Karfreitag eins bis sechs

Am 19. April war’s (Karfreitag), da erzählte ich hier, daß der STILLE FEIERTAG auf ganz unterschiedliche Weise (früher; heute) Zeit & Raum ist (sein kann) für freudvolle Lebensentfaltung, und ich versprach Ihnen:
„… einen stillen Karfreitags-Spaziergang und werde einige stille Stunden des Tages mit der Vorbereitung der nächsten METZGER-Ausgabe verbringen …“
Das zweite dieser beiden Versprechen habe ich gehalten. Auch das erste?
Bitte: hier der Beweis.

Sonnenbestrahlte Weltkriegs-Erinnerung. Bunker für den Schutz vor „Luftangriffen“ (nur für Arier). Beton, recht massiv, hält nicht nur Fliegerbomben, sondern auch Abrißbirnen stand.
Solchen Zeitgenossen, die daran Betrachtungen knüpfen, daß eben nur der (Welt-)Krieg Standhaftes schafft, muß man bekanntgeben, daß sie nicht alle auf der Latte haben.
Wußten Sie, daß ein Teil dieses Bunkers, das ganze obere Stockwerk nämlich, 1973 in der Auswahl war für einen Standort des geplanten soziokulturellen Zentrums? (Ich erwähnte das). Man entschied sich dann aber für die leerstehende Textilfabrik Esch auf der Niederstraße.

Dort droben auf dem Studentenwohnheim: als Antenne getarntes Raumschiff (kurz vor dem Start).
Die Bäume schlagen aus (sagte man früher). Heute ist man schlauer und sagt: Das Grün bricht as den Zweigen.

Wildstraße: Hier kann easy gecuttet werden. Und weit und breit kein Mensch.

Seit über 40 Jahren wohne ich in Neudorf, und schon oft wollte ich mal diese Ecke fotografieren. Und jetzt hebe ich es getan. Und weit und breit kein Mensch.

Dieses weiße Haus hatte früher einen Vorbau und beherbergte das nette hübsche Vereinslokal von DTV Kaiserberg 47 (Tischtennis, Eishockey). Das ist nicht mehr.
Dafür wird man durch das Abblättern des Putzes vom Haus links im Bild entschädigt. Und weit und breit kein Mensch.

Das könnte der Beginn einer Serie sein: Neudorfs schönste Haustüren.

Fairsatzung fülgt.

Karfreitag

Heute ist Karfreitag, ein „stiller Feiertag“, der mit gewissen Einschränkungen für das alltägliche Spektakel verbunden ist. Dagegen wird sich gewehrt bei Behörden und Gerichten von Leuten, die den rechten Glauben durch den rechten Unglauben ersetzen wollen. Was sonst dahintersteckt – argwöhne ich – ist der Horror vor der Stille.
Ich freue mich an diesem Vormittag auf einen stillen Karfreitags-Spaziergang (ich weiß noch nicht auf welchem Weg) und werde einige stille Stunden des Tages mit der Vorbereitung der nächsten METZGER-Ausgabe verbringen.
Früher, viele Jahre lang, waren wir den ganzen Karfreitag, bis in die späten Abendstunden mit den Vorbereitungen unserer Ostermarsch-Aktion beschäftigt, den Antimilitaristischen Buchbasar der DFG-VK. Auch darüber freute ich mich. Ich bin immer mit Freude bei der Arbeit. Mittlerweile bin ich ein Ostermarschierer ohne Büchertisch, mit weniger Arbeit also, aber nicht mit weniger Freude.

In den ersten Tagen des Eschhauses setzten wir uns mit der Problematik der „stillen Feiertage“ auseinander. Wir entschlossen uns, an dem Feiertag im Café Platten mit klassischer Musik zu spielen, wodurch erfahrbar wurde, daß nicht jeder Tag wie jeder andere ist.
Die beiden Männer der Thekenbesetzung, Hansjürgen Bott und ein anderer, trugen dunkle Anzüge, Krawatte und einen Hut auf dem Kopp.

Ich finde diese Methode subversiven Humors angenehmer als die bierernste Prinzipienhuberei.

