Allerheiligen

„Allerheiligen“ ist ein Hochfest der Katholischen Kirche am 1. November. Ich dachte früher, das wäre das Fest der unbekannten Heiligen, also all der namentlich nicht bekannten Märtyrer. Aber ich wurde von einem evangelischen (!) Religionslehrer informiert, das sei das Freudenfest für wirklich alle Heilgen. Seine Worte: „Auch der Mega-Stars wie Franz von Assisi marschieren da ein.“ (Sie wissen: When the Saints go marchin‘ in. Das darf man nicht verstehen als „When the Saints go march in Inn“, das würde bedeuten „Wenn die Heiligen in die Kneipe gehen“.
So paßt das Allerheiligenfest gar nicht so recht in den November-Kontext. Nur dadurch, daß an Allerheiligen abends auf den Friedhöfen die Gräber mit Lichtern geschmückt werden, wird dieser Kontext hergestellt.
Denn Allerheiligen, Halloween und das katholische Sankt-Martins-Fest, insbesondere die bei den drei Festen benutzten Lichter sind alle gleichen Ursprungs.
(Ich dachte im zweiten Schuljahr immer, das hieße „Sand Machtin“).
Zwischen Erntedank (Anfang Oktober) und dem Lichterfest (Ende Dezember, auch als „Weihnachten“ bekannt), im November also, wird das Totengedenken begangen. Das war schon in der vorchristlichen Zeit so.
Halloween war ein keltisch-heidnisches Fest, bei dem (zum Beispiel aus ausgehöhlten, von innen beleuchteten Kürbissen) Fratzen geschnitzt wurden. Diese Fratzen sollten die bösen Geister erschrecken und von den Gräbern vertreiben. Denn, so glaubte man anscheinend, die bösen Geister seien schreckhaft, wie später die Monster in Semame Street.
Die katholische Kirche hat – wie so oft – die heidnischen Kulte einfach aufgegriffen und mit eigenen Glaubensinhalten auszufüllen versucht. Allerheiligen und Sand Machtin sind also abgeschwächte Variationen von Halloween, das, aus Amerika zurückkehrend, in sich steigernder Form als Fest jugendlich-maskulinen Vollidiotentums begangen wird, wie den heutigen Nachrichten im Radio zu entnahmen war.
Eine ganz andere Erklärung für Halloween hat meine Kollegin Lina parat:
Gruß beim Eintreffen in der österreichischen Hauptstadt.

