Neu in der Situationspresse: Juno

Neues über den Juni? Oder Neues über die Juno?
Und schon wieder ist eine Miniarür (Miniature) entsprungen (entstanden):
Helmut Loeven: Juno. Situationspresse 2022, Broschüre (Din A 5-Format). 40 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen diverser Art (mehr Bild als Text – aber: Wo hört Text auf, wo fängt Bild an? Anders gefragt: Wo hört Bild auf, wo fängt Text an?).
Erinnerungen und Assoziationen, Gedanken und Elfmeter, Skizzen und Ideen, Notizen und Einfälle aus einem schönen Monat (Juni 2022), in alle Richtungen zeigend. (Lassen Sie sich nicht einreden, daß man NACH VORNE schauen soll. Schauen Sie lieber überall hin).
Blicke nach innen:
Look inside, inner Light.
Diese Broschüre (zu betrachten gleichwohl als Werk der Literature und als Werk der Bildenden Kunst) ist hineingestellt in die Reihe Neue Flug/Flux-Blatt-Zeitung und ist in dieser Reihe die Numero 4.
Unter der Internationalen Standard Buch-Nummer (ISBN) 978-3-935673-50-1 im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) verzeichnet und somit in jeder Buchhandlung auf der ganzen Welt bestellbar, aber besser direkt in der Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
kostet 5 Euro (Versand im Inland portofrei).
Stefanie, Huckingen, Radetzki, D-Bahn, Buchholz, 9-Euro-Tick, Materielle Welt, Kumquats, Gaby, Kaiserberg, Strelau, Elvira, Fülberth, Trikont, Ruhrort, Kuba, Liebeskunst, Godard, Lotharstraße, Hut-Film, Reuaneda Nessikledan, Gramsci, Dylan.
Siehe auch: November.

Erkundige dich nach Walter Benjamin

Heute, am 15. Juli 2022, ist ein Tag zur Erinnerung an Walter Benjamin, der am 15. Juli 1892, heute vor 130 Jahren in Berlin geboren wurde. Er starb am 26. September 1940 in Portbou, in den Pyrenäen auf der Flucht vor Hitler.

Wenn man über sein Leben und sein Werk referieren will, weiß man nicht, wo man anfangen soll, und man weiß, daß man so schnell nicht zu einem Abschluß kommt. „Philosoph“ trifft sicherlich zu, Kritiker, Theoretiker, Literaturwissenschaftler, Übersetzer französischer Literatur, Medientheoretiker – Theoretiker des Marxismus, der Pädagogik, der Ästhetik, der Kommunikation. Und: Emigrant. Und: Schachspieler (siehe unten).
Die Namensliste seines Bekannten- und Freundeskreises deutet in die Weite. Asja Lacis gehört dazu, Hannah Arendt, Gershom Scholem, Ernst Bloch, Ruth Berlau, Siegfried Kracauer. In engster Verbindung stand er mit Theodor W. Adorno und Bertolt Brecht.
Breit gefächert ist auch das Themen-Spektrum seiner Bücher und zahlreichen Zeitschriften-Beiträgen: von „Über Haschisch“ über „Berliner Kindheit um neunzehnhundert“, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, „Der Surrealismus“, „Über Kinder, Jugend und Erziehung“ bis „Kapitalismus als Religion“. Und so weiter. Ein Denken aus vielen Richtungen in viele Richtungen. Seine Selbsteinschätzung lautete: „linkes Außenseitertum“. Das kann nichts anderes bedeuten und bedeutete bei Walter Benjamin: Erweiterung des Blickfeldes.
Gern gelesen habe ich in „Versuche über Brecht“, was mir den Einstieg in die Brecht-Forschung erleichterte.
Der vielseitige Denker passte gut in die sich formierende Gegenkultur der 60er-, 70er Jahre. Dort galt es, ihn zu entdecken. Dazu verhalf Helmut Salzinger mit seinem Buch „Swinging Benjamin“, das feast ausschließlich aus Zitaten bestand.
Schon während des Ersten Weltkrieges wählte Walter Benjamin das Exil. Den Beginn des Zweiten Weltkrieges erlebte er in Frankreich. Dort wurde er als deutscher Flüchtling interniert. Nach Spanien geflohen wurde ihm dort die Aufenthaltserlaubnis verweigert. Er setzte seinem Leben ein Ende.
Erschüttert von dieser Nachricht widmete ihm Bertolt Brecht ein Gedicht. Dort heißt es:

Ermattungstaktik war‘s, was dir behagte
Am Schachtisch sitzend in des Birnbaums Schatten
Der Feind, der dich von deinen Büchern jagte
Läßt sich von unsereinem nicht ermatten.

