Wat? Nikolaus im März?

Die Veranstaltung wird bestimmt gut.
Hingehen! Los!

P.S.: Werner Zapp (Bild oben rechts) zeigt eine neue Krawattenmode. Ohne Knoten, geht auch.
Jetzt sag ich Ihnen mal was: Werner Zapp hat mich nach der Lesung am letzten Samstag angesprochen auf den ÜBERNÄCHSTEN Autorenplausch im September, und zwar zusammen mit Lütfiye Güzel. Also halten Sie sich den September frei!
Dann kann ich meiner Kollegin sagen: Hier komme ich her, Buchholz, meine engere Heimat! Hier hat Frollein Tischer mir das kleine Einmaleins und das ABC beigebracht (und viel mehr eigentlich nicht).
Die Vergangenheit holt mich ein. Das ist gar nicht schlimm, denn ich hole ja auch die Vergangenheit ein.


Dochdoch: Die Sittardsberger Allee HAT was Gemütvolles.

Rechtsterrorismus vor der eigenen Haustür?

Freitag (25.11., 19 Uhr): Veranstaltung im Syntopia:

Rechtsterrorismus vor der eigenen Haustür? Der Fall „Legion47“.
November 2016, der Terror von rechts scheint mehr denn je präsent zu sein:
Vor genau fünf Jahren war die Selbstenttarnung des NSU, seit 2015 gab es einen rasanten Anstieg von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, allein in den ersten 9 Monaten dieses Jahres gab
es nach Auskunft der Bundesregierung mindestens 12 versuchte Tötungsdelikte, im September 2016 explodierte eine Bombe vor der Wohnung eines Imams in Dresden, in München stehen Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppierung „Oldschool Society“ vor Gericht, die Anschläge u.a. in Bochum geplant haben sollen.
Doch in Duisburg gibt es so etwas nicht! Diesen Einschätzung vermitteln jedenfalls die Kriminalinspektion Staatsschutz der Duisburger Polizei und die lokalen Medien.
Ende 2012 bis August 2014 agierte die NPD-nahe Kameradschaft „Legion 47“ im Duisburger Süden. Ihre Mitglieder verfügten über scharfe Waffen und Munition und über Sprengstoff. Drei der Anführer standen 2015 vor Gericht. Ihnen wurden Brandanschläge, Körperverletzungen und zahlreiche
Einbrüche nachgewiesen. Doch die politische Dimension des Falles wurde weitgehend ausgeblendet. Staatsanwälte, Verteidigung und Gericht waren sich einig: Das Trio sei lediglich eine nicht politisch motivierte Diebesbande.
Der Vortrag wird die Taten der „Legion 47“ und den Prozess beleuchten. Anschließend möchten wir mit euch diskutieren, wie wir als Antifaschisten mit solchen Fällen umgehen können.

Zum Thema siehe auch: DER METZGER Nr. 117.

syntopiavoninnenStadtteil- und Projektladen in Duisburg-Hochfeld
Syntopia / Mustermensch e.V.
Gerokstr. 2
47053 Duisburg
Haltestelle: Pauluskirche

Das Foto zum Zwanzigsten

Mich hat mal einer auf der Grabenstraße nach dem Weg zur Bismarckstraße gefragt. Ich hätte sagen können: „Nächste Straße rechts, dann die nächste Querstraße ist die Bismarckstraße.“ Das wäre richtig gewesen. Der hatte aber einen Franz-Josef-Strauß-Aufkleber auf der Heckscheibe und noch weitere Aufkleber mit unappetitlicher Botschaft (z.B. „Atomkraft ja bitte“). Also hab ich ihn zum Entenfang geschickt („Bis zur Ampel, dann links, und dann immer geradeaus“).
Das ist schon lange her. Aber letztens fragte mich einer auf der Königstraße (Ecke Sonnenwall), wo die Post ist:
„Gibt es hier irgendwo ‘ne Post? Gibt es überhaupt eine Post in diesem Kaff hier?“
Dem habe ich gesagt: „Gehen Sie hier die Straße entlang, immer geradeaus. Auf der linken Seite ist dann die Post.“
Auf der linken Seite ist gar nicht die Post, sondern die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Sparkasse, das Landgericht, der König-Heinrich-Platz und dann am Ende das Call-Center der Targobank. Aber ich habe ihm gesagt, er soll nach links schauen. Denn wenn er nach rechts geguckt hätte, hätte er gesehen, daß auf dem Sonnenwall, keine 50 Meter entfernt, die Post ist.