Reformation

Am 31. Oktober ist immer Reformationstag, heute sogar in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag wegen 500-Jahre-Jubiläum. Dabei ist die Reformation gewiß kein Tagesereignis gewesen. Ob an jenem 31. Oktober 1517 der Augustinermönch und Theologieprofessor Dr. Martin Ludher (später: Luther) überhaupt ein Plakat mit 95 Thesen an das Hauptportal der Schloßkirche zu Wittenberg angeschlagen hat, ist nicht gesichert. Die älteste belegte Aussage über den Thesenanschlag stammt von dem Reformator und Luther-Anhänger Philipp Melanchthon. Da war Luther nicht mehr am Leben. Luther selbst hat sich nie dazu geäußert. Sicherlich wurde der Text der Thesen vervielfältigt und war schon vor jenem Datum in Umlauf, auch denen, die durch das Thesen-Papier angegriffen wurden, schon bekannt.
Luther wandte sich gegen das Ablaßwesen der (später sogenannten katholischen) Kirche. Den Gläubigen wurde einsuggeriert, daß man durch den Kauf eines Ablaßbriefes Vergebung der Sünden erwerben und so die Dauer der Seele im Fegefeuer abkürzen könnte. Mehr noch: auch die Vergebung noch nicht begangener Sünden im voraus wurde versprochen.
Es wird immer gesagt, die Einnahmen aus dem Ablaßwesen hätten der Finanzierung des Petersdoms in Rom gedient. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Albrecht von Hohenzollern, Markgraf von Brandenburg (als solcher: Kurfürst) hatte ein ungewöhnliches Hobby. Er sammelte Bistümer. Er war u.a. Erzbischof von Magdeburg und Bischof von Halberstadt. Dann wurde er auch noch Kardinal und Erzbischof von Mainz (als solcher: nochmal Kurfürst, sozusagen ein Kurdoppelfürst oder Kurkurfürstfürst).
Bistümer waren eine einträgliche Einnahmequelle. Aber um ranzukommen mußte man zuerst ordentlich was hinblättern. Das Geld lieh sich Albrecht bei den Fuggern. Von den Einnahmen aus den Ablässen schickte der nur die Hälfte zum Vatikan, von der anderen Hälfte stotterte er seine Schulden bei den Fuggern ab. Man sieht: Die Kirche war am Ende des Mittelalters zu einer durch und durch korrupten Bagage geworden.
Dr. Martin Luther begnügte sich nicht damit, die Korruption in der Kirche anzuprangern. Sondern mit deutscher Gründlichkeit machte er in eine theologische Grundsatzfrage daraus. Er widersprach der Auffassung, daß man für seine guten Taten im Himmel belohnt und für seine bösen Taten in der Hölle bestraft wird. In Wahrheit lasse sich Gott durch menschliches Handeln gar nicht beeinflussen. Der einzige Weg der Erlösung ist Gottes Gnade. Der einzige Weg, die Gnade zu erlangen (sich für sie zu rechtfertigen) ist der Glaube. Die protestantische Ethik besagt eben nur: Man soll sich gottgefällig verhalten, weil sich das gehört, und nicht um im Himmel Pluspunkte zu sammeln.
Kirchenspaltungen hatte es vor der Reformation schon viele gegeben, die ersten schon im ersten Jahrhundert. Die Reformation des frühen 16. Jahrhunderts verdankte ihre historische Wirkung vor allem der Erfindung des Buchdrucks. Die neuen Ideen verbreiteten sich in Windeseile. Luther hat die neuen Medien für seine Sache zu nutzen gewußt.
Luthers Bibelübersetzung war nicht die erste Ausgabe der Bibel in deutscher Sprache. Ihre Bedeutung erlangte sie nicht allein durch die technisch möglich gewordene schnelle Verbreitung, sondern auch durch die sprachschöpferische Kraft des Übersetzers. Luther hat mit der Bibelübersetzung und mit eigenen Schriften (ebenso übrigens wie sein Zeitgenosse Adam Riese mit seinen Rechenbüchern) einen Beitrag zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache geleistet. Luther verdanken wir übrigens auch solche Ausdrücke wie „singen und klingen“, „der böse Bube“, „Feuertaufe“, „Bluthund“, „Selbstverleugnung“, „Machtwort“, „Schandfleck“, „Lückenbüßer“, „Gewissensbisse“, „Lästermaul“, „Lockvogel“, „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafpelz“, „der große Unbekannte“.
Das alles habe ich gestern im Café einem Kollegen erzählt. Der meinte: „Du kennst dich aber gut aus.“
Ich sagte: „Ich bin ja auch Atheist.“

Buch in Gefahr?

Im Mercator Verlag ist ein Buch erschienen, das allein von seiner Thematik interessant sein dürfte:

Doch die Sache hat auch noch ein Nachspiel:

Zitate aus dem Bericht in der WAZ:

Die Taktik ist immer die gleiche: Nicht das Buch als solches wird moniert, sondern vermeintliche Schwachstellen, einzelne strittige Sätze oder Zitate, oder Stellen, bei denen es strittig ist, ob es sich um Tatsachenbehauptungen handelt oder ob sie von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Es wird an den Verlag ein kaum erfüllbares Verlangen gerichtet (etwa: Unleserlichmachen in jedem einzelnen Exemplar) und durch einen willkürlich übertriebenen Streitwert die Gerichts- und Anwaltskosten in die Höhe getrieben. Zugleich versuchen Anwälte, der gegnerischen Partei mit einer „Unterlassungserklärung“ eine Falle zu stellen. (Merke fürs Leben: Nie, niemals, nie und nimmer in einem vorgerichtlichen Verfahren eine Unterlassungserklärung unterschreiben! Nie! Nie!).

