Bunker

Die „Luftschutz“-Bunker, jene Denkmäler des Zweiten Weltkriegs (und somit des deutschen Weltmachtstrebens) sollten nicht nur alliierten Bombardements standhalten. Es erwies sich auch als schwierig, sie abzureißen.
Der Neudorfer Bunker, wie wir ihn kennen.
Kann man sich vorstellen, daß das mal das Eschhaus sein sollte?

In der Tat: Als 1973/74 für das selbstverwaltete Kulturzentrum eine geeignete Immobilie gesucht wurde, kam dieses hinterlassene Monument deutschnationaler Baukunst in die engere Wahl.
Das hätte dann natürlich nicht Eschhaus geheißen. (Auf das leerstehende Gebäude der ehemaligen Textilfabrik Esch fiel schließlich die Wahl).

Bei der Besichtigung war ich auch dabei.
Schauen sie mal, was links vom Fallrohr auf der Mauer steht.
Das wäre der einzige Eingang gewesen. Dahinter ein nicht allzu geräumiges Treppenhaus.
Von dem Bunker wäre nur das oberste Stockwerk in Frage gekommen. Warum nicht eines der Stockwerke darunter, weiß ich nicht. Jedenfalls waren in der obersten Etage Beleuchtung und Wasserleitungen noch intakt.
Hier wäre man also auf einen weiteren Weltkrieg gut vorbereitet gewesen.

Nein, kein geeigneter Ort für das, was wir wollten, ist das gewesen.
Die umgebende Vegetation hätte allerdings gut gepaßt: Fortschreitende Brombeerisierung.

Good old everlasting Sternbuschweg

Sternbuschweg Ecke Kalkweg. Wir würden also, weitergehend, das Ende des Sternbuschwegs bald erreichen (Grunewald). (Der Grunewald kann ebensogut auch als Anfang des S.-Weges gelten. Man müßte nur die Frage klären: Woher komme ich, wohin gehe ich).
Im Vordergrund: Mohn breitet sich jetzt auch hier aus – nicht gepflanzt, nicht gesät. Die Vegetation besteht auf Selbständigkeit.
Die großbuchstabigen Schriftzüge in der Höhe brauchen Sie nicht zu interessieren. Das sind inhaltslose Mitteilungen. Es haben sich Leute in Gefahr gebracht, um hinzuschreiben, daß sie etwas hingeschrieben haben. Immerhin: ein Patriotismus ohne Nation.
Sowas geht doch auch zu ebener Erde (rechts).
Ganz rechts: „Beck“ ist ein Unternehmen für Hebebühnen.

Good old everlasting Sternbuschweg Januar 2020

Das paßt auch gut in die Serie „Ein Mann fotografiert seinen Schatten“.
Das Sprichwort von Karl Kraus „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“ ist hier natürlich nicht anwendbar.
Man kann aber sagen:
Im Januar ist der Schatten einer Verkehrsampel nachmittags erstaunlich lang.

Silvia 20 bis 27

Wenn von der Hitzestraße in Duisburg-Wanheimerort (von der Rheintörchenstraße – im Bild-Hintergrund – bis zur Fortstraße – im Rücken des Betrachters –) die Rede ist, hat das nichts mit hohen Temperaturen zu tun (was in der Hauptstadt der Metall-Verhüttung ja durchaus für möglich gehalten werden kann). Die Straße ist benannt nach Franz Hitze (1851-1921), Geistlicher und Politiker (Zentrumspartei). Überhaupt ist die ganze Gegend hier erzkatholisch („Bernhardsheim“, benannt nach Kaplan Bernhard Sievert). Die Häuser wurden 1920 bis 1922 von einer katholischen Siedlergenossenschaft errichtet. Andere Straßennamen hier: Windhorststraße, Pollmannstraße, von-Spee-Straße, Mallinchrodtstraße.
Die Hitzestraße ist auf einem Abschnitt von ca. 150 Meter rätselhafterweise eingezäunt uns stillgelegt worden (und ist seither mehr und mehr mit Moos bedeckt). Als Verkehrsfläche existiert auf diesem Abschnitt nur noch der Bürgersteig (links hinter der Hecke).
Links im Bild: Die Schule Hitzestraße, steht seit vielen Jahren leer und hat sich ihrem Verfall hingegeben. Die Stadt muß sparen, darum wird mit der Sanierung des Gebäuses erst begonnen, wenn kaum noch was zu retten ist.
Rechts im Bild der Sportplatz vom Duisburger Spielverein.

