La Notte

„Niemand, dem das Me-Too-Spektakel nicht behagt, rechtfertigt sexuelle Belästigung und bagatellisiert Vergewaltigung, handelt sich aber solche Vorwürfe ein. Da müssen wir durch. Gegen die sexuelle Gewalt, der einerseits Frauen, andererseits Kinder ausgesetzt sind, zu agieren ist nötig – kulturell, publizistisch, juristisch, politisch, wobei der Blick auch mal weiter schweifen darf als auf den Fokus zu kurz gekommener Erfolgsmenschinnen. Doch wo im sexuellen Kontext Anklage erhoben wird, stellen sich Nebenwirkungen ein, die nicht vermieden werden, wenn sie nicht vermieden werden sollen. Was die Me-Too-Kampagne betrifft, sind die unangenehmen Nebenwirkungen die eigentliche Absicht.
Die Absicht ist nicht zu verkennen. Die Gelegenheit ist günstig, ein neues, altes Verhältnis der Geschlechter zu etablieren. Kern: Delegitimierung der Lust.
Wenn sich keiner mehr was traut, dann bleibt es dabei: Eine von Ästhetik und Erotik gereinigte, dafür umso korrektere Sexualordnung, gegen Risiken und Überraschungen abgesichert. Sexuelle Kontakte – wie schon vorgeschrieben an kalifornischen Universitäten – auf der Grundlage eindeutiger Willenserklärung – am besten noch notariell beglaubigt. Wer meint, daß ich übertreibe, der öffne die Ohren!
Leidtragende werden wieder die Frauen sein, die mehr wollen als einen unbeanstandeten Vertrags-Sex. Ihre Wünsche, Sehnsüchte und Phantasien, ihre Visionen von Glückseligkeit werden sie – hoffentlich nicht alle – der inneren feministischen Kontrolle opfern, vor dem feministischen Über-Ich verleugnen und niederringen.
Und soll ein Konkurrent aus dem Weg geräumt werden? Irgendeine, der er mal vor 20 Jahren die Tür aufgehalten oder in den Mantel geholfen hat, wird sich schon finden lassen.“

Lina Ganowski in DER METZGER Nr. 129 (La Notte).

Plastic People

Das war abzusehen, da hätte man Gift drauf nehmen können, darauf hätte man wetten können. Die „Wohlfühl-Empörer“, die „besorgten Bürger“, die wachsamen Nachbarn, die Aufpasser, die Emanzen und die ihnen hörigen Musterknaben, die Amokläufer der Moral, die Heuchler sind immer bereit, Entrüstung abzuliefern – und von ihren Mitmenschen Mit-Entrüstung einzufordern. Beim Verteufeln des Eros müssen und wollen sie alle (und sollen wir) nicht abseits stehen.
Denen werde ich nicht den kleinen Finger reichen. Tun Sie es auch nicht.

Die Reklame der Netto-Supermarktkette ist von einer geradezu rührenden Harmlosigkeit. Die könnte man, wenn es ein Film wäre, doch ab 6 Jahre freigeben. Aber alles, was irgendwie an Sex erinnert, führt zu reflexhaften Abwehr-Reaktionen. Alles, was irgendwie an Sex erinnert, ist „sexistisch“. Unterschiede werden nicht gemacht; jedes Maß für Verhältnismäßigkeit geht verloren.

Plastic People – oh Baby now you‘re such a Drag.

Der Weg nach oben

Ach, da läuft der Hase!
Wurde das nicht mal als Abwehr von Belästigung, Erpressung und sexueller Nötigung vorgeführt?
Was wirklich? Bewegung für die züchtige Gesellschaft.
Ein Lebensbild kommt zum Vorschein, in dem der Mitmensch grundsätzlich als Täter, Verursacher und Gefährder gesehen wird.


..

Die Füße der Gans oder Koch doch selber Kaffee

Nehmen Sie es mir nicht übel, sondern freuen Sie sich. Im Fernsehen kommen ja auch oft Wiederholungen, und das ist gut und nicht schlecht.