Auch wenn am Ende sich kein Schaden eingestellt hat (was in diesem Fall zu hoffen nicht allzu kühn ist), hat man doch den Ärger und den Brassel und Zeit verloren. Das wäre also, neben dem eigentlichen Thema, ein zweiter Grund, dieses Buch zu kaufen.

Seien Sie doppelt solidarisch und kaufen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne, wo man ebenfalls sich nicht scheut, „heiße Eisen anzufassen“ (Redensart aus der Zeit der Aufklärung). Auch portofreier Versand möglich. Preis: 16 Euro.
Buchhandlung Weltbühne
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg
Tel. 0203 – 375121
E-mail bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
www.buchhandlung-weltbuehne.de

www.mercator-verlag.de

Das ist ja wirklich gottvoll!

Das las ich im Leserbriefteil der Frankfurter Rundschau: Eine christliche Dame räumte ein: Daß es Gott gibt, sei nicht bewiesen. Aber es sei auch nicht bewiesen, daß es Gott nicht gibt.
Das erinnert mich an eine Szene, die ich auf dem Sternbuschweg erlebt habe. Ein Autofahrer hatte beim Einparken ein anderes Auto beschädigt. Vom Besitzer darafhin zur Rede gestellt, bestritt er es. Es kam zu einem lauten Wortgefecht:
„Ich kann Ihnen zwei Zeugen nennen, der das gesehen haben!“
„Und ich kann Ihnen zehn Zeugen nennen, die das nicht gesehen haben!“

Alles Gute!

Heute früh hörte ich im Radio ein Interview mit dem Kölner Erzbischof Rainer Woelki.
Der Reporter fragte: „Denken wir an die Abgehängten von damals, die Hirten. Würden die heute AfD wählen.?“
Antwort des Kardinals: „Nach der Begegnung mit dem neugeborenen Kind bestimmt nicht. Denn die Weihnachtsbotschaft bedeutet etwas anderes als das, was die AfD sagt.“

Ich wünsche Ihnen, egal woran Sie glauben und woran sie nicht glauben, alles Gute.

Neue Serie: Die schönsten europäischen Einfahrten 1, 1a

eureinf-001
Beginnen möchte ich die Serie von Betrachtungen schöner europäischer Einfahrten mit dieser Kuriosität, fotografiert am 10. April dieses Jahres im Duisburger Stadtzentrum (abgewandte Seite).
Was man auf diesem Bild gar nicht unbedingt erkennt: Man kann da gar nicht erhobenen Hauptes durchgehen, ohne sich den Kopf zu stoßen, bei mindestens durchschnittlicher Körpergröße.
Auch die Verbindung zwischen den Hauptgebäude (rechts) und dem Anbau (links) ist nur in gebeugter Haltung möglich. Das ist doch komisch, oder?
Da bin ich am 3. Oktober nochmal gucken gegangen, und jetzt sieht das da so aus:

eureinf-001aWer weiß, was die damit noch vorhaben; vielleicht das Projekt „Der Dschungel holt sich die Stadt zurück“, beginnend in der katholischen Ecke hinter dem Dellplatz, hier: hinter dem Kettelerheim.

Als ich das zum ersten Mal hörte, habe ich „Kletterheim“ verstanden.

