Lechts und Rinks


Seit hundert Jahren geht das so. Man nennt das „Querfront“.
Die Rechten versuchen es immer wieder, den Linken hat es immer geschadet, und sie lernen nichts daraus.
Das ist ein Wahn, unbedingt SCHNELL etwas „erreichen“ zu wollen; und wenn das Falsche schneller geht, wird das Richtige preisgegeben.
Das ist ein Wahn, daß „Bündnisse“ BREIT sein müssen, das heißt: bis in die Doofheits-Regionen reichen dürfen: Gern was Falsches mit VIELEN.
Das ist ein Wahn, daß man dieses & jenes & überhaupt das alles nicht den Rechten „überlassen darf“.
In diesem / an diesem „heißen Herbst“ könnte die linke Bewegung, wie wir sie kennen, zugrunde gehen. Schade drum? („wie wir sie kennen …“).

Wenn ich meine Unlust überwinden kann, dann vielleicht mehr und Genaueres dazu in DER METZGER 146 (ca. Oktober).

Konkret – Kontrast

In dem Weblog kontrast-mittel.org ist – zumindest vorerst – nur ein Eintrag zu lesen:
Die Erklärung im vollen Wortlaut:

Für uns, Autorinnen und Autoren von Konkret, ist mit dem redaktionellen Kurs zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eine rote Linie überschritten. Wir wollen und können nicht weiter in einer Zeitschrift publizieren, die sich in dieser Frage in die Nachbarschaft der AfD, des völkischen Flügels der Linkspartei oder Jürgen Elsässers Compact, von Henry Kissinger, Klaus von Dohnanyi oder den Lobbyverbänden der deutschen Industrie begibt.

Der März-Titel („Nato-Aggression gegen Russland“) hätte einen Einschnitt bedeuten müssen. Zwar haben viele nicht daran geglaubt, dass die russische Staatsführung mit ihren Drohungen ernst machen würde. Aber dass es in Wahrheit der Westen sei, der einen Überfall vorbereite, hat nicht einmal der Kreml selbst behauptet. Diese Stilisierung Russlands zum unschuldigen Opfer, samt Ausblendung des Aufmarsches von hunderttausend Soldaten an der Grenze zur Ukraine, wäre selbst dann fürchterlich gewesen, wenn der Einmarsch nicht erfolgt (oder, realistischer, lokal begrenzt geblieben) wäre. Durch das russische Vorgehen wurde der Titel, ob nolens oder volens, zu noch Schlimmerem: einem Stück Kriegspropaganda.

Wer – analytisch wie moralisch – so dermaßen danebengelegen hat, müsste sich eigentlich selbstkritisch fragen, wie es dazu hatte kommen können. Passiert ist bei Konkret das Gegenteil. Zwar werden in die meisten Texte pflichtschuldige Distanzierungen vom „völkerrechtswidrigen“ Angriffskrieg eingestreut, den man „keinesfalls rechtfertigen“ wolle. Aber die Grundtendenz ist überdeutlich: Russland, von der Nato-Osterweiterung und CIA-gesponserten Putschen in die Defensive gedrängt, habe schlichtweg keine andere Wahl gehabt, als entweder anzugreifen oder zu kapitulieren. Der Westen sei darum nicht bloß der eigentliche Aggressor, sondern durch die Unterstützung des ukrainischen Abwehrkampfes auch hauptverantwortlich dafür, dass das Blutvergießen nicht schon längst beendet wurde. Konkret-Hauspoet Marco Tschirpke brachte es in der Mai-Ausgabe auf den Punkt: Die Ukraine solle gefälligst kapitulieren, damit im Osten endlich wieder Ruhe herrscht.

Die Vorstellung, dass der Feind meines Feindes ein Freund sein muss, hat Konkret in der Vergangenheit stets zuverlässig kritisiert. Nur wenn es um Russland geht, will man partout nicht von der fixen Idee lassen, es handele sich irgendwie immer noch um einen Hort des Widerstands. Wie verquer diese Vorstellung ist, macht ein Satz der Redaktion unfreiwillig deutlich. In der Einleitung zum Wiederabdruck einer alten Kolumne Hermann L. Gremlizas, die den Kreml-Chef für seine Besonnenheit in Sachen Krieg und Frieden lobt, heißt es: „Der Westen sieht in diesem von Russland begonnenen Krieg die erhoffte Chance, jenes Regime loszuwerden, das sich bis heute weigert, ihm seine Märkte und seine Ressourcen zur freien Verfügung zu überlassen.“ Selbstverständlich überlassen die russischen Kapitalisten ihre Ressourcen niemandem ohne Gegenleistung; das tut kein Land der Welt, nicht einmal Tuvalu. Selbstverständlich wiederum stellt der russische Staat, wie alle anderen auch, seine Märkte dem globalen Kapital zur Verfügung; wäre es anders, bräuchte man sich schließlich über die Sanktionen nicht so aufzuregen. Mit Kritik der politischen Ökonomie hat das wenig zu tun, mit Anlehnungsbedürfnis dafür umso mehr.

