Jetzo: Fahrt zum Himmel (1-7)

Vorgestern: Hochfest, Schulfrei, Geschäfte zu. Als aufmerksamer Leser wissen Sie bescheid, was jetzt kommt.

Jetzo kommt die Zeit heran. Schritt aus der Haustür.

Blick zurück – nicht im Zorn, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Schöne Straße, auf der ich wohne.

Botanische Eskapaden auf dem Uni-Gelände.

Überragend!

Typisch Uni des 21. Jahrhunderts. Hier werdet Ihr „fit“ gemacht. („fit“ = geeignet, brauchbar, verwertbar). Doch wir sind Misfits.


Zugang zum Walde mittels Überbrückung von Eisenbahn und Autobahn mithilfe der Expo-Brücke.
Warum heißt die Expo-Brücke Expo-Brücke?
Die Expo-Brücke heißt Expo-Brücke, weil sie erst auf dem Gelände der Weltausstellung (Expo) 1958 in Brüssel stand. Als die Expo 1958 endete, wurde die Brücke dort nicht mehr gebraucht, darum zerlegt und in Duisburg wieder zusammengebaut. Sie diente jahrzehntelang als Zoo-Brücke, weil sie die beiden durch die Autobahn getrennten Teile des Zoogeländes miteinander verband. Dann wurde sie auch dort abgebaut und ein paar Kilometer südlich wieder zusammengebaut. Narrenhände beschmieren Tisch und Expo-Brücke.
Nebenbei: Der größte Pin der Welt!

…denn im Wald sind nicht die Säu-äufer!

Fortsetzung folgt.
Und jetzt und immer: Bilder anklicken zum Vergößern.

Gisela May

Gisela May (1924-2016) wußte, was sie tat und warum.

Ich hörte sie nicht nur auf Schallplatten, sondern auch live im Audimax der Duisburger Universität, das war eine Veranstaltung der Duisburger Akzente 1987 (Einblicke. Kultur und Kunst aus der Deutschen Demokratischen Republik. Erbe und Gegenwart). Da erzählte sie, wie Hanns Eisler 1957 der jungen Sängerin riet: „Das sollten Sie weiter machen.“ Sie folgte seinem Rat. Seit 1962 gehörte sie dem Berliner Ensemble an.

Gisela May bei der Probe zu Mutter Courage mit Regisseur Manfred Wekwerth Foto: Bundesarchiv

Gisela May bei der Probe zu Mutter Courage mit Regisseur Manfred Wekwerth
Foto: Bundesarchiv

1977 spielte sie in dem DEFA-Film „Die Verführbaren“ nach dem Roman „Ein ernstes Leben“ von Heinrich Mann. Den sah ich im Fernsehen. Ein Kriminalkommissar mußte einen Mordfall aufklären, und das gelang ihm auch und die Gerechtigkeit nahm einmal Überhand, und da sprach er den klassischen Satz eines zutiefst pessimistischen Menschen, wenn doch mal was Gutes passiert: „Manchmal packt das Schicksal in seiner Blindheit auch mal an die richtige Stelle.“ Der Satz ist schön, weil er klug ist, und trotzdem will ich ihn nicht glauben.

Racheschwur der Natur

Kaum ein Mensch hat in all den Jahren das Uni-Gelände so oft für Spaziergänge genutzt wie ich. Und dann sowas!
Unkraut-1Die Streifen zwischen dem Unigelände und der Bahntrasse und dann zwischen der Bahntrasse und der Autobahn waren reichlich bewaldet (von Bäumen bewachsen).
Doch dann kriegte die Stadtverwaltung Wind davon, und sie wurde mal wieder als Stadtentwaldung tätig.
Folge: Der Autobahnlärm, einst durch die Vegetation gedämpft, schallt nun bis in den letzten Winkel des letzten Seminarraums.
Unkraut-2Die Stapel mit zersägten Stämmen sind fast restlos weggeräumt. Unterdessen überwuchert die Vegetation wieder die Taten der Schandverwaltung.
Unkraut-3Wie trostreich überhaupt das Wachstum, das eigenen Plänen folgt! (Als „Unkraut“ diffamiert).
Unkraut-4Hinein in die Parkbucht! (Was für ein Wort: „Parkbucht“). Zwischen den Pflastersteinen wächst das Gras.
Unkraut-5Ein herrlicher Anblick!
Unkraut-6Das ist was für Naturgenießer!

