Neu in der Situationspresse: Keine Zukunft schon seit langem

Neuerscheinung in der Situationspresse:
Lothar Röse: No future! oder Vom Gesang des Türmers.
Situationspresse 2017. 174 Seiten. 18 Euro.
ISBN 978-3-935673-40-2

Klappentext:
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sieht sich der Verfasser verstärkt mit immer beunruhigendere Gestalt annehmenden, dabei inzwischen zum Alltag gehörigen Phänomenen wie Globalisierung und Terror oder Digitalisierung und Postmoderne konfrontiert und versucht sich – hier u.a. in Form einiger METZGER-Essays – seinen Reim darauf zu machen, ohne sich dabei so recht vorstellen zu können, wie das alles überhaupt noch gutgehen soll; daß im vorigen Jahrhundert zwischenzeitlich die (Idee einer) Geschichte kurzerhand für an ihr Ende gekommen erklärt worden ist, trug dann auch eigentlich weder zur Aufklärung noch zur Beruhigung bei.
Bisher wenigstens war es immer so, daß, wenn einen Deutschen so recht die Sorge umtrieb und er also in echten Schwierigkeiten steckte, er unweigerlich irgendwann auf seinen Faust kam. So erhellend und gewinnbringend es auch sein mochte, notfalls sich in einer großen Überlieferung aufgehoben fühlen zu können, so bewahrt diese am Ende möglicherweise nicht vor der ernüchternden Erkenntnis, nachher „so klug als wie zuvor“ dazustehen – jedoch nicht ohne dabei die Gelegenheit zu bieten, dennoch um den einen oder anderen Gedanken bereichert zu werden.

Das Buch kann in allen Buchhandlungen bestellt werden. Wenn Sie die ISB-Nummer angeben können, freut sich der Buchhändler.
Sogar bei Amazon.
Aber warum Amazon? Dann doch besser bei Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
E-mail: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

1977 erschien der Song „God save the Queen“ der Punk-Band Sex Pistols mit der Textstelle „no future“.
Genau 40 Jahre später erfahren wir, was es damit auf sich hat.

Noch mehr neue Postkarten

Wie gesagt: Die Serie der Situationspostkarten wurde dieser Tage beträchtlich erweitert. Und heute bekommen Sie die neuen Foto-Postkarten von Heinrich Hafenstaedter zu sehen: Mauern mit Spuren und Orte der Hinterlassenheit (habe ich das nicht schön gesagt?).

Die Philosophie – nein, nicht im Boudoir, sondern im Güterbahnhof. Wo immer man hinkommt: Adorno ist immer gut.

Ich das nicht herrlich? Energiye, Power, Acktion, Affe(e) für Versager.
Pow-Erup nur gegen Pfand.

Hochfelder Fresko? Ausgerechnet Sedanstraße. Durch Verschicken von Situationspostkarten lösen Sie immer Situationen aus.

Das Verschwinden des Gewächshauses im Hamborner Botanischen Garten muß man nur noch halb bedauern, weil im Duisburger Güterbahnhof für Ersatz gesorgt wurde.

Postkarten sammeln ist gut.
Postkarten verschicken ist auch gut, sogar noch besser.
Wollen Sie Situationspostkarten live erleben? Dann kommen Sie am 20. August 2017 (Sonntag) zum Ruhrorter Kunstmarkt, am Stand der Buchhandlung Weltbühne gibt es sie (1 Stück für 1 €).

Wir bieten dort viel. Nicht nur Postkarten.

Ernst Bloch. Schon mal gehört?

Ich weiß, diese Frage(stellung) mißbehagt zumindest den Frühgeborenen unter den Leserinnen und Lesern. Aber es ist doch so: An den Philosphen Ernst Bloch (1885-1977) erinnert man sich nicht mehr so oft und will es auch nicht. Der Philosoph, der vor 40 Jahren in Nachrufen auf der Höhe Platos geortet wurde, fand gestern bei Wikipedia in der Rubrik „Was gheschah am 4. August“ keine Erwähnung anläßlich des 40. Todestages.