Bezeichnend ist, was alles ausgeblendet werden muss, damit die Linie stimmt. Über die Verfasstheit der russischen Gesellschaft, ihre Herrschaftsverhältnisse und inneren Widersprüche als mögliche Ursachen der Aggressionspolitik findet sich kaum etwas im Heft, ebenso wenig über die ideologische und materielle Zuarbeit der Machthaber im Kreml für die rassistische und faschistische Rechte weltweit, von Orbán und Le Pen bis Trump und Modi.

Auch die Zurückweisung jeder Relativierung und Instrumentalisierung der Shoah war einmal das Markenzeichen von Konkret. Als aber Putin die Invasion damit begründete, die Ukraine, die von einem jüdischen, russischsprachigen Präsidenten regiert wird, „entnazifizieren“ zu wollen, war dies der Zeitschrift zunächst keine Silbe wert – bis zur Juni-Ausgabe, in der ausgerechnet Rolf Surmann diese Verhöhnung der Opfer als „Zuspitzung“ verteidigte. Und während man unverdrossen die Osteuropapläne des deutschen Kapitals geißelt, kommen die Bewohnerinnen und Bewohner der Region höchstens einmal als Nazis oder als Marionetten des Westens vor, nie aber als Menschen mit eigenen, wie widersprüchlich auch immer konstituierten Interessen – zu denen es nicht zuletzt gehört, womöglich nicht unbedingt unter russischer Besatzungsherrschaft leben zu wollen.

Die Gegnerschaft zu Volk und Vaterland, für die Konkret einmal stand, reduziert sich inzwischen auf bloße Diskursanalyse. Mit Argusaugen wird beobachtet, wer was in welcher Talkshow verzapft hat, und darüber erspart man sich jede Analyse der tatsächlichen Regierungspolitik. Andernfalls müsste man sich fragen, wie es eigentlich ins Schema passt, dass die Bundesrepublik bei den westlichen Verbündeten seit Langem als der treueste Fürsprecher Putins bekannt ist; dass die deutsche Regierung ihr Veto zum Nato-Beitritt der Ukraine noch im Februar dieses Jahres öffentlichkeitswirksam wiederholte; und dass, wie hinlänglich bekannt sein dürfte, Regierungspolitiker in den Tagen nach dem russischen Überfall inständig darauf hofften, ein schneller Sieg der Invasionstruppen würde Forderungen nach einschneidenden Sanktionen gegenstandslos machen. Alice Schwarzer und Verbündete gingen nicht zu Unrecht davon aus, dass ihr „Offener Brief an Kanzler Olaf Scholz“ ganz auf Regierungslinie liegt.

Bei Konkret hingegen muss man sich, wenn man das Gleiche will, unbedingt als Staatsfeind inszenieren. Als solcher aber verfügt man über jenes unverbesserlich gute Gewissen, das Täterkinder und -enkel dazu ermächtigt, den Bewohnerinnen und Bewohnern eines Landstrichs, in dem die Wehrmacht gewütet hat wie kaum irgendwo sonst, Lehren über die „berechtigten russischen Sicherheitsinteressen“ zu erteilen – oder sie gar, wie Kay Sokolowsky es fertigbrachte, aufzufordern, sie möchten doch bitteschön den staatlich approbierten Schlächtern „gewaltfrei begegnen“.

Wer „gegen den Westen“ zum einzigen Entscheidungskriterium macht, kann sich jede Unverschämtheit herausnehmen und jede Barbarei zum Widerstandsakt verklären. Aus einem Organ der Kritik wird dann eine monatliche Junge Welt. Für die schreiben wir aus guten Gründen nicht. Für die Kopie dann halt auch nicht.

Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner:

Ramona Ambs
Johannes Creutzer
Alex Feuerherdt
Leo Fischer
Marit Hofmann
Martin Jürgens
Olaf Kistenmacher
Mira Landwehr
Fabian Lichter
Kim Posster
Lars Quadfasel
Frank Apunkt Schneider
Paul Simon
Johannes Spohr
Harald Nicolas Stazol
Tom Uhlig
Elke Wittich

Nach der Veröffentlichung schlossen sich weitere Autorinnen und Autoren der Erklärung an:

Sven Jachmann
Harald Justin
Veronika Kracher
Koschka Linkerhand
Petra Moser
Kuku Schrapnell
Merle Stöver
Jan Süselbeck
Jan Tölva
Svenna Triebler
Stefan Weigand
Christopher Wimmer

Haben ebenfalls die Mitarbeit bei Konkret eingestellt:

Lothar Galow-Bergemann
JustIn Monday

In der (verlängerten) Liste stehen immerhin drei Namen, die zuvor der Redaktion bzw. der Verlagsleitung angehörten. Von den Unterzeichnern ist – bis auf einen – keiner am Juli-Heft beteiligt.
Daß der Ukraine-Krieg in linken Kreisen, Organisationen, Redaktionen für Irritation und Orientierungssuche gesorgt hat, ist weder verwunderlich noch ausgeblieben. Es ist aber sicherlich nicht zu viel verlangt, daß Autorinnen und Autoren von Konkret die anderen ertragen. Aber dieser Hang zum Abgrenzen/Ausgrenzen/Ausschließen steigert sich. Das ist nicht mehr als Methode, sondern als Verhaltensmuster erkennbar, als ein Zeichen von Schwäche.
Daß einem der Stoßsäufzer auf den Lippen liegt „Du mußt heute ganz stark sein: Die neue Konkret ist gekommen“ – das ist doch nicht so neu. Da hat es schon ganz andere Klöpse gegeben.
Ist Konkret in akuter Gefahr? Mehr als der Verlust der Autoren fällt der Verlust der Inserate ins Gewicht. Im Juli-Heft sind – abgesehen von Eigenwerbung und Goodwill-Anzeigen – noch nicht einmal mehr drei Seiten mit Anzeigenraum belegt.

P.S.: auf https://www.konkret-magazin.de/ ist eine (auch nicht unheftige) „Richtigstellung“ zu lesen.

Cover von Konkret Juli 2022. Konkret ist & bleibt in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich.

We are … (52) but not always on Wire

„We are everywhere …“ aber nicht immer auf Draht.
Der Begriff „Bonze“ stammt aus der chinesischen Gesellschafts-Hierarchie und bezeichnet bessergestellte, gut genährte Personen, privilegiert, aber nicht ganz oben.
„Bonze“ wurde in der Zeit vor 1933 in rechten Kreisen als Schimpfwort benutzt – gegen Gewerkschaftsfunktionäre und gegen Sozialdemokraten in öffentlichen Funktionen und in Parteiämtern. Unterstellt wurde, die „Sozis“ würden in Saus und Braus leben auf Kosten derer, deren Interessen sie angeblich vertreten.
„Bonze“ ist vorrangig ein Kampfbegriff rechter Sozialdemagogie, auch wenn er unvorsichtigerweise in linken Kreisen da und dort verwendet wird – wir auch hier.
Das Cliché, daß viel Geld und Wohlstand zum Verräter macht und aller Segen nur „von unten“ und „von unten“ nur Segen kommt, ist eben: ein Cliché!
Es ist ein Unterschied zwischen Klassenbewußtsein und Sozialneid.
Nota bene: Geneidet wird nicht das, was andere (wirklich oder angeblich) haben, sondern was man anderen nicht gönnt.

Buch-Empfehlung: „Bauern, Bonzen und Bomben“ von Hans Fallada – berichtet vielschichtig und genau vom Aufstieg der Rechten Ende der 20er Jahre und vom Versagen der Sozialdemokratie.

11. September: Der Terror & die Leute

— Diese Gelegenheit mußte genutzt werden: Wenn da Krieg ist, wollen wir mitsiegen. — Zehn Jahre zuvor waren die Religionskrieger der EU noch willkommen als „Freiheitskämpfer“, und die „Apartheid der Geschlechter“ hieß damals ganz apart: „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ — Wenn deutsche Anti-Deutsche zu Bellizisten werden, dann wollen sie auch gleich den totalen Krieg. Dumme Jungen sind das, die nicht wissen, was Krieg ist. — Der Feind meines Feindes ist mein Feind, wenn er Antisemit ist.

