Neu in der Weltbühne: Was Rosa Luxemburg uns heute noch zu sagen hat


Peter Bierl: Die Revolution ist großartig. Was Rosa Luxemburg uns heute noch zu sagen hat. Unrast Verlag. 312 Seiten 18 €
Verlagstext:
Rosa Luxemburg ist eine Ikone der Linken, doch ihre inhaltlichen Positionen werden oft ignoriert. Diese Ambivalenz zeigte sich bereits kurz nach ihrer Ermordung, als die KPD der Märtyrerin zwar ein Denkmal errichtete, ihre Ansichten aber als »Syphilisbazillus« diffamierte. Für die SED galt, dass Luxemburg immer falsch lag und irrte, wo sie anderer Meinung war als Lenin.
Heute wird vielerorts ihr Konzept der ›revolutionären Realpolitik‹ wieder aufgegriffen oder auf ihre Imperialismustheorie verwiesen, wenn es um Strategie und Taktik, um imperiale Lebensweise oder Landgrabbing geht. Andere suchen Inspiration für einen sozialistischen Feminismus oder beziehen sich auf die ›rote Rosa‹, die die Tierquälerei beklagte. Vor diesem Hintergrund werden in diesem Buch wesentliche Positionen Luxemburgs sowohl im historischen Kontext als auch hinsichtlich ihres aktuellen Gebrauchswerts diskutiert.
Einerseits war Luxemburg befangen im deterministischen Marxismus der Zweiten Internationale. Andererseits versagte sie sich jede Beteiligung an der Administration der Kapitalverwertung. Sie bestand auf einem radikalen Bruch zugunsten einer klassen- und herrschaftslosen Gesellschaft, die nur demokratisch zu erreichen sei. Von Anfang an bekämpfte sie die autoritäre Politik Lenins, setzte stattdessen auf Lern- und Selbstverständigungsprozesse in konkreten Kämpfen und verfocht eine anti- und transnationale Haltung. Das sind Elemente, auf die auch eine moderne Linke aufbauen muss.

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Neu in der Weltbühne: Über Paul Wulf

Freundeskreis Paul Wulf (Hg.): »Ich lehre euch Gedächtnis« Paul Wulf: NS-Opfer – Antifaschist – Aufklärer. Vorwort von Konstantin Wecker. Interview mit Axel Prahl.
Unrast Verlag 2021. 304 Seiten im Großformat B5. 19,80 Euro

Heimkinder und Psychiatrisierte wurden von den Nazis als ›lebensunwert‹ stigmatisiert und oftmals zwangssterilisiert. Doch in der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wurden die ihnen angetane Gewalt und ihre Bemühungen um Entschädigung jahrzehntelang missachtet.Paul Wulf, der im Zentrum dieses Buches steht, war einer der ersten, der das öffentliche Schweigen durchbrach und mit seinen Recherchen und Ausstellungen auf das Schicksal dieser vergessenen Opfer aufmerksam machte.
Paul Wulf (1921–1999), bereits mit elf Jahren in eine »Idiotenanstalt « eingewiesen, wurde 1938 selbst zwangssterilisiert. Gegen Ende des Krieges schloss er sich als 17-Jähriger einer Widerstandsgruppe an, die antifaschistische Informationen verteilte. Obwohl ein Gericht bereits wenige Jahre nach Kriegsende den NS-Beschluss aufhob, der ihm »angeborenen Schwachsinn« attestiert hatte, erhielt er erst 1979 eine Erwerbsunfähigkeitsrente – als einer von rund 400.000 Zwangssterilisierten.
Aus Anlass des 100. Geburtstags von Paul Wulf versammelt dieses Buch zahlreiche Texte und Dokumente aus den letzten Jahrzehnten, die im Zusammenhang mit und von ihm publiziert wurden. Hinzu kommen bisher unveröffentlichte Arbeiten, die aus unterschiedlichen Perspektiven das Leben und Wirken dieses Mannes nachzeichnen, der trotz aller Widerstände aus Politik und Gesellschaft lebendige Zeichen gegen das Vergessen gesetzt hat. Sie lehren uns den aufrechten Gang.