Bloch wie man ihn kannte: Mit Pfeife in der DDR. Schriftstellerkongreß 1956. Foto: Bundesarchiv

Auf Ernst Bloch wurde ich aufmerksam gemacht Anfang Oktober 1967 anläßlich der Verleihung des Friedenspreises eines Buchhandels, in dessen Regalen man landauf landab nach den Werken des Preisträgers eher vergeblich suchen wird. Für den damals 17jährigen Aufbrecher waren da die richtigen Impulse zu empfangen. Ohne ein Blatt vor sich in freier Rede sprach da einer vom Aufrechten Gang, vom überschreitenden Denken, vom Menschen, der „noch nicht bei sich angekommen“ ist.
Utopie heißt hier nicht „nie und nimmer“, sondern das noch nicht Gewordene, das eigentlich schon Notwendige, aber noch nicht Gekommene. Dem entgegen steht das längst Verworfene, aber noch nicht Verschwundene.

Aus der DDR wurde er rausgeekelt, weil deren Kulturpolitik den Marxismus als etwas unumstößlich Abgeschlossenes in die Welt stellte. Das war 1961.
Als dunklen Punkt in der Biographie und im Werk Blochs wertet man seine positive Haltung zu den Moskauer Prozessen 1936-1938 und seine Lobesworte für Stalin Anfang der 50er Jahre. Da er beides später revidierte, kann man beides durchaus zu den guten Seiten zählen, weil ihn das für das hiesige Feuilleton ungenießbar macht.

Ernst Bloch Seminar Schein und Vorschein in der Kunst, Tübingen 1971. Wikimedia Commons

Nicht immer sind Zeiten des Aufbruchs (oder, im Blochschen Sinne: nicht in allen Zeiten ist das Aufbrechende überwiegend). Darum ist zu hoffen, daß das „Prinzip Hoffnung“ nicht verkommt zu einer Floskel von Fußballtrainern (dritte Liga, abstiegsgefährdet), als Redensart ohne Quelle.
In allen Zeiten aber ist der Aufbruch latent. Wäre das nicht so, dann wäre das „Experimentum Mundi“ gescheitert. An diesem Scheitern aber wird gearbeitet, ständig, beharrlich und mit Geschick. Das sollte man nicht vergessen.

Kommen Sie mal bei mir vorbei. Hier werden Sie fündig.
Aber auch:
Marvin Chlada: Rausch der Utopie. Eine Begegnung mit Karola Bloch. 1992 besuchte Marvin Chlada die Witwe Ernst Blochs in Tübingen und merkte, daß diese Frau zu Unrecht im Schatten ihres berühmten Mannes stand. In DER METZGER Nr. 91 (2010).

Das Buch, auf das Sie gewartet haben

Was 15 Jahre währt, wird endlich fertig.
900 Seiten waren ursprünglich nicht geplant, es sollte ein schlanker Einführungsband in der Reihe theorie.org werden, jetzt gibt es eher ein Kompendium zum westlichen Marxismus.
Das Werk von Diethard Behrens und Kornelia Hafner ist ein starkes Nachschlagewerk für einzelne Debatten zu Antonio Gramsci, Walter Benjamin, Galvano Della Volpe, Henri Lefèbvre, Jean-Paul Sartre, Lucien Goldmann, Louis Althusser, Lucio Coletti, Maurice Merleau-Ponty, Socialisme ou barbarie und andere.


Diethard Behrens, Kornelia Hafner: Westlicher Marxismus
Schmetterling Verlag 2017
902 Seiten, kartoniert.
Subskriptionspreis: 34,80 Euro.
Regulärer Ladenpreis: 39,80 Euro.

