Wie ich den 24. Juli 2010 erlebte

Am 24. Juli 2010 sollte in Duisburg die LOVE PARADE stattfinden. Die Bemühungen, diese Massenparty nach Duisburg zu holen, waren groß. Nach Bauskandalen, Mafiamorden und anderen Vorkommnissen sollte diese Veranstaltung das Image der Stadt verbessern. Es kam anders.

Ich hatte an diesem Tag einen Termin in Rheinhausen (andere Rheinseite). Es war ein sehr schöner Sommertag. Ich war früh auf dem Weg, weil nicht auszuschließen war, daß es zu Verspätungen im Autobusverkehr kommen könnte. Den ganzen Sternbuschweg entlang und dann am Grunewald sah ich sehr viele junge Menschen auf dem Weg zum Festivalgelände. Das waren den Verkehr kaum behindernde, sich rücksichtsvoll verhaltende Fußgänger. Zugleich war ihnen die Vorfreude auf die große Party anzumerken.
Auch an meinem Ziel in Rheinhausen waren viele unterwegs zum Festival.
In Rheinhausen fand an dem Tag das Sommerfest der DKP von Duisburg statt mit Musik und Kabarett. WIR hatten eine gute Party. Ein Programmpunkt war traditionsgemäß meine Lesung. Die kam auch gut an.

Es sollte ein besonders schöner Tag sein, auch für uns, so wollte es scheinen. (Ganz rechts im Bild, abgewandt, der DKP-Vorsitzende Patrick Köbele). Hafenstaedter-Foto

Ich war mir nicht sicher, ob wir nicht von Lautsprechergeräuschen aus Richtung Güterbahnhof heimgesucht werden könnten. Wie weit Schallwellen getragen werden, hängt nicht allein von der Lautstärke, sondern vor allem von der Frequenz – und von der Windrichtung ab. Ein Blick auf die Landkarte zeigte Schneisen und Freiflächen, über die wummernde Bässe bis zu uns hätten durchdringen können. So kam es aber nicht. Stattdessen kam die Nachricht von einer Massenpanik und Todesopfern.

Die unwirtliche Landschaft auf dem stillgelegten Güterbahnhof als Festivalgelände auszusuchen mag an sich schon verwundern. Der Sternbuschweg, die lange Straße mit den vielen Nebenstraßen war im Gespräch gewesen, oder der Kalkweg mit den angrenzenden Stadion-Parkplätzen (Fläche etwa genauso groß wie der Güterbahnhof).

Als Ortskundiger, der auf dem Weg von Neudorf nach Hochfeld und zurück den Karl-Lehr-Tunnel unzählige Male durchquert hatte, hätte ich es nicht für möglich gehalten, daß dieser über 400 Meter lange Tunnel als Ein- und Ausgang, sogar noch als einziger, vorgesehen sein könnte. Ich dachte, das wäre vielleicht ein zusätzlicher Ausgang, oder Notausgang.

Am frühen Abend, es war noch hell, mache ich mich auf den Heimweg. Ich habe eine Mitfahrgelegenheit (Genossen aus Mülheim) und kann mich in Neudorf vor meiner Haustür absetzen lassen. Ich habe einen schweren Koffer bei mir.

Gesperrt! Keine Weiterfahrt in die Stadt hinein. Foto: Wikimedia-Commons

Man kommt aber nur bis zur Wanheimer Straße, weiter kommt man nicht in die Stadt hinein. Ich würde glatt von hier aus zu Fuß gehen, aber mit dem Gepäck geht das nicht.
Also: Umgehung, Autobahn.
An allen Autobahnkreuzen und Ausfahrten Staus. Völliger Stillstand. Schließlich können wir durch die Ausfahrt Wedau die Autobahn verlassen, aber weiter geht es für mich nur zu Fuß, mit Gepäck, die ganze Lotharstraße entlang. Die Straße ist für PKW gesperrt, nur Rettungsfahrzeuge und Polizeifahrzeuge passieren in Konvois die Straße. Auf den Gehwegen umherirrende Gruppen von Jugendlichen.

