Ernst Bloch. Schon mal gehört?

Ich weiß, diese Frage(stellung) mißbehagt zumindest den Frühgeborenen unter den Leserinnen und Lesern. Aber es ist doch so: An den Philosphen Ernst Bloch (1885-1977) erinnert man sich nicht mehr so oft und will es auch nicht. Der Philosoph, der vor 40 Jahren in Nachrufen auf der Höhe Platos geortet wurde, fand gestern bei Wikipedia in der Rubrik „Was gheschah am 4. August“ keine Erwähnung anläßlich des 40. Todestages.

Bloch wie man ihn kannte: Mit Pfeife in der DDR. Schriftstellerkongreß 1956. Foto: Bundesarchiv

Auf Ernst Bloch wurde ich aufmerksam gemacht Anfang Oktober 1967 anläßlich der Verleihung des Friedenspreises eines Buchhandels, in dessen Regalen man landauf landab nach den Werken des Preisträgers eher vergeblich suchen wird. Für den damals 17jährigen Aufbrecher waren da die richtigen Impulse zu empfangen. Ohne ein Blatt vor sich in freier Rede sprach da einer vom Aufrechten Gang, vom überschreitenden Denken, vom Menschen, der „noch nicht bei sich angekommen“ ist.
Utopie heißt hier nicht „nie und nimmer“, sondern das noch nicht Gewordene, das eigentlich schon Notwendige, aber noch nicht Gekommene. Dem entgegen steht das längst Verworfene, aber noch nicht Verschwundene.

Aus der DDR wurde er rausgeekelt, weil deren Kulturpolitik den Marxismus als etwas unumstößlich Abgeschlossenes in die Welt stellte. Das war 1961.
Als dunklen Punkt in der Biographie und im Werk Blochs wertet man seine positive Haltung zu den Moskauer Prozessen 1936-1938 und seine Lobesworte für Stalin Anfang der 50er Jahre. Da er beides später revidierte, kann man beides durchaus zu den guten Seiten zählen, weil ihn das für das hiesige Feuilleton ungenießbar macht.

Ernst Bloch Seminar Schein und Vorschein in der Kunst, Tübingen 1971. Wikimedia Commons

Nicht immer sind Zeiten des Aufbruchs (oder, im Blochschen Sinne: nicht in allen Zeiten ist das Aufbrechende überwiegend). Darum ist zu hoffen, daß das „Prinzip Hoffnung“ nicht verkommt zu einer Floskel von Fußballtrainern (dritte Liga, abstiegsgefährdet), als Redensart ohne Quelle.
In allen Zeiten aber ist der Aufbruch latent. Wäre das nicht so, dann wäre das „Experimentum Mundi“ gescheitert. An diesem Scheitern aber wird gearbeitet, ständig, beharrlich und mit Geschick. Das sollte man nicht vergessen.

Kommen Sie mal bei mir vorbei. Hier werden Sie fündig.
Aber auch:
Marvin Chlada: Rausch der Utopie. Eine Begegnung mit Karola Bloch. 1992 besuchte Marvin Chlada die Witwe Ernst Blochs in Tübingen und merkte, daß diese Frau zu Unrecht im Schatten ihres berühmten Mannes stand. In DER METZGER Nr. 91 (2010).

Wissen Sie, was morgen für ein Tag ist?

Morgen ist der 15. Juni 2017.
Am 15. Juni 1987, also 30 Jahre vorher, wurde die Buchhandlung Weltbühne eröffnet.
Vor fünf Jahren, zum 25jährigen Jubiläum, wurde noch ’ne kleine Party gefeiert mit Kaffee und Käsesahnetorte. Das Schild liegt noch da. Denn Schilder soll man achten.

Die Feierlaune vor fünf Jahren war allerdings getrübt durch bedenkliche Entwicklungen in der Branche, namentlich im Zwischenbuchhandel, denen man sich nicht so ohne weiteres entziehen kann. Was nützt aller Fleiß, alle Sparsamkeit, alle Erfahrung, wenn die Warenverkehrswege blockiert sind?
Daß die Buchhandlung diese Krisensituation überstehen konnte, war gar nicht sicher, gelang gewiß mithilfe einiger treuer Freundinnen und Freunde und trotz der Ignoranz nicht weniger Leerlauf-Linker, die sich mit einem politischen Anspruch schmücken, den sie nicht erfüllen. Es wurde sogar eigens eine Partei gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die einzige linke und antifaschistische Buchhandlung weit & breit nicht nur aus dem eigenen, sondern möglichst aus dem gesamtgesellschaftliche Bewußtsein zu verdrängen.

Der 30. Geburtstag geht ohne Aplomb vorbei, denn eigentlich ist es ja nur der Jahrestag eines Standortwechsels. Voran gingen 13 Jahre Buchladen im Eschhaus, und die Gründung als Verlag war 1968.
Hier gilt weiterhin die Methode: Es wird nichts remittiert und nichts verramscht. Was nicht verkauft wird, bleibt eben weiterhin im Angebot. Es gibt hier Bücher, die standen schon jahrelang im Eschhaus, um seither die Zeit auf der Gneisenaustraße zu verbringen.

Glückweünsche werden gern entgegengenommen, am liebsten verbunden mit einer Bestellung (es müssen ja nicht gleich 30 Bücher sein).
Lassen Sie doch einfach mal ein paar der regelmäßigen Empfehlungen Revue passieren.

