Good old everlasting Sternbuschweg. Dezember 2020


Glücksrausch.
Kennen Sie das? Daß man, plötzlich und unvermittelt, ohne einen direkten Anstoß zu erkennen, von einem Gefühl des Glücks ergriffen wird? Ich habe das ein paar mal erlebt, immer im Alter von Anfang bis Mitte Zwanzig. Und jedesmal war es dieses Bewußtsein des jugendlichen Alters: Ich habe das meiste ja noch vor mir! Das Leben will gestaltet werden, es wartet darauf!
Wir sind auf einem guten Weg. Es wird besser mit uns. Wir haben gute Ideen. Was wir in Gang gesetzt haben, ist gut in Gang gekommen.
Es muß im Dezember 1968 gewesen sein. Oder im Januar darauf? Es war ein trüber Wintertag. Es lag vielleicht ein halber Zentimeter Schnee auf dem Asphalt. Ich kam von der Mülleimer Straße (von rechts im Bild) und ging wie vorher manches Mal und seither so oft um die Ecke in den Sternbuschweg.
Da haben sie sich ja wirklich keine Mühe gegeben, den Anfang des Sternbuschwegs in entsprechender Weise, das heißt in schöner Urbanität zu gestalten! So war die spätkapitalistische Architektur eben. Lagerstätte.
(Man hat damals oft und gern vom Spät-Kapitalismus gesprochen, kaum ahnend, daß die späte Phase des Kapitalismus seine längste ist).
Ich weiß noch: Ich war unterwegs zur gerade gegründeten Pädagogischen Hochschule (heute: Universität), um da APO-Flugblätter hinzubringen, und ich sah da Gesichter, die ich später noch oft sah.

Weitere Orte des Glücks werde ich Ihnen gelegentlich zeigen.

Wir Kinder von Buller – Bü…

Wie hieß nochmal die geheimnisvolle Auto-Zubehör-Fabrik auf der Koloniestraße/Ecke Sternbuschweg, die nicht den Eulen und Nachtgespenstern überlassen, sondern schlichtweg abgerissen wurde, fragte ich hier am 22.Oktober. Ich wurde aufgeklärt: Wilhelm Buller GmbH, Stanz- und Preßtechnik.
Ich kam nicht drauf. Es war sowas ähnliches wie BÜLLES. Aber BÜLLES stanzt und presst nicht, sondern BÜLLES bringt den Teppich.
Um der Sache (wieder!) auf ihren kunsthistorischen Grund zu kommen, klicken Sie bitte hier.

Good old everlasting Sternbuschweg. Oktober 2020


Rechts im Bild: Da stand früher die geheimnisvolle Auto-Zubehör-Fabrik – wie hieß die noch? Das wußte ich mal. Die hätte man ruhig stehen lassen und verfallen lassen können, geeignet als Spuk-Fabrik (es müssen ja nicht immer Spuk-Schlösser sein).
Der anstelle aufgestellte Supermarkt ist bekannt für hohe Preise.
Wissen Sie, wie die Fabrik hieß? Dann sagen Sie es mir, zur Vervollständigung meiner Erinnerungen.

Die schönsten europäischen Einfahrten (27)

Foto am 25. September 2020 am frühen Nachmittag (14.54 Uhr).
Aufgenommen auf der Neudorfer Straße, zurückkehrend von der Fridays-for-Future-Demonstration (siehe dort).
Und hier nun: Blick in die Hintergründe.
Mit Paletten, Gartenmöbeln, Laderampe, Lieferwagen, alles hübsch ordentlich & fromm (sähe bei mir anders aus).
Spätsommer, der sich anschickt, sich zu verabschieden. Bäume, die bald, ihrer Natur entsprechend, ihr Laub abwerfen werden (zwischenzeitlich ihr Laub teilweise schon abgeworfen haben).
Das Globale und der Hintergrund – das muß man alles zusammen betrachten.

