März

März

Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Daß von den Blümlein allen,
Daß von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.

Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein!

Sollt‘ ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.

Goethe

Die Linkspartei ist dafür und dagegen

(Warum ich erleichtert bin, daß eine „rotrotgrüne“ Bundesregierung nicht zustande gekommen ist. Bei aller Heimatliebe: Duisburger Verhältnisse im gesamten Bundesgebiet? Nein, das wäre nicht schön).

Zur heutigen Ratssitzung:
In Duisburg-Hamborn soll ein Factory-Outlet-Center entstehen, damit die Leute für das Geld, das sie nicht haben, Sachen einkaufen können, die sie nicht brauchen. Die Mehrheit im Rat der Stadt, bestehend aus SPD, Grünen und Linkspartei, findet das gut.
Die Leute, die in der Hamborner Zinkhüttensiedlung wohnen, finden das nicht gut. Denn die Zinkhüttensiedlung, in der sie wohnen, steht da, wo das Factory-Outlet-Center hingestellt werden soll. Darum soll die Zinkhüttensiedlung abgerissen werden. Sie protestieren dagegen, daß sie zugunsten eines Factory-Outlet-Centers hinweggeplant werden, und haben eine Bürgerinitiative gegründet. Die Bürgerinitiative wird unterstützt von den Leuten, die Bürgerinitiativen unterstützen, also auch von der Partei Die Linke. Genauer müßte man sagen: von vielen ihrer Mitglieder, aber nicht von allen. Die Fraktion der Linken im Rat der Stadt ist für das, wogegen die Basis der Linken ist. Denn die Fraktion der Linken im Rat der Stadt ist für alles, wofür die SPD ist. Die drei Fraktionen von SPD, Grünen und Linken haben nämlich eine „rotrotgrüne“ Vereinbarung beschlossen. Und diese Vereinbarung, so findet die Links-Fraktion, darf auf keinen Fall zu Fall kommen.
Das tut der Partei nicht gut. Die Partei Die Linke in Duisburg ist derzeit kein Ort zum Wohlfühlen.
Dabei ist im Streit der Linken mit den Linken das Hauptargument noch gar nicht vorgetragen worden:
„Factory-Outlet-Center“ – was ist das denn für ein Wort? Ein Gebäude mit so einem dämlichen Namen darf nie erbauet werden!

Wojna meint: Antifaschisten sind Faschisten (bitte anschnallen)

In seinem Blog hat der Stimmungssänger Wojna („Die Bandbreite“) unter der Überschrift „Schreibblockade“ sich wortreich geäußert. Dabei unternimmt er auch gleich eine Neueinteilung des politischen Spektrums. Ich zitiere:

„Heutzutage ist ja jeder rechts, wir ja angeblich auch. Auf so einen haltlosen Scheiß kann ich nur mit Abscheu reagieren.
Diese Antifa ist nichts weiter als ein faschistischer Freicorps, der im Einklang mit den Systemmedien steht und sich darübe nicht mal ein Stück wundert.
Mir kommt der Satz in den Sinn: ‚Was früher die SA ist heut die Antifa‘.Eine Schande seid ihr für die echten Sozialisten unter euch, die sich nun eindeutig als ‚rote Antifa‘ abgrenzen müssen, weil man sie sonst fälschlich in einem Atemzug mit euch als Faschisten bezeichnet.
Tu ich dieser antideutschen und rassistischen Antifa damit Unrecht, wenn ich sie als intellektuelle Hooligans bezeichne? Ja, denn von intellektuell kann da keine Rede sein.Dass solche Jugendverbände wie ‚Die Falken‘ ihre antiimperialistische Linie aus den 70er sukzessive abgelegt haben – oder sie von eben jenen ‚Antifa-Faschisten‘ unterwandert wurden ist mittlerweile offenkundig. Traurig um die vielen guten Seelen im Verband, die wie im Nazi-Deutschland damals daneben stehen und schweigen.“