Akzente: Talkshow

Auf dem Akzente-Programm steht auch so eine Art Talkshow (jedenfalls verstehe ich das so). Worum geht es? Um das Eschhaus.
Zu Beispiel wird gefragt:
„Das Eschhaus ist ein wichtiger historischer Bezugspunkt für Idee und Praxis der Soziokultur in Duisburg. Die Arbeit der aktuellen Initative wird immer wieder in Beziehung gesetzt zur Zeit vor den 80er Jahren. Es schwingen dabei sowohl Stimmung von Aufbruch und Revolution mit, aber auch ein seltsames Trauma. Diesem vermeintlichen Widerspruch würden wir gern gemeinsam auf die Spur kommen. Worauf beziehen wir uns eigentlich? Welche der Impulse und Konzepte lassen sich in die Jetztzeit übertragen – und wozu müssen wir uns erneut positionieren?“
Na gut, reden wir drüber.
Mit: Wolfgang Esch, Elke Fritzen – und mit mir.
Wann wo?
Dienstag, 2.4. um 20.30h im Interkulturellen Projektraum 47 in der Münzstr. 47.

Dauernd soll ich was übers Eschhaus erzählen

..

Sowieso? Sowieso? Und das alles? Und überhaupt?

Ich war auf einer Party. Neben mir: Zwei unterhielten sich. Sie war eine, die ich kannte, Inge hieß sie, noch sehr jung, Eschhaus-Girl, nicht studentinnenhaft, keine Intellektuelle vom Typ her, sondern eher freakig, flippig, „spontan“. Ihn kannte ich nicht, junger Typ, runtergekommener Freak, nicht viel jünger als sie, vielleicht 18 Jahre alt. Er kannte sie wohl auch nur flüchtig.
Eigentlich redete nur er die ganze Zeit; Sie hörte geduldig zu.
Und er redete, daß alles keinen Zweck hätte, daß für ihn immer alles schief gegangen sei und sowieso immer schief gehen würde, und daß man sich gar keine Mühe zu geben braucht, weil ja sowieso alles keinen Zweck hat und sowieso wieder schief geht. Und wozu soll man was lernen, das bringt sowieso nix, und sowieso sind immer alle gegen einen. Und wenn man was braucht, dann haben die anderen das schon, und am Ende wird man sowieso reingelegt.
Als er seine Rede endlich beendet hatte, antwortete sie mit einem einzigen Satz:
„Lies mal ein gutes Buch.“

Helmut Loeven: Lies mal ein gutes Buch. Tagebuchnotizen im Dienste der Bedeutung
Trikont Verlag 2018
172 S. Paperback
14 €
Überall im Buchhandel erhältlich,
Am besten aber direkt bei:
Buchhandlung Weltbühne Gneisenaustraße 226 47057 Duisburg
Tel. 0203-375121
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
ISBN 978-3-945634-38-7

Der WDR suchte das Eschhaus und hat auch was gefunden

Gestern Fernsehen gesehen? WDR Lokalzeit Duisburg? Dann war ich das, den Sie gesehen haben.

Das war ein kurzer Bericht über das Eschhaus (geschlossen 1987), der zwangsläufig vieles Erwähnenswerte nicht enthalten konnte.
Kann man in der Mediathek sich noch ein paar Tage anschauen:
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-duisburg/video-lokalzeit-aus-duisburg-1892.html

Und so steigt das Interesse: In den ersten 5 Minuten nach der Sendung wurde mein Blog 50 mal aufgerufen.

Weitere Rückblicke:
Artikel in DER METZGER 76 (2006)
und mein Beitrag im Duisburg-Jahrbuch 1987 (Mercator-Verlag).

Willi Kissmer

Willi Kissmer kannte ich seit 1969, d.h. da sind wir uns erstmals begegnet. In der kleinen, überschaubaren Szene progressiver Poeten, Künstler und Musiker des „Underground“ in unserer Stadt kannte man wohl schon die Namen. Er spielte eine Zeitlang mit der 16jährigen Sängerin Jenny in einem Duo, das sich mit der Folk-Band „Les Autres“ (gegründet 1966) vereinigte, woraus die Folkrock-Band „Bröselmaschine“ hervorging (umbenannt 1969). Als die Band sich 1972 auflöste, hatte Willi sie aber schon verlassen (in der Band wurde er ersetzt durch Michael Schmidt, auch einer von denen, deren Namen nicht mehr genannt werden). Willi meinte, sich entscheiden zu müssen zwischen Musik und Malerei, beides zusammen meinte er nicht zu verkraften. Daß er sich für die Bildende Kunst und ein Studium an der Folkwang-Hochschule entschied, war zunächst verwunderlich. Als Gitarrenspieler gehörte er zu den Besten, und er war mit der Band auf gutem Wege, auch zu den erfolgreichsten Gitarrenspielern zu gehören. Die ausschließliche Hinwendung zur Bildenden Kunst barg ein größeres Risiko. – Er wurde ein sehr erfolgreicher und geachteter Maler.

