Zur Lage. Vier Thesen.

1. Die Streitkräfte der USA haben Syrien angegriffen. Dieser Raketenangriff ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht.
Begründet wird der Überfall damit, daß in es im Bürgerkrieg in Syrien einen Zwischenfall mit chemischen Kampfstoffen gab. Daß die dem Assad-Regime unterstehende syrische Armee Giftgas eingesetzt hat, ist nicht auszuschließen. Daß andere Beteiligte des Syrienkonflikts Giftgas eingesetzt haben könnten, ist ebenfalls nicht auszuschließen. Jeder Kriegspartei ist jede Grauenhaftigkeit zuzutrauen. Konflikte, die sich der Kategorie „Gut wehrt sich gegen Böse, Gerecht gegen Ungerecht, Emanzipation gegen Unterdrückung, Fortschritt gegen Reaktion“ (wie: Vietcong gegen US-Imperialismus, ANC gegen Apartheid, Frelimo gegen Kolonialmacht, Che gegen CIA) zuordnen lassen, finden in der gegenwärtigen zeitgeschichtlichen Epoche nicht statt.

2. Ohne hinzusehen, ohne für Fakten überhaupt empfänglich zu sein, hat der Präsident der USA Donald Trump das Assad-Regime als Urheber eines Giftgaseinsatzes „erkannt“. Denn diese (durchaus nicht unmögliche, aber auch nicht einzig mögliche) Version kommt ihm gelegen. „Das Entlarven richtet sich nach Angebot und Bedarfen.“ (Volker Seyfried).
Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Gabriel finden die Handlungsweise des US-Präsidenten „nachvollziehbar“. Nachvollziehbar ist solch eine Aggressionshandlung für Leute, für die das Völkerrecht sowieso nicht das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht. So reagieren Politiker der Bundesregierung auf die Demütigungen, die ihnen das Großmaul in Washington täglich zumutet. Hündische Unterwürfigkeit vor dem Großen Bruder haben die intus, daran wird sich so schnell nichts ändern.

3. Der Präsident der USA, so wird kolportiert, soll darüber, daß Zivilisten, auch und gerade Kinder durch Giftgas grausam ihr Leben verloren, zutiefst erschüttert gewesen sein. Wer das Zeitgeschehen der letzten Monate beobachtet hat, kann kaum glauben, daß der Präsident der USA überhaupt für irgendjemanden (außer für sich selbst) Mitgefühl empfindet. Darum dürfte es ihn auch nicht stören, daß durch seinen Vergeltungsschlag Zivilisten, auch Kinder, getötet wurden.
Sollte man den Präsidenten der USA darauf aufmerksam machen wollen, daß durch seine Vorgehensweise das Verhältnis zu Rußland auf gefährliche Weise verschärft wird, wird er antworten, daß es darum noch mehr verschärft werden muß.
Die USA-Regierung hat es gerade nötig, über den Einsatz chemischer Kampfstoffe Krokodilstränen zu verschütten. Wie war das denn in Vietnam?

4. Die Aggression der US-Streitkräfte ist innenpolitisch motiviert. Ein schwacher Präsident brauchte einen Erfolg (besser gesagt: einen Knalleffekt). Damit brachte er vormalige Unterstützer aus der Rapublikanischen Partei gegen sich auf. Der erzkonservative Senator Rand Paul kritisierte: Die USA seien nicht angegriffen worden und hätten folglich nicht militärisch reagieren dürfen. In der Tat ist dieser „Antiinterventionalismus“ eine gewichtige Traditionslinie in der US-Politik. Trump holte sich aus ihren Reihen Unterstützung im Wahlkampf. Jetzt stellt sich heraus, was davon übrigbleibt: Daß die US-Außenpolitik sich lediglich aus Bündnisvereinbarungen herauslöst. Für jemanden wie Paul ist Antiinterventionalismus ein dezidiertes politisches Prinzip, für jemanden wie Trump bloß ein Werbegeschenk.
Es wäre fatal, wenn die Friedensbewegung, hier ohnehin für Querfront anfällig, erzkonservative Ultranationalisten aus der T-Party-Bewegung als Kronzeugen zitiert.
Die einzige Konstante in Trumps Politik ist die Unberechenbarkeit. Das verstört zwar ein paar erzkonservative Senatoren, seine Fangemeinde stört es nicht. Wenn Trump heute hü sagt und morgen hott, jubeln sie ihm in jedem Fall zu.
Für den Frieden in der Welt ist das eine gefährliche Lage.