Zum Beispiel dieses
oder jenes
oder dieses
oder jenes
und warum nicht dieses
und natürlich das hier!


..

Alles war, nix is mehr (7)

nixis41Auf dem Dellplatz begann früher der Ostermarsch. Können Sie sich das vorstellen: Dieser Platz voll mit Menschen? Einige tausend Leute haben hier Platz.
Als der Ostermarsch-Auftakt dann (vor Jahren!) zur Königstraße verlegt wurde, haben sich bestimmt hier noch darüber nicht informierte Leute getroffen und gesagt: „Alles war, nix is mehr.“
Nächstes Jahr am Ostersamstag gehe ich hier hin, sammle die Letzten um mich und sage: „Kommt, wir fangen nochmal von vorn an!“ Dann gehen wir den Neo-Ostermarschierern entgegen und rufen „Ho – Ho – Ho-Tschiminh!“

nixis42Wie sinnig! Da, wo jetzt die Stadtsparkasse nicht mehr drin ist, ist jetzt so‘n Kreditheini drin.

nixis43Was von dieser Ecke am Dellplatz blieb, ist ihre Schönheit.
Was verschwand, ist die Buchhandlung Agora – vorher: Oststraße, klein und links, dann: Dellplatz, groß und nicht mehr ganz so links, dann: Pleite.
Ich habe sie alle überlebt.

nixis44Ach! Das Geschäft Droll gibt es noch. Droll Gaststättenbedarf. Hier kann man Kochtöpfe besonderer Größe kaufen oder Schilder, wo draufsteht „Für Garderobe wird nicht gehaftet“ etc. Im Schaufenster hängen auch tatsächlich noch ein paar Suppenkellen, ansonsten aber ist der Laden vollgestopft mit Second-Hand-Kram jeder Art.
Wir haben da früher immer stangenweise Plastikbecher gekauft für unsere Kaffee-Aktionen – Kaffee bei politischen Veranstaltungen 1 Becher 1 Mark.
Das kann sich heute kein Mensch mehr vorstellen: Kaffee aus PLASTIK-Bechern! Das ist ja so, als würde jemand sich irgendwo eine Zigarette anstecken!
Aber damals ging das.
(Ein Glück, daß ich nicht mehr rauche! Da brauche ich in keine Katakombe zu fliehen).

nixis45Also das ist das Café Graefen. Benannt darach, daß es von dem Künstler Eckard Graefen (siehe METZGER 19) gestaltet wurde.
Jetzt heißt das nur noch „Das Café“. Wieso wurde „Graefen“ gestrichen?
Ich war da übrigens nie drin.
Gucken Sie mal das Balköngsken über der Eingangstür. Zum Ausrufen einer Republik wohl nicht ideal.

nixis46Ebenfalls im Dellplatz-Orbit, doch hier ganz unauffällig: hinter den Fenstern im Parterre residierte einst der Herr Guido Oehler. Aber über den habe ich ja schon ein anderes Mal berichtet. Ich muß ja nicht alles zweimal erzählen.

Was ist der Akif Pirincci eigentlich für einer?

Auf dem großen Jahrestags-Aufmarsch der faschistischen Pegida-Bewegung in Dresden äußerte er sein Bedauern darüber, daß die Konzentrationslager nicht mehr in Betrieb sind.

Kannten Sie den vorher?
Geboren 1959 in Istanbul.
Was? 1959? Und dann will der schon mitreden?
Ein sauberer Herr, wie man sieht:
Schrieb in der neurechten Jungen Freiheit und dem rechtslibertären Blatt eigentümlich frei, im Online-Portal der Sezession und war sich auch nicht fies dafür, in dem neokonservativen Weblog „Achse des Guten“ sich in der Nähe von Henryk M. Broder herumzutreiben. Lesungen bei der AfD, bei der Danubia und anderen Burschenschaften, beim Witikobund etc.
Dem breiten Publikum ist er wohl durch Kriminalromane bekannt, in denen Katzen, ähnlich wie zuvor das Pferd Fury und der Hund Lassie, selbständig kriminalpolizeiliche Ermittlungen durchführen (wurde mir gesagt, hab ich so verstanden). Nach seiner Dresdner KZ-Rede, in der er nicht zum ersten mal besonders unflätig daherschwadronierte, haben nun die zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlage seine Werke aus dem Programm gestrichen.
Die Manuskriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG steht fest & treu zu ihrem Autor.
„Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ war der erste Titel, den der Verlag im VLB so vorstellt:
„Akif Pirinçci rechnet ab mit Gutmenschen und vaterlandslosen Gesellen, die von Familie und Heimat nichts wissen wollen, mit einer verwirrten Öffentlichkeit, die jede sexuelle Abseitigkeit vergottet, mit Feminismus und Gender Mainstreaming, mit dem sich immer aggressiver ausbreitenden Islam und seinen deutschen Unterstützern, mit Funktionären und Politikern, die unsere Steuern wie Spielgeld verbrennen.“ Und endlich ist der Satz zu Ende.
Wie ist es um ein Land bestellt, in dessen Sprache der gute Mensch ein Schimpfwort ist! Die „vaterlandslosen Gesellen“ sind das einzige geistige Erbe, das Kaiser Wilhelm hinterlassen hat (dabei wurde die Monarchie hier doch schon 1918 abgeschafft). Wenn Geld nicht mehr, wie bisher, zum Fenster hinausgeworfen, sondern neuerdings verbrannt wird, dann geht es dem Ende entgegen!
Im Ernst: Wer sich über feministische Gender-Sperenzkes nicht mehr lustig machen kann, sondern den Untergang des Kontinents darin herbeiahnt, dem läuft der Mund über. Politiker (!), Funktionäre (!!), Unterstützer gar (!!!) stecken unter einer Decke. Mit wem? Mit dem Islam! Sieht man doch! Und der breitet sich immer aggressiver aus. (Das Wort „zunehmend“ hätte hier gut hingepaßt).
Wer dann andere verwirrt nennt, fällt selbst hinein.
Die gottvolle Abseitigkeit des Sexuellen lasse ich mal unkommentiert. Aber nicht übersehen soll sein, daß die Frau, der Fremde und der Eros die Dreifaltigkeit des Schreckens bilden für den, der eine Familie braucht, um sich an Schwächeren abzureagieren (damit das Vaterland wieder richtig funktioniert).
„Dabei richtet sich Pirinçcis Kritik nicht gegen Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer,“ beteuert der Verlag, „sondern gegen deren kultische Verehrung durch Politiker und Journalisten.“ Klar doch. Wer ein richtiger deutscher Haßprediger werden will, muß (eigentlich gleich am Anfang) sagen, daß er nichts gegen Ausländer (Schwule, Flüchtlinge etc.) hat beziehungsweise daß er doch nun wirklich kein Rassist (Moralapostel etc.) ist, aaaber…
Das neue Machwerk, gewissermaßen das Buch zum Pedida-Jubiläum, hat den Titel „Die große Verschwulung“.
Ob es dem Eiferer in seinem Eifer schwant, daß er sich von dem eifernden Islamisten gar nicht so sehr unterscheidet?

