Summer in the City – Nachtrag

Kommt alles wieder – mal etwas anders, mal fast genauso.
Im Botanischen Garten, Abteilung: Laß es wachsen wie es ist.
Da auch:

There! She! Goes!
High Heels Tight Jeans
Pretty Botty.

Zauberstäbe.

Hochfeld, am Brückenplatz. Auch die Bürgerlichkeit kennt ihre Paläste.
Rechts daneben in dem grauen Haus, drittes Obergeschoß: Kommunewohnung.

„Arbeitsam“ ist die Abkürzung von „Arbeitsamt“. Das ist da ausgezogen. wer ist jetzt in dem Gebäude drin?
Die Telefong-Zelle steht immer noch da. Überall wurden die Telefong-Zellen weggemacht. Aber DIE steht noch da. Ich bin gerührt. (Früher sagte man „Telefong-Häuschen“).
Über die Treppe hinter dem Telefong-Häuschen bin ich früher oft rauf- und runtergehangen, denn ich hab da mal gewohnt, die Ecke rum auf der Duissernstraße. War nicht schön.
Die Tür (an der der Mann vorbeigeht) hatte ich nie beachtet. Ich würde da ja gerne mal reingucken.

Good old everlasting Sternbuschweg.

Demnächst in der Weltbühne: Unbeugsam und widerständig

Ein monumentales Werk ist auf den Weg gebracht und wird in den nächsten Tagen eintreffen:
UnbeugsamUlrich Peters: Unbeugsam und widerständig. Die radikale Linke in Deutschland seit 1989/90. Unrast Verlag. 728 Seiten. 29,80 Euro.
So kündigt der Verlag das Buch an:

Als die Mauer fiel und „das glücklichste Volk der Welt“ die sogenannte „Wiedervereinigung“ zelebrierte, wurde der Klassenkampf samt dem „Zeitalter der Ideologien“ offiziell für beendet erklärt. Die salbungsvollen Worte erwiesen sich aber als inhaltsleer, der deutsche Imperialismus feierte fröhliche Urständ, aber auch die radikale Linke, die sich als Fundamentalopposition versteht, verschwand nicht von der Bildfläche. Über 20 Jahre später bietet sich nun die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und den Werdegang jener politischen Minderheit zu untersuchen, die sich einst gegen die Annexion der DDR gestemmt hatte.
Der Autor zeigt auf, wie sich der Epochenbruch von 1989/90 politisch und organisatorisch auf die verschiedenen Strömungen der radikalen Linken (Kommunisten, Anarchisten, Autonome) auswirkte, widmet sich dem Pro und Contra der antideutschen Orientierung und analysiert die praktischen Aktivitäten der Antikapitalisten, um der Frage nachgehen zu können, welchen Platz sie heute in der politischen Landschaft der zur Weltmacht aufgestiegenen BRD einnehmen. Zudem wird der Entwicklung der radikalen Linken ideengeschichtlich nachgespürt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bemühungen, eine zeitgenössische Imperialismustheorie zu erarbeiten, Lehren aus der historischen Niederlage des Sozialismus zu ziehen und diese in Entwürfe eines zukünftigen Gesellschaftsmodells zu integrieren. Thematisiert werden auch Debatten zur Frage eines revolutionären Subjekts und die Stellung der radikalen Linken zum Islam.

Der Preis ist, gemessen am Umfang, doch recht günstig!
Für so dicke Bücher habe ich was übrig. Da muß man zu einer dauerhaften Beziehung bereit sein. Schade, daß die meisten Bücher im Herbst erscheinen. Dann kann man kaum noch die Samstagnachmittage damit im Botanischen Garten zubringen und muß das elektrische Licht zuhilfe nehmen.
Welches „Pro“ der „antideutschen Orientierung“ zu attestieren ist, wird sich mir auch nach der Lektüre nicht erschließen. Die „Antideutschen“ (die sich inzwischen auch nicht mehr so nennen) sind doch am ehesten mit der (ebenfalls der Linken entsprungenen) LaRouche-Sekte vergleichbar, bloß haben sie mehr Leute angefixt.
Nebenbei bemerkt: Wer in dieser allumfassenden Geschichte der radikalen Linken in Deutschland wieder mal nicht zitiert wird und nicht vorkommt, kann ich mir jetzt schon denken. Sollte ich mich irren, werde ich das melden. Zu wünschen wäre mal eine Geschichte der Minderheit in der Minderheit.

Und damit wären wir beim Thema:
Bestellen Sie dieses Buch (solche Bücher) in der Buchhandlung Weltbühne.
Wir besorgen jedes lieferbare Buch. Wir liefern jedes Buch an jeden Ort.
LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.
Weltbühne muß bleiben.
Buchhandlung Weltbühne, eine gute Angewohnheit.

„About the Flowers and the Trees“

Der erste Samstag im Oktober hat mit dem letzten Samstag im März zu tun. Selbe Gegend. Selbe Absicht. Selbe Hoffnung.

FlowersTrees01Good old everlasting Sternbuschweg (o., u.).

FlowersTrees02FlowersTrees03Gneisenaustraße.

FlowersTrees04FlowersTrees05FlowersTrees06FlowersTrees07FlowersTrees08Helles Grün vor hellem Blau – verändert.

FlowersTrees09So sieht das manchmal aus, wenn ich das Haus verlasse.

FlowersTrees10FlowersTrees11Schweizer Straße, Weg zum Botanischen Garten, Seitenblick.