Letztes Wochenende: Eine Dämmo nach der andren

Eine halbe Stunde vorher wußte ich noch gar nicht, daß ich eine halbe Stunde später Demonstrant sein würde. Von der Demonstration gegen Rechts, anläßlich der Kommunalwahl in NRW, erfuhr ich im letzten Moment und dachte mir: Da geh ich auch hin. Wetter war gut, und der Ludgeri-Platz, wo alles anfing, ist sowieso ein schöner Platz (auch Schimanski und Thanner waren mal hier).
Die Demonstration ging durch Neudorf/Duissern und Wasserviertel zum König-Heinrich-Platz (Foto). Teilnehmer und Veranstalter überwiegend sehr jung. Sehr gute Organisation, sehr klares und gestrafftes Programm, und sehr gute Redebeiträge. Zu Wort kam zum Beispiel eine Sprecherin von Fridays for Future und drei Vertreter des entstehenden Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor. Da wurden Zusammenhänge deutlich formuliert: Soziokultur als praktische Abwehr gegen Rassenhaß und Frauenverachtung. Und: Wer sich gegen Klimazerstörung wehrt, muß sich auch gegen Rechts wehren. Das wurde nicht nur proklamiert, sondern erklärt.
Zum Schluß wurde auf die am Sonntag geplante Veranstaltung gegen die Pegida-Zusammenrottung am Duisburger Bahnhof aufmerksam gemacht.
Am Sonntag, am frühen Nachmittag ging es also richtig los. Duisburg-stellt-sich-quer und die Kulturinitiative DuisPunkt hatten auf dem Bahnhofsvorplatz zu zwei Kundgebungen aufgerufen, die aber EINE war.
Alte Liebe rostet nicht. DKP mußte mit aufs Bild.
Noch ‘ne Partei: DIE PARTEI mit dem am Sonntag meistgezeigten Plakat. Die haben ihre Schilder wie Flugblätter verteilt.
Bühne mit Schello und Schlachzeuch. Und Sahra über allem. (Die war ein paar Tage vorher wahlkämpfend hier in der Gegend gewesen).
Laut Zeitung kamen auf einen von den Pegida-Fritzen zehn von uns!
Musik einer von fern angereisten Band (ihren Namen habe ich nicht mitgekriegt).
..

Die schönsten Europäischen Einfahrten (26 und 26a)

Diese (an die Wand gemalten) romanischen Rundbögen!
Und dieser pop-artig gemalte Abschnitt der nicht enden wollenden Einfahrt!
Als ich das mal sah, dachte ich: Das Tor müßte mal offen sein, wenn ich die Kamera bei mir habe.

Das Gesamt-Bild nebst den schmiedeeisernen Gittern soll Ihnen auch nicht vorenthalten werden.

Efeu im Juli

Ich habe Ihnen hier darüber Bericht erstattet (im Maien, im Maien), daß das efeubewachsene Haus Gneisenaustraße Ecke Heinestraße vom Efeu befreihet werden sollte. Knapp über dem Erdboden wurden die Stämme einfach durchgetrennt und die Ranken von den Nährstoffen des Erdreichs abgehalten.
Listig und geduldig ist die Natur …

Foto vom 4. Juli.
Und Kabauter-Brot gibt es auch noch (im griechischen Laden auf der Gneisrenaustraße), wie bei dieser Gelegenheit mal erwähnt sein soll.
Wer den Efeu nicht ehrt ist des Brotes nicht wert.
Oder: Wer das Brot nicht ehrt, ist des Julis nicht wert.

Street Art – Pavement Version

Duisburg-Neudorf, Mülheimer Straße.
Ein Bild, das (mir) Rätsel aufgibt.
Der Bearbeiter des Gehwegs hat, so scheint es auf den ersten Blick, nur diese eine Gehwegplatte bearbeitet. Aber von den drei aufgetragenen Farben (weiß, orange, hellblau) sind Spuren auf den benachbarten Platten zu sehen.
Sie sehen: Ich bin Profi.
Ich frage nicht: Was will der Künstler damit sagen?
Sondern ich frage: Wie hat der Künstler das gemacht?

Wie ich den 24. Juli 2010 erlebte

Am 24. Juli 2010 sollte in Duisburg die LOVE PARADE stattfinden. Die Bemühungen, diese Massenparty nach Duisburg zu holen, waren groß. Nach Bauskandalen, Mafiamorden und anderen Vorkommnissen sollte diese Veranstaltung das Image der Stadt verbessern. Es kam anders.

