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Schlagwort-Archiv: Claudia H.
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SoS (79-89)
Kriterium: schrÀg oder Heute vor 5 Jahren: DCPAS im HundertMeister
Vorgeschichte.
Die Duisburg City Poetry All Stars waren ein Otz-Projekt. Rammis Otz-Verlag, so könnte man sagen, war ein kollektiver Selbstverlag der Poeten aus dem Eschhaus. Kriterium: schrĂ€g. Es erschienen vor & nach 1980 ein paar BĂŒcher von Pelikan, Motte und Karlheinz Burandt, die einzig & allein im Eschhaus-Buchladen zu kriegen waren. Es gab auch einen Sammelband: âDuisburg City Poetry All Starsâ (1977) u.a. mit Max van Donken, Detlef Klein, Claudia Hamacher, Pelikan, Motte, Burandt & ich auch. Da jemand in der Zeitung (ich weiĂ nicht mehr: WAZ? Rheinische Post? NRZ?) genölt hatte, man brĂ€uchte ein Wörterbuch, um den Titel zu verstehen, legte der Otz-Verlag ein Lexikon auf (wohl das kleinste der Welt), in dem die Begriffe All, All Stars, City, Duisburg, Poetry und Stars erklĂ€rt wurden. Zwei Jahre spĂ€ter kam ein Nachfolgeband: âLöffelvoll zum Lesenâ. Da gab es sogar eine richtige Premiere, eine Gemeinschaftslesung in der Stadtbibliothek.
Geschichte.
Dann begann 2006 eine Serie von Eschhaus-Revival-Feten, zuerst im Pulp (siehe DER METZGER 76), dann im HundertMeister, und da muĂte immer etwas EschhĂ€usiges revivelt werden. So wurden also 2008 die Duisburg City Poetry All Stars revivelt, und das war keine schlechte Idee.
Die Zusammensetzung 2008: Rolf Menrath, A.S.H. Pelikan, HansjĂŒrgen Bott & ich.
Der 31. Mai 2088 (Samstag) war ein wunderschöner frĂŒhsommerlicher Tag, bestens geeignet fĂŒr eine Demonstration, daĂ zwar die Zeit vergeht, wir aber nicht. AuĂerdem wurde die vereinbarte Gage verdoppelt. Zum Gelingen der Veranstaltung trug sicher auch die Bekanntgabe bei, daĂ MiĂfallensbekundungen genehmigungspflichtig sind. Zum ersten Mal wurde der Fliegende Koffer prĂ€sentiert.
Die Videoaufzeichnung wurde wegen technischer MĂ€ngel nicht veröffentlicht (sie befindet sich im NachlaĂ von HansjĂŒrgen Bott).
Die Tonaufzeichnung der Lesung ist in der Situationspresse als Doppel-CD erschienen (117 Minuten) und noch erhĂ€ltlich. In der Buchhandlung WeltbĂŒhne gibt es sogar noch ein paar BĂŒcher vom Otz-Verlag.
P.S.: Das HundertMeister heiĂt jetzt Grammatikoff.
Die Farbe des Geldes (2)
Im Eschhaus verkehrte zeitweise eine Clique aus KaĂlerfeld, lauter so finster dreinblickende âKerleâ, die schon mal wegen SachbeschĂ€digung, Diebstahl oder SchlĂ€gerei mit besoffenem Kopp vorbestraft waren (mit irgendetwas muĂ man sich ja unter Beweis stellen).
Die schöne Claudia (mehr demnĂ€chst) hatte das zweifelhafte VergnĂŒgen, daĂ einer aus der Clique sich an sie ranzumachen versuchte. Sie berichtete mir sichtlich enerviert davon: âDas ist ja wirklich furchtbar, womit der mir zu imponieren versucht! Da sagt der doch zu mir: âWenn einer wat von dir will, Ă€h, dann sach mir bescheid, dann hau ich dem vor die Schnauze.â Ist ja ekelhaft! Schnauze! Schnauze! Dauernd: Schnauze!â
In der Kerle-Clique war auch einer, der sich von den anderen unterschied. Das war ein schmĂ€chtiges Kerlchen, mager, kleinwĂŒchsig, nicht gerade besonders helle (um nicht zu sagen: ziemlich trĂŒb). Der war auch behindert, litt anscheinend unter Muskelschwund und konnte nicht richtig gehen. Die hielten sich den als so âne Art Dorftrottel: Die hielten den alle fĂŒr bekoppt, aber kein Fremder durfte dem was tun. Ich nenne ihn mal Peko (denn so hieĂ er).
