War denn nichts los?

Wieso war denn hier nichts los? Wieso war der Buchladen am Samstag zu?
Am Samstag war in Oberhausen (Zentrum Altenberg) die Landeskonferenz der VVN (Sie wissen: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten).
Seit Jahrzehnten ist der Büchertisch der Buchhandlung Weltbühne auf der Landeskonferenz dabei. Ehrensache.

Noch keiner da. Zeit genug zum Aufbauen (mit Sorgfalt).

Kann losgehen.


„Eisenlager“ heißt der Konferenrzraum. Die schwindende Industrie hinterläßt wenigstens ihre (unbeabsichtigte, gleichwohl wirkende) Ästhetik: rohrreich!

Kraft und Heiterkeit! Felix Oekentorp spricht das Grußwort der DFG-VK. (Ich wollte, wir hätten zehn von der Sorte).

So zwischendurch mal kurz vor die Tür … konnte man diesen industriegeschichtlichen Turm betrachten.

Rainy day!

Verschlossene Momente

Jetzt gerade: Ein Kunde meinte:
„Wenn die Sozialdemokraten Mumm hätten, dann hätte der Steinmeier eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.“
Ja, dann hätte es sich was gehabt mit Mainz wie es singt und lacht (was ich in früher Jugend überhaupt als Grund für eine Staatstrauer empfunden habe. Seitdem nicht mehr geguckt).
Ich ändere meine Rosenmontagspläne nicht. Ich gehe wie vorgesehen in KONTEMPLATION und werde ein verlängertes Wochenende nutzen, um an meiner Zeitung Nr. 134 arbeiten.

Noch eine Verschluß-Sache:
Am Samstag, 29. Februar bleibt die Buchhandlung Weltbühne geschlossen, denn da sind wir mit einem Büchertisch unterwegs. Ich werde berichten wie‘s war.

… und zeitig ist es Frühling geworden

So heißt es in einem satirischen Gedicht von Hoffmann von Fallersleben, in dem er die Banalität seinerzeitiger Zeitungsberichte beklagte:
„ein Portepeefähnrich bekam einen Orden
und zeitig ist es Frühling geworden.
Wie interessant! Wie interessant!
Gott schütze das liebe Vaterland!“

Hat man sich vorstellen können, daß die Nachricht vom verfrühten Frühling das Unglück an die Wand malt? Besser gefragt: Hat man es sich vorstellen wollen?

„Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein“,
heißt es in einem Gedicht von Goethe über den Monat MÄRZ. Man sorgte sich (früher), die verfrüht aufgegangen Blüten könnten vom Frost heimgesucht werden.
Wie groß war – schon seit dem Herbst – die Vorfreude auf den Frühling! Doch wenn es gar keinen Winter mehr gibt, wird es hier auch keinen Frühling mehr geben.

Große Ereignisse …

… haben ihren Schatten manchmal schon hinter sich.
Das kommt davon, wenn mir die Mitteilung über den Termin erst ein paar Minuten vor Beginn übermittelt wird.
Aber die anderen beiden, da können Sie ja noch hingehen.

Wie zu sehen ist, wirft das Soziokulturelle Zentrum schon seine Leuchtfeuer voraus. We arer everywhere (möchte man am liebten sagen).

Neu in der Situationspresse: Nichts gelernt ?!

NICHTS GELERNT?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus

Herausgegeben von Katharina Peters und Stefan Vennmann
Situationspresse (Duisburg) 2019. 212 Seiten, 18 Euro
ISBN 978-3-935673-46-4

Antiziganismus hat Tradition. Er ist trauriges Zeugnis einer Kontinuität von ausgrenzenden und menschenverachtenden Verhältnissen. Die spezifische Form von Rassismus wirkt seit Jahrhunderten in Deutschland und Europa in zahlreichen Variationen der immergleichen Stereotype sowie den damit verbundenen Gedankenmustern und Diskriminierungspraktiken. Dabei zeichnet sich Antiziganismus durch eine enorme Anpassungsfähigkeit und eine hohe Widerständigkeit gegen seine Bekämpfung aus. Welche Wirkmechanismen und Strukturen lassen sich identifizieren? Welche Strategien und Lösungsansätze können diesem Ressentiment entgegengesetzt werden?

Inhalt

Katharina Peters und Stefan Vennmann: Vorwort. Nichts gelernt?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus
Dirk Wolff: ‚AIDD – Angekommen in Duisburg und Dortmund‘. Ein Projektbericht
Wibke Kleina: Zwischen Passfähigkeit und Besonderung. Eine Betrachtung der schulischen Situation von Sint*ezza und Rom*nja
Katharina Peters: „Sind wir zu intolerant?“ Die mediale Inszenierung von ‚Sinti und Roma‘ in Polit-Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
Joachim Krauß: Der Zukunft abgewandt. Duisburger Wege der Desintegration
Sylvia Brennemann und Joachim Krauß: Ein guter Ort wird schlechtgemacht — ein Gespräch zur Situation in Duisburg-Marxloh
Markus End: Die Dialektik der Aufklärung als Antiziganismuskritik. Thesen zu einer Kritischen Theorie des Antiziganismus
Sebastian Winter: ‚Femme fatale‘ und ‚Zwangsprostituierte‘. Über den Wandel antiziganistischer Weiblichkeitsbilder
Rafaela Eulberg: Das Bild der wahrsagenden ‚Zigeunerin‘ als ‚nicht-okzidentale Andere‘. Anmerkungen zum Magie-Diskurs in antiziganistischen Formationen
Merfin Demir: Antiziganismus, Kolonialismus und Neoliberalismus. Eine Analyse aus Sicht einer Selbstorganisation
Astrid Messerschmidt: Antiziganismuskritik in Auseinandersetzung mit Rassismus und Nationalismus. Geschichtsbewusst handeln und Diskriminierung abbauen
Stefan Vennmann: Der Nicht-Ort der Vernichtung. Zum Problem einer Analyse von Antiziganismus bei Giorgio Agamben
Drita Jakupi: Antiziganismus, Romaphobie, Gadje-Rassismus? Kritische Einwände.