Bitte bestellen Sie meine CD.

Bitte bestellen Sie meine CD.

Meine (allerdings, was er nicht weiß, ironisch gemeinte) „Anleitung für Rundumschläger“ beherzigt er, indem er uns mit „Demnächst“-Visionen unterhält:
„Der nächste Bundespräsident wird ein Travestiestar sein, der im Falsett auf Schlagerparaden die Nationalhymne singt.“ Ach! Ich dachte immer, das hätten wir schon längst gehabt.
„Schämen Sie sich, noch normal zu sein? Das Chaos wächst, im Dickicht der Geschlechter gibt es kein Halten mehr. Gewißheiten werden abgeräumt.“ So wurde zum Beispiel den Pegida-Anhängern der Abschied von der Gewißheit zugemutet, daß die Scheibe keine Erde ist. Aber nicht nur das: „Bienchen und Blümchen weichen den Aufklärungsmethoden aus den Laboren Dr. Frankensteins.“
Also sagen Sie doch mal selbst: Der ist doch plemplem.
Aber man soll sich nicht täuschen. Komisch ist das, aber nicht lustig, wenn einer mit seinem Haß auf alles, was für ihn den Anschein von Aufklärung und Modernität erzeugt, seinen geistigen Bankrott vorführt – und dafür den Massenjubel des Abschaums erntet.

VerschwulungWirNichtTreffer-Anzeige beim Barsortiment, an das die Weltbühne angeschlossen ist. „Führen wir nicht“. Da sieht man, wie weit der Islamimus uns schon im Griff hat. Denn auch die anderen Buch-Zwischenhändler boykottieren das Schwulenhasser-Buch.

Was ist das eigentlich für ein Verlag, diese „Manuskriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG“?
Harry Nutt schrieb in der Frankfurter Rundschau (22. Oktober 2015): „Verlagsgründer Thomas Hoof (Jahrgang 1948) […] hatte seit jeher ein Faible für grüblerisches Geraune mit deutschnationalen Untertönen.“ Vor 1989 war er Landesgeschäftsführer der Grünen in Nordrhein-Westfalen.
Da wächst ja mal wieder was zusammen.

Renate Rasp

Ich wußte gar nicht, daß die Schriftstellerin Renate Rasp (1935-2015) die Tochter des Schauspielers Fritz Rasp war. Ihr letztes Buch erschien 1979. Da könnte man meinen, es wäre nicht verwunderlich, daß man sie, sofern man sie erwähnt, bei den „Vergessenen“ einordnet.
Mitte der 60er Jahre als Debütantin erregte sie Aufsehen durch ein Erscheinen, das bis dahin als „nicht damenhaft“ angesehen wurde. Ihr Auftritt 1967 bei der Gruppe 47 war furios. Vielleicht erinnert sich noch jemand an ihren Auftritt bei der Buchmesse 1968 („ach, die war das?“), wo sie „ihre Lesung barbusig abhielt“, was von manchen von denen, die immer alles schon gewußt haben, als „billiger PR-Gag“ abgetan wurde. („Barbusig“ – was für ein Wort! Von „busig“ abgeleitet).
RaspSpiegelRenate Rasps Lyrik und Prosa war von einer brillanten Aggressivität. Darin war sie ihrer rasierklingenscharfen Kollegin Gisela Elsner (1937-1992) ähnlich.
Renate Rasps wohl am meisten verstörendes Buch war „Chinchilla“ (1973), das als Leitfaden zur praktischen Ausübung der Prostitution gelesen werden kann und eine völlig der Verwertung unterworfene Sexualität vorführt.
„Vergessen“ ist nicht nur eine psychische (Fehl?-)Funktion, sondern auch ein gesellschaftlicher Abwehrmechanismus.
VLBRaspFehlanzeigeDieses Bildschirmfoto zeigt die Trefferquote für die Suche nach „Renate Rasp“ in Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB).
Renate Rasp war mit dem Schriftsteller und Kabarett-Exporten und -Historiker Klaus Budzinski (geb. 1921) verheiratet. Auch von seinen Standardwerken über das Kabarett ist keines mehr lieferbar.
RaspChinchillaAls ich „Chinchilla“ las, hatte ich das meiste noch vor mir.

