Neues von Tom Liwa: Klang und Wort

Auf diesem Planeten, der sich um seine eigene Achse dreht, nordwärts kreisend um einen Stern, schrieb er das Buch, das er versprochen hatte…
… und das für mich eine kleine Überraschung war:
DAS BUCH TOM (der, den mein freund kannte).
160 S. Mit Linolschnitten von Saskia Lippold und einem Nachwort von Birgit Fuß.
Und irgendwo klein gedruckt ist auch der Name zu lesen: Tom Liwa.
Ein Buch, das es bei Amazon NICHT gibt. Es hat eine ISBN, aber die steht nicht drin.
Es enthält einen Zyklus von 25 langen Gedichten, bestehend aus sechszeiligen Strophen.
Und ich freue mich, dieses Buch anbieten zu können.

„… dass Tom tatsächlich ein Heiler ist“ steht im Nachwort. „Ich las erst „ein Heller“. Paßt auch.

Gleichzeitig:
CD Tom Liwa: Der, den mein Freund kannte. Neun Stücke.

Buch 14 €
CD 17 €
in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand)
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg-Jahrbuch
Tel. 0203 – 375121
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

Neu in der Weltbühne: Der Sound der 70er

Ernst Hofacker: Die 70er. Der Sound eines Jahrzehnts. Reclam 2., durchges. Auflage. Geb. mit Fadenheftung. 350 S. 63 Farbabb. 28,00 €
Das sagt der Verlag:
Die 70er sind das innovationsfreudigste und folgenreichste Jahrzehnt der Popmusik. So unterschiedliche Genres wie Glam, Punk, Reggae und Metal feiern hier ihren Ursprung.
Ernst Hofacker erzählt die Story dieses einzigartigen Jahrzehnts anhand von zehn exemplarischen Daten. Er entfaltet die popkulturelle Vielschichtigkeit, zeigt auf, wie Trends und ihre Gegenbewegungen entstanden, und verfolgt die gesellschaftlichen Hintergründe und ihr Fortwirken bis heute.
Helmut Böttiger im Deutschlandfunk:
Im Gegensatz zu einigen, die aus der Wahrnehmung von heute über die Popmusik dieser Jahre schreiben, ist dieser Autor ein Zeitgenosse gewesen. Hofacker stellt das Lebensgierige heraus, aber auch das Fragile und Verzweifelte. Nicht nur in der wilden Literaturszene, sondern auch in der Popmusik zeigt sich, dass die 70er Jahre nicht auf einen Nenner zu bringen sind. Sie sind keineswegs mit dem Terrorismus und dem ‚deutschen Herbst‘ gleichzusetzen. Es war nicht ausschließlich die Zeit einer ‚BRD noir‘, sondern auch die verschiedenster ekstatischer Augenblicke.
Zukunft war etwas, auf das man sich ohne Wenn und Aber freuen konnte. Erste Wermutstropfen – etwa in Gestalt der Ölkrise von 1973 und des aufrüttelnden Reports ‚Die Grenzen des Wachstums‘, den der Club of Rome 1972 vorstellte – trübten zwar schon bald die Wachstums-Euphorie, waren aber 1970 noch kaum zu vermuten und sollten ihre Wirkung auf das gesellschaftliche Klima erst allmählich entfalten. Eine nennenswerte Fortschritts- und Wachstums-Skepsis entwickelte sich in den westlichen Ländern jedenfalls erst zum Ende des 70er Jahrzehnts.
Hofacker ist kein Diskursjongleur, sondern äußert sich eher wie ein Fan. Detailliert widmet er sich den prägenden Musikgruppen, den kalifornischen Singer/Songwritern, dem Glamrock und natürlich dem Punk; es geht um Reggae, Kraftwerk und Pink Floyd. Und wenn er über Iggy Pop schreibt, wird nicht nur dessen genialer Künstler-Nachname effektvoll gebraucht:
‚Pop ist ein kluger und belesener Mann. Er würde wohl sofort bestätigen, dass Rock ’n’ Roll seinerzeit nicht das war, als das er heute verstanden wird, nämlich ein Synonym für ritualisierte Entgrenzung in einer durchformatierten und normierten Wohlstandsgesellschaft. Vielmehr war er die lautstarke Notwehr, das Nein! einer jungen Generation, die sich nicht länger an die durchgefaulten Moralkodizes ihrer Elterngeneration halten wollte. Sie suchte nach überzeugenden Alternativen und einem freien Leben mit selbstbestimmtem Wertesystem.‘
Das Rebellische hat sich mittlerweile gelegt. Die Kommerzialisierung, die Funktionalisierung innerhalb der Konsumgesellschaft ist längst ein wesentlicher Bestandteil der Popkultur. Im Vergleich zur Literatur hat ein grundlegender Rollenwechsel stattgefunden: Anfang der 70er Jahre war Popmusik die Sache einer gesellschaftlichen Minderheit, etwas Widerständiges und Subversives. Man musste sich mühsam in den wenigen Fachmagazinen und den ersten Plattenläden informieren, Popmusik bildete noch nicht die Hintergrundbeschallung von Kaufhäusern oder Cafés. Heute setzt die Popkultur die Maßstäbe, und die Literatur ist demgegenüber jetzt zur Sache einer Minderheit geworden, die, wenn sie es ernst meint und sich nicht anpasst, ihrerseits fast schon widerständig und subversiv anmutet. Ob in den siebziger Jahren alles besser war, wird man auch nach der Lektüre nicht unbedingt bejahen. Aber eines steht fest: sie waren auf jeden Fall anders.