Versuchen wir es trotzdem!

Neu neu neu! Werner Muth: Schräge Texte

Neu neu neu: Der dritte Gedichtband von Werner Muth.
Werner Muth: Schräge Texte für ein geneigtes Publikum. Gedichte mit Bildern von Jean Paul Gatz. Situationspresse 2022. 76 Seiten, 9 farbige Illustrationen. 16 €. ISBN 978-3-935673-49-5.

Sofort lieferbar.
Erhältlich beim Autor direkt,
oder in der Buchhandlung Weltbühne
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
Tel. 0203-375121
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
(im Laden oder im portofreien Versand).
Oder lassen Sie sich das Buch von der Buchhandlung in Ihrer Nähe besorgen. Die Angabe der ISB-Nummer (siehe oben) erleichtert das Verfahren.

Beachten Sie auch die bisherigen Bücher von Werner Muth, siehe hier und siehe dort.

Was lese ich da? Film über Grateful Dead?

Das meldet der Rolling Stone:
„Jonah Hill spielt Jerry Garcia in Martin Scorseses Grateful-Dead-Film“.
Die eigentlche Nachricht ist also:
Martin Scorsese plant einen Film über Grateful-Dead.
Die ehemaligen Grateful-Dead-Mitglieder Bob Weir, Phil Lesh, Mickey Hart und Bill Kreutzmann werden als ausführende Produzenten an dem Projekt mitwirken, ebenso Trixie Garcia, die Tochter des 1995 verstorbenen Jerry Garcia. Da die Band beteiligt ist, kann die Musik der Gruppe im Film beliebig verwendet werden. Rolling Stone: „Details zur Handlung wurden noch nicht bekannt gegeben. Wahrscheinlich ist, dass der Film vor allem die Gründung der Gruppe 1965 und die Entstehung des 1967 erschienen Debütalbums porträtieren wird.“
Was Film & Musik betrifft, kann man sich auf Martin Scorsese verlassen.
Das Sujet liegt in olympischen Sphären. Neben Grateful Dead trifft man dort wohl nur noch Zappa und Jimi Hendrix. Selbst die Rolling Stones, die Beatles und The Who erreichen nicht diese Höhe.

P.S.:
„What you read in the Rolling Stone has really come to be.“ (Jefferson Airplane).
„Wir spielen nicht wegen des Geldes und nicht für den Ruhm, sondern aus anderen Gründen. Wir wissen genau, welche. Aber wir haben keine Bezeichnung dafür.“ (Jerry Garcia).

Lawrence Ferlinghetti

Im vorletzten Jahr stellte ich hier ein neues Buch von Lawrence Ferlinghetti vor, und ich berichtete:

Unter den Autoren der Beat Generation kann Lawrence Ferlinghetti gelten als der, der die gesellschaftlich eingreifende, linksorientierte Komponente dieser Kultur am deutlichsten repräsentiert. Der Herausbildung einer antibürgerlichen, antikapitalistischen GEGENKULTUR diente auch die Gründung der Buchhandlung City Lights in San Francisco, 1954 erweitert um den Verlag City Lights Press, der zum publizistischen Forum der Beat Genaration wurde. Hier erschien 1956 Allen Ginsbergs “Howl”, was zu einem Gerichtsverfahren führte.

Ich will mir nichts anmaßen. Aber so wie Ferlinghetti in San Francisco (oder PG Hübsch in Frankfurt oder Sanders in New York) hat es mir vorgeschwebt, eine AUTOREN-BUCHHANDLUNG zu betreiben.

Lawrence Ferlinghetti ist am 22. Februar im Alter von 101 Jahren in San Francisco gestorben.

