„Rassendiagnose: Zigeuner“ – Begleitheft zur Ausstellung

Über die Ausstellung „Rassendiagnose: Zigeuner“ – Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung – vom Zentrum für Erinnerungskultur im Kultur- und Stadthistorischen Museum wurde hier berichtet. Durch die Corona-Krise mußte die Ausstellung verschoben werden, das Begleitprogramm mit Vorträgen mußte ausfallen. Die werden vielleicht im nächsten Jahr nachgeholt.
Das Begleitheft (32 Seiten im Großformat mit zahlreichen Abbildungen und mit einer Graphic Novel von Hildegard Lagrenne ist erhältlich.
Zwei Ausschnitte:

Das Begleitheft ist in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich. Preis: 5 Euro, im Versand: 6 Euro.

Ein schönes Wochenende

Am liebsten erlebe ich das ganze Wochenende in aller Ruhe an meinem Lieblings-Platz: an meinem Schreibtisch. Doch manchmal gibt es guten Grund, ein Wochenende auf andere Art und an anderem Ort zu verbringen.
Am letzten Wochenende war es so. Da war nämlich die LANDESDELEGIERTENKONFERENZ Nordrhein-Westfalen der DFG-VK. Und ich gehörte der Duisburger Delegation an.
Ich konnte zur Landeskonferenz auch noch zu Fuß hingehen, denn sie fand in der Jugendherberge im Sportpark Wedau statt.
Die Fotos entstanden während der Kaffeepause, die meisten also gerade nicht im Saale.

Bitte interessiert Euch dafür, was die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner im Bund, im Land und in Duisburg macht:

https://www.dfg-vk.de/startseite

https://nrw.dfg-vk.de/startseite

http://www.dfg-vk-duisburg.de/

Dieses Gebäude wurde nicht für nichts&wiedernichts errichtet, sondern es war Schauplatz der DFG-VK-Landeskonferenz 2020.

Letztes Wochenende: Eine Dämmo nach der andren

Eine halbe Stunde vorher wußte ich noch gar nicht, daß ich eine halbe Stunde später Demonstrant sein würde. Von der Demonstration gegen Rechts, anläßlich der Kommunalwahl in NRW, erfuhr ich im letzten Moment und dachte mir: Da geh ich auch hin. Wetter war gut, und der Ludgeri-Platz, wo alles anfing, ist sowieso ein schöner Platz (auch Schimanski und Thanner waren mal hier).
Die Demonstration ging durch Neudorf/Duissern und Wasserviertel zum König-Heinrich-Platz (Foto). Teilnehmer und Veranstalter überwiegend sehr jung. Sehr gute Organisation, sehr klares und gestrafftes Programm, und sehr gute Redebeiträge. Zu Wort kam zum Beispiel eine Sprecherin von Fridays for Future und drei Vertreter des entstehenden Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor. Da wurden Zusammenhänge deutlich formuliert: Soziokultur als praktische Abwehr gegen Rassenhaß und Frauenverachtung. Und: Wer sich gegen Klimazerstörung wehrt, muß sich auch gegen Rechts wehren. Das wurde nicht nur proklamiert, sondern erklärt.
Zum Schluß wurde auf die am Sonntag geplante Veranstaltung gegen die Pegida-Zusammenrottung am Duisburger Bahnhof aufmerksam gemacht.
Am Sonntag, am frühen Nachmittag ging es also richtig los. Duisburg-stellt-sich-quer und die Kulturinitiative DuisPunkt hatten auf dem Bahnhofsvorplatz zu zwei Kundgebungen aufgerufen, die aber EINE war.
Alte Liebe rostet nicht. DKP mußte mit aufs Bild.
Noch ‘ne Partei: DIE PARTEI mit dem am Sonntag meistgezeigten Plakat. Die haben ihre Schilder wie Flugblätter verteilt.
Bühne mit Schello und Schlachzeuch. Und Sahra über allem. (Die war ein paar Tage vorher wahlkämpfend hier in der Gegend gewesen).
Laut Zeitung kamen auf einen von den Pegida-Fritzen zehn von uns!
Musik einer von fern angereisten Band (ihren Namen habe ich nicht mitgekriegt).
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Das Buch als Wahnsinns-Tat

Oder: eine gewagte Tat – könnte man sagen.
In Zeiten kronabedingten Ausfallens von Lesungen – wo doch erfahrungsgemäß Gedichtbände am ehesten bei Lesungen an die Leserin und den Leser zu bringen sind.
Titel und Untertitel, die für eine lokal begrenzte Thematik gehalten werden können.
Und dann auch noch: lauter FARBFOTOS, wodurch die Herstellungskosten anstrengende Höhen erreichten.