Nicht jeder findet das gut: LSD ins Trinkwasser.

Einige Passagen meiner Lesung im Syntopia am 17. September 2015 wurden gefilmt. Heute zeige ich euch: LSD ins Trinkwasser.


Über den Besuch eines Beamten ist ebenfalls was zu erfahren.

Dies ist das Notat Nr. 888. Das kann doch kein Zufall sein.

Muß das wirklich sein, jeden Monat eine neue Mensa?

Gestern in der WAZ gelesen: Es gibt schon wieder eine neue Mensa. Zwar hat die Duisburger Universität schon drei Mensas (Mensen? Mensae?). – In der WAZ stand: zwei: Die „Mensa Bibliothek“ und die im Rundbau an der Lotharstraße. Die an der Bismarckstraße haben sie vergessen mitzuzählen.
Die „Mensa Bibliothek“ heißt „Mensa Bibliothek“, weil es von da aus nur noch ein paar hundert Meter bis zur Bibliothek ist. Die wurde 1968 gebaut. Na und? Das Haus, in dem ich wohne, ist aus dem 19. Jahrhundert.
Über die Rundbau- (vulgo: Keksdosen-) Mensa steht in der WAZ: „Der Plan, Ersatz zu schaffen […], ist bereits 15 Jahre alt.“ Was? Da war die neue Mensa doch gerade mal eröffnet! Und da hat man schon über Ersatz nachgedacht? Genauso wird es auch mit der nächsten Mensa gehen: noch bevor die überhaupt fertig ist, ist die schon in der Abwicklungsphase.
Ein Neubau ist darum unbedingt vonnöten, weil die Ansprüche sich ändern: Vegan, vegetarisch, Wok, Salat-Büffet etc. Ach! Zu meiner Zeit, als die Universität noch akademisch war, da gelang auch schon ein Extramanü für die Schweinefleisch-Nichtwoller. Das ging. Heutzutage muß um jede Suppe und um jedes Schnitzel ein neues Gebäude drumrumgebaut werden.

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Es ist ja nicht so, daß eine neue Mensa wirklich gebraucht wird. Der wahre Grund ist, daß die Planer keine leeren Flächen ertragen. Wenn die eine unbebaute Fläche sehen, dann kriegen die ihren Rappel. Und wenn dann doch mal eine Fläche von Gras bedeckt sein darf, dann muß es ein nach Plan angelegter Offizial-Rasen sein. Die freie Ausbreitung des wilden Grases und des Un-Krautes würde vielleicht auch den Menschen seiner Natur näher bringen, und das ist von Nachteil für die Beherrschung (jetzt sind wir schon bei Rousseau).

Der Wald, der gleich dahinter liegt, ist der Bebauungs-Wut entzogen. Aber da läßt man sich auch noch was einfallen.

Auch der Sören Link hat was gesagt: „Hervorragende Leistungen in Forschung, Lehre und Studium benötigen auch ein attraktives infrastrukturelles Umfeld“, sagte der Oberbürgermeister. Und: „Der Mensaneubau wird ebenso wie das neue Hörsaalzentrum die Attraktivität des Campus Duisburg weiter streigern.“
Das läßt Böses ahnen. Bei dem Hörsaalzentrum an der Lotharstraße hat man die Fenster vergessen.

Der Kessel des Monats beziehungsweise Anstoßes

Als ich nach Neudorf zog (vor 39 Jahren), war bei der Wahl der Adresse auch von Bedeutung der freie Platz gegenüber.

HFPFiStrAuf diesem Bild aus meinem Film „Nummer 4“ (Hut-Film 1978) ist der Ausblick aus dem Fenster meines Arbeitszimmers zu sehen. Nicht nur ein weiter Blick, sondern auch weniger Geräusch als etwa in einer „Straßenschlucht“. Rechts, nicht mehr im Bild zu sehen, standen Behelfsbaracken für den Lehrbetrieb der nahegelegenen Universität.
Später wurde dann gegenüber das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme hingebaut (und ein paar Jahre später bis zur Lotharstraße erweitert), und der Blick aus meinem Fenster sieht jetzt so aus:

FrauenInstitutDadurch hat sich an der „ruhigen Wohnlage“ nichts geändert. Anders als anderswo parken hier am Abend weniger Autos als tagsüber und am Wochenende weniger als werktags. Gerade am Wochenende (kein Uni-Betrieb) ist das hier eine der ruhigsten Gegenden mitten in der Stadt.