Ostermarsch Ruhr 2017

Der Ostermarsch Ruhr 2017 in Daten, Fakten und Terminen:
Es wird also zum Schluß darauf verwiesen, daß der komplette Aufruf auf der Internetseite gelesen werden kann.

Dort ist zum Beispiel zu lesen:
„Verhandeln statt Schießen: Jede Minute Waffenstillstand rettet Leben: in Syrien, im Irak, in Mali und anderswo. Es muss mit allen Konfliktparteien, auch dem IS verhandelt werden.“
Verhandeln mit dem IS! Diese Schnapsidee wurde vor etwa einem Jahr von dem Exponenz-Pazifisten Thomas Carl Schwoerer (vom Bundesvorstand der DFG-VK) in Buchform ventiliert (Untertitel: Neue Lösungen für Syrien und den Terrorismus).
Schwoerers Buch mit dem – ernstgemeinten – Vorschlag, mit dem IS zu verhandeln, wurde in der Zivilcourage (Verbandszeitschrift der DFG-VK) wohlwollend besprochen.

Ich schrieb darauf einen Leserbrief (Auszug):
Unterdessen will Thomas Carl Schwoerer nur mal kurz die Welt retten. Mit IS sollte verhandelt werden, schlägt er vor. Begründung, kurz gefaßt: Verhandeln ist besser als nicht verhandeln. Dabei offenbart er mangelnden Überblick über Fakten und Zusammenhänge.
Solange verhandelt wird, wird nicht geschossen, glaubt er. Auf Vietnam sind während der Pariser Friedensverhandlungen mehr Bomben abgeworfen worden als auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg.
Die Ostpolitik Willy Brandts lobt er. Es müßte aber auch eingestanden werden, daß zuvor die „Politik der Stärke“ zum Scheitern gebracht wurde. Willy Brandt hätte gar nicht „mehr Demokratie wagen“ können, wenn die Ostlandreiter weiterhin so hätten wüten können wie bis zum 13. August 1961 und wieder seit dem 9. November 1989. Das, was Schwoerer als „gewaltfreie Revolution in der DDR“ euphemisiert, hatte zur Folge, daß Deutschland nicht länger daran gehindert war, die europäische Ordnung aus eigener Kraft aus den Angeln zu heben, Belgrad zu bombardieren und in Kiew die Nachfolger der Nazi-Kollaborateure wieder für sich marschieren zu lassen.
Thomas Schwoerer ist nicht richtig informiert, wenn er meint, auch Nelson Mandela hätte zu den Politikern gehört, die „alles daransetzten, ihren Kampf gewaltfrei zu führen“. Der ANC führte einen bewaffneten Befreiungskampf. Das Apartheid-Regime bot Mandela an, ihn aus dem Gefängnmis zu lassen, wenn er den ANC zur Gewaltlosigkeit aufruft. Das hat er nicht getan. Thomas Schwoerer tut es jetzt stellvertretend für ihn.
Historisch steht Nelson Mandela neben Che Guevara, Ho Tschi-minh und Patrice Lumumba. Thomas Schwoerer stellt ihn in eine Reihe mit Lech Walesa. Warum nicht gleich mit Franz-Josef Strauß?
In der Welt, die man retten will, sollte man sich auskennen.

Mit dem IS verhandeln! Worüber? Mit welchem Angebot? Mit welchen Zugeständnissen? An welchem Ort?
Wie wäre es mit München?

Good New’s Week oder Netanjahu und Erdogan gingen übber de Rheinbrück

Jetzt hat auch der Pemiermister Tünnes Netanjahu sein Schmähgedicht gekriegt. Aber nicht von irgendeinem ARD-ZDF-Bömmelmann, sondern höchstselbst vom UN-Weltsicherheitsrat (Titel: „Resolution“).
Und der dreht auch prompt so leberwürstig-beleidigt durch, als Erdogan der zweite.