DANN ABER: Die Hoffnung, daß der HELLSTE TEIL des Publikums die Schrägheiten zu schätzen weiß, die UNDERGROUND genannt werden.

Werner Muth: Alsumer Berg. Gedichte aus dem Duisburger Norden und Bilder von Jean Paul Gatz. Situationspresse 2020, 66 Seiten Pb. mit zahlreichen farbigen Abbildungen. 14 €, gedruckt von Maro.
ISBN 978-3-935673-48-8
Zu besorgen in allen Buchhandlungen.
Oder gleich in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand).

BEAT-POETRY. Und mit der Entdeckung des Ruhegebiets soll man nie aufhören.

Ein Bild aus der Serie Männer mit Bärte: Der Verleger (links) und der Autor (auch links).

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Wie ich den 24. Juli 2010 erlebte

Am 24. Juli 2010 sollte in Duisburg die LOVE PARADE stattfinden. Die Bemühungen, diese Massenparty nach Duisburg zu holen, waren groß. Nach Bauskandalen, Mafiamorden und anderen Vorkommnissen sollte diese Veranstaltung das Image der Stadt verbessern. Es kam anders.

Ich hatte an diesem Tag einen Termin in Rheinhausen (andere Rheinseite). Es war ein sehr schöner Sommertag. Ich war früh auf dem Weg, weil nicht auszuschließen war, daß es zu Verspätungen im Autobusverkehr kommen könnte. Den ganzen Sternbuschweg entlang und dann am Grunewald sah ich sehr viele junge Menschen auf dem Weg zum Festivalgelände. Das waren den Verkehr kaum behindernde, sich rücksichtsvoll verhaltende Fußgänger. Zugleich war ihnen die Vorfreude auf die große Party anzumerken.
Auch an meinem Ziel in Rheinhausen waren viele unterwegs zum Festival.
In Rheinhausen fand an dem Tag das Sommerfest der DKP von Duisburg statt mit Musik und Kabarett. WIR hatten eine gute Party. Ein Programmpunkt war traditionsgemäß meine Lesung. Die kam auch gut an.

Es sollte ein besonders schöner Tag sein, auch für uns, so wollte es scheinen. (Ganz rechts im Bild, abgewandt, der DKP-Vorsitzende Patrick Köbele). Hafenstaedter-Foto

Ich war mir nicht sicher, ob wir nicht von Lautsprechergeräuschen aus Richtung Güterbahnhof heimgesucht werden könnten. Wie weit Schallwellen getragen werden, hängt nicht allein von der Lautstärke, sondern vor allem von der Frequenz – und von der Windrichtung ab. Ein Blick auf die Landkarte zeigte Schneisen und Freiflächen, über die wummernde Bässe bis zu uns hätten durchdringen können. So kam es aber nicht. Stattdessen kam die Nachricht von einer Massenpanik und Todesopfern.

Die unwirtliche Landschaft auf dem stillgelegten Güterbahnhof als Festivalgelände auszusuchen mag an sich schon verwundern. Der Sternbuschweg, die lange Straße mit den vielen Nebenstraßen war im Gespräch gewesen, oder der Kalkweg mit den angrenzenden Stadion-Parkplätzen (Fläche etwa genauso groß wie der Güterbahnhof).

Als Ortskundiger, der auf dem Weg von Neudorf nach Hochfeld und zurück den Karl-Lehr-Tunnel unzählige Male durchquert hatte, hätte ich es nicht für möglich gehalten, daß dieser über 400 Meter lange Tunnel als Ein- und Ausgang, sogar noch als einziger, vorgesehen sein könnte. Ich dachte, das wäre vielleicht ein zusätzlicher Ausgang, oder Notausgang.

Am frühen Abend, es war noch hell, mache ich mich auf den Heimweg. Ich habe eine Mitfahrgelegenheit (Genossen aus Mülheim) und kann mich in Neudorf vor meiner Haustür absetzen lassen. Ich habe einen schweren Koffer bei mir.

Gesperrt! Keine Weiterfahrt in die Stadt hinein. Foto: Wikimedia-Commons

Man kommt aber nur bis zur Wanheimer Straße, weiter kommt man nicht in die Stadt hinein. Ich würde glatt von hier aus zu Fuß gehen, aber mit dem Gepäck geht das nicht.
Also: Umgehung, Autobahn.
An allen Autobahnkreuzen und Ausfahrten Staus. Völliger Stillstand. Schließlich können wir durch die Ausfahrt Wedau die Autobahn verlassen, aber weiter geht es für mich nur zu Fuß, mit Gepäck, die ganze Lotharstraße entlang. Die Straße ist für PKW gesperrt, nur Rettungsfahrzeuge und Polizeifahrzeuge passieren in Konvois die Straße. Auf den Gehwegen umherirrende Gruppen von Jugendlichen.