Ein Sportplatz in Zeiten seiner Verlassenheit (Silvesternachmittag 2018).

Oder bringt dieses Bild es besser zum Ausdruck?

Das macht sich auch nicht schlecht als „Zeichen der Zeit“.

Früher war der Platz vom Duisburger Spielverein („Spielvereinsplatz“) von der Straße durch eine mannshohe Mauer getrennt.
Ich hab mal gesehen (als Kind), wie viele Männer, die auf dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause fuhren („Schichtwechsel“), hier angehalten hatten und auf den Stangen ihrer Fahrräder stehend über die Mauer guckten. Denn auf dem Platz wurde Fußball gespielt. Das war nur Training. Der DSV spielte in der Oberliga West (vor Einführung der Bundesliga höchste Spielplasse), und zwar im Wedaustadion. Das Vereinsgelände war Trainingsanlage. Aber egal: Der Klang eines getretenen Lederballs hatte auf die Schichtarbeiter eine geradezu hypnotische Wirkung. Da mußten die einfach gucken!

Es wird immer behauptet, die Modell-Häuskes auf der elektrischen Eisenbahn seien realen Gebäuden maßstabsgerecht nachgebaut. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Diese Häuser wurden den Häuskes einer elektrischen Eisenbahn nachgebildet.
Gibt es überhaupt noch Modelleisenbahnen?

Windhorststraße Ecke Pollmannstraße. Ich erinnere mich. Ich war vielleicht 5 Jahre alt. Ein Junge, etwa 10 Jahre alt, einen Stapel leerer Pappkartons vor sich her tragend, stürmte aus der Tür. Er hatte es beim Hinabsteigen des Treppchens etwas zu eilig und flog auf die Fresse.

Die bizarren Winterzeichnungen der Vegetation überragen die Häuser auf der Forststraße. Den Neubau rechts im Bild im Hintergrund kann man sich ruhig wegdenken. Da war früher ein Sportplatz (DJK – natürlich – kathol‘sch).
An Garagen hatte man im Jahr der Erbauung (1921) noch nicht gedacht. An Gartenflächen für Gemüse für den Eigenbedarf denkt man heute nicht mehr. Aus den Fenstern in dem grauen Giebel habe ich als Kind oft rausgeschaut. Das Haus ist immer noch in verwandtschaftlichem Besitz. Es steckt auch voller Anekdoten (z.B. Gartenoffizier, S. 10).
Jetzt habe ich Ihnen eine sehr interessante Geschichte erzählt. Wenn Sie die nicht sehr interessant finden, dann stimmt was nicht mit Ihnen.

Silvia 13 bis 19

Den Silvester-Nachmittag 2018, also heute vor einem Jahr, verbrachte ich, wie Sie seit gestern wissen, spazierengehend und fotografierend in Wanheimerort.

Von der (eigentlichen) Wanheimer Straße knickt die „alte Wanheimer Straße“ ab.
In diesem Eckhaus war früher eine Kneipe, in deren Gesellschaftsraum wir uns manchmal trafen, um den Ostermarsch 1969 zu organisieren. Ich war damals nämlich im Ostermarsch-Ausschuß.

Da ist bestimmt schon lange keiner mehr rauf- beziehungsweise runtergeklettert.

