Diese Zeitung mußt du 50 Jahre lang lesen

Das von mir herausgegebene satirische Magazin erschien 1968 zum ersten Mal und wird in diesem Jahr 50 Jahre alt.
Der Jubiläums-Jahrgang beginnt mit der Nummer 125.

Und das steht drin:

Helmut Loeven: Lieber nicht als oder. Deutschland in der Epoche zwischen Bundestagswahl und Regierungsbildung. Der Schulz traut sich nicht, den Wählern den Marsch zu blasen. Der Schulz kann vielleicht tatsächlich Wunder vollbringen. Aber um die SPD zu retten würde ein Wunder nicht reichen.

Ulrich Sander: Versöhnung. Wenn in deutschen Militär- und Kapitalkreisen von „Versöhnung“ die Rede ist, dann ist damit Exkulpierung von der deutschen Kriegsschuld gemeint.

Jakop Heinn: Schlüsselrolle oder Müssen Photographen dooph sein? Die deutsche Linke, einst die intellektuelle Avangarte des Landes, präsentiert sich nur noch in verworrenem Zustand. Wenn die Geschichte nicht so irrsinnig wäre, könnte man sie glatt für erfunden halten: Das Alptraumpaar („Arbeiterfotografie“, „nrhz“) hat einen Preis gestiftet.

Helmut Kellershohn: Die Neue Rechte. Wo sie herkommt, was sie will, wohin sie geht. Rechtsintellektuelle versuchen seit den 60er Jahren, ihr völkisches Denken zu modernisieren.

Patrick Schreiner: Sei autonom und kreativ. Ein neuer „Geist des Kapitalismus“: Luc Boltanski und Eve Chiapello. Indem die Selbstverwirklichung zur Selbstoptimierung in einer Konsum- und Fitness-Kultur zusammenschrumpft, weitet der Neoliberalismus sein Wirkungsfeld aus.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Ein besonders häßlicher Hesse; Das Hallenbad im Elysee-Palast; Frau mit 30 nimmt die Pille; Komisches Haus; Komisches Schild.

Antworten

Die Idioten sind unter uns.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: „Was werden die Leute dazu sagen?“ sagen die Leute. Freunde als Aufpasser, Klicke als Wachmannschaft.

Helmut Loeven: „Feifense ruhich!“ Heinrich Böll 100 Jahre.

Carl Korte: Angebote. Mottes Reporterkolumne.

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Weihnachts-Botschaften

Soll heißen: ich nehme diplomatische Immunität in Anspruch.
Weihnachten ist ja bekanntlich die Gelegenheit für Erinnerungen, Rückblicke und Wiederholungen. Ist es nicht so? Glauben Sie es mir einfach.
Während ich mir ein paar Tage Privatissimum gönne, mache ich es Ihnen möglich, die Universalität zu wiederholen, und zwar durch diese Verlinkungen:
24. Dezember 2012
24. Dezember 2013
24. Dezember 2014
24. Dezember 2015
24. Dezember 2016

Wie sagte schon Karl Valentin:
WENN DIE STILLEN TAGE VORBEI SIND,
DANN WIRD ES AUCH WIEDER RUHIGER.

