Dietmar Schönherr

Gestern, so habe ich zu spät erfahren, war der hundertste Geburtstag von Dietmar Schönherr (1926-2014).
Ich bin jüngeren Menschen begegnet, denen ich erklären mußte, wer Dietmar Schönherr war. Wer die Zeit vor dem Jahr 2000 in diesem Land (in diesem Sprachraum) erlebt hat, hat den Namen oft gehört.
Dietmar Schönherr war ein Österreichischer Schauspieler, sehr populär. In über 100 Kinofilmen und in einigen Fernsehproduktionen hat er mitgewirkt. Aber sein Wirken in der Öffentlichkeit ging weit darüber hinaus, in Unterhaltungsfilmen seinem Namen Ehre zu machen.

Schönherr hat im Fernsehen Sachen geboten, an die das Publikum sich erst gewöhnen mußte. Dazu gehörte die TV-Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille“ (ab 1966) als Beweis dafür, daß Science Fiction mehr sein kann (und mehr sein sollte) als den Weltraum mit Räuberpistolen zu füllen. Sehr beargwöhnt und sehr beachtet wurde die erste Talkshow „Je später der Abend“ (ab 1969), die mit den Palaver- und Promotion-Talkshows der Jetzt-Zeit nicht zu vergleichen ist.

Das politische und soziale Engagement von Dietmar Schönherr war vielfältig und ausdauernd – und wirksam. Er war in der Friedensbewegung aktiv. Er gehörte zu den Mutlangen-Blockierern. Das Foto zeigt ihn beim Ostermarsch 1987 (the man in red am Mikrophon – Bild aus der Serie Situationspostkarten). Sehr nachhaltig engagierte er sich in der Solidaritätsarbeit für Nicaragua.

Er drückte es bescheiden aus:
„Ich bin ein Dissident des herrschenden Systems, ja. Ich war zeitlebens ein kritischer Mensch, ein skeptischer Beobachter unserer kapitalistischen Gesellschaft, in der mir vieles nicht gefällt.“
„‚Brot und Kunst‘ sind die wichtigsten Lebensmittel des Menschen. Wir kümmern uns um beides.“
über den Verein Pan y Arte.

Die erste Arbeit in einem Film-Studio tat er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs – gemeinsam mit Hardy Krüger, dessen weiteres Leben ähnlich verlief.
Namen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Toutes les femmes

Von Brigitte Bardot ist nach ihrem Entrée niemals nicht die Rede gewesen – auch Jahrzehnte nach ihrem „Abschied von der Leinwand“. Sie war wirksam durch ihr ungewöhnliches schauspielerisches Talent, durch ihren Einsatz für den Schutz der Tiere, durch ihre überwältigende, niemals passive Schönheit, durch ihre künstlerische Disziplin, durch ihre zu alledem im Widerspruch stehende Positionierung im politisch-gesellschaftlichen Meinungs-Spektrum.

Sie war kein Film-Sternchen, das war vielmehr eine Rolle, die sie mit Distanz spielte. Sie arbeitete zusammen mit Regisseuren der höchsten Kategorie wie Jean-Luc Godard, Henri-Georges Clouzot, Louis Malle und Fritz Lang.
Zur Rettung vor der Lebenslüge trug sie bei – mit Sätzen aus Drehbüchern.

Über einen Film mit Brigitte Bardot:
„Toutes les femmes s’appellent Camille“ in DER METZGER Nr. 40 (1988, noch erhältlich).

Rosa von Praunheim 1942-2025

Rosa von Praunheim geboren als Holger Radtke, adoptiert als Holger Mischwitzky.
Pseudonym: Rosa von Praunheim.
Er lebte im Frankfurter Stadtteil Praunheim, war also „von Praunheim“.
Der gewählte Vorname nahm Bezug darauf, daß die Homosexuellen in den Nazi-KZs den rosa Winkel tragen mußten.

Neu in der Weltbühne: Das Kuhlbrodt-Buch wieder da.