Gerechtigkeit auf Erden

Das ist ja wirklich komisch:
Am Dienstag kaufte ich bei Edeka Nektarinen. Kilopreis: 1,99. An der Kasse wurde aber der Kilopreis 2,99 berechnet (weil die Kassiererin die Nektarinen in der Tüte für Pfirsiche gehalten hat. Das merkte ich erst, als ich mir zu Hause den Kassenzettel anguckte). Darüber habe ich mich nicht gefreut.
Am Freitag kaufte ich wieder bei Edeka Nektarinen. Jetzt war als Kilopreis 2,99 angegeben. Naja. Aber auf dem Kassenzettel stand dann als Kilopreis: 1,99!
Ob da der liebe Gott seine Finger im Spiel hatte?
Nicht, um mir zu mehr Geld, sondern zum Glauben zu verhelfen?

Am FKK-Strand ganz köstlich amüsiert

Fünf junge Männer (ca. 20 bis 25 Jahre) wollten mal eine richtige Sause erleben und fuhren nach Xanten, wo es einen FKK-Strand gibt. Dort pöbelten sie die Badegäste an, und zwar, folgt man den Darstellungen in der Tagespresse, in besonders heftiger Weise. Laut Zeugenaussagen sollen in besonders heftiger Weise Frauen angegangen worden sein. In der WAZ las ich:
„Eine Gruppe von jungen Männern beleidigte die Gäste aufs übelste, beschimpfte vor allem Frauen. ‚Sie haben uns beleidigt, beschimpft und sogar bespuckt‘, sagt eine Leserin […]. „Wir Frauen seien alle Schlampen, und sie würden uns alle ausrotten‘.“
Daß sich die Störer des Wochenendvergnügens durch den Ruf „Allahu akbar“ (auf Deutsch: „Gott ist groß“) als Vertreter einer der abrahamitischen Religionen zu erkennen geben wollten, ist für diese Situation nicht untypisch. Das schaurig-schöne Amüsemang über den Verfall der Sitten rechtfertigt sich durch den Gestus vorgeschobener Empörung.
„Willst du nackte Weiber sehen?“ Dann mußt du sie aber beschimpfen – dann darfst du gucken. (Und dann regt sich das, was im seelisch verkorksten, religiös pervertierten Untertan durch sexuellen Reiz zum Vorschein kommt: Haß, Aggression, Bereitschaft zur Gewalt).
Ein großer Teil der pornographischen Literatur der letzten 1000 Jahre ergeht sich in bigotter Entrüstung über die Schweinigeleien der Wilden, der Juden, der Jesuiten, der schamlosen Weiber, der Kommunarden, der Grünen Witwen, der Zarin Katharina II., der langhaarigen Marihuana-Raucher, der Studentinnen, der Ungläubigen, der Mittelmeeranrainer, der Unterschicht et cetera pepé, wobei die eigene Weste unbefleckt bleibt. Das Auftreten der Gottesverkünder in Xanten dürfte dem fidelen Entrüstungs-Tourismus zuzurechnen sein. Denen, die diese Republik schon in ihrer gerontokratischen Anfangsphase kennenlernen durften, kommt das alles bekannt vor. „Ausrotten“ war nach 1945 keineswegs zum Tabuwort geworden.
Integration gelungen? Die fidelen Entrüster stehen wohl so etwa auf dem Stand von 1960.
Und genau das ist es ja, wohin die Pegida-Idioten alles wieder hinbringen wollen.

Albrecht Dürer: Der Sündenfall (1504)