2016-08Wer zur Bismarck-Straße will und dann zum Entenfang geschickt wird, soll sich bloß nicht beschweren. Dort ist es doch schön!

Noch 5 Tage

„Was wir heute bauen sind die Slums von morgen.“
(Alexander Mitscherlich)

Liebe Weblogleser in Duisburg,
und liebe Weblogleser aus der Umgebung (der näheren, der weiteren),

schon mehrmals habe ich hier auf planvolle (planungsvolle) Landschaftszerstörung im Duisburger Süden aufmerksam gemacht, insbesondere die beabsichtigte Bebauung des Alten Angerbogens, einer der letzten Freiflächen in Huckingen.

LandschaftFutur01

HuckingenFeld

Hier sollen 200 Häuser hin für all die vielen Wohnungssuchenden, die es gar nicht gibt. Die Einwohnerzahl ist weiterhin rückläufig. Dafür am Flächenverbrauch festzuhalten ist nicht gerade ein Zeichen von Rationalität.

Siehe hier
und siehe hier.

Ich habe auch auf die Petition des Huckinger Bürgervereins aufmerksam gemacht

hier anklicken

Die Frist läuft in 5 Tagen ab.
Für das Quorum zählen die Stimmen von Bürgern der Stadt Duisburg. Aber auch Auswärtige können der Petition Gewicht geben. Es geht nämlich nicht nur um eine bestimmte Fläche,
sondern,
Einspruch einzulegen gegen die Mentalität der neofeudalen Fachidioten der Raumplanung, die meinen, man könnte einfach so dahergehen und die Eindimensionalität ihres Bewußtseins an unserer Lebenswelt austoben.

Gegen Landschaftszerstörung

Die unaufhaltsam scheinende Landschaftszerstörung im Duisburger Süden wurde hier schon öfter thematisiert, zum Beispiel am 15. Juni vorigen Jahres oder vor einem Monat.
Es ist ja schön, wenn man mit seiner Sorge nicht allein steht und sich versichern kann, daß die Auffassung geteilt wird, daß man nicht jeden Wahnsinn widerspruchslos hinnehmen muß:
PetitionAngerbogen
Ja, dann klickt mal schön dieses bit.ly/1sr8fH2 und petitiert mal schön, damit die Petition keine Petitesse bleibt!
Die in der Zeitungsmeldung angegebe Zahl ist in der Zwischenzeit gestiegen. Mitlerweile haben 1263 unterschrieben, davon 1178 aus Duisburg. Mögen es heute Abend schon ein paar mehr sein!

Das Weite suchen (12-20)

weitesuchen12Das ist nicht der Kessel des Monats, sondern der Hochofen des Tages.
Aber am Hochofen habe ich ja nicht gearbeitet, …

weitesuchen13… sondern im Stahlwerk.

weitesuchen14
weitesuchen15Hier ist was los, wa?

weitesuchen16Was mich an dieser Landschaft so fasziniert: Hier sollte nichts Schönes geschaffen werden. Niemand hat überlegt, wie hier von Menschenhand etwas Schönes geschaffen werden könnte. Und das ist das Schöne.
Das werden viele nicht verstehen, namentlich die, für die die Industrie ein Moloch ist (und die sich nicht klar darüber sind, was sie der Industrialisierung verdanken).
Als ehemaliger Mannesmann-Arbeiter darf ich das sagen (und drauf pochen).
Wie es bei Tucholsky heißt:
„Ich war Stahlarbeiter, ich darf alles.“
(Sowas Ähnliches hat er gesagt).

weitesuchen17Aber auch der Auenlandschaften wegen war ich ja hier …

weitesuchen18weitesuchen19… wo die Bebauung sich an den Horizonz zurückzieht.
Es geht hier nicht um die „unberührte Natur“, sondern um das Unglück des von der Natur unberührten Menschen.

(Auch das Umformen von Erz zu Stahl gelingt durch das Erkennen und Anwenden von Naturgesetzen. Es gibt nichts Unnatürliches (nichts Übernatürliches), aber es gibt die Entfremdung von der Natur).

weitesuchen20..

