Die schönsten Weihnachtskarten machen wir

Die Produktion von Postkarten in der Situationspresse wird fortgesetzt. In diesem Herbst wurden 32 neue Motive veröffentlicht. Einige davon wurden hier schon vorgestellt. Hier die nächsten.

Die Postkarte ist ein stringentes Medium. Das einheitliche Format Din-A 6 (Seitenverhältnis eins zu Wurzel aus zwei) erlaubt nur zwei formale Varianten: Hochformat und Querformat. Innerhalb dieses Rahmens gibt es inhaltlich keine Grenzen. Es gibt: Kitschpostkarten, Urlaubspostkarten, Erotikpostkarten, Glückwunschpostkarten, Kunstpostkarten (Postkarten, die Kunstwerke abbilden oder Kunstwerke sind oder beides). Et cetera. Eine besondere Kategorie des europäischen und vermutlich internationalen Postklartengeschehens ist die Weihnachtskarte.
Es liegt auf der Hand, die Postkarte als subversives Medium der Aufklärung zu nutzen, wie wir das tun.
Gilt das auch für Weihnachtskarten? Aber ja!
Die besten Weihnachtskarten sind die, die mit Weihnachten gar nichts zu tun haben (im direkten Sinne) und demnach auch zu jeder beliebigen Zeit des Jahres wirksam gemacht werden können, demnach also „das Fest“ decollagieren können! Ich mag Weihnachten. Aber ich mag nicht das, was daraus gemacht wurde.
Was also wäre geeigneter als das, was jetzt kommt:

Als deutscher Schriftsteller, der seine Tätigkeit niemals von anderen Gebieten kreativen Schaffens (Musik, Fotografie, Kabarett) absonderte, steht für mich die Tür zur Bildenden Kunst seit je sperrangelweit offen. Jetzt lasse ich aber mal meinen lange gehegten Traum materiell werden, auch als Vertreter ungegenständlicher Bildgestaltung mich unvergeßlich zu machen. Die ersten drei in der Serie Situationspostkarten informellen Bilder haben die Titel Informel 1, Informel 2 und Informel 3.

Situationspostkarte (SPK) 105: Informel 1

SPK 106: Informel 2

SPK 107: Informel 3

„Wat soll dattenn sein? Da kannmanja ganix erkennen!“
Genau das ist es!
Es handelt sich hier tatsächlich um die Auflehung des Schönen gegen das Häßliche: die schöne Kunst gegen den häßlichen Deutschen. Oh, wie er mir in Erinnerung geblieben ist, der wütende Haß, die gehässige Wut gegen „abstrakte Kunst“ (auch: „moderne Kunst“), die die ersten Jahrzehnte nach dem Ende der Hitler-Herrschaft, in der man von „entarteter Kunst“ gesprochen hatte, erfüllte, wie überhaupt der wütende Haß gegen alles Fremde, Unverstandene, Schöne, Einsichtige, Lebensfreundliche.

Er war nie weg, aber er wird wieder laut, der so lange von Humanität, Toleranz, Modernität, Umweltschutz, Pädagogik, Aufklärung, Urbanität, Differenz, Internationalität gequälte Nachbar/Onkel/besorgte Bürger nebst Gattin.
Schicken Sie dem in ihrer Verwandt- und Bekanntschaft, den Sie am wenigsten leiden können, so eine Karte und schreiben Sie „Alles Gute zum Weihnachtsfest, Dein(e)/Ihr(e) …
Mehr nicht. Das reicht.

Diese Karten sind zum Stückpreis von 1 Euro erhältlich (bei Versand bitte 1 Euro hinzurechnen, nicht pro Stück, sondern pro Auftrag). Bestelladresse ist:
Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg
situationspresse@gmx.de

Wenn Sie in der Kategorienspalte links die Kategorie „Situationspostkarten“ anklicken, wird ein Postkartenkatalog in Fortsetzungen sichtbar.