Die Füße der Gans oder Koch doch selber Kaffee, Veröffentlicht am 16. November 2013 von hl [und hier geringfügig überarbeitet]

Konkret berichtet über die wechselvolle Beziehung der Alice Schwarzer zu Günter Amendt.
Ihr Klang von 1980: „Ich rief ihn an. Er kam nach Köln. Wir sprachen bis in den späten Abend. In diesem Gespräch wird deutlich, daß Amendt und mich noch viel mehr verband, als wir vermutet hatten.“
1988, nachdem sie in einer TV-Diskussion mit Amendt über Pornographie schlecht ausgesehen hatte: „Der Journalist Günter Amendt präsentiert sich, nur weil er vor Jahren zwei Bücher über Jugendsex geschrieben hat, im Fernsehen auch gerne als ‚Sexualwissenschaftler‘.“ In Gänsefüßchen!
2013, zwei Jahre nach Amendts Tod: „Ich bin mit Emma mal wieder verdammt allein. Und kein Günter Amendt ist in Sicht.“

Günter Amendt…

 

…Tongtong…

Die Gemeinsamkeits-Feier 1980 fand keineswegs in allerbester Stimmung statt. Eine 22jährige Emma-Redaktionsfrau, die damals nicht mehr und noch nicht wieder meine Freundin (und noch nicht METZGER-Autorin) war, erhielt von Alice Schwarzer im üblichen Kasernenhofton den Befehl: „Koch mal Kaffee!“ Sie darauf: „Ich bin doch nicht zum Kaffeekochen eingestellt! Koch doch selber Kaffee!“ Frau Schwarzer war darüber sehr verärgert, während Günter Amendt sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

…and the Girl

Günter Amendt, Sexualwissenschaftler, Journalist (hauptsächlich für Konkret), kundig in Drogenpolitik und im Lebenswerk von Bob Dylan, SDS-Mitglied, Kommunist, 2011 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, wäre heute 80 Jahre alt geworden.

Der 8. März ist nicht der Weltfrauentag

An ihren Irrtümern könnt ihr sie erkennen.
Wer von „Weltfrauentag“ spricht, hat was aufgeschnappt und ist aufs Trittbrett gesprungen.
Den ganzen Tag dann im Radio:
Dieser CDU-kompatible Führungskräfte-Feminismus
– bis hin dazu, das Augenbrauenzupfen mit anschließendem Nachmalen mit’m Stift als letztes Refugium echter Weiblichkeit zu betucken.

Wenn wir vom INTERNATIONALEN FRAUENTAG sprechen, dann meinen wir etwas anderes.

..

Ein sicherlich gutes Buch, das Sie jetzt auch lesen können

Ein gutes Buch, das Sie nicht nur lesen sollten, sondern jetzt auch lesen können.

Helmut Loeven: Lies mal ein gutes Buch. Tagebuchnotizen im Dienste der Bedeutung.
Trikont Verlag 2018. 172 Seiten. ISBN 978-3-945634-38-7. 14 Euro.

Heute neu.
Heute (!) aus der Druckerei gekommen.
Wenn Sie es lesen, werden Sie merken, daß Sie lange drauf gewartet haben.
Das Buch des Mannes, der nicht die geringste Chance hat, im allgemeinen linken Diskurs wahrgenommen zu werden.

Bestelladresse: Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg, Tel. 0203 – 375121, bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de). Sie können das Buch abholen oder sich mit der Post schicken lassen, wie Sie wünschen.

UND
unter der oben genannten ISBN überall im Buchhandel auf der ganzen Welt, sogar am Amazonas.

Bestell mal ein gutes Buch

Ist in der Druckerei. Bis zum 31. August gilt noch der Subskriptionspreis 12 €. Ab 1. September: 14 €.

Helmut Loeven: Lies mal ein gutes Buch. Tagebuchnotizen im Dienste der Bedeutung.
Trikont Verlag 2018. 172 Seiten. ISBN 978-3-945634-38-7. Subskriptionspreis: 12 Euro bis 31. August. Danach: 14 Euro.
Subskriptionsadresse: Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg, Tel. 0203 – 375121, bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de). Sie können es jetzt schon vorbestellen in der Sie können das Buch abholen oder sich mit der Post schicken lassen, wie Sie wünschen.
Danach: ebenfalls Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg, Tel. 0203 – 375121, bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de).
UND
unter der oben genannten ISBN überall im Buchhandel auf der ganzen Welt.