DuererSuendenfall
Albrecht Dürer: Der Sündenfall. Kupferstich von 1504.
Auf den ersten Blick:
In den scholastischen Streit, ob Adam einen Bauchnabel hatte oder nicht, hat Albrecht Dürer Partei ergriffen.
(Die einen sagten: Adam hatte keinen Bauchnabel, weil er nicht geboren, folglich auch nicht abgenabelt wurde. Wer behauptet, Gott hätte etwas Sinnloses erschaffen, ist ein Ketzer. Die anderen sagten: Ein Mann ohne Bauchnabel ist unvollkommen. Wer behauptet, die Schöpfung Gottes sei unvollkommen, ist ein Ketzer. Ob ein scholastischer Streit darüber gefochten wurde, ob Eva einen Bauchnabel hatte, weiß ich nicht. Die war ja immerhin auch nicht geboten worden, sondern aus einer Rippe geformt, worauf man bei Betrachtung der weiblichen Anatomie nie käme).
Immerhin: Es scheint nach Dürers Auffassung im Paradies schon einen Rasierpinsel gegeben zu haben.
Auf dem Bild ist der Moment abgebildet, in dem Eva dem Adam eine Frucht überreicht. Der Betrachter sieht etwas, was weder Adam noch Eva gesehen haben kann, nämlich, daß die Schlange (Gestalt des Teufels) an dem Vorgehen beteiligt war, und man könnte meinen, daß die Schlange die Frucht am liebsten selber an sich genommen hätte. Noch hat Adam die Frucht nicht übernommen, noch muß die Maus sich vor der Katze nicht fürchten.
Adam und Eva sind mit Blättern bekleidet. Daß sie ihre Blöße bedeckten war allerdings Folge des Sündenfalls, der hier noch gar nicht beendet ist. Bei genauem Hinsehen merkt man, daß Dürer einen Trick anwandte: Die Blätter befinden sich noch an den Gewächsen und ragen dort hin, wo sie anschließend getragen werden sollten.
Dürer hat, als Vertreter einer fortschrittlichen Kunst, als Avantgardist in einer in Bewegung geratenen Zeit, auf diesem Bild ein GESCHEHEN dargestellt: Anfang und Ende, Ursache und Wirkung, Sichtbares und Verborgenes, in EINEM Bild. Es ist – salopp gesagt – ein Comic-Strip, der nur aus einem Bild besteht.

Vergesst mir die Hessenstraße nicht!

Hessen1-8.3.16Was soll das heißen? Recycling als atheistisches Gewerbe?

Hessen2Auch eine schöne Reklame.
Ich weiß zwar nicht wofür. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Sondern: Schön soll sie sein.

Hessen3Wenn man sowas sieht, könnte man glatt meinen, man wäre auf dem Land. Dabei befinden wir uns hier mitten in der Großstadt.
Die frauenfeindliche Inschrift auf der grünen Tür durch Pixelierung unkenntlich gemacht.

Hessen4Sagte ich schon, daß die Hessenstraße in Duisburg-Neudorf eine zwar bebaute, aber adressenlose Straße ist? Hier befinden sich nur Hintertüren.
Während die grüne Tür (zweite von links) nach oben gerutscht zu sein scheint, ist das Garagentor ein bißchen tief geraten. Den schmalen Streifen dazwischen würde ich auch nicht unbedingt als Bürgersteig bezeichnen.

Hessen5Mit Fenstern ist man in dieser Gegend recht sparsam.

Hessen6Und da hat man sich gedacht: Noch schöner ist das Leben, wenn man die Fenster im Parterre vergittert.
Auf dem kleinen Schildchen auf dem braunen Garagentor steht: „Garagenzufahrt freihalten“.
Als ob Leute, die Garagenzufahrten versperren, lesen könnten!
(Wenn das die Garage von dem Strähler wäre, der hätte bestimmt anläßlich der Rechtschreib-Reform da ein neues Schild hingehängt: „… frei halten“).

Hessen7Als ob ich‘s nicht immer schon gesagt hätte: Schaumbaden war noch nie so schön!

Hessen8Das hatten wir schon.