Es gibt kein Halten mehr: Weitere Postkarten werden in den kommenden Wochen vorgestellt.

Die schönsten Postkarten machen wir

Die Produktion von Postkarten in der Situationspresse wird fortgesetzt. In diesem Herbst wurden 32 neue Motive veröffentlicht. Einige davon wurden hier schon vorgestellt. Hier die nächsten.

Die Postkarte ist ein stringentes Medium. Das einheitliche Format Din-A 6 (Seitenverhältnis eins zu Wurzel aus zwei) erlaubt nur zwei formale Varianten: Hochformat und Querformat. Innerhalb dieses Rahmens gibt es inhaltlich keine Grenzen. Es gibt: Kitschpostkarten, Urlaubspostkarten, Erotikpostkarten, Glückwunschpostkarten, Kunstpostkarten (Postkarten, die Kunstwerke abbilden oder Kunstwerke sind oder beides). Et cetera. Da liegt es doch auf der Hand, die Postkarte als subversives Medium der Aufklärung zu nutzen. Das machen wir. Machen Sie mit.

pk97-tolstoigorkiSituationspostkarte (SPK) 97: Leo Tolstoi und Maxim Gorki 1900

pk-104-charlieSPK 104: Je suis Charlie

pk99-cheSPK 99: Che Guevara

pk83-dankeSPK 83: Stadtzerstörung (Mercatorstraße)

pk-100-antifakalkwegSPK 100: Antifa Kalkweg

pk-103-werdeniesoldatSPK 103: Werde nie Soldaten

pk-101-kunstdersatireSPK 101: Kunst der Satire

pk-102-ueberwachungSPK 102: Überwachung

Motive von: Merkfoto, Hafenstaedter, DFG-VK, Projektgruppe Pudding und gestern usw.

Diese Karten sind zum Stückpreis von 1 Euro erhältlich (bei Versand bitte 1 Euro hinzurechnen, nicht pro Stück, sondern pro Auftrag). Bestelladresse ist:
Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg
situationspresse@gmx.de

Wenn Sie in der Kategorienspalte links die Kategorie „Situationspostkarten“ anklicken, wird ein Postkartenkatalog in Fortsetzungen sichtbar.

Es gibt kein Halten mehr: Weitere Postkarten werden in den kommenden Wochen vorgestellt.

Das Foto zum Zwanzigsten

Mich hat mal einer auf der Grabenstraße nach dem Weg zur Bismarckstraße gefragt. Ich hätte sagen können: „Nächste Straße rechts, dann die nächste Querstraße ist die Bismarckstraße.“ Das wäre richtig gewesen. Der hatte aber einen Franz-Josef-Strauß-Aufkleber auf der Heckscheibe und noch weitere Aufkleber mit unappetitlicher Botschaft (z.B. „Atomkraft ja bitte“). Also hab ich ihn zum Entenfang geschickt („Bis zur Ampel, dann links, und dann immer geradeaus“).
Das ist schon lange her. Aber letztens fragte mich einer auf der Königstraße (Ecke Sonnenwall), wo die Post ist:
„Gibt es hier irgendwo ‘ne Post? Gibt es überhaupt eine Post in diesem Kaff hier?“
Dem habe ich gesagt: „Gehen Sie hier die Straße entlang, immer geradeaus. Auf der linken Seite ist dann die Post.“
Auf der linken Seite ist gar nicht die Post, sondern die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Sparkasse, das Landgericht, der König-Heinrich-Platz und dann am Ende das Call-Center der Targobank. Aber ich habe ihm gesagt, er soll nach links schauen. Denn wenn er nach rechts geguckt hätte, hätte er gesehen, daß auf dem Sonnenwall, keine 50 Meter entfernt, die Post ist.

2016-08Wer zur Bismarck-Straße will und dann zum Entenfang geschickt wird, soll sich bloß nicht beschweren. Dort ist es doch schön!