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Interview zur Diskriminierung Duisburger Sinti

Das Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg veröffentlicht aus aktuellem Anlass auf youtube ein Interview zur Verfolgung und Diskriminierung Duisburger Sinti.

Interview mit Mario Reinhardt. Duisburger Sinto und Enkel des Auschwitzüberlebenden Franz Lehmann. Der Völkermord an den europäischen Sinti und Roma gilt als der vergessene Holocaust. Der Duisburger Sinto Franz Lehmann (1922–1992) überlebte den Völkermord. Sein Enkel, Mario Reinhardt, berichtet in diesem Video über die Verfolgung der Familie Lehmann, das Leben in der Nachkriegszeit und die Gegenwart rassistischer Diskriminierung. Das Interview wurde 2020 im Rahmen der Wanderausstellung „Rassendiagnose Z*: Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung“ gezeigt. Das Zentrum für Erinnerungskultur präsentierte die Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma im Kultur- und Stadthistorischen Museum.

Produktion: LVR-Zentrum für Medien und Bildung
Interview: Robin Richterich, Zentrum für Erinnerungskultur

[Video 1]
[Video 2]
[Video 3]

In der Buchhandlung Weltbühne noch vorrätig: Das Begleitheft zur Ausstellung „Rassendiagnose: Zigeuner“ – Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung – vom Zentrum für Erinnerungskultur im Kultur- und Stadthistorischen Museum
Überall im Buchhandel erhältlich das in der Situationspresse erschienene Buch NICHTS GELERNT?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus, herausgegeben von Katharina Peters und Stefan Vennmann
Situationspresse (Duisburg) 2019. 212 Seiten, 18 Euro
ISBN 978-3-935673-46-4
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Neu in der Weltbühne: Aus jenen Tagen

Neu in der Weltbühne:
Ulrich Sander: Mörderisches Finale. NS-Kriegsverbrechen bei Kriegsende 1945. PapyRossa Verlag, 2., erweiterte Auflage 2020. 282 Seiten 16,90 €
Kurz vor der Befreiung wurden im Frühjahr 1945 tausende Nazigegner »ausgeschaltet«. Gegen deutsche und ausländische Antifaschisten wie gegen Wehrmachtssoldaten, die sich am Wahnsinn nicht mehr beteiligen oder ihm ein Ende bereiten wollten, wurde ein groß angelegter Mordfeldzug in Gang gesetzt, um einen antifaschistischen Neubeginn nach dem Krieg im Keime zu ersticken. SS, Gestapo, aber auch einfache NSDAP-Mitglieder, Volkssturmmänner und Hitlerjungen nahmen teil an Massakern im Ruhrkessel, an Erschießungen in vielen Städten und Dörfern, am Mord an Gefangenen aus KZs und Zuchthäusern auf Todesmärschen, an Standgerichten gegen Deserteure. Die Verbrechen in der allerletzten Phase des Krieges waren sowohl örtliche Amokläufe als auch Teil der Nachkriegsplanungen des deutschen Faschismus. Ulrich Sander bilanziert das Ausmaß der Verbrechen, um die Opfer dem Vergessen zu entreißen und die Täter zu benennen. In dieser zweiten, erheblich erweiterten Auflage liefert er eine – wenn auch noch immer unvollständige – Gesamtdarstellung dieser Vorgänge. Mit einem Personenregister.
Ulrich Sander, Jg.1941. Journalist und freier Autor. Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN – BdA). Zahlreiche Bücher und Zeitschriftenbeiträge. Zahlreiche Beiträge in DER METZGER.

Bei uns erhältlich – im Laden oder im Versand.