Das Weite suchen (1-11)

An den katholischen Hochfesten, die in den Frühling fallen, wenn es lange hell bleibt, und die zudem gesetzliche Feiertage sind (wie auch der Fronleichnamstag am letzten Donnerstag), suche ich das Weite. Die Weite mißt sich nicht an der Strecke, sondern am Radius. Und weniger die Suche nach dem Unbekannten treibt mich an als die Suche nach dem Bekannten.
Daß man „nicht zurück“, sondern „nach vorn schauen soll“ gehört zu den dummen Sprüchen. Nein, man soll in alle Richtungen schauen! Das Wieder-Finden ist eine besonders ergiebige Erkenntnisquelle: Sich mit dem Vergessen nicht abfinden!
Ich habe mich diesmal wieder in den südlichen Stadtteilen aufgehalten (von wo ich ja komme, wie Sie wissen), unterwegs mit dem Fotoapparat, der ein Gerät ist, mit dem man die Zeit anhalten kann (alter Menschheitstraum).

WeiteSuchen01Man muß sie suchen, aber man findet sie dort noch: die Auen-Landschaften, wo dem Gras erlaubt wird, erwachsen zu werden, und wo der Blick in die Weite, die man gesucht hat, nicht versperrt wird…

WeiteSuchen02… und wo sich die Bebauung an den Horizont zurückzieht.

weitesuchen03A! Das hätte ich ja nicht gedacht, daß mir eigens eine Begrüßung an die Wand gemalt wird! (Als „Wand“ lasse ich einen Verteilerkasten gern gelten).

weitesuchen04Je weiter nach Süden, desto kleiner die Häuskes (hier: Mündelheimer Straße). Irgendwann schreibe ich einen Roman, der unter solchen Dächern beginnt.
Den Roman schreibe ich vielleicht nie. Aber den Satz schreibe ich noch oft.

weitesuchen05„Butterblumen“ sagte man. Man hat uns erzählt: Aus dem Gras (das die Kühe fressen) wird Milch. Aus den Butterblumen wird Butter.
Man muß von nix ne Ahnung haben, um alles zu erklären.
(Lassen Sie sich nicht täuschen).
Recte: Gelber Hahnenfuß.

weitesuchen06Ich weiß noch (so um 1960 war‘s), wie an der Mündelheimer Straße eine katholische Kirche gebaut wurde, und die Leute sich darüber aufgeregt haben: Weil das ja gar nicht wie eine Kirche aussah, sondern irgendsowat Modernes!
Ja, über sowas regten die Leute sich furchtbar auf: über alles.

weitesuchen07Hier war ich Briefträger. In dem Haus an der Ecke war ein Lebensmittelgeschäft, und dem Ladeninhaber brachte ich jede Woche die Deutsche Volkszeitung (DVZ). Das erklärte sich von selbst. Die Mannesmann-Werkssiedlung hatte ich gerade hinter mir, wo ich einige UZ für die linken Arbeiter zugestellt hatte. Hier lieferte ich dann die Wochenzeitung für den linken Mittelständler.
Der linke Lebensmittel-Laden ist spurlos verschwunden. Aber die Deutsche Volkszeitung gibt es ja noch. Die heißt jetzt Freitag – ist aber heute ganz anders, nicht mehr so eine alte Tante.
Welche Zeitung möchte eigentlich noch eine alte Tante sein?

weitesuchen08Wenn man hier steht, dann weiß man: Hier ist Endstation (der Straßenbahnlinie 8). Und wenn man sich umdreht …

weitesuchen09… steht man vor Mannesmann Tor 2.
Als ich bei Mannesmann war, durchquerte ich das Tor kurz vor 6 Uhr (zur Frühschicht) bzw. kurz vor 2 Uhr (zur Spätschicht). Da war ich einer von 12.000.

weitesuchen10Die Lehrlinge von Mannesmann haben in Gemeinschaftsarbeit dieses Mahnmal geschaffen, das gegenüber von Tor 1 steht und an die Zwangsarbeiter erinnert, die aus den Ländern verschleppt wurden, die von der faschistischen Wehrmacht überfallen worden waren.

weitesuchen11Ein paar Schritte weiter erinnert dieser Findling an die Unterkunft, in der die italienischen Zwangsarbeiter zusammengepfercht waren.

WIRD FORTGESETZT.

