Über den Verlust durch Gewinn

Bei der Wahl zum Britischen Unterhaus am 8. Juni hat die von der Premierministerin Theresa May angeführte Konservative Partei nicht nur die meisten Stimmen und die meisten Mandate bekommen, sondern auch noch einen beachtlichen Stimmenzuwachs erreicht, wodurch aber nicht verhindert wurde, daß diese Partei als Verlierer dasteht und ihre Spitzenkandidatin in der Öffentlichkeit dasteht als eine, der man eine Sahnetorte ins Gesicht geschmissen hat.
Die Konservativen (auch Tories genannt) bekamen 42,4 Prozent der Stimmen, das sind 5,5 Prozemntpunkte mehr als bei der Wahl vor zwo Jahren – ein Stimmenzuwachs, von der hierzulande die CDU nur träumen kann.
Nur eine Partei verzeichnete einen größeren Stimmenzuwachs, nämlich die Labour Partei, die 40,0 Prozent bekam und damit 9,5 Prozentpunkte Zuwachs. Davon kann hierzulande die SPD noch nicht einmal träumen.
Die anderen Parteien – die Liberalen, die Nationalisten- und Regionalparteien etc. machten alle Verluste. Am härtesten traf es die faschistische UKIP, die ihrem Namen Ehre machte, indem sie von 12,6 auf 1,8 Prozent schrumpfte, nicht mehr in Unterhaus vertreten ist und somit komplett umkippte.

Blick zurück in den Wahlkampf. Aus einem Korrespondentenbericht in der Frankfurter Rundschau (3.6.):

Von dem britischen Wahlsystem, dem Mehrheitswahlrecht, habe ich nie was gehalten. Aber wenn es ermöglicht, die wahlgewinnende Thatcher-Nacheifererin als Nulpe dastehen zu lassen, hat es auch mal was Gutes gehabt.

Zeitung von vorgestern


Fand ich lustig.
Regt sich bei Ihnen manchmal Mitleid mit der SPD? Dann hören Sie ihr doch mal zu – besonders, wenn von denen jemand über uns redet.
„Rotrotgrün“ ausgeschlossen – jetzt ist sie selber ausgeschlossen.
Der Hochmut der Frau Kraft kommt vor ihrem Fall.

Da wir vorgestern hier …

… von Kamelen redeten:
Ich hab ja selber keinen Fernsehapparat mehr (ist kaputtgegangen), kriege nur dann was vom Fernsehprogramm mit, wenn ich irgendwo bin, wo ein Fernsehapparat eingeschaltet ist.
Ich war bei meiner Mutter zu Besuch, und da lief die Sendung von Günther Jauch, wo der Höcke (AfD) das Fähnchen auf die Armlehne legte und dann redete.
Und redete.
Meine Mutter rief entsetzt: „Was ist der? Lehrer??“
Der ist sogar beamteter Lehrer, Oberstudienrat, vom Schuldienst freigestellt, und er kann jederzeit in den Schuldienst zurückkehren.
Wäre es da nicht besser, wenn die AfD in den Bundestag kommt, weil der Höcke vor dem Plenum weniger Schaden anrichtet als vor einer Schulklasse – vorausgesetzt, er stellt sich da genauso dämlich an wie bei dem Jauch. Er könnte die Pläne zu einer CDU/CSU/AfD-Koalition im Keim ersticken, wenn er zu heftig gegen die Merkel hetzt. Aber darauf spekuliert ja der Seehofer. Man kann sich heute auf gar nichts mehr verlassen.

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 122.
Und das steht drin:

Jakop Heinn: Das Geheimnis des Erfolgs. Trump und seine Leute: Pleiten, Pech und Pannen. Aber gerade das ist das Geheimnis ihres Erfolgs.

Helmut Loeven: Franz Josef Erdogan. Wie würden die Deutschdeutschen wohl abstimmen, wenn IHNEN ein Referendum a la Erdogan vorgelegt würde?

Ulrich Sander: In unserem Land die Kriegspläne durchkreuzen. Rede auf der Ostermarsch-Kundgebung in Gelsenkirchen.