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Barbara-Tag

„Ja, haben Sie denn in diesem Jahr nicht Ihren Barbara-Tag zelebriert?“
Dochdoch.
Neben den öffentlichen Feiertage habe ich meine ganz persönlichen Feiertage. Einer davon ist der 1. Juni. Und dann ist da noch der Barbara-Tag. Das ist der 21. Juni, der „längste Tag“, das heißt der Tag mit der am längsten anhaltenden Tageshelligkeit. Da brauche ich mich nicht zu beeilen, um noch m Hellen nach Hause zu kommen; es ist also auch der Tag mit der meisten Zeit.
Fällt der 21. Juni auf einen Sonntag, wie in diesem Jahr, verschiebt sich der Barbara-Tag auf den 22. Dann ist es immer noch hell genug.
Der Tag heißt nach einem See und nach einer Frau. Barbara-See und Barbara W. Ich berichtete bereits darüber. Das können Sie sich ruhig nochmal durchlesen. Da ging es ja auch um die sichtbaren Denkmäler der Industrialisierung und des damit zusammenhängenden Zweiten Weltkriegs (Flak-Anlage).

Der Barbara-See in einer menschenleeren Landschaft des Ruhrgebiets. An dieser Stelle trifft man kaum mal einen Menschen, nur ab und zu mal einen Jocker (Schogger?). Aber die sind ja auch schnell wieder weg.

Ein Stück Mauer an einem in der Tat gefährlichen steilen Abhang. Der ganze Weg liegt an diesem Abhang. Warum die Mauer nur an diesem Stück.
Das kann nur ein Denkmal des Antifaschistischen Schutzwalls durch Berlin sein. Ist doch klar, oder?

Kann mir jemand sagen, was das für eine Pflanze ist, krautig mit stabilem harten Stengel, wächst zusammen mit wildem Gras. Wirksam. Wie heißen die?

Künstlicher Fels auf dem künstlichen Berg: Hochofenschlacke von Krupp Rheinhausen aus der Kaiserzeit. Daher der Name Schlackeberg.

Noch mehr Mauer! Noch antifaschistischer.

Dahinrostend wird das Geländer zum Gelände.

Landschaft, wie sie mir gefällt.

Nicht weit weg: Der Regatta-See. Lauter rote Punkte über und gelbe Punkte auf dem Wasser. Da steht wohl ein Wettbewerb bevor.

Well if you want it, you can lean on me …

Wenn schon denn schon! Kaufen Sie, lesen Sie dieses Buch!
Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie Ihrer Freundin zum Barbara-Tag schenken sollen: Hier: ISBN 978-3-945634-17-2. Dann freut sich der Kalus.

Ich finde das nicht gut, daß …

… morgen kein Feiertag ist. Morgen ist der 17. Juni. Früher war das hier ein Feiertag. Erinnern Sie sich?
Nun gut. Der 17. Juni ist auf den 3. Oktober verschoben worden (so will ich es mal ausdrücken). Aber der 17. Juni ist als freier Tag schöner, weil heller.
Der 17. Juni konnte mit dem Pfingstmontag oder mit Fronleichnam zusammentreffen, oder ganz ordinär auf einen Sonntag fallen. Letzteres kann auch am 3. Oktober passieren.
Bei beiden Terminen handelt es sich um den Nationalfeiertag. Das spricht auch für den frühsommerlichen Junitermin. National-Tage sind dazu da, ganz zweckentfremdet-unpathetisch Freizeit hinzuzugewinnen.
Beide Termine haben denselben Titel angehängt gekriegt: „Tag der deutschen Einheit“. Und das war der 17. Juni ja gerade nicht. Am 17. Juni 1953 wurde vorgeführt, daß sich die Wiederherstellung des Deutschen Reiches mal nicht eben so im Handumdrehen bewerkstelligen ließ. Dank euch, ihr Sowjetsoldaten!
17. Juni: Tag der Niederschlagung eines konterrevolutionären Putschs!