Bei uns erhältlich – im Laden oder im Versand.

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Letztes Wochenende: Eine Dämmo nach der andren

Eine halbe Stunde vorher wußte ich noch gar nicht, daß ich eine halbe Stunde später Demonstrant sein würde. Von der Demonstration gegen Rechts, anläßlich der Kommunalwahl in NRW, erfuhr ich im letzten Moment und dachte mir: Da geh ich auch hin. Wetter war gut, und der Ludgeri-Platz, wo alles anfing, ist sowieso ein schöner Platz (auch Schimanski und Thanner waren mal hier).
Die Demonstration ging durch Neudorf/Duissern und Wasserviertel zum König-Heinrich-Platz (Foto). Teilnehmer und Veranstalter überwiegend sehr jung. Sehr gute Organisation, sehr klares und gestrafftes Programm, und sehr gute Redebeiträge. Zu Wort kam zum Beispiel eine Sprecherin von Fridays for Future und drei Vertreter des entstehenden Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor. Da wurden Zusammenhänge deutlich formuliert: Soziokultur als praktische Abwehr gegen Rassenhaß und Frauenverachtung. Und: Wer sich gegen Klimazerstörung wehrt, muß sich auch gegen Rechts wehren. Das wurde nicht nur proklamiert, sondern erklärt.
Zum Schluß wurde auf die am Sonntag geplante Veranstaltung gegen die Pegida-Zusammenrottung am Duisburger Bahnhof aufmerksam gemacht.
Am Sonntag, am frühen Nachmittag ging es also richtig los. Duisburg-stellt-sich-quer und die Kulturinitiative DuisPunkt hatten auf dem Bahnhofsvorplatz zu zwei Kundgebungen aufgerufen, die aber EINE war.
Alte Liebe rostet nicht. DKP mußte mit aufs Bild.
Noch ‘ne Partei: DIE PARTEI mit dem am Sonntag meistgezeigten Plakat. Die haben ihre Schilder wie Flugblätter verteilt.
Bühne mit Schello und Schlachzeuch. Und Sahra über allem. (Die war ein paar Tage vorher wahlkämpfend hier in der Gegend gewesen).
Laut Zeitung kamen auf einen von den Pegida-Fritzen zehn von uns!
Musik einer von fern angereisten Band (ihren Namen habe ich nicht mitgekriegt).
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Line Bogh und Christian Gundtoft im Lehmbruck-Museum, und Werner Muth ist auch dabei

Werner Muth schrieb diesen Rundbrief:

„Zum ersten literarischen Ereignis in diesem Jahr mit meiner Beteiligung möchte ich euch recht herzlich einladen. Aber in erster Linie geht es mir darum, auf den Auftritt der wunderbaren dänischen Sängerin Line Bogh hinzuweisen, die zusammen mit ihrem Partner Christian Gundtoft ihr Programm präsentieren wird. Das Ganze wird am Donnerstag, dem 6. Februar 2020, im Duisburger Lehmbruck Museum zu hören und zu sehen sein. Details entnehmt bitte der beigefügten Anlage.
Bitte lasst euch diesen besonderen Abend nicht entgehen.
Line und Christian waren bereits zweimal sehr erfogreich in ‚Panama‘ zu Gast.“

Ich habe die beiden Auftritte in „Panama“ gesehen/gehört und kann dieses Künstlerpaar sehr empfehlen!
Der literarische Beitrag von Werner Muth ist nichts Geringeres als die lokale Premiere des in der Situationspresse erschienenen Gedichtbandes Glückseligkeit und wildes Herz.