Ein gutes Buch? Einladung zur Subskription

Ein neues Buch ist geschrieben, gestaltet und für den Druck vorbereitet:

Helmut Loeven: Lies mal ein gutes Buch. Tagebuchnotizen im Dienste der Bedeutung.
Trikont Verlag 2018. 172 Seiten. ISBN 978-3-945634-38-7. Subskriptionspreis: 12 Euro.

— Eine Ärztin findet das Wetter nicht schön — Meine Erlebnisse mit Merkel — Was ist ein Groko? — Mein „68“ — Heinrich Böll 100 Jahre — Das Hallenbad im Elysee-Palast — Anleitung für Verschwörungstheoretiker — Die beste Idee vom lieben Gott — Warum können die Leute mich eigentlich nicht leiden? — Von der Nutzlosigkeit nützlicher Erfindungen — Die Füße der Gans oder Koch doch selber Kaffee — Gleichung mit einer Unbekannten — Kuhler Kaffee — SPD wählen muß nicht sein — Keine Demo ist auch ‘ne Demo — Der Krieg soll verflucht sein! — Müssen Pazifistinnen doof sein? — Ungeheuerliches aus dem Tatsachen-Universum — Frau am Steuer, Mann daneben — Fernsehgucken als Kunst — Bob Dylan und die Stasi — Je keiner die Ahnung desto rümpfer die Nase — Historische Haltestelle — Was wir heute bauen sind die Slums von morgen — Ein komisches Haus — Deutsches Sprache! — Die Märchentante greift zum Wort — Tongtong und der allerhöchte Ruhm des Sozialismus — Der Chor der Kassiererinnen — Über das Machen von Spaß — Deutsche als Ausländer — Die Flüchtlinge und unsere Aktien — Und solche Leute dürfen wählen — Die Dreifaltigkeit des Schreckens: Die Frau, der Fremde, der Eros — Die Überflüssigkeit der Väter — Und der Söder hat uns auch gerade noch gefehlt — Wenn Frauen hassen — Der Busen in der Leistungsgesellschaft — Erinnerung an einen Striptease — Meine Probleme mit der Menschheit — Der Pudding im Wandel der Zeiten —

Sobald das Buch auf dem Tisch liegt, ist es unter der oben genannten ISBN überall im Buchhandel und auch am Amazonas erhältlich. Sie können es jetzt schon vorbestellen in der Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg, Tel. 0203 – 375121, bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de). Sie können das Buch abholen oder sich mit der Post schicken lassen, wie Sie wünschen.
Wer will, der kann es sich signieren lassen.

Zu viel Moral ist das Resultat von zu wenig (was?)


Die Künstlerin ist somit freigegeben – zumindest zu absichtsvollem Falschverstandenwerden. Pardon wird nicht gegeben.
Was ich klarstellen will:
Die durch die „Debatte“ ausgelösen Tendenz zu einem „neuen“ Puritanismus ist keineswegs eine unschöne Nebenwirkung, sondern Absicht.
Moral schützt nicht die Schwachen, kann es nicht und soll es nicht.

Aus der Welt der Literatur oder der Aufsprung auf die Bimmelbahn

… es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände …


Da kann man (respective „frau“) nicht abseits stehen, sonst ist man abgehängt.
Das Anfassen am Gesäß (neudeutsch: Po-Grapschen – mit oder mitohne Bindestrich) ist die Lieblings-Obsession der Wohlfühl-Empörer (respective _*Innen). Der schaurig-schöne Schauer ist nur in der Pose der Entrüstung gestattet.
Die Wohlfühl-Empörer (respective _*Innen) haben den Skandal sehr gern. Damit rechtfertigen Sie ihre Existenz.

Aus einem Notruf wurde ein Reflex. Der Anlaß ist im Spektakel zum Vorwand eskaliert.

Anti-Sexismus ist der Vorwand.

Anti-Sex ist die Absicht (zumindest die nicht unwillkommene Wirkung).

Das Resultat ist die neue, zeit- und marktgerechte Einordnung der Sexualität – in einer Atmosphäre der Anschuldigung, Verdächtigung, Verteuferung der Lust, Unsachlichkeit, Zweifel-Losigkeit, Delegitimierung.