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 120.
m120
Und das steht drin:

Trump und Erdogan. (Nur) ein Witz für Doofe?

Ulrich Sander: Degussa vergoldet wieder die ganz Rechten. Während die NSDAP als Kriegstreiber für die Schwerindustrie willkommen war, so ist die AfD für bestimmte Kapitalkreise heute als „Angstmacher“ interessant.

Jakop Heinn: Das wäre doch nicht nötig gewesen. Der Nahost-Konflikt findet zwei mal statt: an seinem Schauplatz als Tragödie, und im Paralleluniversum der Deutschlinken als Farce. Der neueste Klops: Konkret druckt eine Rede von Netanjahu, eingeleitet mit einem kindischen Vorwort. Realitätsverlust.

„Reichsbürger“ nicht mehr zum Lachen.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal u.a.: Bob Dylan und die Stasi (und der Biermann guckt wieder in die Röhre); Je keiner die Ahnung desto rümpfer die Nase; „Nein, nein, das ist nicht der Feminismus“ – Und was stattdessen?; Mao: tse-tung oder Zedong?; Realitätsverlust: Eine Feministin redet über Verschleierung als Männerphantasie. (und ein Verbot kommt selten allein).

Detlef Stamm: Ein Essener in Duisburg. Eine sehr genaue Beobachtung.

Weltnachrichten: Die Breite ist tiefer geworden (Muckefuck).

Anna Driba: So lebendig baumelt man in der Schlinge. Der Seidenspinner ist auch nur ein Mensch.

Les pères de la libelle. Darin: Lothar Röse über den Kapitalismus-Astrologen Paul Mason.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: „Ich bin zu gar nichts zu gebrauchen“ und Facebook ist prüde, ergo dumm.

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Kobane im Brennpunkt

Kampf um Kobanê als Schlüsselereignis.
Im Kampf gegen die Ausbreitung des „Islamischen Staates“ (IS) hat die Region Kobanê im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien eine besondere Bedeutung erlangt. Wie verlaufen die Konfliktlinien?
Ich empfehle heute:
Layout 1Ismail Küpeli (Hg.): Kampf um Kobanê. Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens. Edition Assemblage. 168 S. 12.80 Euro
Der Verlag stellt das Buch vor:
„Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure in der einen oder anderen Weise involviert waren. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen – sowohl die Beziehungen zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale linke Auseinandersetzungen neu aufzugreifen – wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine Revolution durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorisches Projekt?“
Aus dem Inhalt:
Kurden ohne Staat; Die Rojava-Revolution zwischen kurdischer Selbstbestimmung und sozialer Utopie; Die Frauenrevolution in Rojava; Geschichte und Gegenwart der PKK; PKK: Das neue Objekt der Solidarität; Die AKP als neuer Prinz: die Hegemonie des Finanzkapitals und ihre Widersprüche; Die Opposition in Syrien: Alte und neue Akteure zwischen Revolution und Bürgerkrieg; Religiöse Minderheiten in Kurdistan; Ideologie des IS: Salafistischer Manierismus; Die Organisation „Islamischer Staat“ – von der antischiitischen Ordnungsmacht zum quasi-staatlichen Kalifat.
Bitte bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne.

