Anna Irma Hilfrich 1985 – 2026

Liebe Anna, eigentlich müsste ich mit dir schimpfen,
diesen fetten Schlussstrich gesetzt zu haben.
Wir haben dein inneres Drama nicht wahrgenommen,
wir dachten, eine Durststrecke, wie so etliche, die das Leben bereithält.
Dein lustiges Trallala, wenn du hereinkamst,
deine motivierende Anteilnahme, dein Engagement
für all die Menschen, die kein öffentliches Gehör finden,
vermissen wir.
Du hast uns Stimme und Gesicht gegeben
und wir hätten dir gerne den üppigen Blumenstrauß überreicht,
den du dafür verdient hast.
Doch das stand dir nicht zu Gesichte, du suchtest dir
die kleinen Blümchen am Wegesrand,
und wenn ich die Pflänzchen an den Hausmauern,
die Wicken am Zaun und die blühende Brache sehe, denke ich an dich, überall dort find ich dich wieder…
Was du uns hinterlassen hast, ist ein bunter Blumenkranz,
an dem jede ein bisschen mitgeflochten hat.
Wir danken dir, Anna.

Anna Irma Hilfrich war seit 2011 Wahlduisburgerin und arbeitete als Kunst- & Kulturschaffende in unterschiedlichen Komplizenschaften. Am liebsten werkelte sie mit audiovisuellen Medien: dokumentasarischem Film, Puppenanimation, Audiocollagen u.ä.. Seit 2021 war sie Aktive im gemeinnützigen Verein KUCKSTDU e.V. (Kunst- & Kulturstudien Duisburg).
Den Nachruf schrieb Lütt Huis.

Otto Köhler

Otto Köhler 1935 – 2026.
Auf Otto Köhler wurde ich aufmerksam als junger Spiegel-Leser. Seine Beiträge „stachen hervor“.
Er war beim Spiegel „Namens-Redakteur“ – präziser zu nennen: Kolumnist. Das heißt: Er gehörte in dem Blatt zu den wenigen, deren Beiträge unter ihrem Namen erschienen. Er war beim Spiegel „Medien-Kolumnist“. Seine Kolumnen waren eine wöchentliche kritische Presse-Schau. Sehr kritisch sogar. Ihm schien nichts zu entgehen. Es schien mir, daß er die Zeitungen auswendig kannte, nicht nur die vom Tage. Er konnte einen Journalisten aus dem Stand mit dem konfrontieren, war er vor Monaten oder Jahren geschrieben hatte. Von 1966 bis 1972 war er beim SPIEGEL.
Danach war er Redakteur bei Pardon, und schließlich bei Konkret. Das war zu der Zeit, als Konkret als Wochenmagazin erschien. Otto Köhler wirkte mit bei der heftigen Auseinandersetzung um die Neugestaltung des Blattes, soll heißen: Contra Röhl, pro Gremliza.
Beiträge von Otto Köhler erschienen danach Beiträge im Freitag, im Neuen Deutschland, in der Jungen Welt, in der Gewerkschaftszeitung Metall, auch im Stern und in der Zeit, auch im Rundfunk (WDR, Deutschlandfunk).
Zu seinen Buchtiteln gehörte:
Hitler ging – sie blieben. Der deutsche Nachkrieg in 16 Exempeln.
Wir Schreibmaschinentäter. Journalisten unter Hitler und danach.
Unheimliche Publizisten. Die verdrängte Vergangenheit der Medienmacher.
Der SPIEGEL in seinem Nachruf: „Wenig brachte Otto Köhler so auf wie eine Nazivergangenheit von Kollegen. Beim SPIEGEL der Nachkriegszeit hatte er diesbezüglich einiges an Anschauungsmaterial.“
Seine publizistische Heimat fand Otto Köhler in dem zweiwöchentlichen Magazin Ossietzky. Er war einer der Herausgeber.
Die junge Welt schließt ihren Nachruf lapidar mit den Worten „Danke, Otto Köhler.“.
Dem schließe ich mich an.
Der fortschrittliche Journalist sollte nicht missionieren, sondern Klarheit schaffen, Wissen nahebringen, zum Handeln nicht antreiben, sondern zum Handeln ermutigen, die Wege zu wirksamem Handeln sichtbar machen.
Danke, Otto Köhler.