Gestern: Heinrich Böll 100 Jahre

Ich will nicht leugnen, daß Heinrich Böll (1917-1985, Nobelpreis 1972) einen inspirierenden Einfluß auf mich hatte.
Erstmals mit Heinrich Böll konkret konfrontiert wurde ich 1964 durch den Fernsehfilm „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“. Allein schon der Titel! Und dann noch der Hildebrandt! Ich fand den Film gut, weil der so seltsam war. Sonst (Nachbarn, Bekannte, Verwandte) fand den Film keiner gut, weil der so seltsam war. (Damals gab es nur ein Fernsehprogramm, und Volk hatte sich abends vor dem Fernsehapparat einzufinden und zu gucken, was ihm vorgesetzt wurde). Wie kann man sich nur einen Namen wie Burmalottke einfallen lassen!
„Ansichten eines Clowns“ habe ich mit 15 Jahren gelesen. Ein Roman, der an einem einzigen Nachmittag und Abend spielt, durch viele Rückblenden eine nicht-chronologische Handlung bekommt, eine Collage aus Situationen. Thema: Die Unbestechlichkeit eines Menschen in schwacher Position. Das Buch war für den 15jährigen Leser eine Quelle der Kraft, die für all den Widerstand und all die Verweigerung, die ich um der Menschenwürde Willen in den weiteren Jahren und Jahrzehnten meines Lebens zu leisten hatte. Das Buch habe ich in verschiedenen Lebensabschnitten wieder gelesen. Eine neue Lektüre wäre mal wieder fällig. „Billard um halbzehn“ habe ich nur angefangen zu lesen. Darauf kann ich also noch gespannt sein.
In der Verfilmung von „Ansichten eines Clowns“ kommt eine Szene vor, die fand ich zum Lachen. Ein etwa elfjähriger Junge geht im strömenden Regen langsam die Straße entlang. Er trägt seine offene Schultasche vor sich her, damit es da reinregnet.
Den Böll muß man hören. Diesen rheinischen Akzent! Das ist die Stimme eines Mannes, der sich nicht aus der Ruhe bringen läßt.
Ich hörte den Böll reden auf der Kundgebung im Bonner Hofgarten gegen die Notstandsgesetze am 11. Mai 1968. Er sagte (unter anderem), der Widerstand müßte gewaltlos sein. Daraufhin ein paar Pfiffe aus dem Auditorium. Böll: „Jaja. Feifense ruhich. Feifense ruhich.“
Bei der Kundgebung am selben Ort am 10. Oktober 1981 (gegen die Atomrüstung) war er als letzter Redner dran. Da die Zeit schon weit fortgeschritten war, verzichtete er auf die ursprünglich vorgesehene Rede und improvisierte stattdessen. Nur war die improvisierte Rede dann länger als die nach dem ursprünglichen Manuskript.
Heinrich Böll wußte mit seinem Nobelpreisehren und seinem Prominentenstatus wirkungsvoll zu wuchern, um den Widerstand gegen Militarismus, gegen dioe Baader-Meinhof-Hysterie und gegen die Springerpresse zu unterstützen. Das war riskant. Die Niedertracht seiner Gegner, vornehmlich aus der CSU/CDU wurde sichtbar. Willy Brandt schrieb an ihn: „Resignieren sollten Sie nicht. Ich habe es auch nicht getan.“ Günter Grass forderte Böll auf, sich für die von der SPD geführte Bunesregierung einzusetzen. Böll antwortete, er würde sich immer für Willy Brandt einsetzen, aber nicht für die Regierung.
Willy Brandt, der antifaschistische Widerstandskämpfer, mußte auf seinem Weg einige seiner Ideale dem Kompromiß opfern – nicht aus Schwäche, sondern aus Unvermeidlichkeit. Das mußte Heinrich Böll nicht. Man ist besser beraten, nicht Politiker, sondern Schriftsteller zu werden. Man kann dann mehr bewirken.
In diesen Tagen denkt man vielleicht an die Geschichte „Nicht nur zur Weihnachtszeit“. Eine alte Frau, vom Krieg traumatisiert, will täglich Heiligabend feiern. Die Geschichte wurde auch verfilmt.
Dieser Film würde seine satirische Kraft erst dann vollkommen entfalten, wenn er täglich gesendet würde, jeden Abend zur Hauptsendezeit, auf allen Kanälen.
Hüten Sie sich also davor, mich zum Diktator über Deutschland zu machen.

Das rote Hamborn – das Begleitbuch zur Ausstellung

Die Ausstellung „Das rote Hamborn“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum fand viel Aufmerksamkeit. Auch in diesem Blog wurde darüber berichtet. Sie läuft noch bis zum 28. Januar.
Im Mercator-Verlag erschien das Begleitbuch zur Ausstellung:

