Stilleben

Begrifflichkeiten der Kunst(-geschichte): Stilleben.

Stilleben des 21. Jahrhunderts:
Keyboard, Gümmiken, Filzstift, Bleifisch, Kugelschreiber (mehrere), Ratzefummel, Schere, Zahlungsmittel, Schuhspitzen von Mann (auf Fuszboden).

Wenn schon Bundespräsident, warum nicht lieber den?

Neu in der Weltbühne: Basiswissen über die Armut

Christoph Butterwegge: Armut. PapyRossa Verlag Reihe Basiswissen 2016. 132 S. 9,90 Euro
Verlagstext:
„Armut“ ist ein brisanter, weil politisch-normativer, emotional besetzter und moralisch aufgeladener Begriff. Christoph Butterwegge diskutiert den Armutsbegriff, wirft einen Blick auf die Geschichte der Armut und vermittelt die theoretischen Grundlagen. Er stellt die Hauptrichtungen der Armutsforschung vor, erläutert die gängigen Methoden der Armutsmessung und hinterfragt die statistische Datenlage, wie sie die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung dokumentieren. Neben den unterschiedlichen Erscheinungsformen und den Folgen der Armut für die Betroffenen wie die Gesellschaft beschäftigen ihn die Entstehungsursachen und die wenig überzeugenden Erklärungsansätze der (Medien-)Öffentlichkeit. Abschließend geht es um den Kampf gegen die Armut sowie die Frage, welche Maßnahmen hierbei Erfolg versprechen und ob das bedingungslose Grundeinkommen ein Patentrezept darstellt.
Christoph Butterwegge, Prof. Dr. rer. pol., Jg. 1951, lehrte bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Arbeitsschwerpunkte: Sozialstaatsentwicklung und Armut; Rechtsextremismus, Rassismus und (Jugend-)Gewalt; Migration, Integration und Minderheitenpolitik.
„Christoph Butterwegge öffnet die Augen für die wirklichen Zustände in unserem Land.“ (Rudolf Walther, neues deutschland).

Von der Partei Die Linke als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Na, da heißt es jetzt wohl: Daumen drücken!

Und weil es eben nicht nur darauf ankommt, worüber und wie und mit welche Mitteln man sich informiert, sondern auch, welche Strukturen vonnöten sind und wen man nicht im Stich lassen darf, folgt hier noch ein Vorschlag – in der Hoffnung auf einen Rest von Bewußtsein, daß es ein bißchen von einem selber abhängt, ob das ganze Land in materieller und geistiger Armut versinkt:
Bitte bestellen Sie dieses Buch (und überhaupt: alle Bücher die Sie brauchen) in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand). Weltbühne muß bleiben. Weltbühne muß wirken.

Gerechtigkeit auf Erden

Das ist ja wirklich komisch:
Am Dienstag kaufte ich bei Edeka Nektarinen. Kilopreis: 1,99. An der Kasse wurde aber der Kilopreis 2,99 berechnet (weil die Kassiererin die Nektarinen in der Tüte für Pfirsiche gehalten hat. Das merkte ich erst, als ich mir zu Hause den Kassenzettel anguckte). Darüber habe ich mich nicht gefreut.
Am Freitag kaufte ich wieder bei Edeka Nektarinen. Jetzt war als Kilopreis 2,99 angegeben. Naja. Aber auf dem Kassenzettel stand dann als Kilopreis: 1,99!
Ob da der liebe Gott seine Finger im Spiel hatte?
Nicht, um mir zu mehr Geld, sondern zum Glauben zu verhelfen?

Nichts für mich

Die Rote Armee Fraktion (RAF) ist also wieder in Erscheinung getreten. So weit ist es schon, daß selbst die Scharfmacher beschwichtigen: Die beiden gescheiterten Versuche, Geldtransporte zu überfallen, hätten nicht dem Zweck dienen sollen, weitere Terror-Taten zu finanzieren, sondern der Sicherung des Lebensunterhalts von drei ehemaligen Mitgliedern der ehemaligen Organisation.
1999, so wird berichtet, hätte dieses RAF-Kommando (kann man diesen Ausdruck verwenden?) in Duisburg (!) beim Überfall auf einen Geldtransport mehr als eine Million Mark erbeutet. Das Geld ist jetzt wohl verbraucht; das Leben im Untergrund, sofern auch noch nach einem gefahndet wird, ist teuer.
Mit Ablauf des Jahres 2019, also in nicht allzu ferner Zeit, wäre diese Straftat verjährt gewesen.
Wieso hat die RAF eigentlich keinen Pensionsfonds eingerichtet?
RAF-Logo.svgUnd wieso haben die Leute sich nicht in all den Jahren mal Gedanken darüber gemacht, wie man auf ganz unspektakuläre, gar legale Art an Geld rankommt, ohne viel Risiko, so janz höösch, wie der Düsseldorfer sagt: irgendwas mit Ebay, oder irgendwas mit Flohmärkten.
Aber auf sowas kommen die gar nicht. Die denken wahrscheinlich: Wir, als deutsche Terror-Typen, wenden standesgemäß Karacho-Methoden an. Die denken wahrscheinlich: Auf ganz legale Art sich Geld zu verschaffen ist zu unauffällig. Die hatten es nämlich schon immer mit ihren Fanalen. Wenn die RAF mal eine Bank überfallen hatte, wurde das auch überall herumposaunt: „Wir waren das!“ Da kann man ja gleich beim Generalbundesanwalt anrufen, damit der auch wirklich alle Heldentaten in die Anklageschrift hineinschreibt. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, die Aktionen der RAF waren weniger von dem Motiv angetrieben, die kapitalistische Herrschaft zu zerbrechen, sondern mehr von dem Bedürfnis nach Selbstbestätigung.
Bei Markus Wolf habe ich gelesen: Eine Geheimdienstaktion ist dann wirklich erfolgreich gewesen, wenn die Gegenseite überhaupt nichts davon merkt. Könnte das nicht auch für Untergrundorganisationen gelten? Ich meine: Eine Untergrundarmee veranstalten kann man ja ruhig. Aber muß der Staat (das BKA, die Bundesanwaltschaft, der Verfassungsschutz) und müssen die Medien das mitkriegen? Man stelle sich vor: Die RAF agiert jahrelang im Geheimen, und zwar wirklich im Geheimen. Dann hätte es irgendwann mal geheißen: „Huch! Wo ist denn der Arbeitgeberpräsident geblieben? Der ist auf einmal weg, und wir wissen nicht wieso.“ Dann wäre auch leichter gewesen, an Geld ranzukommen. (Man hätte beim BKA anrufen können: Herr Herold, wir sind die kalabrische Mafia. Für hundert Mark lassen wir den Schleyer wieder frei. Das hätte weniger Kollateralschaden angerichtet als die Aktion in der Weise, wie sie durchgeführt wurde).
Alles in allem kann ich sagen: Mein Entschluß, mich der RAF nicht anzuschließen, war richtig. Nicht moralische Bedenken haben mich abgehalten. Der Einwand, daß gegen das Leninsche Prinzip verstoßen wurde, wonach der erste Schuß erst abgegeben werden darf, wenn die Revolution beginnt, hätte zwar schon gereicht. Aber ausschlaggebend war: Das wäre mir alles doch viel zu stressig.
Alte Freunde treffen, auf vertrauten Wegen gehen, Lieblingsorte – alles das hätte ich aufgeben müssen. Stattdessen: die Einengung des Bekanntenkreises auf eine – sagen wir mal – kleine Zahl von unter ständigem Verfolgungsdruck stehenden Mitmenschen aus einer sehr einseitig orientierten Kategorie, die Aufgabe von Betätigungsfeldern, auf denen ich mich nicht nur wohlfühle, sondern auch nützlich machen kann, die Preisgabe von Fertigkeiten, die als Beitrag zur Überwindung der herrschenden Verhältnisse nicht unterschätzt werden sollten, die Einschränkung der Kommunikation – das wäre nichts für mich gewesen – von den Auswirkungen auf das Liebesleben gar nicht zu reden.
Und: Geldtransporte überfallen – aus dem Alter bin ich doch nun wirklich raus.

