electoral-College‘ muss abgeschafft werden“ – allein das ,Popular Vote‘ solle zählen. Ebenso dürfe nicht mehr elektronisch gewählt werden. Zudem verlangt Moore, dass die Wahl an einem Sonn- oder Feiertag abgehalten wird und auch Bürger mit krimineller Vergangenheit wählen dürfen.
7. Moore fordert: Obama muss davon überzeugt werden, die vergifteten Wasserrohre in Flint im Bundesstaat Michigan sofort austauschen zu lassen.

Die immer mit ihren furchtbaren Titelbildern!

Gestern – nein! vorgestern kam die neue Konkret (November 2016). Und schon wieder mit so einem furchtbaren Titelbild:
konkret-16-10
Warum müssen die immer so furchtbare Titelbilder machen? Das ist doch nicht schön!
Es gab Zeiten, da brachten die fast jeden Monat den Kohl auf Seite 1. Als dann die Cholera – pardon! die Kohl-Ära zu Ende ging, hat man sich zu früh gefreut. Jetzt sowas!

Kommen Sie mal hier im Laden vorbei und kaufen Sie mir die Konkret weg, damit ich nicht den ganzen Monat lang jeden Tag dieses blöde Bild angucken muß!
Ist doch wahr!

Je keiner die Ahnung desto rümpfer die Nase

Die meisten Kommentatoren, auch die meisten wohlwollenden, haben keine Ahnung, mit wem sie es zu tun haben. Die halten den diesjährigen Nobelpreisträger für Literatur für irgendeinen Show-Star und finden es entweder völlig unpassend oder richtig nett, daß das Nobelpreiskomitee sich auch mal des einfachen Publikums annimmt. Wenn die sich mal ein Bob-Dylan-Konzert angehört hätten, dann wäre ihnen aufgegangen, wie deutlich sich diese kargen Vorträge von den Erlebnis-Events mit Zu-ga-bee und herumgeschwenkten Einwegfeuerzeugen unterscheiden. Gelesen haben die auch noch nie was, weil die meinen: Das muß man nicht kennen.
Das muß man auch nicht kennen. Aber dann soll man auch nicht darüber schreiben.

Nicht weniger unangenehm die Kommentierungen der Hu-äh!-Befinder.
In der Jungle World (42/2016) kommentiert ein Uli Krug. Einen Uli Krug gab es schon bei den Bahamas. Ist das etwa derselbe? Die sind wohl für gar nix fies. Zitat:
„Dylan hat seinem Publikum bislang nicht einen Roman vorgelegt sein unmittelbar literarisches Schaffen beschränkt sich auf die Autobiographie ‚Chronicles, Volume one‘.“
Nix mit Tarantula? Aber wozu Sachkenntnis, wenn man so öffentlichkeitswirksam die Nase verziehen kann.

Ein ganz brauchbarer, sachkundiger Kommentar stand diese Woche übrigens in der UZ. Öfter mal UZ lesen!

P.S.:
Gucken Sie mal bei uns ins Fenster:

Gute Umgebung!

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Buchhandlung Weltbühne Gneisenaustraße 226 47057 Duisburg (Neudorf) Tel. 0203-375121, www.buchhandlung-weltbuehne.de

Auswahl:

Georg Stein: Bob Dylan – Temples In Flames.
Vorwort von Wolfgang Niedecken
Text von Martin Schäfer
Palmyra Verlag. 96 Seiten · 70 Farb- und Schwarzweißfotos. Hardcover Kunstdruckpapier.
12 Euro
Verlagstext:
„Der Bildband vermittelt ein fotografisches Porträt von Bob Dylan. Die Fotos entstanden auf fünfzehn Konzerten von Dylans 1987er Tournee ‚Temples In Flames‘. Der Begleittext von Martin Schäfer gibt einen Überblick über Dylans vielseitige Entwicklung.“

Christian Williams (Hg.): Bob Dylan – In eigenen Worten.
Vorwort von Bono
170 Seiten ·24 Schwarzweißfotos
17,90 Euro
Verlagstext:
„In diesem Buch erzählt Dylan ‚In eigenen Worten‘ über sein Leben und seine Musik. Als einzige Publikation von und über Bob Dylan enthält es seine wichtigsten Äußerungen aus Interviews, Pressekonferenzen und Talkshows. Das sich daraus ergebende beeindruckende Portrait umfaßt alle wichtigen Dylan-Themen: seine private Herkunft, die musikalischen Vorbilder und der Karrierebeginn in New York, Erläuterungen zu einzelnen Songs, Platten und Tourneen, Dylans Filmprojekte, das Musikbusiness, die Haltung zu Fans und Musikerkollegen, sein Wandel vom Folk zum Rock sowie seine politische Rolle und permanente religiöse Suche. Ausführlich geht Dylan, der bereits mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, auch auf sein Songwriting und die Schattenseiten seines Ruhms ein.“

