Brot und Rosen

„Ich hab genug von diesen breiigen Sonntagssprüchen,
und diesen Führungskräfteschweiß kann ich nicht länger riechen.“
Degenhardt

Daß der 8. März nicht der „Weltfrauentag“ ist, wie oft dahergesagt, sondern der INTERNATIONALE FRAUENTAG, scheint sich langsam auch in den „Medien“ herumzusprechen. Das ja.
Heute in der Zeitung (WAZ) ein Kommentar. Da ist von „50 Prozent der Menschheit“ die Rede. Und schon zwei Sätze weiter geht es dann wieder um Fehlanzeige bei Frauen in Leitungsposten „in der Wirtschaft“.
Führungskräftefeminismus. Feminismus für die besseren Kreise. Sowas bleibt übrig.
Und erinnert daran, daß der WEG NACH OBEN ein Niedergang ist, wird man von der Ruferin in der Wüste.

Erinnert sich heute noch jemand an den Internationalen Frauentag …
… wie er mal gemeint war?

Hustler?

In der Zeitung lese ich vom Tod des Geschäftsmannes Larry Flynt. Er war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Hustler. Sein Name war mir zuvor nicht geläufig.
Vom Hustler hatte ich nie ein Heft in der Hand. Ich kann also über Wert und Qualität der Zeitschrift nichts sagen. Was mir so über Konzeption und Inhalt der Zeitschrift zu Ohren kam, hat mich nicht neugierig auf die Hefte gemacht. „Der Blick auf die Models war gynäkologischer Natur“ (WAZ). Das törnt mich nicht an. Aber andere als ästhetische Vorbehalte werden Sie von mir nicht hören.
Religiöse Gruppierungen und Feministinnen hätten gegen Flynt/Hustler protestiert, hörte ich im Radio. Diese Proteste dürften sich ähnlich gewesen sein: reflexhaft, eifernd.
Als „Inbegriff“ galt er „den Konservativen, die sich von der sexuellen Revolution der 60er und 70er Jahre überrumpelt und überfordert fühlten.“ (WAZ).
„In politischen Fragen zu Wirtschaft, Sozialem und Außenpolitik bezieht das Magazin linke Positionen und unterscheidet sich dadurch auch von anderen Männermagazinen, […] die traditionell eine eher konservative Einstellung zu diesen Themen vertreten“, steht bei Wikipedia. Was man nicht alles erfährt! Zum Beispiel auch: „Flynt führte über den Hustler in den 1980er Jahren heftige Angriffe gegen Ronald Reagans Regierung und die christlich-fundamentale Rechte, während er später Bill Clinton während der Lewinsky-Affäre öffentlich unterstützte.“ Gut so! Daß er sich gegen Rassenhaß und für Homosexuelle einsetzte wird in den Nachrufen erwähnt.
1978 wurde Flynt bei einem Attentat schwer verletzt. Seither war er querschnittsgelähmt. Der rassistische Serienmörder Joseph Paul Franklin hatte auf ihn geschossen, weil im Hustler ein Foto von einer weißen Frau mit einem schwarzen Mann gedruckt worden war. Franklin, auch wegen verschiedener Mordtaten verurteilt, wurde 2013 hingerichtet. Flynt hatte sich bis zuletzt für seine Begnadigung eingesetzt.

Und jetzt sind alle froh, daß sie ihn los sind

Was aber,
– wenn es irgendwie dämmert, daß man, um gute Stimmung zu machen, mehr vollbringen muß als einen furchtbaren Präsidenten abzulösen?
– wenn in zwei Jahren bei den Neuwahlen zum Kongreß in einer oder in beiden Kammern die Mehrheit verloren geht und der „Gestaltungs-Spielraums“ des Glücksbringers arg eingeengt wird?
– wenn der neue Präsident – vielleicht in einem etwas moderateren Ton – die verheerende Forderung an die „Bündnispartner“ wiederholt, die Rüstungsausgaben auf Rekordwerte zu steigern?
– wenn sich herausstellt, daß Trump nicht bloß für sich stand und daß durch seine Verrücktheiten übersteigerte Eskapaden in der US-amerikanischen Politik verwurzelt sind?
– wenn sich herausstellt, daß die von allen guten Geistern verlassenen und zu allem bereiten Rotten nicht nur dann lästig sind, wenn sie – Hornochse inclusive – den Palast stürmen, sondern im Alltag am gefährlichsten sind?
– wenn eingedenk der vielen vielen teils gemäßigten, teils fanatischen Trump-Wähler die Republikaner sich nicht mäßigen wollen und die Demokraten ihren Anti-Trumpismus-Kurs abschwächen? (Man nennt das Realpolitik. Ich nenne das anders).
– wenn man sich daran erinnern muß, daß der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika der Anführer der imperialistischen Führungsmacht ist und daß auch ein aufgeklärter, human eingestellter, honoriger Hoffnungsträger über diesen Schatten nicht springen könnte?
– wenn man erleben muß, daß reaktionäre Männer und reaktionäre Bewegungen selbst wenn sie scheitern noch gefährlich bleiben?
– wenn der Eindruck sich erhärtet, daß die Trump-Periode nur die Ouvertüre war zu der Tragödie des Untergangs einer Weltmacht.