Das schreibt der Verlag:
„Von dem Philosophen Merleau-Ponty bereits in den 1950ern aufgebracht, wurde der Begriff vor allem durch Perry Andersons vielbeachtete Studie «Über den Westlichen Marxismus» (1978) populär und avancierte so in dessen Perspektive zum Synonym für einen ‚philosophischen‘ Marxismus, der die Marx-Rezeption im 20. Jahrhundert entscheidend beeinflusste. In der hier vorliegenden problemorientierten Einführung zeichnen die Autoren diese Rezeption sowie ihre politischen und theoretischen Ursprünge nach. Dabei wird auf die Vorgeschichte der Neuen Linken sowie auf einzelne Autoren wie Althusser und Gramsci eingegangen. Da für ein Verständnis der Auseinandersetzungen, die in der Neuen Linken über Ökonomie und Philosophie, Staat und Politik, Kultur und Ästhetik herrschen, eine genaue Kenntnis der ‚Westlichen Marxisten‘ unerlässlich ist, wird mit diesem Buch ein wertvolles Standardwerk zur Verfügung gestellt.“

Wer dieses Buch bis Mittwoch, 31. Mai 2017 bei der Buchhandlung Weltbühne bestellt, erhält es zum Subskriptionspreis von 34,80 Euro. Danach gilt der reguläre Ladenpreis von 39,80 Euro.

Telefonisch: 0203 375121
Persönlich: Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
E-mail: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

Wer dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne bestellt, zeigt, daß er kein Idiot ist.

Wieso eigentlich immer „Kessel des Monats“?

Mit der Rubrik „Kessel des Monats“ hat es natürlich, wie Sie sich denken können, eine besondere Bewandtnis.
In den 70er Jahren waren Magda und ich manchmal auf Zusammenkünften anwesend von diversen meist nicht parteigebundenen linken Individuen und Gruppen, die veranstaltet wurden zwecks Kennenlernen und Vernetzen (alles so unter der Ägide von SB Offenbach, hatte auch was mit der Zeitschrift Revier zu tun). Da waren also hauptsächlich Intellektuelle aus dem Uni-Milieu, aber ebenso Betriebsräte und Gewerkschaftler (Gewerkschaftslinke).
Einer von denen war der Betriebsratsvorsitzende von Küppersbusch.
Ein anderer war einer aus dem Betriebsrat von Standardkessel Meiderich. Der redete sinnfällig und kenntnisreich über Themen, die weit über die Betriebs- und Gewerkschaftsthematik hinausgingen, zum Beispiel über Frauenbewegung und Geschlechterverhältnis in der Geschichte und über die Ursache allen Übels in der Unterdrückung der Frau. Mit Marcuse kannte der sich auch aus.
Ich dachte mir: Da muß ich doch mal Ausschau halten ob es überhaupt so viele Kessel gibt in unserer Region, ob es einen solchen Kessel-Bedarf gibt, daß die Firma sich einen Philosophen auf ihrer Gehaltsliste leisten kann.
Jetz abber:

kessel2016-11
..

Dialektik im Countdown

Der Trikont Verlag hat mit der Herausgabe einer siebenbändigen Dialektik-Reihe begonnen. In dieser Reihe werden Quellentexte zur Dialektik erscheinen: von Hegel, Engels, Lukács usw.
Als erster ist nicht etwa der erste, sondern der siebte Band erschienen. Es wird uns also eine numerische Dialektik vorgeführt:
trikdialeksitint
Marvin Chlada und Bernd Kalus (Hg.): Texte der Situationistischen Internationale
Dialog-Edition und Trikont Duisburg 2016. 132 Seiten. 10 Euro.

Liebe Leute, bestellt dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne. Dialektik muß bleiben.

Liebe Leute, wie wäre es mit einer Fahrt nach Panama?

Nicht zum ersten Mal wurde ich freundlich nach Panama eingeladen. Man wird mir zustimmen: eine solche Einladung, wollte man sie annehmen, ist mit Aufwand verbunden, und zwar weitaus mehr als Sie spontan sich vorgestellt haben mögen. Ja, wenn es bloß um die Überquerung des Atlantik ginge …

Nicht nur der Atlantik, auch die Ruhr trennt Kontinente, nämlich den nördlichen und den südlichen Teil von Duisburg.
Und eben dort in Norden liegt das Panama, das Janosch‘sche Panama gewissermaßen, der schon legendäre Garten Kepos von Werner Muth.
Da Sie – vielleicht automobilisiert, vielleicht zu früherem Aufbruch fähig – es leichter haben könnten, an diesem Fest teilzunehmen, gebe ich die Einladung weiter:

