Das Foto zum Zwanzigsten


Wie oft? Wie oft? Lang! Lang!
Mannesmann Tor 1.
Wie oft, wie oft ging ich da hindurch (oder fuhr mit’m Fahrrad durch).
Lang lang ist’s her.
Und das war auch schon lange her, als ich – vor zehn Jahren – dieses Foto aufnahm.
Ja, auch ich war mal Stahlarbeiter.
Warum war ich das?
Darüber könnte ich eine kleine Geschichte für DER METZGER Nr. 142 schreiben.
(Viel öfter fuhr ich übrigens durch Tor 2).

Die schönsten europäischen Einfahrten (32)

Irgendwo zwischen Duisburg und Düsseldorf (also äußerster Düsseldorfer Norden oder äußerster Duisburger Süden) wurde dieses Landgut stehengelassen. Wassergraben mußte sein.
Auf dem grünen Schild unter der Hausnummer steht: Mitglied im Pferdesportverband Rheinland e.V. Im „Pferdesport“ müssen die Pferde über eine Rennbahn rennen. Wenn die Pferde über Hindernisse springen müssen, nennt man das „Reitsport“.
Wenn man genau hinschaut, sieht man, wie ein Pferd aus’m Fenster guckt (über dem Wellblechfragment).
Links im Bild der Hausbriefkasten. Denn im Mittelalter schrieb man Briefe noch im Din-A-2-Format.

Barbara-Tag 2021: Irgendwie nicht so richtig

Wie Sie wissen, gehört zu meinen ganz persönlichen Feiertagen der Barbara-Tag. Das ist der 21. Juni. An jedem 21. Juni gehe ich in meiner Eigenschaft als Flaneur flanieren, und zwar immer zum Schlackeberg. (Daß einer der beiden Seen Barbarasee heißt, hat AUCH was mit dem Barbara-Tag zu tun. Wieso der Barbara-Tag Barbara-Tag heißt, hat nicht nur mit einem See, sondern auch mit einer Frau zu tun – raten Sie mal, wie die heißt).
Den 21 Juni wähle ich für zum Aufsuchen liebgewordener Stellen und liebgewordener Erinnerungen, weil das der „längste Tag“ ist, der Tag mit der längsten Tageshelligkeit. Da kann ich mich noch um 7 Uhr abends auf den Weg machen, bin lange unterwegs und komme noch im Hellen nach Hause.
Dieses Jahr betrübte mich das trübe Wetter, und ich verschob den Barbara-Tag vom Montag auf den Dienstag. Aber am Dienstag war das Wetter noch schlechter: regnerisch.
So zog ich also los, dem Regen trotzend. Ich dachte: an diesem Regentag habe ich wenigstens das Ufer des Ragattasees für mich allein. Fast. Denn die notorischen Jogger lassen sich nicht wegdenken. Allein ist man oben auf dem Schlackeberg. Aber dort ist auch an sonnigen Tagen kaum mal ein Mensch zu sehen.
Kann es sein, daß der Weg an einem Regentag anstrengender ist als an einem sonnigen Tag? Den Fotoapparat habe ich diesmal nicht mitgeschleppt, stattdessen nehme ich ein schönes Bild vom vorigen Jahr.
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Wo waren Sie gestern Abend?

Wo Sie gestern Abend waren, spielt hier jetzt keine Rolle.
Wahrscheinlich WÄREN Sie gestern Abend im Syntopia gewesen bei der Veranstaltung der DFG-VK im Rahmen der Duisburger Akzente zum Thema „Mauern“.
Unsere Veranstaltung HÄTTE den Titel „Die Mauer als Chance“ gehabt und wurde auch vom Festivalbüro angenommen. Aber dann sind – Sie wissen es – die ganzen Akzente Krohna-bedingt abgesagt worden.
Um Sie nicht ganz leer ausgehen zu lassen, und damit Sie sich ungefähr vorstellen können, was gestern zu sehen/hören gewesen WÄRE, hier nochmal ein paar Ausschnitte der Syntopia-Lesung vom 17. September 2015.

