Noch mehr aktive Passivität

Ich wollte sagen: immer mehr fatale Dekoration beziehungsweise phantastische Aktivität (läßt sich beliebig bis nach Manchester knüpfen).

E.B. fotografiert von H.L. im Büro

Die Büro-Vorsteherin (vormals übrigens zeitweise Mitglied der Emma-Redaktion) war so frei. Als ich ihr mein Bild von ihr zeigte, war ihr Kommentar: „Ein Po, auf den man gerne draufhaut.“

Auch als Situationspostkarte Nr. 110 ventilierbar.

Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern


Das Bild „Hylas und die Nymphen“ (1896) von John William Waterhouse (1849-1917) hängt nicht mehr in der Manchester Art Gallery. Es wurde zwar noch nicht verbrannt (so weit, immerhin, sind wir jetzt noch nicht), aber dem öffentlichen Anblick entzogen.. Die Kunstpostkarten mit der Abbildung wurden aus dem Museums-Laden ebenfalls entfernt.
Warum? Warum wohl.
Es handle sich um eine „erotische Phantasie“ aus der „victorianischen Zeit“, in der der „weibliche Körper“ als „passiv-dekorativ“ oder als „femme fatale“ dargestellt werde.
Weder aus dem Bild selbst, noch aus der griechischen Argonauten-Sage, die in diesem Bild aufgegriffen wird, ergibt sich „passive“ Dargestelltheit. Aber weibliche Nacktheit läßt die Saubermänner und Sauberfrauen der bigotten Sittlichkeit eingehämmerte Klischees runterrasseln.
„Femme fatale“ (präziser: „femmes fatales“) würde dem Thema des Bildes mehr entsprechen. Es ist zwar schon vorgekommen, daß die Begegnung mit einer Frau (oder mehreren) fatale Folgen nach sich zog. Aber es darf nicht geduldet werden, daß soetwas schon mal vorgekommen ist. Daß die Frau einen erfreulichen Anblick bietet, darf erst recht nicht wahr sein.
Woher kommt diese erneute Stimmung im Westen?
Sie wollen uns weismachen, daß sie gegen den „Sexismus“ vorgehen. Aber sie meinen den Sex, besonders in seiner schlimmsten, unberechenbarsten, teuflischsten Form, der erotischen Phantasie.
Phantasie ist des Teufels. Phantasie ist Anarchie. Phantasie ist der Untergang ihres ganz speziellen Abendlandes. Wo die Phantasie zugrunde geht, wird die Frau in der Wächtersprache zum „weiblichen Körper“ reduziert.
Natürlich handeln die Aufpasser (nebst -*_Innen) auf der Schleimspur des Vulgär-Feminismus nicht aus Überzeugung (das ist sowieso keine Überzeugung, das ist Saublödheit), sondern aus vorauseilendem Gehorsam, damit sie mit dabei sein dürfen, wenn mit dem Finger auf andere gezeigt wird.
Was nützt das den Frauen, die mit ihrem Leiden unter sexualisierter Demütigung sich an die Öffentlichkeit wandten? Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern.

Daß das Bild des Malers, dessen Verbrechen es war, an die Phantasie zu appellieren, nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, dafür habe ich gesorgt in diesem Weblog.
Fortsetzung (contraire) Montag.

Bild (C) wikimedia commons

Foucault läßt uns denken

Foucault gibt uns zu denken.

Ein (zumindest mir) unbekannter Künstler nutzte einen Verteilerkasten auf der Friedrich-Wilhelm-Straße (vor dem Lehmbruck-Museum), um die Aufmerksamkeit auf den französischen Philosophen zu lenken.
Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, was der Künstler mit seiner Collage mitteilen wollte: daß er den Foucault nicht verstanden hat?
Das ist übrigens nicht die einzige Mitteilung zu diesem Thema an öffentlichen Duisburg-Flächen. Gucken Sie mal hier.

In der vornehmen Privat-Etagere darf nur mit gedämpfter Stimme gesprochen werden

Was lese ich da in der Zeitung? Das Millowitsch-Theater wird geschlossen?
Uns bleiben die Erinnerungen:

Fällt jemand zu diesem Werk der Kunst eine (un-)passende Geschichte ein? Dann bitte die Antwort/Kommentar-Taste anklicken und es mich wissen lassen.
Wer dieses Bild nicht erklären kann, kann es sich erklären lassen, nämlich HIER KLICKEN.
Kunst-Geschichte ohne Millowitsch? Da mach ich nicht mit.

Weihnachts-Botschaften

Soll heißen: ich nehme diplomatische Immunität in Anspruch.
Weihnachten ist ja bekanntlich die Gelegenheit für Erinnerungen, Rückblicke und Wiederholungen. Ist es nicht so? Glauben Sie es mir einfach.
Während ich mir ein paar Tage Privatissimum gönne, mache ich es Ihnen möglich, die Universalität zu wiederholen, und zwar durch diese Verlinkungen:
24. Dezember 2012
24. Dezember 2013
24. Dezember 2014
24. Dezember 2015
24. Dezember 2016

Wie sagte schon Karl Valentin:
WENN DIE STILLEN TAGE VORBEI SIND,
DANN WIRD ES AUCH WIEDER RUHIGER.