An einem Tag das Tor zur Hölle

Es müssen tausende sein, die orientierungslos durch die Neudorfer Straßen laufen. Einige fragen mich nach dem Weg zum Bahnhof. In den Hauptbahnhof, so werde ich in den Nachrichten erfahren, wird vorerst niemand hineingelassen, erst wieder, wenn die Abreisenden in ihren Zügen sitzen. Man will verhindern, daß durch Nachrückende die Menschen von den Bahnsteigen auf die Gleise gedrückt werden.
Um Mitternacht bin ich zu Hause.

Lesungen fallen aus

Lesungen fallen aus, darüber bin ich nicht froh.
Aber, so höre ich im Radio, die Pop-Stars geben Solokonzerte im Internet.
Dann will ich es denen mal gleichtun.
Ausschnitte aus meinen Vorträgen im Panama.
Klicken Sie mal an, das müßte funktionieren:

 

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Good old everlasting Sternbuschweg

Sternbuschweg Ecke Kalkweg. Wir würden also, weitergehend, das Ende des Sternbuschwegs bald erreichen (Grunewald). (Der Grunewald kann ebensogut auch als Anfang des S.-Weges gelten. Man müßte nur die Frage klären: Woher komme ich, wohin gehe ich).
Im Vordergrund: Mohn breitet sich jetzt auch hier aus – nicht gepflanzt, nicht gesät. Die Vegetation besteht auf Selbständigkeit.
Die großbuchstabigen Schriftzüge in der Höhe brauchen Sie nicht zu interessieren. Das sind inhaltslose Mitteilungen. Es haben sich Leute in Gefahr gebracht, um hinzuschreiben, daß sie etwas hingeschrieben haben. Immerhin: ein Patriotismus ohne Nation.
Sowas geht doch auch zu ebener Erde (rechts).
Ganz rechts: „Beck“ ist ein Unternehmen für Hebebühnen.

Karfreitag ist ein schöner Freitag (Nachtrag)

Abschluß der Bildreportage


Haben Sie schon mal so eine blöde Werbung gesehen?
Wahrscheinlich wird etwas anderes als die Power gerentet.
Sprich: POWER (wie man‘s spricht), nicht PAUER.

Hier ist die Power gratis.

„Aber heute ist doch gar nicht Karfreitag. Heute ist doch der erste Mai.“
Sie merken aber auch alles.

Good old everlasting Sternbuschweg Januar 2020

Das paßt auch gut in die Serie „Ein Mann fotografiert seinen Schatten“.
Das Sprichwort von Karl Kraus „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“ ist hier natürlich nicht anwendbar.
Man kann aber sagen:
Im Januar ist der Schatten einer Verkehrsampel nachmittags erstaunlich lang.

Good old everlasting Sternbuschweg. Oktober 2019

Den Sternbuschweg entlang, kurz vor Erreichen der Mülheimer Straße („Mülleimerstraße), Blick nach links, hinter einem Gebrauchtwagenhof eine alte Fabrik.
Herbstlich-verfallend? Keineswegs. Denn es handelt sich um die höchst aktive Plüschweberei Schulte – Tochterunternehmen der Margarete Steiff GmbH.
Ich frage mich, wozu eine Plüschweberei einen Fabrikschornstein benötigt.

Teddybären herzustellen ist nicht der schlechteste Beitrag, diesen Planeten bewohnbar zu machen.
Das finden auch diese beiden.