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Frei-heit-machen mit „Beat-Club“

Die gestalterische Aktion bei der Produktion meiner Zeitung endet ja nicht in dem Moment, in dem die Exposés in Druck gegeben werden, sondern geht dann noch weiter, nämlich mit der Gestaltung der Umhüllung, in der die Exemplare an die Abonnentinnen & Abonnenten expediert werden. Ich verwende gern Briefmarken mit signalhaft-emanzipatorischen Bildmotiven (etwa: Heinrich Böll, Adorno, Karl Marx, Mandela, Else Lasker-Schüler, Pina Bausch, Bauhaus, Frauenwahlrecht u.a.). Jetzt habe ich ein neues passendes Motiv ausfindig gemacht.
„Beat-Club“ wurde am 25. September 1965 (Samstag-Nachmittag) zum ersten Mal gesendet (Ich erinnere mich: „Halbstark, oh Babybaby Halbstark“). Man konnte sich anfangs kaum sicher sein, aber ahnen und hoffen, daß diese Sendung ihre politische Botschaft entfaltet, indem sie inhaltlich und formal eine andere Vorstellung von Leben und Zukunft artikuliert als die vorgegebene.
Wer Augen und Ohren hatte, konnte beweisen: Wir sahen besser aus, wir hörten die bessere Musik, und wir hatten die schöneren Frauen.

Wer den METZGER abonniert hat oder sich ein Buch durch den Versandservice der Buchhandlung Weltbühne schicken läßt, kann sich wünschen, daß für die Lieferung eine Beat-Club-Briefmarke verwendet wird – solange der Vorrat reicht.

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Wieder ein Verlust

Keine gute Nachricht: Der Laden „Die Schallplatte“ auf dem Sonnenwall schließt zum Jahresende. Die WAZ widmete diesem traurigen Ereignis einen ganzseitigen Bericht, und zwar nicht im Duisburger Lokalteil, sondern im überregionalen Teil. Denn „Die Schallplatte“, so wird vermerkt, ist „Deutschlands ältestes Geschäft seiner Art“ – sicherlich kein übertriebenes Urteil.
1954 wurde der Laden von Gottfried Haunzwickle gegründet (der übrigens Pate stand, als Rudi Kallamees 1970 sich mit seinem „Disc“ als Fachgeschäft für progressiven Rock selbständig machte). „Die Schallplatte“ blieb durch die Jahrzehnte Anlaufstelle für ein anspruchsvolles Publikum, für das Musik nicht bloß Geräuschkulisse sein darf, die zum einen Ohr rein und zum anderen raus geht..
Thomas Fenn, der letzte Inhaber, bekennt: „Andere Musik reinnhmen? Es gibt Bereiche, damit kann ich nichts anfangen. Tagesaktuelle Popmusik geht mir fürchterlich gegen den Strich. Ich kann es nicht verkaufen. So kann ich mich nicht verstellen.“
„Es wird nochmal laut“ heißt es in dem Zeitungsbericht. Am Samstag, 14. Dezember sind Blind Joe Black und Sängerin Tony Maracas zu hören.
www.schallplatte-duisburg.de

Bilder vom Sonntag

Am gestrigen Sonntag, ausgerechnet am Volkstrauertag, der dem Gedenken an die Opfer des Krieges und des Faschismus gewidmet ist, trafen sich die häßlichsten Deutschen in Duisburg. Der Dreckrand der Nation („Pegida“) marschierte durch die Stadt.
Das durfte nicht unbeantwortet bleiben. An verschiedenen Stellen der Stadt trafen sich Antifaschisten zum Widerspruch (siehe Notate hier und hier). Ich war da, um zu berichten.

Wir sind mehr; generationsübergreifend. Laut Polizei kamen 270 Figuren zum Nazi-Aufmarsch, dem standen ca. 1.100 Nazigegner entgegen.
Außer den Falken gaben sich andere Gruppen zu erkennen (Verdi, VVN, Linkspartei, die Grünen, SPD u.a,).

