… just a four letter word


Manche Slogans kaschieren ihre Fragwürdigkeit dadurch, daß sie fremdsprachlich formuliert sind. Sagen Sie das, was Sie da lesen, mal auf deutsch.
Das Coitieren (deutsch: Zusammenkommen) gilt doch als Ziel, als Höhepunkt liebenden Verlangens (verlangenden Liebens) (dachte man früher, denken viele noch heute). Aber „man spricht nicht drüber“, und wenn doch …
Wenn Puritaner fluchen!
In Slogans wie diesem wird für deren Objekte (the army, capitalism, in diesem Fall: die Polieze) keine Sympathie ausgedrückt, eher tiefste Verachtung. So wird der als Liebes-Akt umschriebene Vorgang zum Gewaltakt, zur Unterwerfung. Darum sollte diese Metaphorik aus progressivem – gar noch emanzipatorischen Kontext getilgt werden.
Darum erzähle ich den Leuten jetzt einfach: Da steht „PUCK THE POLICE“, deutsch: man soll die Polieze pucken. Denken Sie doch, was Sie wollen.

Die Tauben ringsum richten sich nach ganz anderen Prioritäten.

Die (Un-)Fähigkeit zu trauern


Erinnerungsstätte an der Kirche Sankt Ludger in Neudorf, wo auch früher schon Zeichen gegeben wurden.
Weiße Rosen, ein Licht, eine Tafel.
Wer sich erinnern kann, kann begreifen, was er tut.

Ein „älteres Ehepaar“ ging hier vorbei, ich hörte sie unzufrieden grummeln. Unzufrieden nicht damit, daß hier Menschen abgeschlachtet wurden, nur weil sie anders waren als „alle“, sondern weil sie von Mitgefühl und Erinnerung verschont werden wollen. Die haben auch bestimmt „nicht gegen Ausländer“ – außer, daß es sie gibt.


Schnell noch fotografiert – und HIER unausgelöscht hingestellt, bevor treudumme Wegkratzer es wegkratzen.
Das Plakat rechts ist keine Werbung für die Bahn AG, sondern eine Denkaufgabe von Ende Gelände.

Endlich mal was Neues!

Richtig! Kommunalwahl steht ja bevor
Was ist das? Das soziale Gewissen von Ungelsheim? Nein!

Endlich mal eine Partei, die als sozial, gerecht und unabhängig in die Schlacht zieht!
Sozial ungerecht und abhängig wäre ja auch nichts.

Street Art – Pavement Version

Duisburg-Neudorf, Mülheimer Straße.
Ein Bild, das (mir) Rätsel aufgibt.
Der Bearbeiter des Gehwegs hat, so scheint es auf den ersten Blick, nur diese eine Gehwegplatte bearbeitet. Aber von den drei aufgetragenen Farben (weiß, orange, hellblau) sind Spuren auf den benachbarten Platten zu sehen.
Sie sehen: Ich bin Profi.
Ich frage nicht: Was will der Künstler damit sagen?
Sondern ich frage: Wie hat der Künstler das gemacht?

Barbara-Tag

„Ja, haben Sie denn in diesem Jahr nicht Ihren Barbara-Tag zelebriert?“
Dochdoch.
Neben den öffentlichen Feiertage habe ich meine ganz persönlichen Feiertage. Einer davon ist der 1. Juni. Und dann ist da noch der Barbara-Tag. Das ist der 21. Juni, der „längste Tag“, das heißt der Tag mit der am längsten anhaltenden Tageshelligkeit. Da brauche ich mich nicht zu beeilen, um noch m Hellen nach Hause zu kommen; es ist also auch der Tag mit der meisten Zeit.
Fällt der 21. Juni auf einen Sonntag, wie in diesem Jahr, verschiebt sich der Barbara-Tag auf den 22. Dann ist es immer noch hell genug.
Der Tag heißt nach einem See und nach einer Frau. Barbara-See und Barbara W. Ich berichtete bereits darüber. Das können Sie sich ruhig nochmal durchlesen. Da ging es ja auch um die sichtbaren Denkmäler der Industrialisierung und des damit zusammenhängenden Zweiten Weltkriegs (Flak-Anlage).

