Feiertag aus dem Alltag (8-14)

Wie ich schon öfters erzählt habe, nutze ich gern die katholischen Hochfeste des Hochfrühlings und den Tag mit der längsten Tageshelligkeit (21. Juni) zu Erkundungsgängen, gern mit Fotoapparat, um meine Beobachtungen zu dokumentieren.
Hier also die Fortsetzung:

Wie bringt man es zustande, die Koloniestraße aus solcher Perspektive zu betrachten?

Indem man diese Treppe hinaufsteigt.
Habe ich schon erklärt, woher der Name „Koloniestraße“ kommt? Erinnern Sie mich dran.

Sofern Richtung Neudorf gewählt wurde: Die erste Trinkhalle („Bude“) auf dem Heimweg vom Wedau-Stadion (bzw. die letzte auf dem Weg dorthin). Einstmals in den Vereinfarben den MSV Duisburg (weiß, blau) angestrichen. Mit dem Abstieg des Meidericher Spielvereins Duisburg begann auch der Niedergang dieser Trinkhalle.

Das wäre ein geeignetes Motiv für die Serie „Die schönsten Europäischen Bushalestellen“.


Was? Mark Knopfler kommt? Das ist der Mann, der von sich sagt, daß das, was er spielt, keine Pop-Musik ist („Ich weiß gar nicht, was das ist.“). Karten gibt’s bestimmt nicht mehr.

Schönes Bild. In dem Häuschen rechts wohnt jemand.

Nicht für alles Glück auf Erden
will ich Laternenpate werden.

Flagge empor

Ich habe den Eindruck, daß derzeit weniger Flaggen herumhängen als bei supranationalen Fußball-Ereignissen der vergangenen Jahre – kaum noch solche anderer Länder.
Aber vermehrt haben sich die Flaggen mit Bundesadler.
Sind diese Flaggen nicht amtliche Hoheitszeichen? Wieso kann sich jeder Hinz und Kunz mit Bundesadler zeigen?

Welche Behörde des Bundes residiert denn hier hoch über den Dächern von Neudorf?
(Werden die nach der heutigen 93. und 96. Spielminute alle abgehängt? Ich hab’s gerade gelesen).

Hier tut sich aber einer besonders dicke. Dafür ist der extra auf die Nibelungenstraße gezogen.

Die Postkarte zu diesem Tage

Seit gestern sind 13 neue Motive in der Serie Situationspostkarten zu haben und verschickbar. Darauf komme ich noch.
Heute will ich Ihnen zeigen: Auch vor der Aktualität schrecken wir zurück nicht.
Situationspostkarte Nr. 144
Heinrich Hafenstaedter: Bekannt machungen (Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG, Straußsiedelung).
Alle lieferbaren Postkarten der Serie sind im Katalog zu besichtigen: Hier klicken.

Bis alles in Scherben fällt

Man könnte ja vorbeigehend den flüchtigen Eindruck haben, da drücken Leute ihre Unzufriedenheit damit aus, daß massenhaft Nahrungsmitteln vernichtet werden. Doch nein! Gemeint ist der Sportverein Rotweiß Essen, der keinem was getan hat, und gleich die ihn umgebende Stadt, gegen die nichts spricht. Aber blindwütiger Haß braucht keinen Grund und keinen Anlaß. Manchmal aber setzt sich ein Kommando an dessen Spitze. Bis alles in Scherben fällt.
Da sind die mir natürlich viel lieber.