Die Flüchtlinge und unsere Aktien

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) lag Deutschland am Boden, das Land war verheert, die Bevölkerung dezimiert, die Wirtschaft zerstört. Der Wiederaufbau der Wirtschaft wollte nicht in Gang kommen.
Da kam die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV von Frankreich im Jahre 1685 den deutschen Fürsten gerade recht. Mit dem Edikt von Nantes hatte Heinrich IV 1598 den Hugenottenkrieg beendet. Die Aufhebung des Edikts, das Ende des Religionsfriedens in Frankreich setzte eine neue Massenflucht in Gang. Die französischen Protestanten wurden vor die Wahl gestellt, zum katholischen Gauben überzutreten oder ihr Vermögen an den Staat abzutreten. Etwa 50.000 französische Protestanten suchten Schutz in deutschen Fürstentümern, die meisten im Kurfürstentum Brandenburg (dem späteren Königreich Preußen).
Bei der Bevölkerung waren die Flüchtlinge nicht sehr willkommen. Sie waren Reformierte Christen, ebenso wie das Herrscherhaus. Die meisten Brandenburger waren Lutheraner, die argwöhnten, die Hohenzollern würden sich reformierte Verstärkung heranschaffen. Vor allem wurden den Franzosen die großzügigen Steuerprivileien geneidet, mit denen ihnen der Start in ihrer neuen Heimat erleichtert wurde. Um diese Starthilfe zu finanzieren, wurden die Alteingesessenen mit Sondersteuern belastet.
Das Wort „Integration“ kannte man noch nicht. Die französischen Einwanderer lebten in abgetrennten Siedlungen, errichteten französische Schulen, behielten ihre Sprache und ihre Lebensgewohnheiten. Französisch war die Sprache der Höfe, der gebildeten Eliten. Die Franzosen hatten durchweg einen höheren Bildungsstand als die Urbevölkerung, viele waren Ärzte, Gelehrte oder hochqualifizierte Handwerker. Eine Angleichung an die Einheimischen hätte den Absichten nicht entsprochen, mit denen ihre Aufnahme verbunden war. Gerade das, was sie von der einheimischen Bevölkerung unterschied, machte die Flüchtlinge für das Herrscherhaus interessant. Der Anbau von Rüben und Hirse konnte gerade die Bevölkerung halbwegs gut ernähren. Wer Handwerke beherrschte, deren Produkte sich exportieren ließen, leistete einen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg.
Es ist oft genug daran erinnert worden: Seit der Römerzeit gab es permanent Zuwanderung in die mitteleuropäische Gegend, in der die deutsche Zunge klingt und aus der erst 1871 der deutsche Nationalstaat entstand. In der Regel war die Zuwanderung für dieses Land und seine Menschen ein Segen. Deutsches Ausschwärmen war in der Regel für die betroffenen Länder ein Fluch. Den „Toleranzedikten“, mit denen zum Beispiel der Alte Fritz verfügte, daß in Preußen „jeder nach seiner eigenen Façon selig werden“ könne, lagen ökonomische Erwägungen zugrunde. Das muß ihren Wert als Fortschritt gar nicht schmälern, sollte aber die Nüchternheit über die Glorifizierung setzen. Man sollte dann auch nicht vergessen, daß Deutschland im Zwanzigsten Jahrhundert Bevölkerungen eroberter Länder versklavte und Menschen zur Sklavenarbeit verschleppte.
In der jungen Bundesrepublik mit ihrem Nachkriegs-Wiederaufbauboom herrschte Arbeitskräftemangel für den Aufstieg zu einer Wirtschaftsmacht, wie es das Deutsche Reich vormals noch nicht war. Aus dem mediterranen Raum kamen die „Gastarbeiter“, was besser klingt als „Fremdarbeiter“.
Heute ist die Bundesrepublik kein Weiterlesen

Den Besen brauche ich nicht zu fressen

Den Besen brauche ich nicht zu fressen.
Was ich gehört habe in den letzten sieben Tagen:

„Wie sollen die sich denn sonst wehren, gegen Drohnen und so?“
„Die Bilderberger ziehen ihr Programm durch.“
„Der IS ist eine israelische Verschwörung.“

Das kommt zwar nicht aus der Friedensbewegung. Aber es geht in sie hinein. Wetten?