Landschaft im zweiten Futur (14-18)

Die katholischen Hochfeste, die in den Frühling fallen, wenn es lange hell bleibt, und die zudem gesetzliche Feiertage sind („Christi Himmelfahrt“, Pfingstmontag, „Fronleichnam“) nutze ich für ausgedehnte Wanderungen durch Wälder, Felder und Siedlungen – ich sagte es bereits, daß ich es bereits sagte, und sage es noch einmal.
Den Himmelfahrtstag habe ich nicht für eine Fahrt zum Himmel genutzt, sondern an den Teil der Stadt, der an Düsseldorf angrenzt.

Landschaftkultur14Hier wird einem geholfen, auf eine der Ur-Fragen der Philosophie die Antwort zu finden: Wo bin ich hier?
An einem Ort, wo die richtungsweisenden Schilder in der Sonne glitzern! Bei gleichzeitiger Bekanntgabe der Lottozahlen.
Pop Art.

LandschaftKultur15Hier hörte ich zwei Feldlerchen. Die singen im Flug. Es wird gesagt, daß die Schönheit ihres Gesangs nur noch von dem der Nachtigall übertroffen wird. Sie fliegen oft gegen den Wind und „stehen“ in der Luft und singen dabei. Ich konnte sie bei Gegenlicht nicht fotografieren. Aber hier war das.

LandschaftKultur16Sie könnten doch mal einen Aufsatz schreiben über: Der Raps und die Elektrizität. Von mir aus auch: Feld und Energie. Oder: Earth and Power.
Wenn Sie so freundlich wären.
Alle Bilder anklicken zum Vergrößern.

LandschaftKultur17LandschaftKultur18Ich geh‘ so gern nach Hause.

Landschaft im zweiten Futur (6-13)

LandschaftKultur06Hat man das Gut Kesselsberg passiert, kommt man an eine Weggabelung. Ich bin immer linksrum gegangen und dachte jedesmal: irgendwann gehe ich rechtsrum. Das wurde also eine lange Wanderung, weil ich mir die Landkarte dieser Gegend wohlweislich erst danach angeschaut habe.

LandschaftKultur07Immer gut, wenn der Autofahrer weiß, wie er nach Duisburg und nach Düsseldorf kommt. Wie man nach Dinslaken kommt, muß er nicht wissen. Da fährt nie jemand hin.

LandschaftKultur08Solange es solche Wege gibt und solche Zäune, und solche Pöhle und solche Kabel, … (vervollständigen Sie den Satz bitte selber).

LandschaftKultur09Ja, gewiß: Ich möchte gern als Landschafts-Fotograf bei Ihnen Ruhm ernten. Aber ich will Sie auch daran erinnern, daß es ein Profit-Interesse an Landschafts-Zerstörung gibt.

LandschaftKultur10Hier könnte man doch zum Beispiel 40 Karriere-Apartments draus machen mit Wirl-Zone und Wellness-Pool. Will jeder, braucht keiner.

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WIRD FORTGESETZT.

Landschaft im zweiten Futur (1-5)

Die katholischen Hochfeste, die in den Frühling fallen, wenn es lange hell bleibt, und die zudem gesetzliche Feiertage sind („Christi Himmelfahrt“, Pfingstsonntag, „Fronleichnam“) nutze ich für ausgedehnte Wanderungen durch Wälder, Felder und Siedlungen – ich sagte es bereits, daß ich es bereits sagte.
Den Himmelfahrtstag habe ich nicht für eine Fahrt zum Himmel genutzt, sondern an den Teil der Stadt, der an Düsseldorf angrenzt.

LandschaftFutur01Wenn die Anger (dieser Bach da) Stolz empfinden könnte, dann wäre sie stolz darauf, nicht in einen Nebenfluß oder in einen anderen Bach zu münden, sondern in den Rhein höchstpersönlich.

LandschaftFutur02Haben Sie diese Landschaft wiedererkannt? Von der war hier schon mal die Rede. Ich bin hier, um Erinnerungen zu sichern, die das einzige sind, was hiervon übrigbleibt, solange man Idioten, die sich „Stadtplaner“ nennen, nicht in sehr enge Schranken weist.
In einer Stadt, deren Einwohnerzahl in den letzten 40 Jahren um mehr als 100.000 zurückgegangen ist, weiterhin Fläche zu verbrauchen, ist eine imponierende Leistung in der Kunst des Nichtskönnens.
„Zweites Futur“ oder „Futur zwei“ oder „Vollendete Zukunft“ ist das, was in der Zukunft vorbei sein wird. Oder so.