Noblesse oblige

Im Radio wurde an die Abschaffung der Adelsprivilegien vor 100 Jahren erinnert. Da wurde auch die Geschichte erzählt von einem Mann, der als „Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein“ in Düsseldorf auf der Kö von einem Geschäft zum anderen lief und überall mit ungedeckten Schecks bezahlte. Der Mann trug einen Frack. Er glaubte wohl, als Prinz trägt man einen Frack, von morgens bis abends, überall, auch beim Einkaufen. Und das Personal in den Läden schien das auch zu glauben.
Aber das Personal hätte was merken müssen. Es ist doch allgemein bekannt, daß in Adelskreisen zum Frack Pantoffeln getragen werden.
Der Mann hätte noch mehr absahnen können, wenn man ihm verraten hätte, daß Angehörige des Hochadels im Schlafanzug und mit Zylinder nach Aldi gehen.

Heute ist Adorno-Tag

Im Radio heute “Stichtag” (WDR 2). Einer, der keine Ahnung hat, hat sich bei Wikipedia und Google ein bißchen vorbereitet.

Ich erinnere an ein Buch:

Marvin Chlada: Dialektik des Dekolletés. Zur kritischen Theorie der Oberweite. Alibri Verlag 2006. 128 S.

Bitte achten Sie mal darauf, welches Bild die Dame da an ihren Busen drückt.
Der Verlag hat das Wort:
“Ausgehend von der ‚Busen-Attacke‘ auf Adorno im April 1969 sichtet er die Fülle an Material, die der Kult um die Oberweite bis heute hervorgebracht hat.”

Die “Busen-Attacke” war die peinlichste, dämlichste Aktion der Studentenbewegung, markiert den Anfang vom Ende der APO und offenbart ein falsches Verständnis von Sex.

An einer Stelle in dem Buch werde ich zitiert. Kommentar einer meiner liebsten Freundinnen: “Das erstaunt mich, weil du doch eigentlich gar kein Titten-Fetischist bist.”

Das Buch gibt es nur in der Buchhandlung Weltbühne, auch im Versand. NUR BEI UNS.

Dr. John

Malcolm „Mac“ John Rebennack Jr. , genannt Dr. John (20. November 1941 – 6. Juni 2019) war ein US-amerikanischer Musiker (Sänger, Pianist – auch andere Instrumente). Die nicht leicht zugängliche Musik (nichts für so nebenbei) schöpfte aus vielen Ursprüngen (New Orleans, Rock and Roll, Blues, Jazz) und fand vielfältigen Ausdruck (am ehesten dem Jazz zuzuordnen).

Stacey Anderson auf pitchfork.com
Mac Rebennack was far from the bayou in 1968. As a session musician in Los Angeles, he sat in with Frank Zappa, Phil Spector, and the Wrecking Crew at the height of the city’s psychedelic heyday, before the Manson family murders cast a pall over the Laurel Canyon dream. But despite being recorded in Spector’s favorite studio, Gold Star, not a sliver of local sun cuts through the mist of Gris-Gris, Rebennack’s debut album as his voodoo-inspired persona Dr. John the Nite Tripper. It’s a direct portal to his hometown of New Orleans, a sinewy swamp-funk jam that simmers together Afro-Caribbean percussion, earthy congas, whirling electric guitars, and pernicious flutes. Dr. John proves instantly at ease on opener “Gris-Gris Gumbo Ya Ya,” purring as he proclaims himself “the last of the best” medicine men, a French Quarter Rasputin as shifty as he is seductive. From there, he offers a collection of eccentric pleasures-aural charms and amulets amassed to foster luck and ward off evil spirits.

Wer Gelegenheit hat, den Film “The Last Walz” von Martin Scorsese zu sehen – vielleicht die DVD besitzt, bekommt zwar nur einen kurzen Auftritt von Dr. John mit, dafür aber in dem wahrscheinlich besten Konzertfilm: Paul Butterfield, Eric Clapton, Bob Dylan, Lawrence Ferlinghetti, Emmylou Harris, Joni Mitchell, Van Morrison, Ringo Starr, Muddy Waters, Ron Wood, Neil Young und sehr viele andere.
Foto: Wikimedia Commons

Der 8. März ist nicht der Weltfrauentag

An ihren Irrtümern könnt ihr sie erkennen.
Wer von “Weltfrauentag” spricht, hat was aufgeschnappt und ist aufs Trittbrett gesprungen.
Den ganzen Tag dann im Radio:
Dieser CDU-kompatible Führungskräfte-Feminismus
– bis hin dazu, das Augenbrauenzupfen mit anschließendem Nachmalen mit’m Stift als letztes Refugium echter Weiblichkeit zu betucken.

