Wer die Wahl hat, hat das Plakat

Ich wüßte einen netten Slogan:

The sky is blue,
Sahra Wagenknecht wähle du!

Wie man mit dem Namen Sören bei der SPD Karriere machen kann! Zu den Grünen in der Anfangsphase würde sowas passen. Sören klingt doch irgendwie so wie Holger oder Torsten oder Pfosten, irgendwie nach Ikea. Sozialdemokraten müßten sozialdemokratische Namen haben, so wie Heinz oder Franz oder Kurt oder Jupp oder Kalleinz.

Was will der Politiker damit sagen? Rechnen kann er auch nicht.

Was soll diese Aussage aussagen?
Politik für Arbeiter*innen will man, Milliardäre will man nicht? Oder wollte man sagen: Politik für Arbeiter*innen statt für Milliardäre?
Aber wieso nur für die Arbeiter*innen? Was ist mit den Arbeitern*außen?
Briefträger, Müllmänner und Serviererinnen der Gartenlokale aller Länder, vereinigt euch!

Was soll denn mit diesem Slogan und dem Steckbrief-Foto gemeint sein? Daß die Ganoven sich jetzt um die Sicherheit kümmern? Zu „FDP regiert“ würde das passen.

Jahrgang 1965, und dann will der schon mitreden? 1965 konnte ich schon Latein, und der konnte noch gar nichts.
Die ersten vier Jahre meines Lebens verbrachte ich auf der Großenbaumer Allee (in Buchholz). Zwei Häuser weiter wohnten Mahlberg. Der Herr Mahlberg hatte ein Motorrad, da durfte ich mal mitfahren, über den Hof ein paar Runden, so ’ne Art privates Hinterhof-Karusell, nur für mich. Als der CDU-Mahlberg geboren wurde, wohnten wir schon 12 Jahre nicht mehr auf der Großenbaumer Allee. Ich habe also nichts damit zu tun!

Jaja, das Original: die Dekapée. Die wähle ich.

Ich bin da sogar Mitglied. Wußten Sie das?

Das erinnert mich an den Film „Sein oder nicht sein“.
S C H U L Z !

Widsorknoten ist wieder in?
Wir hatten einen Bundeskanzler namens Schmidt. Warum also nicht Schulz? Meyer und Müller kommen dann irgendwann auch mal dran.

Da ist die ja schon wieder! Und da hinten nochmal!

Der Kessel des Monats – Genius loci


Ein Kessel schmückt die Lotharstraße an einem Tag letztens, von dem ich nicht wußte, ob ich den als etwas regnerischen Frühlingstag oder als einen etwas regnerischen Tag im Herbst genießen sollte.
Davon mal abgesehen: Es ist doch seltsam – gleichwohl erfreulich, daß die Häuser auf der Lotharstraße alle recht gut aussehen, gleich welcher Größe und Höhe, welcher Epoche, welchen Baustils. Das fügt sich alles zu einem erfreulichen Bild. Genius loci. Da macht auch so ein Kessel keinen ästhetischen Bruch.
Anklicken zum Vergrößern.
Sprich: loki. Nicht: lozi. Ist Latein.
Nein, der Mann mit dem Regenschirm ist kein schlechter Mensch.

Noch so einer

Von dem Kandidaten Donald Trump sind Tondokumente bekanntgegeben worden, in denen zu hören ist, wie er in besonders selbstgefälliger und besonders vulgärer Weise über Frauen geredet hat. So hat er zum Beispiel gesagt, wenn man ein „Star“ ist, dann könne man den Frauen zwischen die Beine greifen.
Dadurch, so hört man, ist die Wahl entschieden. Die Kommentatoren sind sich einig: Trump hat sich durch seine Äußerungen selbst aus dem Rennen geworfen.

Ja?
Das wollen wir doch erstmal sehen.