Die Flüchtlinge und unsere Aktien

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) lag Deutschland am Boden, das Land war verheert, die Bevölkerung dezimiert, die Wirtschaft zerstört. Der Wiederaufbau der Wirtschaft wollte nicht in Gang kommen.
Da kam die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV von Frankreich im Jahre 1685 den deutschen Fürsten gerade recht. Mit dem Edikt von Nantes hatte Heinrich IV 1598 den Hugenottenkrieg beendet. Die Aufhebung des Edikts, das Ende des Religionsfriedens in Frankreich setzte eine neue Massenflucht in Gang. Die französischen Protestanten wurden vor die Wahl gestellt, zum katholischen Gauben überzutreten oder ihr Vermögen an den Staat abzutreten. Etwa 50.000 französische Protestanten suchten Schutz in deutschen Fürstentümern, die meisten im Kurfürstentum Brandenburg (dem späteren Königreich Preußen).
Bei der Bevölkerung waren die Flüchtlinge nicht sehr willkommen. Sie waren Reformierte Christen, ebenso wie das Herrscherhaus. Die meisten Brandenburger waren Lutheraner, die argwöhnten, die Hohenzollern würden sich reformierte Verstärkung heranschaffen. Vor allem wurden den Franzosen die großzügigen Steuerprivileien geneidet, mit denen ihnen der Start in ihrer neuen Heimat erleichtert wurde. Um diese Starthilfe zu finanzieren, wurden die Alteingesessenen mit Sondersteuern belastet.
Das Wort „Integration“ kannte man noch nicht. Die französischen Einwanderer lebten in abgetrennten Siedlungen, errichteten französische Schulen, behielten ihre Sprache und ihre Lebensgewohnheiten. Französisch war die Sprache der Höfe, der gebildeten Eliten. Die Franzosen hatten durchweg einen höheren Bildungsstand als die Urbevölkerung, viele waren Ärzte, Gelehrte oder hochqualifizierte Handwerker. Eine Angleichung an die Einheimischen hätte den Absichten nicht entsprochen, mit denen ihre Aufnahme verbunden war. Gerade das, was sie von der einheimischen Bevölkerung unterschied, machte die Flüchtlinge für das Herrscherhaus interessant. Der Anbau von Rüben und Hirse konnte gerade die Bevölkerung halbwegs gut ernähren. Wer Handwerke beherrschte, deren Produkte sich exportieren ließen, leistete einen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg.
Es ist oft genug daran erinnert worden: Seit der Römerzeit gab es permanent Zuwanderung in die mitteleuropäische Gegend, in der die deutsche Zunge klingt und aus der erst 1871 der deutsche Nationalstaat entstand. In der Regel war die Zuwanderung für dieses Land und seine Menschen ein Segen. Deutsches Ausschwärmen war in der Regel für die betroffenen Länder ein Fluch. Den „Toleranzedikten“, mit denen zum Beispiel der Alte Fritz verfügte, daß in Preußen „jeder nach seiner eigenen Façon selig werden“ könne, lagen ökonomische Erwägungen zugrunde. Das muß ihren Wert als Fortschritt gar nicht schmälern, sollte aber die Nüchternheit über die Glorifizierung setzen. Man sollte dann auch nicht vergessen, daß Deutschland im Zwanzigsten Jahrhundert Bevölkerungen eroberter Länder versklavte und Menschen zur Sklavenarbeit verschleppte.
In der jungen Bundesrepublik mit ihrem Nachkriegs-Wiederaufbauboom herrschte Arbeitskräftemangel für den Aufstieg zu einer Wirtschaftsmacht, wie es das Deutsche Reich vormals noch nicht war. Aus dem mediterranen Raum kamen die „Gastarbeiter“, was besser klingt als „Fremdarbeiter“.
Heute ist die Bundesrepublik kein Weiterlesen

Neu in der Weltbühne: Religionskritik – Meinungsfreiheit oder Schmähung?