Die Farbe des Geldes (8)

Sparkasse: doof. Postbank: auch doof
Früher habe ich das Kupfergeld (1- und 2-Fennich-Münzen, neuerdings 1-, 2- und 5-Cent-Münzen), das sich als Bodensatz im Pottemannee ansammelt, gerollt bei der Sparkasse auf mein Sparkonto eingezahlt. Irgendwann ging das nicht mehr. Das heißt: Das wäre nur noch gegangen gegen Berechnung einer Einzahlungsgebühr! Ich habe mir vorgestellt, wieviel Jahrtausende das Spargeld auf dem Konto verweilen müßte, damit die Gebühr durch die Zinsen ausgeglichen wäre.
Gebührenfreies Einzahlen von Münzgeld sei nur noch auf ein eigenes Girokonto möglich, wurde mir mitgeteilt (und ich hörte das Zähneknirschen des Kassenmannes).
geldschein8Das ist kein Einzelfall. Auch die Spardabank (so las ich in der Zeitung) regt sich auf, wenn jemand Hartgeld zu denen hinbringt. Das ziehe Aufwand und Kosten nach sich, weil die Spardabank (und jetzt halten Sie sich fest) das Geld gar nicht mehr selber zählt, sondern eine Firma damit beauftragt, für sie das Geld zu zählen!
Bei der Sparkasse habe ich einen Aushang gelesen, daß für Einzahlungen von Münzgeld auch auf das eigene Girokonto eine Gebühr zu entrichten ist (leiderleider, liebe Kunden, ach es tut uns ja so leid!).
Ja, wenn diese Leute eine solche Aversion gegen Geld haben, warum betreiben die denn dann ein Geldinstitut? Jemand, der unter Höhenangst leidet, würde doch alles andere tun, als den Beruf des Dachdeckers oder Schornsteinfegers zu ergreifen. Oder haben Sie schon mal von jemandem gehört, der den Geruch von Fisch verabscheut und deshalb einen Fischgeschäft eröffnete?
Auch die Postbank hat sich was ausgedacht, wie sie die Kundschaft von sich fernhalten könnte: Indem sie für jede Überweisung, für die ein Überweisungsformular verwendet wird, eine Extragebühr verlangt.
Wenn eine Bank eine Firma beauftragt, für sie das Geld zu zählen, braucht man sich über gar nichts mehr zu wundern. Demnächst wird man Weiterlesen

Meine Konten

Aus der Serie „Die Farbe des Geldes“ (7)
geldschein5Zu mir kam ein Mann vom Finanzamt: „Herr Loeven, warum haben Sie drei Girokonten?“
„Ganz einfach: Ein Geschäftskonto, ein Privatkonto, und das dritte ist für Geldwäsche.“
Der Finanzbeamte sah mich erstaunt, geradezu entsetzt an, und ich mußte ihm erklären:
„Wenn ich mal so einen abgegriffenen, angeschmutzten Geldschein bekomme, dann zahle ich den auf dieses Konto ein, und nach ein paar Tagen hebe ich den Betrag in frischen Banknoten wieder ab.“
„Ach so.“

In der Schweiz (2)