Alles war, nix is mehr (8) oder Auf der Suche nach der fröhlichen Wissenschaft

nixis47Die Firma gibt‘s also noch. Die heißt auch noch so. Und die sieht ja auch noch fast genauso aus wie „zu meiner Zeit“. Aber ob die Firma noch mit Fug als „Hort der fröhlichen Wissenschaft“ aufgefaßt werden kann, steht dahin.
Imposante Schmiede-Eisen-Architektur! Links, wo ich einst eintrat, ist jetzt geschlossen. Dafür kann man jetzt durch die Mitte gehen. So ändern sich die Zeiten.

nixis48Das Ganze von der anderen Seite betrachtet (von Norden – der Norden heißt hier: Wittekindstraße). Blick über den Schullow. Die „Löbenicht-Eiche“ (hinten links) überragt inzwischen die Gebäude. Kaum einer wird wissen, daß die Eiche so heißt. Darum braucht man sie auch nicht zu fällen. Sie kann ja nichts dafür. Als ich hier als Sextaner meine Laufbahn begann, war die Eiche gerade gepflanzt worden und diente in ihrer jugendlichen Mickrigkeit als Symbol für die Dürre der heimatvertriebenverbandlichen Phrasen. Das möchte ich nämlich am heutigen Tag den Nachrufen auf die Genossin Margot Honecker entgegenstellen: Wir sollten im Kalten Krieg zu linientreuen Anhängern des westdeutschen Revanchismus erzogen werden, was nicht so recht hinhaute.

nixis49Dort hinter dieser Skulptur, die wohl irgendwas symbolosiert oder von jemandem gestiftet wurde oder beides ist der Vordereingang, der aber nie benutzt wurde, sondern nur der Vornehmheit diente.
Ich träume aber oft, durch diese Tür ins Freie zu treten. Das ist dann eine Situation des Entkommens.
Der Park war der Pausenhof für die Oberstufe (zu betreten durch die bescheidene Tür des „Neubaus“).
Der Park ist heute eingezäunt. Das Foto entstand zwischen zwei Zaunlatten.

nixis50Der „Neubau“ (Anbau) diente der Exklusivität der Oberstufe. Dort hinter jenen Fenstern im ersten Obergeschoß strebte ich als Oberprimaner dem Finale entgegen.
Die Firma litt permanent an Raum-Mangel, woran sich nichts geändert haben dürfte, weil heutzutage alle Eltern davon überzeugt zu sein scheinen, daß ihre zehnjährigen Kinder (mindestens: hochbegabt) unbedingt aufs Gymnasium gehen müßten und somit das Mittelmaß dort die Gänge verstopft. Und dann auch noch: Verkürzter Bildungsgang.
Aus lauter Verzweiflung wurde dem Neubau ein Anbau (dem Anbau ein Neubau) hinzugebaut.
Ich dachte damals: Hier lernt man zu wenig. Ich erwartete mehr Leistung von dem Bildungsunternehmen. Aber als Hort der fröhlichen Wissenschaft konnte das Unternehmen durchaus gelten (nicht im Nietzscheschen, sondern im Godardschen Sinne).
Zwei wertvolle Bldungsinhalte konnte ich mir auf der Oberschule aneignen:
1. Die Fähigkeit, mich in mißlichen Situationen irgendwie durchzuwurschteln und rauszuwinden,
2. Quatschmachen (auf einem gewissen intellektuellen Mindestniveau) und den Wert dieser Fähigkeit erkennen.
Ich könnte noch als Drittes erwähnen: Die Erkenntnis, daß man die wichtigsten Kenntnisse und Befähigungen als Autodikakt sich selbst beibringen muß.

nixis51FORTSETZUNG FOLGT.

Datum von heute

WittHeirat1Das ist der Vorteil, wenn man eine eigene Zeitung rausgibt.
Dann braucht man für solche Anzeigen nichts zu bezahlen.