Wenn wir vom INTERNATIONALEN FRAUENTAG sprechen, dann meinen wir etwas anderes.

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99 Staubtücher

107 Lügen-Ärzte?
Es finden sich immer Beschwichtiger bereit, die vor jeder Vorsicht warnen und von jeglicher Verantwortung abraten.
Weil man sie nicht gefragt hat?
Oder haben wir es mit einer akademischen Anbiederung an eine Mentalität zu tun, die unter “Freiheit” nichts anderes sich vorstellen kann als: auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen zu müssen? Das dumpfe Unbehagen des Egoisten an der Umwelt, die unter der derzeitigen links-grün-versifften Gesinnungsdiktatur geschützt werden muß! Man darf ja auch gar nicht mehr sagen, was man denkt (also darf man zum Beispiel auch gar nicht mehr sagen, daß die Ausländer an allen schuld sind). Und unsere Oma, die hat noch ein Staubtuch genommen, und dann war der Fall erledigt.

Oder ist das nur wieder mal eine Übertreibung der Bildzeitung, und geht es in Wirklichkeit nur um die korrekte Methode, mit der die Grenzwerte errechnet werden?
Heute hörte ich im Radio ein Interview mit einem dieser Ärzte, und was der erzählte (mit vielen Worten), das hörte sich doch sehr an den Haaren herbeigezogen an.

..

afas meldet: Gefahr im Verzug

In meinem gestrigen Notat (Duisburger Jahrbuch 2019) erwähnte ich auch kurz das afas (Archiv für alternatives Schrifttum). Heute ist zu vermelden, daß diese einmalige Institution sich existenzielle Sorgen machen muß, weil das Land Nordrhein-Westfalen im Haushalt für das Jahr 2019 die Landesmittel für das Archiv gestrichen hat.
Darüber berichtete gestern auch der WDR. Siehe (beziehungsweise höre) dort:
WDR3 Kultur am Mittag
Weitere Informationen in der Internet-Präsenz des afas.

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Am 23. Februar feierten wir die Inbetriebnahme der neuen Unterkunft, jetzt in der Duisburger Innenstadt. Ziemlich weit links im Bild: ich (leicht zu erkennen), dahinter Dr. Bernd Drücke von der verdienstvollen Zeitung Graswurzelrevolution. Foto: afas.

Nicht lamentieren, sondern tätig werden!
“Eher wird ein Berg von einer Maus abgetragen als von dem Gerücht, er könne nicht abgetragen werden.” (Bertolt Brecht).
Unterstützung geht so.
Wir haben alle einen Nutzen von dem Archiv, auch wenn wir nicht ständig und nicht unmittelbar damit zu tun haben.
Wer will und kann sollte sich überlegen, Mitglied des Trägervereins zu werden.
Aber auch Spenden “von außen”, regelmäßig oder einmalig oder sporadisch, helfen gewiß. Auch wer nur ganz wenig geben kann, sollte wissen: Ganz wenig ist sehr viel mehr als nichts.
Kontoverbindung:
afas, Stadtsparkasse Duisburg
BIC: DUISDE33XXX
IBAN: DE49 3505 0000 0250 0163 83

Und wer auf diesem Wege vielleicht erstmals von afas erfährt, hat vielleicht noch Materialien, die zu schade zum Wegwerfen sind:
Archiv für alternatives Schrifttum, Münzstraße 37-43, 47051 Duisburg, Tel.: 0203 / 93554300, afas-archiv[at]t-online.de

Das Vergessen-Lassen und Vergessen-Machen sind Mechanismen des Machterhalts. Es sollte nicht zugelassen werden, daß von interessierter Seite dem afas mal eben so heimlich still und leise geschadet wird. Leitet den Link zu diesem Notat bitte weiter.
Auch im Landtag sollte unser Mißfallen nicht überhört werden.
Schickt bitte sachlich formulierte Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden im Landtag:

Bodo Löttgen (CDU): bodo.loettgen@landtag.nrw.de
Thomas Kutschaty (SPD): thomas.kutschaty@landtag.nrw.de
Christof Rasche (FDP): christof.rasche@landtag.nrw.de
Monika Düker (Die Grünen): monika.dueker@landtag.nrw.de

Up against …

Marty Balin 30. Januar 1942 – 27. September 2018.

