„Geht auf die Straße und schreit FEUER!“

In der Wochenend-Ausgabe der WAZ wird in der Serie „Revier-Heldinnen“ heute über Fasia Jansen berichtet.
Fasia Jansen (1931-1997) war die Blues-Stimme der Friedensbewegung.
Ein Philosoph hat mal gesagt, daß die besten Gedanken beim Gehen entstanden sind. Es gibt auch eine Musik, die beim Gehen zum Klingen gebracht und gehört werden muß.
Beim Ostermarsch 1967 sah und hörte ich zum ersten Mal die schwarze Sängerin mit der Blue Note in der Stimme. Ich erinnere mich auch an eine Ostermarsch-Szene in Dortmund. Als sie eine Litanei vorsang, war sie auch noch aus 50 Metern Entfernung zu hören, sie brauchte kein Mikrophon.
Ihre Stimme war unüberhörbar, wenn für den Frieden gekämpft wurde, für die Rechte der Frauen, für die Würde der arbeitenden Menschen.
Sie war beim Ostermarsch nicht wegzudenken und präsent bei vielen großen und kleinen Aktionen. Ich fühlte mich geehrt, als sie mich freundlich begrüßte – man war sich eben oft begegnet am selben Ort, zur selben Zeit, aus dem selben Grund.

Bürger, deine alten Städte
Sind nicht heil, doch haben überlebt –
Wer aber wird sie noch erkennen
Wenn am letzten Tag die Erde bebt?

Arbeiter, die Werke brennen
Wo dein Schweiß dir gibt dein täglich Brot –
Sieh, wo die Himmel heut‘ nur qualmen
Sind sie morgen wohl von Feuer rot!

Feuer! Vorsicht, man legt Feuer –
Ein Atomminengürtel wird geplant!
Geht auf die Straße und schreit: „Feuer!
Feuer, unsere Erde wird verbrannt!“

Den Juro Wischen Songkon Test braucht ihr euch nicht anzugucken

Denkt euch für den entsprechenden Abend was anderes aus. Dieses Bombastik-Trallalla hat keinen sittlichen Nährwert.
Das ist so ähnlich wie mit der Olympiade. Früher war so eine Olympiade ein in das Leben hineinwirkendes Ereignis. Die Olympiade von 1960 in Rom brachte neue Identifikationsfiguren („Publikums-Lieblinge“) hervor: Armin Hary, Carl Kaufmann, Jutta Heine, der Ratzeburger Achter. Oder 1968 in Mexiko die Schwarzen bei der Siegerehrung mit erhobenen Fäusten. Oder 1972 in München Ulrike Meyfahrt und das Attentat und the games must go on.
Und heutzutage? Wann war eigentlich die letzte Olympiade? Und wo? Aufgehört hat die wohl irgendwann, aber hat die überhaupt mal angefangen?
Die nächste Olympiade wird schon vor der Eröffnung in Vergessenheit geraten sein. So (über)erfüllt sich die Vorhersage der Situationisten: Am Ende des Jahrhunderts wird jeder eine Viertelstunde lang berühmt sein.
Mit dem Eurovisions-Festival ist das auch so: Früher hat man „aha“ gesagt über den Sieg von Abba oder mit Cliff Richard oder mit Udo Jürgens oder gestaunt über Sandra Goodrich (genannt Sandie Shaw), die mit nackten Füßen durch die Wiener Hofburg spazierte like a puppet on a string! Stellen Sie sich das mal vor: durch die Wiener Hofburg! Mit nackten Füßen! Das waren noch Ereignisse!
Aber das hättet ihr euch damals auch nicht anzugucken brauchen.