Dem geht der Mund über, dem das Herz voll ist. Voll womit?
Wer der Mitwelt etwas Fundamentales mitzuteilen hat, aber damit auf Desinteresse stößt, wird laut und ergeht sich schließlich in maßlosen Übertreibungen.
„Was früher die SA ist heut die Antifa.“ Ich würde gern erfahren, wo Wojna diesen Satz aufgegriffen hat, wer ihn in Umlauf gebracht hat. In dem Milieu, in dem er heimisch ist, wird man wahrscheinlich fündig werden.
Er wird konkret und nennt den Verband SJD Die Falken beim Namen. Aus diesem Verband wurde er wegen seiner Rechts-Eskapaden ausgeschlossen. Und wieder einmal werden die „Antideutschen“ als Popanz vorgeführt.
Mit dem Phänomen der „Antideutschen“, einer von der Linken abgespaltenen, nach rechts tendierenden chauvinistischen Sekte, habe ich mich vor Jahren mal ausführlich beschäftigt, mich durch ihre unappetitlichen Publikationen gequält und mich darüber in mehreren Artikeln geäußert, was mich allerdings nicht davor schützte, daß dann und wann hinter meinem Rücken gemunkelt wurde, ich würde „antideutsche“ Positionen vertreten.
Meine gegenteilige Position wurde von der hiesigen Routine-Linken, wie alles, was ich sage und schreibe, ignoriert. Warum?
Man ist in diesen Kreisen an Aufklärung gar nicht interessiert. Ins Licht gestellt sind die Feinde unbrauchbar. Man benötigt sie als „Dunkelmänner“, denen man alles zuschieben kann, was man nicht verstehen will, und denen man jeden zurechnen kann, der lauter Fragen stellt, die nur jemand hören will, der stören will. Die Nebulösität der Begriffe ist Voraussetzung für die argumentlose Abwehr von Kritik.
Es gibt noch mehr solche Nebel-Wörter, die nichts Konkretes bedeuten und die man nach Bedarf mal mit diesem, mal mit jenem Inhalt auffüllen kann (zum Beispiel: „Feminismus“, „Pornographie“).

Ich empfehle, das Schlagwort „Bandbreite“ unter diesem Text (oder auch die anderen Schlagwörter) anzuklicken. Das ist meine Empfehlung an die Leute, die sich auskennen wollen.

Sagen Sie mal: Bumm!

Das rheinländische Volksgut, das sich vornehmlich im Monat Februar unüberhörbar vernehmen läßt, hat zahlreiche Reflexionen über das Leben im allgemeinen sowie über die Wahrnehmung politischer und gesellschaftlicher Umstände hervorgebracht.
Der Vorbereitung der Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland diente die Bildung der Trizone. Der Blaskapellen-Chansonier Karl Berbuer dichtete und komponierte ganz in der Art des Nachkriegs-Fatalismus einen Gassenhauer mit dem Titel „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“.
Ich zitiere:
„Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien. Heideschimmela schimmela schimmela schimmela bumm!“
Ich muß sagen: Hier hat einer gewirkt, der über einen großen sprachschöpferischen Radius verfügt! Das muß ich neidlos anerkennen. Über sprachliche Ausdrucksmittel doch nun wirklich nicht in geringem Maße verfügend, muß ich zugeben: Ich hätte höchstens so etwas wie „trallala“ hervorgebracht. Wie aber kommt man auf „schimmela schimmela“? Wo holt man das her? Haben Sie schon mal den Ausdruck „schimmela“ beziehungsweise „heideschimmela“ in einem anderen Zusammenhang gehört oder gelesen? Hier hat einer gedichtet und sich dabei nicht damit begnügt, aus dem Fundus der vorgefundenen Sprache zu schöpfen. Er hat etwas Neues geschaffen. Heideschimmela.
Es gibt in dem Bereich, wo gesprochene Sprache und erklingende Musik aufeinandertreffen, eine Vielzahl bemerkenswerter wortähnlicher Sprachpartikel, wie etwa das bereits zitierte „trallala“ (oder „lalala“), womit wohl der Gesang als solcher verbalhornt wird. Walther von der Vogelweide arbeitete „tirili“ und „tanderadei“ in seine Dichtung ein, was wie Flöte und Geige klingen sollte. Aber was klingt so, daß man es mit „schimmela“ umschreiben könnte? Wenn man Topfdeckel in großer Zahl aufeinander türmt und dieser Turm dann ineinandersinkt, könnte ein Geräusch entstehen, das wie „schimmela“ klingt.
Aber was hat das mit der Trizone und der Gründung der Bundesrepublik zu tun?
Das Wort „Heidewitzka“, mit dem man den Herrn Kapitän des Möllemer Bötchens anspricht, ist ebenfalls ein seltsamer Ausdruck.

Warum mit mir nicht zu rechnen ist, wenn zu den Waffen gerufen wird

Bei der Lesung am 17. Dezember in der Spinatwachtel habe ich diesen Text vorgelesen:
SpinatDez13-3a

„Statt zu klagen, daß wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dafür dankbar sein, daß wir nicht alles bekommen, was wir verdienen.“
Dieter Hildebrandt