50 Jahre Baader-Befreiung

Nicht bekannt ist, welche Rolle [Ulrike Meinhof] bei der „Baader-Befreiung“ spielte. Der in Berlin einsitzende Kaufhausbrandstifter Andreas Baader durfte begleitet von zwei Justizbeamten im Mai 1970 das Berliner Zentralinstitut für Soziale Fragen aufsuchen, um dort mit Ulrike Meinhof für eine gemeinsame Publikation Archivalien einzusehen. Eine bewaffnete Gruppe stürmte das Institut, um Baader zu befreien. Mit ihm und den Befreiern sprang auch Ulrike Meinhof aus dem Fenster und entschwand. Es ist nicht erwiesen, daß sie in den Befreiungsplan eingeweiht war. Möglich ist auch, daß sie – spontan, also ohne Überlegung – sich erst in diesem Moment der Gruppe anschloß, deren Aktion der Beginn der Roten Armee Fraktion war, die mal als „Baader-Meinhof-Gruppe“, mal als „Baader-Meinhof-Bande“ tituliert wurde. Diese Namensgebungen sind unzutreffend, denn Ulrike Meinhof kann kaum als Anführerin dieser Organisation gelten. Sicher ist nur, daß durch diese Aktion – ob geplant oder nicht – Ulrike Meinhof von einem auf den anderen Moment ihre Existenz vernichtete.
Aber: für was? Was war so wichtig, so wertvoll, so vorrangig, daß dafür aller Verlust gerechtfertigt gewesen wäre? Andreas Baader wäre bald vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Er hätte vielleicht schon nach ein paar Monaten als freier Mann aus dem Gefängnis spazieren können. Und er hätte, wenn er partout vorgehabt hätte, aus dem Untergrund gewaltsame Aktionen gegen den Staat zu unternehmen, nach einer regulären Entlassung dafür bessere Bedingungen gehabt. Aber nein! Eine Heldentat mußte getan werden! Ein Fanal! Mit Tusch! Kurz vor der Entlassung ausbrechen – das ist so, als würde man mit einem Schießeisen in der Hand in der Bank Geld von seinem Sparbuch abheben. Sowas gibt es sonst nur in italienischen Filmkomödien. Bloß daß italienische Filmkomödien sich auf die Komik des Erstaunlichen beschränken und keiner zu Schaden kommt. Bei der kuriosen „Befreiung“ erlitten ein Archivmitarbeiter und zwei Justizbeamte Schußverletzungen.
Erstaunlich, aber nicht komisch war die Verlautbarung, die der Baader-Befreiung folgte. „Daß die Befreiung Baaders nur ein Anfang ist! Daß ein Ende der Bullenherrschaft abzusehen ist! … Was heißt: Die Konflikte auf die Spitze treiben? Das heißt: Sich nicht abschlachten lassen. Deshalb bauen wir die Rote Armee auf.“
Gewiß, das Leben im Konflikt mit der gesellschaftlichen Herrschaft ist nicht ungefährlich. Aber in der Bundesrepublik war die Gefahr, abgeschlachtet zu werden, nie so groß, daß man sie nur noch mit dem Aufbau der Roten Armee hätte abwenden können. Den Namen der Roten Armee, die Hitlers Wehrmacht zerschlagen hatte, für sich zu beanspruchen, war anmaßend; sich zudem „RAF“ zu nennen, war kurios. Bis dahin war das die Abkürzung der britischen Royal Air Force gewesen. Ein Glück, daß sie sich keinen Namen gaben, der mit „AOK“ oder „JWD“ abgekürzt worden wäre!
Ulrike Meinhof und die führenden RAF-Leute Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Holger Meins wurden 1972 binnen weniger Wochen verhaftet (sie alle starben im Gefängnis eines unnatürlichen Todes). Die RAF aber überstand in der Illegalität – das Wort von der „Zweiten Generation“ wurde geprägt. Nicht die erste, sondern die „Zweite Generation“ war es, die die schwersten, blutigsten, am meisten gewaltsamen Aktionen durchführte. Inwieweit diese „Generationen“ der RAF miteinander konform oder voneinander unterschieden waren, ist ungeklärt. Daß die Inhaftierten aus ihren Zellen mittels eines Kommunikationsnetzes durch ihre Anwälte die Aktionen lenkten, wurde propagandistisch herumposaunt, aber nie bewiesen – trotz illegaler Verteidigerüberwachung.

