Paradise lost

„Das Dorf Hollywood ist entworfen nach Vorstellungen
Die man hierorts vom Himmel hat. Hierorts
Hat man ausgerechnet, daß Gott
Himmel und Hölle benötigend, nicht zwei
Etablissements zu entwerfen brauchte, sondern
Nur ein einziges, nämlich den Himmel. Dieser
Dient für die Unbemittelten, Erfolglosen
Als Hölle.“
Bertolt Brecht in Hollywoodelegien.

In Kalifornien brennen die Wälder, die Villen, die Dörfer, die Kleinstädte. Das Inferno holt den Himmel ein. Das Städtchen Paradise ist abgebrannt.
Daß es gar nicht der Klimawandel sei, sondern schlechtes Wald-Management, tönt es aus dem Präsidenten Trump, der immer anderen die Schuld gibt.
Das ist gar nicht mal so ganz völlig falsch.
Der Trump hat nie recht. Er hat allerhöchstens mal nicht so völlig ganz unrecht.
Zum Klimawandel kommt zum Beispiel eine falsche (neoliberale) Raumordnungspolitik hinzu.
Daß der Präsident nicht der einzige Idiot in Amerika ist, das wußten wir aber schon.

Früher und heute falsch und richtig


Eine alte Postkarte von der edition sehStern (so geschrieben) ohne Jahresangabe, aber mit vierstelliger Postleitzahl (1000 Berlin).
Die SehStern-Editoren können nichts dagegen haben, wenn ihre Produktion hier wieder zum Vorschein kommt. Die Postkarte steht (wahrscheinlich als letztes Exemplar) in einem der Postkartenständer in der Buchhandlung Weltbühne, wo nichts verramscht, nichts remittiert und nichts ausrangiert wird, weil von den Beständen, die sich seit Ende der 60er Jahre hier sammeln, nichts unaktuell wurde.

Weil Postkarten ein subversives Medium sind, machen wir Postkarten.

In diesen Tagen erschienen in der Serie SITUATIONSPOSTKARTEN (Postkarten der Situationspresse) 13 neue Motive (Nr. 134 bis 146).
Zum Beispiel diese:

Nr. 142: Heinrich Hafenstaedter: Bäume schützen. Karl-Jarres-Straße.

Nr. 143: Heinrich Hafenstaedter: Streng verboten. Hochfeld, Rheinufer.

Nr. 144: Heinrich Hafenstaedter: Bekannt machungen. Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG, Straußsiedelung.

Nr. 145: Heinrich Hafenstaedter: Fiat lux. Güterabfertigung DU-Hbf. (Juli 2017).

Nr. 146: Heinrich Hafenstaedter: Gleis 3m. Güterabfertigung DU-Hbf. (Sept. 2017)

Diese Postkarten sind in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich – auch im Veresand.
Neu: Service: in der Buchhandlung sind auch Briefmarken für Postkarten im Inlandsversand zu kriegen.

Noch mehr neue Postkarten

Wie gesagt: Die Serie der Situationspostkarten wurde dieser Tage beträchtlich erweitert. Und heute bekommen Sie die neuen Foto-Postkarten von Heinrich Hafenstaedter zu sehen: Mauern mit Spuren und Orte der Hinterlassenheit (habe ich das nicht schön gesagt?).

Die Philosophie – nein, nicht im Boudoir, sondern im Güterbahnhof. Wo immer man hinkommt: Adorno ist immer gut.

Ich das nicht herrlich? Energiye, Power, Acktion, Affe(e) für Versager.
Pow-Erup nur gegen Pfand.

Hochfelder Fresko? Ausgerechnet Sedanstraße. Durch Verschicken von Situationspostkarten lösen Sie immer Situationen aus.

Das Verschwinden des Gewächshauses im Hamborner Botanischen Garten muß man nur noch halb bedauern, weil im Duisburger Güterbahnhof für Ersatz gesorgt wurde.

Postkarten sammeln ist gut.
Postkarten verschicken ist auch gut, sogar noch besser.
Wollen Sie Situationspostkarten live erleben? Dann kommen Sie am 20. August 2017 (Sonntag) zum Ruhrorter Kunstmarkt, am Stand der Buchhandlung Weltbühne gibt es sie (1 Stück für 1 €).

Wir bieten dort viel. Nicht nur Postkarten.

Auch an Pfingsten: Für Sie unterwegs…

Ich weiß ja, daß Sie voller Neugier auf meinen obligaten Bildbericht von meiner traditionellen Pfingstmontags-Erkundungswanderung warten.

Kein Mensch bis zum Horizont.
Man erkennt den ehemals größten Rangierbahnhof der Welt ja gar nicht mehr wieder. Dafür aber die Kulisse eines sechsstündigen Western ohne Darsteller (mit wenigen, dafür jeweils sehr langen Einstellungen).

Die Industrie und ihre Gesellschaft (und ihre Gehäuse) zerfallen. Und was dann? Alle Signale stehen auf Halt.
Und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, soll dieses riesige Areal natürlich bebaut werden. Und zwar mit Luxus-Behausungen – für die Leute, die es gar nicht mehr erwarten können, ausgerechnet nach Duisburg zu ziehen, der Stadt mit dem Zukunfts-Image!

Anscheinend wurde mit dem Bau schon begonnen.

Bilder für größer und für schöner anklicken.
Weitergehende Betrachtungen dieses Rangierbahnhofs-Phänomens demnächst in diesem Weblog.

„Was wir heute bauen sind die Slums von morgen“

Ich habe ja eigentlich gar nichts gegen bombastische Baustellen (wie hier am Kaiserberg).

Aber muß dabei jedesmal ein Neubau hinterlassen werden?
Fast alles, was Architekten in den letzten 50 Jahren hingestellt haben, ist der Kategorie Landschaftsverschandelung zuzuordnen.
Da wäre es doch besser, die Bauunternehmer transportieren alles nach einer gewissen Zeit wieder ab, schütten alle Baugruben wieder zu und sagen: So, das war’s.

Der Mensch als Verkehrshindernis

(Anklicken zum Vergrößern)
Ja, wer nimmt sich denn einfach so das Recht?
Die Erkenntnis, daß Gerechtigkeit den Exporten schadet und daß wir uns das Überleben auf dem Planeten aus wirtschaftlichen Gründen einfach nicht mehr leisten können (Programm der FDP, kurz zusammengefaßt) ragt selbstverständlich auch in die Kommunal- und Stadtteil-Politik hinein:
Die Natur macht alles kaputt.
Zur Beruhigung des Herrn Oberbürgermeisters Sören Link (SPD) gibt es Leute, die aus Prinzip immer für das Falsche sind und irgendwelche „Gründe“ an den Haaren herbeiziehen. Die haben im Leben nichts anderes geschafft als sich anpassen. Darum sind sie nur für ein freudloses Dasein zu gewinnen. Sie lieben und leben das Unbehagen, und alles, was dem Leben Wert gibt, Gerechtigkeit, Schönheit, besseres Wissen kurzum: die Freude am Leben, ist ihnen nichts wert. Oder haben Sie schon mal erlebt, daß einer, der für Atomkraftwerke ist, sich gefreut hat (im Sinne von: Götterfunken)?