Das rote Hamborn. Politischer Widerstand in Duisburg von 1933 bis 1945. 96 S., zahlreiche Abbildungen. 12,90 Euro
Duisburg war ein Zentrum des politischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Geprägt durch Bergbau und Schwerindustrie gab es eine breite und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterklasse, aus der heraus sich der Widerstand formierte. Die stärksten Widerstandsaktionen in Duisburg gingen von sozialdemokratischen und kommunistischen Gruppen aus. Das Thema „Widerstand in Duisburg“ konzentriert sich auf den industriellen Norden der Stadt, auf den Stadtbezirk Hamborn. Doch auch die Widerstandsarbeit in benachbarten Stadtgebieten wie Meiderich oder Ruhrort und weiter südlich im „roten Hochfeld“ mit seinen Industrieanlagen am Rhein wird schlaglichtartig vorgestellt. Mit dem großen Binnenhafen und der Rheinschifffahrt, mit seinem Verkehrsknotenpunkt im Westen des Ruhrgebiets und nahe den Niederlanden bot Duisburg für die Organisation des Widerstands ideale Voraussetzungen.

Dieses zwar gehaltvolle, aber relativ schmale Werk muß vorläufig das vergriffene zweibändige Werk „Verfolgung und Widerstand in Duisburg 1933-1945“ ersetzen. Die Duisburger VVN war sehr bemüht, dieses Standardwerk so schnell wie möglich zu verramschen und diese Informationsquelle versiegen zu lassen – trotz meiner ständig wiederholten eindringlichen Warnung. Aber dort glaubt man, mich nicht zu kennen.
Mit dem Buch zur Ausstellung wird die Lücke wieder ein wenig geschlossen.
Bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne (und nirgendwo anders – auch im Versand).
Strukturen der Aufklärung müssen gerettet werden. Weltbühne muß bleiben.

Dieses Jahr sogar schon an nächstes Jahr denken

Es gab eine Zeit (nämlich die Epoche des Eschhaus-Buchladens), da wurden ebendort zum Jahresende mal eben dort ca. 400 Kalendere verkauft, davon mehr als die Hälfte Roter Kalender vom Rotbuch Verlag. Damals wurden auch viele verschiedene Kalendere produziert: Mindestens drei verschiedene Friedenskalendere, mindestens drei verschiedene Umweltkalendere, mindestens vier verschiedene Frauenkalendere, die Lesbenkalendere noch gar nicht mitgezählt.
Wir haben in der Weltbühne dieses Jahr (und hatten voriges und vorvoriges und vorvorvoriges Jahr) nur noch den Antifaschistischen Taschenkalender (Unrast Verlag). Kostet bloß 7 Euro.
Und was sagt der Verlag dazu?
„Stets aktuell von undogmatisch aktiven Menschen aus der Bewegung gemacht, ist der Antifa-Kalender mittlerweile ein nicht wegzudenkender Begleiter sowohl für Einsteiger als auch für die Erfahrenen unter den politisch Aktiven.
Die Textbeiträge nehmen die aktuellen gesellschaftlichen Themen – auch abseits des klassischen Antifaschismus – kritisch unter die Lupe und geben so einen guten Überblick über den Stand der Diskussion innerhalb der Linken.
Darüber hinaus werden in jeder Ausgabe Texte mit hohem Gebrauchswert für die konkrete politische Arbeit veröffentlicht. Vor allem der alljährliche kleine Rechtsratgeber hat sich seit Jahren auf Demonstrationen und bei politischen Aktionen als sehr hilfreich erwiesen.
Absolut unverzichtbar ist der Kalender für politisch Aktive aufgrund des umfangreichen und aktuellen Adressteils, der nicht nur Antifa-Gruppen, -Zeitungen, -Telefone und Internetseiten umfasst, sondern auch sämtliche Infoläden, Rechtshilfegruppen und viele weitere linke Gruppen.
Um die Lebensdauer des vielbenutzten und damit arg strapazierten Kalenders zu optimieren, erscheint er in der unverwüstlichen fadengehefteten Version.“
Bitte zugreifen. Es ist noch ein Stück vorhanden. Weitere Stücke werden nur noch im Auftrag besorgt. Und ob dann noch lieferbar?
Werden Sie zum Boykottbrecher. Bestellen Sie diesen Kalender und überhaupt alles Buchförmige in der Buchhandlung Weltbühne.
WELTBÜHNE MUSS BLEIBEN.
Und beschweren Sie sich nicht über die Pluralbildung „Kalendere“. Meine Vorfahren kamen aus Mönchengladbach, und da bildet man den Plural so. Dort sagt man auch „Tellere“.