Auszug aus „Kritik und Kriminalität“ in „Wir bleiben im Bahnhof“, Situationspresse 2013, zuerst in DER METZGER Nr. 79 (2007)

Über Diskurspiraten

Das Buch ist vor zehn Jahren erschienen und gehört zu den Standard-Titeln in der Buchhandlung Weltbühne. Ich stelle es gerade heute nochmal heraus – wie es sich auf aktuelle Aufwallungen aus Verschwörungsparanoia, Rechtspopulismus, Querfronttaktik plus pure Uneinsichtigkeit (vulgo: Dummheit) bezieht, erschließt sich leicht.
Dieses Buch wird hier nicht zum ersten Mal empfohlen.
(Ich verweise auch auf den Artikel von Jakop Heinn „Wer lacht da?“ in DER METZGER 135.


Regina Wamper / Helmut Kellershohn / Martin Dietzsch (Hg.): Rechte Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen. Unrast Verlag 2010 (Edition DISS). 288 S. 19.80 Euro
Rechte Adaptionen linker Symbole und Ästhetik und was dagegen getan werden kann. In den letzten Jahren ist ein verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu beobachten, Themen, politische Strategien, Aktionsformen und ästhetische Ausdrucksmittel linker Bewegungen zu adaptieren und für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie zu nutzen. Dabei handelt es sich keineswegs mehr nur um ein Steckenpferd der intellektuellen Neuen Rechten, vielmehr wird dies auch von NPD und militanten Neonazis praktiziert. Im Resultat hat sich die extreme Rechte eine Bandbreite kultureller und ästhetischer Ausdrucksformen angeeignet, indem sie sich am verhaßten ‚Vorbild’ der Linken abgearbeitet hat. Man könnte auch sagen: Um überzeugender zu wirken, hat sie kulturelle Praktiken und Politikformen der Linken ‚entwendet’ – allerdings nicht, ohne sie mit den eigenen Traditionen zu vermitteln. Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken politischer Gegner und suchte Deutungskämpfe gerade verstärkt in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt galten. Auch in den 1970er Jahren waren solche Strategien vorhanden. Es stellt sich die Frage, warum und in welcher Form diese Diskurspiraterien heute wieder verstärkt auftreten.
Aus dem Inhalt:
Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Aktuelle Strategien der extremen Rechten in Deutschland – Sabine Kebir: Gramscismus von rechts? – Volker Weiss: Sozialismusbegriff bei Moeller van den Bruck und Oswald Spengler – Volkmar Woelk: Strasserismus und Nationalbolschewismus – Renate Bitzan: Feminismus von rechts? – Richard Gebhardt: Völkischer Antikapitalismus – Fabian Virchow: Antikriegs-Rhetorik von rechts – Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und die Konservativ-subversive Aktion – Lenard Suerman: Autonome Nationalisten – Regina Wamper, Britta Michelkens: Gegenstrategien – Jens Zimmermann: – Kritik des Rechtsextremismusbegriffs.