LandschaftFutur03Man komme mir nur nicht mit „Überkapazitäten der Landwirtschaft“. Auf solchen Flächen könnte erneuerbare Energie angebaut werden. Aber dazu holzt man lieber den Amazonas-Urwald ab! Eine kapitalistische Lösung des Energie-Problems ist keine!

LandschaftKultur04Was sehen wir hier? Gut Kesselsberg (steht bestimmt inzwischen unter Denkmalschutz, was wenig bedeutet). Eine Kulturlandschaft. Der Mensch kann sehr wohl in eine Landschaft eingreifen, ohne sie zu vernichten: Landschaftskultur.

LandschaftKultur05Kann mir das mal jemand botanisch erklären?
Es handelt sich keineswegs um Vogelnester.

WIRD FORTGESETZT.

Verboten W

VerbotReparatur1Ist ein Fahrzeug kaputt, muß es auch kaputt bleiben, entschied der Oberstadtdirektor.
Gilt das immer noch, nachdem vor etwa 20 Jahren nach der neuen Kommunalverfassung in Nordrhein-Westfalen das Amt des Ober-Gestatt-Direktors abgeschafft wurde?
VerbotReparatur2Wenn man das Schild vollständig zitiert, geht der Witz ein bißchen flöten.

VerbotenW2..

SoS (90-100)

SoS090

SoS091Heute endet die Revue einiger (willkürlich?) ausgewählter Standfotos aus dem Film „Sehreise“.
SoS092

SoS093Der Film (die Primärquelle: der Super-8-Film) wurde, wie hier mehrmals erwähnt, vor 40 Jahren im Eschhaus uraufgeführt.
Die einzelnen Bilder hier auf dem Bildschirm sind eine 330-fache Vergrößerung des Original-Bildes. Auf der Leinwand dürfte das Bild 10.000-fach vergrößert gewesen sein. Man kann sich kaum vorstellen, auf diese Weise halbwegs scharfe Bilder projizieren zu können, auch wenn das Filmmaterial sehr feinkörnig war – darum aber auch wenig lichtempfindlich. Man mußte günstiges Wetter nutzen. Für Innenaufnahmen wurden Filmleuchten gebraucht. So entstand eine ganz eigenartige Super-8-Ästhetik. Die durch Optik und Photochemie gesetzten Grenzen nahm man hin. Folge war eine durchaus nützliche Verfremdung.
Früher hat man versucht, Bilder in Bewegung zu setzen. Hier könnte man meinen, daß sie schöner werden, wenn man sie anhält …
SoS094

SoS095Die Primärquelle ist ein Film mit tausenden Schnittstellen. Eine Kopie war nicht möglich, sie hätte ein Vielfaches des eingesetzten Rohmaterials gekostet. Die Digitalisierung war die „letzte Rettung“.
SoS096

SoS097Diese Bildrevue hat tatsächlich das Interesse am Kauf der (Doppel-)DVD geweckt, so daß das Problem erwächst, für die weitere Vervielfältigung Doppel-DVD-Hüllen aufzutreiben.
Die Medien der Zukunft, die Träger digitaler Inhalte, die silberglitzernden Schreiben sind nämlich auch schon ein Auslaufmodell. Die DVD-Epoche wird die Lebensdauer der Super-8-Epoche nicht erreichen.
Vielleicht hat jemand einen Tip, wo man (Doppel-)DVD-Hüllen kriegt.
SoS098SoS099SoS100..

Goodbey – Hello (2)