WittHeirat2Warum nimmt man für sowas eigentlich immer den Ersten April? Dann merkt das doch jeder sofort.

Die Anzeige vom 1. Dezember 1988 erschien in DER METZGER Nr 40 im JANUAR 1988. Ich hätte also noch 11 Monate Zeit gehabt, um sie rumzukriegen.

Am 3. Oktober ist immer zu

Meine Damen & Herren, bitte denken Sie dran: Morgen ist gesetzlicher Feiertag. Alles im Haus? Kaufen Sie heute schon für das ganze Wochenende ein.
Verlängertes Wochenende! Sehr schön. Da kann ich ja endlich meine Zeitung fertig machen. Da hat die Deutscheeinheit ja doch was Gutes. Nächsten Jahr ist der Feiertag sogar an einem Montag, das ist ja noch schöner!
Schlaue Menschen haben sich rechtzeitig mit dem Fiese-Möpp-Aufkleber ausgestattet:
AllesBesser..

Nicht jeder findet das gut: LSD ins Trinkwasser.

Einige Passagen meiner Lesung im Syntopia am 17. September 2015 wurden gefilmt. Heute zeige ich euch: LSD ins Trinkwasser.


Über den Besuch eines Beamten ist ebenfalls was zu erfahren.

Dies ist das Notat Nr. 888. Das kann doch kein Zufall sein.

Pornpositiv

„Da hilft
nur noch eine
pornographische
Offensive.“
Magda Gorny

Neu, besser gesagt: Schon längt in der Weltbühne:
FemPornBookThe Feminist Porn Book. Strategien der Lusterzeugung, Band 1. Verlag Louisoder. 280 S. 14,95 Euro
Der Verlag über das Buch:
„The Feminist Porn Book“ vereint zum ersten Mal Schriften von FeministInnen aus der Erotikbranche und Forschung feministischer Pornowissenschaftler. Das Buch geht nicht nur der Frage nach, wie FeministInnen Pornographie verstehen, sondern auch wie FeministInnen Pornographie „machen“ – also in einer der lukrativsten Industriezweige der Welt Regie führen oder als Darsteller, Produzenten und Konsumenten agieren. „The Feminist Porn Book“ aktualisiert die Debatten der Pornokriege in den 1980er-Jahren, welche die Frauenbewegung tief gespalten haben, und stellt die Pornografie als eine Form des Ausdrucks und der Berufstätigkeit dar, in der auch Frauen und andere Minderheiten Macht und Lust produzieren.

Ich dachte: Den zweiten Band gibt es doch auch schon, dann muß ich auch den hier anpreisen! Und dann merkte ich, daß ich den ersten Band hier auch noch nicht erwähnt hatte.
Also:

The Feminist Porn Book. Die Kunst, Lust zu vermitteln, Band 2. Verlag Louisoder 2014. 230 S. 14,95 Euro
„The Feminist Porn Book“ versammelt Produzentinnen, Darstellerinnen, Sex-Aktivistinnen und Kritikerinnen, die sich als Autorinnen zum Thema äußern. Die Autorinnen agieren oder agierten vor der Kamera, hinter der Kamera oder beides. Sie plädieren für eine „echte“ Darstellung von Lust in erotischen Filmen und das Recht sexueller Entfaltung, ganz gleich welcher Ausrichtung in Bezug auf Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder Vorlieben. Sie werfen einen kritischen Blick auf die extrem vielseitige Unterhaltungsbranche für Erwachsene, bereichern sie um die Bilder, die sie selbst sehen wollen, und verändern sie dadurch nachhaltig.
Das Buch erschien gleichnamig 2013 bei „The Feminist Press“ in den USA und sorgte dort für rege öffentliche Diskussionen. Das Vorwort zur deutschen Ausgabe in Band 1 steuerte Laura Méritt bei, die mit ihrer PorYes-Bewegung seit vielen Jahren das Thema behandelt und sich öffentlich für das Recht auf Pornografie und erfüllte Sexualität von Frauen stark macht.

