Sage mir, was du ernstnimmst

Das steht in einem Zusammenhang mit einem Kommentar in der vorletzten METZGER-Ausgabe: Lina Ganowski kritisiert einen Trend in der Identitätspolitik: Der „westliche Blick“ auf weibliche Genitalverstümmelung sei „ethnozentristisch“, der „globale Norden“ bertrachte Praktiken im „globalen Süden“ aus einer „moralisch überheblichen Perspektive“.
( Lina Ganowski: „Das ist bei uns so Sitte“ in DER METZGER Nr. 162. Schlußsatz: „Das zieht sich durch die Geschichte der Emanzipationsbewegungen: das Mißtrauen gegen Zivilisation, Großstadt, Aufklärung, Urbanität, Moderne, Individuum. Stattdessen: die Suche nach dem Wilden ‚in uns‘.“).
Im Ernst: Ist die Globalisierung der wissenschaftlichen Medizin ein Akt des Imperialismus?

„Geht auf die Straße und schreit FEUER!“

In der Wochenend-Ausgabe der WAZ wird in der Serie „Revier-Heldinnen“ heute über Fasia Jansen berichtet.
Fasia Jansen (1931-1997) war die Blues-Stimme der Friedensbewegung.
Ein Philosoph hat mal gesagt, daß die besten Gedanken beim Gehen entstanden sind. Es gibt auch eine Musik, die beim Gehen zum Klingen gebracht und gehört werden muß.
Beim Ostermarsch 1967 sah und hörte ich zum ersten Mal die schwarze Sängerin mit der Blue Note in der Stimme. Ich erinnere mich auch an eine Ostermarsch-Szene in Dortmund. Als sie eine Litanei vorsang, war sie auch noch aus 50 Metern Entfernung zu hören, sie brauchte kein Mikrophon.
Ihre Stimme war unüberhörbar, wenn für den Frieden gekämpft wurde, für die Rechte der Frauen, für die Würde der arbeitenden Menschen.
Sie war beim Ostermarsch nicht wegzudenken und präsent bei vielen großen und kleinen Aktionen. Ich fühlte mich geehrt, als sie mich freundlich begrüßte – man war sich eben oft begegnet am selben Ort, zur selben Zeit, aus dem selben Grund.

Bürger, deine alten Städte
Sind nicht heil, doch haben überlebt –
Wer aber wird sie noch erkennen
Wenn am letzten Tag die Erde bebt?

Arbeiter, die Werke brennen
Wo dein Schweiß dir gibt dein täglich Brot –
Sieh, wo die Himmel heut‘ nur qualmen
Sind sie morgen wohl von Feuer rot!

Feuer! Vorsicht, man legt Feuer –
Ein Atomminengürtel wird geplant!
Geht auf die Straße und schreit: „Feuer!
Feuer, unsere Erde wird verbrannt!“

It’s good news week


Marie-Louise Eta ist seit heute die erste Trainerin einer Bundesliga-Mannschaft. Sie ist Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin.

Sie hatte eine Vorläuferin: Sabrina Wittmann war seit 2014 Trainerin der Drittliga-Mannschaft von FC Ingolstadt – erste Trainerin in einer Profi-Liga.
Bibiana Steinhaus war seit 2017 die erste Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga. Das ist ja fast noch schlimmer schöner!

Neu in der Weltbühne: Bitch Hunt von Veronika Kracher

Neu in der Buchhabndlung Weltbühne: Veronika Kracher: Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen.

Verbrecher Verlag. 300 S. 22 €

Veronika Kracher, die seit ihrer Publikation über die »Incel«-Subkultur zu den meistgehörten Stimmen zu den Themen Frauenfeindlichkeit und Misogynie im Internet gilt, präsentiert ihr hochaktuelles Werk über die Gewalt, welcher insbesondere Frauen im digitalen Raum ausgesetzt sind.
Was früher in den Printmedien stattfand, passiert heute online und in Echtzeit. Ein breites Publikum beteiligt sich begeistert an Hass und Hetze gegen Frauen – stellenweise sogar ungehemmt unter vollem Klarnamen.
„Influencer“, deren Content ausschließlich aus Angriffen gegen Frauen und queere Menschen besteht, erreichen auf sozialen Medien ein Millionenpublikum. Digitale Plattformen unterbinden diesen, oft gegen Einzelpersonen gerichteten Hass, nicht – ganz im Gegenteil, denn hinter dem Hass steckt oft ein System, das gewinnbringende Klicks generiert.
In „Bitch Hunt“ analysiert Veronika Kracher die Funktion digitaler Misogynie. Anschaulich erläutert sie, welche Rolle frauenverachtende Kampagnen im rechten Kulturkampf spielen. Wieso Soziale Medien alltäglichen Frauenhass in einer patriarchalen Gesellschaft derart verstärken und welches demokratiegefährdende Potenzial in diesen Prozessen steckt.

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Im Laden Gneisenaustr. 226, 47057 Duisburg (Neudorf) oder im Versand.
Wir helfen auch bei der Suche nach vergriffenen, entlegenen Titeln.