Belästigt wird man hier höchstens von solchen Leuten, die sich belästigt fühlen, wenn sie nicht belästigt werden. Die Stille und Ruhe, die das Fraunhofer Institut um sich verbreitet, ist einigen Gequältgeistern ein Dorn im Ohr.
Schon vor ein paar Jahren kriegte ich mit, daß ein paar Leute die Nachbarschaft alarmierten, weil sie glaubten, üble Gerüche wahrgenommen zu haben, die von dem wissenschaftlichen Institut ausgehen sollen. Auch die Augen würden davon brennen.
Ich habe niemals in der Nähe des Instituts irgendeinen signifikanten Geruch oder eine Augenreizung wahrgenommen. Stattdessen sind mir öfter Nachbarn über den Weg gelaufen, die mich ungläubig fragten: „Haben Sie in der Nähe des Instituts irgendeinen signifikanten Geruch oder eine Augenreizung wahrgenommen?“ – „Nein.“ – „Ich auch nicht.“

Jetzt haben 53 Unterzeichner eine „Bürgereingabe“ unterzeichnet, in der sie sich über Geruch, Geräusche und Licht beschweren. Und zwar, nachdem schon 2012 eine Klage vor dem Verwaltungsgericht und 2013 vor dem Oberverwaltungsgericht gescheitert war.
Auch das Umweltamt hat jetzt nochmal alles nachgemessen und festgestellt, daß kein Grenzwert von gar nichts niemals überschritten wurde, und daß dies auch dann nicht geschehen würde, wenn die Grenzwerte halbiert würden.
In dem Institut werden – als Abfallprodukt der Forschungsarbeit – Mikrochips hergestellt, die in der Autoindustrie Verwendung finden. Deren Herstellung geschieht anscheinend, ohne daß Geräusche durch die Mauern und Fenster nach außen dringen. Was das Umweltamt da gemessen hat, war wohl das Grundrauschen der Zivilisation.
Bei der Chip-Herstellung wird als Rohstoff Stickstoff verwendet. Aha. Das ist in den beiden Kesseln, die hinter dem Institut stehen.
Stickstoff – das ist doch das farblose und geruchlose Gas, aus dem zu knapp 80 Prozent die Luft besteht.

Die braucht man doch nicht hinter dem Institut zu verstecken

Die braucht man doch nicht hinter dem Institut zu verstecken

Besonders komisch finde ich, daß sich die 53 Bürger über das Licht aus dem Institut beschweren. Ja, auch nachts brennt hinter ein paar Fenstern des Instituts noch Licht.
Als Mensch des 21. Jahrhunderts bestreite ich gar nicht grundsätzlich, daß dieses wissenschaftliche Institut – wie alles Gebilde von Menschenhand – „die Umwelt belastet“: Aber nicht mehr, als es durch jede andere Nutzung des Grundstücks – zum Beispiel „Wohnbebauung“ auch der Fall wäre. Die 53 Bürgereingabeneingeber kommen mir vor wie Leute, die verlangen, die Fahrräder durch Motorräder zu ersetzen, weil die Fahrräder eine viel zu laute Fahrradklingel haben.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh‘ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.

Sosoo! Jajaa! 37 Jahre Esoterik für die Allerdööfsten

Ein Buchverlag (spezialisiert auf Pop-Musik-Themen) hat mir eine dieser E-mails geschickt. Mir wird mitgeteilt, daß Nina Hagen 60 Jahre alt geworden ist.
Aha.
Und?
Ja, in dem Verlag ist ein Buch erschienen, von oder über Udo Lindenberg. Irgenzone Sammlung von Udo-Lindenberg-Aussprüchen oder sowas. Und Nina Hagen hat dazu ein Vorwort geschrieben.
Soso.
Ich schau im VLB nach. Das Buch ist 1998 erschienen. Der 60. Geburtstag von Nina Hagen ist also der herausragende Anlaß, an den 17. Jahrestag des Erscheinens eines Buches zu erinnern, zu dem Nina Hagen so eine Art Vorwort geschrieben haben soll. (Das erinnert mich an Nordkorea. Dort gibt es einen Staatsakt anläßlich des 23. Jahrestages einer Rede von Kim Il Sung bei einem Bankett in der Rumänischen Botschaft).
Und was hat sie geschrieben? Einen zusammenhängenden Text? Das nun gerade nicht, sondern allerhand über „göttliche Abstammung – Hohepriester – prophetische Antennen“, das übliche Gequassel.