FlowersTrees12Botanischer Garten (o., u.).

FlowersTrees13FlowersTrees14There! She! Goes!
(Prospekte verteilen).

FlowersTrees15Zauberstäbe!

„About the Flowers an the Trees“

Eigentlich will ich am ersten richtig warmen Samstag des Jahres an der Sechs-Seen-Platte herumwandeln. Aber ich hatte keine Fahrkarte. Also bin ich durch die Straßen gewandelt.

LetzterSamstagImMaerz1Eine Freundin hatte mir gegenüber ihre Verwunderung darüber geäußert, daß ihr Gatte (Kommunist) immer nur Blumen und Pflanzen fotografiert. Heute mache ich das auch, und ich bin immer noch in der Partei.

LetzterSamstagImMaerz2Lotrechter Blick. Zenith.

LetzterSamstagImMaerz3Froh kann sein, wer hinter dem Haus einen blühenden Baum stehen hat (froh das ganze Jahr über, nicht nur in der Zeit der Baumblüte).

LetzterSamstagImMaerz4Helles Grün vor hellem Blau. Das wird sich ändern.
Kondensstreifen.

LetzterSamstagImMaerz5Im Botanischen Garten ist für Narzissen gesorgt.
„Narzissus und die Tulipan / Die ziehen sich viel schöner an, /Als Salomonis Seide“
dichtete Paul Gerhardt. (Mitten im Dreißigjährigen Krieg besang er die Schönheit des Lebens).
Im Café des Botanischen Gartens haben sich (meist ältere) Leute versammelt, um es sich gut gehen zu lassen.
Aufnahme trotz Gegenlicht gelungen.

Auf einer Parkbank sitzen und ein Buch lesen, so wie früher

Wenn man durch den Duisburger Wald in nördliche Richtung geht, dann wird es erstmal richtig hügelig, und dann ist der Wald zu Ende, und man geht an Wiesen vorbei, auf denen Kühe weiden, und dann geht man über einen Steg, unter dem ein Bach fließt, und dann hat man auch die Weiden hinter sich gelassen und den großen Park am Solbad Raffelberg betreten.

Solbad Raffelberg, Park

Der Park ist immer, wenn ich da durchgegangen bin, menschenleer gewesen, so als hätte man vergessen, daß es ihn gibt. Aber einmal sah ich eine junge Frau auf einer Bank sitzen, die ein Buch las. Ich dachte mir: Das mache ich auch mal: auf einer Parkbank sitzen und ein Buch lesen, so wie früher. Warum bin ich nicht schon längst auf diese Idee gekommen?
Das ist jetzt schon zwei Jahre her. Ich gehe nur einmal im Jahr durch den Park am Solbad Raffelberg, und zwar immer an einem dieser Feiertage im Frühling, wenn es lange hell bleibt und man gut acht Stunden lang spazierengehen kann und dann immer noch im Hellen nach Hause kommt. Vor einem Jahr mußte ich auf das Vorhaben, im Park am Solbad Raffelberg ein Buch zu lesen, verzichten, denn es war an dem Tag windig und regnerisch, und bei so einem Wetter kann man wohl spazierengehen, aber nicht auf einer Bank verweilen. Und in diesem Jahr war es damit auch nicht gut bestellt, denn meine Lektüre war gerade die zweibändige Brecht-Biografie von Mittenzwei. Da ist ein Band 800 Seiten dick, und so ein schweres Buch wollte ich nicht den ganzen Tag auf meiner Wanderung mit mir tragen.
Dieses Jahr im Spätsommer bin ich dann endlich auf die Idee gekommen, mir für die Lektüre unter freiem Himmel den Botanischen Garten an der Schweizer Straße auszusuchen. Denn mein Weg dorthin ist nicht weit, und es ist nicht beschwerlich, ein dickes Buch dorthin und wieder nach Hause zu tragen.
Am letzten wirklich warmen Samstagnachmittag des Sommers begab ich mich also mit dem zweiten Band von Mittenzweis Brecht-Biografie in den Botanischen Garten. Auf der Galerie hinter dem großen Rasen fand ich einen Platz auf einer der vielen Bänke, um mich für ein paar Stunden der Lektüre und dem Tabakgenuß hinzugeben.

Botanischer Garten, die Galerie

Ab und zu ließ ich das Buch sinken, um den Blick aus der Enge der Zeilen auf das entspannende Grün des Rasens schweifen zu lassen. Hinter der großzügig angelegten Grasfläche ist das Café des Botanischen Gartens, auf dessen Terrasse sich viele, meist ältere Menschen eingefunden hatten. Es gehört zu den angenehmen Dingen, Leuten dabei zuzusehen, wie sie es sich gut ergehen lassen.


Irgendwann mußte ich die Lektüre abbrechen, denn ganz plötzlich hatte sich eine Wolke vor die Sonne geschoben. Im Wetterbericht am Morgen war für den späten Nachmittag Regen angesagt worden, und der kündigte sich jetzt also an. Ich klappte das Buch zu. steckte es in meine Tragetasche und machte mich auf den Heimweg. Ich beeilte mich nicht. Der Botanische Garten ist kein Ort zur Beeilung. Als ich die Straßen entlangging, schien wieder die Sonne. Nur diese eine Wolke hatte sich kurz vor die Sonne geschoben, um dann wieder zu verschwinden.


Gerade war Hanns Eisler zur Tür reingekommen mit seinem Doktor-Faustus-Libretto unterm Arm. Da sollten noch ganz andere Wolken aufziehen.

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