An einem Tag das Tor zur Hölle

Es müssen tausende sein, die orientierungslos durch die Neudorfer Straßen laufen. Einige fragen mich nach dem Weg zum Bahnhof. In den Hauptbahnhof, so werde ich in den Nachrichten erfahren, wird vorerst niemand hineingelassen, erst wieder, wenn die Abreisenden in ihren Zügen sitzen. Man will verhindern, daß durch Nachrückende die Menschen von den Bahnsteigen auf die Gleise gedrückt werden.
Um Mitternacht bin ich zu Hause.

Barbara-Tag

„Ja, haben Sie denn in diesem Jahr nicht Ihren Barbara-Tag zelebriert?“
Dochdoch.
Neben den öffentlichen Feiertage habe ich meine ganz persönlichen Feiertage. Einer davon ist der 1. Juni. Und dann ist da noch der Barbara-Tag. Das ist der 21. Juni, der „längste Tag“, das heißt der Tag mit der am längsten anhaltenden Tageshelligkeit. Da brauche ich mich nicht zu beeilen, um noch m Hellen nach Hause zu kommen; es ist also auch der Tag mit der meisten Zeit.
Fällt der 21. Juni auf einen Sonntag, wie in diesem Jahr, verschiebt sich der Barbara-Tag auf den 22. Dann ist es immer noch hell genug.
Der Tag heißt nach einem See und nach einer Frau. Barbara-See und Barbara W. Ich berichtete bereits darüber. Das können Sie sich ruhig nochmal durchlesen. Da ging es ja auch um die sichtbaren Denkmäler der Industrialisierung und des damit zusammenhängenden Zweiten Weltkriegs (Flak-Anlage).

Der Barbara-See in einer menschenleeren Landschaft des Ruhrgebiets. An dieser Stelle trifft man kaum mal einen Menschen, nur ab und zu mal einen Jocker (Schogger?). Aber die sind ja auch schnell wieder weg.

Ein Stück Mauer an einem in der Tat gefährlichen steilen Abhang. Der ganze Weg liegt an diesem Abhang. Warum die Mauer nur an diesem Stück.
Das kann nur ein Denkmal des Antifaschistischen Schutzwalls durch Berlin sein. Ist doch klar, oder?

Kann mir jemand sagen, was das für eine Pflanze ist, krautig mit stabilem harten Stengel, wächst zusammen mit wildem Gras. Wirksam. Wie heißen die?

Künstlicher Fels auf dem künstlichen Berg: Hochofenschlacke von Krupp Rheinhausen aus der Kaiserzeit. Daher der Name Schlackeberg.

Noch mehr Mauer! Noch antifaschistischer.

Dahinrostend wird das Geländer zum Gelände.

Landschaft, wie sie mir gefällt.

Nicht weit weg: Der Regatta-See. Lauter rote Punkte über und gelbe Punkte auf dem Wasser. Da steht wohl ein Wettbewerb bevor.

Well if you want it, you can lean on me …

Wenn schon denn schon! Kaufen Sie, lesen Sie dieses Buch!
Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie Ihrer Freundin zum Barbara-Tag schenken sollen: Hier: ISBN 978-3-945634-17-2. Dann freut sich der Kalus.

