Good old everlasting Sternbuschweg Januar 2020

Das paßt auch gut in die Serie „Ein Mann fotografiert seinen Schatten“.
Das Sprichwort von Karl Kraus „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“ ist hier natürlich nicht anwendbar.
Man kann aber sagen:
Im Januar ist der Schatten einer Verkehrsampel nachmittags erstaunlich lang.

Silvia 20 bis 27

Wenn von der Hitzestraße in Duisburg-Wanheimerort (von der Rheintörchenstraße – im Bild-Hintergrund – bis zur Fortstraße – im Rücken des Betrachters –) die Rede ist, hat das nichts mit hohen Temperaturen zu tun (was in der Hauptstadt der Metall-Verhüttung ja durchaus für möglich gehalten werden kann). Die Straße ist benannt nach Franz Hitze (1851-1921), Geistlicher und Politiker (Zentrumspartei). Überhaupt ist die ganze Gegend hier erzkatholisch („Bernhardsheim“, benannt nach Kaplan Bernhard Sievert). Die Häuser wurden 1920 bis 1922 von einer katholischen Siedlergenossenschaft errichtet. Andere Straßennamen hier: Windhorststraße, Pollmannstraße, von-Spee-Straße, Mallinchrodtstraße.
Die Hitzestraße ist auf einem Abschnitt von ca. 150 Meter rätselhafterweise eingezäunt uns stillgelegt worden (und ist seither mehr und mehr mit Moos bedeckt). Als Verkehrsfläche existiert auf diesem Abschnitt nur noch der Bürgersteig (links hinter der Hecke).
Links im Bild: Die Schule Hitzestraße, steht seit vielen Jahren leer und hat sich ihrem Verfall hingegeben. Die Stadt muß sparen, darum wird mit der Sanierung des Gebäuses erst begonnen, wenn kaum noch was zu retten ist.
Rechts im Bild der Sportplatz vom Duisburger Spielverein.

Ein Sportplatz in Zeiten seiner Verlassenheit (Silvesternachmittag 2018).

Oder bringt dieses Bild es besser zum Ausdruck?

Das macht sich auch nicht schlecht als „Zeichen der Zeit“.

Früher war der Platz vom Duisburger Spielverein („Spielvereinsplatz“) von der Straße durch eine mannshohe Mauer getrennt.
Ich hab mal gesehen (als Kind), wie viele Männer, die auf dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause fuhren („Schichtwechsel“), hier angehalten hatten und auf den Stangen ihrer Fahrräder stehend über die Mauer guckten. Denn auf dem Platz wurde Fußball gespielt. Das war nur Training. Der DSV spielte in der Oberliga West (vor Einführung der Bundesliga höchste Spielplasse), und zwar im Wedaustadion. Das Vereinsgelände war Trainingsanlage. Aber egal: Der Klang eines getretenen Lederballs hatte auf die Schichtarbeiter eine geradezu hypnotische Wirkung. Da mußten die einfach gucken!

Es wird immer behauptet, die Modell-Häuskes auf der elektrischen Eisenbahn seien realen Gebäuden maßstabsgerecht nachgebaut. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Diese Häuser wurden den Häuskes einer elektrischen Eisenbahn nachgebildet.
Gibt es überhaupt noch Modelleisenbahnen?

Windhorststraße Ecke Pollmannstraße. Ich erinnere mich. Ich war vielleicht 5 Jahre alt. Ein Junge, etwa 10 Jahre alt, einen Stapel leerer Pappkartons vor sich her tragend, stürmte aus der Tür. Er hatte es beim Hinabsteigen des Treppchens etwas zu eilig und flog auf die Fresse.

Die bizarren Winterzeichnungen der Vegetation überragen die Häuser auf der Forststraße. Den Neubau links im Bild im Hintergrund kann man sich ruhig wegdenken. Da war früher ein Sportplatz (DJK – natürlich – kathol‘sch).
An Garagen hatte man im Jahr der Erbauung (1921) noch nicht gedacht. An Gartenflächen für Gemüse für den Eigenbedarf denkt man heute nicht mehr. Aus den Fenstern in dem grauen Giebel habe ich als Kind oft rausgeschaut. Das Haus ist immer noch in verwandtschaftlichem Besitz. Es steckt auch voller Anekdoten (z.B. Gartenoffizier, S. 10).
Jetzt habe ich Ihnen eine sehr interessante Geschichte erzählt. Wenn Sie die nicht sehr interessant finden, dann stimmt was nicht mit Ihnen.