Ich weiß nicht, ob das Geschehen und Geschehenlassen von den anderen Leuten auf dieser Terrasse registriert wird. Es kann ja wohl nicht sein, daß auf dieser belebten Terrasse, wo ständig Leute umherlaufen, kein Mensch mitkriegt, welche sinnliche Handlung hier geschieht. Vielleicht glauben die Leute, daß wir ein Liebespaar sind, und sie mögen sich denken, daß wir unser erregtes Spiel doch besser im stillen Kämmerlein miteinander treiben sollten statt hier vor aller Augen. Aber niemand reagiert, und niemand bleibt stehen.
Ich gehe zur dritten Phase über und beginne, ihr in den Po zu kneifen. Im Sekundenrhythmus kneife ich mal mit der linken, mal mit der rechten Hand mal in die linke, mal in die rechte Backe. Ich steigere mich schnell und gebe mir Mühe, sehr fest zu kneifen, damit es richtig wehtut. Sie zuckt zusammen und windet sich, schnappt nach Luft, unterdrückt Schreie, stöhnt leise, verzieht ihr Gesicht, beißt die Zähne zusammen, beißt sich auf die Unterlippe. Sie kommt gar nicht dazu, erstaunt zu sein, weil der Schmerz größer ist als das Erstaunen. Aber was sein muß muß sein. Sie muß das unbedingt kennenlernen. Das sieht sie wohl ein. Denn sie wehrt sich nicht. Wahrscheinlich denkt sie: „Bei jemandem, der erzählt, er hätte in Italien eine Wagenladung Geld gestohlen, muß man auch auf sowas gefaßt sein.“
Da sie eine Anfängerin auf diesem Gebiet ist, treibe ich es nicht zu weit und beende die zärtliche Malträtierung. Es soll genügen, wenn sie heute und morgen beim Hinsetzen an mich denken muß.
German_stamp-_Marlene_DietrichNun beginnt auf der Terrasse ein Abendprogramm (es ist aber noch hell). Auf dem Programm steht ein Auftritt von Marlene Dietrich. Ich rechne aus, daß wir uns demnach in den 70er Jahren befinden müssen. Marlene Dietrich kommt, singt ein paar Chansons, die ich noch nie gehört habe. Ich denke, ein Auftritt von Marlene Dietrich ist was ganz besonderes. Aber ich bin der einzige, der „Bravo!“ ruft und heftig applaudiert. Die anderen Anwesenden spenden nur leisen Höflichkeitsapplaus. Der Auftritt des Weltstars hat kaum mehr Eindruck auf die Leute gemacht als meine Darbietung mit der jungen Dame.
Die Unaufmerksamkeit und Gleichgültigkeit dieser uns umgebenden Öffentlichkeit würde es eigentlich gestatten, in eine neue Phase einzutreten, die den Erfahrungshorizont meiner Gespielin beträchtlich erweitern würde. Das Publikum könnte das zwar nicht mehr ignorieren, würde aber, wie ich es einschätze, nicht protestieren oder gar einschreiten. Ich möchte jetzt gern dem Mädchen das Bikinihöschen runterziehen und ihr ein paar Dutzend mal auf den Hintern klatschen, bis der rot ist. Eigentlich müßte ich das Höschen gar nicht runterziehen, denn das ist so knapp, daß die Rötung ihrer Hinterbacken zur Geltung kommen und reizvoll mit dem hellgrünen Stoff kontrastieren würde. Aber vielleicht wäre für eine solche Lektion in Sinnlichkeit ein intimer Rahmen wirklich besser.
IDSchweiz2Inzwischen hat sich herausgestellt, daß meine Lust-Kameradin des Nachmittags keineswegs eine Einzelreisende ist, sondern zu einer Gruppe gehört, zu der noch drei weitere Mädchen im selben Alter gehören. Ich sehe, wie die drei heftig auf sie einreden. Immer wieder werden Seitenblicke auf mich gerichtet, als wäre ich ein Unhold, auf den sie sich unschicklicherweise eingelassen hat. Danach kommt sie kleinlaut zu mir, sagt, daß sie jetzt mit ihrer Reisegruppe noch etwas vorhat, und verabschiedet sich.
Ich bin also entlassen und habe nun endlich Gelegenheit, mich um die Pappkartons zu kümmern.

Ende

In der Schweiz (1)