Frauen, die Fußball spielen

Die letzten Monate meines Zivildienstes leistete ich im Unfallkrankenhaus in Duisburg-Buchholz ab (mitten im Wald gelegen). Eine der Schwestern auf der Station war Fußballspielerin. Das war Schwester Gilda. Frauenfußball war gerade eingeführt worden.
Schwester Gilda war kleinwüchsig, dunkel- und kurzhaarig, flink, änderte nie ihren Gesichtsausdruck, lachte nie, war nie betrübt, sondern war von einer permanenten stillen Entschlossenheit. Nein, das war nicht eine von den „Power-Frauen“, die vor dem Spiegel ihre „Power“ einstudierten. Das hatte die nicht nötig.
Es gab noch eine zweite Fußballspielerin in der Klinik, eine Schwester von einer anderen Station. Die war Torhüterin, und die sah so aus, daß bei der nur selten mal ein Gegentor vorkam. Die beiden spielten aber nicht bei Viktoria Buchholz (wo es meines Wissens auch eine Frauen-Mannschaft gab), sondern beim Duisburger SC Preußen, und sie waren es gewohnt, ihre Spiele zweistellig zu gewinnen.
Frauenfußball war damals – wie gesagt – etwas ganz neues, und das offiziell/inoffizielle Gezeter, Frauenfußball sei unästhetisch, unmoralisch, unweiblich, unschicklich, ungesund war noch längst nicht verhallt (und ist es bis heute immer noch nicht ganz). Zusammen mit dem Frauenfußball kamen – in unglücklicher Gleichzeitigkeit – die „Hot Pants“ in Mode, die „Heißen Höschen“. Schwester Gilda mußte sich immer wieder „originelle“ Erörterungen anhören, wie sie wohl in „Heißen Höschen“ aussehen würde (denn zur Fußball-Arbeitskleidung gehören ja kurze Hosen), ohne daß dies bei ihr eine Veränderung des Gesichtsausdrucks bewirkt hätte.
Ich hatte bei Schwester Gilda einen „Stein im Brett“, und ich führe das darauf zurück, daß ich mich zu Frauenfußball nie äußerte. Weder war von mir das reaktionäre Gezeter über Unästhetik, Unmoral etc. zu befürchten, noch süffisante Spötteleien. Ich belästigte meine Kollegin auch nicht mit gönnerhaften Elogen, als würde von meinem Wohlwollen irgendetwas abhängen. Sondern: Ich sagte: Nichts.
Was hätte ich auch sagen sollen? Ich dachte: Wenn die Fußball spielen wollen, dann sollen die doch Fußball spielen. Und wie hätte mein Schweigen auch sonst interpretiert werden sollen?
Schwester Gilda lohnte es mir mit einer sich von selbst verstehenden Sympathie. Die wurde nie in Worte gefaßt; es war nur spürbar, daß die mich leiden konnte. Immerhin legte sie Wert darauf, daß ich, wenn sie Frühschicht hatte, die Frühstückspause mit ihr im Schwesternzimmer zubrachte. Wir fanden das angenehm, gemeinsam zu frühstücken.

Es ist manchmal – mal mit diesem, mal mit jenem Unterton – gesagt worden, sehr viele (oder sogar: die meisten) Fußballspielerinnen wären lesbisch.
Schwester Gilda war eine bekennende Lesbe. Und das schon 1971!
Man hätte es auch vermuten können, weil Schwester Gilda gern einer jungen Kollegin, der Schwester (wie hieß die noch?) auf den Hintern klatschte. Ich fand das sehr sympathisch, denn Schwester Gilda tat ja einfach das, was ich mich nicht traute (damals! Bei einer Fremden!).
Schwester Wieheißtdienoch war eine hochgewachsene, hochlaszive Person. Die es gern hatte, wenn ihr auf den Hintern geklatscht wurde. Ich erinnere mich an das Leuchten in ihren Augen und die Seligkeit in ihrem Lächeln, als Gilda sie mal wieder gepatscht hatte – und dann war sie etwas erstaunt und ein wenig enttäuscht, weil ihr „bloß“ von einer Geschlechtsgenossin auf den Hintern geklatscht worden war.

Die nationaldeutschen Großschnauzen

Vor ein paar Wochen im Fernsehen ein Interview mit dem Trainer des Fußballclubs Bayern München Pep Guardiola. Er sprach bewundernd über den Konkurrenten Borussia Dortmund, über die Qualität dieses Vereins, des Trainers, der Mannschaft – und daß Borussia Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz stand. Und er fügte hinzu: „Genau das kann uns passieren auch.“
Solche vernunftvolle Bescheidenheit wäre unseren Regierenden, Abgeordneten, Kommentatoren und den vielen Besserwissern an den Stammtischen an den Hals zu wünschen:
Bild150227Was würden all die nationaldeutschen Großschnauzen sagen, wenn ein solches Vereledungsprogramm, das den Griechen von den europäischen „Partnern“ zugemutet wird, sie selbst treffen würde? Etwa: Rente halbiert, Auszahlung erstmal für ein halbes Jahr aufgeschoben. Oder: Leistungen der Krankenkasse gestrichen.
In der Bundesrepublik Deutschland zahlen Konzerne wie Amazon, die die hiesige Infrastruktur nutzen, gerade mal ein paarmarkachzig Steuern. Da ist der Schäuble sooo klein mit Hut.
Aaber wenn es gegen griechische Rentner geht, da spielt er den dicken Wilhelm, dieser Herrenmenschendarsteller. Da fühlt er sich stark, diese arrogante Null.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis ist Professor für Finanzökonomie und lehrte in Camebridge und an Universitäten in Australien und den USA. Der Schäuble ist Jurist. Wenn der Varoufakis zum Schäuble geht, dann geht der Fachmann zum Laien.
Yanis Varoufakis: „Wir sind nur der erste Dominostein, der umfällt.“

Leck die Pappe!

Gestern hat es wieder nicht geklappt. Weiterhin erhalten bleibt also die Grundlage des kollektiven Vollzugs nationaler Unartikuliertheit (Papp-Lick Wjuing).
Was dieses Land zu seiner geistigen Gesundung dringend benötigt, ist ab und zu mal ein Wembley-Tor! Sparwasser-Tore wären gewiß noch nützlicher, aber die gibt es ja leider nicht mehr. Dann wenigstens ab und zu ein Wembley-Tor. Eine reguläre Niederlage wäre viel zu milde.