Eines Tages war Peko 18 Jahre alt geworden. Und ihm wurde ein groĂer Geldbetrag ausgezahlt. Vielleicht eine Erbschaft. Es wurde auch gesagt, ihm sei bei Erreichen der VolljĂ€hrigkeit die gesamte Waisenrente nachgezahlt worden. Die Rede war von mehr als 20.000 Mark. DafĂŒr konnte man sich damals (70er Jahre) viel kaufen.
Was macht ein als Dorftrottel Gehaltener, der im Elend lebt und keinerlei Aussichten hat, mit 20.000 Mark? Zusammenhalten? Sparsam damit umgehen, um so lange wie möglich wenigstens das Allernotwendigste fĂŒr sich zu sichern? Das hat er natĂŒrlich nicht getan. Er hat Runden geschmissen, eine nach der anderen; er hat die ganze Clique (und alle möglichen anderen Leute, die das Geld gerochen hatten) ausgehalten. Nach vier Tagen war das Geld weg. Aber vier Tage lang haben alle ihn hochleben lassen. Als das Geld weg war, wollten die anderen nichts mehr von ihm wissen. Da war er auch nicht mehr das Maskottchen der Clique, sondern ein Niemand, den nie jemand gekannt hatte. Als er kein Geld hatte, war er der bemitleidete Trottel. Als er kein Geld mehr hatte, war er nur noch der Trottel, der âSchizoâ, der SchwĂ€chling, der KrĂŒppel, mit dem man nichts zu tun haben wollte.
Einige Leute haben sich darĂŒber unterhalten, was sie mit dem Geld angefangen hĂ€tten. Da wurde ich Zeuge, wie Menschen, die eine dezidiert-ablehnende Haltung zur Gesellschaftsordnung hatten und vor Utopien sich nicht scheuten, in Gelddingen eine sehr nĂŒchterne Einstellung hatten. Das fand ich gut.
Mit Geld kann man was machen. Man kann sich einige Probleme vom Hals schaffen. Wer Ideen hat, nutzt die Gunst, sie in die Tat umzusetzen.
Wenn man keine Idee hat, reicht es einem, vier Tage lang der dicke Wilhelm zu sein.
Mit einem Kriminalbeamten hatte ich es im Eschhaus auch mal zu tun. Da war nĂ€mlich eingebrochen worden. Die Einbrecher hatten das Brecheisen einfach liegenlassen. Sie hatten nur Geld geklaut, zum Beispiel die Wechselkasse aus dem Buchladen. Der Kriminalbeamte beguckte sich das Brecheisen sehr genau. FingerabdrĂŒcke interessierten ihn gar nicht (âBrauch ich nichtâ). Er studierte nur die Methode der Einbrecher und wuĂte sofort, daĂ das die Typen gewesen sein muĂten, die eine Viertelstunde nach dem Einbruch nachts um vier palavernd auf dem Sonnenwall geschnappt worden waren. So kriegte ich meine 80 Mark zurĂŒck.
Der Kriminalbeamte sagte: âWenn was gestohlen wurde, muĂ man nur darauf achten, wer sich auffĂ€llig benimmt und plötzlich mit Geld um sich wirft.â
Es ist doch seltsam: Diese Leute haben nie Geld, nehmen werweiĂwas fĂŒr ein Risiko auf sich, um zu Geld zu kommen, und geben sich dann gröĂte MĂŒhe, möglichst schnell wieder kein Geld zu haben.





















