Den Schwörern auf der Spur

Ein Vogelhäuschen, könnte man meinen.
Oder in Wirklichkeit eine Überwachungskamera von Bill Gates. In San Francisco hat die Golden-Gates-Britsch angefangen zu summen.
Aber das ist gar keine heimliche Kamera. Das Vogelhäuschen soll nur davon ablenken, daß die richtige Kamera ganz woanders hängt. Das ist ja das Raffinierte. In Wirklichkeit ist das ein als Überwachungskamera getarntes Vogelhäuschen.

Überall von Schwörungen umzingelt. Aber wir sind ihnen auf der Spur.
Schonungslose Fakten über die Tatsachen, offen gelegt in der nächsten METZGER-Ausgabe!
Nr. 136!
Jetzt schon drauf freuen!

Karfreitag ist ein schöner Freitag (Bildbericht)

Karfreitag ist für gläubige Menschen vielleicht ein trauriger Tag. Darum als „stiller Feiertag“ sogar gesetzlich geschützt.
Für mich Ungläubigen ist die Stille nicht traurig.
Früher, viele Jahre lang, waren wir den ganzen Karfreitag, bis in die späten Abendstunden mit den Vorbereitungen unserer Ostermarsch-Aktion beschäftigt, den Antimilitaristischen Buchbasar der DFG-VK. Auch darüber freute ich mich. Ich bin immer mit Freude bei der Arbeit.
Diesmal konnte ich – mit ebensoviel Freude – an der Stille teilhaben, die sich an diesem Tag ausbreitet / ausbreiten sollte.
Der Karfreitag in diesem Jahr in der Stadt: kaum ein Auto auf den Straßen, kaum ein Mensch zu sehen. Menschenleere Stadt, so schien es.

Doch: Autos auf den Straßen, aber geparkt.
Der Weg führte mich die Koloniestraße entlang. Die wurde aber wohl nicht nach dem Kolonialreich so genannt, sondern nach der Veteranensiedlung („Kolonie“) im 18. Jahrhundert.
Das hohe Gebäude rechts ist oder war mal ein Hotel, beherbergte zwischenzeitlich aber Abteilungen der Uni-Verwaltung, z.B. den zuständigen Sachbearbeiter für die Erteilung einer Sondernutzungsgenehmigung zum Aufstellen von Büchertischen. So wollten die die wilden Verkaufsstände hinausdrängen, aber ich hab gesagt. Guuut, dann gründen wir eben einen Studentenverband und lassen den beim Amtsgericht ins Vereinsregister eintragen. Den Situationistischen Studentenbund gibt es immer noch (klicken Sie ins Blaue, da erfahren sie alles).

Ford Schneider.
Willst du kaufen dir ‘nen Ford,
bleib von diesem Ort nicht fort.

Das ist auch ein Hotel.
Mal ehrlich, Kumpanen, wer von uns möchte da logie-hi-hi-hierten?
Einer gibt rot-schwarzes Fenster-Signal.
Lidl hatte ich noch nie.

Koloniestraße genug (ist sowieso bald zu Ende).
Gelegenheit, in die Kommandantenstraße abzubiegen, empfangen von gelben Baugeräten.
Öffnungszeiten auf einem Wegweiser! Öffnungszeiten als Richtung.
Wenn schon Koloniestraße, dann auch Kommandantenstraße.
Magda hat in einer ihrer Geschichten eine Straße „Kapazitätenstraße“ genannt.

Sogar auf einer Straße, die Kommandantenstraße heißt, geht sowas. Warum sollte das nicht gehen?

Sang- und klanglos

Die Verwunderung darüber, daß die Heine-Buchhandlung auf der Lotharstraße zugemacht hat, wird vielleicht von der Verwunderung darüber, daß es sie überhaupt noch so lange gab, übertroffen.

Öffnungszeiten! Die Buchhandlung (Universität gegenüber) hat im Semester an zwei Tagen geöffnet, jeweils für 5 Stunden, in den Semesterferien nur an einem Tag in der Woche, auch nur für 5 Stunden. Oder: Betriebsferien 6 Wochen lang.

In den 70er Jahren hat die Braunsche Buchhandlung (Stammhaus: Königstraße, damals eine der zehn größten Buchhandlungen in der BRD – heute gar nicht mhr existent) hier eine ihrer zwei Filialen aufgemacht, die von der Universität den Titel „Universitätsbuchhandlung“ bekam (so darf man sich nicht selber nennen).
Als Braun sein Unternehmen aufgab, übernahm die renommierte Essener Heinrich-Heine-Buchhandlung die Filiale, die durch ihre Unambitioniertheit geprägt war. Hier wurden zuletzt nur noch leere Regale verwaltet. Die AOK-Studentenberatung als Untermieter brachte ein bißchen Frequenz.

Ein Buchladen unter Vermeidung jeglichen Anflugs von Romantik.
Was macht ein Hauseigentümer mit einem leeren Ladenlikal?
Fast Food (fast Food)? Oder: Boutique? Oder Friseur? Oder: Schmartfons der übernächsten Generation – are you ready?