Dietrich Kuhlbrodt: Kuhlbrodtbuch.
Verbrecher Verlag. 232 S. 24 €
Dietrich Kuhlbrodt ist Oberstaatsanwalt a. D., Filmkritiker, Schauspieler. In seiner Erinnerung nimmt er uns mit in ein Gerichtsverfahren wegen der Ermordung von über 1000 psychisch kranken Menschen im Nationalsozialismus, der sogenannten Euthanasie, das er führte. Er ringt ebenso um die Kunstfreiheit, führt uns an schillernde Drehorte avantgardistischer Filme, erinnert sich an seine Zeit als Hitlerjunge sowie an lustige Interviewsituationen und leitet über zu größenwahnsinnigen Plänen über die neue Nomenklatura, die am Volksbühnen-Tresen geschmiedet werden, wo es nichts mehr gibt außer Rum.
Kuhlbrodt ist nonkonform und integer, als leitender Jurist in der Naziverfolgung ist er genauso konsequent wie als Figur »Opa 16« in einem Punkrave-Kollektiv.
Dieses Buch, vor über 20 Jahren erschienen, hat nichts von seiner ernsthaften Leichtigkeit verloren – und wird in dieser Neuausgabe um ein Kapitel aus dem Leben dieses Ausnahmemenschen ergänzt.

Im der Dokumentarfilm »Nonkonform« von Arne Körner über Dietrich Kuhlbrodt wird auf Festivals, in Kinos und in der ZDF Mediathek gezeigt.

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Es gibt viel zu viel über das viel zu wenig gelacht wurde: Darum geht es.
Film nach einer wahren Begebenheit. Der Kunstfäscher Konrad Kujau konnte dem Sensationsreporter Gerd Heidemann einen Stapel „Hitler-Tagebücher“ andrehen, die dann in Serie im Magazin STERN erscheinen sollten. Doch schon nach dem Start der Serie stellte sich heraus, daß der Kunstfälscher sie gefälscht hatte. Soweit bekannt, soweit persifliert in dieser brillanten Film-Satire über das Fortwirken der bewältigt geglaubten Vergangenheit auf der Ebene der Erinnerung, Nostalgie und Verklärung durch Verdrängung.

Nach der Lachnummer folgte ein genauerer Blick: Was stand eigentlich drin den den „Tagebüchern“? Anscheinend sollte mit den Fälschungen nicht nur die dicke Kohle gemacht werden. Beabsichtigt war auch eine Geschichts-Fälschung.
Die „Tagebücher“ sind nun auch als Buch erschienen, in einer kommentierten und analysietrtzen Ausgabe im MÄRZ-Verlag (selbstverständlich in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich).
Mehr darüber in dem Artikel von Lina Ganowski „wenn das der Führer gewußt hätte“ in DER METZGER Nr. 158.
.P.S.: Der Film klärt auch darüber auf, daß die Korinthen-Briefe gar nicht von General Paulus geschrieben wurden.

Robert De Niro in Cannes

Bei der Eröffnung des Filmfestivals in Cannes wurde Robert De Niro für sein Lebenswerk geehrt. Er nutzte die Gelegenheit, sich zu Donald Trump und die Zerstörung demokratischer Werte zu äußern.
Die Kunst stehe für Freiheit und Diversität und sei diesem darum ein Dorn im Auge.
„All diese Angriffe sind indiskutabel, und das ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Es ist ein globales. Aber anders als bei einem Film können wir uns nicht alle zurücklehnen und zuschauen. Wir müssen jetzt handeln. Ohne Gewalt, aber mit großer Leidenschaft und Hingabe. Es ist an der Zeit für jeden, dem die Freiheit etwas bedeutet, sich zu organisieren, zu protestieren, und natürlich, wenn Wahlen sind, zu wählen.“


Robert De Niro hatte auch schon bei anderer Gelegenheit dazu Stellung genommen – siehe das Foto aus einer arte-Dokumentation.
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Geburtstag Helene Weigel

Am 12. Mai 1900, heute vor 125 Jahren wurde Helene Weigel geboren.
Auf dem Bild zu sehen ist aber nicht Helene Weigel, sondern eine andere Österreicherin: Adele Neuhauser, die Helene Weigel in dem Brecht-Film von Breloer spielte und ihr ähnlich sieht (Man kennt sie auch vom Österreichischen Tatort). Man weiß an manchen Stellen in dem Film nicht, ob es sich um Spielzenen oder eingeschnittene Original-Aufnahmen handelt. (Auch der Brecht-Darsteller Burghart Klaußner sieht Brecht ähnlich).