Jefferson Airplane in ihrer Ur-Besetzung 1966, noch ohne ihre spätere Sängerin Grace Slick: v.l.n.r. Jorma Kaukonen, Paul Kantner, Jack Casady, Marty Balin, Signe Toly Anderson, Spencer Dryden.

Bilder: Wikimedia Commons

Steve Winwood 70 Jahre

Steve Winwood wird heute 70 Jahre alt.
Seit über 50 Jahren: keine Effekte, keine Affekte, kein Showbizz, sondern gute, intelligente Musik.
Ein Multi-Instrumentalist, eigentlich Keyboarder, aber auch als Gitarrenspieler einer der besten. “John Barleycorn” (Traffic, 1970) ist eines der dichtesten Alben, die jemals aufgenommen wurden.
Wenn man nach den wichtigsten und originellsten Könnern der Rock-Musik fragt, aber es dürfen nur fünf oder sechs Namen genannt werden (also: Jimi Hendrix, Zappa und drei oder vier weitere), wäre unter den drei oder vier weiteren doch bestimmt Steve Winwood zu nennen, oder?
Das müssen Sie sich mal anhören!
Wer wären dann die anderen zwei oder drei? Was meinen Sie?

Die haben doch keinen Knall

Die SPD hat sich also via Urabstimmung für die Koalitionsbeteiligung entschieden.
Einen Knall kriegen die auch nicht mehr zustande.
Sogar mit dem Prinzip “Was die machen, machen sie verkehrt” sind die überfordert.

Weihnachts-Botschaften

Soll heißen: ich nehme diplomatische Immunität in Anspruch.
Weihnachten ist ja bekanntlich die Gelegenheit für Erinnerungen, Rückblicke und Wiederholungen. Ist es nicht so? Glauben Sie es mir einfach.
Während ich mir ein paar Tage Privatissimum gönne, mache ich es Ihnen möglich, die Universalität zu wiederholen, und zwar durch diese Verlinkungen:
24. Dezember 2012
24. Dezember 2013
24. Dezember 2014
24. Dezember 2015
24. Dezember 2016

Wie sagte schon Karl Valentin:
WENN DIE STILLEN TAGE VORBEI SIND,
DANN WIRD ES AUCH WIEDER RUHIGER.

Allerheiligen

“Allerheiligen” ist ein Hochfest der Katholischen Kirche am 1. November. Ich dachte früher, das wäre das Fest der unbekannten Heiligen, also all der namentlich nicht bekannten Märtyrer. Aber ich wurde von einem evangelischen (!) Religionslehrer informiert, das sei das Freudenfest für wirklich alle Heilgen. Seine Worte: “Auch der Mega-Stars wie Franz von Assisi marschieren da ein.” (Sie wissen: When the Saints go marchin’ in. Das darf man nicht verstehen als “When the Saints go march in Inn”, das würde bedeuten “Wenn die Heiligen in die Kneipe gehen”.
So paßt das Allerheiligenfest gar nicht so recht in den November-Kontext. Nur dadurch, daß an Allerheiligen abends auf den Friedhöfen die Gräber mit Lichtern geschmückt werden, wird dieser Kontext hergestellt.
Denn Allerheiligen, Halloween und das katholische Sankt-Martins-Fest, insbesondere die bei den drei Festen benutzten Lichter sind alle gleichen Ursprungs.
(Ich dachte im zweiten Schuljahr immer, das hieße “Sand Machtin”).
Zwischen Erntedank (Anfang Oktober) und dem Lichterfest (Ende Dezember, auch als “Weihnachten” bekannt), im November also, wird das Totengedenken begangen. Das war schon in der vorchristlichen Zeit so.
Halloween war ein keltisch-heidnisches Fest, bei dem (zum Beispiel aus ausgehöhlten, von innen beleuchteten Kürbissen) Fratzen geschnitzt wurden. Diese Fratzen sollten die bösen Geister erschrecken und von den Gräbern vertreiben. Denn, so glaubte man anscheinend, die bösen Geister seien schreckhaft, wie später die Monster in Semame Street.
Die katholische Kirche hat – wie so oft – die heidnischen Kulte einfach aufgegriffen und mit eigenen Glaubensinhalten auszufüllen versucht. Allerheiligen und Sand Machtin sind also abgeschwächte Variationen von Halloween, das, aus Amerika zurückkehrend, in sich steigernder Form als Fest jugendlich-maskulinen Vollidiotentums begangen wird, wie den heutigen Nachrichten im Radio zu entnahmen war.
Eine ganz andere Erklärung für Halloween hat meine Kollegin Lina parat:
Gruß beim Eintreffen in der österreichischen Hauptstadt.