Wir haben mit unserem Lieferwagen in der Schweiz eine Herberge angesteuert, die auf einem Berg liegt, von wo aus man das Postkartenpanorama der Schweizer Alpen bewundern kann. Im Lieferwagen befinden sich zahlreiche große Pappkartons, prall gefüllt mit Geldscheinen, die wir am Vormittag in Italien gestohlen haben.
Der Wagen wird abgestellt, und wir wollen uns zur Ruhe begeben. Ich bin müde und erschöpft, aber die Kartons müssen noch ins Haus getragen werden. Als die Arbeit getan ist, bin ich noch müder und erschöpfter. Ich will nun meine Ruhe haben. Aber auf dem Weg vom Parkplatz zu dem Haus werde ich von einer jungen Dame angesprochen. Sie befindet sich wohl auf Wanderschaft und ist heute in dieser Herberge angekommen. Sie kennt hier niemanden und sucht jemanden zum quatschen. Und das bin ich. Nun gut, ich bin ein höflicher Mensch. Sie ist auch recht sympathisch. Sie ist höchstens 17, bestimmt noch Schülerin. Sie ist viel kleiner als ich und hat halblanges, herunterhängendes, rötlich-blondes Haar. Sie hat, bei aller Jugendlichkeit, recht ausladende Formen und wirkt ein wenig pummelig. Da sie in diesem regen Treiben und Kommen und Gehen nicht unter all den Menschen allein sein will, weicht sie nicht von meiner Seite. Sie stellt mir ein paar Fragen, wer ich bin und woher ich komme und was ich mache usw., und ich bemühe mich, trotz aller Müdigkeit, nicht allzu wortkarg zu sein.
IDSchweiz1Den Rest des Nachmittags verbringen wir auf der großen Terrasse unter Sonnenschirmen. Wegen der Hitze ist sie nur noch sehr spärlich bekleidet. Sie trägt einen hellgrünes T-Shirt und ein hellgrünes Bikinihöschen. Ich habe einen Liegestuhl gefunden, auf dem ich mich bequem ausstrecken kann. Das Sprechen fällt mir schwer. Ich bin so müde, daß ich mich kaum konzentrieren kann, aber ich versuche, ihrer Rede aufmerksam zu folgen. Ich muß auch ab und zu etwas sagen, aber am Ende jedes Satzes weiß ich kaum noch, wie ich ihn begonnen habe. Ich erzähle ihr, daß ich am Vormittag in Italien gemeinsam mit ein paar Freunden einen Riesenbetrag Geld gestohlen habe. Damit riskiere ich nichts, denn sie glaubt das sowieso nicht.
Irgendwann sitzt sie rittlings auf meinen Knien. Dann liegt sie auf mir, Bauch auf Bauch, Brust auf Brust, Gesicht auf Gesicht. Wir lächeln uns an. Ich umarme sie, streichle ihr Haar, dann ihren Rücken, und nach kurzer Zeit sind meine Hände auf ihrem Po angelangt. Ich streichle zärtlich ihren Po und lasse mir damit viel Zeit. Während wir unser Gespräch fortsetzen, das so verläuft, wie es unter Menschen, die sich gerade kennenlernen, üblich ist, nehme ich meine Hände nicht von ihrem Po. So viel Unumwundenheit überrascht sie, damit hat sie nun ganz und gar nicht gerechnet. Aber es scheint ihr zu gefallen. Sie strahlt mich an. Wegen der Räuberpistole, die ich ihr von mir erzählt habe, billigt sie mir ein gewisses Maß an Vagantenfreiheit zu. Außerdem ist sie viel jünger als ich und unerfahren und mag vielleicht nur darüber verwundert sein, was es alles gibt… Sie sagt nicht etwa „Was machst du da?“ oder „Bist du verrückt?“. Während ich ihren Po streichle, erzählt sie mir dieses & jenes.
Irgendwann sagt sie mal: „Ich will was zu Trinken holen. Soll ich dir was mitbringen?“ Sie erhebt sich, befreit sich von meinem Zugreifen. Aber als sie mit zwei kleinen Flaschen Coca Cola zurückkommt, begibt sie sich wieder in dieselbe Lage wie vorhin. Meine Coca-Cola-Flasche lasse ich auf dem Tisch stehen. Auch sie findet es unbequem, in ihrer Lage eine Flasche zu halten, und stellt sie auch ab.
Als schicklich genug Zeit vergangen ist, vielleicht eine Stunde, fahre ich mit beiden Händen unter ihr Bikinihöschen, um ihren nackten Po zu befühlen. Darüber wundert sie sich schon gar nicht mehr.
Zuerst streichle ich, dann beginne ich, ihren Hintern zu kneten und zu massieren. Sie hat wirklich einen festen, strammen Hintern!
Die Festigkeit meines Zugriffs steigert sich. Sie sagt nun nichts mehr. Sie hat die Augen geschlossen und atmet tief. Aus ihrem Gesicht ist die Aufmerksamheit zu lesen für das, was ich mit ihr mache. Als die Festigkeit meines Zugreifens anfängt, ihr wehzutun, ist ein Zucken in ihrem Gesicht zu sehen, aber sie lächelt vor sich hin.

Fortsetzung folgt

Anleitung für Rundumschläger

Grundkurs:
Wollen auch Sie Ihre Mitmenschen mit der Äußerung Ihres Unbehagens an den Zuständen unterhalten, beachten Sie bitte folgende Hinweise:
Eine richtige Philippika beginnt mit einem Satz, in dem das Wort „heutzutage“ unbedingt vorkommen sollte. Diese Methode ist seit altersher bewährt. Auf diese Weise gelingt Ihnen das Kunststück, das, was immer schon ärgerlich war, als ein Spezifikum unserer Zeit anzuprangern. Zur Konkretisierung kann ein Satz folgen, in dem die Formulierung „letztens hat jemand“ sich gut macht. Der nächste Satz sollte mit der Formel „ist es schon soweit, daß…“ (oder auch: „sind wir schon (wieder) soweit, daß…“) beginnen. Mit dem obligaten „heutzutage“ würde sich „neuerdings“ gut ergänzen („neuerdings wird anscheinend…“ oder „neuerdings ist es anscheinend üblich…“). Ganz dem Sarkasmus hingegeben, lassen Sie den nächsten Satz mit „da kann man ja gleich…“ beginnen (etwa: „da kann man sich ja gleich einen Ring durch die Nase ziehen“). Um warnend darauf aufmerksam zu machen, wohin das alles noch führt, ist das Wort „demnächst“ absolut unverzichtbar (etwa: „demnächst werden wir noch erleben, daß…“ oder: „wenn das so weitergeht, werden wir demnächst wohl noch…“). Greifen Sie in die Geschichte hinein mit einem Beispiel, dem Sie den Satz „da hat man ja gesehen, wohin das führt“ hinzufügen. Vergessen Sie nicht, zu beklagen, daß „das Geld zum Fenster hinaus geworfen“ wird! Auch wenn diese Formulierung schon unzählige Male verwendet wurde, ist die Vorstellung, daß jemand Geld aus dem Fenster hinaus wirft, dermaßen komisch, daß diese Metapher keineswegs abgegriffen ist.

Für Fortgeschrittene:
Wenn Sie von „unseren Steuergeldern“ oder vom „Geld der Steuerzahler“ reden, müssen Sie die Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherungen als „Geschenke“ bzw. „Wohltaten“ bezeichnen und überhaupt das Wort „Sozialstaat“ durch „Planwirtschaft“ ersetzen. Die Forderung, daß „der Staat sich mal darum kümmern müßte“, paßt nicht mehr in unsere Zeit rein.
Lassen Sie keinen Zweifel daran aufkommen, daß Sie die Patentlösung kennen, die etwa darauf hinausläuft, daß irgendwelche Menschen enteignet, entrechtet, eingesperrt, ausgewiesen oder im Meer versenkt werden.

