Sich zu einer Weste kombinieren (punktemäßig)

Aus einer Antwort auf eine Leserumfrage (WAZ, heute):
„Die deutschen Jungs wirken als geschlossenes Team. Sie kämpfen, dribbeln und kombinieren sich zu einer bislang punktemäßig reinen Weste. Nun gilt es gegen die Eidgenossen mindestens …“ Und so weiter.
Diese schulterklopfende Jovialität, die Berufs-Fußballspieler zu „deutschen Jungs“ ernennt!
Diese speicheltropfende Süffisanz, mit der die (in diesem Fall: fußballspielenden) Bürger der Schweiz als „Eidgenossen“ empfangen werden.
Es ist ja schon fatal, daß der Bundestrainer in diesem Lande (oder locker: „in diesen Landen“) circa 40 Millionen Kollegen hat. (Stellen Sie sich mal vor: 40 Millionen deutsche Männer würden sich für Dachdecker halten). Jetzt leiden wir auch noch unter 40 Millionen Fußball-Kommentatoren!
Ein Volk von fahnenschwenkenden Benutzern falsch verstandener Fremdwörter („Euphorie!“, „Emotiooon total!“, „mega!“).
Können die Fußball-Interessierten nicht einfach im Fernsehen die Spiele sich angucken, und gut ist? Ich empfehle, vor Beginn der Fernsehübertragung schon mal den Schlafanzug anzuziehen und dann Verzicht auf Alkohol.
Und bei Fußball-Übertragungen Fenster zu!

Das erste Plakat zur nächsten Wahl


Das erste sichtbare Plakat zur Europawahl 2024 ist von? (Da muß man sehr genau hinsehen).
Es wurde üblich, Wahlplakate an Masten in etwa drei Meter Höhe anzubringen. Sie werden dadurch vor der Beschädigung durch Entlanggehende geschützt. Allerdings ist dadurch auch die Gefahr gebannt, daß jemand lesen könnte, was drauf steht.
Ich verrate ihnen, was die Partei anscheinend vor Ihnen geheim halten wollte: Das ist ein Plakat von den Grünen. Das ist aus der Angabe der Internet-Adresse zu sehen, also dem (im wahrsten Sinne) Kleingedruckten.
„Machen, was zählt.“ In Versalien.
Donnerwetter! Was für eine Parole!
Wenn da „Richtig so!“ oder „Genau!“ stehen würde, hätte das Plakat mehr Aussagekraft.
In die optische Ferne gerückt eine Ansammlung von Punkten, was man für eine Ansammlung von Menschen halten kann. Fußballzuschauer? Winterschlußverkauf?

Also, wenn die Grünen ihre Politik so gestalten würden wie ihre Plakate – das wäre ja nicht auszudenken …

Rosenmontag geschlossen

Heute wurde im Radio (WDR2) von einem Menschen jugendlichen Alters berichtet, der sich zu Karneval (Rheinland!) als Dieter Bohlen verkleiden will, und wie das bei WDR2 so ist, sollten die Zuhörerinnen & Zuhörer Ratschläge geben, wie man das macht, wenn man als Dieter Bohlen gehen will.
Da sind Sie bei mir richtig. Ich bin nämlich auch schon oft als Dieter Bohlen gegangen – zum Verwechseln ähnlich. Schauen Sie:
Man glaubt doch, den in Natura vor sich zu sehen. Ihnen wäre doch nicht aufgefallen, daß der das gar nicht ist.

Dieses Jahr Karneval will ich mich als Experte verkleiden.

Voriges Jahr Karneval ging ich als Paar Schuhe.
Ich sagte: Sehen Sie her: ein Paar Schuhe.
Den Rest müssen Sie sich wegdenken.

Nein, mal im Ernst: Ich wollte ihnen nur mitteilen, daß der Laden (Buchhandlung Weltbühne) am Rosenmontag (12. Februar) geschlossen ist. Rosenmontag ist nämlich der Tag, an dem ich meine Ruhe haben will und nicht vor die Tür gehe. Und darum ist der Laden jedes Jahr am Rosenmontag geschlossen. Schon als es den Laden noch gar nicht gab, war er immer am Rosenmontag geschlossen.

Was am Schluß dieser Mitteilung das Porträt der Christina K. zu bedeuten hat, das erfahren nur die, die es schon wissen.
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Den Beckenbauer mochte ich nicht

Zu der Zeit, als ich mich noch für Fußball interessierte, bemerkte ich: Der spielt einen eleganten Fußball.
Aber dann machte er den Mund auf.

Womit ich mal Leute zum Lachen brachte:
Jemand wollte wissen, was ein Kaiserschmarrn ist.
Ich erklärte: Kaiserschmarrn ist, was der Beckenbauer erzählt.

Daß ich mich heute nicht mehr für Fußball interessiere, liegt auch an Leuten wie an dem.

Was ist eigentlich der Lindner für einer?