Silvia 13 bis 19

Den Silvester-Nachmittag 2018, also heute vor einem Jahr, verbrachte ich, wie Sie seit gestern wissen, spazierengehend und fotografierend in Wanheimerort.

Von der (eigentlichen) Wanheimer Straße knickt die „alte Wanheimer Straße“ ab.
In diesem Eckhaus war früher eine Kneipe, in deren Gesellschaftsraum wir uns manchmal trafen, um den Ostermarsch 1969 zu organisieren. Ich war damals nämlich im Ostermarsch-Ausschuß.

Da ist bestimmt schon lange keiner mehr rauf- beziehungsweise runtergeklettert.

Das Bild kennen Sie ja schon. Diese Straße gab es schon vor Jahrhunderten – natürlich nicht schon immer in der heutigen asphaltierten Gestalt. Das war schon immer eine Handelsstraße als Nord-Süd-Verbindung, parallel zur östlich verlaufenden Düsseldorfer Straße, die auch schon im Mittelalter Handelsweg war. Wußten Sie das?
Wer das weiß ist glücklicher als jemand der das nicht weiß.
In Duisburg haben einige Straßen abschnittsweise wechselnde Namen (finde ich Quatsch, da verwirrend). Von Norden kommend hätten Sie (ohne abzubiegen) die Heerstraße und die Wanheimer Straße hinter sich gebracht. Das auf diesem Bild sichtbare Stück heißt Kaiserswerther Straße, dann kommt noch Ehinger Straße.
Weitergehend, mich entfernend hörte ich, vom Rhein her, die Rufe einer Schar in den Süden ziehender Wildgänse. Zugvögel orientieren sich oft an den Flußläufen.
Öffnet die Augen und die Ohren! Beachtet die wilde Kreatur“

Ein Bild, geeignet für die Serie „Die schönsten europäischen Einfahrten“. Diese ist gleich in beide Richtungen als schöne Einfahrt nutzbar. Im Hintergrund sieht man die Straßenbahn vorbeirauschen.

Hier entlanggehend hatte ich die Idee zu einer Kurzgeschichte, die ich aber in dem Jahr seither noch nicht geschrieben habe. Mit dieser Geschichte (ob geschrieben oder ungeschrieben) paßt dieses Bild gar nicht zusammen. Sollte sie mal gedruckt werden, dann wird sie mit diesem Bild illustriert!

Eine Fassade, die von vergangenem Aufbruch kündet (ins Motoröl-Paradies).
Das Foto entstand an der Ecke Rheintörchenstraße / Hitzestraße.

Über die Hitzestraße erfahren Sie von mir am Neujahrstag mehr.

Silvia 1 bis 12

Als Orientierungshilfe galt immer: Die Rheintörchenstraße (in Duisburg-Wanheimerort von der Düsseldorfer Straße bis zur Wanheimer Straße) ist genau einen Kilometer lang.
Doch nein!
Um den Kilometer zu komplettieren, muß man auch noch das Stück („dat Stücksken“) bis zum Rhein gehen.
Das tat ich, und zwar am Silvester-Nachmittag 2018, also vor ziemlich genau einem Jahr.

Dieses Stück Straße in schöner Landschaft ist für keinen. Hier wohnt keiner, hier fährt keiner, hier geht keiner, hier arbeitet keiner.


Diesen Kessel (Rüttgers Chemie) kennen Sie ja schon, wenn sie aufmerksamer Dauerbenutzer sind.



Dort im Hintergrund fließet der Rhein. Der Betrachter ist vom Flusse abgehalten durch Mauer und Stacheldraht.
Ein Bild voller SIMM-bollick.
Die einst von Hermann L. Gremliza geäußerte These, daß große Zeiten für Deutschland stets schlechte Zeiten für die Welt waren und umgekehrt, wurde in Berlin veranschaulicht. Als Berlin geteilt war (durch Mauer & Stacheldraht), da war die Welt noch halbwegs in Ordnung.



Dies ist ein Ort, an dem der Kapitalismus nur noch Feierabend produziert.
Zum Wesen den Kapitalismus gehört aber auch, daß die frohe Botschaft (ewiger Feierabend) mit einem Schrecken verbunden ist.
Aber da könnte man doch was dran machen.
Mein Vorschlag: Amazon bezahlt jedem, der seinen Arbeitsplatz verliert, das Gehalt weiter, finanziert jedem Arbeitslosen seinen ewigen Urlaub.
Diese Sozialleistung wird allerdings für die gestrichen, die Bücher bei Amazon bestellen.