Time for Change: Yanis Varoufakis

Ab Mitte kommender Woche in der Weltbühne – um Vorbestellungen wird gebeten:
Yanis Varoufakis: Time for Change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre.
Carl Hanser Verlag. 184 S. Fester Einband. 17,90 Euro
Veroufakis_DieWelt_P05.inddMitteilung des Verlags:
„Erfrischender Querdenker – oder Totengräber des Euro? Yanis Varoufakis, ehemaliger Finanzminister von Griechenland, vertritt Thesen, die so kontrovers diskutiert werden wie sein Outfit. In lässigen Auftritten erklärt er die Welt, redet Klartext, wo andere nur Worthülsen produzieren. Viele Menschen berührt er sympathisch, andere sehen in ihm den Leibhaftigen. Wer ist er wirklich, was treibt ihn um? Varoufakis ist ein Meister darin, ökonomische Fragen mit der Geschichte der Kolonialisierung, mit den Matrix-Filmen und aktuellen Bezügen zu verbinden. Sein Buch will Interesse an der Wirtschaft wecken und bezieht leidenschaftlich Position für den Menschen und gegen eine Ökonomie der Unterdrückung.
Yanis Varoufakis, Jahrgang 1961, ist ein griechisch-australischer Wirtschaftswissenschaftler und Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenpublikationen. Er war Professor für ökonomische Theorie an der Universität von Athen und an der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs der Universität in Austin, Texas. Von Januar bis Juli 2015 war er Finanzminister der Regierung unter Alexis Tsipras.“
Konkret (August 2015):
„Daß Yannis Varoufakis, der ‚Rockstar der Ökonomie‘, der ‚linke Posterboy‘, der ‚Edelkommunist‘ oder schlicht der ‚Demagoge‘ (Qualitätspresse), es nicht versucht hätte, wird man ihm nicht nachsagen können. Daß Schäuble, Merkel, Dijsselbloem und Draghi nur Bahnhof oder Kommunismus verstanden haben, als der griechische Finanzminister ihnen ein ums andere Mal wenigstens ein Grundverständnis der kapitalistischen Wirtschaftsweise vermitteln wollte, kann man ihm nicht vorwerfen. Denn daß er in einfacher Sprache ökonomische Zusammenhänge erklären kann, belegt der griechische Wirtschaftswissenschaftler in seinem Buch Time for Change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre.“

Dieses Buch (und der Erwerb desselben – die Lektüre erst recht) ist ein (wenn auch kleiner) Störfaktor gegen die Europa-Demagogie der Herrschenden. Dieses Buch zu lesen ist ein Akt des zivilen Ungehorsams in einer Zeit, in der eine deutsche Regierung ungeniert und unverhohlen zum Hass gegen ein anderes Volk aufstachelt!
Die Buchempfehlungen in diesem Weblog sind stets mit der Empfehlung verbunden, die Bücher in der Buchhandlung Weltbühne zu kaufen. Für dieses Buch gilt das umso mehr.
Kaufen Sie / bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne, um Dissens zu stiften, wo Dissens vonnöten ist und mehr als ein Bekenntnis. Weil es auch auf den nächsten und übernächsten Schritt ankommt, muß Weltbühne bleiben.
Reden Sie sich nicht damit heraus, daß die Reise nach Neudorf mit der Postkutsche zu beschwerlich ist. Behaupten Sie nicht, Sie hätten nicht gewußt, daß die Buchhandlung Weltbühne auch eine Versandbuchhandlung ist.

Sosoo! Jajaa! 37 Jahre Esoterik für die Allerdööfsten

Ein Buchverlag (spezialisiert auf Pop-Musik-Themen) hat mir eine dieser E-mails geschickt. Mir wird mitgeteilt, daß Nina Hagen 60 Jahre alt geworden ist.
Aha.
Und?
Ja, in dem Verlag ist ein Buch erschienen, von oder über Udo Lindenberg. Irgenzone Sammlung von Udo-Lindenberg-Aussprüchen oder sowas. Und Nina Hagen hat dazu ein Vorwort geschrieben.
Soso.
Ich schau im VLB nach. Das Buch ist 1998 erschienen. Der 60. Geburtstag von Nina Hagen ist also der herausragende Anlaß, an den 17. Jahrestag des Erscheinens eines Buches zu erinnern, zu dem Nina Hagen so eine Art Vorwort geschrieben haben soll. (Das erinnert mich an Nordkorea. Dort gibt es einen Staatsakt anläßlich des 23. Jahrestages einer Rede von Kim Il Sung bei einem Bankett in der Rumänischen Botschaft).
Und was hat sie geschrieben? Einen zusammenhängenden Text? Das nun gerade nicht, sondern allerhand über „göttliche Abstammung – Hohepriester – prophetische Antennen“, das übliche Gequassel.