PorYes! Vorlieben! Recht auf Pornografie! Das Wagnis, erotische Erfahrung und Sehnsucht zum Gegenstand gestalterischer Phantasie zu machen – und das alles in einem Atemzug mit „Feminist“! Das klingt so schräg, so ungeheuerlich, wenn man das bürgerliche Heldenleben der letzten Jahrzehnte beobachtet hat.
Wie oft schon hat man angesichts des Moral-Kartells des bürgerlich-proletarisch-feministisch-patriarchal-progressivkonservativen, alternativen Mainstreams einsehen müssen: da helfen keine Argumente, da trügt die Hoffnung auf Einsicht, da helfen auch keine Pillen und keine Essigsaure Tonerde. Da hilft nur ein Rotes Tuch. Da hilft nur der erotische Ungehorsam!
FeministPorno! Der Widerspruch in sich als Deus ex Machina!
So wie die Spaßguerilla nur eine unvollkommene Vorform der Quatschguerilla ist, so ist der sexpositive Feminismus nur ein Vorstadium des pornopositiven Feminismus.

Bestellen Sie diese beiden Bücher (oder eines davon) in der sex-positiven Buchhandlung Weltbühne. Weltbühne muß bleiben.

Da ich weniger als Konsument, sondern vielmehr als Produzent von Pornographie Befriedigung finde, weise ich auch noch auf folgendes hin:

Ist Der Metzger ein Pornoblatt?

Quod erat demonstrandum

Am 2. März 2015 wurde in diesem Weblog vorhergesagt, daß es am Samstag, dem 4. April (Ostersamstag) vormittags in Duisburg, Königstraße heftig regnen wird.
Und? Was ist passiert? Kein Regen!
KeineChemtrailsChemtrails? Von wegen!
Was zeigt uns das? Daß das ganze Gerede über Chemtrails alles Quatsch ist.
Quod erat demonstrandum.
(Deutsch: Quatsch irrt auf Demonstration).

Zu Hause ist es doch am schönsten

Heute war einer hier, der zeigte mir ein Flugblatt, das gestern auf einer der Anti-Pegida-Demonstrationen verteilt wurde.
Lang war der Text nicht, nur ein Din-A-5-Blatt. Und da wurde über die Friedensbewegung hergezogen (genauer: über das, „was aus der Friedensbewegung geworden ist“): „Eine ‚Friedensbewegung‘, die weder Gegner noch Freunde (er)kennt – wem soll die noch nützen?“
Dann heißt es noch: „Ostermarsch-Auftakt in Duisburg am 4.4. um 10.30 Uhr am coolen Wall. Muß man da wirklich hingehen? Bleibt lieber zu Hause. Zu Hause ist es doch am schönsten.“
Unterschieben wurde das Flugblatt mit „Friedensforum Duisburg“, richtig mit der (richtigen) Internet-Adresse und dem Spendenkonto.
Ein Fake? Ein Hoax? Bestimmt!
Oder?
Es liegt nicht fern, dem Duisburger Friedensforum die Absicht zu unterstellen, mit dem Auftritt der mit der rechten Szene eng verbundenen „Bandbreite“ viele Menschen von der Teilnahme am Ostermarsch abzuschrecken.

Was übrigbleibt ist die Frage, ob ANTIMILITARISMUS, PAZIFISMUS, FRIEDENSARBEIT denn wirklich nur in der Friedensbewegung stattfinden muß (bzw. in dem, was aus ihr geworden ist).

Es ist ja nicht die Bandbreite allein, sondern z.B. auch der „Friedenswinter“ (auf den kein Friedensfrühling folgen kann).