Der Barbara-See in einer menschenleeren Landschaft des Ruhrgebiets. An dieser Stelle trifft man kaum mal einen Menschen, nur ab und zu mal einen Jocker (Schogger?). Aber die sind ja auch schnell wieder weg.

Ein Stück Mauer an einem in der Tat gefährlichen steilen Abhang. Der ganze Weg liegt an diesem Abhang. Warum die Mauer nur an diesem Stück.
Das kann nur ein Denkmal des Antifaschistischen Schutzwalls durch Berlin sein. Ist doch klar, oder?

Kann mir jemand sagen, was das für eine Pflanze ist, krautig mit stabilem harten Stengel, wächst zusammen mit wildem Gras. Wirksam. Wie heißen die?

Künstlicher Fels auf dem künstlichen Berg: Hochofenschlacke von Krupp Rheinhausen aus der Kaiserzeit. Daher der Name Schlackeberg.

Noch mehr Mauer! Noch antifaschistischer.

Dahinrostend wird das Geländer zum Gelände.

Landschaft, wie sie mir gefällt.

Nicht weit weg: Der Regatta-See. Lauter rote Punkte über und gelbe Punkte auf dem Wasser. Da steht wohl ein Wettbewerb bevor.

Well if you want it, you can lean on me …

Wenn schon denn schon! Kaufen Sie, lesen Sie dieses Buch!
Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie Ihrer Freundin zum Barbara-Tag schenken sollen: Hier: ISBN 978-3-945634-17-2. Dann freut sich der Kalus.

Bewegungstag (23-28)

Wie meinen? Was meinen? Wen meinen?

Ein Gaststättenschild.
Aber keine Gaststätte weit und breit. Aber gut zu wissen, daß es, gäbe es sie, hier Diebels Alt geben würde.
Was dieses Signal „NAS“ bedeutet, hat mir immer noch keiner erklären können.

Üppiges Grün!
Und der asphaltierte Fußweg und die Kabel in der Höhe sagen: Heimat! Beziehungsweise Heimweg.

Hier war der Anfang (am 22. Mai). Jetzt in der umgekehrten Richtung.

„Unter Adolf hättet sowat nich gegeben.“ Bauhaus, Flachdach und Wildwuchs.

..

Bewegungstag (16-22)

Weiter im Wander-Report.
Der Wendepunkt ist erreicht. Auf Wegen am Wasser vorbei gehe ich gern. Hier: Regatta-See. Daß hier auch schon mal Europa- und Weltmeisterschaften stattfanden, braucht Sie nicht zu stören.

Dem Genie gelingen Fotos auch bei Gegenlicht.
Nicht nur dem Genie, sondern auch mir.

Hinter der langen Mauer an der Masurenallee zerfallen die Rudimente des legendären Eisenbahn-Ausbesserungswerks.
Aber sieht das nicht so aus, als würde die klassische Industrie den Fuck-you-Finger zum Himmel recken?

Wanderer, kommst du nach Wedau und erblickest dieses steinerne Monument, kannst du stehenbleiben oder gleich weitergehen.

Dach überm Kopf. Oder: Dach auf dem Kopf?
Viele der Bahn-Anlagen hinter der Mauer zerfallen oder wurden gleich abgerissen …

… aber diesen Teil haben sie stehenlassen.

Aber auch hier bricht das Unkraut hervor (Wasser-Rosen).
Das Unkraut ist dem Anarchist ein Trost. Auch das Unkraut des Wasserspiegels.

Wird fortgesetzt.

Bewegungstag (11-15)

Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig geschritten.
Bildreportage von einem traditionellen Tag (Fortsetzung).