Trump poltert ordinär daher.
Das ist ja das Neueste vom Neuen.
Ja, wenn man das gewußt hätte …

Die Kommentatoren kommentieren viel zu logisch. Wenn der Unterschied von Macht und der Unterschied von Vermögen das Zusammenleben der Menschen prägt, sind Logik und Rationalität (und Anstand) nicht in vollem Maße präsent. Logik, Rationalität und Anstand weichen der Bereitschaft, sich zu erniedrigen.
Donald Trump weiß diesen Umstand zu nutzen und appelliert nicht an die Logik, nicht an die Vernunft und schon gar nicht an den Anstand, sondern an Instinkte.
Vielleicht kennt er sich gar nicht so schlecht aus mit der Triebstruktur christlich-verklemmter Weiber, die dem alles nachsehen, der ihnen als „Milliardär“ vorgestellt wird. Selbst wenn das nur eine von tausend wäre, würde ihm das auf einen Streich weitere 45.000 Wählerinnenstimmen bringen. Daß dem Ochsen erlaubt ist, was der Jupiter sich nie erlauben würde (oder so ähnlich), haben wir schon in der Schule gelernt (als Weisheits-Sentenz humanistischer Bildung).
Die Wut-Bürger und Frust-Bürger (hierzlande gern „besorgte Bürger“ genannt) können wutfrusten und frustwüten: „Da kannze mal wieder sehen, wie die intellellen Gutmenschen den armen Jung fertigmachen! Bloß weil dat einer von unz is!“

Vielleicht beklagt als nächstes Henryk M-punkt Broder in der Welt am Sonntag, daß die jüdisch-bolschewistischen Antisemiten dem Volk den Mund verbieten wollen.

Elefantös!

SimbaDaß die Fortsetzung folgt, versprach ich am 5. September.
Denn kurz zuvor, am Samstag, 1. August 2015, bin ich in den Zoo gegangen (zum ersten Mal wieder seit über 15 Jahren). Mit der Reportage habe ich erstmal gewartet, denn ich kann mir vorstellen, daß Ihnen jetzt im Februar ein sommerlicher Bericht gefällt.
zoo15-25Vom Zoo wohne ich nur ein paar Minuten entfernt.
Vor ein paar Jahren entnahm ich dem Aushang, daß eine gewöhnliche Eintrittskarte 10 Euro kostete. Rentner bezahlten zwei Euro weniger. Na gut, dachte ich: Sobald ich im Besitz eines Rentnerausweises bin, gehe ich in den Zoo, um zwei Euro zu sparen.
Jetzt habe ich 14 statt 16 Euro bezahlt. Hab ich jetzt überhaupt etwas gespart?

zoo15-01zoo15-02zoo15-03In den 15 Jahren meiner Zoo-Besuch-Abstinenz hat sich dieser Zoo sehr verändert. Das „Affenhaus“, das 1962 gebaute „Äquatorium“ galt damals als das größte und modernste Gehege für Affen und andere Bewohner der Äquatorregion, mit ungewöhnlich weitläufigen Außengehegen (siehe unten). Doch es ist schon geplant, es durch ein neueres zu ersetzen.

zoo15-04zoo15-05Über die Bedrohung der Tierwelt wird im Zoo heute mehr denn je informiert.

zoo15-06Einst ein Relikt des Kolonialismus, in dem Tiere wie Beutestücke vorgeführt wurden, hat der moderne Zoo seinen Charakter geändert.

zoo15-07Der Chinesische Garten, 1988 zur Feier der Städtepartnerschaft mit Wuhan von chinesischen Facharbeitern mit aus China mitgebrachten Materialien angelegt.

zoo15-08zoo15-09Die Gehege sind beträchtlich vergrößert worden, so daß für viele Tierarten kein Platz mehr ist: Keine Eisbären, keine Wildschweine, Keine Krokodile, keine Dachse, keine Waschbären, keine Leoparden mehr zu sehen.
Wenn man genau hinschaut, ist da hinten irgendwo ein Bär zu sehen. Wenn man noch genauer hinschaut, sieht man einen zweiten.

zoo15-10Nasenbär!