Herzlichen Glückwunsch Ilse Storb!

Samstag in der Zeitung gelesen:
Anekdote (2007):

Schräg hinter mir sitzt Frau Professor Ilse Storb. Die tippt mir auf die Schulter:
„Sind Sie der Professor Januscheck?“
„Nein. Ich bin Helmut Loeven.“
Eine Minute später: tipptipptipp:
„Sind Sie denn bei uns auf der Uni?“
„Ich war auf der Duisburger Uni.“
Eine Minute später wieder: tipptipptipp:
„Professor Loeven? Kenne ich gar nicht.“
„Nein, ich bin auch kein Professor.“
Eine Minute später: „Sie sehen aber aus wie ein Professor!“
Als alle Reden geredet sind, kläre ich Frau Professor Ilse Storb auf: „Ich hab an der Uni studiert. Bei Ihnen.“
„Bei mir??? Was haben wir denn gemacht?“
„Musik und Politik.“
„Das hab ich ja immer gemacht. Was haben wir denn gemacht? Doch bestimmt Henze und Nono.“
„Und Hanns Eisler.“
Frau Storb, begeistert: „Hanns Eisler! Ja! Gegen die Dummheit in der Musik!“ Wenn die das Klavier entdeckt, das da hinten in der Ecke steht, dann gibt es kein Halten mehr, dann legt die los!

aus: Schon seit 20 Jahren Wissenschaft gegen den Strich. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) feierte Geburtstag. in DER METZGER Nr. 81.

Was habe ich auch noch in dem WAZ-Interview gelesen? Über Helge Schneiders Katzenklo:

So hab ich sie erlebt, meine Professorin: bei aller Exzentrik stets kritisch und anspruchsvoll – und hochkompetent. Wer mit Vergnügen erlebt hat, daß sie im Fernsehen jedem die Schau stehlen konnte, sollte auch wissen, daß es in ihren Seminaren ernst und konzentriert zuging.
Ihr Engagement für Amnesty International soll erwähnt sein. In der Chile-Solidarität hatten wir miteinander zu tun. Sie besuchte uns auch manchmal am Uni-Büchertisch. Sie hätte also wissen können, daß ich nicht Professor Januscheck bin.
Heute hat sie Geburtstag. Ilse Storb wird 90 Jahre alt.
à la bonne heure!

Die eindimensionale Stadt

Eben war einer hier, der hat mir dieses Plakat (auch als “Flyer”) gebracht zum Aushängen / Auslegen:

Für die schlechte Druckqualität kann ich nix.
Die Veranstaltung ist schon übermorgen. Kontaktmöglichkeiten (Tel, Anschrift, E-mail, Internet) sind nicht angegeben. Einfach mal googeln.
Wer da nicht hinkommen kann, kann aber mal an den Oberbürgermeister einen (höflich formulierten, aber inhaltlich deutlichen) Brief schreiben, daß der perpetuierte Baumfrevel in Duisburg ein Ärgernis ist. Adresse: einfach mal googeln.
Auch wenn Sie nicht aus Duisburg sind, schreiben Sie trotzdem an den Oberbürgermeister Link, etwa so: Macht es Ihnen gar nichts aus, daß das Image Ihrer einst so schönen Stadt immer mehr vom Kettensägenmonster ramponiert wird?

Wieso ist eigentlich morgen (3. Oktober) ein gesetzlicher Feiertag?

Am 3. Oktober feiert die Einheit den Tag der deutschen Einheit.
Das ist nämlich heute nicht mehr so wie früher.
Ich weiß noch, wie das war:
Um zur Ruhr-Universität zu kommen, brauchte ich zunächst mal eine Fahrkarte für den Bus bis zum Hauptbahnhof. Dann brauche ich eine Fahrkarte für den Zug nach Bochum, und schließlich eine Fahrkarte für die Fahrt vom Bochumer Bahnhof zur Uni (mit Umsteigen!).
Heute ist das alles einheitlich. Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

P.S.: Später wechselte ich zur Duisburger Uni, zu Fuß hin. Die deutsche Vereinheitlichung wäre also gar so nötig gar nicht gewesen.

Willi Kissmer

Willi Kissmer kannte ich seit 1969, d.h. da sind wir uns erstmals begegnet. In der kleinen, überschaubaren Szene progressiver Poeten, Künstler und Musiker des “Underground” in unserer Stadt kannte man wohl schon die Namen. Er spielte eine Zeitlang mit der 16jährigen Sängerin Jenny in einem Duo, das sich mit der Folk-Band “Les Autres” (gegründet 1966) vereinigte, woraus die Folkrock-Band “Bröselmaschine” hervorging (umbenannt 1969). Als die Band sich 1972 auflöste, hatte Willi sie aber schon verlassen (in der Band wurde er ersetzt durch Michael Schmidt, auch einer von denen, deren Namen nicht mehr genannt werden). Willi meinte, sich entscheiden zu müssen zwischen Musik und Malerei, beides zusammen meinte er nicht zu verkraften. Daß er sich für die Bildende Kunst und ein Studium an der Folkwang-Hochschule entschied, war zunächst verwunderlich. Als Gitarrenspieler gehörte er zu den Besten, und er war mit der Band auf gutem Wege, auch zu den erfolgreichsten Gitarrenspielern zu gehören. Die ausschließliche Hinwendung zur Bildenden Kunst barg ein größeres Risiko. – Er wurde ein sehr erfolgreicher und geachteter Maler.