Paul Williams: Forever Young. Die Musik von Bob Dylan, 1974-1986.
Vorwort von Günter Amendt
520 Seiten, 16 Schwarzweißfotos
17,90 Euro
Verlagstext:
„Was macht die Musik dieses Künstlers so faszinierend? Was ist das Besondere, das Einzigartige an Dylans Musik? Diesen Fragen geht Paul Williams in Forever Young nach. Er befasst sich – anders als alle anderen Dylan-Autoren – nicht nur mit Dylans Leben, seinen Texten oder seiner gesellschaftlichen Rolle, sondern vor allem mit seinem künstlerischen Werk als Interpret und Live-Musiker. In Ergänzung zu Like A Rolling Stone – Die Musik von Bob Dylan 1960-1973,
umfasst Forever Young die Jahre 1974-1986. Es ist der zweite Band einer Trilogie.“

Erdenwunder

Heute, am 13. August, wurden in Berlin wieder Kränze niedergelegt und lange Gesichter gezogen: „Im Gedenken“.
Gedenken ist ja gut. Gedanken wären besser.
2011, vor 5 Jahren, anläßlich des 50. Jahrestages ihrer Grundsteinlegung, erschien in DER METZGER Nr. 94 der Aufsatz über die Berliner Mauer „Der Erdenwunder schönstes“.

M094Ein paar Zitate:

Die Bundesrepublik befand sich in keinem normalen Zustand. Es ist ohnehin fraglich, ob deutsche Zustände jemals das Prädikat der Normalität verdient haben.

Die Brandredner wollten (…) die „Ostgebiete“ zurück, sie wollten die Grenzen verschieben. Sie wollten Vertreibung. Sie wollten das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges revidieren. Sie wollten Atomwaffen für die Bundeswehr. Sie hatten keine Skrupel, die Flammen, die von deutschen Kriegsverbrechern angezündet worden waren und in denen das Deutsche Reich verbrannt war, wieder auflodern zu lassen. Der Springer-Kolumnist William S. Schlamm schlug gar vor, Westberlin zu evakuieren, um die DDR mit Atombomben auszulöschen. Berlin sei einen Krieg wert. Wer so etwas schreibt, ist ein Verbrecher.
Der NDR zitierte in einer Rundfunkreportage am 10. Oktober 1961 einen DDR-Bürger: „Was ist denn mit eurer Politik der Stärke? Warum habt ihr denn aufgerüstet, wenn ihr nicht mit der Armee von Ulbricht fertig werdet? Lieber im Atomkrieg zugrunde gehen als unter Ulbricht weiterleben.“ Wer so etwas sagt, ist ein Idiot.
Wer sich erinnert, wird nicht ruhigen Gemütes von der Hand weisen können, daß im Sommer 1961 der Frieden in Europa in Gefahr war.

„Unsere Staatsmänner in Bonn haben die Sowjets nicht für Menschen, sondern für entartete Teufel eingeschätzt. So waren sie nicht imstande, sich selbst in Gedanken an die Stelle des Gegners zu versetzen und sich zu fragen, was sie an seiner Stelle wohl tun würden… Das erste Erfordernis aber, um richtige Politik zu machen, besteht darin, in die Haut des Feindes zu schlüpfen“, schrieb Rudolf Augstein 1961 im Spiegel, und er fügte hinzu: „Spätestens 1965 würde die Bundeswehr potent genug sein, um bei fortdauernd umstrittenen Grenzen die westliche Koalition in spontane oder provozierte Konflikte zu verwickeln… Die Sowjets glauben nicht daran, daß den Deutschen die Verfügungsgewalt über Atomwaffen auf Dauer vorenthalten wird. Sie glauben nicht an Beteuerungen, solange sich das Potential auf deutschem Boden häuft. Sie haben, um ehrlich zu sein, auch wenig Grund, deutschen Beteuerungen zu glauben. Es drohte also eine Situation, in der die Sowjets von den Deutschen um die Früchte ihres Sieges über Hitler gebracht werden könnten. Es drohte eine gewaltsame Revision des Sieges von 1945, und zwar von Seiten des Besiegten.“

Durch die Berliner Mauer wurde zunächst eine brandgefährliche Situation entschärft, auf die Dauer zwang sie zu einer Mäßigung der westlichen Zurückdrängungspolitik. Die Phase der Entspannungspolitik war ohne die Berliner Mauer nicht denkbar. (…) Auch für die Menschen in der Bundesrepublik verbesserte sich die Lage. Sie konnten ruhiger schlafen, weil die Gefahr, daß von deutschem Boden Krieg ausgeht und auf deutschem Boden Krieg beginnt, verringert war. (…) Die, denen der Frieden den Schlaf raubte, waren in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Willy Brandt hätte nicht „mehr Demokratie wagen“ können, wenn die Ostlandreiter weiterhin so hätten wüten können wie bis zum 13. August 1961.