Du und Wir. Und Ihr

75. Jahrestag der Befreiung von Hitlerfaschismus und Ende des 2. Weltkriegs
Pressemitteilung von DU+Wir
Duisburg, 30. April 2020
Wir in Duisburg haben am 8. Mai 2020 mehr als einen Grund, der Stunde Null im Jahre 1945 zu gedenken, als unsere Stadt in Trümmern lag, aber die Nazi-Diktatur endlich besiegt war. Da war Hoffnung auf Frieden, auf Brot, Arbeit und Demokratie. Heute nach 75 Jahren leben wir in einer bunten pulsierenden Stadt voller Vielfalt, mit Menschen aus zahlreichen Ländern und Kulturen, friedlich und engagiert.
Dieses Zusammenleben ist bedroht: rechtsradikale Ideologen in den Parlamenten und ihre Splitter und Trupps bis hinunter in die Stadtteile wollen mit ihrem Weltbild einen Staat vorbereiten, wie er schon einmal mit Völker- und Rassenhass die Welt in Brand gesetzt hat. Die Morde und Übergriffe der letzten Monate sind Warnung und Mahnung, jetzt die Rechte und Freiheiten für alle Menschen in unserem Land entschieden zu verteidigen. Lebenswerte und demokratische Verhältnisse in unserer Stadt sind die überzeugendsten Gegenmittel gegen das Gift der Nazis.
Mit fast 80 Organisationen, Verbänden und Gruppen wollten wir, die Initiative DU +Wir , eine große Kultur Demonstration am 8. Mai 2020 in der Innenstadt ermöglichen. Es sollte eine Manifestation für das friedliche Zusammenleben und ein Zeichen gegen rechte Hetze und Fremdenfeindlichkeit sein, für ein solidarisches Miteinander.
Das Corona-Virus bremst uns nun leider auch aus. Diese pandemiebedingte Absage sollte uns jedoch ermutigen, in Zukunft unser so richtiges Anliegen wieder aufzugreifen, wenn es wieder möglich ist.
Ein Ende des Corona-Tunnels ist derzeit noch nicht in Sicht. Zu gegebenem Zeitpunkt, wenn öffentliche Beratung und Versammlungen wieder möglich sein werden, lädt DU+Wir die Stadtgesellschaft ein, einen neuen Anlauf für eine Feier des Tags der Befreiung von faschistischer Nazi-Diktatur zu machen. Vielleicht 75+1 am 8.Mai 2021? Wir werden uns für die change.org-Kampagne einsetzen, den 8.Mai zum gesetzlichen Feiertag zu machen und wenn möglich dies im Jahr 2021 realisieren.

www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Bis dahin und auch bei den Kommunalwahlen im September gibt es immer wieder Gelegenheit, deutlich zum Ausdruck zu bringen:
Unsere Stadt steht einig zusammen gegen Rechts, gegen neuen Faschismus und gegen Rassismus. Duisburg zeigt ein Herz für Menschen in Not und Bedrängnis, bleibt weltoffen, vielfältig bunt und der Demokratie verpflichtet.

Christa Broecher, Detlef Feldmann, Joachim Glund, Doris Michel, Eckart Pressler, Christine und Dieter Zentek, Edith Zischke

Karfreitag ist ein schöner Freitag (Bildbericht)

Karfreitag ist für gläubige Menschen vielleicht ein trauriger Tag. Darum als „stiller Feiertag“ sogar gesetzlich geschützt.
Für mich Ungläubigen ist die Stille nicht traurig.
Früher, viele Jahre lang, waren wir den ganzen Karfreitag, bis in die späten Abendstunden mit den Vorbereitungen unserer Ostermarsch-Aktion beschäftigt, den Antimilitaristischen Buchbasar der DFG-VK. Auch darüber freute ich mich. Ich bin immer mit Freude bei der Arbeit.
Diesmal konnte ich – mit ebensoviel Freude – an der Stille teilhaben, die sich an diesem Tag ausbreitet / ausbreiten sollte.
Der Karfreitag in diesem Jahr in der Stadt: kaum ein Auto auf den Straßen, kaum ein Mensch zu sehen. Menschenleere Stadt, so schien es.

Doch: Autos auf den Straßen, aber geparkt.
Der Weg führte mich die Koloniestraße entlang. Die wurde aber wohl nicht nach dem Kolonialreich so genannt, sondern nach der Veteranensiedlung („Kolonie“) im 18. Jahrhundert.
Das hohe Gebäude rechts ist oder war mal ein Hotel, beherbergte zwischenzeitlich aber Abteilungen der Uni-Verwaltung, z.B. den zuständigen Sachbearbeiter für die Erteilung einer Sondernutzungsgenehmigung zum Aufstellen von Büchertischen. So wollten die die wilden Verkaufsstände hinausdrängen, aber ich hab gesagt. Guuut, dann gründen wir eben einen Studentenverband und lassen den beim Amtsgericht ins Vereinsregister eintragen. Den Situationistischen Studentenbund gibt es immer noch (klicken Sie ins Blaue, da erfahren sie alles).

Ford Schneider.
Willst du kaufen dir ‘nen Ford,
bleib von diesem Ort nicht fort.

Das ist auch ein Hotel.
Mal ehrlich, Kumpanen, wer von uns möchte da logie-hi-hi-hierten?
Einer gibt rot-schwarzes Fenster-Signal.
Lidl hatte ich noch nie.

Koloniestraße genug (ist sowieso bald zu Ende).
Gelegenheit, in die Kommandantenstraße abzubiegen, empfangen von gelben Baugeräten.
Öffnungszeiten auf einem Wegweiser! Öffnungszeiten als Richtung.
Wenn schon Koloniestraße, dann auch Kommandantenstraße.
Magda hat in einer ihrer Geschichten eine Straße „Kapazitätenstraße“ genannt.

Sogar auf einer Straße, die Kommandantenstraße heißt, geht sowas. Warum sollte das nicht gehen?