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Barbara-Tag

„Ja, haben Sie denn in diesem Jahr nicht Ihren Barbara-Tag zelebriert?“
Dochdoch.
Neben den öffentlichen Feiertage habe ich meine ganz persönlichen Feiertage. Einer davon ist der 1. Juni. Und dann ist da noch der Barbara-Tag. Das ist der 21. Juni, der „längste Tag“, das heißt der Tag mit der am längsten anhaltenden Tageshelligkeit. Da brauche ich mich nicht zu beeilen, um noch m Hellen nach Hause zu kommen; es ist also auch der Tag mit der meisten Zeit.
Fällt der 21. Juni auf einen Sonntag, wie in diesem Jahr, verschiebt sich der Barbara-Tag auf den 22. Dann ist es immer noch hell genug.
Der Tag heißt nach einem See und nach einer Frau. Barbara-See und Barbara W. Ich berichtete bereits darüber. Das können Sie sich ruhig nochmal durchlesen. Da ging es ja auch um die sichtbaren Denkmäler der Industrialisierung und des damit zusammenhängenden Zweiten Weltkriegs (Flak-Anlage).

Der Barbara-See in einer menschenleeren Landschaft des Ruhrgebiets. An dieser Stelle trifft man kaum mal einen Menschen, nur ab und zu mal einen Jocker (Schogger?). Aber die sind ja auch schnell wieder weg.

Ein Stück Mauer an einem in der Tat gefährlichen steilen Abhang. Der ganze Weg liegt an diesem Abhang. Warum die Mauer nur an diesem Stück.
Das kann nur ein Denkmal des Antifaschistischen Schutzwalls durch Berlin sein. Ist doch klar, oder?

Kann mir jemand sagen, was das für eine Pflanze ist, krautig mit stabilem harten Stengel, wächst zusammen mit wildem Gras. Wirksam. Wie heißen die?

Künstlicher Fels auf dem künstlichen Berg: Hochofenschlacke von Krupp Rheinhausen aus der Kaiserzeit. Daher der Name Schlackeberg.

Noch mehr Mauer! Noch antifaschistischer.

Dahinrostend wird das Geländer zum Gelände.

Landschaft, wie sie mir gefällt.

Nicht weit weg: Der Regatta-See. Lauter rote Punkte über und gelbe Punkte auf dem Wasser. Da steht wohl ein Wettbewerb bevor.

Well if you want it, you can lean on me …

Wenn schon denn schon! Kaufen Sie, lesen Sie dieses Buch!
Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie Ihrer Freundin zum Barbara-Tag schenken sollen: Hier: ISBN 978-3-945634-17-2. Dann freut sich der Kalus.

Bewegungstag (23-28)

Wie meinen? Was meinen? Wen meinen?

Ein Gaststättenschild.
Aber keine Gaststätte weit und breit. Aber gut zu wissen, daß es, gäbe es sie, hier Diebels Alt geben würde.
Was dieses Signal „NAS“ bedeutet, hat mir immer noch keiner erklären können.

Üppiges Grün!
Und der asphaltierte Fußweg und die Kabel in der Höhe sagen: Heimat! Beziehungsweise Heimweg.

Hier war der Anfang (am 22. Mai). Jetzt in der umgekehrten Richtung.

„Unter Adolf hättet sowat nich gegeben.“ Bauhaus, Flachdach und Wildwuchs.

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Bewegungstag (16-22)

Weiter im Wander-Report.
Der Wendepunkt ist erreicht. Auf Wegen am Wasser vorbei gehe ich gern. Hier: Regatta-See. Daß hier auch schon mal Europa- und Weltmeisterschaften stattfanden, braucht Sie nicht zu stören.

Dem Genie gelingen Fotos auch bei Gegenlicht.
Nicht nur dem Genie, sondern auch mir.

Hinter der langen Mauer an der Masurenallee zerfallen die Rudimente des legendären Eisenbahn-Ausbesserungswerks.
Aber sieht das nicht so aus, als würde die klassische Industrie den Fuck-you-Finger zum Himmel recken?

Wanderer, kommst du nach Wedau und erblickest dieses steinerne Monument, kannst du stehenbleiben oder gleich weitergehen.

Dach überm Kopf. Oder: Dach auf dem Kopf?
Viele der Bahn-Anlagen hinter der Mauer zerfallen oder wurden gleich abgerissen …

… aber diesen Teil haben sie stehenlassen.

Aber auch hier bricht das Unkraut hervor (Wasser-Rosen).
Das Unkraut ist dem Anarchist ein Trost. Auch das Unkraut des Wasserspiegels.