Pille! (zweifarbig).

Fortsetzung folgt

Das Foto zum Zwanzigsten

Aufgenommen am Silvesternachmittag 2018 um Viertel nach 4 an der Straßenbahnhaltestelle Rheintörchenstraße in Wanheimerort. Schöne hyperbolische Linien, nicht wahr?
Hoffnungsvolles Leben unter grauem Himmel.
Ich habe an diesem Nachmittag noch einige bizarr-ermutigende Bilder in diesem Stadtteil aufgenommen (die ich bei Gelegenhiet hier mal zeigen werde). Noch bis Viertel vor 5 reichte das Tageslicht dazu.
Am Tag der geringsten Tageshelligkeit ist es doch schon um halbfünf nachtdunkel. Und in gerade mal zehn Tagen ist uns schon so viel Sonne zurückgegeben worden. Grund zum Feiern!

Kabele


Die Tiefbauarbeiten auf der Gneisenaustraße verhalfen mir zu der Erkenntnis, wie viele Kabele an so einem Verteilerkasten dranhängen.
Kabele darf man nicht verwechseln mit Kabale.
Kabale darf man nicht verwechseln mit Liebe.
In dem Wort „sich käbbeln“ lebt der nicht mehr gebräuchliche Begriff wohl weiter.

Nein, ich wollte doch nur mal die südlich-niederrheinische Pluralbildung unterbringen:
Kabele, Messere, Gabele, Tellere, Koffere.
Meine Oma sprach so. Die stellte immer „Tellere“ auf den Tisch.
Meine Vorfahren stammten nämlich aus Mönchengladbach.
Das ist aber auch das einzige, was ich mit Joseph Goebbels gemeinsam habe. Ich hab auch nicht dem seinen Akzent, diesen rheinischen Singsang. Ich spreche vergnügt die verständlichste, deutlichste, poetischste, bestklingende Variante des Hochdeutschen, nämlich „Ruhrdeutsch“.
Immerhin: Fehler wie „bestklingendste“ und „einzigste“ vermeide ich.

Good old everlasting Sternbuschweg. Oktober 2019

Den Sternbuschweg entlang, kurz vor Erreichen der Mülheimer Straße („Mülleimerstraße), Blick nach links, hinter einem Gebrauchtwagenhof eine alte Fabrik.
Herbstlich-verfallend? Keineswegs. Denn es handelt sich um die höchst aktive Plüschweberei Schulte – Tochterunternehmen der Margarete Steiff GmbH.
Ich frage mich, wozu eine Plüschweberei einen Fabrikschornstein benötigt.

Teddybären herzustellen ist nicht der schlechteste Beitrag, diesen Planeten bewohnbar zu machen.
Das finden auch diese beiden.

Sang- und klanglos

Die Verwunderung darüber, daß die Heine-Buchhandlung auf der Lotharstraße zugemacht hat, wird vielleicht von der Verwunderung darüber, daß es sie überhaupt noch so lange gab, übertroffen.

Öffnungszeiten! Die Buchhandlung (Universität gegenüber) hat im Semester an zwei Tagen geöffnet, jeweils für 5 Stunden, in den Semesterferien nur an einem Tag in der Woche, auch nur für 5 Stunden. Oder: Betriebsferien 6 Wochen lang.

In den 70er Jahren hat die Braunsche Buchhandlung (Stammhaus: Königstraße, damals eine der zehn größten Buchhandlungen in der BRD – heute gar nicht mhr existent) hier eine ihrer zwei Filialen aufgemacht, die von der Universität den Titel „Universitätsbuchhandlung“ bekam (so darf man sich nicht selber nennen).
Als Braun sein Unternehmen aufgab, übernahm die renommierte Essener Heinrich-Heine-Buchhandlung die Filiale, die durch ihre Unambitioniertheit geprägt war. Hier wurden zuletzt nur noch leere Regale verwaltet. Die AOK-Studentenberatung als Untermieter brachte ein bißchen Frequenz.

Ein Buchladen unter Vermeidung jeglichen Anflugs von Romantik.
Was macht ein Hauseigentümer mit einem leeren Ladenlikal?
Fast Food (fast Food)? Oder: Boutique? Oder Friseur? Oder: Schmartfons der übernächsten Generation – are you ready?