Der Kommunismus hält Einzug in Meiderich (live)

Einige Passagen meiner Lesung in der Zeche Carl in Essen am 31. August wurden gefilmt. Heute zeige ich Euch: „Der Kommunismus hält Einzug in Meiderich“ (aus „Der Gartenoffizier – 124 komische Geschichten“).

Ton- und Bildaufzeichnung: Hafenstaedter.

Seit 30 Jahren im Dienste der Bedeutung

Das Jahr 2014 soll nicht zu Ende gehen, ohne daß an eines der nicht unbedeutenden, aber unbekannten Jubiläen erinnert wird. 1984, also vor 30 Jahren, wurde an der Duisburger Universität der Situationistische Studentenbund gegründet!
Der Situationistische Studentenbund e.V., aus Zeitgründen auch oft auch „SSB“ genannt, verfügt weder über einen Telefonanschluß noch über eine E-mail-Adresse, hat sich zu seiner Gründung und Existenz nie selbst geäußert, keine Stellungnahmen und Erklärungen veröffentlicht und hat keine Homepage.
UND DENNOCH ist er Zeit seines Bestehens ununterbrochen aktive Stütze und wirksamer Wegbereiter der wirklichen Avantgarde gewesen. Und das wird auch so bleiben.
Bei Google finden Sie unter dem Suchbegriff „Situationistischer Studentenbund“ nur drei Treffer. Mit denen werden Sie in dieses Weblog geleitet, und zwar in signifikantem Zusammenhang mit „Quatschguerilla“ und „Projektgruppe Pudding und gestern“.
Das sind bestimmt keine Zufälle.
P.S.: Daß von den Mitgliedern des Studenten-Bundes niemand Student ist, muß keinen beunruhigen.

Für eine glücklichere Zukunft!

Sie hat mir manchmal Notizen geschickt wie diese hier:

„Extra für Dich
Kurz vor Ladenschluß.
Ich möchte unbedingt was vor seinem Laden machen. Etwas, weas er so schnell nicht vergißt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit einem großen Transparent. – Gegen Hakenkreuze. So etwas. Gegen deutsche Suppenschüsseln, ha!
!!! Erregung öffentlichen Ärgernisses !!! !!! Vor allen Leuten !!!
Schamlos. Unübersehbar. Vielleicht mit einer Gerte oder einem Lederremen. Was Nacktes. WEas Nacktes vor seinem Laden. Meine Bühne ist die Straße. DO IT ON THE ROAD.
Es geht also los. Als ich mich kurz umdrehe, sehe ich ihn am Fenster stehen. Ich installiere seelenruhig die Leiter und fange schon mal mit dem Ausziehen an. Mit dem Rücken zu ihm. Aber er guckt immer noch und faßt es nicht. „Was macht die denn jetzt???“ Endlich begreift er, was sich da abspielt.
Während ich also mit dem Ausziehen beschäftigt bin – ein paar Leute bleben schon stehen – kommt er wie ein Pfeil rausgerannt. Ich schüttel seine Hände ab: „Laß mich doch!“ Dann nimmt er mich kurzentschlossen auf den Arm und trägt mich schnell über die Straße. So, schnell rein da, Tür zu. Abschließen, „damit se nich abhaut.“
„Also, was denkst du dir eigentlich?“
Er rennt auf und ab, es ist herrlich zuzuhören. Es macht mir immer mehr Spaß.
„Na warte.“ ——-………—–…..———-…….?—-!!!§“!“——…………?……………..
Danach kann ich nicht mehr sitzen. Deinen Tisch habe ich nämlich abgebaut. Extra für Dich.