Titelseite von DER METZGER 14, Mai 1971, entworfen von Willi Kissmer

Von 1969 bis heute, in dieser langen Zeit gab es Perioden, in denen wir uns fast täglich über den Weg liefen. Und dann sahen wir uns manchmal erst nach ein paar Jahren wieder. Der Kommunikation tat das keinen Schaden. Es war immer so, als hätten wir uns gerade ein paar Tage nicht gesehen. Fremdheit stellte sich nicht ein; die Gespräche dauerten immer recht lange und waren so amüsant wie die Themen.
Es war im Eschhaus, da berichtete er mir von dem Künstleraustausch zwischen Duisburg und Moskau. „Wir Duisburger Künstler waren in Moskau im Gästehaus der Regierung untergebracht. Die Moskauer Künstler hätte man am liebsten in Duisburg auf Luftmatratzen übernachten lassen.“ Er war in seinem Bericht auch den Ursachen des Scheiterns des realen Sozialismus auf der Spur: „In Moskau ist jedes zweite Auto ein Taxi. Aber versuch mal eins zu kriegen!“
Eine Zeitlang hat Willi an der Uni graphische Techniken unterrichtet, einmal in der Woche. Dann war er immer Gast an unserem Büchertisch, der jahrzehntelang Treffpunkt der progressiven Uni-Szene war. Ich bin immer froh, wenn man sich nicht lange aus den Augen verliert.

Jetzt rechne ich nach und stelle fest: Unsere letzte Begegnung (siehe Foto, Willi links in Bild) ist zwölf Jahre her!
Irgendjemand hat mal gesagt: „Der Willi kann an einem Tag die tollste Ansicht vertreten und am nächsten Tag das Gegenteil davon.“
Na ja! Er war eben ein Fabulierer. Gerechter wäre es, neben seinen unbezweifelbaren Qualitäten als Musiker und Maler auch die so gern unterschätzten Talente in der Lebenskunst zu würdigen: Gespräche ohne Leerlauf, Freundlichkeit, Vorbehaltlosigkeit.
Ich erinnere mich immer an ein Detail. Wir saßen im Tournee-Bus und brausten über die Autobahn, es ging nach Hause. Er saß vorn auf dem Beifahrersitz, ich hinten, und er versicherte mir: „Eines Tages werden sowieso die Insekten die Welt beherrschen.“
Das fand ich geradezu beruhigend.

Willi Kissmer ist am 27. Juli 2018 nach schwerer Krankheit 66jährig in Duisburg gestorben.

Das Wirtshaus in Dingens

Weniger in ein Büro, eher in ein mit viel Kunstlicht beleuchtetes Wirtshaus in Hochfeld fühlte man sich versetzt, wenn man sich auf die von Günter Ackermann gestaltete Internetseite „kommunisten-online“ einließ. Manche Leute meinten, „kommunisten-am-rande-des-nervenzusammenbruchs“ hätte besser gepaßt.
Ich hatte das Vergnügen, Günter Ackermann persönlich zu kennen, seit 1970. Er war damals in der KPD/ML das enfant terrible, unbeherrscht, streitsüchtig.
1940 in Erfurt geboren, in der DDR Angehöriger der Volkspolizei, wechselte er unter Mitnahme seines thüringischen Akzents in die BRD. Seit Mitte der 60er Jahre wirkte er im maoistischen Zirkelwesen am Rande der kommunistischen Bewegung. In der Dauer-Farce des Sektierertums war er eine feste Größe. Bei der Gründung der KPD/ML 1968 war er dabei und gehörte dem Zentralkomitee an (sagt man). Bei den diversen Spaltungen wechselte er gelegentlich die Seiten. Dann ließ er sich in Duisburg nieder.