Irgendwann, von einem Tag auf den anderen, wurde im Eschhaus fast nur noch Nina Hagen gespielt. Man konnte an einem beliebigen Tag sich eine halbe Stunde lang im Eschhaus aufhalten und hatte mindestens drei mal „Unbeschreiplisch!! Weiplisch!!“ gehört bzw. „Ich glotz TV“.
Soll ich Ihnen mal was sagen? Ich habe kein Wort davon geglaubt. Das war doch nicht echt! Das war doch vor dem Spiegel eingeübte Pose. Das war doch was für Doowe. Das war doch was für Leute, denen man alles andrehen kann. Das war: Schlagerindustrie entdeckt Punk. Als (einer der) Erschaffer des Eschhauses schämte ich mich wegen der Anspruchslosigkeit, die hier manifest wurde. Das war Punk für Spießer (damit die Spießer, wenn man „Punk“ sagte, „aha!“ sagen konnten). Merkt denn keiner, daß das Tinnef ist?
Da stimmte doch gar nichts. Oder doch?
Was Kleinfritzchen sich unter „Punk“ vorstellt: Genau das ist es auch.

Irgendwann, an einem Samstag Nachmittag, erreichte mich ein Anruf von Ernst Meibeck. Ernst Meibeck war der langjährige Geschäftsführer des Eschhauses. Der hat, aus Gründen, die ich nie erfahren werde, mir dauernd Schwierigkeiten gemacht. Und nun war er auch wieder im Begriff, mir Ärger zu bereiten.
Er wußte leider, daß ich ca. 50 Meter entfernt vom Universitätsgelände wohne. Und an diesem Samstag sollte im Audimax Nina Hagen auftreten. Er bat mich, ich solle doch mal rübergehen und der Nina Hagen ausrichten, daß sie den Meibeck im Eschhaus anrufen soll.
Und was tat ich? Ich ging tatsächlich rüber, sah vor dem Gebäude LA einen Möbelwagen rumstehen, und sonst rührte sich nichts.
Ich ging wieder nach Hause, rief den Meibeck an und sagte, die Türen zum Gebäude LA wären geschlossen gewesen, kein Reinkommen, nichts. Den Möbelwagen verschwieg ich. Ich hatte nicht ausprobiert, ob die Eingänge offen oder abgeschlossen waren. Ich bin nur hin und zurück gegangen, um im richtigen Zeitabstand den Meibeck anzurufen. Ich wäre doch nie da reingegangen, um irgendeinen Rodi auch mal Chef sein zu lassen!
Warum ist der Meibeck da nicht selbst hingegangen? Der hätte es fertig gebracht, bis in Nina Hagens Künstlergarderobe vorzudringen. Der wäre auch bis zu Mick Jagger vorgedrungen.

„Allein! Die Welt hat mich vergessen!“ Leider nicht!
Nina Hagen hat in der Skala der hoffnungslos überschätzten Personen (Henryk M. Broder, Alice Schwarzer, Wolf Biermann, Barbara Schöneberger) den Spitzenplatz inne. Sie ist das seltene Beispiel eines Stars, der noch bekloppter ist als seine Fans. Den zur Schau gestellten Seelenzustand als „regressiv“ zu bezeichnen ist schon ebenso untertrieben wie ihr Auftreten als „overstyled“ zu bezeichnen. Noch’n Vogelkäfig als Ohrring, und kein Blick in die viel zu oft eingeschaltete Kamera ohne dieses Fratzenschneiden. Kindsköpfe, denen es peinlich ist, einfach so zu sein wie sie sind, erkennt man an der Grimasse und an ihrem aufdringlichen Herumgehampel. Und ein Gerede, das allen, denen sie ihre Fürsprache spendiert, peinlich sein müßte! Esoterik für Doowe. Aliens für Saudoowe. Dieser ganze Humbug! Jahrzehntelang nur Scheiße reden: Das ist keine Leistung, die Anerkennung verdient.
Bei irgendeiner Kundgebung der Friedensbewegung (wo war’s? In Büchel glaub ich) durfte auch Nina Hagen auftreten. Ich dachte: Ist es schon so weit? Und ich dachte: Jetzt kann es eigentlich nur noch schlimmer kommen.
Und das ist es ja auch.

1914 in der Literatur (7)

Manche Bücher, die vom Markt verschwinden, tauchen als Book-on-Demand-Ausgaben plötzlich auf – zu horrenden Preisen.
„Das Feuer – Tagebuch einer Korporalschaft“ von Henri Barbusse
wird als BoD-Print für zivile 19,90 Euro angeboten, und zwar in der Buchreihe Tredition Classics. Die Ausgaben aus dem Unionsverlag und als Fischer-Taschenbuch sind längst vergriffen.
Das Feuer (Le Feu) kann immerhin als französisches Gegenstück zu „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelten.
BarbusseFeuer„Dieses Werk ist Teil der Buchreihe TREDITION CLASSICS. Der Verlag tredition aus Hamburg veröffentlicht in der Buchreihe TREDITION CLASSICS Werke aus mehr als zwei Jahrtausenden. Diese waren zu einem Großteil vergriffen oder nur noch antiquarisch erhältlich. Mit der Buchreihe TREDITION CLASSICS verfolgt tredition das Ziel, tausende Klassiker der Weltliteratur verschiedener Sprachen wieder als gedruckte Bücher zu verlegen – und das weltweit! Die Buchreihe dient zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur. Sie trägt so dazu bei, dass viele tausend Werke nicht in Vergessenheit geraten.“

Henri Barbusse

Henri Barbusse

Bestellen Sie dieses Buch und die anderen Bücher aus dieser Buchreihe, denen Sie auf die Spur kommen, und überhaupt jedes erdenkliche Buch in der Buchhandlung Weltbühne.
Wir besorgen jedes lieferbare Buch. Wir liefern jedes Buch an jeden Ort.
LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.
Weltbühne muß bleiben.
Buchhandlung Weltbühne, eine gute Angewohnheit.