Country Joe im Gericht

Country Joe McDonald
1942-2026

Bild: WIKIMEDIA COMMONS

Gerichtsdiener: Sie müsen das Gummi entfernen, Sir!
Zeuge: Welches Gummi?
Gerichtsdiener: Das, auf dem Sie gerade kauen.
Zeuge: Ich fürchte, ich habe gar kein Kaugummi.
Gerichtsdiener: Sie können platznehmen, Sir.
Mr. Kunstler (Verteidiger): Würden Sie bitte Ihren vollen Namen nennen?
Zeuge: Country Joe.
Mr. Kunstler: Was ist Ihre Tätigkeit? Zeuge: Ich bin Geistlicher der New Universal Life Church. Ich bin ein Rock and Roll Star. Ich bin Schallplattenproduzent. Vater, Ehemann, Bandleader, Sänger, Komponist, Dichter, Inhaber eines Verlages usw.
Mr. Kunstler: Haben Sie gegenwärtig eine Rock-and-Roll-Band?
Zeuge: Ja.
Mr. Kunstler: Wie heißt diese Band?
Zeuge: Country Joe and the Fish.
Mr. Schultz (Staatsanwalt): Könnten wir für das Protokoll den vollständigen Namen des Zeugen erfahren? „Country Joe“ ist wirklich nicht ausreichend.
Vorsitzender (der erstaunliche Richter Hoffman): Ich nehme an, sein Vorname ist Country. Er steht unter Eid. Nach seinem Namen wurde er gefragt.
Mr. Schultz: Das könnte der Name sein, den er besnutzt, aber nicht sein eigentlicher Name.
Vorsitzender: Ist Country Ihr Vorname?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Das ist Ihr Vorname, ist das richtig?
Zeuge: Manche Leute nennen mich Country, ja.
Vorsitzender: Was ist Ihr richtiger Name?
Zeuge: Country.
Vorsitzender: Sie sagten, manche Leute nennen Sie so. Wie lautet Ihr richtiger Name, Sir?
Zeuge: Ich fürchte, ich verstehe nicht, was „richtig“ bedeutet.
Vorsitzender: Wie lautet der Name – wurden Sie getauft?
Zeuge: Nein.
Vorsitzender: Wie wurden Sie als Kind gerufen, in der Schule?
Zeuge: Joe.
Vorsitzender: Joe?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Wie lautet Ihr Familienname?
Zeuge: McDonald.
Vorsitzender: Und Ihr Familienname ist gegenwärtig McDonald. Ist das richtig?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Wie schreibt man das?
Zeuge: M-c-D-o-n-a-l-d.
Vorsitzender: McDonald lautet der Name, der Ihr Name ist. Ist das so richtig?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Und Sie sind allgemein bekannt als Country Joe, ist das so richtig?
Zeuge: Country Joe McDonald, ja. Oder Joseph.
Mr. Kunstler: Bitte richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf … – Ich ziehe die Antwort zurück. Weiterlesen

Melodie erkannt?

Es handelt sich um den Parademarsch (Ehrenmarsch) der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik: Marsch Nr. 1 in F-Dur von Ludwig van Beethoven.

Anhören? Wer hier klickt kann (unter dem Porträt) das Audio erklingen lassen.
So kann man sämtliche Reichseimer verwirren.

Neu in der Weltbühne: über „Candy Girls“

Neu in der Weltbühne:

Sonja Eismann: Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie. Edition Nautilus 2025. 200 S. 20 €

Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt.
In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind.

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Neu in der Weltbühne: Lauter Hass. Antisemitismus als popkulturelles Ereignis

Neu in der Weltbühne:
Lukas Geck, Maria Kanitz: Lauter Hass. Antisemitismus als popkulturelles Ereignis
Verbrecher Verlag 2025. 160 S. Pb. 20 €

Galt Popmusik einst als Medium der Emanzipation, scheint davon spätestens seit dem 7. Oktober nicht mehr viel übrig zu sein. Musiker*innen unterschreiben offene Briefe und Statements, die das Massaker der Hamas verharmlosen. Konzerte werden zu israelfeindlichen Kundgebungen. Das Massaker der Hamas war auch ein Angriff auf die Welt der Musik, auf Emanzipation und Freiheit. Die Weigerung weiter Teile der Popmusik, dies anzuerkennen, ist ebenso bemerkenswert wie die Selbstdarstellung einiger Musiker*innen als Freiheitskämpfer*innen.
Maria Kanitz und Lukas Geck sehen den 7. Oktober als Anlass, antisemitische Entgleisungen in der Popkultur genauer unter die Lupe zu nehmen. Anhand von Beispielen aus den letzten Jahren – etwa Roger Waters, Kanye West oder Macklemore – zeigen sie, in welchem Ausmaß Antisemitismus ins popkulturelle Repertoire eingesickert ist. Verschwörungsmythen in Liedern oder Konzerte bekannter Rockmusiker, in denen Musik der Verbreitung antisemitischer Propaganda dient. Bekannte nationale und internationale Musiker*innen nutzen ihre Reichweite, um ihren Hass auf Jüdinnen und Juden oder ihre Bewunderung für Hitler zu verbreiten. Im Ergebnis zeigen sie, wie breit und bereitwillig Antisemitismus popkulturell zelebriert wird.

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Something is happening, but you don’t know what ist is. Do you, Mr. Jones?

Am 30. August 1965, heute vor 60 Jahren, wurde das Album HIGHWAY 61 REVISITED von Bob Dylan veröffentlicht.
Das erste Stück auf der LP: „Like a Rolling Stone“.
Das letzte Stück auf der LP: „Desolation Row“.

Ein Beitrag darüber mit Musikbeispielen wurde gestern im Deutschlandfunk gesendet.
Das müßte hier zu hören sein.

Die Wikipedia-Einträge zum Album und zu den einzelnen Stücken geben meht her.