Das Bild kennen Sie ja schon. Diese Straße gab es schon vor Jahrhunderten – natürlich nicht schon immer in der heutigen asphaltierten Gestalt. Das war schon immer eine Handelsstraße als Nord-Süd-Verbindung, parallel zur östlich verlaufenden Düsseldorfer Straße, die auch schon im Mittelalter Handelsweg war. Wußten Sie das?
Wer das weiß ist glücklicher als jemand der das nicht weiß.
In Duisburg haben einige Straßen abschnittsweise wechselnde Namen (finde ich Quatsch, da verwirrend). Von Norden kommend hätten Sie (ohne abzubiegen) die Heerstraße und die Wanheimer Straße hinter sich gebracht. Das auf diesem Bild sichtbare Stück heißt Kaiserswerther Straße, dann kommt noch Ehinger Straße.
Weitergehend, mich entfernend hörte ich, vom Rhein her, die Rufe einer Schar in den Süden ziehender Wildgänse. Zugvögel orientieren sich oft an den Flußläufen.
Öffnet die Augen und die Ohren! Beachtet die wilde Kreatur“

Ein Bild, geeignet für die Serie „Die schönsten europäischen Einfahrten“. Diese ist gleich in beide Richtungen als schöne Einfahrt nutzbar. Im Hintergrund sieht man die Straßenbahn vorbeirauschen.

Hier entlanggehend hatte ich die Idee zu einer Kurzgeschichte, die ich aber in dem Jahr seither noch nicht geschrieben habe. Mit dieser Geschichte (ob geschrieben oder ungeschrieben) paßt dieses Bild gar nicht zusammen. Sollte sie mal gedruckt werden, dann wird sie mit diesem Bild illustriert!

Eine Fassade, die von vergangenem Aufbruch kündet (ins Motoröl-Paradies).
Das Foto entstand an der Ecke Rheintörchenstraße / Hitzestraße.

Über die Hitzestraße erfahren Sie von mir am Neujahrstag mehr.

Silvia 1 bis 12

Als Orientierungshilfe galt immer: Die Rheintörchenstraße (in Duisburg-Wanheimerort von der Düsseldorfer Straße bis zur Wanheimer Straße) ist genau einen Kilometer lang.
Doch nein!
Um den Kilometer zu komplettieren, muß man auch noch das Stück („dat Stücksken“) bis zum Rhein gehen.
Das tat ich, und zwar am Silvester-Nachmittag 2018, also vor ziemlich genau einem Jahr.

Dieses Stück Straße in schöner Landschaft ist für keinen. Hier wohnt keiner, hier fährt keiner, hier geht keiner, hier arbeitet keiner.


Diesen Kessel (Rüttgers Chemie) kennen Sie ja schon, wenn sie aufmerksamer Dauerbenutzer sind.



Dort im Hintergrund fließet der Rhein. Der Betrachter ist vom Flusse abgehalten durch Mauer und Stacheldraht.
Ein Bild voller SIMM-bollick.
Die einst von Hermann L. Gremliza geäußerte These, daß große Zeiten für Deutschland stets schlechte Zeiten für die Welt waren und umgekehrt, wurde in Berlin veranschaulicht. Als Berlin geteilt war (durch Mauer & Stacheldraht), da war die Welt noch halbwegs in Ordnung.



Dies ist ein Ort, an dem der Kapitalismus nur noch Feierabend produziert.
Zum Wesen den Kapitalismus gehört aber auch, daß die frohe Botschaft (ewiger Feierabend) mit einem Schrecken verbunden ist.
Aber da könnte man doch was dran machen.
Mein Vorschlag: Amazon bezahlt jedem, der seinen Arbeitsplatz verliert, das Gehalt weiter, finanziert jedem Arbeitslosen seinen ewigen Urlaub.
Diese Sozialleistung wird allerdings für die gestrichen, die Bücher bei Amazon bestellen.

Pille! (zweifarbig).