Rentenkasse

oder Die Hälfte ist weniger als ein Achtel (manchmal jedenfalls)

Soll ich Ihnen mal sagen, was es mit dem „demographischen Faktor“ auf sich hat? Gar nichts hat es damit auf sich.
Wie oft haben Sie schon diese Geschichte gehört? Die Menschen (hierzulande) werden ja leiderleider immer älter. („Leider“ sagt man nicht, meint es aber). Dahingegen: Die Geburtenrate! (Jaja, diese modernen Frauen mit ihrer Selbstverwirklichung). Früher haben 30 Arbeiter einen Rentner ernährt, bald sind es nur noch 2, und irgendwann im Jahre 2050 haben wir mehr Rentner als Erwerbstätige, mehr Leistungsempfänger als Beitragszahler. Früher mußte man für die Rentner ein Achtel vom Kuchen abschneiden und es blieben sieben Achtel übrig. Heute bleibt ja nur noch die Hälfte übrig!
Na und? Die Frage ist doch: Ein Achtel wovon? Die Hälfte wovon?
Ich behaupte: Sieben Achtel sind weniger als die Hälfte. Präziser: Die sieben Achtel von früher sind weniger als die Hälfte von heute.
Denn die Geschichte mit dem Kuchen ist eine Milchmädchenrechnung, mit der Staat und Kapital sich um die Zahlung auskömmlicher und gerechter Renten drücken wollen. Es wird so getan, als würde gestern, heute und morgen immer der gleiche Kuchen aufgeteilt.
Als ich bei Mannesmann arbeitete (1966) waren im Walzwerk 150 Mann in einer Schicht. Heute sitzen da ein paar Leute an Schaltpulten, und die schaffen mehr Werte als die hundertfuffzig von damals.
Es mag ja anschaulich sein, die Leistung einer Volkswirtschaft als Torte statistisch darzustellen. Aber die Torte ist gewachsen. Wenn die gesamte Wirtschaftsleistung von 1950 als Torte auf einer herkömmlichen Tortenplatte dargestellt wird, dann paßt die Torte des Jahres 2014 in kein deutsches Wohnzimmer mehr.

Sparkasse

Der Leitzins ist aus lauter Verzweiflung wieder gesenkt worden. Bald ist dieses Instrument nicht mehr anwendbar. Das liegt an der mathematischen Logik. Bei Null ist Schluß.
Was zeigt uns das? Daß es mit dem Kapitalismus zu Ende geht. Allerdings weiß kein Mensch, wie viel hundert Jahre dieses Endstadium noch dauert.
Aus dem Kapitalismus gibt es zwei Ausgänge: Sozialismus oder Barbarei. Der eine Ausgang ist derzeit fest verschlossen, der andere sperrangelweit offen. Es hat allerdings auch schon Sozialismus gegeben, der barbarische Züge in sich trug.
An die WAZ hat ein Idiot einen Leserbrief geschrieben: Der einzige Sinn des Geldes sei, ausgegeben zu werden. Wenn der mal mit dem Auto nach Hannover fährt und am Ziel noch zwei Liter Benzin im Tank hat, fährt der bestimmt ein paar mal um den Block.
Weil ich immer schon wußte, daß meine Rente zu niedrig sein wird, habe ich schon mit 20 angefangen, mir was fürs Alter zurückzulegen, immer mal zehn Mark oder fünf Mark, und bei der Verzinsung den Zeitfaktor einkalkuliert. Damit ist jetzt Essig.
Letztens hörte ich im Radio, daß in irgendeiner Justizvollzugsanstalt irgendetwas schiefgegangen ist, irgendjemand ausgerissen oder so. Und dann hörte man von dort: „Wir haben zu wenig sachkundiges Personal.“
Da der Staat keine neuen Schulden machen will und die Steuern für die Reichen nicht erhöhen will, wird gespart, und wenn alles in Scherben fällt. Wenn der Staat spart, dann kann das sehr teuer werden. Der Staat spart, und es fehlt überall an allen Ecken und überall an allen Enden.
Hoffentlich übernimmt die gewerbliche Wirtschaft nicht die Spar-Methoden des Staates. Das sähe dann so aus:
Wintermäntel ohne Ärmel! Oder: Schuhe ohne Sohlen! Wenn wir bei den Schuhen die Sohlen weglassen – was man da einsparen könnte!
Ich war wieder bei der Sparkasse und habe 20 Euro auf mein Sparbuch eingezahlt. Da kommt man sich ja blöd bei vor! Die Kassiererin hat danach bestimmt zu einer Kollegin gesagt: „Hier war eben ein Verrückter. Der hat Geld auf sein Sparbuch eingezahlt.“

Flasche gefunden

Und schon wieder habe ich eine Flasche gefunden. Die stand mitten auf dem Bürgersteig, mitten im Weg, und wollte von mir mitgenommen werden. Wenn Flaschen einen Willen haben, dann: mitgenommen zu werden. Diesen Willen erfülle ich einer Flasche aber nur dann, wenn die Fandflasche eine Pfandflasche ist. Das war hier der Fall. Also nahm ich sie mit und steckte sie beim nächsten Einkauf in den Pfandflaschenautomaten bei Edeka auf dem Sternbuschweg.
FlascheEs handelte sich um die 934. gefundene Pfandflasche. Das geht aus meiner Flaschenbuchführung hervor. Das Flaschengeld wird auf einem Konto gesammelt und soll meine Altersrücklage aufstocken. Wer meine Rentenmitteilung der BfA liest, versteht mich.
934 Flaschen ist gar nicht viel, denn ich habe schon Ende der 70er Jahre mit dem Einsammeln der Flaschen begonnen. Das heißt: Pro Monat finde ich circa zwei Flaschen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die täglich die Glascontainer abklappern. Diese Leute haben sich Spezialzangen besorgt, mit denen sie tief in die Container greifen, und Fahrradanhänger. Dann dauert es Jahre, bis diese Investitionen sich amortisieren.
Das sind bestimmt Männer von den Weißen Jahrgängen. Denn wer bei der Bundeswehr war, dem ist das alles egal. Und wer bei der Wehrmacht war, der alarmiert die Polizei, wenn eine Flasche nicht ordnungsgemäß zurückgebracht wurde.