zoo15-11Erdmännchen muß ein Zoo heutzutage schon bringen – und entsprechend Erde bereitstellen.

zoo15-12Zebramanguste.

zoo15-13zoo15-14zoo15-15Auf Abstand gehalten. Auch Zebras sehen Menschen am liebsten von weitem.

zoo15-16Am Rand des Zoogeländes ein Kinderspielplatz.
Links im Bild: „alko“ deutet auf „Sinalco“ hin.
Ob mit dem Markennamen „Sinalco“ ausgedrückt werden sollte, daß es sich um ein Getränk ohne Alkohol handelt? Oder ist dem Erfinder des Namens ein altphilologischer Geniestreich ganz unbewußt gelungen?

zoo15-17Robben leisten in jedem Zoo ihren Beitrag zur atonalen Musikunterhaltung.

zoo15-18zoo15-19zoo15-20Tapir. 2001 Weltraum-Odyssee, Sie erinnern sich. Rechts hinten: Kamel.

zoo15-21In der Eifel gefundene verwaiste Wildkatzenkinder begründeten die Wildkatzenzucht in Duisburger Zoo. Durch die guten Zuchterfolge konnten viele Wildkatzen ausgewildert werden in Gebieten, in denen sie fast ausgestorben waren.
In dem neuen vergrößerten Gehege können sie sich wie gewohnt von Menschen fernhalten.

zoo15-22Simba (siehe erstes Bild) hat nur noch eine Gefährtin? Und die tut auch am liebsten nichts.

zoo15-23Typisch Katze! Die hat doch bestimmt schon tausende Menschen gesehen, aber guckt mich an, als wäre ich der erste.

zoo15-24Elefantös!

1. Dezember Geburtstag: 45 Jahre DER METZGER

Am 1. Dezember 1968 (Sonntag) wurde die erste Ausgabe von DER METZGER hergestellt (und somit ist das auch der Geburtstag der Situationspresse).
Ich weiß nicht mehr, wann ich mich entschlossen hatte, diese Zeitschrift zu gründen. Es war vielleicht gerade mal eine Woche vorher gewesen. (Früher, als wir noch Latein in der Schule hatten, nannte man sowas: Ad-hoc-Entscheidung). Ich zweifelte allerdings nicht daran, daß ich mit 64 Jahren immer noch mit der Herausgabe dieser Zeitschrift beschäftigt sein werde. (Früher nannte man sowas: Lebenswerk).
Die erste Ausgabe umfaßte 12 Seiten und enthielt eine Kurzgeschichte, einige Gedichte (auch welche von mir, oh je oh je!) und ein paar Buchhinweise. Die 12 Wachsmatrizen hatte ich am Samstagabend in einem Schwung auf meiner Reiseschreibmaschine getippt und die Überschriften und die eine Strichzeichnung mit einem Spezialstift in die Wachsmatrizen geritzt.
M01CoverIch begab mich am Sonntagnachmittag zu Fuß nach Hochfeld zu Siegfried Baumeister (hab ich den schon mal hier erwähnt?). Der hatte eine Vorkriegs-Hektografiermaschine mit Kurbelbetrieb. Da war ein Mädchen zu Besuch, eine dunkelhaarige Schönheit, die mir schon öfters bei Demonstrationen und Apo-Aktivitäten aufgefallen war und die ich unbedingt mal kennenlernen wollte. Und die half mir fleißig, die Blätter zu sortieren und zusammenzuheften, damit die Hefte am Montag Vormittag auwm Schullow verkauft werden konnten (Preis: 40 Fennich).
Das war der Anfang einer intensiven, lang(wierig)en, mehrmals von vorn beginnenden, höhepunktreichen und unbeschreiblich lustvollen Liebesbeziehung. Es lohnt sich also, Zeitschriften zu gründen.
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Alle half

Anne half

Mehr über die abenteuerliche Geschichte dieser verdienstvollen Zeitschrift kann man nachlesen in dem Gespräch anläßlich der hundertsten Ausgabe 2012 auf Gasolin-Connection.