Anders als die BRD hat die DDR niemals Gebietsansprüche gestellt, keine faschistischen Organisationen geduldet, nie versucht, ein anderes Land zu regieren und zu annektieren, nie den Frieden gefährdet und nie Soldaten zum Kriegseinsatz in fremde Länder geschickt. Anders als die DDR hat die BRD dem Hauptfeind des Nazireiches weiterhin feindselig gegenübergestanden – die Regierung, mehr noch die Bevölkerung. Die Bundesrepublik und ihre Prokuristen hatten und haben keinen Grund, sich gegenüber der repressiven DDR dicke zu tun. Die Geschichte staatlicher und nichtstaatlicher Repression in der BRD ist noch aufzuarbeiten. Die haßerfüllte, vernichtungsgierige Hysterie, mit der der deutsche Untertan auf jede ihm fremde Lebensregung reagiert, ist die Perpetuierung des deutschen Faschismus in den Alltag.

Darf man, kann man, soll man, muß man (…) im Atomzeitalter der Unvernunft Freiheit gewähren? Dazu möge jeder sein Gewissen befragen.

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Am FKK-Strand ganz köstlich amüsiert

Fünf junge Männer (ca. 20 bis 25 Jahre) wollten mal eine richtige Sause erleben und fuhren nach Xanten, wo es einen FKK-Strand gibt. Dort pöbelten sie die Badegäste an, und zwar, folgt man den Darstellungen in der Tagespresse, in besonders heftiger Weise. Laut Zeugenaussagen sollen in besonders heftiger Weise Frauen angegangen worden sein. In der WAZ las ich:
„Eine Gruppe von jungen Männern beleidigte die Gäste aufs übelste, beschimpfte vor allem Frauen. ‚Sie haben uns beleidigt, beschimpft und sogar bespuckt‘, sagt eine Leserin […]. „Wir Frauen seien alle Schlampen, und sie würden uns alle ausrotten‘.“
Daß sich die Störer des Wochenendvergnügens durch den Ruf „Allahu akbar“ (auf Deutsch: „Gott ist groß“) als Vertreter einer der abrahamitischen Religionen zu erkennen geben wollten, ist für diese Situation nicht untypisch. Das schaurig-schöne Amüsemang über den Verfall der Sitten rechtfertigt sich durch den Gestus vorgeschobener Empörung.
„Willst du nackte Weiber sehen?“ Dann mußt du sie aber beschimpfen – dann darfst du gucken. (Und dann regt sich das, was im seelisch verkorksten, religiös pervertierten Untertan durch sexuellen Reiz zum Vorschein kommt: Haß, Aggression, Bereitschaft zur Gewalt).
Ein großer Teil der pornographischen Literatur der letzten 1000 Jahre ergeht sich in bigotter Entrüstung über die Schweinigeleien der Wilden, der Juden, der Jesuiten, der schamlosen Weiber, der Kommunarden, der Grünen Witwen, der Zarin Katharina II., der langhaarigen Marihuana-Raucher, der Studentinnen, der Ungläubigen, der Mittelmeeranrainer, der Unterschicht et cetera pepé, wobei die eigene Weste unbefleckt bleibt. Das Auftreten der Gottesverkünder in Xanten dürfte dem fidelen Entrüstungs-Tourismus zuzurechnen sein. Denen, die diese Republik schon in ihrer gerontokratischen Anfangsphase kennenlernen durften, kommt das alles bekannt vor. „Ausrotten“ war nach 1945 keineswegs zum Tabuwort geworden.
Integration gelungen? Die fidelen Entrüster stehen wohl so etwa auf dem Stand von 1960.
Und genau das ist es ja, wohin die Pegida-Idioten alles wieder hinbringen wollen.

Rauswurf erstmal abgewendet?

VVNRaumsucheAusschnitt aus der VVN-Zeitung Antifa.

Das Veranstaltungs- und Dokumentationszentrum der VVN-BdA in Duisburg-Kasslerfeld (siehe DER METZGER 88) soll(te) nach Willen der Stadtverwaltung der VVN wieder weggenommen werden (siehe DER METZGER 104).
Und jetzt? Es gibt eine neue Entwicklung? Der Rauswurf ist „erst einmal“ abgewendet? Neue Räume sollen „möglicherweise“ bald zur Verfügung gestellt werden?

Wieso weiß ich davon nichts? Mir sagt ja keiner was.