Im Rotbuch-Verlag erschien ein Buch über den Mannesmann-Streik von 1973. Autor: Gerd Höhne. Das war, wie ich später erfuhr, Ackermanns Pseudonym. In dem Spielfilm „Huckinger März“ (über nämlichen Streik) spielte er eine Nebenrolle. Er tauchte dann auch gelegentlich im Eschhaus auf. Auf der Wanheimer Straße hatte er ein Schreib-Büro, wo Studenten ihre Diplomarbeiten ins Reine tippen lassen konnten.
Als die PDS in Duisburg ihren Kreisverband gründete, war er dessen Geschäftsführer (nicht, wie die Rote Fahne behauptet, Vorsitzender). Die üblichen, unvermeidlichen Streitereien führten zu seinem Rücktritt. Er zog sich auf sein Refugium „kommunisten-online“ zurück.
Ich habe Ackermann als einen durchaus freundlichen, umgänglichen Menschen in Erinnerung, erlebte ihn bei zahlreichen Veranstaltungen. Er konnte zuhören, argumentierte vernünftig und kenntnisreich. Aber wehe, wenn er in die Tasten griff! Dann wurde er mitunter vulgär bis zur Unflätigkeit.
Beim Ostermarsch sprach er mich mal an: „Du sympathisierst ja mit den Antideutschen.“ Das mußte und konnte ich richtigstellen. Seine Antwort überraschte mich: „Dann bin ich ja falsch informiert. Dann muß ich ja meine Meinung ändern.“
Ich habe daraufhin nicht mehr gegen ihn polemisiert, stattdessen es aber dem Kollegen Jakop Heinn überlassen, die Ackermann-Schoten zu protokollieren. Denn nicht allen gegenüber hat Ackermann sich so ehrenmännisch verhalten. Seine Lieblingsfeinde waren Siegfried Jäger (DISS, siehe DER METZGER 81) und Ulrich Sander (VVN, siehe DER METZGER 83 und 114). Dem, was dort darüber zu lesen war, ist nichts hinzuzufügen, und es ist nichts zurückzunehmen.

Am 26. April 2017 ist Günter Ackermann 76jähig in Mülheim gestorben.
Der Mann war unmöglich, aber auch irgendwie originell. Als Werber für die kommunistische Bewegung war er wenig von Nutzen. Aber ihre unfreiwillige Parodie ist ihm gelungen.

Wissen Sie, was morgen für ein Tag ist?

Morgen ist der 15. Juni 2017.
Am 15. Juni 1987, also 30 Jahre vorher, wurde die Buchhandlung Weltbühne eröffnet.
Vor fünf Jahren, zum 25jährigen Jubiläum, wurde noch ’ne kleine Party gefeiert mit Kaffee und Käsesahnetorte. Das Schild liegt noch da. Denn Schilder soll man achten.

Die Feierlaune vor fünf Jahren war allerdings getrübt durch bedenkliche Entwicklungen in der Branche, namentlich im Zwischenbuchhandel, denen man sich nicht so ohne weiteres entziehen kann. Was nützt aller Fleiß, alle Sparsamkeit, alle Erfahrung, wenn die Warenverkehrswege blockiert sind?
Daß die Buchhandlung diese Krisensituation überstehen konnte, war gar nicht sicher, gelang gewiß mithilfe einiger treuer Freundinnen und Freunde und trotz der Ignoranz nicht weniger Leerlauf-Linker, die sich mit einem politischen Anspruch schmücken, den sie nicht erfüllen. Es wurde sogar eigens eine Partei gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die einzige linke und antifaschistische Buchhandlung weit & breit nicht nur aus dem eigenen, sondern möglichst aus dem gesamtgesellschaftliche Bewußtsein zu verdrängen.

Der 30. Geburtstag geht ohne Aplomb vorbei, denn eigentlich ist es ja nur der Jahrestag eines Standortwechsels. Voran gingen 13 Jahre Buchladen im Eschhaus, und die Gründung als Verlag war 1968.
Hier gilt weiterhin die Methode: Es wird nichts remittiert und nichts verramscht. Was nicht verkauft wird, bleibt eben weiterhin im Angebot. Es gibt hier Bücher, die standen schon jahrelang im Eschhaus, um seither die Zeit auf der Gneisenaustraße zu verbringen.