Fortsetzung folgt

Das Foto zum Zwanzigsten

Aufgenommen am Silvesternachmittag 2018 um Viertel nach 4 an der Straßenbahnhaltestelle Rheintörchenstraße in Wanheimerort. Schöne hyperbolische Linien, nicht wahr?
Hoffnungsvolles Leben unter grauem Himmel.
Ich habe an diesem Nachmittag noch einige bizarr-ermutigende Bilder in diesem Stadtteil aufgenommen (die ich bei Gelegenhiet hier mal zeigen werde). Noch bis Viertel vor 5 reichte das Tageslicht dazu.
Am Tag der geringsten Tageshelligkeit ist es doch schon um halbfünf nachtdunkel. Und in gerade mal zehn Tagen ist uns schon so viel Sonne zurückgegeben worden. Grund zum Feiern!

Kabele


Die Tiefbauarbeiten auf der Gneisenaustraße verhalfen mir zu der Erkenntnis, wie viele Kabele an so einem Verteilerkasten dranhängen.
Kabele darf man nicht verwechseln mit Kabale.
Kabale darf man nicht verwechseln mit Liebe.
In dem Wort „sich käbbeln“ lebt der nicht mehr gebräuchliche Begriff wohl weiter.

Nein, ich wollte doch nur mal die südlich-niederrheinische Pluralbildung unterbringen:
Kabele, Messere, Gabele, Tellere, Koffere.
Meine Oma sprach so. Die stellte immer „Tellere“ auf den Tisch.
Meine Vorfahren stammten nämlich aus Mönchengladbach.
Das ist aber auch das einzige, was ich mit Joseph Goebbels gemeinsam habe. Ich hab auch nicht dem seinen Akzent, diesen rheinischen Singsang. Ich spreche vergnügt die verständlichste, deutlichste, poetischste, bestklingende Variante des Hochdeutschen, nämlich „Ruhrdeutsch“.
Immerhin: Fehler wie „bestklingendste“ und „einzigste“ vermeide ich.

Good old everlasting Sternbuschweg. Oktober 2019

Den Sternbuschweg entlang, kurz vor Erreichen der Mülheimer Straße („Mülleimerstraße), Blick nach links, hinter einem Gebrauchtwagenhof eine alte Fabrik.
Herbstlich-verfallend? Keineswegs. Denn es handelt sich um die höchst aktive Plüschweberei Schulte – Tochterunternehmen der Margarete Steiff GmbH.
Ich frage mich, wozu eine Plüschweberei einen Fabrikschornstein benötigt.

Teddybären herzustellen ist nicht der schlechteste Beitrag, diesen Planeten bewohnbar zu machen.
Das finden auch diese beiden.

Sang- und klanglos

Die Verwunderung darüber, daß die Heine-Buchhandlung auf der Lotharstraße zugemacht hat, wird vielleicht von der Verwunderung darüber, daß es sie überhaupt noch so lange gab, übertroffen.

Öffnungszeiten! Die Buchhandlung (Universität gegenüber) hat im Semester an zwei Tagen geöffnet, jeweils für 5 Stunden, in den Semesterferien nur an einem Tag in der Woche, auch nur für 5 Stunden. Oder: Betriebsferien 6 Wochen lang.

In den 70er Jahren hat die Braunsche Buchhandlung (Stammhaus: Königstraße, damals eine der zehn größten Buchhandlungen in der BRD – heute gar nicht mhr existent) hier eine ihrer zwei Filialen aufgemacht, die von der Universität den Titel „Universitätsbuchhandlung“ bekam (so darf man sich nicht selber nennen).
Als Braun sein Unternehmen aufgab, übernahm die renommierte Essener Heinrich-Heine-Buchhandlung die Filiale, die durch ihre Unambitioniertheit geprägt war. Hier wurden zuletzt nur noch leere Regale verwaltet. Die AOK-Studentenberatung als Untermieter brachte ein bißchen Frequenz.

Ein Buchladen unter Vermeidung jeglichen Anflugs von Romantik.
Was macht ein Hauseigentümer mit einem leeren Ladenlikal?
Fast Food (fast Food)? Oder: Boutique? Oder Friseur? Oder: Schmartfons der übernächsten Generation – are you ready?