Good old everlasting Sternbuschweg. Juni 2019


Das ist ja eigentlich kein sehr schönes Bild. Es ist ein Bild von einem eigentlich nicht sehr schönen Haus, das am Sternbuschweg steht (Ecke Nettelbeckstraße). Wenn ein Supermarkt nicht der einzige Teil eines Gebäudes ist, kommen derlei Wohnungen zustande.
Im Parterre befand sich nämlich mal ein Supermarkt, nämlich Schätzlein. Später hieß das „Extra“, aber man sagte immer noch Schätzlein. Das war etwa hundert Meter Luftlinie vom Buchladen entfernt, da konnte ich immer in der Mittagspause schnell einkaufen gehen.
Eines Tages machte ich mich auf den Weg nach Schätzlein/Extra und sah dort eine Menschenmenge! Durch einen Aushang wurde bekanntgegeben: Der Laden wird geschlossen, darum wird alles (außer Tabakwaren) zum halben Preis verkauft. Ich also hinein, und ich kaufte mehr, als ich ursprünglich kaufen wollte: Confitüren, Gewörze, Piccolöchen, alles Sachen, die sich lange halten, zum halben Preis! Konserven, Nudeln (nur nicht Penne, die kosteten bei Aldi weniger als die Hälfte). Ich wollte die Sachen in Sicherheit bringen, um dann gleich nochmal hier einzukaufen, nochmal so viel wie ich an haltbaren Lebensmitteln tragen konnte. Aber an der Kasse mußte ich lange warten, es war eine lange Schlange.
Bei meiner zweiten Annäherung traf ich den Chlada. Der fragte: „Was ist denn hier los?“ Ich sagte: „Wir spielen hier DDR. Lange Schlangen, leere Regale.“ Wir dürfen uns sowas erzählen, weil wir ja Kommunisten sind. Andere sollen sich hüten!
Das alles ereignete sich in dem Monat, als Obama zum Präsidenten der USA gewählt wurde, 2008, vor über 10 Jahren. Seitdem steht das große Ladenlokal leer. Wenn Sie mal jemanden erklären müssen, was „Marktwirtschaft“ ist, dann zeigen Sie dem dieses Bild.

Übrigens: In dem Laden war auch eine Bäckerei, die hatten gutes Brot. Eines Tages hing ein Schild im Fenster: Diese Filiale schließt. Aaaaber Sie können unsere frischen Backwaren ganz in der Nähe bekommen – in Hochfeld.
In Hochfeld! Ganz in der Nähe! Warum nicht gleich auf der anderen Rheinseite? Morgens vor dem Frühstück für frische Brötchen nach Krefeld! Oder nur mal eben die Ecke rum nach Aachen!

Good old everlasting Sternbuschweg. Mai 2019


Ja, was sehen wir denn da?
Das ist einfach erklärt.
Auf meiner Reise im Entenfang-Express (August 2011) von Entenfang bis Hauptbahnhof habe ich alle paar Sekunden ein Foto aus dem Zugfenster gemacht. Und so erwischte ich just den Moment, in dem der Express-Zug auf einer jener Brücken, die die Welt bedeuten, den Sternbuschweg überquerte. Links unten im Bild ist übrigens der Anbeginn vom Kalkweg zu sehen.
Soso. Aha. Und? (wird jetzt vielleicht mancher ungeduldig fragen).
Ich sage nur: Entenfang-Express! Der wird uns in den nächsten Tagen noch beschäftigen.

P.S.: „Geduld ist die wichtigste Eigenschaft des Revolutionärs“, sagte Lenin.
Ich füge hinzu: Ungeduld ist die lästigste Eigenschaft der Leute, die sich für schlau halten.

Good old everlasting Sternbuschweg. April 2019


Geradeaus geht es weiter den Sternbuschweg entlang. Das große Eckhaus: Da geht es links runter die Karl-Lehr-Straße (unguten Angedenkens) entlang.
In dem Eckhaus war mal eine Eck-Kneipe, die war der Treffpunkt des Bandoneon-Orchesters „Gut Ton“. Solche Bandoneon- (oder Akkordeon-)Orchester waren mal ein Wahrzeichen des Ruhrgebiets. Heute ist in dem Haus keine Gaststätte und kein Orchester mehr.
Wenn auf dem Stadion-Vorplatz ein Zirkus gastierte, zogen hier die Zirkus-Elefanten entlang. Die mußten links rum gehen, zum Güterbahnhof. Die brauchte man gar nicht zu führen, wenn die schon mal mit dem Zirkus hier waren. Die fanden den Weg allein, aus dem Gedächtnis (Elefanten!).