Ihr Lieben,
die Sommerpause ist vorbei und Panama wartet mit einem musikalischen Highlight auf, zu dem ich Euch recht herzlich einladen möchte.
RYAN LEE CROSBY (USA) und PETER THISELL (SWE)
Donnerstag, 6. Oktober 2016, 20.00 Uhr Konzertbeginn
Westfälische Str. 12 in 47169 Duisburg
ab 19.00 Uhr Eintreffen der Gäste und erster Umtrunk

Der Multiinstrumentalist Ryan Lee Crosby aus Boston ist einer der kreativsten Musiker im Genre „Roots/Americana“, der zur Zeit live zu erleben ist. Sein versiertes Fingerpicking und der kultivierte Umgang mit der US-amerikanischen Blues Musik der 30er Jahre rückt ihn in die Nähe eines Kelly Joe Phelbs oder Ry Cooders. Ob auf der 12-saitigen oder der 6-Saitigen Gitarre: Crosbys ganz eigener Umgang mit der Tradition des Mississippi-Delta-Blues entfaltet eine fast schon hypnotische Wirkung und zieht die Zuschauer in eine andere, fremde Welt.
Crosby hat in den letzten 10 Jahren 5 Studioalben veröffentlicht. Er schrieb Filmmusik und teilte sich in den USA mit diversen Grössen des Blues die Bühne.
Auf seiner aktuellen Europatour wird Crosby zum ersten mal neben den 12- und 6-Saitigen Gitarren eine mit 20 Saiten bestückte Mohan Vina auf der Bühne zum Einsatz bringen. Die Mohan Vina ist eine modifizierte Slide Gitarre, die in Europa vor allem durch den Ausnahmemusiker Vishwa Mohan Batt und dessen Zusammenarbeit mit Ry Cooder auf dem Album A Meeting by the River bekannt wurde.
Ryan Lee Crosby verwendet die Klangmöglichkeiten seiner Mohan Vina sowohl für seine eigenen als auch für traditionelle Kompositionen, die indische Ragas und US-amerikanischen Blues zusammenführen.
Ein weiterer Gast des Abends ist die Band des großartigen schwedischen Songwriters Peter Thisell. Terrascope magazine schwärmt:
“Filled with honest and beautiful songs, the latest album (“I”) from the Swedish band THISELL is a delight from beginning to end.”

Außer Musik gibt es noch wie gewohnt Bier, Wein und Wasser, sowie Brot, Schinken, Salami und Käse als abendlichen Imbiss. Und irgendwann geht ein Hut ( oder eine Dose) rum, damit wir die Musiker mit einer kleinen Gage verabschieden können.
Bitte macht euch auf den Weg. Ich würde mich sehr freuen.
Viele Grüße
Werner

P.S.: Im Kepos/Panama soll, so viel ist schon mal angedacht, in der ersten Jahreshälfte (und das ist ja auch nicht mehr so lange hin) eine gemeinsame Lesung mit Werner Muth, Lütfiye Güzel und mir stattfinden: Das Traumtrio tritt auf! (Der Ausdruck „Traumtrio“ ist von mir). Na, dann! (Informationen beizeiten hier).