Glückweünsche werden gern entgegengenommen, am liebsten verbunden mit einer Bestellung (es müssen ja nicht gleich 30 Bücher sein).
Lassen Sie doch einfach mal ein paar der regelmäßigen Empfehlungen Revue passieren.

Zum Beispiel dieses
oder jenes
oder dieses
oder jenes
und warum nicht dieses
und natürlich das hier!


..

Itzo: Gänge unter dem Himmel (8-14)

Das habe ich Ihnen doch schon mal gezeigt.

Wer behauptet eigentlich ständig, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen?

Brennesseln und Brombeeren. Die können uns Freude bringen.
Brombeeren? Klar. Gelee und so. Aber Brenn(n)esseln auch?
Dann lesen Sie doch mal: Maud Sacquard de Belleroche: Geständnisse, Memoiren einer Frau von vierzig Jahren (1968), das Kapitel über die Französischlehrerin, ziemlich am Anfang.

Hier, mitten im Walde, hat irgendson Klöckner oder Thyssen oder Stinnes oder Thynnes ein Waldschloß errichten lassen.

Man muß schon eine Lücke finden, um eine Vorstellung von der Dimension des Repräsentations-Wochenendhauses zu bekommen. Vorn im Bild ist ja wohl das „Gesindehaus“.
Es wird ringend mit Händen nach neuen Benutzern der Immobilie gesucht. Die Thynnesse wohnen heute nicht mehr so klassizistisch.

Das ist nicht etwa, wie Sie glauben, das Eschhaus, sondern die Akademie Wolfsburg. Nicht Anarchie, sondern Katholie.

Dahinter, auf Mülheimer Gebiet schon, haben die Wichtigleute von heute sowas für sich hinplanen lassen.
Das Haus vorn: Nach einem Besuch kann die Gattin sagen: „Hast du gesehen? DIE haben eine runde Wand. Und was haben wir?“
Das Haus dahinter: DIE haben immerhin ein Dach (fast) bis auf die Erd‘.
Hoffentlich gibt es da auch mal leckeren Nudelsalat.

Fürtsetzöng fülgt.

Duisburger Jahrbuch 2017

Gestern habe ich zum ersten Mal seit 40 Jahren eine Buchhandlung betreten (— die mir nicht gehört). (Ich trank auch ein Glas Sekt).
Warum, steht hier:

waz20161125-jahrbuch
Wer eine Heimat-Festschrift argwöhnt, wie sie von der IHK oder von der Fremdenverkehrswerbung stammen könnte, kann also erleichtert sein. In dem solide erarbeiteten Jahrbuch kann man z.B. auch lesen: „Duispunkt punktet gegen Pegida„.
Auch das ist drin:

jahrbucheschhaus
Wer das Duisburger Jahrbuch 2017 haben will, kann zu dem Behufe eine Buchhandlung betreten, die mir gehört (oder es sich auch schicken lassen. Geht auch).

Bilder anklicken zum Vergrößern.

Nachtrag, wie versprochen. Auflösung, wie erhofft.

Schon am Ersten dieses Monats hätte ich Anlaß gehabt, an eines meiner 1.-Juni-Jubiläen zu erinnern: Vor 40 Jahren (1. Juni 1976) nach Neudorf gezogen (da wollte ich immer hin).
Noch ein 2016-Jahrestag: Seit 30 Jahren Mitglied der DKP (denn Deutschland hat Strafe verdient).
Übernächstes Jahr (2018) ist dann 50 Jahre DER METZGER. Und somit auch: 50 Jahre Situationspresse mit allen Verzweigungen.
Dazwischen, 2017, ist „30 Jahre Eschhaus zu“. Darauf werde ich auch nochmal zurückkommen. Und somit auch: 30 Jahre unter dem Namen „Weltbühne“ auf der Gneisenaustraße.
Erinnern Sie sich an das Jubiläums-Notat vom 1. Mai 2014: 50 Jahre Kunst und Politik. Meine künstlerische Tätigkeit begann am 1. Mai 1964 mit Musik. Dann, knapp zehn Jahre später, ereignete sich wieder eine aktive Musik-Periode.
Ich schrieb: „Darum wollte ich eigentlich an dieser Stelle das einzige vollständige Gruppenfoto der Bröselmaschine hier hineinstellen. Aber zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß ich das Foto verkramt habe.“ Ich versprach: „Wenn ich es wiederfinde, zeige ich es.“ Ersatzweise durften Sie schwarz sehen:

Schwarz
Jetzt habe ich das Foto wiedergefunden (und zwar genau da, wo es hingehört und wo ich doch gleich hätte nachsehen können), womit sich auch das Bilder-Rätsel von gestern auflöst:

BroeselmaschineGraefen
Die Original-Besetzung kurz vor der Auflösung, Herbst 1972.
Obere Reihe v.l.n.r: Lutz Ringer, dito, Michael (damals: Mike) Hellbach, dito, Michael Schmidt, dito, Peter Bursch, dito. Untere Reihe: Jenny Schücker, dito, und Helmut Loeven, also ich, dito.
Eine Doppelbelichtung von Eckhard Graefen, Knubbel Afa.

Vergesst mir den Disco-Meier nicht!

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Es gibt unter den Kulturschaffenden einige, die davon existieren, daß sie maßlos überschätzt werden (Wolf Biermann, Nina Hagen, Alice Schwanzer, Henryk M. Broder, Wolfgang Pohrt, Barbara Schöneberger – vor allem die!).
Zu den maßlos Unterschätzten unter den Kulturschaffenden gehört Disco-Meier (eigentlich: Maier). Da er im Eschhaus besonders den Jüngsten im Publikum was bieten wollte, wurde er von den Managern nicht für ganz voll genommen. Dabei hatte er wirklich gute Ideen. Ein denkender DJ! Er mußte um jedes bißchen Zugeständnis kämpfen. Der hatte es wirklich nicht leicht. Dauernd erzählte er von Ärger mit Vermietern, Ämtern etc.
Foto aus der Ausgabe März 1979 des Eschhaus-Heftes.
Was ist aus Disco-Meier geworden? Mögen sich wenigstens ein paar daran erinnern, daß der wirklich was drauf hatte. Und möge die Sonne auf seine Wege scheinen (und zwar dann, wenn er auf ihnen unterwegs ist).

Alles war, nix is mehr (9)

nixis52Ein Stück die Straße runter: Einen (H)Ort besonders fröhlicher Wissenschaft hätte man vorgefunden, wenn man beizeiten durch diese Einfahrt gegangen wäre. Dort war ein umgefallenes Haus. Ein heftiger Windstoß hatte das Haus umgeweht, so daß Seitenwände zu Decke und Fußboden wurden. Von dort sah man, daß eine Frau mittleren Alters im Parterre unentwegt Fenster putzte. Von morgens bis abends. Jeden Tag. Sie unterbrach diese Tätigkeit nur, wenn sie die Fenster zur Straße hin putzte. Ich konnte es mir nicht verkneifen, einmal laut auszurufen: „Hier müßte mal Fenster geputzt werden!“
Das Forschungsinstitut (Sprache, Soziales) betreibt die Wissenschaft inzwischen in einem festen Gebäude, und in dem mittleren Fernster wird jetzt durch Aushang mitgeteilt, daß die Wohnung zu vermieten ist und daß der Mieter zur unaufhörlichen Fensterreinigung sich verpflichten muß.

nixis53Gegenüber: Hinter den großen Fenstern befindet sich (oder befand sich zumindest Ende der 60er Jahre) eine dieser evangelischen Einrichtungen, in denen die KDV-Beratung stattfand. Wie evangelisch es in den Etagen da drüber zugeht, weiß ich nicht.

nixis54Ach! Das gute alte Pampus gibt es noch! „Essen, trinken, Kunst genießen“. Dem Aushang entnahm ich, daß Mary Heckmann (die Mary) immer noch die Wirtin ist. Zum letzten Mal war ich da drin, da gab es das Eschhaus noch nicht. Zum vorletztem Mal war ich da drin, da gab es die Bröselmaschine noch.
Daneben gibt es nicht mehr das Hotel Garni – ein Stundenhotel, aber auch mal Schimanski-Location.

nixis55Und gegenüber, wo sich jetzt ein Laden für aufeinandergestapelte Kartons befindet, befand sich „Luigis Icecream Corner“. Das war ein beliebter Ort für Verabredungen an Nachmittagen.
Einer sagte mir: „Da kann man sich erfreuen am Anblick der Teenies mit ihren niedlichen Popos.“ Und ich dachte: Ach, andere tun das auch?