Das Buch entstand als Gemeinschaftswerk von VIA (Verband für interkulturelle Arbeit) und DISS (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung).
Erhältlich im Buchhandel – auch am Amazonas, am besten direkt (auch im Versand) in der Buchhandlung Weltbühne.
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Kein Zufall …

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) erklärt:
Tabu-Bruch ist vollzogen: AfD als „Königsmacher“ in Thüringen
Mit Entsetzen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es ausgerechnet die FDP in Thüringen ist, die den Tabu-Bruch vollzogen hat, die Höcke-AfD in die Rolle als „Königsmacher“ zu bringen. Ihr Schachzug, im dritten Wahlgang der Wahl zum Thüringischen Ministerpräsidenten den eigenen Kandidaten Thomas Kemmerich gegen Bodo Ramelow ins Rennen zu schicken, ermöglichte es der AfD, eine von ihr behauptete „bürgerliche Mehrheit“ gegen die rot-rot-grüne Landesregierung zu schaffen. Und CDU und FDP ließen dies widerspruchslos zu. CDU-Chef Mohring erklärte blauäugig, man sei nicht verantwortlich für das Stimmverhalten anderer Parteien. Alle bisherigen vollmundigen Erklärungen der FDP und der CDU, man wolle nicht mit der AfD zusammenarbeiten und werde sich nicht auf deren Unterstützung einlassen, wurden dem Machtkalkül gegen die bisherige Landesregierung geopfert.
Wer auf diese Weise Rassisten hoffähig macht, ist vollkommen unglaubwürdig, wenn es um gemeinsames zivilgesellschaftliches Handeln gegen Neofaschismus, Antisemitismus, Rassismus und andere Aspekte der Rechtsentwicklung geht. Die Wahl von Thomas Kemmerich wird in Thüringen – wenn es überhaupt gelingt – eine Regierung schaffen, die auf Gedeih und Verderb von der AfD abhängig ist. Das ist eine ernste Bedrohung für alle antifaschistischen Kräfte im Land und Einrichtungen, wie die KZ Gedenkstätte Buchenwald.
Deshalb ist zivilgesellschaftlicher Widerstand in jeder Form jetzt gefordert.
Ulrich Schneider
Bundessprecher der VVN-BdA

Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), erklärt zur Ministerpräsidentenwahl in Thüringen:
„Die Wahl von Thomas Kemmerich, des Vertreters einer zurzeit weitgehend profillosen Splitterpartei mit dem Namen FDP, zum Ministerpräsidenten von Thüringen ist eine schlechte Nachricht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Rentnerinnen und Rentner ebenso wie für die Demokratie in Deutschland. Und sie ist kein Zufall. Sie markiert eine Zäsur: Mit dem Selbstverständnis einer ebenso betulichen wie auf Ausgleich bedachten „bürgerlichen Mitte“ ist es – hoffentlich nur in Thüringen – vorbei, wenn sich für CDU und FDP die Chance auftut, mit Hilfe Rechtsradikaler Regierungsmehrheiten rechts der Mitte zu organisieren. Nationalliberale Parteien haben in den Dreißiger Jahren schon einmal den Fehler gemacht, den Faschismus salonfähig zu machen. Es zeigt sich, dass der Wille der Wähler, mag er gelegentlich auch nicht ganz so eindeutig ausfallen, wie man es sich wünschen würde, bei den Winkelzügen von Rechtskonservativen und Marktliberalen keine Rolle spielt. Dem stellen wir uns in den Weg:
Wir fordern die CDU in Thüringen dazu auf, nicht in eine Regierung „Kemmerich“ einzutreten. Wir fordern Thomas Kemmerich zum sofortigen Rücktritt auf. Thüringen braucht stattdessen eine demokratische Regierung!“

Ismail Küpeli auf Facebook:
Was man beim Zurückrudern der FDP und Neuwahlen in Thüringen nicht vergessen sollte: Die Grenzen des Sagbaren und des Machbaren haben sich bereits erweitert – und zwar deutlich nach rechts. Der Aufschrei gegen eine Kooperation mit der AfD wird beim nächsten Mal leiser ausfallen.
Beim nächsten Mal werden die Rechten eventuell etwas geschickter vorgehen, eventuell wird die Kooperation besser vorbereitet sein. Und bis dahin werden die rechtskonservativen Medien den Weg für eine Kooperation mit der AfD weiter ebnen. Da sollten wir uns nichts vormachen.
Solange die „bürgerliche Mitte“ linke Sozialdemokraten mehr fürchtet als Faschisten werden die Antifaschist_innen diese schrittweise Normalisierung des Faschismus nicht aufhalten können. Angesichts der historischen Erfahrung mit der „Mitte“ ist dies keine gute Botschaft.

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Strukturalismus

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Strukturalismus
Bretter, die nicht die Welt bedeuten, sondern das Überschreiten einer Tiefbau-Stelle (Bau-Tiefstelle) möglich machen, beschritten von Menschen (Menschen wie Du und Ich).
Und nun: Eine Struktur sagt mehr als tausend Bilder.

(Das Motto dieser Serie: Kunst falsch erklären, damit sie richtig verstanden wird).

So kann man es auch sehen.