Zum Tage

1.
Zitat: „Es ist eindeutig falsch, Kräfte aus dem rechten Spektrum und eine Initiative wie Endgame in einen Topf zu werfen. Die ‚Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas‘ (abgekürzt Endgame) sind eine Initiative, die als Gegenpol zu den Demagogen von Pegida (‚Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes‘) entstanden ist und die den Blick statt auf die Pseudo-Bedrohung durch den Islam auf die reale Bedrohung durch den US-Imperialismus richtet.“

2.
Wenn Demagogen Demagogen Demagogen nennen!
Das Zitat (Verfasser: Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, zwei ausgewiesene Knallköppe beziehungsweise Stimmen aus der Friedensbewegung) fand ich auf www.nrhz.de (Online-Medium und Forum diverser Narreteien).
Ich zitierte das schon mal (in DER METZGER Nr. 114) und fügte an: „METZGER-Leser sind da besser informiert.“
METZGER-Leser wurden darüber informiert, daß „Endgame“ eine Nazi-Vorfeldorganisation ist. Diese Information würde aber auch bei zehnmaliger Wiederholung nicht bei denen ankommen, die das nicht wahrhaben wollen.

3.
Es war ein Zufall, daß ich gestern, am Nachmittag, beim Quellenstudium auf diese närrische Textstelle traf, bevor ich am Abend im Radio in einer Sportsendunmg aus Paris eine Detonation hörte.
Sie haben ja gar nicht Unrecht, wenn sie die pauschale „Bedrohung durch den Islam“ in Abrede stellen. Aber so meinen die das gar nicht. In ihrer Eindimensionalität kann es für sie außer der „Bedrohung durch den US-Imperialismus“ gar keine andere geben, auch nicht von islamistischen Terroristen. Wenn sich nicht hier und da in „linken Kreisen“ gerade jetzt klammheimliche Sympathie oder auch nur gewisses Verständnis für Mordbrenner, die sich auf den Koran berufen, erneut regt, beziehungsweise von „objektiven Bündnispartnern“ gefaselt wird (siehe DER METZGER 84 „Gegen die Objektiven“), dann fresse ich einen Besen.
Die Terror-Miliz „Islamischer Staat“ hat sich zu den Attentaten in Paris bekannt, ohne „Täterwissen“ offenbart zu haben. Das Bekennerschreiben ist ein Hinweis, nicht ein tatsächlicher Beweis der wahren Täterschaft. Wenn dieser Vorbehalt in „linken Kreisen“ beziehungsweise unter Verschwörungsparanoikern nicht als Beweis des Gegenteils gedeutet wird, fresse ich noch einen Besen.

4.
Es kann einem angst und bange werden
– angesichts eines asymmetrischen Krieges, der nicht gewonnen werden kann, angesichts von Angreifern, gegen die es keinen Schutz gibt.
– angesichts der zu erwartenden und nicht weniger gefährlichen Reaktionen aus dieser Gesellschaft. Islamistische Fanatiker und Pegida-Fanatiker glauben nur, daß sie gegeneinander stehen. Werden den Idioten, die von hier nach Syrien ziehen, um den IS zu unterstützen, antiislamische Söldner folgen?
– angesichts eines schwachen französischen Präsidenten und angesichts der Weigerung der Bundeskanzlerin, einzugestehen, daß „wir“, die Bundesrepublik und die EU, die Haupt-Fluchtursache sind.
– angesichts sich verschärfender Gefährdung des Weltfriedens. Wenn jetzt Erdogan Truppen nach Syrien schicken will und dann Soldaten einer NATO-Armee in Gefechte mit russischen Truppen geraten, dann hat das was von Weltkrieg.
– angesichts einer Friedensbewegung, deren Diskurs immer mehr von törichtem Wunschdenken und realitätsfernen Stellungnahmen geprägt wird.