Titelseite von DER METZGER 14, Mai 1971, entworfen von Willi Kissmer

Von 1969 bis heute, in dieser langen Zeit gab es Perioden, in denen wir uns fast täglich über den Weg liefen. Und dann sahen wir uns manchmal erst nach ein paar Jahren wieder. Der Kommunikation tat das keinen Schaden. Es war immer so, als hätten wir uns gerade ein paar Tage nicht gesehen. Fremdheit stellte sich nicht ein; die Gespräche dauerten immer recht lange und waren so amüsant wie die Themen.
Es war im Eschhaus, da berichtete er mir von dem Künstleraustausch zwischen Duisburg und Moskau. “Wir Duisburger Künstler waren in Moskau im Gästehaus der Regierung untergebracht. Die Moskauer Künstler hätte man am liebsten in Duisburg auf Luftmatratzen übernachten lassen.” Er war in seinem Bericht auch den Ursachen des Scheiterns des realen Sozialismus auf der Spur: “In Moskau ist jedes zweite Auto ein Taxi. Aber versuch mal eins zu kriegen!”
Eine Zeitlang hat Willi an der Uni graphische Techniken unterrichtet, einmal in der Woche. Dann war er immer Gast an unserem Büchertisch, der jahrzehntelang Treffpunkt der progressiven Uni-Szene war. Ich bin immer froh, wenn man sich nicht lange aus den Augen verliert.

Jetzt rechne ich nach und stelle fest: Unsere letzte Begegnung (siehe Foto, Willi links in Bild) ist zwölf Jahre her!
Irgendjemand hat mal gesagt: “Der Willi kann an einem Tag die tollste Ansicht vertreten und am nächsten Tag das Gegenteil davon.”
Na ja! Er war eben ein Fabulierer. Gerechter wäre es, neben seinen unbezweifelbaren Qualitäten als Musiker und Maler auch die so gern unterschätzten Talente in der Lebenskunst zu würdigen: Gespräche ohne Leerlauf, Freundlichkeit, Vorbehaltlosigkeit.
Ich erinnere mich immer an ein Detail. Wir saßen im Tournee-Bus und brausten über die Autobahn, es ging nach Hause. Er saß vorn auf dem Beifahrersitz, ich hinten, und er versicherte mir: “Eines Tages werden sowieso die Insekten die Welt beherrschen.”
Das fand ich geradezu beruhigend.

Willi Kissmer ist am 27. Juli 2018 nach schwerer Krankheit 66jährig in Duisburg gestorben.

Die schönsten europäischen Einfahrten (11)


Universität (Komplex B).
Rechts oben: gesetzlich vorgeschriebene Kunst am Bau.
Ich höre schon die Einwände: “Aber das ist doch gar keine Einfahrt, da darf man doch gar nicht reinfahren:” (Schild links im Bild).
Falsch!
Laut § 2 des Bundeseinfahrtengesetzes gelten auch Ausfahrten verkehrs- und haftungsrechtlich als Einfahrten.

Das Grün zu ermutigen

Nach wochenlanger Trockenheit färbt sich da und dort an einigen Zweigen das Laub schon im Juli herbstlich.

Auf dem Rasen haben die jungen Bäume dem umliegenden Gras das knappe Wasser entzogen. Hoffentlich erholt es sich wieder.
“Vom Sprengen des Gartens” – ich denke an Brecht. Das ist eines meiner Lieblingsgedichte.

“…
Vergiß nicht das Strauchwerk, auch
Das beerenlose nicht, das ermattete
Geizige. Und übersieh mir nicht
Zwischen den Blumen das Unkraut, das auch
Durst hat. Noch gieße nur
Den frischen Rasen oder den versengten nur
Auch den nackten Boden erfrische du.

Weihnachts-Botschaften

Soll heißen: ich nehme diplomatische Immunität in Anspruch.
Weihnachten ist ja bekanntlich die Gelegenheit für Erinnerungen, Rückblicke und Wiederholungen. Ist es nicht so? Glauben Sie es mir einfach.
Während ich mir ein paar Tage Privatissimum gönne, mache ich es Ihnen möglich, die Universalität zu wiederholen, und zwar durch diese Verlinkungen:
24. Dezember 2012
24. Dezember 2013
24. Dezember 2014
24. Dezember 2015
24. Dezember 2016

Wie sagte schon Karl Valentin:
WENN DIE STILLEN TAGE VORBEI SIND,
DANN WIRD ES AUCH WIEDER RUHIGER.