Bericht zum Attentat in New York am 11. September 2001, geschrieben im November 2001, erschienen in DER METZGER Nr. 63 (2001) leicht gekürzt.

Die Katastrophe, mit der nach Ansicht mancher Leute das soeben begonnene Jahrtausend auch schon gelaufen ist, wurde mir schonend beigebracht. Ich kam kurz vor 8 nach Hause (kein Mensch auf der Straße hatte sich irgendwie anders verhalten als sonst), schaltete den Fernsehkasten ein, um zu sehen, was es gibt, und sah den Wickert zu ungewohnter Zeit. Im Hintergrund ein Hochhaus mit Qualm und eine Schlagzeile „Terror in New York“. Terror in New York? Dafür eine Sondersendung? Um 8 Uhr auch kein Gong, Wickert redete weiter. Und nach und nach erfuhr ich: In einem Wolkenkratzer gab es eine Explosion. Der Wolkenkratzer war einer der beiden Türme des World Trade Center. Ein Flugzeug ist hineingeflogen. Es war ein entführtes Flugzeug mit Passagieren darin. In den anderen Turm ist auch ein Flugzeug hineingeflogen. Eingestürzt sind die Türme dann auch noch. Zwischendurch erfuhr ich noch, daá auch auf das Pentagon in Washington ein Flugzeug gestürzt ist und ein viertes, ebenfalls entführtes mit Passagieren, irgendwo abgestürzt war, bevor es auf ein Ziel gelenkt werden konnte.
Auf allen TV-Kanälen Sondersendungen, bestehend aus der unentwegten Wiederholung des Bildes von einem Flugzeug, das in einen Wolkenkratzer gleitet, und zwischendurch kamen Leute zu Wort, die schon mal auf der Landkarte mit dem Finger auf New York getippt hatten, also Experten waren. Nicht nur wie man mit zehn Sekunden Bildmaterial und Korrespondenten, die nix genaues auch nicht wissen, zehn Stunden Sondersendung ausfüllt, hat mich erstaunt. Der zuständige Geheimdienst war nicht in der Lage, ein Ereignis vorherzusagen, das über lange Zeit an vielen Orten von vielen Leuten vorbereitet wurde, konnte aber schon nach zehn Minuten genau mitteilen, wer die Hintermänner des Attentats waren. Noch erstaunlicher ist, daß keine Organisation sich zu diesem Attentat bekannte und dazu eine Erklärung abgab.

Wogegen die Rote Armee kämpfte
Die Regierung der USA hat sich viel vorgenommen. Als ginge es jetzt ums Ganze, holt sie zum entscheidenden Schlag aus gegen die Mächte des Bösen, die in Osama bin Laden verkörpert sind, und sie verlangt von aller Welt Ergebenheit. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, der wird – so US-Präsident Bush – als Feind angesehen. Die rotgrüne Bundesregierung meldet sich zur Stelle. Als würde sie einem Hilfeersuchen der USA entsprechen, schickt sie gegen alle Gewissenspein 3.900 Soldaten. Dabei mußte sie das Kanonenfutter geradezu aufdrängen: „Bitte bitte nehmt sie doch!“ Die Koalition brach daran beinahe auseinander. Aber diese Gelegenheit mußte genutzt werden: Wenn da Krieg ist, wollen wir mitsiegen.
Der Kreuzzug gegen das Böse sei natürlich nicht ein Kampf der Kulturen, wird betont. Aber was soll es denn sonst sein, wenn der Präsident der USA in seinem Manichäertum wie das christlich-abendländische Spiegelbild der islamisch-morgenländischen Schreckensvision erscheint? Wieviel die Beteuerung wert ist, ist daran zu messen, um wieviel es Menschen mit morgenländischem Appeal leichter oder schwerer gemacht wird, eine Wohnung zu finden. Weiterlesen