Nochmal zu gestern

Mohammed Amin al-Husseini (1893-1974), der „Großmufti von Jerusalem“ war sicherlich eine der übelsten Gestalten des 20. Jahrhunderts. Um zu dieser Feststellung zu gelangen, muß man ihm nicht die Empfehlung an Hitler in den Mund legen, die Juden zu vernichten, wie Netanjahu es in plumpester Propaganda nicht zum ersten Mal tat. Netanjahu sucht nach Vorwänden, jegliche Verständigung mit den Palästinensern zu verhindern. Dazu ist ihm kein Mittel zu schäbig.
Stellt man Netanjahu richtig, entlastet das den Mufti nicht, der mit Hitler ein mehr als nur taktisches Bündnis einging. Ich unterstelle ihm, daß er Hitler auch nicht von seinen Plänen abgeraten hätte. Ein paar Wochen vor der Wannsee-Konferenz, in der die „Endlösung“ nicht beschlossen, sondern deren Durchführung in knapp anderthalb Stunden abgesprochen wurde, war der Mufti bei Hitler zu Besuch – nicht nur auf Stippvisite. Er blieb in Berlin bis zum Ende des Krieges, um dann, zuerst als Kriegsverbrecher in französischer Haft, in Ägypten Asyl zu finden.
Von Arabern, namentlich von Palästinenern, wurde er gleichwohl gefeiert, auch von denen, die als progressiv gelten. Arafat nannte ihn „unseren Helden al-Husseini“.
Gegen das Verlangen, den Helden an das Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal zu überstellen, legte sich die britische Regierung quer. Eine Anklage fand sie nicht opportun. Auch ein Auslieferungsersuchen Jugoslawiens wurde nicht erfüllt.
Daß Arafat ein Neffe des Mufti war, ist eine Propagandalüge der angeblichen „Antideutschen“.
grossmufti..

Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Ausgabe Nr. 113.
M113Und das steht drin (Überblick):

Renate König: Sogar im braven Bayern. „Besorgte Eltern“ machen sich Sorgen, weil ihre Kinder in der Schule zu viel über Sexualität erfahren (also zum Beispiel auch über Gefahren und wie man sich davor schützt). Da darf der Elsässer natürlich nicht fehlen.

Jakop Heinn: Wer war das? Farbschmierereien auf Schaufenstern von Büros der Linkspartei. Dabei sind die Parolen von Israelrettern und Antisemiten kaum voneinander zu unterscheiden.

Lieber nie als jetzt. Westeuropäische Faschisten entdecken ihr Herz für Rußland.

„Flüchtlinge aufnehmen und willkommen heißen“ sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Eine Stimme aus der VVN.

Jakop Heinn: Mahnwachen machen Wahn oder Breit sein ist alles. Der Sündenfall der guten alten deutschen Friedensbewegung: im „Friedenswinter“ ließ sie sich mit rechten Pseudo-Kriegsgegnern ein. Einige verspüren jetzt den großen Katrzenjammer, andere merken immer noch nichts.

Helmut Loeven: Ostermarsch auf Abwegen? Der Sündenfall der guten alten deutschen Friedensbewegung: In Duisburg, der Hauptstadt der politischen Verrücktheiten, wird es noch toller getrieben als sowieso. Muß man als Antimilitarist eigentlich wirklich der Friedensbewegung angehören? Oder kann man sich nicht selbständig machen?

Helmut Loeven: Haste Töne? Das Neue Deutschland rief an: Was ist da los in Duisburg? Ist das wahr, daß das Duisburger Friedensforum die Querfront-Kapelle „Bandbreite“ auftreten lassen will? Nicht zu glauben, aber: wahr.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett: Komische Häuser, komische Schilder, historische Haltestellen. Außerdem: Die Vertreibung aus dem Paradies war eine gute Idee; Genosse Stalin als der Tongtong; Blöde Lißfaßsäulenwerbung.

Helmut Loeven und Lina Ganowski: „Die vernichtende Gewalt des Redlichen“. Ein paar abweichende Bemerkungen zur Ponro-Affäre um Edathy.

Herbert Laschet-Toussaint (HEL): ISIS waren doch die Guten als sie wider Assad zogen… Ein Gedicht, das den Staatsmännern und -Frauen wahrscheinlich nicht gefällt.

Werner Muth: Europas Bande. Counter-Script zu Günter Grass: „Europas Schande“.

Max Reinhardt: Teestunde. „Wenn sie verhaftet wurden, dann muß das einen Grund haben“, sagte der Mann und wurde verhaftet.

Konrad Knurrhahn: Vorsatz und Station. Glossen.

DER METZGER Nr. 113 kann für 3 Euro in der Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226 in 47057 Duisburg) mitgenommen werden. Wer zu weit weg wohnt, kann das Heft zur portofreien Lieferung dort bestellen. Postkarte genügt.
Oder:
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Die Liste aller noch lieferbaren Ausgaben findet man unter
http://www.buchhandlung-weltbuehne.de/mindex.htm

WER ABONNIERT, HAT MEHR VOM METZGER.