Wird fortgesetzt.

Bewegungstag (11-15)

Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig geschritten.
Bildreportage von einem traditionellen Tag (Fortsetzung).

Das also ist das Portal des Bahnhofs Duisburg-Wedau, DES (ich wiederhole mich gern) BIS ZU SEINER STILLLEGUNG GRÖSSTEN RANGIERBAHNHOFS DER WELT.
Was dieses Bild offenbart über den Untergang (des Industriezeitalters oder von was auch immer) überlasse ich den Reden von denen, die gern darüber reden, und begebe mich weiter fort:

Das ist nämlich die Trinkhalle (Ruhrdeutsch: Bude), wo mein Opa eine Rolle Pfefferminz kaufte. Der nahm mich auf seinen Fahrradtouren sonntags vormittags manchmal mit, und hier kaufte er an der Bude eine Rolle Pfefferminz.
Also doch nicht immer: Alles war nix is mehr.
Es gibt Orte, an denen Ereignisse erlebt wurden, die nicht gerade zu den Wendepunkten des Lebens gehören, die aber immer wieder im Traum erscheinen, wie diese Bude, wo mein Opa Pfefferminz kaufte (von der scharfen Sorte).

Denn hier betreten wir Bissingheim, einst als Eisenbahnersiedlung angelegt, wo der Menschheitstraum in Erfüllung ging, die Zeit anzuhalten. Getröstet blickt man auf die Oberleitungsmasten und den Wedauer Wasserturm, der stets mehr Symbolik enthielt als Wasser.
Mein Opa hatte in Bissingheim eine (jüngere) Schwester (und einen Schwager), mit denen wir sonst nie was zu tun hatten. Die hatten einen Sohn im Halbstarkenalter. Mein Opa meinte, man sollte über die Jugend von heute nicht immer so schlecht sprechen, und man sollte sie nicht „Halbstarke“ nennen. Kann sein, daß der Soldat im Ersten Weltkrieg, den die Kriegsgräuel zum Kirchenaustritt veranlaßten, sich in der aufstehenden Jugend wiedererkennte.

Abfahrt von der Wedauer Brücke. Eine Ampel (zeigt rot). Keine Kreuzung, kein Querverkehr, nix. Aber: rot.

Da halten auch Autos an. Weil: rot.
Keine Kreutung, kein Querverkehr, nix. Aber: ein Fußgängerübergang, falls mal just an dieser Stelle ein Fußgänger auf die Idee kommt, die Straßenseite wechseln zu wollen.

Wird fortgesetzt.

Bewegungstag (6-10)

Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig geschritten.
Bildreportage von einem traditionellen Tag (Fortsetzung).

Nicht alle wissen, daß die Lotharstraße da, wo sie meinen, daß das ihr Ende ist, in Wirklichkeit noch weiter geht, nämlich hier. Sozusagen die Lotharstraße für Insider.

Gut, wenn man rechtzeitig auf Hindernisse aufmerksam gemacht wird.

Die Stadt im Grünen. Früher hätte drunter gestanden: Regierungsbezirk Düsseldorf. (Weil man das bei der Einfahrt in die geschlossene Ortschaft wissen mußte). So ändern sich die politischen Verhältnisse.

Hinaus in die Berge! (Soll heißen: Der Horizont erhebt sich).

Melancholie im Mai (Erklärung folgt später oder nie).

Wird fortgesetzt.

Lindenstraße geht weiter

Sensatiönchen!
Schon eine Woche „danach“ steht fest: Das war noch nicht das Ende. „Lindenstraße“ geht weiter!

Die Underground-Produktion Hut-Film hat sich kurz entschlossen, mit „Lindenstraße“ weiterzumachen.
Die neue Serie hat ein neues Konzept: Sie wird keine 35 Jahre dauern, sie wird weniger Fortsetzungen haben. Sie wird von einem neuen Team gestaltet. Wer fürchtet, daß sich Helga Beimer weiterhin in alles einmischt, kann erleichtert aufatmen.
Ort der Handlung wird auch nicht mehr München sein, sondern Duisburg.
Mit den Dreharbeiten soll vielleicht schon in diesem Jahr begonnen werden.

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… sie wittern den Frieden

An dieser Stelle wird ein Notat wiederholt, das schon am 30. Mai 2015 aus aktuellem Anlaß hier erschien. Anlaß ist diesmal, daß der Schriftsteller Hand Bender dieser Tage 100 Jahre alt geworden wäre.