Die Geschlechterbeziehung wird aus kalkuliertem Interesse zu einem Schlachtfeld, auf dem am Ende die am meisten verlieren, die den Notruf ausgesendet hatten.

Aus Anti-Sexismus ist längst Antisex-ismus geworden.

„Mitgliederinnen“. Die haben doch einen Knall haben die doch.

Sie wissen ja:
Ich bin ein deutschen Schriftsteller.
Ich traf mal eine deutsche Schriftstellerin, das war auf einer Veranstaltung, und aus reiner Wiedersehensfreude streichelte ich ihren Hintern.
Die Kollegin rief (so laut, daß das weit und breit zu hören war): „Nicht aufhören! Das ist seeehr angenehm!“
Damit war sie natürlich als Hauptschuldige entlarvt. Aller Sittsamkeits-Furor richtet sich in letzter Konsequenz gegen Frauen.

Noch ein Vorkommnis, das zur Skandalisierung benutzt werden kann:
Ich traf eine deutsche Schriftstellerin. Wir hatten uns in einem Park verabredet. Zur Begrüßung faßte ich ihr an den Hintern. Das überraschte sie gar nicht. Ein Fahrradfahrer (älterer Jahrgang) rief im Vorbeifahren empört: „In aller Öffentlichkeit!“
„Tja,“ sagte meine Kollegin, „wir sind hier nicht im Ruhrgebiet. Wir sind im katholischen Bonn. Da hören die Leute noch darauf, was der Pastor sagt.“

„Die Frauenbewegung war und ist in ihren Resten als ‚Politik für Frauen‘ (vulgo Staatsfeminismus) eine Angelegenheit der akademisch qualifizierten Mittelklasse. Ihr Problembewusstsein reichte nur zur Etablierung einer Beschwerdekultur, mit den Männern als Adressaten und Papa Staat als Medizinmann. […] Schon die Studentinnen von 1968 waren nicht benachteiligt, sondern von einer Freiheit gefordert, für die es in der Geschichte kein Beispiel gibt. Statt hier anzusetzen, hat man das überholte Modell der ewig nörgelnden Ehefrau auf Politikformat gepustet.“
Katharina Rutschky

Wissen Sie, was gestern für ein Tag (nicht) war?

Was völlig überflüssig ist: „Weltfrauentag“.
Was dringend nötig ist: Internationaler Frauentag.

Der 8.März, der Internationale Frauentag thematisiert die – die Menschenwürde beleidigende – gesellschaftliche Benachteiligung der Frauen. Thema dieses Tages ist die anzuprangernde Ungerechtigkeit ebenso wie der Kampf dagegen.
Wenn jemand vom „Weltfrauentag“ redet, dann wissen Sie, daß Sie jemanden vor sich haben, der von alledem keine Ahnung hat, der irgendwas am Rande aufgeschnappt und nicht richtig mitgekriegt hat.
„Weltfrauentag“, das hört sich so an wie Weltspartag, oder Weltkakaotag, oder Welttag des Regenschirms oder Weltschubkarrentag, nicht ernstzunehmen und nicht ernstgenommen, Anlaß gebend, das Unbehagen darüber, daß die Frauen auch was zu sagen haben (wollen), in laffen Büro-Witzchen nach außen zu drücken („Aber morgen kocht Frollein Müller wieder den Kaffee, höhöhöhöhö.“ – „Höhöhö.“).

Auch Frollein Lohmeier (eher bekannt als „Alieze Schwarzer“) möchte den Frauentag am 8. März am liebsten abschaffen, weil diese Tradition aus der kommunistischen Bewegung stammt.

Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern


Das Bild „Hylas und die Nymphen“ (1896) von John William Waterhouse (1849-1917) hängt nicht mehr in der Manchester Art Gallery. Es wurde zwar noch nicht verbrannt (so weit, immerhin, sind wir jetzt noch nicht), aber dem öffentlichen Anblick entzogen.. Die Kunstpostkarten mit der Abbildung wurden aus dem Museums-Laden ebenfalls entfernt.
Warum? Warum wohl.
Es handle sich um eine „erotische Phantasie“ aus der „victorianischen Zeit“, in der der „weibliche Körper“ als „passiv-dekorativ“ oder als „femme fatale“ dargestellt werde.
Weder aus dem Bild selbst, noch aus der griechischen Argonauten-Sage, die in diesem Bild aufgegriffen wird, ergibt sich „passive“ Dargestelltheit. Aber weibliche Nacktheit läßt die Saubermänner und Sauberfrauen der bigotten Sittlichkeit eingehämmerte Klischees runterrasseln.
„Femme fatale“ (präziser: „femmes fatales“) würde dem Thema des Bildes mehr entsprechen. Es ist zwar schon vorgekommen, daß die Begegnung mit einer Frau (oder mehreren) fatale Folgen nach sich zog. Aber es darf nicht geduldet werden, daß soetwas schon mal vorgekommen ist. Daß die Frau einen erfreulichen Anblick bietet, darf erst recht nicht wahr sein.
Woher kommt diese erneute Stimmung im Westen?
Sie wollen uns weismachen, daß sie gegen den „Sexismus“ vorgehen. Aber sie meinen den Sex, besonders in seiner schlimmsten, unberechenbarsten, teuflischsten Form, der erotischen Phantasie.
Phantasie ist des Teufels. Phantasie ist Anarchie. Phantasie ist der Untergang ihres ganz speziellen Abendlandes. Wo die Phantasie zugrunde geht, wird die Frau in der Wächtersprache zum „weiblichen Körper“ reduziert.
Natürlich handeln die Aufpasser (nebst -*_Innen) auf der Schleimspur des Vulgär-Feminismus nicht aus Überzeugung (das ist sowieso keine Überzeugung, das ist Saublödheit), sondern aus vorauseilendem Gehorsam, damit sie mit dabei sein dürfen, wenn mit dem Finger auf andere gezeigt wird.
Was nützt das den Frauen, die mit ihrem Leiden unter sexualisierter Demütigung sich an die Öffentlichkeit wandten? Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern.

Daß das Bild des Malers, dessen Verbrechen es war, an die Phantasie zu appellieren, nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, dafür habe ich gesorgt in diesem Weblog.
Fortsetzung (contraire) Montag.

Bild (C) wikimedia commons

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Überlegungen sowohl die Überflüssigkeit des „Familienvaters“ als auch die Wertlosigkeit der Reisefreiheit ehemaliger Bürger der DDR betreffend werden untermauert durch ein Vorkommnis auf dem Flughafen Erfurt in diesen Tagen.
Auf die Frage, ob er größere elektronische Geräte bei sich habe, antwortete ein Familienvater: „Eine Fernsteuerung für eine Bombe.“
Der Mann hatte diese Antwort sicherlich als eine Art Scherz gemeint. Die Fluggesellschaft reagierte durchaus mit Humor, indem sie den Familienvater nebst Familie vom Flug nach Mallorca ausschloß und ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann veranlaßte.
Die österreichische Mitteilerin Stefanie Sprengnagel, die sich nicht entblöden konnte, sich mit dem Künstlernamen „Sargnagel“ auszustatten, wird zitiert: „Immer wenn mir fad is, ruf ich in der vollen U-Bahn ‚Allahu akbar‘.“
Wäre das nicht ein Grund, sie zwangsweise nach Mallorca zu befördern, ohne Geld, ohne Rückflugticket, ohne Reisepaß, ohne Schmartfon, ohne Begründung, ohne Wörterbuch?