Sich heute schon an den November erinnern

Noch gar nicht angefangen hat der November – wie soll man sich jetzt schon an ihn erinnern?
Dann nehmen wir doch einfach den von vorigem Jahr!
Schon vor knapp einem Jahr habe ich in diesem Medium darüber aufgeklärt, was es mit dieser 40-seitigen Broschüre, die einerseits an Hadayatullah Hübschs Prosawerk Ramadan, andererseits an Albrecht/d und seine Flug-FLUX-Blatt-Zeitung erinnert, auf sich hat.
Gern ventiliere ich diese Arbeit, die als kleines Neben-Produkt gar bescheiden eingeordnet würde.
Für 5 Euro im Buchhandel erhältlich (sogar am Amazonas). ODER:
Wer mir jetzt in einem Briefumschlag (Adresse: Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg) einen Verrechnungsscheck über 5 (fünf) Euro ODER Briefmarken im Wert von 5 Euro (ODER eine 5-Euro-Banknote) schickt ODER 5 Euro auf das Konto des Situationistischen Studentenbundes (DE76 3601 0043 0403 9564 32) überweist (Kennwort: November), kriegt ein mit rotem Filzstift signiertes Exemplar – als ungeahnt schöne Erinnerung an den letzten coronafreien November der Geschichte.
Rot ist das Hemd, gelb das Heft und dunkelblond das Haar (ehemals).

Das Buch als Wahnsinns-Tat

Oder: eine gewagte Tat – könnte man sagen.
In Zeiten kronabedingten Ausfallens von Lesungen – wo doch erfahrungsgemäß Gedichtbände am ehesten bei Lesungen an die Leserin und den Leser zu bringen sind.
Titel und Untertitel, die für eine lokal begrenzte Thematik gehalten werden können.
Und dann auch noch: lauter FARBFOTOS, wodurch die Herstellungskosten anstrengende Höhen erreichten.

DANN ABER: Die Hoffnung, daß der HELLSTE TEIL des Publikums die Schrägheiten zu schätzen weiß, die UNDERGROUND genannt werden.

Werner Muth: Alsumer Berg. Gedichte aus dem Duisburger Norden und Bilder von Jean Paul Gatz. Situationspresse 2020, 66 Seiten Pb. mit zahlreichen farbigen Abbildungen. 14 €, gedruckt von Maro.
ISBN 978-3-935673-48-8
Zu besorgen in allen Buchhandlungen.
Oder gleich in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand).

BEAT-POETRY. Und mit der Entdeckung des Ruhegebiets soll man nie aufhören.

Ein Bild aus der Serie Männer mit Bärte: Der Verleger (links) und der Autor (auch links).

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Bunker

Die „Luftschutz“-Bunker, jene Denkmäler des Zweiten Weltkriegs (und somit des deutschen Weltmachtstrebens) sollten nicht nur alliierten Bombardements standhalten. Es erwies sich auch als schwierig, sie abzureißen.
Der Neudorfer Bunker, wie wir ihn kennen.
Kann man sich vorstellen, daß das mal das Eschhaus sein sollte?

In der Tat: Als 1973/74 für das selbstverwaltete Kulturzentrum eine geeignete Immobilie gesucht wurde, kam dieses hinterlassene Monument deutschnationaler Baukunst in die engere Wahl.
Das hätte dann natürlich nicht Eschhaus geheißen. (Auf das leerstehende Gebäude der ehemaligen Textilfabrik Esch fiel schließlich die Wahl).

Bei der Besichtigung war ich auch dabei.
Schauen sie mal, was links vom Fallrohr auf der Mauer steht.
Das wäre der einzige Eingang gewesen. Dahinter ein nicht allzu geräumiges Treppenhaus.
Von dem Bunker wäre nur das oberste Stockwerk in Frage gekommen. Warum nicht eines der Stockwerke darunter, weiß ich nicht. Jedenfalls waren in der obersten Etage Beleuchtung und Wasserleitungen noch intakt.
Hier wäre man also auf einen weiteren Weltkrieg gut vorbereitet gewesen.

Nein, kein geeigneter Ort für das, was wir wollten, ist das gewesen.
Die umgebende Vegetation hätte allerdings gut gepaßt: Fortschreitende Brombeerisierung.