Die meisten Flaschen habe ich vor dem Eschhaus eingesammelt, wo der Club der Doofen in Permanenz tagte. Die Doofen haben viele Bierflaschen leergetrunken. Die ließen sie stehen oder haben sie zu später Stunde zerdeppert, sofern ich ihnen nicht mit dem Einsammeln zuvorkam. (Die haben sogar Flaschen zerdeppert, die noch gar nicht leergetrunken waren. So doof waren die). Die wußten zwar, daß man Flaschen zurückbringen kann und Geld dafür kriegt. Aber die wußten nicht, wie man Flaschen zurückbringt, dafür waren die zu blöd. Stattdessen haben die Wirtschaftsgutzerdepperer Vorbeigehende um Geld angehauen. Wenn ein Doofer mich frech grinsend anpöbelte: „Ääää hassemane Maaaaak?“, hab ich gesagt „ja“ und bin weitergegangen.

Rolf Menrath und Marion Mitscher werfen ihr Geld zum Fenster hinaus

Aus der Serie Die Farbe des Geldes (6)
geldschein9An einem herrlichen Tag im Sommer ging ich zum Studentenheim auf der Prinzenstraße. Schon von weitem sah ich, daß Rolf Menrath und Marion Mitscher, im zweiten Stock aus dem Fenster schauten.
Ich näherte mich und grüßte die beiden. In dem Moment klimperte es neben mir. Ein Geldstück war aus dem Fenster geworfen worden und landete mit hellem Klang auf dem Bürgersteig neben mir. Ich hob es auf. Es war ein Groschen. Ich fand noch einen und ein Fünfpfennigstück. Die hob ich auch auf.
Ich stieg in den zweiten Stock, um dem Geheimnis des herumfliegenden und herumliegenden Geldes auf den Grund zu gehen. In der Tat vertrieben sich Rolf Menrath und Marion Mitscher an diesem Sonntagnachmittag im Sommer 1973 die Zeit damit, Geld aus dem Fenster zu werfen.
„Die Leute, denen wir das Geld vor die Füße geworfen haben, waren ganz verstört und liefen ganz schnell weg“, wurde ich aufgeklärt. „Du warst der einzige, der das Geld aufgehoben hat.“
Marion warf eine weitere Münze runter. Der Mann, neben dem sie landete, schaute sich erschreckt um, sah im Fenster die belustigten Geldwerfer und machte, daß er davonkam.

Der Verrückte ist mit dem ganzen Geld stiftengegangenen

aus der Serie „Die Farbe des Geldes“ (5)
Milliarden und Abermilliarden einfach futsch. Das habe ich kommen sehen.
geldschein6
Ich hatte mal einen verrückten Kunden. Nicht immer war ich nicht schnell genug, um mich unter dem Tisch zu verstecken. Einmal hatte er ein Buch von Karl Eduard von Schnitzler bestellt, und er bezahlte das mit einem Scheck. Auf den Scheck hatte er den kompletten Lebenslauf von Karl Eduard von Schnitzler geschrieben und dazu auch die Rückseite benutzt. Ich hatte Glück, der Scheck wurde eingelöst.
Einmal kaufte er einen großen Stapel Bücher, für fast 300 Mark. Und er bezahlte mit 5-Mark-Scheinen. Er hatte die Taschen voll mit Bündeln von 5-Mark-Scheinen, frisch aus der Druckerpresse und mit fortlaufenden Seriennummern.
Erinnern Sie sich noch an die D-Mark-Zeit? Mit Groschen und Riesen und Blauen? Man wußte, daß es auch 5-Mark-Scheine gab, aber man bekam selten einen zu Gesicht. Jeder hatte wohl schon irgendwann mal einen 5-Mark-Schein gesehen, aber das war eine Seltenheit.
Aber wußten Sie, daß der 5-Mark-Schein die am häufigsten von der Bundesbank ausgegebene Banknote war? Es gab mehr 5er als 10er und 20er. Aber wo sind die alle geblieben? Wenn man das herausfindet, weiß man bestimmt auch, wie es zu dem großen Finanz-Crash kam. Man müßte mal den Verrückten fragen. Aber ich hab vergessen, wie der heißt.

Die Farbe des Geldes – Reichtum abschaffen?

Reichtum abschaffen? Oder doch besser: Reichtum für alle?
Das klingt verrückt. Soll man jedem Geld in die Tasche stecken? Soll jeder Millionär sein? Das gab es schon mal: 1923. Da war jeder sogar Milliardär, im Jahr größten Elends.
„Reichtum für alle“ – um sich darunter etwas vorzustellen, muß man die Vorstellung aufgeben, daß „Reichtum“ eben nur das ist, was ein Einzelner für sich hat.
geldschein7„Reichtum für alle“ heißt nicht, daß jeder viel Geld hat, sondern daß niemand viel Geld braucht, daß die Straßenbahn öfter fährt und ein Fahrschein Zwanzichfennich kostet, daß der öffentliche Personennahverkehr nicht ausgedünnt und verteuert wird, sondern ausgebaut und verbilligt, daß in den Schulen mehr Lehrer kleinere Klassen unterrichten, daß der Anschaffungsetat der Stadtbibliothek nicht gestrichen, sondern erhöht wird, daß die Kommunen keine Defizite haben, sondern Überschüsse, die zur Verbesserung der Lebensqualität verwendet werden, daß Jugendeinrichtungen nicht geschlossen, sondern neue eröffnet werden und so weiter und so weiter. Und das Hallenbad in Wanheim soll nicht nur nicht geschlossen werden, sondern das Stadtbad in Hochfeld auf der Heerstraße, das vor Jahren abgerissen wurde, soll an derselben Stelle wieder aufgebaut werden, und zwar genauso, wie es damals ausgesehen hat.