Und heute, an diesem schönen Samstag im Spätsommer, sind wir uns begegnet, auf einer Party. Die meisten Leute hier kenne ich gar nicht. Ich weiß nicht, mit wem ich reden soll und worüber. Die meiste Zeit schaue ich aus dem großen Fenster auf das große abgeerntete Feld. Und da sehe ich plötzlich: Sie kommt vorgefahren, begleitet von ihrem Lover, dem Arschloch. Zum Glück ist der nur selten in Europa. Er ist Schriftsteller, ehemaliger Black Panther, schreibt revolutionäre Stücke, ein Linker also. Aber als Partner eine Niete, egoistisch, rücksichtslos, zu Mitgefühl unfähig, eifersüchtig und sie ständig kontrollierend: So hat sie ihn mir beschrieben, als einen, auf den die Frauen fliegen (und auch, in jeder Hinsicht, als das Gegenteil von mir). Immerhin ist er einer, mit dem sie auf einer Party Bella Figura machen kann. Wenn sie unter vielen Menschen ist, ist sie in ihrem Element, wird schnell zum Blickfang, erntet Bewunderung von den Herren und Neid von den Damen, erst recht in respektabler Begleitung.
FeldAbgeerntetIch weiß etwas aus dieser respektablen Beziehung, wovon sie mir erzählt hatte, weil sie meinte, daß ich das unbedingt wissen muß: Daß er ihr manchmal eine veritable Tracht Prügel verpaßt hatte. – Ein Aspekt, der das Bild dieser Grande Dame bei ihren Bewunderern und Neiderinnen auf kontrapunktische Weise komplettieren, Bewunderung und Neid eher steigern als verringern würde. Er macht ihr klar, wie sie sich zu benehmen hat. Besonders stört er sich an ihren Fragen danach, was er treibt, wenn er mal für einige Zeit nichts von sich hören läßt. Dann befolgt sie ohne Widerspruch seine Anweisung, für die Strafe mit dem Ledergürtel ihr Hinterteil zu entblößen. Ein anderes Mal hat sie mir erzählt, es handle sich dabei um ein Arrangement zum beiderseitigen Lustgewinn. Wahrscheinlich stimmt beides. Wahrscheinlich ist er einer, der sowas nicht aus Jux und Tollerei tun würde, nicht bloß aus Quatsch, nicht bloß zum allseitigen Vergnügen, wogegen kein freiheitsliebender Mensch etwas einwenden würde.
Ob der uns Gelegenheit geben wird, miteinander zu reden? Der ahnt wohl, wer ich bin. Er weiß allerdings nicht, wie viel ich über ihn weiß; und ich weiß nicht, ob sie ihm alles über mich erzählt hat.
Sie kommt auf mich zu. Ich bringe ein höfliches Lächeln zustande: „Wie geht es dir?“
„Sehr gut. Und dir?“
„Na ja. – Na ja.“
„Was macht die Arbeit?“
„Außer dem, was sowieso öffentlich gelesen werden kann: Von einigen Seiten wird mir das Leben schwer gemacht.“
Jetzt sagt sie: „Na ja.“
„Ich mußte viel gehen in letzter Zeit, an den langen hellen Sommerabenden durch die Straßen, und den Sternbuschweg entlang.“ Ich bin sicher, daß sie versteht.
Ob ich hier sagen kann, was ich ihr noch sagen will? Es ist nicht ruhig hier, und was ich sage, wird mitgehört von denen, die zufällig in der Nähe herumstehen. Eine Stelle zu suchen, wo wir von den Partygeräuschen angeschirmt sind, würde sie ablehnen.
„Weißt du, wir sind zwei sehr unterschiedliche Menschen“, sagt sie, um gleich mit dem Fazit zu beginnen. Die hat es aber eilig!
Ich sage jetzt das Unverschämteste, was mir gerade einfällt: „Du hast mir ja geschrieben von deinem mit Summakumm-Laute abgeschlossenen 1-A-Studium. An der FU! Gratuliere zur FU. Bei mir lief das immer anders. Ich habe mich immer nur durchgewurstelt. Wir sind also wirklich unterschiedlich.“ Und ich füge hinzu: „Wohin du jetzt unterwegs bist, wirst du jemandem wie mir nicht begegnen.“
Unser Gespräch hat also seine Farbe bekommen, und daran bin ich nicht unschuldig. Es würde aber auch nicht besser verlaufen, wenn ich meinen Zorn bezwingen würde. Ich liebe diese Frau. Und wer liebt, sollte sich nicht verstellen.
