Gauck redet Gauck

Wegen seines Lieblingsthemas hat der Bundespräsident Gauck Streit bekommen. 67 Pfarrer aus dem Osten haben ihn in einem Protestbrief kritisiert wegen seiner Äußerungen zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr.
Als ob über den Einsatz der Bundeswehr im Krieg nicht schon längst entschieden wäre! Die Herrschenden scheinen es aber für vonnöten zu halten, den deutschen Militarismus in seiner jetzigen Phase mit Phrasen zu ummänteln, was in die Zuständigkeit des Bundespräsidenten fällt. Also salbadert Gauck von „Verantwortung“ und einer „aktiveren Rolle in der Welt“.
„Ohne Einsatz bewaffneter Kräfte wäre keine Befreiung von der Hitler-Diktatur möglich gewesen“, heißt es in Gaucks Antwort an seine Kritiker.
Nun steht die Bundeswehr allerdings nicht in der Nachfolge der Roten Armee, sondern in der Nachfolge der Wehrmacht. Das müßte Gauck doch eigentlich wissen.
In der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 2. August 2014 ist ein Kommentar gedruckt worden. Überschrift: Gauck, der Krieg und die Pfarrer“. Verfasser: Christian Kerl. Zitat: „Gaucks Fundamental-Kritiker … müssen die Frage beantworten, ob die Welt zuschauen soll, wenn wie in Ruanda in wenigen Wochen Millionen Menschen abgeschlachtet werden.“
Früher wurde diese Frage anders formuliert. Da lautete sie: „Stellen Sie sich vor, Sie gehen mit Ihrer Freundin im Wald spazieren. Plötzlich kommt eine Horde Russen aus dem Gebüsch gesprungen und fällt über Ihre Freundin her. Zuuuuuufällig liegt eine Maschinenpistole am Wegesrand. Würden Sie dann tatenlos zusehen, wie Ihre Freundin vergewaltigt wird?“ Diese Vorstellung vom Kriegsverlauf unterscheidet sich von der des Bundespräsidenten eigentlich überhaupt nicht.
Gar keine Frage muß ich beantworten. Nichts muß ich mich fragen lassen von einem Grünschnabel, der nicht weiß, was Krieg ist, aber darüber schwadroniert. Auch bin ich keine Antwort einem schuldig, der den Weltkrieg erlebt, aber nichts draus gelernt hat.
Hitler mußte militärisch besiegt werden. Diesen Satz habe ich oft gesagt, und ich werde ihn noch oft wiederholen. Aber so ist der Satz nicht vollständig. Der Satz lautet vollständig: Hitler mußte militärisch besiegt werden, was durch einen eklatanten Mangel an Antimilitarismus in Deutschland vor 1933 verursacht wurde.
Daß Gauck die Werte und Ziele der Bürgerrechtsbewegung in der DDR preisgegeben hätte, sollte man ihm aber nicht vorwerfen. Ziel dieser Bewegung war, einem Gesellschaftssystem zum Sieg zu verhelfen, das nur mit Gewalt aufrecht erhalten werden kann.
In Stammeskriegen der Ärmsten gegen die Ärmsten werden in wenigen Wochen Millionen Menschen zu Todesopfern der Armut, die Folge der Rüstung ist. Das Militär löst diese Probleme nicht. Es hat sie geschaffen.

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