Robert Steigerwald

RobertSteigerwald
Vor gut einem Jahr, anläßlich seines 90. Geburtstages, schrieb die Junge Welt:
„Den Krieg verhindern war und ist neben der Philosophie eines der Lebensthemen Steigerwalds. Er wurde 1945 Mitglied der SPD, trat aus ihr 1948 wieder aus und in die KPD ein, als ihm der Parteivorsitzende Kurt Schumacher auf eine entsprechende Frage geantwortet hatte, selbstverständlich werde es Krieg geben, und ‚wir‘ würden dann an der Seite der Westmächte gegen die Russen stehen. Steigerwald flog aus dem Hessischen Rundfunk, absolvierte ein Studium an der SED-Parteihochschule, wurde dort Verantwortlicher für Philosophie und kehrte bald in die BRD zurück. Seine Arbeit für die ab 1956 verbotene KPD brachte ihm insgesamt über fünf Jahre Haft ein. Ab 1961 war er in Ostberlin und in Westdeutschland für die illegale Partei tätig, hob die Zeitschrift Marxistische Blätter, deren Chefredakteur er später wurde, 1963 mit aus der Taufe und legte eine viel beachtete Dissertation über ‚Herbert Marcuses dritten Weg‘ vor. Seit 1967 wohnt er mit seiner Familie in Eschborn und wurde in Auseinandersetzungen mit den verschiedensten Trupps linker Antikommunisten, denen er als ‚Gralshüter des Revisionismus‘ galt, ein gefürchteter Polemiker.
Ich wiederhole, was ich am 24. März 2015 hier schrieb:
„Daß dem ‚verstockten Gralshüter‘ Starrheit zu Unrecht nachgesagt wird, dafür ist Robert Steigerwald ein eindrucksvolles Beispiel. Wer Vorträge von ihm gehört hat, hat einen quicklebendigen Denker, einen reaktionsschnellen Wortkünstler, ja man kann sagen: einen Entertainer der Theorie erlebt. Er vermittelt den dialektischen Materialismus als fröhliche Wissenschaft (…).
METZGER-Lesern (und -Sammlern) ist Robert Steigerwald ja auch nicht unbekannt. Meinen Aufsatz „Gegen die Objektiven“ (DER METZGER Nr. 84) habe ich mit Zitaten gestützt – es ist ja nicht schlimm, wenn Zitate mitunter mehrere Seiten lang sind. Es ging damals darum, die These, derzufolge der Feind meines Feindes mein Freund sein müsse, zu widerlegen.
Daß auch ein Roman in der Bibliografie zu finden ist, paßt: Das Haus im Sandweg. Eine sozialistische Familienchronik. Verlag Neue Impulse 2008.“

Robert Steigerwald ist am 30. Juni 91jährig gestorben.

Allgemeine Karikaturenkunde

SchirmZumachen
Der Signatur ist zu entnehmen, daß diese Zeichnung der frühen Periode meines Schaffens als Karikaturenzeichner zuzuordnen ist, nämlich (gerade noch) den 70er Jahren.
Man kann also leicht drauf kommen, daß hier eine polemische Abrechnung mit dem „positiven Denken“ stattfindet.
Immer wieder hat man den Klügeren im Lande, nämlich uns Intellellen, vorgeworfen, wir würden alles ins Negative ziehen (Kritisches Denken). Es bildete sich eine Gegenbewegung: alles ins Positive ziehen: Warum Probleme lösen, wenn man sie ignorieren kann? Warum etwas verbessern, wenn man alles schönreden kann? Mit einem Wort: „Positives Denken“.
Dem im Bild dargestellten hemdsärmligen (wenn auch cravattierten) Vertreter positiver Ignoranz ist die latente Aggressivität dieser Ideologie ins Gesicht geschrieben. Und es wird auch deutlich: die unsinnige Botschaft ist für die Mitmenschen nicht nur unverständlich. Sie ist ihnen auch nicht dienlich.

Alles war, nix is mehr (8) oder Auf der Suche nach der fröhlichen Wissenschaft

nixis47Die Firma gibt‘s also noch. Die heißt auch noch so. Und die sieht ja auch noch fast genauso aus wie „zu meiner Zeit“. Aber ob die Firma noch mit Fug als „Hort der fröhlichen Wissenschaft“ aufgefaßt werden kann, steht dahin.
Imposante Schmiede-Eisen-Architektur! Links, wo ich einst eintrat, ist jetzt geschlossen. Dafür kann man jetzt durch die Mitte gehen. So ändern sich die Zeiten.