Sie nimmt es mir nicht übel: „Deine Empörung ist deutlich zu spüren. Ich glaube nicht, daß ich etwas sagen oder tun kann, um Dich zu versöhnen.“
„Doch. Kannst du. Ehrlichkeit hilft immer. Resignation ist immer falsch.“ Das kann sie als Angebot oder als Affront auffassen. Sie faßt es als Affront auf. Ich habe ihr Unehrlichkeit attestiert.
Aber sie beherrscht sich: „Ich möchte nicht Quelle von Zorn und Unglück sein, Helmut. Aber vielleicht brauchst Du diesen Zorn aus irgendeinem Grund. Nur denke ich, daß die ganze Geschichte sich verselbständigt hat und ich als Projektionsfläche fungiere, was mit mir real kaum noch etwas zu tun hat.“
„Fang doch nicht schon wieder damit an! Es ist wirklich keine Freude, wenn Du Deine Fähigkeit zur Verdrängung zu einer Unfähigkeit von mir verdrehst und deine Ruppigkeit im Umgang mit Menschen mit weisen Worten verkleidest.“
„Für mich ist die Vergangenheit nicht wiedererlebbar, selbst wenn ich mich intensiv darum bemühe. Die gute Seite an dieser Unfähigkeit ist, daß mich Vergangenes nicht immer wieder einholt und lähmt. Die schlechte Seite, natürlich, verhindert, daß ich das vergangene Schöne aufrufen und retrospektiv genießen kann. Wie dem auch sei, ich kann es nicht ändern, also akzeptiere ich diese meine Eigenschaft und lebe mit ihr.“
„Mußt du mir jetzt diese Theorie der reduzierten Persönlichkeit auftischen?“
Ich mache hier keine gute Figur. Das ist ja wirklich keine Glanzrolle: der beleidigte Liebhaber. Aber die hab ich mir ja nicht ausgesucht. Ich ärgere mich darüber, daß ich hier die Rolle spiele von einem, der unbedingt das letzte Wort haben muß. Hoffentlich erfährt nie jemand, was ich hier alles sage. Aber hier gibt es für mich sowieso nichts zu gewinnen, das ist mir jetzt klar. Manchmal bereut man, was man gesagt hat. Ich will nicht bereuen müssen, was ich nicht gesagt habe.
Jetzt hätte ich Lust, zu sagen: „Dein Leben ist eine einzige Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen.“ Aber ich beherrsche mich – obwohl sie mir in diesem Punkt nicht widersprechen würde. Stattdessen sage ich: „Wann hat bei dir der ganze Schlamassel angefangen? Als wir uns kennenlernten??“ Sie zuckt zusammen. Ich sage leise: „Ich war bestimmt nicht das Schlechteste, was dir im Leben passiert ist.“
„Jaja, du hast ja recht. Aber – – – “
„Du tust dir wirklich keinen Gefallen.“
Und dann sage ich, unpassend, aber das will ich loswerden: „Bei aller Traurigkeit gab es da eine Stelle, wo ich fast lachen mußte. Nicht aus Sarkasmus, nicht aus Häme, sondern weil es wirklich komisch war. Du hattest mir geschrieben, deine Lösung wäre, dich von Situationen und Menschen zu lösen, die dir nicht guttun. Ach, wenn du das doch könntest! Du irrst dich, wenn du sagst, du hättest mich mit deinem Unglück belästigt und wohl auch verletzt. Du hast mich damit allerdings belastet, sehr sogar, sicherlich mehr, als du vermutest. Ich fühlte mich bis an die Grenze der Belastbarkeit in Anspruch genommen, so daß mir manchmal die Hände zitterten. Aber ich sagte es dir schon: Es war mir eine Ehre! Ich habe gern für dich alles stehen und liegen lassen, und es gab in jenen Tagen, Wochen, Monaten nichts wichtigeres für mich zu tun als dir beizustehen. Daß du dann aber – ganz plötzlich – mein vor dir erbetenes Bemühen als ‚Einmischung‘ empfandest und alles umwertetest (rückwirkend!), das hat mich dann doch ein kleines bißchen verstört. Jeder hätte dir ‘n Vogel gezeigt. Ja, ich weiß, ich bin jetzt nicht nett zu dir.“
„Verstehe ich, Ich bin ja auch nicht nett zu dir.“
