Wenn du denkst …

Ein neues Werk aus meiner Werkstatt:
Sieht gut aus und kommt der Wahrheit nahe.
Es handelt sich bei diesem Bild um eine der neuen Postkarten aus der Postkarten-Produktion der Situationspresse (Situationspostkarte Nr. 126), erschienen vorigen Freitag.
Da die Leserinnen und Leser dieses Weblogs zu den aufgeklärten, human eingestellten Zeitgenossinnen und Zeitgenossen gehören, fällt ihnen bestimmt auf Anhieb jemand ein, dem sie diese Mitteilung zukommen lassen wollen. Und da ein Knallkopp selten allein kommt, ist mit einem pluralen Interesse zu rechnen. (Ab 50 Exemplare mit Mengenrabatz, Lieferfrist, Vorkasse).


Diese Typo-Graphik wurde gestaltet für die Titelseite von DER METZGER Nr. 43 (Januar 1991, noch erhältlich), montiert aus Lettern von Schlachtzeilen der Bildzeitungsausgabe vom Tag der deutschen „Wiedervereinigung“. Das stimmt zwar gar nicht (es war irgendeine Bildzeitungsausgabe jener Tage), aber als Legende macht sich das doch gut.

Über die neuen Situationspostkarten erfahren Sie mehr in den nächsten Tagen.

Innerstaatliche Feindschaftspflege

Die Bildzeitung von gestern..

Handelt es sich hier wirklich um ein Foto (und nicht um eine Montage)?
Zeigt dieses Bild ein Geschehnis während der Krawalle beim G20-Spektakel in Hamburg?
Handelt es sich bei dem Mann, der von hinten, und dem, der von vorn zu sehen ist, um ein und dieselbe Person?
Man kann wohl alle diese Fragen mit Nein beantworten, ohne weit daneben zu tippen.

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Personen aufgrund dieses Jagdsignals bei der Polizei gemeldet wurden, wobei sie dem Mann auf dem Zeitungsfoto ja noch nicht einmal besonders ähnlich sehen müßten.

Erdenwunder

Heute, am 13. August, wurden in Berlin wieder Kränze niedergelegt und lange Gesichter gezogen: „Im Gedenken“.
Gedenken ist ja gut. Gedanken wären besser.
2011, vor 5 Jahren, anläßlich des 50. Jahrestages ihrer Grundsteinlegung, erschien in DER METZGER Nr. 94 der Aufsatz über die Berliner Mauer „Der Erdenwunder schönstes“.

M094Ein paar Zitate:

Die Bundesrepublik befand sich in keinem normalen Zustand. Es ist ohnehin fraglich, ob deutsche Zustände jemals das Prädikat der Normalität verdient haben.

Die Brandredner wollten (…) die „Ostgebiete“ zurück, sie wollten die Grenzen verschieben. Sie wollten Vertreibung. Sie wollten das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges revidieren. Sie wollten Atomwaffen für die Bundeswehr. Sie hatten keine Skrupel, die Flammen, die von deutschen Kriegsverbrechern angezündet worden waren und in denen das Deutsche Reich verbrannt war, wieder auflodern zu lassen. Der Springer-Kolumnist William S. Schlamm schlug gar vor, Westberlin zu evakuieren, um die DDR mit Atombomben auszulöschen. Berlin sei einen Krieg wert. Wer so etwas schreibt, ist ein Verbrecher.
Der NDR zitierte in einer Rundfunkreportage am 10. Oktober 1961 einen DDR-Bürger: „Was ist denn mit eurer Politik der Stärke? Warum habt ihr denn aufgerüstet, wenn ihr nicht mit der Armee von Ulbricht fertig werdet? Lieber im Atomkrieg zugrunde gehen als unter Ulbricht weiterleben.“ Wer so etwas sagt, ist ein Idiot.
Wer sich erinnert, wird nicht ruhigen Gemütes von der Hand weisen können, daß im Sommer 1961 der Frieden in Europa in Gefahr war.