The Importance of Being Earnest

(C) Merkfoto

Am letzten Sonntag (19. November 2017) auf dem Waldfriedhof in Duisburg, Gedenkfeier der VVN für die, die im Kampf gegen den Faschismus starben.
Am Ehrenmal die Kränze der Falken, der SPD, der DKP und der VVN.
In Stein gemeißelt:
„Wir bleiben die Zeugen für Wahrheit und Recht.
Wir rufen und mahnen der Zukunft Geschlecht.
Gedenkt der Opfer des Faschismus 1933-1945.“

Wer die Wahl hat, hat Automat

Wissen Sie was? Dieses Foto (vom Foto), aufgenommen im April (auf dem Sternbuschweg) ist so nett, das nehme ich vielleicht als Cover für METZGER Nr. 124. Oder später. Gucken Sie mal rechts unten.

Nachtrag:
Der Kandidat spricht:
„Wenn ich die Wahl tatsächlich verlieren sollte, dann will ich Herbert heißen und nur noch Dächer und Fassaden reparieren.“

Bis alles in Scherben fällt

Man könnte ja vorbeigehend den flüchtigen Eindruck haben, da drücken Leute ihre Unzufriedenheit damit aus, daß massenhaft Nahrungsmitteln vernichtet werden. Doch nein! Gemeint ist der Sportverein Rotweiß Essen, der keinem was getan hat, und gleich die ihn umgebende Stadt, gegen die nichts spricht. Aber blindwütiger Haß braucht keinen Grund und keinen Anlaß. Manchmal aber setzt sich ein Kommando an dessen Spitze. Bis alles in Scherben fällt.
Da sind die mir natürlich viel lieber.

Neu in der Weltbühne: Sebastian Friedrich (erneut) über die AfD

Sebastian Friedrich (Redaktionsmitglied beim AK – siehe auch DER METZGER 111) hat mir (und allen Kollegen, Freunden, Mitstreitern nebst Innen) geschrieben:
Es ist endlich da: mein neues Buch zur AfD mit dem schlichten Titel „Die AfD: Analysen – Hintergründe – Kontroversen“. Es ist bei bertz + fischer (Berlin) erschienen.
Wer den Vorgänger „Der Aufstieg der AfD: Neokonservative Mobilmachung in Deutschland“ gelesen hat, wird an ein paar Stellen bekannte Textfetzen finden. Allerdings sind etwa Dreiviertel des Buchs neu. Es hat sich ja in den vergangenen zwei Jahren auch einiges getan in der AfD.
Ich analysiere zunächst die unterschiedliche Ursachen für den Aufstieg der AfD. Dieser resultiert aus vier wesentlichen Entwicklungen: Krise des Konservativismus, Krise der repräsentativen Demokratie, Krise innerhalb der Unternehmensverbände, schleichende Krise des sozialen Sicherheit. Anschließend widme ich mich der Entwicklung der AfD seit ihrer Gründung. In Kap. 4 geht es dann um die soziale Basis der Partei: Ich versuche mit dem Mythos aufzuräumen, nach dem die AfD eine Partei der kleinen Leute sei. Anschließend geht es um die drei zentralen Strömungen der AfD – nationalkonservative, neoliberale, völkische – und ich frage, in welche Richtung sich die Partei bewegt. Das letzte Kapitel befasst sich dann ausführlich mit der Frage: „Was tun“. Darin greife ich die verschiedenen Diskussionen des vergangenen Jahres auf (Nachtwey, Eribon, Baron, Fraser etc.).

Ein Auszug aus dem letzten Kapitel erschien im Neuen Deutschland, nachzulesen dort:

www.neues-deutschland.de

Sebastian Friedrich: Die AfD. Analysen – Hintergründe – Kontroversen. Verlag Bertz + Fischer. 168 Seiten Paperback 7,90 Euro.

Bitte bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne (die, wie man wissen sollte, auch eine VERSANDbuchhandlung ist).
Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“

AfD muß verschwinden.
Weltbühne muß bleiben.