Gleicher Lohn für gleichen Fußball

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft (Männer) voriges Jahr die Europameisterschaft gewonnen hätte, hätte jeder Spieler vom DFB eine Prämie von 400.000 Euro gekriegt.
Der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft würde im Fall der Europameisterschaft eine Prämie von 60.000 Euro pro Spielerin zustehen.
Ich finde das nicht richtig. Der DFB sollte an Männer und Frauen die gleiche Prämie zahlen. Das findet auch der Bundeskanzler Olaf Scholz (soll der sich auch mal nützlich machen).
Dem beim DFB für die Nationalmannschaften zuständigen Oliver Bierhoff stehen angesichts einer so selbstredenden Sache die Haare (bildlich gesprochen) zu Berge, kann an ihnen aber etwas herbeiziehen. Er verweist auf unterschiedliche Zuschauerzahlen und unterschiedliche Werbe-Einnahmen beim Männer- und Frauenfußball, was gleiche Spieler/innen-Gehälter nicht möglich machen würde. Und der WAZ-Kommentator Peter Müller (Halbglatze) salbadert wie in solchen Fällen üblich von „Extrempositionen“, mit denen man es sich „sehr leicht“ macht und mit denen man „nur das Geschrei befeuert“.
Also: Es ging hier gar nicht um Gehälter, sondern um Prämien, die mit Zuschauerzahlen und Werbe-Einnahmen nichts zu tun haben. Nicht ablenken! Und der WAZ-Schwätzer soll tun, was alle von seiner Sorte tun sollten: das Maul halten.
Klare Sache: Für Männer und Frauen gleiche Prämie!
Und wenn der DFB findet, dafür hätte er nicht genug Geld, braucht er doch nur die Prämien für die Männer auf 60.000 Euro zu kürzen. So einfach geht das.

Mein Alternativ-Vorschlag als Kompromiss (mein Kompromissvorschlag als Alternative):
Für alle Fußballspieler und Fußballspielerinnen gleiche Bezahlung bis hinunter in die dritte Kreisklasse. Jeder kriegt pro Spiel 20 Mark, im Siegesfall 2 Mark extra. Für jedes geschossene Tor zusätzlich 50 Pfennig. Das müßte man nur noch in Euro umrechnen. Kann der Bierhoff machen.

Wem gehört die Geschichte?

Hier wurde gelegentlich über das afas – Archiv für alternatives Schrifttum – berichtet, und auch über seine Existenznöte (siehe Schlagwort). Diese für unsere Arbeit wichtige Einrichtung ist längst nicht in trockenen Tüchern. Darüber berichtete die WAZ in ihrem Lokalteol am 18. Februar:
Und darüber berichtete auch der Deutschlandfunk in einem Interview mit Afas-Leiter Dr. Jürgen Bacia, das man hier hören kann:
https://www.deutschlandfunk.de/juergen-bacia-im-gespraech-ueber-das-archiv-fuer-alternatives-schrifttum-duisburg-dlf-ad834259-100.html
Es geht nicht allein darum, eine Einrichtung zu erhalten, die der Wissenschaft, insbesondere der Erforschung der Sozialgeschichte, unschätzbare Dienste leistet.
Bei der Auseinandersetzung, wie unsere Zukunft gestaltet wird, spielt auch immer die Auseinandersetzung um die Geschichte eine Rolle. Was wird in Erinnerung behalten? Was wird vergessen, was wird verdrängt? Wenn wir unsere Geschichte verlieren, verlieren wir unsere Zukunft.
Informiert Euch ausführlich über das afas:
http://afas-archiv.de/
Dort findet Ihr auch die Kontoverbindung für dringend benötigte Spenden:
Archiv für alternatives Schrifttum (afas)
Bankverbindung:
BIC: DUISDE33XXX
IBAN: DE49 3505 0000 0250 0163 83

Man kann auch / sollte vielleicht (als Einzelperson oder Institution) Mitglied werden.

Einfach nicht vergessbar


Sieh an! Sieh an!
Die WAZ berichtete über Duisburger Gebäude, die es nicht mehr gibt (Gläserner Hut, Mercatorhalle, und eben auch Eschhaus).