Irgendwann, von einem Tag auf den anderen, wurde im Eschhaus fast nur noch Nina Hagen gespielt. Man konnte an einem beliebigen Tag sich eine halbe Stunde lang im Eschhaus aufhalten und hatte mindestens drei mal „Unbeschreiplisch!! Weiplisch!!“ gehört bzw. „Ich glotz TV“.
Soll ich Ihnen mal was sagen? Ich habe kein Wort davon geglaubt. Das war doch nicht echt! Das war doch vor dem Spiegel eingeübte Pose. Das war doch was für Doowe. Das war doch was für Leute, denen man alles andrehen kann. Das war: Schlagerindustrie entdeckt Punk. Als (einer der) Erschaffer des Eschhauses schämte ich mich wegen der Anspruchslosigkeit, die hier manifest wurde. Das war Punk für Spießer (damit die Spießer, wenn man „Punk“ sagte, „aha!“ sagen konnten). Merkt denn keiner, daß das Tinnef ist?
Da stimmte doch gar nichts. Oder doch?
Was Kleinfritzchen sich unter „Punk“ vorstellt: Genau das ist es auch.

Irgendwann, an einem Samstag Nachmittag, erreichte mich ein Anruf von Ernst Meibeck. Ernst Meibeck war der langjährige Geschäftsführer des Eschhauses. Der hat, aus Gründen, die ich nie erfahren werde, mir dauernd Schwierigkeiten gemacht. Und nun war er auch wieder im Begriff, mir Ärger zu bereiten.
Er wußte leider, daß ich ca. 50 Meter entfernt vom Universitätsgelände wohne. Und an diesem Samstag sollte im Audimax Nina Hagen auftreten. Er bat mich, ich solle doch mal rübergehen und der Nina Hagen ausrichten, daß sie den Meibeck im Eschhaus anrufen soll.
Und was tat ich? Ich ging tatsächlich rüber, sah vor dem Gebäude LA einen Möbelwagen rumstehen, und sonst rührte sich nichts.
Ich ging wieder nach Hause, rief den Meibeck an und sagte, die Türen zum Gebäude LA wären geschlossen gewesen, kein Reinkommen, nichts. Den Möbelwagen verschwieg ich. Ich hatte nicht ausprobiert, ob die Eingänge offen oder abgeschlossen waren. Ich bin nur hin und zurück gegangen, um im richtigen Zeitabstand den Meibeck anzurufen. Ich wäre doch nie da reingegangen, um irgendeinen Rodi auch mal Chef sein zu lassen!
Warum ist der Meibeck da nicht selbst hingegangen? Der hätte es fertig gebracht, bis in Nina Hagens Künstlergarderobe vorzudringen. Der wäre auch bis zu Mick Jagger vorgedrungen.

„Allein! Die Welt hat mich vergessen!“ Leider nicht!
Nina Hagen hat in der Skala der hoffnungslos überschätzten Personen (Henryk M. Broder, Alice Schwarzer, Wolf Biermann, Barbara Schöneberger) den Spitzenplatz inne. Sie ist das seltene Beispiel eines Stars, der noch bekloppter ist als seine Fans. Den zur Schau gestellten Seelenzustand als „regressiv“ zu bezeichnen ist schon ebenso untertrieben wie ihr Auftreten als „overstyled“ zu bezeichnen. Noch’n Vogelkäfig als Ohrring, und kein Blick in die viel zu oft eingeschaltete Kamera ohne dieses Fratzenschneiden. Kindsköpfe, denen es peinlich ist, einfach so zu sein wie sie sind, erkennt man an der Grimasse und an ihrem aufdringlichen Herumgehampel. Und ein Gerede, das allen, denen sie ihre Fürsprache spendiert, peinlich sein müßte! Esoterik für Doowe. Aliens für Saudoowe. Dieser ganze Humbug! Jahrzehntelang nur Scheiße reden: Das ist keine Leistung, die Anerkennung verdient.
Bei irgendeiner Kundgebung der Friedensbewegung (wo war’s? In Büchel glaub ich) durfte auch Nina Hagen auftreten. Ich dachte: Ist es schon so weit? Und ich dachte: Jetzt kann es eigentlich nur noch schlimmer kommen.
Und das ist es ja auch.