Silvia 20 bis 27

Wenn von der Hitzestraße in Duisburg-Wanheimerort (von der Rheintörchenstraße – im Bild-Hintergrund – bis zur Fortstraße – im Rücken des Betrachters –) die Rede ist, hat das nichts mit hohen Temperaturen zu tun (was in der Hauptstadt der Metall-Verhüttung ja durchaus für möglich gehalten werden kann). Die Straße ist benannt nach Franz Hitze (1851-1921), Geistlicher und Politiker (Zentrumspartei). Überhaupt ist die ganze Gegend hier erzkatholisch („Bernhardsheim“, benannt nach Kaplan Bernhard Sievert). Die Häuser wurden 1920 bis 1922 von einer katholischen Siedlergenossenschaft errichtet. Andere Straßennamen hier: Windhorststraße, Pollmannstraße, von-Spee-Straße, Mallinchrodtstraße.
Die Hitzestraße ist auf einem Abschnitt von ca. 150 Meter rätselhafterweise eingezäunt uns stillgelegt worden (und ist seither mehr und mehr mit Moos bedeckt). Als Verkehrsfläche existiert auf diesem Abschnitt nur noch der Bürgersteig (links hinter der Hecke).
Links im Bild: Die Schule Hitzestraße, steht seit vielen Jahren leer und hat sich ihrem Verfall hingegeben. Die Stadt muß sparen, darum wird mit der Sanierung des Gebäuses erst begonnen, wenn kaum noch was zu retten ist.
Rechts im Bild der Sportplatz vom Duisburger Spielverein.

Ein Sportplatz in Zeiten seiner Verlassenheit (Silvesternachmittag 2018).

Oder bringt dieses Bild es besser zum Ausdruck?

Das macht sich auch nicht schlecht als „Zeichen der Zeit“.

Früher war der Platz vom Duisburger Spielverein („Spielvereinsplatz“) von der Straße durch eine mannshohe Mauer getrennt.
Ich hab mal gesehen (als Kind), wie viele Männer, die auf dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause fuhren („Schichtwechsel“), hier angehalten hatten und auf den Stangen ihrer Fahrräder stehend über die Mauer guckten. Denn auf dem Platz wurde Fußball gespielt. Das war nur Training. Der DSV spielte in der Oberliga West (vor Einführung der Bundesliga höchste Spielplasse), und zwar im Wedaustadion. Das Vereinsgelände war Trainingsanlage. Aber egal: Der Klang eines getretenen Lederballs hatte auf die Schichtarbeiter eine geradezu hypnotische Wirkung. Da mußten die einfach gucken!

Es wird immer behauptet, die Modell-Häuskes auf der elektrischen Eisenbahn seien realen Gebäuden maßstabsgerecht nachgebaut. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Diese Häuser wurden den Häuskes einer elektrischen Eisenbahn nachgebildet.
Gibt es überhaupt noch Modelleisenbahnen?

Windhorststraße Ecke Pollmannstraße. Ich erinnere mich. Ich war vielleicht 5 Jahre alt. Ein Junge, etwa 10 Jahre alt, einen Stapel leerer Pappkartons vor sich her tragend, stürmte aus der Tür. Er hatte es beim Hinabsteigen des Treppchens etwas zu eilig und flog auf die Fresse.

Die bizarren Winterzeichnungen der Vegetation überragen die Häuser auf der Forststraße. Den Neubau rechts im Bild im Hintergrund kann man sich ruhig wegdenken. Da war früher ein Sportplatz (DJK – natürlich – kathol‘sch).
An Garagen hatte man im Jahr der Erbauung (1921) noch nicht gedacht. An Gartenflächen für Gemüse für den Eigenbedarf denkt man heute nicht mehr. Aus den Fenstern in dem grauen Giebel habe ich als Kind oft rausgeschaut. Das Haus ist immer noch in verwandtschaftlichem Besitz. Es steckt auch voller Anekdoten (z.B. Gartenoffizier, S. 10).
Jetzt habe ich Ihnen eine sehr interessante Geschichte erzählt. Wenn Sie die nicht sehr interessant finden, dann stimmt was nicht mit Ihnen.

Silvia 13 bis 19

Den Silvester-Nachmittag 2018, also heute vor einem Jahr, verbrachte ich, wie Sie seit gestern wissen, spazierengehend und fotografierend in Wanheimerort.

Von der (eigentlichen) Wanheimer Straße knickt die „alte Wanheimer Straße“ ab.
In diesem Eckhaus war früher eine Kneipe, in deren Gesellschaftsraum wir uns manchmal trafen, um den Ostermarsch 1969 zu organisieren. Ich war damals nämlich im Ostermarsch-Ausschuß.