Fangt mal wieder mit Postkarten an

Liebe Leute, werdet subversiv. Gerade das sich seinem Ende hinneigende Jahr bietet dazu eine ganz spezielle Gelegenheit:
Verschickt doch mal wieder Postkarten, oder fangt damit an.
Postkarten sind (und waren schon immer) ein subversives Medium. Formaler Stringenz (nur Hoch- und Querformat in Din A-6) steht eine schier unermeßliche inhaltliche Unermeßlichkeit gegenüber. Mithilfe der größten von Menschenhand geschaffenen Organisation (Weltpostverein) hat der Mensch sich die Möglichkeit geschaffen, den Weltkreis mit materieller Zirkulation auszufüllen (und nicht bloß mit irgendwelchen Virtualitäten). Betrachtet Postkarten, und ihr erfahrt: Es gibt sie, die Realität, die man nicht einfach wegklicken kann. Hier rede ich, und wenn du nicht zuhörst, bin ich trotzdem vorhanden.
Postkarten sammeln ist gut. Postkarten verschicken ist noch besser (ich erkläre gern, wie man das macht).
Die kulturbolschewistischen Situationspostkarten (Postkartenserie der Situationspresse) eignen sich trefflich als Neujahrskarten und Weihnachtskarten (im Fall von Materialismus: Jahresendkarten), gerade, weil man sich solche eigentlich anders vorstellt. Sie werden seit 1974 produziert, und es hört nicht auf.
Hier eine Auswahl: Karten nach Aquarellen von Magda Gorny, Fotos von Heinrich Hafenstaedter und anderen Fototätern, Ab-, Aus- und Einfälle bei der METZGER-Produktion, et cetera.

Wer unsere Postkarten kauft, hilft uns, eine gute Zeitung drucken zu können und eine leistungsfähige Buchhandlung zu betreiben.

Ein Verzeichnis der lieferbaren Situationspostkarten findet man auf der Homepage der Buchhandlung Weltbühne (Mindestbestellwert 2 €).

Strick-Graffiti

Begrifflichkeiten der Kunst(-geschichte): Strick-Graffiti.
Alle paar Jahre wird ein Strick-Graffito an der Tür befestigt, jetzt also das zweite. Das geschieht in einem Tempo, daß man nicht befürchten muß, daß einem bald die Sicht vollends versperrt sein wird. Das ist eine langsame Kunst, und die Langsamkeit – so viel ist inzwischen klar – ist in Zeiten kommerziell genutzter Idiotisierung ein Akt der Selbstverteidigung.
Hier hat eine Cineastin eine Spur gelegt. Aus winzigen aufgenähten Buchstabenklötzkes ergibt sich die Parole „Some like it hot“. Eine bestrickende Woll-Hommage bzw. gewollte Strick-Hommage an Marilyn Monroe!

Siehe auch hier!

Graffiti

Begrifflichkeiten der Kunst(-geschichte): Graffiti.

Graffiti – von art brut und – in diesem Fall zumindest – von Lettrismus nicht ganz abgetrennt. Auch das Konzept der Sozialen Plastik (kommen wir auch noch zu) hat Pate gestanden bei der Entstehung dieses Werks der Kunst (die Schwerkraft entwickelt das Bild weiter, in Gestalt all dieser hübschen ein-Stück-runterrinnender Farbtropfen). Das Bild veranschaulicht zudem die Geringaussicht des Vorhabens, das Privatgrundstück gegen Widerrechtlichkeit mittels Schild und Abschleppandrohung zu schützen
Der Autofahrer, Zworadfahrer oder Fußgänger, der hier entlanggeht/fährt (Sternbuschweg Richtung Mülleimerstraße) hält inne und sagt: „Was ist das denn? Das muß ich mir ansehen!“ In den nächsten 30 Minuten bemüht er sich, die Botschaft zu verstehen.
Die Kunst vollendet sich in der Vergeblichkeit dieses Bemühens.


So kann man’s auch sehen.

Fassaden-Guerilla

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Fassaden-Guerilla.

Durch diese Monumental-Reklame wurde das Haus auf dem Sternbuschweg (Ecke Karl-Lehr-Straße) geradezu verschandelt. Das ist doch nicht mehr schön. Das muß doch nicht sein. Der Anblick hat mich bei jeder Sternbuschweg-Passage Richtung Grunewald geärgert.
Darum bin ich eben mal hingegangen und habe die Fassade gestrichen.

Das hat nur ein paar Sekunden gedauert. Und jetzt sieht es doch viel besser aus.
Was sagen Sie dazu?

Christo was here

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Christo was here

Was viele gar nicht wissen: Daß der Einpacker Christo neben seinen spektakulären Aktionen (Reichstag) auch Verhüllungen im normalen Alltagsgeschäft vornimmt, zum Beispiel im Falle ordinärer Fassadenanstriche, wie hier letztens auf dem Sternbuschweg.
Der Mann muß schließlich auch sehen, wie er zurechtkommt.

Infomativer Bildbericht vom Ruhrorter Kunstmarkt, unsere Präsenz betreffend

Der Ruhrorter Kunstmarkt war wieder rotgestreift.
Die Zeichenfolge EHN ist Bestandteil der Mitteilung „Buchhandlung Weltbuehne“ auf dem Transparent im Rücken.
Da wußte jeder gleich: Unfug, Unzucht, Umsturz.
Kommerzieller Erfolg beim Publikum: Ging so.
Hyperkommerzieller Erfolg: Viel „Aha!“.

„Wat machen w’r nu?“ scheint dieses Bild zu sagen. Nu machen w’r Abbau.
Beide Bilder entstanden circa 4 Minüten vor Ende der Veranstaltung.
Bilder: (C) Merkfoto.