nixis48Das Ganze von der anderen Seite betrachtet (von Norden – der Norden heißt hier: Wittekindstraße). Blick über den Schullow. Die „Löbenicht-Eiche“ (hinten links) überragt inzwischen die Gebäude. Kaum einer wird wissen, daß die Eiche so heißt. Darum braucht man sie auch nicht zu fällen. Sie kann ja nichts dafür. Als ich hier als Sextaner meine Laufbahn begann, war die Eiche gerade gepflanzt worden und diente in ihrer jugendlichen Mickrigkeit als Symbol für die Dürre der heimatvertriebenverbandlichen Phrasen. Das möchte ich nämlich am heutigen Tag den Nachrufen auf die Genossin Margot Honecker entgegenstellen: Wir sollten im Kalten Krieg zu linientreuen Anhängern des westdeutschen Revanchismus erzogen werden, was nicht so recht hinhaute.

nixis49Dort hinter dieser Skulptur, die wohl irgendwas symbolosiert oder von jemandem gestiftet wurde oder beides ist der Vordereingang, der aber nie benutzt wurde, sondern nur der Vornehmheit diente.
Ich träume aber oft, durch diese Tür ins Freie zu treten. Das ist dann eine Situation des Entkommens.
Der Park war der Pausenhof für die Oberstufe (zu betreten durch die bescheidene Tür des „Neubaus“).
Der Park ist heute eingezäunt. Das Foto entstand zwischen zwei Zaunlatten.

nixis50Der „Neubau“ (Anbau) diente der Exklusivität der Oberstufe. Dort hinter jenen Fenstern im ersten Obergeschoß strebte ich als Oberprimaner dem Finale entgegen.
Die Firma litt permanent an Raum-Mangel, woran sich nichts geändert haben dürfte, weil heutzutage alle Eltern davon überzeugt zu sein scheinen, daß ihre zehnjährigen Kinder (mindestens: hochbegabt) unbedingt aufs Gymnasium gehen müßten und somit das Mittelmaß dort die Gänge verstopft. Und dann auch noch: Verkürzter Bildungsgang.
Aus lauter Verzweiflung wurde dem Neubau ein Anbau (dem Anbau ein Neubau) hinzugebaut.
Ich dachte damals: Hier lernt man zu wenig. Ich erwartete mehr Leistung von dem Bildungsunternehmen. Aber als Hort der fröhlichen Wissenschaft konnte das Unternehmen durchaus gelten (nicht im Nietzscheschen, sondern im Godardschen Sinne).
Zwei wertvolle Bldungsinhalte konnte ich mir auf der Oberschule aneignen:
1. Die Fähigkeit, mich in mißlichen Situationen irgendwie durchzuwurschteln und rauszuwinden,
2. Quatschmachen (auf einem gewissen intellektuellen Mindestniveau) und den Wert dieser Fähigkeit erkennen.
Ich könnte noch als Drittes erwähnen: Die Erkenntnis, daß man die wichtigsten Kenntnisse und Befähigungen als Autodikakt sich selbst beibringen muß.

nixis51FORTSETZUNG FOLGT.

Die Denkanstifter von Neudorf

DenkenBitteDen Handschriften nach zu urteilen waren hier zwei Mauerbeschrifter am Werk.
So optimistisch kann keiner sein. Also vermute ich, daß es sich um ein Sarkasten-Duo handelte.
Denn wer rechnet damit, daß auf eine Bitte hin mit dem Denken begonnen wird?
Daß der Krieg dadurch vermieden werden könnte, daß man ihn dankend ablehnt, würde auch nicht viel nutzen. In dem Zustand, in dem die Gesellschaft jetzt ist, würde sie sich einen Krieg leichtfertig aufschwatzen lassen.
Was hingegen zu Hoffnung Anlaß gibt:
Schauen Sie mal genau hin:
Seit dem letzten saisonalen Kiefernnadel-Abwurf ist der Hof nicht mehr gefegt worden.