Good old everlasting Sternbuschweg. Juni 2019


Das ist ja eigentlich kein sehr schönes Bild. Es ist ein Bild von einem eigentlich nicht sehr schönen Haus, das am Sternbuschweg steht (Ecke Nettelbeckstraße). Wenn ein Supermarkt nicht der einzige Teil eines Gebäudes ist, kommen derlei Wohnungen zustande.
Im Parterre befand sich nämlich mal ein Supermarkt, nämlich Schätzlein. Später hieß das „Extra“, aber man sagte immer noch Schätzlein. Das war etwa hundert Meter Luftlinie vom Buchladen entfernt, da konnte ich immer in der Mittagspause schnell einkaufen gehen.
Eines Tages machte ich mich auf den Weg nach Schätzlein/Extra und sah dort eine Menschenmenge! Durch einen Aushang wurde bekanntgegeben: Der Laden wird geschlossen, darum wird alles (außer Tabakwaren) zum halben Preis verkauft. Ich also hinein, und ich kaufte mehr, als ich ursprünglich kaufen wollte: Confitüren, Gewörze, Piccolöchen, alles Sachen, die sich lange halten, zum halben Preis! Konserven, Nudeln (nur nicht Penne, die kosteten bei Aldi weniger als die Hälfte). Ich wollte die Sachen in Sicherheit bringen, um dann gleich nochmal hier einzukaufen, nochmal so viel wie ich an haltbaren Lebensmitteln tragen konnte. Aber an der Kasse mußte ich lange warten, es war eine lange Schlange.
Bei meiner zweiten Annäherung traf ich den Chlada. Der fragte: „Was ist denn hier los?“ Ich sagte: „Wir spielen hier DDR. Lange Schlangen, leere Regale.“ Wir dürfen uns sowas erzählen, weil wir ja Kommunisten sind. Andere sollen sich hüten!
Das alles ereignete sich in dem Monat, als Obama zum Präsidenten der USA gewählt wurde, 2008, vor über 10 Jahren. Seitdem steht das große Ladenlokal leer. Wenn Sie mal jemanden erklären müssen, was „Marktwirtschaft“ ist, dann zeigen Sie dem dieses Bild.

Übrigens: In dem Laden war auch eine Bäckerei, die hatten gutes Brot. Eines Tages hing ein Schild im Fenster: Diese Filiale schließt. Aaaaber Sie können unsere frischen Backwaren ganz in der Nähe bekommen – in Hochfeld.
In Hochfeld! Ganz in der Nähe! Warum nicht gleich auf der anderen Rheinseite? Morgens vor dem Frühstück für frische Brötchen nach Krefeld! Oder nur mal eben die Ecke rum nach Aachen!

Good old everlasting Sternbuschweg. Mai 2019


Ja, was sehen wir denn da?
Das ist einfach erklärt.
Auf meiner Reise im Entenfang-Express (August 2011) von Entenfang bis Hauptbahnhof habe ich alle paar Sekunden ein Foto aus dem Zugfenster gemacht. Und so erwischte ich just den Moment, in dem der Express-Zug auf einer jener Brücken, die die Welt bedeuten, den Sternbuschweg überquerte. Links unten im Bild ist übrigens der Anbeginn vom Kalkweg zu sehen.
Soso. Aha. Und? (wird jetzt vielleicht mancher ungeduldig fragen).
Ich sage nur: Entenfang-Express! Der wird uns in den nächsten Tagen noch beschäftigen.

P.S.: „Geduld ist die wichtigste Eigenschaft des Revolutionärs“, sagte Lenin.
Ich füge hinzu: Ungeduld ist die lästigste Eigenschaft der Leute, die sich für schlau halten.

Good old everlasting Sternbuschweg. April 2019


Geradeaus geht es weiter den Sternbuschweg entlang. Das große Eckhaus: Da geht es links runter die Karl-Lehr-Straße (unguten Angedenkens) entlang.
In dem Eckhaus war mal eine Eck-Kneipe, die war der Treffpunkt des Bandoneon-Orchesters „Gut Ton“. Solche Bandoneon- (oder Akkordeon-)Orchester waren mal ein Wahrzeichen des Ruhrgebiets. Heute ist in dem Haus keine Gaststätte und kein Orchester mehr.
Wenn auf dem Stadion-Vorplatz ein Zirkus gastierte, zogen hier die Zirkus-Elefanten entlang. Die mußten links rum gehen, zum Güterbahnhof. Die brauchte man gar nicht zu führen, wenn die schon mal mit dem Zirkus hier waren. Die fanden den Weg allein, aus dem Gedächtnis (Elefanten!).