Der 1. September ist Anti-Kriegs-Tag

Emblem, entworfen von Magda Gorny

Emblem, entworfen von Magda Gorny

Der 1. September ist Anti-Kriegs-Tag in Erinnerung an den 1. September 1939, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa nicht „ausbrach“, sondern durch den Angriff auf Polen durch die faschistische deutsche Wehrmacht willentlich begonnen wurde.
Daß im Bundestag eine (Schein-)Abstimmung über weitere Waffenlieferungen ausgerechnet heute auf die Tagesordnung gesetzt wurde, zeugt von der Schamlosigkeit der Regierenden.

Einladung zur Subskription: Das neue Buch von Moshe Zuckermann

Einladung zur Subskription: Das neue Buch von Moshe Zuckermann soll im Oktober erscheinen:
Moshe Zuckermann: Israels Schicksal. Wie der Zionismus seinen Untergang betreibt. Promedia Verlag Wien. Ca. 220 Seiten, ca. 17,90 Euro

zuckermann_israels_schicksal_web_375Mitteilung des Verlags:
Seine politischen Führer und Ideologen haben den Staat Israel an eine historische Weggabelung manövriert, von der nur Sackgassen auszugehen scheinen. Israel sieht sich vor eine Wahl gestellt, die ihm letztlich nur zwei Möglichkeiten offenhält: Es kann sich zur Lösung des Konflikts mit den Palästinensern für die Zwei-Staaten-Variante entscheiden, d. h. eine Friedenslösung zwischen zwei souveränen Staaten Israel und Palästina akzeptieren. Israel kann aber auch eine territoriale Teilung zwischen Israel und Palästina torpedieren. In diesem Fall muss es in Kauf nehmen, dass innerstaatlich eine binationale Struktur entsteht, die tendenziell zu jenem demographischen Zustand führt, bei dem die Juden zur Minderheit im eigenen Land werden. In einem solchen Fall könnte Israel einen Apartheid-Staat unterhalten oder einen binationalen Staat offiziell anvisieren.
Eine binationale Lösung wäre mit Entscheidungen verbunden, die den Zionismus – Israels Staatsideologie – gravierend belasten, ja das gesamte zionistische Projekt infrage stellen. Dass letztlich nichts an einer Zwei-Staaten-Lösung vorbeiführt, wie Zuckermann meint, leuchtet den meisten Politikern ein. Der Autor stellt daher die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass die Rettung des zionistischen Projekts nicht wahrgenommen wird.
Man kann den Palästinensern die Schuld an der verfahrenen Situation zuschieben, die Sicherheitslage im arabischen Umfeld verantwortlich machen oder die innere ideologische Zerrissenheit als Grund nennen. Eine Möglichkeit ist aber nie wirklich erörtert worden: dass Israel die historische Entscheidung seit 1967 nie angestrebt hat, weil der Zionismus selbst nicht an die Zukunft seines eigenen Projekts glaubt. Diese Möglichkeit erörtert Zuckermann in seinem neuen Buch. Er geht dabei strukturanalytisch und ideologiekritisch vor und nimmt historische Abläufe, politische Kontexte und gesellschaftliche Klüfte ins Visier.
Eine der Erklärungen liegt im Ideologischen, wobei der Autor zwischen der religiösen und der säkularen Koordinate unterscheidet. Erstere basiert auf der „Ewigkeit Israels“ und dem Gottesglauben, der sich von nichts und niemandem abschrecken lässt. Die säkulare Ideologie wiederum geht vom „Primat der Sicherheit“ aus und verweigert der palästinensischen Seite den Frieden. Die historische Entscheidung zwischen einer Zwei-Staaten-Lösung und einem binationalen Projekt steht jedenfalls an.
Der Autor:
Moshe Zuckermann, 1949 in Tel Aviv geboren, ist Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv. Als Sohn von Holocaust-Überlebenden entschloss er sich nach zehnjährigem Aufenthalt in Deutschland mit 20 Jahren zur Rückkehr nach Israel. Er gilt als profunder Kritiker israelischer Politik. Zuletzt erschien von ihm bei Promedia „‚Antisemit!‘ Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ (2010, 3. Auflage 2014).