Wie hältst du es (aus) mit Amazon?

Jetzt, im Herbst, kommen die vielen Neuerscheinungen, und ich komme gar nicht mehr mit mit dem Registrieren, und ich könnte hier jetzt wochenlang Tag für Tag ein Buch vorstellen.
Heute empfehle ich ein Buch, das ich vielleicht in die Abteilung „Kriminalliteratur“ einordnen könnte:

Daniel Leisegang: amazon. Das Buch als Beute. Schmetterling-Verlag 2014. 128 S. 12,80 Euro
LeisegangAmazon
Der Verlag hat das Wort:
Auch wenn der Online-Händler Amazon nicht einmal 20 Jahre existiert, hat er die Einkaufsgewohnheiten der Menschen bereits revolutioniert. Die Kunden schätzen seine preiswerte und nahezu lückenlose Warenpalette, die unabhängigen Produktbewertungen der anderen Käufer sowie die unkomplizierten Umtauschoptionen. Und da das Unternehmen zumeist sogar eine Lieferung bis zum nächsten Werktag verspricht, ziehen viele den bequemen Mausklick dem stressigen Einkauf vor. Doch der Schein der schönen neuen Warenwelt trügt. Hinter der Fassade von Amazons Online-Shop verbirgt sich eine Welt prekärer Arbeitsbedingungen. Den niedrigen Preis für das bequeme Einkaufen im Netz zahlen dabei vor allem jene, die für die Logistik und den Versand der Waren zuständig sind.
Zudem bindet Amazon nicht nur die Buchhändler, sondern auch die Verlage durch seine aggressive Wachstumspolitik derart an sich, dass sie mit dem Unternehmen nicht mehr konkurrieren, sondern nur noch in seiner Abhängigkeit weiterleben können.

Ob dieses Buch auch von Amazon angeboten wird? Ja. Wird es. Da kennen die nix.
Aber Sie wollen dieses Buch doch bestimmt nicht bei Amazon bestellen, sondern (bei portofreier Lieferung) in der Buchhandlung Weltbühne. Das ist – ganz besonders in diesem Falle – eine konkrete und wirksame Abwehrmaßnahme gegen die Monopolisierung.

Einige Kritik, aber auch ein paamarkachzich Provision hat der verdienstvollen Buchhandlung Weltbühne der kollaborative Link eingebracht, der ganz unten auf dieser Seite zu finden ist. Nee, nee, nix Kollaboration, sondern Guerillataktik nach Che Guevara: „Sich vom Feind ernähren“. Amazon-Kunden leisten so ein Stückchen Wiedergutmachung.

Den Stand des Bewußtseins erkennt man an der Aussprache.
Wer „Ämmesuuun“ sagt, ist kaum noch zu retten.
Richtig spricht man „Amazon“, wie Amazonas ohne As.

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

Geschrieben, gestaltet, gedruckt und geheftet:
DER METZGER, das satirische Magazin. Nr. 110. Preis: 3 €.
So sieht das Heft von außen aus:
M110Und das steht drin (Überblick):

Jakop Heinn: Neues von der Schmalspur (Finale?). Für die Band Die Bandbreite wird es immer schmaler. Jetzt will auch die MLPD nichts mehr von ihr wissen.

Max Reinhardt: Königlicher militär-industrieller Komplex. Vor hundert Jahren: Wie der Weltkrieg dem Volke mit Bildern nahegebracht wurde. Für die Industrie war das Völkergemetzel ein Glücksfall.

Helmut Loeven: „Zuerst werden wir alle Subversiven töten“. 1977 fiel die Theologiestudentin Elisabeth Käsemann in Argentinien der Geheimpolizei in die Hände. Nach wochenlanger Folter wurde sie ermordet. Das Auswärtige Amt unter Minister Genscher tat nichts, um sie zu retten. Im Gegenteil: Die Militärdiktatur fand in der sozialliberalen Bundesregierung einen verständnisvollen Partner.

Tagebuch. U.a.: Die Partei „Die Linke“ und der Buchhandel. Der Weg nach oben als Niedergang.

Carl Korte: Apfelbisse. Mottes Abenteuer als Reporter.

A.S.H. Pelikan: Menschenalter (tabellarisch).

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: „Ich will es nicht – mach’s, aber ohne mich; Frauenbewegung als K-Gruppe?; Muß Frollein Lohmeier ins Gefängnis?; Die Iditiotx sind unter uns (Frau Professor Hornscheidt und ihr Geisteszustand); Komische Häuser: Schuhhaus Pesch; Rousseau und die Wandparole bei Edeka u.a.