Was ich 1967 in die Begründung meines Antrags auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen hineingeschrieben habe, weiß ich nicht mehr.
Wäre ich gezwungen, meine Entscheidung, den Dienst in der Bundeswehr zu verweigern, noch einmal zu begründen, würde ich auf folgende Zeitungsmeldung verweisen:
„Schwarzer Postbote in Thüringer Dorf schikaniert. Wegen seiner schwarzen Hautfarbe mußte die Post einen Briefträger in Vachdorf im Süden Thüringens versetzen. Bewohner des 800-Einwohner-Dorfes hatten den Afrikaner immer wieder bei seiner Arbeit behindert; u.a. schickten sie ihn wissentlich in falsche Richtungen, wenn er nach dem Weg fragte. Anschließend beschwerten sich die Bürger über den Boten. Daraufhin versetzte die Post den Mann aus Mosambik mit dessen Zustimmung zum Fahrdienst. Der Mann werde bei der Post als zuverlässige und gute Arbeitskraft geschätzt, betonte eine Sprecherin.“
Daß der gute Mann den Wunsch hatte, in diesem Loch nicht mehr Dienst zu tun und für diesen Abschaum der Menschheit keine Post mehr auszutragen, ist nur zu gut zu verstehen. Daß dieses Kaff aber nicht zur Strafe in Dreckdorf umbenannt und für drei Monate vom Postverkehr ausgeschlossen wird bei anschließender Verdoppelung des Portos, ist mir unbegreiflich.
Das Dorf liegt im Süden Thüringens, befand sich also 40 Jahre lang außerhalb des Geltungsbereichs jener Freiheit, die die Soldaten der Bundeswehr unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen haben. In dem Unrechtsstaat DDR waren die Bewohner dieses Dorfes 40 Jahre lang gezwungen, auf die Völkerfreundschaft Eide zu schwören; und die Stasi kam gucken, ob die auch wirklich schwören. Das haben die dann auch getan und dabei mit den Zähnen geknirscht. Aber ungebrochen blieb ihre Hoffnung, eines Tages der Freundschaft der Völker abzuschwören und endlich zu ihrem nationalen Wesen zurückzukehren, welches seinen höchsten Ausdruck darin findet, daß sie jemanden, der nach dem Weg fragt, absichtlich in die Irre führen.
Was muß daran verteidigt werden? Müßte nicht in jedem vernünftigen Menschen die Sehnsucht wachsen, daß dieses Dorf mitsamt dem Pack, das darin haust, ugandischen, birmanischen oder peruanischen Truppen in die Hände fällt?
Jahrzehntelang wurde uns in besorgtem Ton vorgehalten, unsere Bundesrepublik mitsamt ihrer Freiheit (Wege falsch zu beschreiben) sei von bösen Feinden bedroht, die nur darauf warten, hier einzumarschieren und uns unter ihre Herrschaft zu zwingen.
Diese deutsche Nation, die zwei Weltkriege vom Zaun brach und Millionen Menschenleben vernichtete, diese deutsche Nation, die die größte Gefahr darstellt, die die Menschheit je gekannt hat, entblödet sich nicht, sich selbst als Opfer einer Gefahr darzustellen. Diese Nation, der ich zutraue, daß sie zu einem dritten Weltkrieg bereit sein könnte und abermals Millionen Menschen vernichten würde, weil sie von dem Drang besessen ist, die Welt unter ihre Leidkultur zu zwingen, sorgt sich ernsthaft, unter fremde Herrschaft gezwungen zu werden. Das allein ist ein Aberwitz.
Aber selbst wenn es stimmen würde, selbst wenn andere Gewehr bei Fuß stehen würden, um über Deutschland ihre Herrschaft zu errichten – wäre das wirklich so schlimm?
Deutschland hat Fremdherrschaft erlebt. Vor 2000 Jahren waren es die Römer. Sie brachten uns die urbane Kultur und die Wasserleitung – und übrigens auch die wunderschöne Hauskatze. Sie bereicherten unsere Sprache mit Wörtern wie Nase, Name, Nummer, Mauer, Fenster und Schrift und führten hier solche Grundsätze ein wie „nulla poena sine lege“ und „dubio pro reo“.
Vor knapp 200 Jahren kam der Kaiser Napoleon mit seinen Franzosen. Sie brachten uns die Müllabfuhr, das Zivilrecht und die universellen Ideen von Freiheit und Gleichheit, auf die die Germanen nie von selbst gekommen wären. Napoleons Vorboten, die Hugenotten, haben den Deutschen doch erst das Essen mit Messer und Gabel gezeigt (was die Deutschen den Franzosen niemals verzeihen werden). So wie die Römer in Germanien die Steinzeit beendeten, beendete Napoleon in Deutschland das Mittelalter, seine Herrschaft hinterließ hier wenigstens den Hauch einer Vorstellung von gutem Essen, gutem Wein und guten Manieren. Die Franzosen haben uns Deutschen doch erst Kultur beigebracht.
Mag sein, daß die, die über dieses Land Fremdherrschaft errichteten oder errichten wollten, dies nicht uneigennützig taten. Aber für uns ist immer etwas Gutes dabei abgefallen. Den Kaffee verdanken wir der Belagerung Wiens durch die Türken.
Gewiß: Die verteidigungsbereiten Herrschaften werden das abtun als Schönfärberei. Fremdherrschaft sei schließlich keine Weihnachtsbescherung. Die Wirklichkeit sähe doch ganz anders aus. Ja, stimmt. Aber hier haben wir das Phänomen, das jeder Psychologe kennt: Von sich auf andere schließen. Wenn je im Zwanzigsten Jahrhundert Fremdherrschaft die Hölle war, dann war es die Herrschaft der Deutschen über andere. Das ist der Alptraum der Deutschen: daß andere mit ihnen umspringen könnten wie sie es mit anderen tun beziehungsweise tun würden wenn sie könnten. Würden – nach dem, was Deutsche der Menschheit im Zwanzigsten Jahrhundert zugefügt haben – andere über dieses Land eine Fremdherrschaft errichten, die die Protagonisten der Vaterlandsverteidigung an die Wand malen: bedauerlich wäre es. Aber ungerecht könnte ich es nicht finden.