Zwei Neuerscheinungen im PapyRossa-Verlag:
Conrad Schuhler: Alles Charlie oder was. Religionskritik – Meinungsfreiheit oder Schmähung?
110 S. 11,90 Euro
SchuhlerCharlieVerlagstext:
„Ausgehend vom Mord an Mitarbeitern von Charlie-Hebdo und dem ‚Kopftuch-Urteil‘ des Bundesverfassungsgerichts zugunsten einer muslimischen Lehrerin diskutiert Conrad Schuhler Fragen wie: Was wurde aus der von Kant formulierten Aufforderung, der Mensch solle sich ‚aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit‘ befreien und ’sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen‘ bedienen? Hat Marx recht, wenn er Religion als ‚Opium des Volkes‘ bezeichnet, das sich ein Ideal im Himmel erträume, statt seine weltliche Wirklichkeit human zu gestalten? Kann man, wie manche Religionskritiker, eine einzelne Religion, den Islam, als dümmste von allen ansehen? Und schließlich: Kann Satire sich unterschiedslos gegen jedweden religiösen Inhalt wenden? Muss sie nicht bedenken, ob sie sich gegen eine Religion richtet, die im jeweiligen Lande eine überragende Gestaltungsmacht besitzt, oder gegen eine Minderheit, deren fremdenfeindliche Gegner nur auf Munition warten?“

Sebastian Chwala: Der Front National. Geschichte, Programm, Politik und Wähler
143 S. 12,90 Euro
ChwalaFrNaVerlagstext:
„Vielfach ist der Erfolg des Front National unmittelbar mit dem Niedergang der französischen Industrie und der massiv angestiegenen Arbeitslosigkeit begründet worden. Sebastian Chwala widerlegt diese eindimensionale Erklärung und belegt, dass der seit langem andauernde Aufstieg der extremen Rechten in Frankreich viel eher aus der Bedrohung einer breiten ‚Eigentümergruppe‘ durch die Monopolisierungstendenzen des ‚modernen‘ Kapitalismus resultiert. Insbesondere die ’neuen Mittelschichten‘ mit ihren Einfamilienhäusern in den Vorstädten fürchten einerseits ihren Abstieg und andererseits die Konkurrenz neuer sozialer Aufsteiger. Sie sind es, die besonders anfällig sind für die Mystifizierung eines Frankreichs mit breiter Streuung an Eigentum. Die Wirkungsmächtigkeit dieses Ideals wird dadurch verstärkt, dass es von den politischen Eliten unverdrossen propagiert wird. Angereichert um Fremdenfeindlichkeit, spielt es in der Programmatik des Front National eine zentrale Rolle.“

Diese Bücher sind in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand) erhältlich und sollten auch dort bestellt werden. Aufgeklärten und politisch bewußt denkenden Menschen muß man das nicht erklären. Und die, denen man das erklären muß, bilden sich ihre Aufgeklärtheit und ihr politisches Bewußtsein bloß ein.

Buchhandlung Weltbühne – Gneisenaustraße 226 – 47057 Duisburg
Tel. 0203 -375121
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
http://www.buchhandlung-weltbuehne.de

Weltbühne muß bleiben.

Sand Martin

Vorgestern abend sah ich einen Martinszug. Der ging die Grabenstraße entlang, richtig mit Kapelle („Spielmannszug“ auch mit Spielmänninnen) und einem Sankt Martin auf dem Pferd. Als Kind verstand ich immer „Sand Martin“ und wußte nicht, was das mit Sand zu tun hat.
Es ist immer richtig, Kindern eine Freude zu machen. Das gelingt heute anscheinend immer noch mit einem Martinszug.
Es ist noch gar nicht so lange her, zwei oder drei Jahre, da sah ich den Martinszug in Duissern. Auf der Straße eine große Schar von Kindern mit Laternen. Der hellen Stimmen der Kinder überschlugen sich fast vor Begeisterung. Am Straßenrand, auf den Bürgersteigen, standen erwachsene Menschen und schauten zu, auch ich, und sicher auch die Eltern der Kinder.
Das war diesmal anders. Die Eltern zogen in dem Martinszug mit. Jedes Kind wurde von seinen Eltern begleitet. Man sah kaum die bunten Laternen, denn die Kinder konnten sie gar nicht so hoch recken, daß sie die Köpfe der Erwachsenen hätten überragen können.
Das hat der Freude der Kinder nicht viel Abbruch getan. Nein, ihnen gefiel das, das konnte man merken.
Aber ist das gut, wenn die Eltern ihren Kindern überhaupt nicht mehr von der Seite weichen?