Ich hatte an diesem Tag einen Termin in Rheinhausen (andere Rheinseite). Es war ein sehr schöner Sommertag. Ich war früh auf dem Weg, weil nicht auszuschließen war, daß es zu Verspätungen im Autobusverkehr kommen könnte. Den ganzen Sternbuschweg entlang und dann am Grunewald sah ich sehr viele junge Menschen auf dem Weg zum Festivalgelände. Das waren den Verkehr kaum behindernde, sich rücksichtsvoll verhaltende Fußgänger. Zugleich war ihnen die Vorfreude auf die große Party anzumerken.
Auch an meinem Ziel in Rheinhausen waren viele unterwegs zum Festival.
In Rheinhausen fand an dem Tag das Sommerfest der DKP von Duisburg statt mit Musik und Kabarett. WIR hatten eine gute Party. Ein Programmpunkt war traditionsgemäß meine Lesung. Die kam auch gut an.

Es sollte ein besonders schöner Tag sein, auch für uns, so wollte es scheinen. (Ganz rechts im Bild, abgewandt, der DKP-Vorsitzende Patrick Köbele). Hafenstaedter-Foto

Ich war mir nicht sicher, ob wir nicht von Lautsprechergeräuschen aus Richtung Güterbahnhof heimgesucht werden könnten. Wie weit Schallwellen getragen werden, hängt nicht allein von der Lautstärke, sondern vor allem von der Frequenz – und von der Windrichtung ab. Ein Blick auf die Landkarte zeigte Schneisen und Freiflächen, über die wummernde Bässe bis zu uns hätten durchdringen können. So kam es aber nicht. Stattdessen kam die Nachricht von einer Massenpanik und Todesopfern.

Die unwirtliche Landschaft auf dem stillgelegten Güterbahnhof als Festivalgelände auszusuchen mag an sich schon verwundern. Der Sternbuschweg, die lange Straße mit den vielen Nebenstraßen war im Gespräch gewesen, oder der Kalkweg mit den angrenzenden Stadion-Parkplätzen (Fläche etwa genauso groß wie der Güterbahnhof).

Als Ortskundiger, der auf dem Weg von Neudorf nach Hochfeld und zurück den Karl-Lehr-Tunnel unzählige Male durchquert hatte, hätte ich es nicht für möglich gehalten, daß dieser über 400 Meter lange Tunnel als Ein- und Ausgang, sogar noch als einziger, vorgesehen sein könnte. Ich dachte, das wäre vielleicht ein zusätzlicher Ausgang, oder Notausgang.

Am frühen Abend, es war noch hell, mache ich mich auf den Heimweg. Ich habe eine Mitfahrgelegenheit (Genossen aus Mülheim) und kann mich in Neudorf vor meiner Haustür absetzen lassen. Ich habe einen schweren Koffer bei mir.

Gesperrt! Keine Weiterfahrt in die Stadt hinein. Foto: Wikimedia-Commons

Man kommt aber nur bis zur Wanheimer Straße, weiter kommt man nicht in die Stadt hinein. Ich würde glatt von hier aus zu Fuß gehen, aber mit dem Gepäck geht das nicht.
Also: Umgehung, Autobahn.
An allen Autobahnkreuzen und Ausfahrten Staus. Völliger Stillstand. Schließlich können wir durch die Ausfahrt Wedau die Autobahn verlassen, aber weiter geht es für mich nur zu Fuß, mit Gepäck, die ganze Lotharstraße entlang. Die Straße ist für PKW gesperrt, nur Rettungsfahrzeuge und Polizeifahrzeuge passieren in Konvois die Straße. Auf den Gehwegen umherirrende Gruppen von Jugendlichen.

An einem Tag das Tor zur Hölle

Es müssen tausende sein, die orientierungslos durch die Neudorfer Straßen laufen. Einige fragen mich nach dem Weg zum Bahnhof. In den Hauptbahnhof, so werde ich in den Nachrichten erfahren, wird vorerst niemand hineingelassen, erst wieder, wenn die Abreisenden in ihren Zügen sitzen. Man will verhindern, daß durch Nachrückende die Menschen von den Bahnsteigen auf die Gleise gedrückt werden.
Um Mitternacht bin ich zu Hause.