Dabei ist es doch noch in frischer Erinnerung, wie segensreich fremde Herrschaft über die Deutschen ist. Man braucht gar nicht auf die Römer, Türken und Napoleon zu verweisen. Wie war es, als die Weltkriegs-Alliierten in unser Land eindrangen? Es war ein Aufatmen! Schluß mit den Verdunkelungen und der Angst im Luftschutzkeller, Schluß mit der Allmacht der Blockwarte und den Einberufungsbefehlen für Kinder! Als Deutsche von deutschen Führern beherrscht wurden, gab es Entbehrung und „Durchhalten“. Als die Amis kamen, gab es Schokolade und Zigaretten.
Meine Tante hat mir, als ich ein Kind war, ihre erste Begegnung mit amerikanischen Soldaten geschildert. Sie saß an einem Tisch, um sie herum die Soldaten. Sie stellten ihr eine Büchse Ananas hin und legten einen Dosenöffner daneben. Sie grinsten und kicherten. Diese naiven, gutmütigen Jungens waren gerührt, als die junge Frau zum ersten Mal in ihrem Leben die unbekannte Frucht genoß, Ananas aus Hawaii.
Nie zuvor wurden Besiegte von den Siegern so human behandelt wie die Deutschen von den Amerikanern. Die Amerikaner hielten die Deutschen für fähig, Demokratie zu lernen.
Kann man sich vorstellen, daß zur Wahrung des Deutschtums das Hören guter Musik mit der Todesstrafe bedroht wurde? Unter fremder Herrschaft konnte man endlich das Radio aufdrehen. Der Badenweiler Marsch und die Sondermeldungs-Fanfare verschwanden. Man hörte „In the Mood“ und „Moonlight Serenade“. Ja, Glenn Miller war auch Militärmusik. Aber selbst darin war etwas von dem kostbarsten Geschenk der Amerikaner an die Welt: Der Blues.
Gewiß: mit der Niederlage, die ein Sieg der Menschlichkeit war, hat das Volk der Deutschen sich nie abgefunden, wie ein Blick in die Chronik der Jahre 1989/90 zeigt, jener Jahre, in denen die Rationalität der Nationalität weichen mußte. Mit der Gewißheit, daß die Niederlage keine endgültige war, ließ es sich gut einrichten. „Wir sind wieder wer“. Die Schinkenspeckgesichter spießbürgerlicher Selbstzufriedenheit kenne ich.
Kindheit im Jahrzehnt nach dem vorläufigen Zusammenbruch ist mir auch noch gut in Erinnerung. Daß Kinder überhaupt Rechte haben, ist eine Idee der jüdisch-bolschewistischen Frankfurter Schule, die die Nation immer noch ganze zwei Jahrzehnte sich vom Leibe zu halten verstand. Man muß sich mal Klassenfotos aus den 50er Jahren angucken: Als hätten sich die Erwachsenen an den Kindern für 1945 rächen wollen. Der Gang zum Friseur war ein Antreten zum Appell. Allein: Es klappte nicht. Die Generation der in der Mitte des Jahrhunderts Geborenen mißriet gründlich. Für sie kam alles Gute aus der Fremde: Von Donald Duck bis zu den Beatles, wehrkraftzersetzende Blue Jeans, und undeutsche Helden wie James Dean: Helden, die nicht trotzig ihr Kinn der Weltgeschichte entgegenreckten, sondern sich voller Melancholie herumdrückten. James Dean führte nicht vor, wie man siegt, sondern wie ein Loser seine Würde zu wahren versucht.
Das größte Werk der mißratenen Generation war der Massenimport volksfremder Kultur: Gangsterfilme, Comic-Strips, Urwaldmusik. Man vergleiche Hemingway mit Hans Habe, Erica Jong mit Hera Lind, Grateful Dead mit den Fischerchören, Zappa mit Heino, Groucho Marx mit Mario Barth, Columbo mit Derrick, Jeanne Moreau mit Ruth Leuwerik, Madonna mit Nina Hagen, die Französin Romy Schneider mit der Deutschen Marika Rökk, „Casablanca“ mit „Briefträger Müller“, Gershwin mit Wagner!
Ist also etwas dran, daß die sogenannten „68er“ diese Gesellschaft „gründlich zivilisiert“ haben? Komisch klingt dieses Zitat der Antje Vollmer vor allem deshalb, weil sie es just in dem Moment in die Welt setzte, als die arrivierten Teile der „68er“-Kultur sich der Wende zum Guten Deutschen anschlossen. Doch in der Tat hatte die deutsche Linke ihre vergleichsweise beste Phase, als sie – als veritabler Bürgerschreck – mit dem deutschen Gemüt ihren Schabernack trieb. Kritische Vernunft und Humanität können sich in dieser Gesellschaft nur entfalten, wenn sie sich am Nationalempfinden funkensprühend reiben. Sonst kommt nix dabei raus.
Daß die Leichtigkeit des Seins unerträglich wäre, ist eine Schnapsidee, die man eigentlich von einem deutschen Idealistenkopp erwartet hätte. Diese Leute basteln ja immer noch an dem Vorurteil, daß Kultur etwas Wichtigeres sei als Zivilisation. Dabei ist es gerade der Unernst, der hierorts gern als „Oberflächlichkeit“ mißverstanden wird, mit dem das Leben sich erleichtern läßt, jawohl: erleichtern. Klüger, als Schwierigkeiten zu trotzen, ist, sie überhaupt zu vermeiden. Bequeme Sitze in der Straßenbahn sind für das allgemeine Wohlergehen wichtiger als das tiefgründelnde Grübeln über die Frage, warum wir über den Sinn des Lebens nachdenken.
Abwehr gegen Fremdherrschaft war immer Abwehr gegen Versuche, die Germanen zu zivilisieren. Die anderen führten mit den Deutschen immer Besseres im Schilde als die Deutschen mit sich selbst.