nixis56Früher sagte man: „Vom anderen Ufer“. Dabei ist es doch nur die andere Straßenseite.

nixis57Und inmitten all dieser Schwulenkneipen, Altfreak-Kneipe, Stundenhotel, SM-Club und SM-Shop: Das Bischöfliche Sankt-Hildegardis-Mädchens-Gymnasium. (Barbara was here).

nixis58Also, nach einem Bischöflichen Gymnasium sieht das nicht gerade aus. An allem nagt die Zeit. Auf das Mädchens-Gymnasium dürfen neuerdings auch Jungens, und damit ist es auch nur noch die Hälfte wert.

nixis59Dort in dem gelben Haus, hinter dem Fenster rechts von der Haustür, war eine winzige Firma. Dort machte Jenny ihre Lehre als Glasmalerin, bevor sie sich ganz der Musik widmete. Bei uns in der Wohnung lagen viele ihrer wirklich gekonnten Glasmalereien herum.
Jenny, oh, Jenny!

nixis60Da, bei Eller-Montan, arbeitete Barbara. Nachmittags, wenn sie Feierabend hatte, stand ich da, wo das Schild ist, und wartete auf sie, und dann war es ein richtig schöner Tag. Bei Eller-Montan arbeitete sie nur in den Semesterferien. Sonst studierte sie Jura in Bonn, und ich wohnte bei ihr auf der Kaiserstraße. Warum hat sie mich verlassen?
Ich will sie alle wiederhaben, auch die Anne, auch die Stefanie, und auch die Christina, und von den jetzt nicht namentlich Genannten auch ein paar – natürlich alle so jung und schön, wie sie waren, als sie mich verließen.
Und dann heirate ich sie alle. Geht das?
Geht nicht?
Bei der Erschaffung der Welt muß irgendwas schief gelaufen sein.

Geheimproklamation?

ehh030-79-12
Hier noch ein Dokument, das ich bei der Durchsicht des Eschhaushefte (wieder-)entdeckte: Ein Inserat für den Eschhaus-Buchladen, das ohne mein Wissen und ohne mein zutun im Eschhausheft (Dezember 1979) veröffentlicht wurde.
Der Stil von Magda Gorny ist unverkennbar.
Der Slogan „literatur plakate wissenschaft“ ist genial.
Einen GEHEIMEN Piratensender mit einem Schild zu versehen – auf die Idee muß man erstmal kommen.

Eschhaus muß bleiben

Jetzt schaut euch mal diese Reklame an:

ehh006-78-07Nanu, nanu! Vierstellige Postleitzahl.
Dieses Inserat erschien im Juli 1978 im Eschhausheft Das ist jetzt schon fast 40 Jahre her. Aber jetzt kommt der Witz: Die in diesem Inserat angebotenen Bücher sind alle noch erhältlich. Denn, wie Sie wissen, gibt es das Eschhaus zwar nicht mehr, der Buchladen im Eschhaus aber ist damals umgezogen zur Gneisenaustraße in Neudorf, und der heißt jetzt Buchhandlung Weltbühne. Und da stehen diese Bücher immer noch im Sortiment – wenn auch nicht in jedem Fall dieselben Exemplare. (Und von einigen der Titel sind parallel Taschenbuchausgaben erhältlich).

Wie kommt es, daß ich meine (nicht ganz komplette) Sammlung von ca. 100 Eschhausheften dieser Tage Heft für Heft, Blatt für Blatt, Seite für Seite durchgesehen habe? Darüber demnächst mehr in diesem Theater.
Ein kluger Mann hat mal gesagt: „Wer auf der Suche nach der Zukunft ist, muß in alten Papieren wühlen.“
Der kluge Mann war ich.

Schon gehört? Freerock!

Ich habe ja am nächsten Samstag (übermorgen) schon was anderes vor.
Aber wenn Sie noch nichts vorhaben, überlegen Sie mal, da hin zu gehen:

LuckyGrammEhre, wem Ehre gebührt: den Wegbereitern.
Das Echo des Eschhauses ist noch längst nicht verklungen.
Und da fällt mir ein, daß ich ja für das nächste Duisburg-Jahrbuch einen Artikel über das Eschhaus schreiben soll. Gut, daß mir das jetzt wieder eingefallen ist.
P.S.: Sprich: „Lucky“, nicht „Lacky“.