… just a four letter word


Manche Slogans kaschieren ihre Fragwürdigkeit dadurch, daß sie fremdsprachlich formuliert sind. Sagen Sie das, was Sie da lesen, mal auf deutsch.
Das Coitieren (deutsch: Zusammenkommen) gilt doch als Ziel, als Höhepunkt liebenden Verlangens (verlangenden Liebens) (dachte man früher, denken viele noch heute). Aber „man spricht nicht drüber“, und wenn doch …
Wenn Puritaner fluchen!
In Slogans wie diesem wird für deren Objekte (the army, capitalism, in diesem Fall: die Polieze) keine Sympathie ausgedrückt, eher tiefste Verachtung. So wird der als Liebes-Akt umschriebene Vorgang zum Gewaltakt, zur Unterwerfung. Darum sollte diese Metaphorik aus progressivem – gar noch emanzipatorischen Kontext getilgt werden.
Darum erzähle ich den Leuten jetzt einfach: Da steht „PUCK THE POLICE“, deutsch: man soll die Polieze pucken. Denken Sie doch, was Sie wollen.

Die Tauben ringsum richten sich nach ganz anderen Prioritäten.

Der Weg nach oben

Die Älteren unter uns werden sich (nicht mit Vergnügen) daran erinnern, wie Angehörige einer sozialen Schicht (juvenil, aufstrebend, eloquent, flexibel, schnellschaltend/ahnungslos) in die Friedensbewegung hineinstürmten, ohne Ahnung von Tuten & Blasen und alles besser wußten: Motto: Wir erklären euch mal, was ein richtiger Pazifismus ist (natürlich blocküberwindend).
Zuvor schon hatten (so ziemlich) dieselben sich die Arbeiterbewegung vorgenommen, wo sie als schnöselige Schnellkurs-Revolutionäre uns besserwisserisch erklärten, was ein richtiger Kommunismus ist. Dafür betrieben sie ihre nationalen K-Gruppen. Die besonders schlauen, besonders eloquent-flexiblen von ihnen sitzen jetzt auf liberal-konservativen Redaktionsposten und erklären, was ein richtiger Antikommunismus ist.
Die Deutschlinke veranstaltet seit langer Zeit schon die kollektive Rückkehr der verloreren Söhne, die aber nicht reumütig heimkehren, sondern in großspuriger Attitüde den Laden übernehmen.
Die besonders schlauen, besonders eloquent-flexiblen von ihnen sitzen jetzt auf ministrablen Warteständen und können uns mit Schall und Schaum erklären, was eine richtige Verteidigungspolitik ist.

Gegenvorschlag: Weniger grün wählen, mehr UZ lesen.
Letzteres ist zwar auch nicht der höchsten Weisheit allerletzter Schluß, aber immer noch besser als nix.

Der Weg nach oben


Ja, man hat‘s nicht einfach in der Politik.
Eine besondere Schwierigkeit ist ja, Politik zu VERMITTELN.
Da muß man geübt sein in der Kunst der Euphemisierung.

Der Krieg wird zum „Auslandseinsatz“.
Man „übernimmt Verantwortung“.
Und den AUFRECHTEN GANG darf man nicht gehen, denn das wäre „wegducken“.

Wieder mal ein Schulbeispiel dafür, daß der „Weg nach oben“ ein Niedergang ist.

Plastic People

Das war abzusehen, da hätte man Gift drauf nehmen können, darauf hätte man wetten können. Die „Wohlfühl-Empörer“, die „besorgten Bürger“, die wachsamen Nachbarn, die Aufpasser, die Emanzen und die ihnen hörigen Musterknaben, die Amokläufer der Moral, die Heuchler sind immer bereit, Entrüstung abzuliefern – und von ihren Mitmenschen Mit-Entrüstung einzufordern. Beim Verteufeln des Eros müssen und wollen sie alle (und sollen wir) nicht abseits stehen.
Denen werde ich nicht den kleinen Finger reichen. Tun Sie es auch nicht.

Die Reklame der Netto-Supermarktkette ist von einer geradezu rührenden Harmlosigkeit. Die könnte man, wenn es ein Film wäre, doch ab 6 Jahre freigeben. Aber alles, was irgendwie an Sex erinnert, führt zu reflexhaften Abwehr-Reaktionen. Alles, was irgendwie an Sex erinnert, ist „sexistisch“. Unterschiede werden nicht gemacht; jedes Maß für Verhältnismäßigkeit geht verloren.

Plastic People – oh Baby now you‘re such a Drag.

Ist es das mit Sahras Aufstands-Bewegung jetzt gewesen?