kaffeemannAus „Streiten Sie nicht mit einem Deutschen, wenn Sie müde sind“.

Be-An-Standung

BewohnerBeim Vorbeigehen an Parkverbotsschildern mag mancher Zeitgenosse sich Gedanken darüber machen, was der Unterschied zwischen Anwohnern und Bewohnern ist – abgesehen davon, daß diese Wörter verschieden betont werden.
Früher stand auf diesen Schildern „Anwohner frei“ – womit allerdings lediglich gesagt werden sollte, daß den Leuten, die anwohnen, der Parkplatz zur Verfügung steht, der Woanderswohnern versagt ist.
Doch dann irgendwann wurden (durch Überkleben von „An“ durch „Be“) „Anwohner“ in „Bewohner“ verwandelt, wobei, wie man sieht, auf die Schriftgröße keine Rücksicht genommen wurde. (Unten auf der Stange steht auch noch mal „BE“).
Es ist schon verwunderlich, daß die Stadt, die wegen finanzieller Klammheit nicht in der Lage ist, gefährliche Schlaglöcher und verschimmelnde Schulgebäude auszubessern, keine Kosten & Mühen scheute, auf schätzungsweise 35.000 Schildern das „An“ durch das „Be“ zu ersetzen.
Dem liegt doch bestimmt ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs zugrunde.

Und außerdem ist Prism watching you.

Und übrigens: Denkt dran: Kommt alle zu meiner Lesung am 5. November in der Spinatwachtel. Ich erwähne das deshalb hier nochmal, weil mit dem Erscheinen dieser heutigen Mitteilung der Hinweis auf meine Lesung auf die zweite Seite flutscht.

Das Hier schiebt im Jetzt das Prob- auf ein anderes -blem (oder sowas in der Art)

Vorgestern. Tag der Oststraße.
Schönschön.
Die SPD war auch da mit einem Infostand. „Info“ ist die Kurzform von „Information“. Wenn man Informationen verkürzt, kommt „Info“ heraus. Komischerweise sah ich kein Bild von Steinbrück.
Die Parole lautete: „Das Wir entscheidet“.
WIR kenne ich als Personalpronomen (erste Person Plural, Nominativ). Was entscheidet denn da, wenn „das Wir“ entscheidet? Richtig müßte der Satz doch lauten: „Wir entscheiden.“ Ja, dann entscheidet euch doch mal für richtiges Deutsch. „Das Wir“ ist der Singular vom Plural. Quatsch!
Ich wähle doch keine Partei, die keine Pronomina deklinieren kann.

Ist das sprachliche Spitzfindigkeit? Neinnein. Wir haben es hier mit der Schaumsprache der Werbung zu tun. Die Partei stellt sich nicht selbst dar, sondern läßt sich von einer Werbeagentur darstellen. Sie informiert nicht, sie argumentiert nicht, sondern sie drischt Phrasen. Wo „das Wir entscheidet“, wird Agenda-Politik als das wohlige Gefühl für die armen Schlucker euphemisiert. Wo „das Wir entscheidet“, haben wir nichts zu entscheiden.

Siehe auch hier!

Aktion Mensch. Offener Brief.