Country Joe im Gericht

Country Joe McDonald
1942-2026

Bild: WIKIMEDIA COMMONS

Gerichtsdiener: Sie müsen das Gummi entfernen, Sir!
Zeuge: Welches Gummi?
Gerichtsdiener: Das, auf dem Sie gerade kauen.
Zeuge: Ich fürchte, ich habe gar kein Kaugummi.
Gerichtsdiener: Sie können platznehmen, Sir.
Mr. Kunstler (Verteidiger): Würden Sie bitte Ihren vollen Namen nennen?
Zeuge: Country Joe.
Mr. Kunstler: Was ist Ihre Tätigkeit? Zeuge: Ich bin Geistlicher der New Universal Life Church. Ich bin ein Rock and Roll Star. Ich bin Schallplattenproduzent. Vater, Ehemann, Bandleader, Sänger, Komponist, Dichter, Inhaber eines Verlages usw.
Mr. Kunstler: Haben Sie gegenwärtig eine Rock-and-Roll-Band?
Zeuge: Ja.
Mr. Kunstler: Wie heißt diese Band?
Zeuge: Country Joe and the Fish.
Mr. Schultz (Staatsanwalt): Könnten wir für das Protokoll den vollständigen Namen des Zeugen erfahren? „Country Joe“ ist wirklich nicht ausreichend.
Vorsitzender (der erstaunliche Richter Hoffman): Ich nehme an, sein Vorname ist Country. Er steht unter Eid. Nach seinem Namen wurde er gefragt.
Mr. Schultz: Das könnte der Name sein, den er besnutzt, aber nicht sein eigentlicher Name.
Vorsitzender: Ist Country Ihr Vorname?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Das ist Ihr Vorname, ist das richtig?
Zeuge: Manche Leute nennen mich Country, ja.
Vorsitzender: Was ist Ihr richtiger Name?
Zeuge: Country.
Vorsitzender: Sie sagten, manche Leute nennen Sie so. Wie lautet Ihr richtiger Name, Sir?
Zeuge: Ich fürchte, ich verstehe nicht, was „richtig“ bedeutet.
Vorsitzender: Wie lautet der Name – wurden Sie getauft?
Zeuge: Nein.
Vorsitzender: Wie wurden Sie als Kind gerufen, in der Schule?
Zeuge: Joe.
Vorsitzender: Joe?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Wie lautet Ihr Familienname?
Zeuge: McDonald.
Vorsitzender: Und Ihr Familienname ist gegenwärtig McDonald. Ist das richtig?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Wie schreibt man das?
Zeuge: M-c-D-o-n-a-l-d.
Vorsitzender: McDonald lautet der Name, der Ihr Name ist. Ist das so richtig?
Zeuge: Ja.
Vorsitzender: Und Sie sind allgemein bekannt als Country Joe, ist das so richtig?
Zeuge: Country Joe McDonald, ja. Oder Joseph.
Mr. Kunstler: Bitte richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf … – Ich ziehe die Antwort zurück. Weiterlesen

Neu in der Weltbühne: Ein Buch, über das bestimmt viel gestritten wird

Neu in der Buchhandlung Weltbühne:

Karl Meyerbeer: Worüber wir streiten müssen. Konflikte, Spaltungen und Gemeinsamkeiten in der radikalen Linken
Unrast Verlag 2026. 144 Seiten. 12 €

Das sagt der Verlag:
Linke Politik bewegt sich zwischen Anarchismus und Kommunismus, Reform und Revolution, Kollektiv und Individualismus, Antinationalismus und internationaler Solidarität. Kein Wunder, dass sie von Widersprüchen geprägt ist – und manche Slogans und Begriffe in linken Diskussionsräumen sofort dazu führen, dass die Emotionen hochkochen.
Wer sich links verortet, landet schnell in Debatten, die ebenso alt wie aktuell sind – und in denen oft mehr um das Richtige gestritten wird als um Verständigung. Dieses Buch bietet eine verständliche Einführung in zentrale Konfliktlinien linker Theorie und Praxis. Es erzählt von historischen Auseinandersetzungen und heutigen Grabenkämpfen, benennt Unterschiede und Gemeinsamkeiten – und fragt, warum die Linke sich so oft spaltet. Es zeigt aber auch auf, warum es sich bei vielen dieser Konflikte am Ende als produktiv und sinnvoll herausgestellt hat, sie zu führen, solange dabei das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verloren wurde: eine befreite Gesellschaft, in der ein gutes Leben für alle möglich ist.
Ob Theorie oder Praxis, Militanz oder Gewaltfreiheit, Parteiarbeit oder Bewegung – in 15 prägnanten Kapiteln bietet dieses Buch Orientierung im Dickicht linker Ideen. Ohne zu glätten, aber auch ohne Zynismus. Mit einem Positionstest zum Mitmachen – für Leser*innen, die wissen wollen, wo sie stehen.

Bestellen Sie dieses Buch, bestellen Sie alle Bücher in der Buchhandlung Weltbühne.
Im Laden (Gneisenaustr. 226, 47057 Duisburg (Neudorf) oder im Versand.
Wir helfen auch bei der Suche nach vergriffenen, entlegenen Titeln.

Die Buchhandlung Weltbühne bittet und bietet.
Die Buchhandlung Weltbühne kämpft-
Die Buchhandlung Weltbühne bittet um Unterstützung durch Aufträge.
Die Buchhandlung Weltbühne bietet solide Information im Dienste des Fortschritts.
Die Buchhandlung Weltbühne kämpft seit ihrem Bestehens um ihr Bestehen.
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !


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Das neue DISS-Journal ist da

Das neue Journal des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) ist da. Das hat die Nummer 50.
So sieht es aus:

und das steht drin:

EUROPÄISCHE KONTINUITÄTEN? – 10 PETER THIELS LIBERTÄRER AUTORITARISMUS, DER ANTICHRIST UND DIE LEHRE DES KATECHON – DIE DIGITALE RÜCKKEHR DER HAUSFRAU 17 „WARUM UND WIE ERINNERT DIE RECHTSEXTREMISMUSFORSCHUNG AN DIE GESCHICHTE?“ – 19 WOZU UND WARUM SOLL WER EIGENTLICH ‚KRIEGSTÜCHTIG‘ WERDEN UND WAS GENAU MEINT DAS? – VON BABYBOOMERN UND BETROGENEN – UMKÄMPFTE GERECHTIGKEIT – EINE KLEINE GESCHICHTE DER UTOPIE – BINNEN-ETHNOPLURALISMUS, ORGANISCHER STAAT UND EDGAR JULIUS JUNG – DAS „MERZ’SCHE STADTBILD“ – WER DARF DAZUGEHÖREN? – „JUNG, MÄNNLICH, MIGRANTISCH“ – EIN SICHERHEITSPOLITISCHES FEINDBILD – STRUKTUR STATT EINZELFALL – BLOG ZUM MIGRATIONSDISKURS DER DISKURSWERKSTATT IM DISS – AKTEUR:INNEN DER TÜRKISCH-ISLAMISCHEN IDEOLOGIE IN DEUTSCHLAND – DER KOALITIONSVERTRAG 2025 – ZUR KRISE DER SOZIALDEMOKRATIE – VON GAZA BIS ZUR UKRAINE – CHINA IM WELTWEITEN KRISENKAPITALISMUS – LESETIPPS – REZENSION: PROJECT 2025 – DIE MACHT HINTER TRUMP – AUS DEM INSTITUT – MERCATOR-EHRENNADEL FÜR MARGARETE JÄGER – BUNDESVERDIENSTKREUZ FÜR HEIKO KAUFFMANN – DIE JAZZPROFESSORIN ILSE STORB IST GESTORBEN

Das DISS-Journal – auch noch einige ältere Hefte – gibt es in der Buchhandlung Weltbühne für 4 Euro (oder freiwillig mehr) – auch im Versand.

Windkraft statt Tiefflieger!

Windkraft statt Tiefflieger!
Brief von der DFG-VK

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,
schon im November hat die Bundeswehr in NRW zwei weitere Tiefflugzonen reaktiviert, in denen Kampfjets zu Übungszwecken 76 Meter tief fliegen dürfen. „LFA 2“ erstreckt sich an der niederländischen Grenze etwa von Gronau bis nach Wesel, „LFA 3“ von Höxter über Winterberg nach Olpe. Erst jetzt ging durch die Medien, dass das zu erheblichen Überschneidungen mit den von der Landesregierung im vergangenen Jahr beschlossen sogenannte Windkraft-Vorranggebieten führt . Die dort geplanten Windräder sind mehr als 200 Meter hoch. In den Planungsregionen Münster und Detmold liegt die Hälfte der ausgewiesenen Windkraft-Vorranggebiete nun in Tiefflugzonen. In der Planungsregion Arnsberg sind es auf dem Gebiet des Teilplans Märkischer Kreis/Olpe/Siegen rund 46 Prozent.
„Die beiden Tiefflugzonen für Kampfjets in den Windkraft-Vorranggebieten verunmöglichen die Energiewende in NRW.“ heißt es in einer Presseerklärung der LINKEN NRW. Doch auch die Gesundheit der Menschen wird durch die Tiefflüge beeinträchtigt.
Auf unserer Homepage findet Ihr mehr zu der Einrichtung der Tiefflugzonen:

https://nrw.dfg-vk.de/windkraft-statt-tiefflieger/

Mit Friedensgrüßen,
Joachim Schramm

Brief von der VVN

Brief von der VVN:

Liebe Freundinnen und Freunde,
Die Einladung zum Gedenken an zwei mutige Frauen, die ihren Widerstand gegen das Naziregime mit dem Leben bezahlten, leite ich gerne weiter.
Das Gedenken an den Widerstand der Frauen hat eine rege Beteiligung verdient, um die ich herzlich bitte.
Denn zahllose Frauen stellten sich mutig den Nazis entgegen, viele schon vor 1933: Frauen, die in der französischen Résistance tätig waren, Frauen, die Unterkünfte und Fluchtrouten für Verfolgte organisierten, sie auf vielfältige Weise Nachrichten übermittelten, die im KZ anderen halfen und tausende, die von den Nazis ermordet wurden.
Mit solidarischen Grüßen
Christa Bröcher

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Anhang schicke ich euch eine Einladung zum Gedenken an
Cato Bontjes van Beek und
Libertas Schulze-Boysen,
die Opfer des faschistischen Terrors wurden und ihren Widerstand gegen
die Naziherrschaft mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Auch in diesem Jahr erinnern wir am 22. Dezember an die
Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Weiteres findet ihr im Anhang.
Herzliche Grüße
Christine Zentek


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