Eine gelungene Übersetzung von Like a Rolling Stone von HEL Herbert Lassdchet Toussaint erschien in DER METZGER Nr. 160.


..

Dieter Süverkrüp

Dieter Süverkrüp 1934-2025  Bild (C) Wikimedia Commons

Vor ein paar Monaten (anläßlich des 90. Geburtstages) schrieb die Junge Welt in einem Vergleich mit dem – oft in ein- und demselben Satz genannten Franz Joseh Degenhardt: Degenhardt sei ein Lyriker gewesen, der zum Liedermacher wurde. Süverkrüp sei von der Musik ausgehend zum Text gekommen.
In der Tat: Unter den „Liedermachern“ war er der „musikalischste“. Am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn stand die Jazzband Feetwarmers (zusammen u.a, mit Klaus Doldinger). Jazz in Deutschland von Deutschen gespielt in den 50er Jahren! Das war ja – wie kultureller Landesverrat!
Die Auseinandersetzung um die Remilitarisierung forderte ihn heraus, sich politisch zu positionieren.
Er hatte nicht die Poesie eines Degenhardt oder Wader, nicht die Beobachtungsgabe eines Hüsch. Sein Markenzeichen war der ironische Sprachwitz und der beißende Spott – und seine Vortragskunst. Er konnte die Stimme wie ein Instrument einsetzen – und sein virtuoses Gitarrenspiel.
Und seine Vielseitigkeit: mit Sprache und Musik – und als bildender Künstler. Er schrieb und sang auch Kinderlieder. Seine Bühne warenm oft Demonstrationen und Kundgebungen, zum Beispiel beim Ostermarsch, der damals noch eine Aufbruch-Bewegung war.
Zusammen mit Gerd Semmer, Arno Klönne und Frank Werkmeister gründete Dieter Süverkrüp den Pläne-Verlag, ursprünglich ein Verlag für Liederbücher und Liederhefte. Später erschienen dort die Schallplatten, so auch Süverkrüps eigene Lieder, ebenso die Lieder der 48er-Revolution. Süverkrüp macht Erich Mühsam wieder bekannt, er sang und spielte auch die von Gerd Semmer übersetzten Lieder der Französischen Revolution.
Dieses kulturelle Erbe zu bewahren und überhaupt erst wiederzuentdecken ist von großem Wert – so wie Geschichtslosigkeit eine große Last wäre. Kampf für den Fortschritt muß immer auch ein Kampf sein gegen kollektive Gedächtnisschwäche.

Stimmungssänger

Heute früh (nota bene 9. November!) im Radio: Scorpions „Winds of Change“. So richtig zum Ernstdreinschauen.
… follow the Moskva … Gorky Park
Was wissen die von Gorky?

Moskau 1990. Wenn alte Männer und alte Frauen, die, als sie jung waren, ihr Leben in die Schanze warfen, um die Menschheit von Hitler zu erlösen, nun in Mülltonnen nach etwas Essbarem suchen müssen, dann ist das ein Zustand, den man nicht befeiern sollte!

Künstler sollen sich nicht vor den Karren der Macht spannen lassen.

Ekelhaft!

Wie schreibt man John Mayall?

Nein, wie man den Namen schreibt, ist nicht die Frage.
Nach langen Jahren habe ich diesen Namen wieder gelesen. Der Anlass war traurig.
Im Radio war gestern wieder Musik von John Mayall zu hören.
Die Frage, die viele nicht beantworten können, lautet:
Wie wird der Name ausgesprochen?
Im Wikipedia-Eintrag erfährt man das nicht.
Auf der Diskussionsseite fragt jemand: „Kann mal jemand sagen wie sein Nachname korrekt ausgesprochen wird?“ – Seit 15 Jahren Antwort: keine.
Spricht man den Namen wie das Getreideprodukt, das als Rohstoff für die Produktion von Backwaren verwendet wird?
Ich hörte auch schon mal „me-jel“ (Betonung auf der ersten Silbe).
Ich hörte auch schon mal „ma-jal“ (Betonung auf der zweiten Silbe).

Ich erinnere mich:
In einer ganz alten METZGER-Ausgabe (circa 1970) hat ein Künstler, der sich „John Mehl“ nannte, per Kleinanzeige warb für „International Mind Days – vom 1, Januar bis zum 31. Dezember, finden jedes Jahr statt.“

Ja, das waren noch Zeiten, als Kleinanzeigen aufgegeben wurden!

Good Day Sun Shine

Good Day Sun Shine
Good Day Sun Shine
Good Day Sun Shine

I know I’m looking fine

Good Day Sun Shine
Good Day Sun Shine

I feel good
in a special way

I love her
and she is loving me

Good Day Sun Shine
Good Day Sun Shine
Good Day Sun Shine
Good Day Sun Shine
(Good Day Sun Shine)
(Good … … …)