Da ist bestimmt schon lange keiner mehr rauf- beziehungsweise runtergeklettert.

Das Bild kennen Sie ja schon. Diese Straße gab es schon vor Jahrhunderten – natürlich nicht schon immer in der heutigen asphaltierten Gestalt. Das war schon immer eine Handelsstraße als Nord-Süd-Verbindung, parallel zur östlich verlaufenden Düsseldorfer Straße, die auch schon im Mittelalter Handelsweg war. Wußten Sie das?
Wer das weiß ist glücklicher als jemand der das nicht weiß.
In Duisburg haben einige Straßen abschnittsweise wechselnde Namen (finde ich Quatsch, da verwirrend). Von Norden kommend hätten Sie (ohne abzubiegen) die Heerstraße und die Wanheimer Straße hinter sich gebracht. Das auf diesem Bild sichtbare Stück heißt Kaiserswerther Straße, dann kommt noch Ehinger Straße.
Weitergehend, mich entfernend hörte ich, vom Rhein her, die Rufe einer Schar in den Süden ziehender Wildgänse. Zugvögel orientieren sich oft an den Flußläufen.
Öffnet die Augen und die Ohren! Beachtet die wilde Kreatur“

Ein Bild, geeignet für die Serie „Die schönsten europäischen Einfahrten“. Diese ist gleich in beide Richtungen als schöne Einfahrt nutzbar. Im Hintergrund sieht man die Straßenbahn vorbeirauschen.

Hier entlanggehend hatte ich die Idee zu einer Kurzgeschichte, die ich aber in dem Jahr seither noch nicht geschrieben habe. Mit dieser Geschichte (ob geschrieben oder ungeschrieben) paßt dieses Bild gar nicht zusammen. Sollte sie mal gedruckt werden, dann wird sie mit diesem Bild illustriert!

Eine Fassade, die von vergangenem Aufbruch kündet (ins Motoröl-Paradies).
Das Foto entstand an der Ecke Rheintörchenstraße / Hitzestraße.

Über die Hitzestraße erfahren Sie von mir am Neujahrstag mehr.

Silvia 1 bis 12

Als Orientierungshilfe galt immer: Die Rheintörchenstraße (in Duisburg-Wanheimerort von der Düsseldorfer Straße bis zur Wanheimer Straße) ist genau einen Kilometer lang.
Doch nein!
Um den Kilometer zu komplettieren, muß man auch noch das Stück („dat Stücksken“) bis zum Rhein gehen.
Das tat ich, und zwar am Silvester-Nachmittag 2018, also vor ziemlich genau einem Jahr.

Dieses Stück Straße in schöner Landschaft ist für keinen. Hier wohnt keiner, hier fährt keiner, hier geht keiner, hier arbeitet keiner.


Diesen Kessel (Rüttgers Chemie) kennen Sie ja schon, wenn sie aufmerksamer Dauerbenutzer sind.



Dort im Hintergrund fließet der Rhein. Der Betrachter ist vom Flusse abgehalten durch Mauer und Stacheldraht.
Ein Bild voller SIMM-bollick.
Die einst von Hermann L. Gremliza geäußerte These, daß große Zeiten für Deutschland stets schlechte Zeiten für die Welt waren und umgekehrt, wurde in Berlin veranschaulicht. Als Berlin geteilt war (durch Mauer & Stacheldraht), da war die Welt noch halbwegs in Ordnung.



Dies ist ein Ort, an dem der Kapitalismus nur noch Feierabend produziert.
Zum Wesen den Kapitalismus gehört aber auch, daß die frohe Botschaft (ewiger Feierabend) mit einem Schrecken verbunden ist.
Aber da könnte man doch was dran machen.
Mein Vorschlag: Amazon bezahlt jedem, der seinen Arbeitsplatz verliert, das Gehalt weiter, finanziert jedem Arbeitslosen seinen ewigen Urlaub.
Diese Sozialleistung wird allerdings für die gestrichen, die Bücher bei Amazon bestellen.

Pille! (zweifarbig).

Fortsetzung folgt

47: „Widerstand lohnt sich“. Aber eigentlich auch wiederum schade.