Der Stattchor.

Damit das klar ist.

Schlagzeug schon aufgebaut, es folgte noch Reggae („Don‘t give up the Fight“).

Derweil auf dem Opernplatz: Rise-up auf Vorposten.

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Muth (und Black) in Oberhausen

„Glückseligkeit und wildes Herz“ ist der Titel des Buches von Werner Muth (Situationspresse 2019), und auch der Titel der Hörrevue (zusammen mit Blind Joe Black) am Sonntag, 17. November im Theater Gdanska in Oberhausen.
Es handelt sich also um die Buch-Premiere.
Weil ich so gut Plakate gestalten kann (wird behauptet), habe ich das Plakat gestaltet:

Der Eintritt ist zwar FREI, aber man sollte erwarten können, daß in den herumgereichten Hut etwas hineingetan wird. Das möchte ich noch hinzufügen.
Durch den Eingang Gutenbergstraße 8 kommt man auch hinein.

100 Jahre Woodstock (2)

Es mag auch zu den unvorhergesehenen Spätfolgen von Woodstock gehören, daß man in der bürgerlichen Presse heute zuweilen Vernünftigeres liest als in der linken Schrott-Presse.
Christopher Onkenbach schrieb in der WAZ (8.8.2009): „Allmählich, doch unwiderstehlich entstand vor 40 Jahren ein beinahe weltumspannendes Wir-Gefühl der Jugend, das es so später nie wieder gab. ‚Woodstock Nation‘ nannte sich die Generation, die nicht nur jene umfaßte, die dabei gewesen waren, sondern alle, die sich zugehörig fühlten. Woodstock war etwas anderes als die 68er-Bewegung, die vor allem in Deutschland und Frankreich dogmatische Züge annahm. Woodstock war romantisch, naiv und unpolitisch in dem Sinne, als diese Friedfertigkeit wiederum politisch war in Zeiten von Rassenunruhen, Vietnamkrieg und den Morden an Martin Luther King und Kennedy. Wie radikal dieser Gegenentwurf war, läßt sich daran ermessen, was diese Blumenkinder alles nicht sein wollten: stark, erfolgreich, hierarchisch, konform, uniformiert, kriegerisch. Der Fantasie sollte die Macht gehören. Indem sie auf Distanz gingen zu den Autoritäten, bewirkten sie am Ende doch die sanfte Erneuerung und Veränderung der Gesellschaft.“
Manches ist unpräzise an diesem Kommentar, z.B. die Gleichsetzung der „Woodstock Nation“ mit einer ganzen Generation. Ob die Woodstock Nation und die „68er“ (besser sollte man sagen „Neue Linke“) zwei Dinge waren oder zwei Seiten einer Sache, läßt sich nicht sagen, weil beides undefinierbar ist. Beides ist wohl zusammengeflossen wie Farben auf einem Aquarell.
Das ist sicher: Hätte die Neue Linke nicht den Törn mitgekriegt, wäre sie dogmatisch labernd in den Orkus marschiert.

aus DER METZGER Nr. 86, August 2009
Hier wird ab Nr. 2 gezählt?
Im Jahre 2009, als vielfach an den 40. Jahrestag des Woodstock-Festivals erinnert wurde (großzügig auf 100 aufgerundet), erschien in den METZGER-Ausgaben Nr. 86 und 87 der fünfteilige Zyklus “100 Jahre Woodstock”.
Nr. 1 war die Replik auf einen gar zu sehr danebengeratenen, gar zu inkompetenten Artikel in Konkret.
Nr. 2 siehe oben.
Nr. 3: Summer of (G)Love. Der WDR-Lokalzeit-Bericht über die Botschafter der Woodstock-Nation und Ur-Kommunarden Helmut Loeven, Peter und Marita Bursch – jedes Wort, jedes Bild.
Nr. 4: “Sin or Salvation”. Historischer Comic-Strip aus „Young Lust“ (1970) über die Hindernisse auf der Suche nach Abwegen.
Nr. 5: Chicago. Der „Summer of Love“ war auch ein Summer of Hate. Das Establishment schlug zurück. Dokumente und Informationen über einen Prozeß von 1969.

Die beiden METZGER-Ausgaben sind weiterhin erhältlich.