Über Helene Weigel schrieb Sabine Kebir eine Biografie („Abstieg in den Ruhm“), das beim Verlag vergriffen ist – ebenso wie die anderen Bücher von Sabine Kebir über die Frauen, die mit Brecht zusammengearbeitet haben.
In der Buchhandlung Weltbühne gibt es noch was davon zu finden.
Erkundigt Euch hier nach Helene Weigel, nach diesen Büchern von Sabine Kebir, nach Bertolt Brecht – und auch nach dem Buch zum Film von Heinrich Breloer.

Wege zum Ruhm

„The paths of glory lead but to the grave.“
Thomas Grey

Wege zum Ruhm ist ein Film von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1957 mit Kirk Douglas in der Hauptrolle.
Kubricks Werk ist einer der besten Antikriegsfilme und ein Plädoyer für Antimilitarismus. Der Film ist eine Parabel auf militärische Herrschaftsstrukturen und ein Bekenntnis gegen die Todesstrafe.
Der Film behandelt ein Ereignis in Frankreich während des Ersten Weltkriegs.

Der Stellungskrieg in Frankreich forderte hunderttausende Todesopfer.

Zitat: „Patriotismus ist die letzte Zuflucht eines Schurken.“

„Schonungslose Anklage gegen das Verbrechen des Krieges und die Ruhmsucht der Militärs. Der mit einem Budget von nur 900.000 Dollar in Deutschland gedrehte Film gilt als einer der besten Antikriegsfilme überhaupt. Realistisch, zeitlos, erschütternd glaubhaft; eine erstaunliche Leistung für den damaligen Neuling im Regiefach.“
– Lexikon des internationalen Films

„Kubrick … geißelt den sinnlosen Krieg … Seine genaue Psychostudie zeigt das niederschmetternde Fazit militärischen Denkens. (Wertung: außergewöhnlich)“
– Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“

Die Verbreitung des Films wurde in einigen Ländern jahrelang behindert und sogar verboten. Um die Verwirklichung des Projekts zu ermöglichen, verzichtete Hauptdarsteller Kirk Douglas auf eine Gage.

Der Film wurde gestern auf Arte gezeigt. In der Mediathek ist er noch bis zum 10.12.2024 verfügbar.
Der Film beantwortet die Demagogie der „Kriegstüchtigkeit“.

Ich war wieder im Botanischen Garten

Früher ging ich viel öfter in den Botanischen Garten. Ich bin dort gern, wo die geliebte Natur und die geliebte Zivilisation eine schöne Verbindung eingehen (auch die schönen großen alten Häuser auf der Schweizer Straße vis à vis zeigte ich Ihnen schon). Auch hier bin ich Mensch, hier darf ich flanieren.
Im Botanischen Garten bin ich nie ohne Buch – oder wenigstens mit Zeitung.
Ich suche daher für die ersten Stunden die „Galerie“ auf (auch Pergola genannt).

Umrankt. Auffällig zugewachsen.

Durchblick findet der Leser dennoch, um zwischen den Buchzeilen den Blick auch mal abschweifen zu lassen …
Ein schönes Freilicht-Café, in das Sie mich gern einladen dürfen.

Auch die einst so besonders gepflegten Flächen sehen in dieser Saison arg überwuchert aus. Darüber haben sich Leute schon beschwert (las ich in der Zeitung). Dann sollense doch woanders hingehen.

Das war mal ein Seerosenteich, wo jetzt die Rohrkolben sich von mir nicht stören lassen.

Die Wege wachsen zu. Hat hier die städtische Vegetation ihre Unabhängigkeit erklärt? Hab ich was nicht mitgekriegt?
Haus im Hintergrund: Schimanski-Location („Moltke“, Adolf-Grimme-Preis).

Für die letzten Lektüre-Stunden suche ich eine Stelle aus, die wenig frequentiert wird. Von hier aus der Blick (in südöstliche Richtung) zu den höheren Bäumen.

Im Botanischen Garten steht die Kunstvitrine, die „kleinste Galerie in Duisburg).

Zur Zeit: Objekte aus derm „Dritten Raum“ von Birgit Feike.
Wenn Sie meiner Empfehlung folgen und unseren Botanischen Garten aufsuchen, finden Sie dort vielleicht schon eine andere Ausstellung.