Nachdem der Westerwelle fertig hatte, gab es nichts mehr zu halten (kein Halten mehr), und so kam Lindner. Zu dem würde das Amt des Bundesverkehrsminister gut passen. Oder: Lindner spielt Peter Sellers in dem Remake von „Der Partyschreck“. Er wäre die Idealbesetzung für den Mann, bei dem man sich fragt: Was will der eigentlich hier? Wer hat den reingelassen?
Der will, daß die Atomkraftwerke weiterlaufen, denn, so meint er, es geht um jede Kilowattstunde (drei Ausrufezeichen).
Tempolimit auf der Autobahn? Da ist er dagegen. Er meint: Das bißchen Energie-Ersparnis —
Als Verkehrsmister – pardon, ich wollte sagen: als Verkehrtminister – hatten wir den von der CSU, den B. Scheuert (oder so ähnlich hieß er). Bei dem dachte man: Muß denn eigentlich einer, bloß weil er nichts kann, Minister werden?
Sein Vorgänger war der Dobrindt. Der hatte regelmäßig seinen Rappel.
Und dessen Vorgänger war der Ramsauer. Der war auch in der CSU.
Man kennt das ja noch aus der Schulzeit: Jede Klasse hatte ihren Klassen-Clown.
Und jede Bundesregierung hat ihren Kabinetts-Flabes.
Und das ist jetzt der Lindner.

Müller paßt immer

Das kenne ich auch: Man wird geprüft, ob einem Namen von Fußballspielerinnen geläufig sind. Mir fallen da nur zwei oder drei Namen ein.
Ich kenne noch Mannschaftsaufstellungen der 50er und 60er Jahre auswendig. Aber wer heute in der Bundesliga spielt – da kenne ich niemanden. Bei Bayern München soll einer spielen, der Müller heißt. Müller paßt immer.
Bei dem „Verein“ Bauern München (hach! Jetzt hab ich mich vertippt!) herrscht – gelinde formuliert – Krisenstimmung. Bei Bayern München „müssen Köpfe rollen“, „müssen die Ursachen auf den Tisch, gnadenlos“ „wird an Stuhlbeinen gesägt“ etc. Wieso?
Es gibt in diesem Lande tausende Fußballmannschaften, zigtausende Fußballspieler, die davon träumen, in die Landesliga aufzusteigen. Und dann gibt es ein Kartell stets wechselweise prahlender oder übelgelaunter Männer, die jetzt den Weltuntergang proklamieren, weil sie unter tausend Fußballclubs bloß Zweiter sind (oder erst auf den letzten Drücker doch noch Erster werden). Da stimmt doch was nicht. Da wird der Sport falsch verstanden.
„Sport?“ fragt der Hoeneß. „Haben Sie ‚Sport‘ gesagt?“
Es gibt übrigens ein Buch bei PapyRossa mit dem wohlklingenden Titel „Friede den Kurven – Krieg den Verbänden“.
Fragen Sie mich mal. Ich wüßte nicht, wen ich jemals um was beneiden sollte. Ich gönne jedem, der sich anstrengt, der sich was erhofft und dabei fair bleibt, seinen Erfolg. Nur dem Bayernmünchen inclusive Management wünsche ich eine Niederlage. Das würde denen vielleicht (vielleicht!) guttun, damit sie eine Ahnung davon gewinnen, wo der Boden ist, auf dem man stehen kann. Diesen Gedanken brauchen Sie nicht zu Ende zu führen.
An ein Kapitel deutscher Fußballgeschichte möchte ich Sie gern erinnern. Dazu müßten Sie hier klicken.
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Neu in der Weltbühne: Gärtner und Tattoo

Neu in der Weltbühne: Stefan Gärtner: Tote und Tattoo. Essays, Glossen, Kritik der Dummheit. Edition Tiamat. 336 S. 24 €

Der Verlag hat das Wort:
»Es gibt einen Fundus an Dummheit in der Menschheit, der ebenso ewig ist wie die Menschheit selbst« (Flaubert), und dass es immer so weitergeht, ist zwar die Katastrophe, macht aber Bücher wie dieses erst möglich. Nötig allerdings auch.
Alles andere wäre ja auch noch schöner, wenn auch keinesfalls schöner als dieses kommende Standardwerk, das 50 politisch-polemische Texte aus (beinah) 20 Jahren Kultur- und Betriebskritik versammelt: über Mozart-Shows und Motivationstrainer, doofe Tätowierungen und schlimme Jacken, Literaturpreise und Preisochsen; über Bundespräsidenten, Bundeskanzlerinnen und beider Freunde von der Presse; über das Musterland Deutschland, den Exfreund Amerika und den Glücksfall Israel; über alte weiße Frauen, dumme weiße Männer, den Aktivismus der wenigen und den Passivismus der vielen; über zu dicke Autos, zu dünne Kinder und warum man den Pudding vor dem Hauptgang essen soll. Dazu alles über das (gute) Weltklima, Bildung, Facebook und Hitler.
Unter anderem!

Das Buch ist im Programm der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand zu beziehen).
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
Emil-Adresse: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !

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