Anmerkung:
Die Punk-Darsteller kamen nie ins Haus, sondern standen vor der Tür herum. Wollte man hinein, mußte man durch dieses Spalier! („Hasse ma ne Maaaaak?“ „Nee.“).
Musik: innen zwar „laut“, aber durch die dicken Mauern draußen nicht zu hören.
Daß in dem Hause NIEMALS Drogen konsumiert wurden, dafür stehe ich mit meinem Namen und als ehemaliges Eschhaus-Beirats-Mitglied.
Nein, ich wollte natürlich sagen: Wenn in dem Haus NIEMALS Drogen konsumiert worden wären, wäre es trotzdem hartnäckig behauptet worden. Dann also: warum nicht?

Und Werbung für den Eschhaus-Buchladen. Wunderbar! Wunderbar! Schönschön!

Siegfried Jäger 1937 – 2020

Der Artikel in der WAZ faßt auf wenigen Zeilen Wesentliches zusammen.
Über das DISS schrieb ich vor wenigen Wochen in diesem Weblog, wie nah dran diese kritische Wissenschaft an den brisantesten Themen der Gegenwart ist, und was für eine gute Idee es vor 30 Jahren war, das unabhängige Institut zu gründen! Um sich das zu vergegenwärtigen, bitte ich darum, die Stichwörter „Siegfried Jäger“ und „DISS“ am Ende dieses Notats anzuklicken.
In dem Institut war ich oft zu Besuch – es ergab sich immer wieder eine Gelegenheit dazu – ein angenehmer Aufenthaltsort! An den Wänden ist viel Kunst zu sehen. Der Blick über den Rand ist charakteristisch für die Art von Wissenschaft, die hier betrieben wird.

Siegfried Jäger war nicht nur in Fachpublikationen präsent, er schrieb auch für die taz und die Graswurzelrevolution. In DER METZGER war er zwei mal als Autor vertreten: In Nr. 78 (2007) würdigte er seinen Kollegen und Mitstreiter Alfred Schobert. In Nr. 42 (1990) erschien Entstehungsbedingungen des Rechtsextremismus heute, beginnend mit der Kernthese „Faschismus und Rechtsextremismus entstehen aus der Mitte der Gesellschaft heraus.“ Darauf antwortete, mehr ergänzend als widersprechend, Kurt Gossweiler in Nr. 48.
Aufmerksam machen will ich auch auf den Artikel von Sebastian Friedrich in Nr. 111: Werkzeug für Veränderung. Was hat es mit der Kritischen Diskursanalyse auf sich? Sebastian Friedrich stellt das Standardwerk von Professor Siegfried Jäger (DISS) vor als ein Beispiel für eingreifende Wissenschaft. „Von Foucault über Diskurs und Dispositiv zum Widerstand.“

Ich habe auch mal mit Siegfried Jäger einen Mietvertrag abgeschlossen – für das Büro der DFG-VK im Hinterhaus, umgeben von Gärten, wo ruhiges Arbeiten vonstatten gehen konnte. Das ist fast schon anekdotisch und lange her, noch bevor das DISS sein erstes Domizil bezog, aber auch das ein Stück aus der Verweigerungsgeschichte mit Folgen.

Meine letzte Begegnung ist schon drei Jahre her (da sprachen wir über Heinrich Heine). Ich war Gast beim Fest zum 30jährigen Bestehen des Instituts – und für mich war es zugleich ein Arbeitstermin. Ich recherchierte für meinen Beitrag in Duisburger Jahrbuch (Mercator-Verlag) über die „Wissenschaft gegen den Strich“.
Als Motto über der Anzeige war ein Satz von Jacques Derrida zu lesen:
„Die Spur, die ich hinterlasse, bezeichnet sowohl meinen Tod als auch die Hoffnung, dass sie mich überlebt.“ Für die Erfüllung dieser Hoffnung zu arbeiten wäre mehr als eine freundliche Geste. Man würde sich damit auch selbst einen Gefallen tun.