Von Zeit zu Zeit werden Sie an dieser Stelle über Standardtitel in der Buchhandlung Weltbühne informiert – nicht immer das Neueste, aber immer empfehlenswert.
Wenn Sie bestellen wollen, dann hier. Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“
Weltbühne muß bleiben.
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Mahnwache am Denkmal für die deportierten jüdischen Kinder

Einladung der VVN:
Mahnwache am Denkmal für die deportierten jüdischen Kinder
Abseits gelegen und kaum wahrgenommen liegt das „Mahnmal für die deportierten jüdischen Kinder“. Mindestens 130 Kinder aus Duisburg wurden zwischen 1938 und 1945 mit der Deutschen Reichsbahn in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Todeslager transportiert – 130 von etwa 1,5 Millionen Kindern aus ganz Europa, die während der Nazizeit grausam zu Tode kamen; bei medizinischen Versuchen, erhängt, verhungert, an nicht behandelten Krankheiten, vergast….Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer.
Die VVN/BdA* wird an der Saarstraße/Ecke Königstraße am 8. Mai ab 15 Uhr bis etwa 18 Uhr mit einer Mahnwache am Mahnmal für die deportierten jüdischen Kinder an diese grauenhaften, unvorstellbaren Verbrechen erinnern.
Am 8. Mai wurde ganz Europa von der Geißel des Faschismus befreit. Mit der Auschwitz – Überlebenden Esther Bejarano fordern wir, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg, wie in anderen europäischen Ländern, endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.
Erinnerung ist aber nur sinnvoll, wenn sie den Blick für das HEUTE öffnet:
Wieder werden in Deutschland Menschen ausgegrenzt beschimpft, bespuckt, geschlagen oder ermordet, weil sie aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens oder ihrer Lebensweise nicht in das Bild passen, das Nazis vom »Deutschen« haben. Rassismus im Internet gehört schon fast zum Alltag. Daher kann Erinnern nur mit der Aufforderung verbunden sein, sich heute gegen alle Formen von neofaschistischer und rassistischer Gewalt in Worten und Taten entgegenzustellen.
*Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Du und Wir. Und Ihr

75. Jahrestag der Befreiung von Hitlerfaschismus und Ende des 2. Weltkriegs
Pressemitteilung von DU+Wir
Duisburg, 30. April 2020
Wir in Duisburg haben am 8. Mai 2020 mehr als einen Grund, der Stunde Null im Jahre 1945 zu gedenken, als unsere Stadt in Trümmern lag, aber die Nazi-Diktatur endlich besiegt war. Da war Hoffnung auf Frieden, auf Brot, Arbeit und Demokratie. Heute nach 75 Jahren leben wir in einer bunten pulsierenden Stadt voller Vielfalt, mit Menschen aus zahlreichen Ländern und Kulturen, friedlich und engagiert.
Dieses Zusammenleben ist bedroht: rechtsradikale Ideologen in den Parlamenten und ihre Splitter und Trupps bis hinunter in die Stadtteile wollen mit ihrem Weltbild einen Staat vorbereiten, wie er schon einmal mit Völker- und Rassenhass die Welt in Brand gesetzt hat. Die Morde und Übergriffe der letzten Monate sind Warnung und Mahnung, jetzt die Rechte und Freiheiten für alle Menschen in unserem Land entschieden zu verteidigen. Lebenswerte und demokratische Verhältnisse in unserer Stadt sind die überzeugendsten Gegenmittel gegen das Gift der Nazis.
Mit fast 80 Organisationen, Verbänden und Gruppen wollten wir, die Initiative DU +Wir , eine große Kultur Demonstration am 8. Mai 2020 in der Innenstadt ermöglichen. Es sollte eine Manifestation für das friedliche Zusammenleben und ein Zeichen gegen rechte Hetze und Fremdenfeindlichkeit sein, für ein solidarisches Miteinander.
Das Corona-Virus bremst uns nun leider auch aus. Diese pandemiebedingte Absage sollte uns jedoch ermutigen, in Zukunft unser so richtiges Anliegen wieder aufzugreifen, wenn es wieder möglich ist.
Ein Ende des Corona-Tunnels ist derzeit noch nicht in Sicht. Zu gegebenem Zeitpunkt, wenn öffentliche Beratung und Versammlungen wieder möglich sein werden, lädt DU+Wir die Stadtgesellschaft ein, einen neuen Anlauf für eine Feier des Tags der Befreiung von faschistischer Nazi-Diktatur zu machen. Vielleicht 75+1 am 8.Mai 2021? Wir werden uns für die change.org-Kampagne einsetzen, den 8.Mai zum gesetzlichen Feiertag zu machen und wenn möglich dies im Jahr 2021 realisieren.