Marvin Chlada: Objekte der Begierde. Über die Museumsorgie in Fouriers neuer Welt der Liebe.

Herbert Laschet-Toussaint: Mütter nach Grosny. Gedicht.

Thomas Rüger: Mit Cordmütze und Gitarre. Neu: Die Musikkolumne.

Chantal Könkels: Die Projektgruppe Pudding und gestern hat wieder zugeschlagen.

Helmut Loeven: Konstruktive Tonlage. Komposition für Singstimme und Clavier. Mit Noten.

Sie können das neue Heft nicht abholen, weil Sie dazu überland reisen müßten? Das macht nichts. Sie können sich das Heft auch portofrei zuschicken lassen (das Wort „zuschicken“ anklicken um zu erfahren, wie es geht).
Und überhaupt: WER ABONNIERT, HAT MEHR VOM METZGER.

Signal fatal oder Letzte Mahnung

1972 kandidierte erstmals die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) für den Bundestag. Und erstmals konnte ich bei einer Bundestagswahl eine Stimme abgeben. Ich stand vor der Entscheidung: Wähle ich DKP oder wähle ich Willy Brandt?
Ich und Willy Brandt (vulgo: SPD) wählen? Wie konnte ich sowas überhaupt in Betracht ziehen?
Die Sozialliberale Koalition, die doch ein bißchen mehr Demokratie wagen wollte und den Begriff „Lebensqualität“ aufbrachte – von der haben wir uns allzuviel auch nicht versprochen. Aber, wenn man „alles“ will, aber „alles“ nicht (sofort) geht, nimmt man, was man (erstmal) kriegen kann (wenn man klug ist). Aber das war nicht Grund genug. Entscheidend war: Die Sozialliberale Koalition wurde von rechts unter Druck gesetzt. Das Mißtrauensvotum war knapp abgewehrt. Eine stark nach rechts gerückte, aggressive CSU/CDU stand Gewehr bei Fuß. Also habe ich „Willy gewählt“. Gegen Strauß zu stimmen erschien mir vorrangig.
Heute finde ich meine Entscheidung von damals nicht mehr richtig. Ich hätte DKP wählen sollen. Es geht bei einer Wahl ja weniger darum, wer regiert und wer nicht regiert. Es ging damals ja auch darum, die wieder zur Legalität gelangte Kommunistische Partei als Größe in die politische Auseinandersetzung einzufügen. Bei Wahlen darf Taktik wohl eine Rolle spielen, aber nicht Überhand nehmen. Wer links ist in einer bürgerlichen Gesellschaft, sollte sich weniger um eine nicht ganz so schlechte Regierung, sondern mehr um eine halbwegs gute Opposition sorgen.

Bei der Wahl zum Europäischen Parlament kandidieren die Linkspartei und die DKP. Ich weiß nach dem, was ich in den letzten Tagen gehört habe, daß manche hin und her überlegen: DKP ist ja eigentlich schöner, aber die Linkspartei ist sowas wie der Spatz in der Hand.
Dazu fällt mir nur ein: An ihrer Verzagtheit werden die Linken nochmal zugrunde gehen (wenn sie nicht sowieso schon zugrunde gegangen sind, und wir haben es nur noch nicht gemerkt).
Wer für einen Spatz in der Hand die weitere Marginalisierung des Marxismus in Deutschland in Kauf nimmt, sendet ein Signal aus mit fatalen Langzeitfolgen.

Es gibt viele gute Gründe, der Linkspartei die Stimme zu entziehen. (Und denk ich an Duisburg in der Nacht, dann fallen mir auch noch ganz persönliche Gründe ein). Aber eine Stimme für „Die Linke“ ist auch immer eine Stimme gegen rechts.
Ein Wahlergebnis bildet nicht nur eine Stimmung ab. Es stellt auch eine Stimmung her. Wenn „Die Linke“ auf den absteigenden Ast gerät, dann ist das schlecht für uns alle – und mögen wir noch so sehr Gründe haben, diese Partei NICHT ins Herz zu schließen. Verluste für die Linkspartei werden in der allgemeinen Wahrnehmung eben nicht als Quittung für fragwürdige Entscheidungen, Abgehobenheit und Hochnäsigkeit und unsolidarisches Verhalten gewertet, sondern als ein fatales Signal, daß „links“ überhaupt nur noch ein Rudiment der Vergangenheit ist. Wenn einem sonst nichts übrigbleibt, soll man „Die Linke“ wählen.

Aber wo man die Wahl hat zwischen Linkspartei und DKP (bei der Europawahl und in einigen Städten auch bei der Kommunalwahl), sollte man sich doch für das Konzentrat und nicht für die Verdünnung entscheiden. Die Entscheidung zwischen Linkspartei und DKP kommt einer Entscheidung zwischen der Mayerschen und der Weltbühne gleich.

Und jetzt werde ich mal pötisch:
Die DKP ist wie eine Orange.
Die Linkspartei ist wie Sinalco.

Die SPD ist leere Flasche.
Und die Grünen sind wie Tritop – auch verdünnt ungenießbar.

Was will die CDU damit sagen?

Was will die CDU damit sagen?