Ardy Beld: Karikaturen.

Ottokar Grobe: Sowas müßte verboten werden. Knötter-Kommentar (zum Lachen).

Chantal Könkels: Gut gerüstet mit Wahlzetteln. In Zeiten wie diesen muß man alles selber machen, auch Wahlkampf.

Kommentar zur Lage April 2017. Die DFG-VK Duisburg nimmt Stellung zur Eskalation in Syrien durch die USA.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: „Was wir heute bauen sind die Slums von morgen“; Wir haben den falschen Ozean; Der Chor der Kassiererinnen; Von der Nutzlosigkeit nützlicher Erfindungen; Fernseh kaputt – alles kaputt; SPD wählen muß nicht sein.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: „My sweet Lady Jane“. Schön, klug, couragiert und auf unserer Seite: Jane Fonda. Wir erinnern uns gern.

Pauschalchueche. An den Comiczeichner Antonholz darf man sich erinnern.

Les pères de la libelle. Patrick Schreiner über Sebastian Friedrich.

Wer jetzt noch an Zufall glaubt … Die geheimen Zeichen der Bilderberger: überall sind sie zu sehen. Und was passiert? Die Menschheit im Griff der Verschwörer! (Wer das ernst nimmt, ist verloren).

Anna Driba: „Übers Lesen und Schreiben“. Brief an ihre Cousine. Und die Frage: Heißt es „eigenes Dazutun“ oder „Eigenes dazu tun“?

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Und überhaupt

Bei den Wahlen zu den Parlamenten des bürgerlichen Staates ist heute die Vorhersehbarkeit geringer als früher.
Nur zwei Vorhersagen können für die Landtagswahl in NRW am kommenden Sonntag als sehr wahrscheinlich gelten:
1. Die AfD „kommt rein“.
2. Für die „Piraten“ ist nächsten Sonntag „last exit“.
Die Unwägbarkeiten:
Bleibt die FDP drin? Gewinnt sie sogar noch hinzu? (Dann kann Üfdüpü-Lindner sich am Wahlabend in nichtssagender Selbstzufriedenheit präsentieren).
Bleiben die Grünen drin?
Kommen die Linken wieder rein?

Ansonsten: Weiß ich nicht.
Laschet vor Kraft? Oder nicht?

Ich glaube: Für die SPD gibt es eine Pleite. Kraft verliert, vielleicht sogar so viel, daß sie das Amt an Laschet abtreten muß. Wenn die Grünen rausfliegen, dann sowieso.
Wie war das noch vor 5 Jahren? Kraft auf dem Höhepunkt! Kraft als DIE Kraft! Kraft muß Bundeskanzlerin werden. Und heute?
In Zeiten, in denen bei Wahlen Argumente, Orientierungen und Wertvorstellungen eine abnehmende Bedeutung haben, orientierungslose (Miß)Stimmungen eine umso größere, ist alles dem Zufall oder dem Unfall überlassen.
So kann’s gehen. Und das hat die sich nicht selbst vermasselt. Krafts SPD-grüne Koalition hat zwei Schwachstellen. Selbst wenn die Kraft alles richtig macht: Was nützt es, wenn sie diese beiden Klötze am Bein mit sich schleppt?
Die eine Schwachstelle ist das Streber-Image der Grünen. Die gelten jetzt mehr so als Spaßbremse, als besserverdienende Besserwisser. Inwieweit das ungerecht ist, sollen andere drüber nachdenken.
Jedenfalls: das färbt ab.
Die andere Schwachstelle ist der Innenminister Ralf Jäger. Das ist der Unglücksrabe der NRW-Landesregierung. Selbst wenn der alles richtig machen würde: Was nützt es, wenn alle finden, daß das alles falsch ist? Wenn der über Wasser gehen könnte, würde es heißen: Habt ihr gesehen? Schwimmen kann er auch nicht.
Es gibt genug Gründe, den nicht zu mögen. Siehe hier und hier und hier. Aber wer weiß das schon! Der muß weg, weil — der weg muß. Und überhaupt.
Das färbt ab.