Sie werben mit dem Slogan „Das Wir gewinnt“.
„Wir“ ist kein Substantiv, sondern ein Personalpronomen, und zwar: erste Person Plural. Auf Deutsch würde der Satz richtig lauten: „Wir gewinnen“.
Ich erinnere mich noch mit Grauen an den Slogan „Der Friseur gibt dem Ich neuen Schwung“. Der Dativ von „ich“ ist nicht „dem Ich“, sondern: „mir“.
Man sagt ja auch nicht: „Können Sie dem Ich sagen, wie spät es ist?“, sondern: „Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“. Man sagt: „Morgen komme ich dich besuchen“, und nicht „Morgen besuche ich das Du“.
Hier will ich Ihnen jetzt mal sagen, daß man auch nicht „im Hier und Jetzt“ ganz entspannt sein kann. Man kann sich hier entspannen, man kann sich jetzt entspannen, aber „im Hier und Jetzt“ kann man sich nur verkrampfen.
Ich verstehe schon, was Sie sagen wollen. Irgendwas mit „Wir-Gefühl“ und so. Aber versuchen Sie das doch mal so auszudrücken, daß von der Grammatik noch etwas übrigbleibt. Sonst ich schmeißen in der Wasser du.

P.S.: Jetzt kommt auch noch der Steinbrück mit „Das Wir entscheidet“!

Lateinisches Sprache schweres Sprache

„In dubio pro reo“ – das ist ein Rechtsgrundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber das ist sprachlicher Unsinn.
Ist der Zweifel eine Schachtel? Steckt man im Zweifel wie in einem Anzug? Ist man, wenn man zweifelt, im Zweifel drin? Räumlich? In der deutschen Sprache drückt man das so aus. Man ist „im“ Zweifel. Aber das ist kein Latein.
„In dubio pro reo“ ist kein lateinischer Satz, sondern ein deutscher Satz, den man Wort für Wort ins Lateinische übersetzt hat, oder: ein deutscher Satz mit lateinischen Vokabeln.
„In dubio pro reo“ ist so lateinisch wie „Equal goes it loose“ englisch ist (oder „Know you what you me can?“).
Was heißt „im Zweifel“ auf Latein? „Dubio“. Ablativ ohne Präposition.
„In dubio pro reo“ ist eine Sprachkonstruktion vergleichbar mit „Ich bin am putzen (dran)“. Oder: „Ich bin am Kartoffeln am schälen“. Das kann man sagen, denn das ist Ruhrdeutsch und klingt schön. Aber „in dubio pro reo“ darf man nicht sagen, sondern man muß „dubio pro reo“ sagen, denn so ist das richtig.
„In vino veritas“ darf man allerdings sagen, denn die Wahrheit ist tatsächlich in dem Wein.

Sisyphus hat viel zu tun

Zwei Tage hintereinander ohne ein neues Notat! Die Produktion für dieses Weblog drohte zwischenzeitlich ins Hintertreffen zu geraten, weil ich mich einer anderen kulturwahrenden Aufgabe zuwenden mußte. Ich nahm mir vor, das blödeste aller Wörter aus der Internet-Enzyklopädie Wikipedia zu entfernen.
Letztendlich mußte mein Vorhaben scheitern, das Blöd-Wort „letztendlich“ zu entflechten.
„Letztendlich“ ist eine Sprach-Mutation, die aus der Floskel „letzten Endes“ hervorgegangen ist. Das ist Quatsch. Das Ende ist immer das letzte. Ein vorletztes Ende gibt es nicht.
Die Wikipedia-Autoren sollten sich entscheiden, ob sie „letztlich“ oder „endlich“ sagen wollen. Doch meistens kann man sich die Entscheidung sparen. „Nixon gewann letztendlich die Wahl.“ Nixon gewann die Wahl. Punkt. Da ist auch „letztlich“ und „endlich“ genauso überflüssig wie der Oberblödsinn „letztendlich“. Mit „letztendlich“ ist der Wegespfad gepflastert, auf dem der Sturzfall der Verbalsprache ins Hölleninferno der Hohlphrase gleitet.
Es gibt ein noch blöderes Quatschwort, nämlich „schlußendlich“.
Dank Wikipedia erfährt man, daß Rapid Wien im Jahre soundso „schlußendlich“ österreichischer Fußballmeister wurde und welcher Rennfahrer auf dem Nürburgring „schlußendlich“ gewonnen hat. Das ist der Höchstgipfel! Das ist der oberste Höhepunkt wortsprachlicher Doofverblödung!
Einer, der bei Wikipedia jedes Flüßchen Meter für Meter beschreibt, kommt am Ende dann auch immer zum Schluß: „Die Themse mündet schlußendlich in die Nordsee.“ „In Koblenz mündet die Mosel schlußendlich in den Rhein.“ Ja, wer hätte gedacht, daß am Ende Schluß ist mit dem Fluß? Auf diesen Denk-Gedanken wäre ich nie gekommen! Ich hätte gedacht, daß die Mosel durch den Rhein hindurchfließt und am anderen Ufer wieder rauskommt. Wenn das Schlußende eines Flusses die Mündung ist, dann ist die Quelle wohl der Anfangsbeginn.
Nach etwa 50 Tilgungen gab ich auf, weil mir gewahr wurde, daß die beiden Unwörter in Wikipedia mehr als 8.000 mal vorkommen. Da erschien auch eine Mitteilung auf meinem Monitor: „In der Sache hast Du ja Recht, aber du solltest die anderen Teilnehmer nicht so hemmungslos beleidigen.“ Dabei hatte ich meine Veränderungen doch bloß damit begründet, daß „letztendlich“ ein Idiotenwort, „schlußendlich“ ein Vollidiotenwort ist.
Erstaunlicherweise treffen zwei Phänomene aufeinander, die einander widersprechen. Wie paßt die zunehmend allgemein generelle Verwendung überflüssiger Füllsel zur zunehmend allgemein generellen Sprach-Trägheit? „Ini“, „Flugi“. „Sympi“ – diese Wörter haben wohl keine Zukunft, weil sie aus mehr als einer Silbe bestehen. Seit 20 Jahren dürfen die Leute aus Meck-Pomm Urlaub in der DomRep machen. Die Justizministerin heißt demnächst LeutSchnarr. Und der Philosoph des Pessimismus heißt bald nur noch „ArtSchop“.
Den Leuten von heute geht nur dann der Mund über, wenn sie nichts zu sagen haben.
Wenn ich Richter wäre und ein Zeuge mir etwas von der DomRep erzählen würde – den würde ich in Beugehaft nehmen, und zwar so lange, bis der sich durchringt, „Dominikanische Republik“ zu sagen! Ich fürchte aber, die gesetzliche Begrenzung der Beugehaft von sechs Wochen würde dafür nicht reichen.