„47“ (siehe hier und hier) gibt auf Facebook bekannt:

Widerstand lohnt sich! Das Ordnungsamt hat die Versiegelung entfernt. Wir dürfen nun endlich wieder in unseren Laden…
Was das jetzt bedeutet und wie es dazu kam:
1. Wir haben Widerspruch gegen diese unverhältnismäßige Maßnahme eingelegt (könnt ihr unten lesen).
2. Wir haben uns geweigert die Sichtweise des Ordnungsamts zu akzeptieren und juristische Schritte angekündigt.
3. Wir haben folgende Zugeständnisse gemacht: – Wir haben uns bereit erklärt die letzten öffentlich angekündigten Veranstaltungen abzusagen (sind sie ja schon) – keinen Alkohol mehr auszugeben (müsst ihr mitbringen) – nicht explizit zu Getränkespenden aufzurufen (weswegen wir das hiermit implizit tun, weil wir das dürfen!)
4. Das Ordnungsamt beharrte weiterhin darauf, dass wir die Räumlichkeiten “nur für Renovierungszwecke nutzen” Wir haben dem nicht zugestimmt, weil es bullshit ist. Wir haben das Ordnungsamt zur sofortigen Entfernung der Siegel aufgefordert und siehe da – die Siegel wurden entfernt.
Wir haben Räumlichkeiten in denen wir unsere Vereinsarbeit ab jetzt wieder durchführen können, nachdem das Ordnungsamt vor einer Woche den Spieleabend aufgelöst hat.
Und jetzt? Jetzt spielen wir wieder ein Spiel. Es heißt “Greyzone Duisburg”
– wir laden euch ein, uns am morgigen Samstag 21.12. ab 19 Uhr bei ersten Aufräumarbeiten zu helfen (es ist Samstag, da ist unsere Arbeitsmoral eher niedrig… Kronkorken wegräumen ist aber Arbeitsanweisung)
– Wir werden kein Bier da haben, aber unser Kühlschrank steht mitten im Raum, also wenn ihr eure mitgebrachten Getränke kühlen wollt, dürft ihr das selbstverständlich tun.
– Sollte das Ordnungsamt vorbeikommen, müssen wir alle gucken, dass wir auch tüchtig arbeiten und nicht schon wieder Pause machen. (vielleicht einen Lappen nehmen und in Kreisbewegungen über die Wand wischen – ihr seid sicher kreativ – vielleicht wird ein lustiger Film draus)
– Da uns ja weiterhin potenziell Bußgeld droht und wir den Auszug nun bis 31.12. nicht mehr schaffen, kommen einige Kosten auf uns zu. Und da ihr ja die Getränke mitnehmt, würden wir uns freuen, wenn ihr uns einfach so, weil ihr uns mögt, eine kleine bis mittlere Spende unbeobachtet in die Unterhose steckt.
– Das Ordnungsamt wird diesen Text bestimmt lesen und vielleicht vorbeikommen, weil es so seine Art ist soziokulturelle Ereignisse staatlich zu überwachen – verhaltet euch ruhig und kooperativ – wir halten uns ja an die Regeln der Greyzone.
Wir lassen uns nicht einschüchtern.
Wir nehmen uns das Recht auf Stadt!

– – – – –

Hier unser erfolgreicher Widerspruch beim Ordnungsamt:

“Wir, der „47 e.V.“, legen Widerspruch ein gegen die Versiegelung der Ladentüren und die Verweigerung des Zutritts zu den gemieteten Räumlichkeiten. Uns wird nun seit 7 Tagen der Zutritt zu unseren Räumlichkeiten verwehrt, während das Licht ununterbrochen brennt und der Mülleimer vor sich hin stinkt. Wir wollen unsere gemeinnützige Arbeit fortsetzen und das Ladenlokal am 31.12. rechtzeitig leergeräumt und besenrein an unseren Vermieter übergeben. Dies vertragsgemäß zu bewerkstelligen ist uns schon jetzt durch die unverhältnismäßige Behinderung unserer Ausräumarbeiten auf Basis von ehrenamtlichem Engagement so kurz vor Weihnachten nicht mehr möglich. Zudem gefährden die erzwungene Absage der geplanten Veranstaltungen und die drohenden zu zahlenden Mietkosten für eine nun unausweichliche verzögerte Übergabe die Existenz unseres gerade gegründeten Vereins finanziell. Wir fordern darüber hinaus eine schriftliche Mitteilung inklusive Begründung für diese Maßnahme. Bisher haben wir keinerlei Dokument erhalten. Wir verstehen das Handeln des Ordnungsamtes als Schikane der Stadt Duisburg gegen soziokulturelle Projekte in dieser Stadt, die uns unsere Arbeit immens erschwert und darüber hinaus einen schönen Abschluss unseres von vielen Seiten gelobten einjährigen Projektes komplett versaut hat. Erste Gespräche mit dem Ordnungsamt am Montag 16.12. führten zu keinem akzeptablen Ergebnis.