Die Presseagentur GrossArt hat recherchiert, daß die CDU im Wahlkreis Duisburg-Meiderich auf den Aushang eigener Plakate verzichtet, stattdessen Werbung für den Wahlkreiskandidaten der SPD (Ralf Jäger) verbreitet.

Nichtzutreffendes streichen

Also, ob ich die Partei, die doch auch meine ist, angesichts der Art, wie sie um die Stimmen der anderen wirbt, wählen werde, das muß ich mir noch überlegen.
Da steht nicht: „Kommunisten wählen“.
Da steht auch nicht: „Kommunistinnen und Kommunisten wählen“. Das wäre ja dann auch wieder zu lang.
Darum steht da: „KommunistInnen wählen“. Früher stand das „I“ wie „Idiot“ am Anfang.
Carl Weissner äußerte sich verständnislos über die „Sprache der Linken“: „Das ist eine Bürokratensprache. So kann man das nicht machen, wenn man etwas Neues schaffen will.“

Wenn diese Sprache überhaupt noch mehr ist als bloße Angewohnheit, dann ist sie untertänige Anbiederung an das Milieu, in dem die Aufpasser (nebst Innen) den Jargon restaurieren.

Wer hätte etwas gegen Sauberkeit im Haus? Aber der Putzteufel macht das Haus unbewohnbar.
Wo Sprach-Wächter (nebst Innen) walten, soll (und kann) die Sprache auch nicht mehr der Verständigung dienen, sondern wird zum Nachweis der Angepaßtheit an unhinterfragbare Konventionen.
Da die Beklopptheit nie an einen Endpunkt gelangt, sondern immer weiterschreitet, ist eine solche sprachliche Hilfskonstruktion wie „KommunistInnen“ ohnehin längst als Diskriminierung entlarvt, weil die Betroffenen (nebst Innen) dadurch der Zweigenderung bzw. Zwangsgegendertheit unterworfen werden. Auch darf die Deutsche Kommunistische Partei sich nicht mehr auf den Klassenstandpunkt stellen, denn das diskriminiert die Behinderten (nebst Innen). Es muß „Stand*Sitz*Liegepunkt“ heißen. Das, mei_ne D*amen und HerRen, habe ich mir nicht ausgedacht. Der Satiriker erfindet nicht, sondern er findet.

Ich hab’s mir jetzt überlegt. Ich wähle DKP. Aber nicht mit frohem Sinn, sondern mit dem matten Empfinden, meine Schuldigkeit getan zu haben.

Kann denen mal jemand die Landwirtschaft erklären?

Direkt vor meiner Haustür. Ob die sich was dabei gedacht haben?

„Damit sich wirklich etwas ändert“ ist ein Slogan, den die an jede Partei verpachten könnten.

Die Idee, die Erzeugerpreise in der Landwirtschaft anzuheben und zugleich die Preise für den Endverbraucher zu senken, deutet auf Unkenntnis von den Verhältnissen in der Lebensmittelbranche hin. Dort findet ein Verdrängungswettbewerb statt, dem zuletzt Kaisers zum Opfer gefallen ist. Der Preiskampf wird auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen, die man nur noch als Scheinselbständige bezeichnen möchte. Verbraucherpreise für Nahrungsmittel, insbesondere Tierprodukte noch weiter senken? Mit solchen unrealistischen und dogmatischen Ideen ist der Weg gepflastert, der in Verhältnisse führt, wie sie jetzt in Venezuela herrschen.

Aber „Recht auf Flucht“ find‘ ich gut.

Kann mir mal jemand das Land NRW erklären?

Will die CDU uns etwa weismachen, daß sie hinter den ganzen Einbrücken steckt – und uns Bürgern verspricht, sich in nächster Zeit damit etwas zurückzuhalten?
Das kam mir alles immer schon so verdächtig vor.
Die Presseagentur GrossArt hat recherchiert, daß im Falle einer Regierungsübernahme der CDU in NRW allen vorbestraften Einbrechern ein Job bei der Polizei vermittelt werden soll. Einbrecher werden nicht mehr eingesperrt, sondern eingestellt. (Das brauchen Sie ja nicht zu glauben).
Sowas hängen die auf’m Kalkweg auf!