Wieder ein Verlust

Keine gute Nachricht: Der Laden „Die Schallplatte“ auf dem Sonnenwall schließt zum Jahresende. Die WAZ widmete diesem traurigen Ereignis einen ganzseitigen Bericht, und zwar nicht im Duisburger Lokalteil, sondern im überregionalen Teil. Denn „Die Schallplatte“, so wird vermerkt, ist „Deutschlands ältestes Geschäft seiner Art“ – sicherlich kein übertriebenes Urteil.
1954 wurde der Laden von Gottfried Haunzwickle gegründet (der übrigens Pate stand, als Rudi Kallamees 1970 sich mit seinem „Disc“ als Fachgeschäft für progressiven Rock selbständig machte). „Die Schallplatte“ blieb durch die Jahrzehnte Anlaufstelle für ein anspruchsvolles Publikum, für das Musik nicht bloß Geräuschkulisse sein darf, die zum einen Ohr rein und zum anderen raus geht..
Thomas Fenn, der letzte Inhaber, bekennt: „Andere Musik reinnhmen? Es gibt Bereiche, damit kann ich nichts anfangen. Tagesaktuelle Popmusik geht mir fürchterlich gegen den Strich. Ich kann es nicht verkaufen. So kann ich mich nicht verstellen.“
„Es wird nochmal laut“ heißt es in dem Zeitungsbericht. Am Samstag, 14. Dezember sind Blind Joe Black und Sängerin Tony Maracas zu hören.
www.schallplatte-duisburg.de

„Ich kenne keine Interessen mehr, ich kenne nur noch Deutsche“

Da es mit dem Inneren Zusammenhalt der Nation derzeit mal wieder nicht so recht klappt (einige Landsleute treiben es gar zu weit), wird die Gelegenheit des Jahrestages ergriffen, über Tränen der Freude zu berichten.
Der November, so sagte ich bereits, ist bei uns noch nie ein trauriger Monat gewesen. Das hätten wir im November 1989 anders empfinden können. Aber wir gingen dann doch fröhlich an die Arbeit (siehe unten).
Eine Nation im Freudentaumel – auch noch die deutsche! Das konnte nichts Gutes verheißen. (Und daß es im einzelnen noch schlimmer hätte kommen können, ist kein Gegenargument). Wer unverstandenes Geschehen bejubelt, ist von allen guten Geistern verlassen.
Das Jahrestagsfoto auf der heutigen WAZ und die Schlagzeile zur aktuellen Lage zeigen den Radius deutscher Lage und deutscher Mentalität. Nation ist, wenn man die Mieten erhöht und die Mieter von der Mieterhöhung begeistert.
Die beiden METZGER-Ausgaben in der Folge des Schrittes von der Zukunft in die Vergangenheit, genannt „friedliche Revolution“ (recte: unfriedliche Konterrevolution) behandeln dieses Welt-Geschehen als Schwerpunktthema.
Unser Motto damals: Wer den schlechten Sozialismus nicht verteidigt, kriegt keinen besseren.
Die beiden Hefte (Nr. 42 und 43) sind weiterhin erhältlich, als Doppelpack für 5 Euro hier zu bestellen.

Hu! Ha! Sching-gis Kahn!

Heute abend ist ja wieder diese Juropien-Bombastik-Bumm-Schau „im Taumeltanz der Schaumfabrik“, diesmal in Tel Aviv.
1979 war der Song-Contest schon einmal in der durchaus nicht in Europa liegenden Stadt, und „Deutschland“ beteiligte sich an dem Wettbewerb mit der Doof-Kapelle „Tschinghis Khan“, die einen Gesang gleichen Titels zum besten gab.
Aber im „Vorfeld“ regten sich Zweifel. Der Name des Gesangsvereins und der Titel des Liedes wurden unweigerlich mit dem gleichklingenden, aber etwas anders geschriebenen Tschingis Khan, dem martialischen Mongolenherrscher aus dem 13. Jahrhundert assoziiert. Kann man, darf man als Deutsche mit sowas in Israel auftreten? Oder lieber nicht?
Das war „Frage der Woche“ in der WAZ. Leserbriefe erbeten.
Ich schrieb denen:

OB DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND ODER SONSTWER DIE BAND TSCHINGHIS KHAN ODER SONSTWEN MIT DIESEM ODER EINEM ANDEREN LIED IN ISRAEL ODER SONSTWO AUFTRETEN LÄSST ODER NICHT; IST MIR EGAL.

Der Brief wurde nicht gedruckt. Das ist schade. Eine wegweisende Betrachtung wurde dem Publikum vorenthalten. Ich hätte aufzeigen können, daß, frei nach Brecht, wer A sagt nicht unbedingt B sagen muß, oder, daß es außer Pro und Contra noch eine weitere Entscheidung gibt, und zwar NICHT „sowohl als auch“ (das wäre Merkel/Scholz/Lindner), sondern: WEDER NOCH.