Das also ist das Portal des Bahnhofs Duisburg-Wedau, DES (ich wiederhole mich gern) BIS ZU SEINER STILLLEGUNG GRÖSSTEN RANGIERBAHNHOFS DER WELT.
Was dieses Bild offenbart über den Untergang (des Industriezeitalters oder von was auch immer) überlasse ich den Reden von denen, die gern darüber reden, und begebe mich weiter fort:

Das ist nämlich die Trinkhalle (Ruhrdeutsch: Bude), wo mein Opa eine Rolle Pfefferminz kaufte. Der nahm mich auf seinen Fahrradtouren sonntags vormittags manchmal mit, und hier kaufte er an der Bude eine Rolle Pfefferminz.
Also doch nicht immer: Alles war nix is mehr.
Es gibt Orte, an denen Ereignisse erlebt wurden, die nicht gerade zu den Wendepunkten des Lebens gehören, die aber immer wieder im Traum erscheinen, wie diese Bude, wo mein Opa Pfefferminz kaufte (von der scharfen Sorte).

Denn hier betreten wir Bissingheim, einst als Eisenbahnersiedlung angelegt, wo der Menschheitstraum in Erfüllung ging, die Zeit anzuhalten. Getröstet blickt man auf die Oberleitungsmasten und den Wedauer Wasserturm, der stets mehr Symbolik enthielt als Wasser.
Mein Opa hatte in Bissingheim eine (jüngere) Schwester (und einen Schwager), mit denen wir sonst nie was zu tun hatten. Die hatten einen Sohn im Halbstarkenalter. Mein Opa meinte, man sollte über die Jugend von heute nicht immer so schlecht sprechen, und man sollte sie nicht „Halbstarke“ nennen. Kann sein, daß der Soldat im Ersten Weltkrieg, den die Kriegsgräuel zum Kirchenaustritt veranlaßten, sich in der aufstehenden Jugend wiedererkennte.

Abfahrt von der Wedauer Brücke. Eine Ampel (zeigt rot). Keine Kreuzung, kein Querverkehr, nix. Aber: rot.

Da halten auch Autos an. Weil: rot.
Keine Kreutung, kein Querverkehr, nix. Aber: ein Fußgängerübergang, falls mal just an dieser Stelle ein Fußgänger auf die Idee kommt, die Straßenseite wechseln zu wollen.

Wird fortgesetzt.

Bewegungstag (6-10)

Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig geschritten.
Bildreportage von einem traditionellen Tag (Fortsetzung).

Nicht alle wissen, daß die Lotharstraße da, wo sie meinen, daß das ihr Ende ist, in Wirklichkeit noch weiter geht, nämlich hier. Sozusagen die Lotharstraße für Insider.

Gut, wenn man rechtzeitig auf Hindernisse aufmerksam gemacht wird.

Die Stadt im Grünen. Früher hätte drunter gestanden: Regierungsbezirk Düsseldorf. (Weil man das bei der Einfahrt in die geschlossene Ortschaft wissen mußte). So ändern sich die politischen Verhältnisse.

Hinaus in die Berge! (Soll heißen: Der Horizont erhebt sich).

Melancholie im Mai (Erklärung folgt später oder nie).

Wird fortgesetzt.

Bewegungstag (1-5)

Vom ursprünglichen Plan, an dem Gesetzlichen Feiertag (gestern) mich an den Schreibtisch zurückzuziehen, habe ich mich auf die Tradition der Feiertagswanderungen besonnen und bin dem Befehl meiner Ärztin gefolgt, angesichts aktueller Laborwerte für mehr Bewegung zu sorgen.
Auf Wanderschaft geh‘ nie ohne Fotoapparat.

Was fällt Ihnen hierzu ein?
Alles Mögliche, bloß nicht Mozart.
Duiburg-Neudorf, Mozartstraße.

Natur korrigiert Landschaft. Dem Rost folgt bald der Wucher. Mauer ist in Ordnung.

Ähnliches gilt hier.

Ein Symbol!
Worfür?
Wird sich finden.

Denkmal zur Erinnerung an den Erfinder der Treppe.

Wird fortgesetzt.