Die Farbe des Geldes (3)

geldschein4Über das Geld haben wir oft nachgedacht, meistens darüber, wie man an Geld kommt.
Obelix hatte eine Idee.
Nein, ich spreche nicht von der Comic-Figur, sondern ich meine den Ripperger.
Der Ripperger hatte die Idee, auf der Königstraße einen Maggi-Ausschank zu eröffnen.
Viele Leute, die in der Innenstadt arbeiten, meinte er, essen mittags in der Kantine. Da kann es passieren, daß der Suppe die Würze fehlt. Da könnten die Leute doch mit dem Teller zu ihm kommen und sich für fünf Pfennig einen Spritzer Maggi in die Suppe tun lassen.
Um mehr Profit zu machen, überlegte er, könnte man den Maggi-Ausschank mit einem Umrühr-Service verbinden. Wenn jemand im Café Ernst (oder Kolkmann oder Dobbelstein oder Heinemann) eine Tasse Kaffee bestellt hat, sich Milch und Zucker reintut und dann merkt, daß die Kellnerin vergessen hat, einen Kaffeelöffel dazuzulegen, dann kann er mit der Tasse kommen und sich den Kaffee umrühren lassen.
Ich habe dem Ripperger von seinem Vorhaben nicht abgeraten. Denn ich dachte: Der macht das ja sowieso nicht.

Die Farbe des Geldes (2)

geldschein3Im Eschhaus verkehrte zeitweise eine Clique aus Kaßlerfeld, lauter so finster dreinblickende „Kerle“, die schon mal wegen Sachbeschädigung, Diebstahl oder Schlägerei mit besoffenem Kopp vorbestraft waren (mit irgendetwas muß man sich ja unter Beweis stellen).
Die schöne Claudia (mehr demnächst) hatte das zweifelhafte Vergnügen, daß einer aus der Clique sich an sie ranzumachen versuchte. Sie berichtete mir sichtlich enerviert davon: „Das ist ja wirklich furchtbar, womit der mir zu imponieren versucht! Da sagt der doch zu mir: ‚Wenn einer wat von dir will, äh, dann sach mir bescheid, dann hau ich dem vor die Schnauze.‘ Ist ja ekelhaft! Schnauze! Schnauze! Dauernd: Schnauze!“

Claudia

Claudia

ClaudiaH3In der Kerle-Clique war auch einer, der sich von den anderen unterschied. Das war ein schmächtiges Kerlchen, mager, kleinwüchsig, nicht gerade besonders helle (um nicht zu sagen: ziemlich trüb). Der war auch behindert, litt anscheinend unter Muskelschwund und konnte nicht richtig gehen. Die hielten sich den als so ‘ne Art Dorftrottel: Die hielten den alle für bekoppt, aber kein Fremder durfte dem was tun. Ich nenne ihn mal Peko (denn so hieß er).
Eines Tages war Peko 18 Jahre alt geworden. Und ihm wurde ein großer Geldbetrag ausgezahlt. Vielleicht eine Erbschaft. Es wurde auch gesagt, ihm sei bei Erreichen der Volljährigkeit die gesamte Waisenrente nachgezahlt worden. Die Rede war von mehr als 20.000 Mark. Dafür konnte man sich damals (70er Jahre) viel kaufen.
Was macht ein als Dorftrottel Gehaltener, der im Elend lebt und keinerlei Aussichten hat, mit 20.000 Mark? Zusammenhalten? Sparsam damit umgehen, um so lange wie möglich wenigstens das Allernotwendigste für sich zu sichern? Das hat er natürlich nicht getan. Er hat Runden geschmissen, eine nach der anderen; er hat die ganze Clique (und alle möglichen anderen Leute, die das Geld gerochen hatten) ausgehalten. Nach vier Tagen war das Geld weg. Aber vier Tage lang haben alle ihn hochleben lassen. Als das Geld weg war, wollten die anderen nichts mehr von ihm wissen. Da war er auch nicht mehr das Maskottchen der Clique, sondern ein Niemand, den nie jemand gekannt hatte. Als er kein Geld hatte, war er der bemitleidete Trottel. Als er kein Geld mehr hatte, war er nur noch der Trottel, der „Schizo“, der Schwächling, der Krüppel, mit dem man nichts zu tun haben wollte.
Einige Leute haben sich darüber unterhalten, was sie mit dem Geld angefangen hätten. Da wurde ich Zeuge, wie Menschen, die eine dezidiert-ablehnende Haltung zur Gesellschaftsordnung hatten und vor Utopien sich nicht scheuten, in Gelddingen eine sehr nüchterne Einstellung hatten. Das fand ich gut.
Mit Geld kann man was machen. Man kann sich einige Probleme vom Hals schaffen. Wer Ideen hat, nutzt die Gunst, sie in die Tat umzusetzen.
Wenn man keine Idee hat, reicht es einem, vier Tage lang der dicke Wilhelm zu sein.
Mit einem Kriminalbeamten hatte ich es im Eschhaus auch mal zu tun. Da war nämlich eingebrochen worden. Die Einbrecher hatten das Brecheisen einfach liegenlassen. Sie hatten nur Geld geklaut, zum Beispiel die Wechselkasse aus dem Buchladen. Der Kriminalbeamte beguckte sich das Brecheisen sehr genau. Fingerabdrücke interessierten ihn gar nicht („Brauch ich nicht“). Er studierte nur die Methode der Einbrecher und wußte sofort, daß das die Typen gewesen sein mußten, die eine Viertelstunde nach dem Einbruch nachts um vier palavernd auf dem Sonnenwall geschnappt worden waren. So kriegte ich meine 80 Mark zurück.
Der Kriminalbeamte sagte: „Wenn was gestohlen wurde, muß man nur darauf achten, wer sich auffällig benimmt und plötzlich mit Geld um sich wirft.“
Es ist doch seltsam: Diese Leute haben nie Geld, nehmen werweißwas für ein Risiko auf sich, um zu Geld zu kommen, und geben sich dann größte Mühe, möglichst schnell wieder kein Geld zu haben.