Verluste

„Wir werden immer weniger“, möchte man immer öfter sagen.
„Jeder ist zu ersetzen“, hört man oft.
Keiner ist zu ersetzen.

Jörg Schröder, der einst aus dem unbekannten, ruinösen Melzer-Verlag eine Marke machte, dann, 1969, den März-Verlag gründete und damit etwas zustande brachte, das als „erweitertes Verlegertum“ bekannt wurde – dem Namen MÄRZ ist kaum etwas hinzuzufügen.
Das taz-blog, das er gemeinsam mit Barbara Kalender führte, war übrigens Vorbild für Amore e Rabbia. Einige Zeit habe ich es studiert und mir zeigen lassen, wie man ein Weblog gestalten und das Medium nutzen kann.
Jörg Schröder ist am 13. Juni 2020 81jährig in Berlin gestorben.

Jürgen Ploog wurde von einigen als der wichtigste deutschsprachige Schriftsteller der Gegenwart angesehen. Dieser Einschätzung würde ich nicht widersprechen. Er gehörte wie Carl Weissner und Jörg Fauser zum Frankfurter Autoren-Kreis einer authentischen Beat- und Cut-up-Literatur. Bis 1993 war er Flugkapitän der Lufthansa; er lebte in Frankfurt und Florida und kann Vertreter transatlantischer Counter-Culture dastehen. Daß er zu den METZGER-Autoren gehörte wird gleich im ersten Satz des Wikipedia-Artikels erwähnt. Mit Gasolin 23 – gestaltet von Walter Hartmann – setzte er Maßstäbe für das Medium Zeitschrift.
Jörg Schröder und Jürgen Ploog hatten miteinander zu tun. Ploogs erstes Buch „Cola Hinterland“ erschien 1969 bei Melzer.
Jürgen Ploog ist am 19. Mai 2020 85jährig in Frankfurt gestorben.

Neu in der Situationspresse: November

Helmut Loeven: November. Broschüre 40 S. Din-A-5, geheftet. ISBN 978-3-935673-47-1

Man könnte also sagen, daß die Situationspresse einen SCHNELLSCHUSS fabriziert hat – mit Fug aber nur in dem Sinne, daß dieses Werk unangekündigt daherkommt, aber nicht ungeplant.
Es handelt sich – gewissermaßen – um ein Journal, also eine chronologische Reihe von Notaten, kommentiert durch zahlreiche Abbildungen (Fotos, Zeichnungen, Collagen, Typografien) – Erlebnisse, Erinnerungen, Marginalien, Reflexionen, deren einziges gemeinsames Kriterium eine scheinbar willkürliche Zeiteinheit ist, thematisch aber in alle Richtungen ausschweift.

Man mag sich an die gute alte Flugschriften- beziehungsweise Broschüren-Tradition, die namentlich in der Situationspresse gepflegt wurde, erinnert fühlen. Inspiriert ist diese lange vorgesehene Arbeit zur Rehabilitierung des oft als „trauriger Monat“ verstandenen November zum Beispiel durch „Ramadan“ von Hadayatullah Hübsch (1946-2011), erschienen Anfang bis Mitte der 70er Jahre im Verlag Heinrich, wir und die anderen. Ich habe dieses Monats-Tagebuch meines Kollegen nur mal in der Hand gehabt, nie besessen, aber ich fand die Idee gut. (Auf diesen Verlag müßte ich auch nochmal zu sprechen kommen). Ein zweites Vorbild war die Flug-FLUX-Blatt-Zeitung von von Albrecht/d (Dietrich Albrecht, 1944-2013) in der Reflection-Press. Für Albrecht war die Broschüre ein Medium der Bildenden Kunst, und als ein Werk der Bildenden Kunst will ich meine Text-Bild-Collage auch verstanden wissen.

November ist für 5 Euro erhältlich, über jede Buchhandlung oder – besser – direkt durch die Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand, Versandkosten inclusive).

P.S.: Das hämische Grinsen, das der Präsentation meines Elaborats angemessen sein mag, kommt am besten rüber, wenn ich die Brille nicht aufhabe.