Da kommt einer die Straße entlang

Der ist vielleicht 16 Jahre alt, und der hat einen viel zu kleinen Kopp. Das kommt von der Optik. Der Kopp ist von durchschnittlicher Größe, sieht aber klein aus auf dem Zweieinhalbzentnerkörper. Er geht mit Trott-Schritten. Trott trott trott, als hätte er Rückenwind oder ginge einen abschüssigen Weg hinunter und müßte sich abbremsen. Die Unförmigkeit des Körpers wird durch die Unförmigkeit seiner Kleidung optisch unterstrichen. Man sagt, daß zu große Kleidung Dickleibigkeit kaschiert. Das funktioniert aber nicht bei dieser geschmackvollen Mode von heute. Ein Über-Angepaßter.
Und er frißt. Er reißt das Maul weit auf, damit viel hineingeht. Einen Berliner Ballen schafft der pro zehn Meter Weg. Aus einer großen Papiertüte hat er gerade den letzten Berliner Ballen entnommen, aber er hat noch eine zweite Tüte dabei, der er den nächsten Berliner Ballen entnimmt, obwohl der vorige noch nicht runtergeschuckt ist. In dem Tempo hat er die Tüte schon leer, bevor er die Ecke Kammerstraße erreicht, wo er sich in der nächsten Bäckerei mit einigen Tüten voller Berliner Ballen ausstatten könnte.
Dieser Jugendliche macht nicht den Eindruck, daß ihm der Verzehr von Berliner Ballen in großer Zahl Genuß bereitet. Wie soll das auch gehen? Wäre Genuß der Antrieb, würde einer reichen. Würde man sich auf mehr als eins – sagen wir mal: zwei Stücke Süßgebäck verlegen, würde der genußorientierte Mensch verschiedene Sorten wählen, also zu dem Berliner Ballen einen Amerikaner oder eine Schnecke. Variatio delectat, wie der Lateiner sagt. Wer das bedenkt, würde auch nicht aus purem Kohldampf zum Süßgebäck greifen. Wer dessen eingedenk ist, daß das Essen keine bloße Angewohnheit, noch nicht einmal eine reine Notwendigkeit ist, sondern darüber hinaus eine Beschäftigung, die Freude macht, nimmt zu einer Mahlzeit Platz und läßt sich nicht ablenken. Er konzentriert sich. Und überhaupt: Kuchen ohne Kaffee? Wohin soll das führen? Zum Süßen gehört der heiße, schwarze, ungesüßte, leicht bittere Kaffee, als Kontrast!
Ich mißtraue Menschen, die nicht genießen können.

Lateinisches Sprache schweres Sprache

„In dubio pro reo“ – das ist ein Rechtsgrundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber das ist sprachlicher Unsinn.
Ist der Zweifel eine Schachtel? Steckt man im Zweifel wie in einem Anzug? Ist man, wenn man zweifelt, im Zweifel drin? Räumlich? In der deutschen Sprache drückt man das so aus. Man ist „im“ Zweifel. Aber das ist kein Latein.
„In dubio pro reo“ ist kein lateinischer Satz, sondern ein deutscher Satz, den man Wort für Wort ins Lateinische übersetzt hat, oder: ein deutscher Satz mit lateinischen Vokabeln.
„In dubio pro reo“ ist so lateinisch wie „Equal goes it loose“ englisch ist (oder „Know you what you me can?“).
Was heißt „im Zweifel“ auf Latein? „Dubio“. Ablativ ohne Präposition.
„In dubio pro reo“ ist eine Sprachkonstruktion vergleichbar mit „Ich bin am putzen (dran)“. Oder: „Ich bin am Kartoffeln am schälen“. Das kann man sagen, denn das ist Ruhrdeutsch und klingt schön. Aber „in dubio pro reo“ darf man nicht sagen, sondern man muß „dubio pro reo“ sagen, denn so ist das richtig.
„In vino veritas“ darf man allerdings sagen, denn die Wahrheit ist tatsächlich in dem Wein.