„Unsere Staatsmänner in Bonn haben die Sowjets nicht für Menschen, sondern für entartete Teufel eingeschätzt. So waren sie nicht imstande, sich selbst in Gedanken an die Stelle des Gegners zu versetzen und sich zu fragen, was sie an seiner Stelle wohl tun würden… Das erste Erfordernis aber, um richtige Politik zu machen, besteht darin, in die Haut des Feindes zu schlüpfen“, schrieb Rudolf Augstein 1961 im Spiegel, und er fügte hinzu: „Spätestens 1965 würde die Bundeswehr potent genug sein, um bei fortdauernd umstrittenen Grenzen die westliche Koalition in spontane oder provozierte Konflikte zu verwickeln… Die Sowjets glauben nicht daran, daß den Deutschen die Verfügungsgewalt über Atomwaffen auf Dauer vorenthalten wird. Sie glauben nicht an Beteuerungen, solange sich das Potential auf deutschem Boden häuft. Sie haben, um ehrlich zu sein, auch wenig Grund, deutschen Beteuerungen zu glauben. Es drohte also eine Situation, in der die Sowjets von den Deutschen um die Früchte ihres Sieges über Hitler gebracht werden könnten. Es drohte eine gewaltsame Revision des Sieges von 1945, und zwar von Seiten des Besiegten.“

Durch die Berliner Mauer wurde zunächst eine brandgefährliche Situation entschärft, auf die Dauer zwang sie zu einer Mäßigung der westlichen Zurückdrängungspolitik. Die Phase der Entspannungspolitik war ohne die Berliner Mauer nicht denkbar. (…) Auch für die Menschen in der Bundesrepublik verbesserte sich die Lage. Sie konnten ruhiger schlafen, weil die Gefahr, daß von deutschem Boden Krieg ausgeht und auf deutschem Boden Krieg beginnt, verringert war. (…) Die, denen der Frieden den Schlaf raubte, waren in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Willy Brandt hätte nicht „mehr Demokratie wagen“ können, wenn die Ostlandreiter weiterhin so hätten wüten können wie bis zum 13. August 1961.

Anders als die BRD hat die DDR niemals Gebietsansprüche gestellt, keine faschistischen Organisationen geduldet, nie versucht, ein anderes Land zu regieren und zu annektieren, nie den Frieden gefährdet und nie Soldaten zum Kriegseinsatz in fremde Länder geschickt. Anders als die DDR hat die BRD dem Hauptfeind des Nazireiches weiterhin feindselig gegenübergestanden – die Regierung, mehr noch die Bevölkerung. Die Bundesrepublik und ihre Prokuristen hatten und haben keinen Grund, sich gegenüber der repressiven DDR dicke zu tun. Die Geschichte staatlicher und nichtstaatlicher Repression in der BRD ist noch aufzuarbeiten. Die haßerfüllte, vernichtungsgierige Hysterie, mit der der deutsche Untertan auf jede ihm fremde Lebensregung reagiert, ist die Perpetuierung des deutschen Faschismus in den Alltag.

Darf man, kann man, soll man, muß man (…) im Atomzeitalter der Unvernunft Freiheit gewähren? Dazu möge jeder sein Gewissen befragen.

Das Heft bestellen: hier klicken.

Den ganzen Aufsatz lesen: hier klicken.

Julia Friese durfte mal ran

Wer ist das? Weiß ich nicht. Nur, daß sie mal randurfte:
Weltbusen1Weltbusen2Weltbusen3Weltbusen4Weltbusen5
Ob die Journalistin, nachden sie rangedurft hatte, besser bescheid weiß über Dialektik?
Seltsame Information: „…ist Familienvater“. Das ist ebenso (formal) zutreffend wie nicht so richtig hinpassend. So als würde ich sagen: Ich bin Rentner.
Vor lauter Entzücken darüber, mal ranzudürfen, hat die Weltmitarbeiterin journalistische Mindeststandards beim Berichten über ein Buch vernachlässigt: Nicht nur Titel und Jahr ist zu melden, sondern auch: Untertitel, Verlag, Seitenzahl, Preis (und möglichst auch: wo erhältlich).
chlada-AL019XFgMarvin Chlada: Dialektik des Dekolletés. Zur kritischen Theorie der Oberweite. Alibri Verlag 2006. 128 S. 12 Euro. Erhältlich nur in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand).