Ende Efeu

ALSO:
Verwelkender Efeu im Frühling? Wie kann das sein?
Die Kletterpflanze am Hause Ecke Gneisenaustraße/Heinestraße wurde von ihrer Wurzel im Boden getrennt. Bestimmt mit Absicht.

Ich sprach gelegentlich mit dem Antiquariats-Kollegen Fäustel in Bonn. Der erwähnte, er wohne in einem über und über mit Efeu bewachsenen Hause.
Ich vermutete: „Da kommt doch bestimmt viel Ungeziefer ins Haus.
„Ja. Da krabbeln dauernd Spinnen und sowas herum.“
Ich antwortete: „Ich komm dich nie besuchen.“

Da dieses Haus an der Gneisenaustraße nicht mein Haus ist, kann doch der Efeu ruhig dranbleiben.

ERGO sowas!

Karfreitag ist ein schöner Freitag (Nachtrag)

Abschluß der Bildreportage


Haben Sie schon mal so eine blöde Werbung gesehen?
Wahrscheinlich wird etwas anderes als die Power gerentet.
Sprich: POWER (wie man‘s spricht), nicht PAUER.

Hier ist die Power gratis.

„Aber heute ist doch gar nicht Karfreitag. Heute ist doch der erste Mai.“
Sie merken aber auch alles.

Karfreitag ist ein schöner Freitag (Bildbericht)

Karfreitag ist für gläubige Menschen vielleicht ein trauriger Tag. Darum als „stiller Feiertag“ sogar gesetzlich geschützt.
Für mich Ungläubigen ist die Stille nicht traurig.
Früher, viele Jahre lang, waren wir den ganzen Karfreitag, bis in die späten Abendstunden mit den Vorbereitungen unserer Ostermarsch-Aktion beschäftigt, den Antimilitaristischen Buchbasar der DFG-VK. Auch darüber freute ich mich. Ich bin immer mit Freude bei der Arbeit.
Diesmal konnte ich – mit ebensoviel Freude – an der Stille teilhaben, die sich an diesem Tag ausbreitet / ausbreiten sollte.
Der Karfreitag in diesem Jahr in der Stadt: kaum ein Auto auf den Straßen, kaum ein Mensch zu sehen. Menschenleere Stadt, so schien es.

Doch: Autos auf den Straßen, aber geparkt.
Der Weg führte mich die Koloniestraße entlang. Die wurde aber wohl nicht nach dem Kolonialreich so genannt, sondern nach der Veteranensiedlung („Kolonie“) im 18. Jahrhundert.
Das hohe Gebäude rechts ist oder war mal ein Hotel, beherbergte zwischenzeitlich aber Abteilungen der Uni-Verwaltung, z.B. den zuständigen Sachbearbeiter für die Erteilung einer Sondernutzungsgenehmigung zum Aufstellen von Büchertischen. So wollten die die wilden Verkaufsstände hinausdrängen, aber ich hab gesagt. Guuut, dann gründen wir eben einen Studentenverband und lassen den beim Amtsgericht ins Vereinsregister eintragen. Den Situationistischen Studentenbund gibt es immer noch (klicken Sie ins Blaue, da erfahren sie alles).

Ford Schneider.
Willst du kaufen dir ‘nen Ford,
bleib von diesem Ort nicht fort.

Das ist auch ein Hotel.
Mal ehrlich, Kumpanen, wer von uns möchte da logie-hi-hi-hierten?
Einer gibt rot-schwarzes Fenster-Signal.
Lidl hatte ich noch nie.

Koloniestraße genug (ist sowieso bald zu Ende).
Gelegenheit, in die Kommandantenstraße abzubiegen, empfangen von gelben Baugeräten.
Öffnungszeiten auf einem Wegweiser! Öffnungszeiten als Richtung.
Wenn schon Koloniestraße, dann auch Kommandantenstraße.
Magda hat in einer ihrer Geschichten eine Straße „Kapazitätenstraße“ genannt.

Sogar auf einer Straße, die Kommandantenstraße heißt, geht sowas. Warum sollte das nicht gehen?