Mehr Teller – weniger Kohldampf!
Mehr Zäune – weniger Kühe rennen weg.
„Mehr Polizei – weniger Verrückte“ las ich erst.

Links unten: Dem Trumpschen „America first“ schleudert die CDU ein entschiedenes „NRW geht vor“ entgegen. Das hätte ich denen gar nicht zugetraut.

Der guten Mär bring ich gar viel: Für die Partei die Partei die Partei mit K

Sagen Sie mal ehrlich:
Haben Sie nicht schon oft gedacht: Ach! Diese Linkspartei! Naja, die muß ja auch sein. Aber manchmal, da möchte man sie am liebsten auf den Mond schießen.
Hach früher! Da konnte man noch RICHTIG links wählen, mit K,
KP …… D,
oder
D …… KP!

Verzagen Sie nicht! Sie sind der Erfüllung Ihrer Sehnsucht näher als Sie glauben.
Für den Landtag von Nordrhein-Westfalen und für den Deutschen Bundestag will die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) kandidieren.
Aber das klappt nur, wenn die Partei die Partei die Partei genügend Unterschriften zusammenkriegt. Darum liegen hier bei mir in der schönen Buchhandlung die Bögen zum Ausfüllen und Unterschreiben bereit.
Also kommen Sie, füllen Sie aus und unterschreiben Sie (sofern Sie wahlberechtigt sind).

Sie meinen, datwärnix für Sie? Dann passen Sie mal auf:
Sie sind doch bestimmt auch eine(r) von denen, die gern zum UZ-Pressefest nach Dortmund gehen und sich da an der Show des Fortschritts delectieren. Meinen Sie, die Stadt Dortmund würde der DKP freiwillig den Revierpark Wischlingen zur Verfügung stellen? Sie muß es, weil die DKP eine Partei im Sinne des Parteiengesetzes ist. Eine Partei muß innerhalb eines gewissen Zeitraums minderstens einmal bei einer Landtags- oder Bundestagswahl kandidieren, sonst verliert sie den Parteistatus im Sinne des Parteiengesetzes und das Parteienprivileg (Kommunalwahlen und Europawahlen zählen nicht).

Gegen sowas hat man ja nichts: Klaus der Geiger (mit Orchester) …

… oder Esther Bejarano und die und Microphone Mafia.

Na, dann kommt mal und zeigt, daß ihr keine Schnösel seid. Unterschreibt für die DKP!

Fotos (2) © Merkfoto

Ah! Da sind Sie ja, Herr Schröder!

SuelzkoppSchroederDieser „Kasten“, enthaltend Zitate aus Dialogen in dem Tatort-Film „Moltke“ von 1988 (mit Götz George als Schimanski, Grimmepreis) erschien in DER METZGER Nr. 56 (Februar 1999) auf Seite 3 (als sogenanntes Intro).
In diesem überaus gelungenen und komikgeladenen Schimanski-Film fand ich den running gag lustig. Daß der geniale Überblicker Schimanski sich den Allerwelts-Namen „Schröder“ partout nicht merken kann, daß Hänschen wie immer sanft-korrigierend eingreifen muß, und daß sogar auf den stets korrekten Königsberg Schimanskis brachiale Namensgebung abfärbt – zum Lachen.
Schimanskis Fähigkeit, einen Menschen sehr schnell einschätzen zu können, versagt in diesem Fall ebenso wie sein Namensgedächtnis. Denn dieser „Sülzkopp“ genannte Schröder „hängt“ keineswegs „da mit drin“, sondern ist bloß irgendson Lackaffe, der da rumsteht.

Kurz vor Ausgabe Nr. 56 hatte eine Bundestagswahl stattgefunden, aufgrund derer Helmut K. als Bundeskanzler von Gerhard S. abgelöst wurde.
Hansjürgen Bott wunderete sich, daß in dem Heft die neue Regierung gar nicht kommentiert wurde.
Ich sagte: „Doch! Guck ma Seite 3.“
Aber das war nur eine Ausrede.