Die Buchhandlung Weltbühne bittet und bietet.
Die Buchhandlung Weltbühne kämpft-
Die Buchhandlung Weltbühne bittet um Unterstützung durch Aufträge.
Die Buchhandlung Weltbühne bietet solide Information im Dienste des Fortschritts.
Die Buchhandlung Weltbühne kämpft seit ihrem Bestehens um ihr Bestehen.
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !


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Toutes les femmes

Von Brigitte Bardot ist nach ihrem Entrée niemals nicht die Rede gewesen – auch Jahrzehnte nach ihrem „Abschied von der Leinwand“. Sie war wirksam durch ihr ungewöhnliches schauspielerisches Talent, durch ihren Einsatz für den Schutz der Tiere, durch ihre überwältigende, niemals passive Schönheit, durch ihre künstlerische Disziplin, durch ihre zu alledem im Widerspruch stehende Positionierung im politisch-gesellschaftlichen Meinungs-Spektrum.

Sie war kein Film-Sternchen, das war vielmehr eine Rolle, die sie mit Distanz spielte. Sie arbeitete zusammen mit Regisseuren der höchsten Kategorie wie Jean-Luc Godard, Henri-Georges Clouzot, Louis Malle und Fritz Lang.
Zur Rettung vor der Lebenslüge trug sie bei – mit Sätzen aus Drehbüchern.

Über einen Film mit Brigitte Bardot:
„Toutes les femmes s’appellent Camille“ in DER METZGER Nr. 40 (1988, noch erhältlich).

Brief von der VVN

Brief von der VVN:

Liebe Freundinnen und Freunde,
Die Einladung zum Gedenken an zwei mutige Frauen, die ihren Widerstand gegen das Naziregime mit dem Leben bezahlten, leite ich gerne weiter.
Das Gedenken an den Widerstand der Frauen hat eine rege Beteiligung verdient, um die ich herzlich bitte.
Denn zahllose Frauen stellten sich mutig den Nazis entgegen, viele schon vor 1933: Frauen, die in der französischen Résistance tätig waren, Frauen, die Unterkünfte und Fluchtrouten für Verfolgte organisierten, sie auf vielfältige Weise Nachrichten übermittelten, die im KZ anderen halfen und tausende, die von den Nazis ermordet wurden.
Mit solidarischen Grüßen
Christa Bröcher

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Anhang schicke ich euch eine Einladung zum Gedenken an
Cato Bontjes van Beek und
Libertas Schulze-Boysen,
die Opfer des faschistischen Terrors wurden und ihren Widerstand gegen
die Naziherrschaft mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Auch in diesem Jahr erinnern wir am 22. Dezember an die
Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Weiteres findet ihr im Anhang.
Herzliche Grüße
Christine Zentek


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Zeitung lesen am Internationalen Frauentag

Am „Weltfrauentag“ (wie er genannt wird von Leuten, die von seiner Herkunft nichts wissen wollen) wird der Frage erörtert „Was muss passieren, dass Frauen Karriere machen können“.
Bloß ein Irrtum? Oder ein absichtliches Täuschungsmanöver? Wer EMANZIPATION kennt, erkennt auch die Bedeutungslosigkeit von KARRIEREN.
Erst ein paar Seiten weiter, im Lokalteil nämlich, ist zu lesen: „Frauenhäuser dramatisch überlastet. Die Einrichtungen müssen Hunderten Gewaltopfern absagen“.
Was sind das für Zustände!
Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind – oft unter Lebensgefahr – stehen monatelang auf einer Warteliste!
Man stelle sich vor: Das Haus brennt, man ruft die Feuerwehr – und bekommt die Antwort: In drei bis vier Wochen kommen wir mal gucken.

Auf der Kommentarseite der WAZ von heute kritisiert Peter Schink das „Schneckentempo“ bei der Gleichberechtigung: „Gleichberechtigung braucht emanzipierte Männer.“

Ja!
Emanzipierte Männer erkennt man daran, dass sie emanzipierte Frauen wünschen.

Therese Giehse

Therese Giese um 1919

Auf dem Bild zu sehen ist die Schauspielerin Therese Giehse (1898-1975) 1919, im Alter von 21 Jahren. Heute ist ihr 50. Todestag.

Therese Giehse gründete 1933 gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Erika Mann und mit Klaus Mann imd Magnus Henning das Kabarett Die Pfeffermühle. Das Kabarett mußte wenige Tage nach seiner Gründung ins Exil gehen, zuerst in die Schweiz. Therese Giehse war als Jüdin, als links orientiert und weil sie aus ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung nie ein Hehl machte, in Deutschland in großer Gefahr.
Auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses war sie mit dem Werk von Bertolt Brecht und Friedrich Dürrenmatt besonders verbunden:
Sie war für Brecht die erste Mutter Courage (1941) und die erste Schmuggler-Emma in „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ (1948).
Sie war für Dürrenmatt die erste Claire Zachanassian in „Besuch der alten Dame“ (1956) und die erste Dr. med. Mathilde von Zahnd in „Die Pysiker“ (1962).
Dürrenmatt widmete ihr das Stück. Klaus Mann widmete ihr seinen Roman „Mephisto“.
Sie war von 1949 bis 1952 Mitglied des Berliner Ensembles.

Wenn wir etwas Besseres vorhaben als dem Absinken in die Barbarei zuzusehen, müssen wichtige Namen in Erinnerung bleiben!