Wir danken letztlich Ordnungsdezernenten Paul Bischof persönlich für die Wertschätzung, die er unserem Projekt durch seine mehrfache Gesprächsbereitschaft mit im Nachgang entgegengebracht hat – das möchten wir ausdrücklich in Kontrast zur Beschwerde herausstellen. In einem Telefongespräch haben wir uns auf folgendes geeinigt:

Wir nehmen zur Kenntnis, dass der Ausschank alkoholischer Getränke in einem Gaststättengewerbe ohne Ausschanklizenz nicht gestattet ist. Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen werden wir die explizite Spendenempfehlung entfernen. Für die letzten Tage bis Weihnachten werden wir von der Ausgabe alkoholischer Getränke gegen Spende absehen. Das Ordnungsamt versichert im Gegenzug dafür, dass das Ladenlokal in der Münzstraße 47 noch heute, 19.12.19 durch die Entfernung der Siegel wieder zugänglich gemacht wird.

Die Klärung der Frage, ob wir als gemeinnütziger Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht eine solche Lizenz für das Aufstellen eines frei zugänglichen Kühlschranks zur Entnahme von Getränken gegen Spende nachweisen müssen, behalten wir uns vor auf juristischem Wege prüfen zu lassen. Warum dies eine Bedingung für die Entfernung der Siegel und die Wiedergewährung des Zutritts zum Ladenlokal für unsere tägliche Vereinsarbeit inklusive Aufräumarbeiten und interne Treffen relevant sein soll erschließt sich uns nicht. Wir fordern das Ordnungsamt der Stadt Duisburg dazu auf, unverzüglich die Siegel von den Türen unseres Ladenlokals zu entfernen und weitere Sachverhalte auf kooperativem und lösungsorientiertem Wege zu führen. Das gute Gespräch mit Herrn Bischof hat gezeigt, dass dies ein sinnvollerer Weg für beide Seiten ist. Sollte das Ladenlokal bis Freitag 20.12.2019 um 14 Uhr nicht von beiden Siegeln befreit sein, werden wir rechtliche Schritte gegen die Stadt Duisburg einlegen. “

Eigentlich schade.
Weil ich mir doch vorgenommen hatte, bei meinem traditionellen Spaziergang am zweiten Weihnachtstag einen Schlenker zur Mümzstraße zu machen und in einem Akt zivilen Ungehorsams das Amtssiegel der Stadt Duisburg abzureißen.

..

Das Foto zum Zwanzigsten

Aufgenommen am Silvesternachmittag 2018 um Viertel nach 4 an der Straßenbahnhaltestelle Rheintörchenstraße in Wanheimerort. Schöne hyperbolische Linien, nicht wahr?
Hoffnungsvolles Leben unter grauem Himmel.
Ich habe an diesem Nachmittag noch einige bizarr-ermutigende Bilder in diesem Stadtteil aufgenommen (die ich bei Gelegenhiet hier mal zeigen werde). Noch bis Viertel vor 5 reichte das Tageslicht dazu.
Am Tag der geringsten Tageshelligkeit ist es doch schon um halbfünf nachtdunkel. Und in gerade mal zehn Tagen ist uns schon so viel Sonne zurückgegeben worden. Grund zum Feiern!

47 zu. Dokumente

Ich gebe folgende Mitteilungen weiter:

1.
47
13. Dezember um 21:34 ·
Hallo Duisburg,
eigentlich wollten wir euch gestern mitteilen, dass unser Ladenprojekt zum 31.12. endet und warum…
(unsere eigentliche Abschiedsbotschaft lest ihr weiter unten…)
Dann kam uns das Ordnungsamt zuvor und hat gestern abend mit einem Dutzend Beamten den Spieleabend beendet, alle zum Verlassen des Lokals aufgefordert, die Tür versiegelt und uns untersagt, die Räumlichkeiten zu betreten. Warum das?
Die Argumentation des Ordnungsamts lautet: Wir hätten öffentliche Veranstaltungen (auf FB) angekündigt und daher seien wir verpflichtet für das Ladenprojekt eine Ausschanklizenz und eine Nutzungsgenehmigung nachzuweisen. Zudem das typische Duisburger Totschlagargument: Brandschutz!
Uns steht jetzt ein hohes dreistelliges Bußgeld ins Haus.
Dabei sind wir ein gemeinnütziger Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht, in deren Vereinsräumlichkeiten die Menschen sich auf Spendenbasis am offenen Kühlschrank mit Getränken versorgen können. Jede Person die möchte, darf im Laden Treffen abhalten und kleine Veranstaltungen organisieren. So hat das jetzt ein Jahr ohne Probleme geklappt und so funktioniert das auch in hunderten anderen gemeinnützigen Projekten in anderen Städten.
So versteht die Stadt Duisburg also die “Kultur des Ermöglichens”,

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