Abgesehen von einigen Eskapaden wie vorstehender, verstecke ich meine Figur lieber unter Kleidern und LILA LATZHOSEN. Ich möchte nämlich nicht von jedem Wichser „angemacht“ werden.
Wer meinen Arsch zu sehen verdient – das entscheide immer noch ich. Der gehört nämlich mir, mein Kleiner.
Freundliche Grüße an Lina Gannofs… mein Gott, WIE heißt die?
Du weißt doch, daß ich schwer erziehbar bin.“

In ungeduldigem Klang gehaltene Entwürfe füllten oft die Blätter, die sie mir mit der Post zuschickte. Der Rekurs auf körperliche Züchtigung in erotischem Kontext ist bei ihr nicht selten (siehe hier und siehe da), und unvermeidlich ist ihre Weigerung, den Namen ihrer Lieblingsrivalin jemals korrekt hinzuschreiben.

Die Geschichte ist realer als man zunächst glauben mag. Ich traue Erika eine solche Aktion durchaus zu: daß sie sich auf der Straße auszieht und sich aller Welt nackt zeigt, um so gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit in der Welt und deutsche Suppenschüsseligkeit zu protestieren. In der Einschätzung der subversiven Kraft sexueller Intervention weiß sie sich mit mir einig („Besser kann man‘s nicht ausdrücken“).
Darum fand ich die Geschichte gar nicht so gut. Das habe ich ihr auch gesagt, als sie mich anrief:
„Der Mann in der Geschichte, damit kann ich ja wohl nicht gemeint sein. Ich würde doch nicht einschreiten, wenn du, im Einklang mit unserer gemeinsamen Kunstauffassung, aus Protest gegen Spießertum und Untertanengeist dich öffentlich entblößt. Ich würde doch in Wirklichkeit eine solche Kunst-Aktion unterstützen.“
„Na, da bin ich mir nicht so sicher“, sagte sie. Ich hätte ahnen können, daß sie noch was vorhat.

Erika besuchte mich manchmal im Geschäft. Die Zeit von eins bis drei war uns am liebsten, weil durch Umdrehen des Türschlosses der Publikumsverkehr ferngehalten wurde.
„Schau her!“ sagte sie. „Mein Hintern ist doch nicht schlechter als der von der Glabowski!“ Und dann sagte sie plötzlich: „Ich stell mich jetzt nackt ins Schaufenster.“

"Ich stell micht jetzt nackt ins Schaufenster!"

„Ich stell micht jetzt nackt ins Schaufenster!“

Ich hechtete ihr hinterher und hielt sie im letzten Moment zurück. Sie wehrte sich heftig. Sie wollte unbedingt im Evaskostüm im Schaufenster stehen, und ich wollte das unbedingt verhindern.

„Laß mich los!“ rief sie wütend. Denn: Wer ihren Arsch sehen soll, das will allein sie entscheiden.

Wir haben uns dann vorgenommen, doch noch ein Happening aus Unfug, Unzucht und Umsturz zu veranstalten, allerdings an einem Ort, den wir beide nach getaner Tat verlassen konnten.
Nämlich im Bonner Hofgarten.

Ist was?

Ist was?

Die Hofgartenwiese, der historische Ort, wo einst gegen Krieg und für Abrüstung demonstriert wurde, erschien uns sehr geeignet für eine Manifestation der Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft. Eine einzelne Bank stand mitten auf der Wiese. Auf ihr hatten wir uns niedergelassen. Hier, am Schnittpunkt der Diagonalen, sichtbar von allen Seiten, sichtbar für zahllose Parkbesucher, legte Erika sich quer über meinen Schoß und empfing von mir energiereiche Schläge auf den Hintern.

Auaa! (Täter unkenntlich gemacht).

Auaa!
(Täter unkenntlich gemacht).

Nicht alle können in dem Moment in eine andere Richtung gesehen haben. Nicht alle können den Rhythmus der Applikationen und die Melodie der Äußerungen meiner Mitstreiterin überhört haben. Vielleicht hat ein Kind auf dem Spielplatz nebenan gefragt: „Mama, was macht der Mann da mit der Frau?“
Wir sind dann auch schnell abgehauen.

Na? War was? (Jetzt aber nix wie weg).

Na? War was?
(Jetzt aber nix wie weg).

..