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Herr Loeb ist doof

Gunther Leobe hat einen Leserbrief an die Westdeutsche Allgemeine Zeitung geschickt (und die hat den Scheißdreck auch noch abgedruckt, am 21. August):
„Gabriel bremst Rüstungsexporte. Der selbsternannte Gutmensch Gabriel hat dabei vergessen: Wenn wir nicht Waffen liefern, dann werden sie woanders gekauft, und unsere heimische Industrie hat das Nachsehen.“
Der ist wirklich doof. So macht man das doch heute nicht mehr! Das ist doch „mega-out“, das ist 70er Jahre. Kriegspropaganda macht man heute anders. Da muß man etwas von „Menschenrechten“ erzählen und vom „Schutz Unschuldiger“. So kann man die These verkleiden, daß im Nahen Osten Waffenmangel herrscht.
Man ist immer wieder erstaunt, wie viel Idiotie in einen einzigen Satz hinein paßt. Wenn deutsche Rüstungskonzerne Waffen exportieren, meint er, „wir“ würden Waffen exportieren, er auch.
„Selbsternannt“ wird als Schimpfwort zwar gern benutzt, ist aber nicht beliebig anwendbar. Wann hat Sigmar Gabriel sich selbst zum Gutmenschen ernannt? Ich kann mich nicht erinnern. Es trifft ja auch nicht zu, daß WAZ-Leser Gunter Loebe ein selbsternannter Idiot ist. ICH habe ihn dazu ernannt.
Denn nicht von großer Geistesgabe zeugt der neidische Blick auf die Schandtaten der anderen: „Alle dürfen, bloß ich nicht.“
Dieser Neid läßt sich zum Nationalempfinden aufschäumen:
„Alle dürfen, bloß wir nicht.“
Unfreiwillig legt er offen, daß zwischen Marktwirtschaft und Kriminalität keine klare Grenze zu ziehen ist.
Wenn ich wüße, wo dem Günther Löbel sein Auto steht, würde ich es klauen. Und wenn die Polizei kommt, sage ich: „Ja, wenn ich dem sein Auto nicht klaue, dann wird es von jemand anders geklaut.“

Der beliebte deutsche Schriftsteller Frank Schätzing ist nicht doof. Er stellt sich schlauer an. In der Frankfurter Rundschau (20. August) ließ er verlauten:
„Wir müssen unseren Pazifismus überdenken. Wir sind heute ein anderes Land mit anderen Menschen… Wir können uns nicht mit Verweis auf unsere Vergangenheit nonchalant heraushalten.“
Während der Dummkopf Leobbe dem deutschen Spießbürger aus der Seele spricht, ist die Geistesgröße Schätzing dem deutschen Bildungsbürger gefällig. Dabei bringt er aber seine Beteuerung, daß „wir heute ein anderes Land sind“, sofort zum Einsturz. Die deutsche Seele sehnt sich doch seit je danach, aus der Vergangenheit entlassen zu werden. Spätestens seit Ende Mai 1945 erklingt immer wieder der Ruf, es müsse doch nun endlich mal vorbei sein mit der Vergangenheit.
Das aber widerspricht den Naturgesetzen. „Vorbei“ und „vergangen“ sind synonym. Was vorbei ist, wird immer vergangen bleiben, und das vergangen ist, bleibt immer vorbei. Selbst der Liebegott ist nicht allmächtig genug, um das Geschehene ungeschehen zu machen.
Was für den Naturwissenschaftler klar auf der Hand liegt, das könnte der Historiker vielleicht anders sehen: Die Zeit als physikalisches Kontinuum und ala historisches Kontinuum sind verschieden zu betrachten. Die Vergangenheit könnte durchaus als Zukunft Gestalt annehmen.

Daraus aber läßt sich erst recht keine Legitimation herleiten für die Lieferung deutscher Waffen in ein Kriegsgebiet.