Der Weg nach oben

Die Partei Die Linke, Duisburger Kreisverband, gibt die Zeitung Standpunkt heraus. Darin veranstaltet sie Preisausschreiben. Und was kann man gewinnen?
Büchergutscheine.
Aber nicht, wie Sie vielleicht noch denken, von der linken Buchhandlung am Ort. Sondern: von der Mayerschen Buchhandlung.
Das kam uns in der Buchhandlung Weltbühne doch etwas seltsam vor – ebenso dem Kunden, der uns kopfschüttelnd diese Nachricht überbrachte („Kann doch wohl nicht wahr sein“).
Ist aber wahr (und ick wundere mir über jarnischt mehr).
Gebeten (per E-mail), diese Entscheidung gegen links zu erläutern, kam die Antwort ein bißchen schnell: DASS DIESE ENTSCHEIDUNG NICHT ZU ERLÄUTERN SEI.

P.S.: Die Partei Die Linke, Duisburger Kreisverband, ist sicherlich gespannt auf Kommentare:
kreisverband@dielinke-du.de

1914 in der Literatur

Ich muß wohl mal einen Offenen Brief an den Herrn Koch* schreiben. Dann werde ich schreiben:
Sehr geehrter Herr Koch,
gestern habe ich das Buch „Junge Frau von 1914“ von Arnold Zweig (Aufbau Taschenbuch) verkauft und wollte es natürlich sofort nachbestellen (dieses Buch ist in der Weltbühne ein Standardtitel).
Aber: ätsch!
Die Taschenbuchausgabe wird nicht mehr angeboten. Sie ist vergriffen, und Sie haben sie nicht mehr neu aufgelegt.
Von Arnold Zweig wird gegenwärtig überhaupt keine Taschenbuchausgabe angeboten, weder von Ihnen noch von sonst einem Verlag.
800px-Stamps_of_Germany_(DDR)_1987,_MiNr_3092Ich will darauf eingerichtet sein, den Kunden, die etwas über den Ersten Weltkrieg erfahren wollen, gute und informative Bücher zu diesem Thema anbieten zu können. Dazu gehören vornehmlich die Bücher von Arnold Zweig „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ und „Erziehung vor Verdun“. Diese Titel werden von Ihnen in der „Berliner Ausgabe“ angeboten – für 39 bzw. 40 Euro. Gerade zum hundertsten Jahrestag des Beginns des ersten imperialistischen Weltkrieges halte ich Taschenbuchausgaben solcher Werke für unverzichtbar.
Von Autoren, die das Profil des Aufbau-Verlags geprägt haben wie Anna Seghers, Egon Erwin Kisch, Lion Feuchtwanger, sollten alle Einzeltitel als Taschenbuch erhältlich sein. Von Anna Seghers gibt es nun noch wenige Taschenbuchausgaben, von Kisch gar keine. Die gebundenen Pracht-Ausgaben zu horrenden Preisen sind nichts für Einsteiger.
800px-Stamps_of_Germany_(DDR)_1985,_MiNr_2940Immerhin ist erfreulich zu vermelden: Arnold Zweigs „Junge Frau von 1914“, Kischs Kriegstagebuch „Schreib das auf, Kisch“ und Ludwig Renn „Krieg“ sind zwar nicht als Taschenbücher, aber als noch recht preiswerte Ausgaben für je 15 Euro erschienen.
800px-Stamps_of_Germany_(DDR)_1989,_MiNr_3230P.S.: „Abschied“, der Roman von Johannes R. Becher, in dem die Atmosphäre vor dem Beginn des großen Völkergemetzels genau zu erfahren ist, würde ich auch gern wieder als Aufbau-Taschenbuch sehen.

* Matthias Koch ist der Chef vom Aufbau Verlag.
Von einigen der hier genannten Buchtitel, anderswo vergriffen, sind noch Restbestände als Taschenbuchausgaben in der Buchhandlung Weltbühne vorrätig. Denn hier wird nichts verramscht und nicht remittiert. Was nicht verkauft wird, bleibt eben stehen – bis es nur noch hier zu kriegen ist.

Perfect Day

Letzte Tage in der Weltbühne.
Eine schöne Frau mit langen blonden Haaren betritt den Laden. Sie hat eine dunkle Stimme. Und: Sie hat ein Buch von Hegel. Ein sehr dickes Buch. Ob ich das haben will für’s Antiquariat.
„Bevor es weggeschmissen wird, nehme ich es.“
„Krieg ich was dafür?“
Oje!
„Zwei Euro.“
„Okay.“
Und danach die tiefe Betrübnis. Warum lasse ich mich immer breitschlagen! Warum kaufe ich Bücher immer viel zu teuer ein!
Eine Stunde später.
Ein Mann (spricht mit französischem Accent) erkundigt sich nach Philosophie, fragt nach Hegel. Ich zeige ihm das sehr dicke Buch. er will es haben.
„Vier Euro.“
„Okay.“
Wieder allein, und ich singe laut:

„Just a perfect day
feed animals in the zoo
Then later
a movie, too, and then home

Just a perfect day
you made me forget myself
I thought I was
someone else, someone good

Oh, it’s such a perfect day
I’m glad I spent it with you
Oh, such a perfect day
You just keep me hanging on
You just keep me hanging on“

Diese Geschichte ist gar nicht wahr. Der Mann kam nicht nach einer Stunde, sondern erst am nächsten Tag.

Hegel zu Besuch in der Buchhandlung Weltbühne, weil hier der Weltgeist zu sich selbst findet

Hegel zu Besuch in der Buchhandlung Weltbühne, weil hier der Weltgeist zu sich selbst findet

..