Catherine Deneuve befürchtet totalitäre Gesellschaft

Paris Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve bezieht Position gegen die #MeToo-Debatte. Die meldet heute die Deutsche Presse Agentur (dpa). Hartnäckiges Flirten dürfe nicht zum Delikt werden.
Catherine Deneuve und weitere Frauen warnen in der #MeToo-Debatte vor einem „Klima einer totalitären Gesellschaft“. „Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression“, heißt es in einem Gastbeitrag, der von „Le Monde“ veröffentlicht wurde.
„Als Frauen erkennen wir uns nicht in diesem Feminismus, der über die Anprangerung von Machtmissbrauch hinaus das Gesicht eines Hasses auf Männer und die Sexualität annimmt.“ Laut „Le Monde“ wurde der Text unter anderem von der französischen Schriftstellerin Catherine Millet verfasst. Unterschrieben haben demnach insgesamt rund 100 Frauen – darunter etwa Künsterinnen, Wissenschaftlerinnen, Journalistinnen. Die Schauspielerin Deneuve ist die wohl bekannteste Unterzeichnerin.
Die #MeToo-Debatte um Sexismus und sexuelle Übergriffe kam ins Rollen, als im Oktober Vorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein bekannt wurden. Die Diskussion habe legitimerweise Bewusstsein geschaffen für sexuelle Gewalt gegen Frauen, heißt es in dem nun veröffentlichten Gastbeitrag, dies sei notwendig gewesen.
#MeToo habe in der Presse und den sozialen Netzwerken eine „Kampagne der Denunziation und öffentlicher Anschuldigungen“ ausgelöst – die Beschuldigten seien auf eine Stufe mit sexuellen Aggressoren gestellt worden, ohne antworten oder sich verteidigen zu können. „Dieses Fieber, die ‚Schweine‘ zur Schlachtbank zu führen (…) dient in Wahrheit den Interessen der Feinde sexueller Freiheit, der religiösen Extremisten, der schlimmsten Reaktionäre und derjenigen, die meinen, dass Frauen ‚besondere‘ Wesen sind, Kinder mit Erwachsenengesicht, die nach Schutz verlangen.“
Catherine Deneuve (74) erlangte Weltruhm durch ihre Rolle in Luis Buñuel’s „Belle de Jour“, in der sie eine Prostituierte spielt.

Da hat aber eine Sehnsucht nach der guten alten Zeit

Die Psychologie kennt bestimmt einen Fachausdruck für dieses Phänomen: Eine Person, die sich selbst nicht schön findet und meint, die Leute würden sie sowieso nicht leiden können, macht sich absichtlich bei ihnen unbeliebt.
Das kann funktionieren, weil es a) Leute gibt, die sich über Sottisen aus dieser Richtung bereitwillig aufregen, und b) Leute, die sich von dieser Strategie des Sich-Wichtig-Machens kolossal beeindrucken lassen.
Über die österreichische Adabei-Figur Stefanie Sprengnagel, die es originell findet, sich mit dem Künstlernamen „Sargnagel“ auszustatten, heißt es in der Frankfurter Rundschau: „Politische Korrektheit ist nicht so ihre Sache“. Ach Gottchen!
Über welche Häßlichkeiten können Leute sich a) bereitwillig aufregen und b) kolossal beeindrucken lassen?
Funktioniert immer: „Ich will keine Gleichberechtigung, ich will ein Matriarchat.“
Der Vorteil einer solchen reaktionären Sentenz ist: Man ist nicht einem Unterfangen verpflichtet, das mühsam, zudem noch fortschrittlich ist, sondern spreizt sich in einer ebenso wohl- wie hohlklingenden Phrase. „Matriarchat“, das ist die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, die nur in der Vorstellungswelt mitteleuropäischer Spießbürgerinnen existiert, die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies untergegangener Sagenwelten.
Wie wär‘s mit ein bißchen Latein?
„Patriarchat“ heißt nicht Herrschaft der Männer, sondern Herrschaft der Väter.
„Matriarchat“ heißt nicht Herrschaft der Frauen, sondern Herrschaft der Mütter.
Und wenn die Mütter herrschen, dann geht‘s den Töchtern schlecht.

Ne? Is klar.

Ist Ihnen auch klar, daß der Rosenmontag, beziehungsweise das ganze durch ihn verlängerte Wochenende, mancherorts als Zeit der Kontemplation gefeiert wird, zum Beispiel dort, wo die fast vollendete METZGER-Ausgabe Numero 121 ganz vollendet werden soll.
Ich will Ihnen gern zu ein paar (präzise gesagt: fünf) kontemplativen Inspirationen verhelfen – durch Recurse auf die ersten fünf Monate dieses Weblogs. Denn wisse: wer auf der Suche nach der Zukunft ist, muß in alten Papieren wühlen (hier: in alten Notaten herumstöbern).

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Viel Freude (ohne Uniform, ohne Blaskapelle).