Und warum habe ich den Weltartikel über den Weltbusen gescreenshottet, anstatt einfach nur den Link zu legen?

http://www.welt.de/vermischtes/article140873013/Zeigt-mehr-Busen-bitte-sofort.html

Damit Sie dieses Werk auch dann noch (hier) lesen können, wenn der Link längst ins Leere leitet.
Denn Sie wissen ja: Das Internet vergißt alles.
(Und dies ist Notat Nr. 998).

Warum überhaupt?

Bild150305„Warum ausgerechnet jetzt“?
Warum überhaupt?
Was fällt der Bildzeitung ein, mich in anderer Leuts Privatangelegenheiten einzumischen?

In der WAZ las ich am selben Tag (vorgestern) über die „Affären“ auch anderer Politiker – und es regt sich da & dort Mitgefühl mit den „betrogenen“ Gattinnen.
Ich glaube kein Wort.
Die moralischen Aufpasser kennen nämlich gar kein Mitgefühl. (Höchstens mit sich selbst).
Das „Mitgefühl“ von Spießbürgern mit „betrogenen“ Gattinnen ist bloß vorgeschoben, ebenso wie das „Mitgefühl“ mit den armen Jungens, die der Edathy sich auf Fotos angeguckt haben soll.

Ist es nicht eher Neid?
„Unsereinz reißt sich zusammen, un die? Die tun einfach watze wollen“, schallt der Ruf des Entrüsteten, der das, was er selber täte, wenn er könnte, wenn er dürfte, was er wollte, in sich selber niederringt. Die Freiheit von uneinsehbaren Zwängen kann er sich sowieso nur als Schweinigelei vorstellen. Das notorische Mißtrauen des Spießbürgers ist berechtigt – sofern er sich selbst nicht über den Weg traut.

Kein Mitgefühl wurde da jemals zuteil denen, die dem Faschismus an der Macht zum Opfer fielen – oder Kindern ganz normaler angepaßter deutscher Eltern – oder denen, auf die Realpolitiker nun mal keine Rücksicht nehmen können.

Die nationaldeutschen Großschnauzen

Vor ein paar Wochen im Fernsehen ein Interview mit dem Trainer des Fußballclubs Bayern München Pep Guardiola. Er sprach bewundernd über den Konkurrenten Borussia Dortmund, über die Qualität dieses Vereins, des Trainers, der Mannschaft – und daß Borussia Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz stand. Und er fügte hinzu: „Genau das kann uns passieren auch.“
Solche vernunftvolle Bescheidenheit wäre unseren Regierenden, Abgeordneten, Kommentatoren und den vielen Besserwissern an den Stammtischen an den Hals zu wünschen:
Bild150227Was würden all die nationaldeutschen Großschnauzen sagen, wenn ein solches Vereledungsprogramm, das den Griechen von den europäischen „Partnern“ zugemutet wird, sie selbst treffen würde? Etwa: Rente halbiert, Auszahlung erstmal für ein halbes Jahr aufgeschoben. Oder: Leistungen der Krankenkasse gestrichen.
In der Bundesrepublik Deutschland zahlen Konzerne wie Amazon, die die hiesige Infrastruktur nutzen, gerade mal ein paarmarkachzig Steuern. Da ist der Schäuble sooo klein mit Hut.
Aaber wenn es gegen griechische Rentner geht, da spielt er den dicken Wilhelm, dieser Herrenmenschendarsteller. Da fühlt er sich stark, diese arrogante Null.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis ist Professor für Finanzökonomie und lehrte in Camebridge und an Universitäten in Australien und den USA. Der Schäuble ist Jurist. Wenn der Varoufakis zum Schäuble geht, dann geht der Fachmann zum Laien.
Yanis Varoufakis: „Wir sind nur der erste Dominostein, der umfällt.“

Da habt ihr es!

bild2014-11-19Die Bildzeitungs-Schlagzeile, die alles zusammenfaßt, was in den Wochen, Monaten und Jahrzehnten zuvor nur jeweils anders formuliert wurde. Hier fand nun letztlich nicht der Weltgeist zu sich selbst, sondern die Bildzeitung. Nein: Die Bildzeitung hat den Weltgeist suspendiert: Es ist erreicht!
Wenn jetzt noch weiterhin Bildzeitungen gedruckt werden, dann ist das nur noch reine Formsache.