Meine Schwierigkeiten mit den Frauen

Meine Berliner Freundin hat mich zurechtgewiesen:
„Sag doch nicht sowas wie ‚Die zue Tür‘.“
„Aber ich hab‘ doch vor der zuen Tür gestanden!“
„Schlimm genug, sowas zu sagen. Aber so schreibst du ja auch.“
„Ich bin ein deutscher Schriftsteller. Ich bin Sprachschöpfer. Ich setze die Maßstäbe. Wenn ich ‚Draht‘ mit ‚i‘ schreip, dann is dat richtich.“
„Die ‚zue Tür‘ ist ja schon schlimm. Aber ‚aufe Tür‘ geht wirklich nicht.“
„Hast du mich denn nicht eben durche aufe Tür kommen seh‘n? Wenn ich so schreip, dann is dat Litteratur.“
Sie findet, meine großzügigen Formulierungen würden Leute verwirren, die Deutsch als Fremdsprache sprechen. Sie geht viel mit Ausländern um und spricht mehr Englisch als Deutsch.
Mit mir spricht sie jetzt gar nicht mehr. Das „ane Radio“ war ihr zu viel. Ich verstehe das. Denn sie heißt Anne.

Anne war das ane Radio zu viel

Meine Bonner Freundin redet schon lange nicht mehr mit mir. Das ist schade, denn ich hatte mir schon in frühester Jugend gewünscht, mal eine Freundin zu haben, die Erika heißt. Ich hab mich immer gefreut, wenn das Telefon klingelte und ich dann hörte „Hier ist Erika.“ Ich finde den Namen so schön.

Erika redet überhaupt nicht mehr mit mir. Ihr war alles zu viel.

Eine nach der anderen will von mir nichts mehr wissen. Bin ich denn so unerträglich? (Das habe ich meine Duisserner Freundin gefragt, und sie hat darauf nicht geantwortet).
Ich habe wirklich nicht mehr viel Glück in der Liebe. Vielleicht sollte ich jetzt mal einen Lottoschein abgeben.

Meine Essener Freundin, die Lina – ich glaube, die mag mich noch. Aber was nützt die relative Nähe dieses Freundinnen-Quartiers, wenn die dauernd in der Weltgeschichte herumgondelt und nie da ist!

Lina-Darling ist dauernd verreist.

Sie hat letztens in einem Internetforum geschrieben, die Materialität des Universums sei nicht beweisbar: „Indem ich denke, kann ich meine Existenz nur mir beweisen“, schrieb sie. Jaja, Descartes und so. „Ich denke, also bin ich.“ Vielleicht ist die ganze Welt nur geträumt. Wer denkt, der ist (und wenn er auch noch ißt, ist die Existenz nicht nur bewiesen, sondern auch gesichert).

Das erinnert mich an Jenny.

Jenny, oh, Jenny!