www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Bis dahin und auch bei den Kommunalwahlen im September gibt es immer wieder Gelegenheit, deutlich zum Ausdruck zu bringen:
Unsere Stadt steht einig zusammen gegen Rechts, gegen neuen Faschismus und gegen Rassismus. Duisburg zeigt ein Herz für Menschen in Not und Bedrängnis, bleibt weltoffen, vielfältig bunt und der Demokratie verpflichtet.

Christa Broecher, Detlef Feldmann, Joachim Glund, Doris Michel, Eckart Pressler, Christine und Dieter Zentek, Edith Zischke

Lenin hatte andere Pläne

Als Lenin im April 1917 aus dem Exil in Zürich nach Petrograd zurückkehrte, wurde er von seiner Frau Nadeschda Krupskaja und seiner Sekretärin Inessa Armand gedrängt, beim Zwischenstopp in Stockholm mit ihnen ein Warenhaus aufzusuchen. Als er nicht nur Anzug und Schuhe, sondern auch noch einen Mantel anprobieren sollte, war es ihm zu viel: „Ich fahre nicht nach Rußland, um die neueste Herrenmode vorzuführen.“
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8. Mai zum Feiertag machen!

8. Mai zum Feiertag machen! Was 75 Jahre nach Befreiung vom Faschismus getan werden muss!
Das Wort hat Esther Bejarano:

Ich überlebte als Mitglied des „Mädchenorchesters“ das deutsche Vernichtungslager Auschwitz und konnte vor 75 Jahren auf dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ-Ravensbrück der SS entkommen. Ich bin Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD e.V und Ehrenpräsidentin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes. Dies schrieb ich in einem offenen Brief am 26. Januar 2020 „an die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“.

Die militärische Zerschlagung des Faschismus durch die Alliierten, Partisan*innen und Widerstandskämpfer*innen als Befreiung zu begreifen, bedeutet die richtigen Schlüsse zu ziehen und auch so zu handeln. Es ist nicht hinnehmbar, dass 75 Jahre danach extreme Rechte in allen deutschen Parlamenten sitzen und in immer rascherer Folge Mord auf Mord folgt.

Die Lehren des 8. Mai umzusetzen, bedeutet für uns:

– AfD, NPD und ihre Verbündeten aufzuhalten,
– das Treiben gewalttätiger und mordender Neonazis zu unterbinden, ihre Netzwerke in Polizei, Bundeswehr aufzudecken und aufzulösen,
– einzugreifen, wenn Jüdinnen und Juden, Muslime, Roma und Sinti und andere, die nicht in das Weltbild von Nazis passen, beleidigt und angegriffen werden,
– Geflüchtete in Deutschland aufzunehmen,
– die Logik des Militärischen zu durchbrechen und Waffenexporte zu verhindern und
– die Diffamierung und Behinderung demokratischer und antifaschistischer Gruppen und Organisationen durch Geheimdienste und Finanzämter zu beenden.

Sonntagsreden, die Betroffenheit zeigen, reichen nicht. Es muss gestritten werden für die neue Welt des Friedens und der Freiheit, die die befreiten Häftlinge im Schwur von Buchenwald als Auftrag hinterlassen haben. Ein offizieller bundesweiter Feiertag wäre dafür die regelmäßige Verpflichtung. – Nicht nur, aber eben auch an jedem 8. Mai.

Deshalb: Achter Mai – arbeitsfrei! Zeit für Antifaschismus!

Esther Bejarano und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Bitte hier klicken.