Backlash (1)

An einem Tag in zwei verschiedenen Quellen. Zufall? Gibt es Zufälle? Gibt es Zufälle im Gesellschaftlichen?
Für die Versachlichung des Umgangs mit der Sexualität allgemein und der Prostitution speziell kämpfen selbst die Götter vergebens (was den Kampf für die Versachlichung des Umgangs mit der Sexualität allgemein und der Prostitution speziell nicht überflüssig, aber eben beschwerlicher macht – und wir sind ja auch keine Götter).
Im Leserbriefteil der Frankfurter Rundschau (16. November) werden die unpräzisen, dafür aber erregenden Reizvokabeln wieder aneinandergereiht: „die bezahlte sexuelle Nutzung von Frauenkörpern“, „den Körper von Frauen für Geld kaufen zu können“, was so ja gar nicht stimmt, aber förcherbar klingelt.
Die Rote Fahne der MLPD (Nr. 5 vom 13. November) will sich von dem, was sie für die Volksmassen hält, nicht isolieren, sondern wie ein Fisch im Wasser mitschwimmen bzw. als Empörter mit den Empörten heulen.
Jaja, die Linken und der Sex! Die haben alle eine kleine Emma im Ohr.

Das müßte alles noch Wort für Wort auseinandergefaltet werden. Kommt noch.
Dabei ist es doch schon besser zusammengefaßt worden als ich es formulieren könnte (in DER METZGER Nr. 108).

Frau Ganowski, übernehmen Sie!
LGZweiOderDreiHier klicken zum Artikel.

Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 115.

M115Sowas steht drin:

Intro: Schöner Wohnen. Wie man durch unpraktisches Einrichten für Komik sorgt.

Jakop Heinn: Mann vom Rand. Unvorhergesehener Zwischenfall: Die britische Labour Party hat einen Linken zum Vorsitzenden gewählt!

Lina Ganowski: Verweigern Sie die Aussage! Schlechte Zeiten für Moralisten: Rauschgift soll legal und Sex-Arbeit („Prostitution“) nicht mehr pfuibäh sein. Wer keine Ahnung hat ist dagegen, und wer dagegen ist hat keine Ahnung. Was haben die Moralisten mit ihren Verboten denn je erreicht? Was wollen sie überhaupt erreichen?

Helmut Loeven: Die Flüchtlinge und unsere Aktien. Was nutzen uns die Flüchtlinge? Kosten sie vielleicht mehr als sie einbringen? Gegenfrage: Wieso müssen Menschen, die in Not sdind und Hilfe brauchen und das Mittelmeer im Schlauchboot überlebt haben, ihren Nutzen nachweisen?

Nachrichten. (Elsässer-Schote darf nicht fehlen).

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Meine Erlebnisse mit Merkel; Müssen Pazifistinnen doof sein?; Cooler Kaffee; Keine Demo ist auch’ne Demo; Stadtverschleiß; Kaiserberg. Und immer wieder: Komische Häuser, komische Schilder.

Die Väter der Libelle. Diesmal: Captain Misson, und der Trikont-Verlag is nicht kaputt zu kriegen.

Lütfiye Güzel: „er zeigt mir die bühne…“ Aus dem Leben einer Poetin oder Wieviel Einsicht sollte man von Publikum und Veranstaltern doch eigentlich erwarten dürfen?

Lothar Röse: Plus ultra. Von Empyreum zum Empire. Was hat die Astronomie zum Kapitalismus beigetragen?

Mac Duff: Richter Azdak in Rom. Diesmal muß sich der kaukasische Kreisekreisrichter mit einer Vaterschaftsklage von Annette Schawan beschäftigen.

Max Reinhardt: Unser täglich Hühnerbein gib uns heute. Schocking in südlicher Gegend.

Jiddische Weltmusik aus Nürnberg. Thomas Rüger über die Global Shtetl Band.

Tagebuch. Hier tut sich einiges.

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Humanismus jetzt auch in Hochfeld

Der Humanistische Verband Deutschlabds (HVD) ist stolz auf sein neues Büro in Duisburg (Hochfeld) und bittet mich, auf die Veranstaltung am kommenden Dienstag aufmerksam zu machen.
Wird gemacht:
HVD-Sept-15
Den Humanistischen Verband soll man nicht verwechseln mit der Humanistischen Union.