Heute würden die Leserbriefleute vielleicht sagen: „Hähä, das bringen wir.“ Aber 1979 konnte das nicht gehen. Da hatte man sich zu entscheiden, ob man zuerst mit dem rechten oder mit dem linken Bein für Deutschland schreitet, ob forschen Willens oder mit vorläufiger Zurückhaltung in gewissen Ausnahmesituationen.

Bei dieser Tel Aviver Effekt-Orgie handelt es sich nicht etwa um die Europa-Wahl, von der in diesen Tagen so viel geredet wird. Die ist erst eine Woche später. Es kann da leicht zu Verwechslungen kommen.
Darum, bezogen auf die Wahl, ein diesmal konkreter Vorschlag von mir:
Man kann es auch so sagen:

..

Tüdelüttütü


Wieso?
Sie weiß nichts, sie kann nichts, sie kann sich gut unvorteilhaft kleiden und gefällt sich mit unvorteilhaften Hochsteckfrisuren. Sie gefällt sich. Sie redet zu viel und zu laut (neudeutsch: „moderiert“, wenn bei einer „Gala“ Event-Erscheinungen im Abendkleid Figürkes überreicht kriegen). Sie ist die Karikatur auf die Karikatur einer Femme fatale. Sie ist ein in Pose geschmissenes Klischee.
Und?
Sie ist „mit ihrem neuen Album“ „auf Tour“ und hat der Funke-Mediengruppe erzählt: „Hach! Wie toll ich mich finde!“

Proteste gegen Zwangsräumungen

Die Zwangsräumungen in Duisburg waren Thema in diesem Weblog (siehe hier und hier).
Proteste kamen von den Wohlfahrtsverbänden, von den Grünen und von der Partei Die Linke.

Die WAZ berichtete online (5.4., 15.33 h) etwas ausführlicher:als in ihrer Print-Ausgabe:

Schrottimmobilien. Noch mehr massive Kritik an Räumungen in Duisburg-Marxloh
Räumungen in Duisburg- Marxloh: Wohlfahrtsverbände sprechen von künstlich erzeugter Obdachlosigkeit, die Grünen von menschenfeindlicher Politik.
Massive Kritik an der Zwangsräumung von vier Schrottimmobilien am vergangenen Mittwoch in Marxloh übt die Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Was hier geschehen sei, bilde inzwischen die Regel aller Task-Force-Einsätze. Der Bevölkerung werde vorgegaukelt, dass die Stadt etwas tue. Tatsächlich aber komme es immer wieder vor, dass die Menschen – im aktuellen Fall 174 und fast ausschließlich aus Südosteuropa – von einem verkommenen Wohnort zum nächsten vertrieben werden. Anschließend gehe die Task Force ihres Weges, und die Sozialverwaltung und Wohlfahrtsverbände dürften die hinterlassenen Scherben zusammenkehren.
Vorwurf: Planloser Aktionismus
Es gehe überhaupt nicht darum zu kritisieren, dass gegen kriminelle Hausbesitzer und unzumutbare Wohnverhältnisse vorgegangen wird. So, wie die Task Force aber in Duisburg agiere, handele es sich bloß um planlosen Aktionismus. Es gebe kein Konzept, was mit den betroffenen Menschen und den leer stehenden Häusern geschehen soll. Stattdessen werde künstlich Obdachlosigkeit erzeugt.
Auch die Grünen kritisieren die Zwangsräumungen scharf. Romeo Franz, Mitglied des Europäischen Parlaments, sieht darin den „Ausdruck menschenfeindlicher Politik“. Anstatt die Vermieter der maroden Gebäude zu belangen, seien die Bewohner regelgerecht verjagt worden. Nicht zum ersten Mal seien die Verantwortlichen der Stadt Duisburg „durch mutmaßlich willkürliche Maßnahmen dieser Art“ aufgefallen. Es liege nahe, einen antiziganistischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund zu vermuten. Weiterlesen

WAZ-Leser schreiben Leserbriefe an die WAZ

Zum Beispiel sowas:

Aber dieser Herr K. aus B. ist ein ganz gewöhnlicher Idiot.
Der beklagt einen Zustand, für den er mit seinem Konsumidiotenverhalten die Ursache ist.
Die Idiotie der Bekloppten ist eine Voraussetzung für die Profitmaximierung, für die die vollkommene Monopolisierung des Warenverkehrs auf den Plan gestellt wurde.