Hans Bender […] hat lange gelebt. Man könnte fast sagen: So bringen vergangene Zeiten sich wieder in Erinnerung. Hans Bender, Gründer und lange Zeit Herausgeber der akzente (Hanser). Es ist wohl nicht zu despektierlich, wenn ich sage, er war einer von denen, die dafür zuständig waren, daß es nach 1945 eine offizielle Literatur in (West-)Deutschland gab – im Deutschunterricht durchzunehmen. Bender gehörte, wie Höllerer, wie Richter, zu den Schriftstellern, von denen man sagen mußte: sie haben auch selbst geschrieben.
„Die Wölfe kehren zurück“ nahmen wir in der Untertertia durch. Die Schriftsteller, die das „Tendenziöse“ zu fürchten gelernt hatten und zu fürchten lehrten, schrieben über den Krieg als ein böses und den Frieden über ein gutes Schicksal. Bin ich ungerecht? Böll war da anders.

„Die Wölfe kehren zurück. Sie wittern den Frieden.“ So endet die Geschichte.
Wir sollten dann für die nächste Deutschstunde eine Inhaltsangabe schreiben. Ich schrieb einen zehn Seiten langen Aufsatz.
Das wurde aber beanstandet. Es wurde eine Inhaltsangabe verlangt, und die hätte als gelungen gegolten, wenn sie kurz gewesen wäre, je knapper desto besser.
Aber:
In dem inoffiziellen Wettbewerb „Der längste Aufsatz der Klasse“ hatte ich mit einem sieben Seiten langen Aufsatz lange den Rekord gehalten. Der war gebrochen worden. Jemand hatte acht Seiten gefüllt, um zu zeigen: „Ich hab‘ den längeren“! Den mußte ich übertreffen! Es ging doch nicht um die gute Note in Deutsch, sondern um die Verwirklichung einer Vorstellung, die sich jeder fremdbestimmenden Bewertung entzieht.
Ich hatte zwar durchaus noch nicht den Vorsatz gefaßt, aber vielleicht schon eine Ahnung davon, Schriftsteller zu werden. Denn der Schriftsteller unterscheidet sich von anderen Leuten darin, daß er mehr schreibt als von ihm verlangt wird, und im Idealfall sich beim Schreiben mehr amüsiert als der Leser beim Lesen. Wobei die Kriterien, wonach ein Aufsatz als ein guter solcher erkannt wird, brachial außer acht gelassen werden. Sie erleben es in diesem Moment: meine unausrottbare Angewohnheit, vom Thema abzuschweifen.
Meine Freundin Lina hat mal zu mir gesagt: „Das Abschweifen vom Thema ist eine der ergiebigsten Erkenntnisquellen.“ Oder habe ich das zu ihr gesagt?
Nicht gut angekommen bin ich mal mit einem Aufsatz, der vier Seiten lang war, von denen dreidreiviertel Seiten Einleitung waren. Heute würde man doch sagen: eine Meisterleistung!

Wer hätte mir zugestimmt, wenn ich den Gedanken geäußert hätte, daß ein Aufsatz in Deutsch das Publikum gut unterhalten sollte.
Wenn ich mal einen Aufsatz vor der Klasse vorlesen mußte/durfte, wurde immer sehr viel gelacht. So auch bei dem genannten Sieben-Seiten-Aufsatz in der Untertertia: die erfundene Geschichte über einen gescheiterten Überfall auf die Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg.

Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg

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Das Foto zum Zwanzigsten


Glücklich müßte sein, der unten eine Apotheke hat und oben drüber wohnt. Und auf dem Dach der Garage ein großer Balkon mit großem Sonnenschirm für die schönen Spätsommertage im September (franz.: Septembre).
Doch nicht nur das! Oben drüber noch eine Mansarde!
Gut macht sich im Hintergrund das Häusken – in einem Teil der Stadt, in dem man manchmal denkt, daß hier vor etwa 50 Jahren die Zeit stehengeblieben ist.
Vielleicht hatte Buchholz im Schöpfungsplan die Aufgabe, irgendwann mal die Zeit zum Stillstand zu bringen (was ja nie ganz gelingt).
Mit dem Apotheker war ich in einer Klasse.