„Du mußt gar nicht nett zu mir sein. Sei doch endlich mal nett zu dir selbst. Daß du mich ruppig behandelst, schmerzt mich. Aber daß du dich selbst ruppig behandelst, schmerzt mich noch mehr. Ich ertrage es nicht, wenn Frauen schlecht behandelt werden. Aber ich ertrage es noch weniger, wenn Frauen sich schlecht behandeln lassen – und das dann auch noch verteidigen.“ (Sie weiß, wovon ich spreche).
Aber dazu sagt sie nichts. Muß sie auch nicht. Sie sagt: „Unsere Wut und Enttäuschung sind das Resultat der falschen Bilder, die wir uns voneinander gemacht hatten. Der reale Mensch verschwindet hinter einem solchen Bild, und wenn er dann auftaucht, sind wir bitter enttäuscht und zornig über das Mißverhältnis.“
„Mißverhältnis: Ich vermisse dich sehr. Du vermißt mich gar nicht. Trotzdem bin ich von uns der Glückliche. Weil ich gar nicht dazu in der Lage bin, ein halbes Leben auf den Sperrmüll zu stellen mit allen Erfahrungen und mit den Menschen, die man in Anspruch genommen hat. Das hast du gelernt. Ich hoffe, ich lerne das nie. Bin ich der einzige von uns beiden, der dem, was wir miteinander erlebt und getan haben, überhaupt noch etwas abgewinnen kann? Ich muß mich damit abfinden, daß ich immer damit gescheitert bin, vom Glück und Gelingen meines Lebens Dir etwas abzugeben, auch diesmal wieder.“
„Ich habe dich immer beneidet um Deine Erinnerungsfähigkeit.“
„Dann pflege doch deine eigene, Mensch! Und mach dir mal keine Gedanken, du würdest mir was antun. Mach dir kein schlechtes Gewissen. Das ‚schlechte Gewissen‘ ist oftmals auch nur ein Trick, um sich vor der Verantwortung für sich selbst zu drücken. Tu dir selber nichts an. Deine Amnesie pflegst du doch und glaubst, dich damit zu schützen. Wie soll das gutgehen?“
Sie antwortet nicht mehr. In ihrem Gesicht regt sich nichts. Sie sieht mich ausdruckslos an. Ihr dauert das alles zu lange. Alle Worte scheinen überflüssig zu sein. Trotzdem sage ich das noch:
„Seit dem Moment, als ich Dich zum ersten Mal sah, liebe ich Dich. Das kannst weder Du, noch kann ich es ändern. Diese Liebe hat sich gewandelt, aber niemals nachgelassen, und so wird es bleiben. Unter einer solchen Liebe muß man leiden. Aber man muß nicht daran verzweifeln. Aber stelle Dir selbst die Frage: Kann mein Geständnis Dich überhaupt noch berühren? Oder ist es nur eine Lästigkeit, die du in zwei oder drei Minuten von dir abgestreift haben wirst? Dann bist Du es, die zu bedauern ist.“
Ob ich sie noch einmal umarmen kann? Kein guter Platz für einen solchen Abschied, hier in aller Unruhe.
„Viele Worte! Verzeih mir bitte. Ich sollte dir danken, für jedes freundliche und liebe Wort, für jeden Moment des Glücks, auch wenn du all das für dich ausgelöscht hast.“
„Vielleicht habe ich deine Liebe gar nicht verdient“, sagt sie.
„Sag nicht sowas, denk es nicht einmal. Geh‘ nicht unter!“
„Verzeih mir alles, was mir nicht gelungen ist. Und was gut war, bewahre es. Bei dir ist es gut aufgehoben.“
Ja, sie umarmt mich. Dann geht sie, schnell. Diese Party will sie verlassen. In ein paar Minuten ist alles vergangen, vielleicht auch die Erinnerung an meinen Namen. Am Ausgang trifft sie ihren Lover, die Pappnase.
Kurze Zeit später. Da öffnet sich die Tür, und herein kommt ein verspäteter Partygast, den ich überhaupt nicht erwartet habe. Herein kommt der Schabronat.
„Mensch, Walter! Dich habe ich ja überhaupt nicht erwartet. Dich habe ich ja schon jahrelang nicht mehr gesehen, alter Kundschafter!“
„Ich muß ja auch nicht überall sein. Ich krieg auch so alles mit. Mit Frollein Anne läuft‘s nicht mehr, habe ich gehört?“
„Du erfährst wohl alles.“
Er grinst: „Ich weiß alles. Ich weiß auch einiges über den neuen Macker von deiner Ex. Da kann ich Sachen erzählen, da legst du die Ohren an.“
„Dat nützt mir jetz aunix mehr. Aber erzähl‘ ruhig.“