Die Farbe des Geldes (1)

geldschein2In der wohl flachsten TV-Talkshow mit politischem Anhauch („Menschen bei Maischberger“) wurde geredet über Reichtum.
Da war ein Ehepaar, das mit irgendeinem Mode-Trallala viel Geld gemacht und sich dann frühzeitig zur Ruhe gesetzt hatte, um fortan ihren Reichtum zu genießen bzw. das, was sie für Reichtum halten, nämlich ihre Kröten, die für sie die Maßeinheit für Luxus ist.
Nun gut, Luxus sei jedem gegönnt, der sich was draus macht (für mich wär‘ das nix). Und es ist mir auch egal, wie viele Milliönchen die mit sich herumschleppen. Klarzustellen wäre allerdings, daß man ein Vermögen von zwei oder drei oder zehn oder fünfzig Millionen keineswegs als „Reichtum“ bezeichnen kann. Über die Dimensionen von Reichtum herrschen sehr unzutreffende Vorstellungen. Der Normalverdiener glaubt, Reichtum daran zu erkennen, daß jemand in einer Villa wohnt und vielleicht noch ein paar Appartements in den diversen Schickeria-Residenzen besitzt, über einen Fuhrpark teurer Karossen verfügt und sich die Zigarren mit Geldscheinen anzündet. Das ist Luxus, aber kein Reichtum.
Bernt Engelmann hat vor Jahrzehnten die Dimensionen von Vermögen und Reichtum anschaulich gemacht (Das ABC des Großen Geldes). Er teilte die Vermögen in vier Kategorien ein:
Kategorie 1: normale Multimillionäre.
Kategorie 2: mit solchem Vermögen können politische Entscheidungen beeinflußt oder verhindert werden.
Kategorie 3: überfordert jedes Vorstellungsvermögen.
Kategorie 4: sehr reiche Leute.
Man müßte, so Engelmann, ein Vermögen, also nicht nur Geldvermögen in Bargeld und Guthaben, sondern auch Immobilien, Unternehmensanteile, Versicherungspolicen, Wertpapiere, Sachwerte etc. in Hundertmarkscheine umrechnen und diese aufeinanderstapeln.
Mit Hunderteuroscheinen geht das genauso: Zehn Hunderteuroscheine ergeben einen Stapel von einem Millimeter. Ein Millimeter sind tausend Euro. Wer gut was auf die Seite gelegt hat und sich wenig Sorgen zu machen braucht, hat dann vielleicht einen Stapel von zwei oder drei oder zehn Zentimeter vor sich liegen. Eine Million ergibt einen Geldscheinstapel von einem Meter, und wer zwei bis drei Millionen besitzt, dessen Stapel reicht bis zur Zimmerdecke. Mit sechs bis acht Millonen reicht der Stapel bis zum Dachfirst. Wer 20 Millionen hat, hat einen Stapel von der Höhe eines achtgeschossigen Hochhauses. Wer 150 Millionen hat, hat einen Stapel von der Höhe es Kölner Doms, und wer 300 Millionen hat, hat einen Stapel von der Höhe des Eiffelturms.
Es gibt allerdings auch Vermögen in privaten Händen, das würde in Hunderteuroscheinen aufeinandergestapelt die Höhe es Mount Everest erreichen (knapp 9 Milliarden Euro). Der reichte Mann der Welt könnte sein Vermögen bis in die Stratosphäre stapeln. Aus solcher Höhe ist der Unterschied zwischen dem Kölner Dom und einer Streichholzschachtel nicht mehr wahrnehmbar.
Oder stellen Sie sich vor, man würde die Vermögensverhältnisse in Deutschland in einer Skala von einem Meter Breite darstellen, reichend vom Habenichts bei Null und dem größten Vermögen in Deutschland (schätzen wir es auf zehn Milliarden) bei einem Meter. Wenn zehn Milliarden ein Meter sind, dann sind 10 Zentimeter eine Milliarde. Ein Zentimeter sind 100 Millionen. Ein Millimeter sind 10 Millionen. Und eine Million wäre ein Zehntel Millimeter. So spitze Bleistifte gibt es nicht, um das Vermögen eines einfachen Millionärs in eine Skala von einem Meter einzeichnen zu können. Der Millionär befindet sich nicht am oberen, sondern am untersten Ende der Vermögensskala. Der Millionär ist nicht viel reicher als der, der gar nichts hat.
Wenn man sich über die Proportionen von Reichtum Klarheit verschafft, erkennt man auch die Gefahr des Reichtums: Reichtum äußert sich nicht in Luxus, sondern in Macht.
Die Reichen um ihren Luxus zu beneiden oder ihr luxuriöses Lotterleben, das sie angeblich führen, zu kritisieren, ist töricht. Das ist bloßer Moralismus und in der Konsequenz reaktionär. Ach, würden die Reichen doch nur in Luxus schwelgen – dann hätte man von ihnen nichts zu befürchten. Wer vom Leben mehr erwartet als Sinnlosigkeit, hätte niemanden um seinen banalen Luxus zu beneiden, wohl aber die Macht zu fürchten.
Man hört auch immer wieder die Geschichte von dem Mann, der von drei Milliarden zwei verloren hat und nun ganz unglücklich darüber ist, daß er nur noch eine Milliarde hat. Man kann ihn gar nicht verstehen. Doch wer zwei Milliarden verloren hat, wird die dritte auch nicht mehr lange behalten. Jede größere Verschiebung in der Vermögensstruktur einer Nationalökonomie hat zwangsläufig Verwerfungen zur Folge, die in das Leben jedes Einzelnen verheerender eingreifen als es eine Entscheidung einer noch so dilettantischen Regierung vermöchte, und kann ganze gesellschaftliche Gruppen deklassieren.
Ein anderes Wort für Vermögen lautet: Kapital. Kapital kann nur existieren, indem es sich vermehrt. Kapitalismus kann nur existieren, indem er die Grundlagen seiner Existenz fortwährend vernichtet.