Die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ mit der populären Sahra Wagenknecht an der Spitze wird sicherlich noch lange bestehen bleiben, aber nicht mehr viel auf die Beine stellen. So recht populär ist sie eigentlich nur außerhalb ihrer Partei. Innerhalb ihres Wirkungsfeldes wurde ihre Kampagne eher beargwöhnt als unterstützt.
Hier wurde ja auch mild bespöttelt.
In der FR wurde gestern (noch nicht wissend, daß sie auch in der Partei ins zweite/dritte Glied zurücktritt) kommentiert, nach der mäßigen Resonanz ihrer Bewegung hätte sie ihre Anhängerschaft einfach fallenlassen (ihr Hinweis auf gesundheitliche Gründe wurde wohl nicht ernstgenommen). Es wurde auch – wie ich finde zurecht – eingeschätzt, diese Kampagne hätte an Linke UND Rechte appelliert und sei darum zum Scheitern verurteilt gewesen. In der Tat: Dem Rechts-Populismus einen Links-Populismus entgegensetzen zu wollen, muß – und sollte auch scheitern. Massenhafter Protest in der Konsum- und Leistungsgesellschaft ist stets zu einem großen Teil der Protest unzufriedener Egoisten.
Im Kommentar von Georg Fülberth in der gestrigen jungen Welt ein schöner Satz: „Man sah sich in der Vermutung bestätigt, in der Partei Die Linke hätten sich Leute zusammengefunden, die einander ohnehin noch nie leiden konnten und sich mit ihr einen Ort gesucht haben, wo sie das unter politischem Vorwand ausleben können.“
Er findet die Einschätzung zutreffend, man könne „Bewegungen nicht von oben nach unten gründen“.
Doch, kann man ruhig. Weil „unten“ seit je die passenden „Von-unten-Gründer“ bereit stehen.
Die waren unter dem Motto „Jetzt aber!“ schon bei Hansens Demokratischen Sozialisten dabei. Sie waren dabei, als die PDS sich in den Westen ausdehnte, und dann bei der WASG, und jetzt sind sie wieder dabei. Die fangen ständig an, schon seit Jahrzehnten.

Der Sahra Wagenknecht wünsche ich, daß es ihr gut geht. Gesundheit ist das Wichtigste, glauben Sie mir.

Ja oder nein?


Anfang der 70er Jahre wurde oft gerufen: „Raus aus den Unis – rein in die Betriebe!“
Einer hat gesagt: „Wenn Karl Marx in die Fabrik gegangen wäre statt ins British Museum, würde die Arbeiterklasse jetzt ganz schön dumm da stehen.“

War das richtig?
Ich habe dazu eine Meinung. Aber was sagen Sie? Ja oder nein?

Heute vor einer Woche

„Ein Mann, den wir nicht kennen.“
Glauben Sie.
Gucken Sie mal genauer hin.
„Wer trägt denn heute noch einen klassischen Trenchcoat?“, wird sich die WAZ-Fotografin gedacht haben, und fotografierte das.
Sie kennen doch bestimmt keinen zweiten, der in Duisburg im Trenchcoat (frei) herumläuft.

Mein Inerscheinungtreten bei der Auftaktkundgebung des Ostermarsches löste die erwarteten Emotionen aus: Freude (bei den einen), Verwunderung (bei den anderen), Ärger (bei einigen), gar keine (bei den meisten).
Die Verkniffenheit in den Gesichtern der Michnichtleidenkönner und Diebuchhandlungweltbühneniebetreter weckt Freundlichkeit in mir.

November 1918

Neu in der Weltbühne:
Klaus Gietinger: November 1918 – Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts
Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth
Edition Nautilus, März 2018. Broschur, 272 Seiten. 18,00 €.

Verlagstext:
Ein flammendes Plädoyer dafür, die verpasste soziale Revolution zwischen Kieler Matrosenaufständen und Weimarer Republik dem Vergessen zu entreißen!
100 Jahre nach dem November 1918 spricht man nur noch vom „Kriegsende“, vom „Zusammenbruch des Kaiserreichs“.
Dabei war die Novemberrevolution tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden Klassen. Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet – und sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und die Revolution – ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär, die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November 1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf. Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders verlaufen können.
„Klaus Gietinger gibt einen konzentrierten Überblick über die wesentlichen Etappen der revolutionären Nachkriegskrise, die zu Unrecht auf ihren Auftakt von Anfang November 1918 verkürzt wird.“ Karl Heinz Roth

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