Eine Zeitung irrt sich gewaltig

Auch das noch:
RotzfahneMauerFallVolkszorn, Volkssturm, Volksseele, Volksempfinden (gesundes), Volksmeinung, Volkes Stimme, Volksmusikantenstadel, Volk-steh-auf-und-Sturm-brich-los …
Sollte es sich nicht langsam mal ausgevolkt haben?

In diesen Tagen und Wochen werden die Feindschaften, die in den 50er, 40er und 30er Jahren gezüchtet wurden, wieder aufgeheizt. Es zeigt sich, daß ohne den Kalten Krieg und ohne inneren Feind dieser Staat nicht zu machen ist. Die Mächtigen spielen ihre gezinkten Karten aus. Für freedom and democracy steigen Luftballons in den Himmel, am Brandenburger Tor und in den Herzen wird Gerührtheit inszeniert. Da kommt der Verein daher, der immer siegt und nie verliert und auch bei dieser Kirmes nicht fehlen will, und sagt: Herzlichen Glückwunsch euch Siegern der Geschichte.

Wenn die Leute zum Volk werden, dann jubeln sie. Das taten sie vor 100 Jahren, das taten sie vor 25 Jahren aus ähnlichen Gründen.
„Das Wir-sind-das-Volk-Volk erhob sich, weil es den Herren des Landes nicht mehr Untertan sein wollte, sondern den Herren der Welt.“ (hat Lina Ganowski gesagt, sinngemäß).
Sieger der Geschichte? Vor 25 Jahren war das Volk der nützliche Idiot der Mächtigen. (sage ich).

BildLiebesDeutschlandJa, DIE wissen, was sie tun.

Der Busen in der Leistungsgesellschaft

„Und wenn aufgeblasne Herren
dir galant den Weg versperren,
ihre Blicke unter Lallen
nur in deinen Ausschnitt fallen,

Sage nein!“
Konstantin Wecker

Bild140916Wer hat – den Schönsten?
Was soll die Frage? Wird ein Preis verliehen?
„TV-Busen“!
Die Assoziation, die sich mir aufdrängt, ist mir nicht sympathisch: „Brust-Korrektur“, „Implantat“. Der Busen, so wie der Liebegott (oder wer auch immer) ihn wachsen ließ, ist nicht in Ordnung. Es bedarf einer „Korrektur“.
Wir haben mit Fleiß und Phantasie, mit Courage, mit List und auch mit Tücke in der Sexualität das Schuld-Prinzip durch das Lust-Prinzip zu ersetzen versucht. Es scheint uns nicht ganz gelungen zu sein, denn statt des Lust-Prinzips ist das Leistungs-Prinzip an seine Stelle getreten. Auch unter dem Leistungs-Prinzip gibt es Schuldige.
Die Körper-Optimierung läßt an Gesundheit, Wohlgefühl, Schönheit und Erotik nicht mehr denken, sondern an Fitness. „Fit“ (englisch) heißt so viel wie „geeignet“, „brauchbar“, „verwertbar“.
Was sind das für Zeiten, in denen das Objekt des Begehrens nicht auch selbstverständlich das Objekt des Verehrens ist und das Objekt der Betrachtung nicht auch das Objekt des Respekts!
Eine Galerie von sechs anonymen Dekolletés, Brüste werden zu Titten. Busen ohne Gesicht, die Frau wird ausgeblendet, das verklemmte Publikum darf bewerten.

Es hat mir nie etwas ausgemacht, ja, ich habe es mit Stolz hingenommen, wenn mir der Titel „Pornograph“ verliehen wurde. Aber ich habe auch nie einen Zweifel daran gelassen, daß die Frau immer auch mehr ist als nur ein Sexobjekt! Es war mir stets mehr als ein Anliegen, für die Nacktheit der Frau, für die Stimulation, für die Darstellung sexueller Reize öffentlichen Raum zu verlangen. Aber nicht, damit sowas dabei herauskommt.

Aus welchem Topf?

Bild140604„Pott“ (als Bezeichnung für das Ruhrgebiet) ist hier ungebräuchlich. Das sagt man hier nicht.
Wenn jemand vom „Ruhrpott“ oder gar von „Kohlenpott“ erzählt, dann weiß man gleich: Der ist nicht von hier.

P.S.: Oben rechts im Bild: die Ablage.