Die träumte einst, sie sei ein Schmetterling. Jenny ging sogar noch weiter als Descartes. Denn Jenny war sich nicht sicher: „Bin ich ein Mensch, der träumt, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der träumt, er sei ein Mensch?“

 
Lina, du Kluge, du Starke, du Schöne, ich weiß, daß du das liest! Sei es wie es sei, Mensch oder Schmetterling: Komm doch mal wieder nach Essen geflattert. Dann können wir uns wieder öfter sehen und an einem Sommertag wieder zum Entenfang gehen. Und in der danachen Sommernacht probieren wir dann, ob es die Existenz wirklich gibt.

Die Erde ist rund, und es gibt „Debatten“

Daß die Erde nicht flach, sondern rund ist, ist hie und da sogar schon zu einer simplen Doktrin geworden. Da kann die Jungle World nicht untätig bleiben, die seit über einem Jahrzehnt als Dogmen-Spezialist wirksam ist. Sie brachte eine als „Dossier“ titulierte sechsseitige Wortanhäufung unter dem Titel „Ein Plädoyer für einen Feminismus in der antideutschen Gesellschaftskritik“, verfaßt von Leuten, die, anstatt sich mit Vor- und Nachnamen vorzustellen, als „Antifaschistischer Frauenblock Leipzig“, abgekürzt „AFBL“ in Erscheinung treten. Und so hört sich das auch an. So redet kein Mensch. So redet eine Gruppe.
So geht es los:
„Der antideutschen Kritik ist es unter anderem zu verdanken, daß in einem langwierigen Prozeß bis dato zumeist selbstverständliche linke Standards nicht unreflektiert blieben.“ Ach nee! „Diese Banalität (das steht da wirklich: „Banalität“) ist weiterreichend, als sich auf den ersten Blick vermuten läßt. … Es wurde mit der die Linke zweifellos spaltenden Diskussion möglich, … die erworbenen Theorieversatzstücke grundlegend infragezustellen. … Antisemitismus auf die Agenda insbesondere einer Linken in Deutschland zu setzen, war nur möglich mit dem Aufgeben bisheriger Sicherheiten, die hie und da schon zu Dogmen geworden waren.“
Was hat diese „eine Linke in Deutschland“ in den letzten Jahrzehnten denn anderes veranstaltet als einen Wettbewerb, wer zuerst die „bisherigen Sicherheiten“ aufgibt? Diese „eine Linke in Deutschland“ wechselt die Meinungen schneller als die Hemden. Umso konstanter ist ihr geschwollener Jargon, das einzige, das nicht über Bord geht. Die sorgsam satzverlängernden Partizipien sind die Nippes-Figuren ihrer Sprache. Floskeln wie „unter anderem“, „zumeist“, „insbesondere“ dienen nicht nur dazu, den Sätzen die Länge eines Bandwurms und dem ganzen Text die Quantität einer theoretischen Abhandlung zu geben, sondern auch dazu, die Aussagen einzuschmieren, damit sie aalglatt werden und jeder Widerspruch abrutscht. Dabei passieren dann solche Satzbeinbrüche wie der, der Antisemitismus sei „auf die Agenda zu setzen“.
In dem „Dossier“ geht es wohl irgendwie um die weltbewegende Frage „Wie halten es die Antideutschen mit dem Feminismus“. Als ob das nicht piepegal wäre, wie die Antideutschen es mit dem Feminismus halten!
Umgekehrt wird ein Pantoffel draus: Wie halten es die letzten Mohikanerinnen des Feminismus mit den Antideutschen?
Die Manie, überall unbedingt dabeisein zu müssen, wo die letzten Mohikaner der „undogmatischen“ Linken „Debatten“ zelebrieren, treibt sie an. Wenn irgendwo ein Tisch steht, an dem drei Leute sitzen, müssen die sich unbedingt dazusetzen, um ihren Sermon aus abgestandenen Phrasen anzubringen. Alles schon hundert mal gelesen, alles schon hundert mal gehört und alles schon hundert mal begähnt und beschnarcht. Die sind vor gar nichts fies und schrecken noch nicht einmal davor zurück, sich bei der Idiotensekte der Bahamiten anzubiedern.
Nun ja. Wer weiß, wozu es gut ist.
aus DER METZGER 83 (2009)

Deutsches Sprache

Vor ein paar Tagen, um Mitternacht, hörte ich von der Straße her folgende, von mehreren Personen männlichen Geschlechts vorgetragene Äußerung (ich zitiere wörtlich):

„Wööööh! Öbbööö! Wööhöö Deutschlandöööh!“

Letzte Nacht, um Mitternacht, hörte ich von der Straße her eine Frauenstimme:

„Wir haben Deutschland geschlaggeeen!“

Was hört sich besser an?
Der Sprachpflege wäre es zuträglich, wenn
a) man mehr Ausländer ins Land holt,
b) die deutsche Nationalmannschaft öfter ein entscheidendes Fußballspiel verliert.