Sahra Wagenknecht. Eine Erledigung.

Das Buch von Sahra Wagenknecht

ist eine Kriegserklärung an Hunderttausende junge Menschen,

die sich für Klimaschutz und Antirassismus einsetzen.

Ebenso wie die ehemalige Frau Wagenknecht mit ihrer unsäglichen Kampagne ihr Teil zum Mißerfolg [der Linkspartei bei der Bundestagswahl] beigetragen hat, hat die Partei in NRW viele ihrer überzeugten Wähler verloren, weil sie die Stimmen-Killerin Wagenknecht so groß rausstellte. Die Bindung überzeugter Wähler an die Partei hat sich schon lange gelockert durch die erkennbare Bereitschaft, für die Aufnahme in eine Regierungskoalition essenzielle Grundsätze zur Disposition zu stellen.
Frau Dr. Wagenknecht hat ein Buch hinterlassen, das dieser Partei vielleicht den Rest gibt. Das wäre schon schlimm genug, aber zum Sabotageakt gegen die Partei leistet die Partei Beihilfe – indem sie die Saboteurin als Spitzenkandidatin herumzeigt. Frau Wagenknecht ist schlau genug, daß man ihr zutrauen darf, daß hinter ihrem Zerstörungswerk nicht Schusseligkeit, sondern Absicht steckt.
Titel des Buches: Die Selbstgerechten. Da wird nicht zu einer Kritik angesetzt, sondern das ist eine Kampfansage an die „Lifestyle-Linke“ (so das Synonym zum Titel), die dem akademischen Mittelstand angehören und für Diversität, Antirassismus, eine lockere Einwanderungspolitik und gegen den Klimawandel eintreten, sich aber angeblich kaum für Klassenpolitik interessieren. Ihre Ziele wollen sie angeblich auch nicht mehr durch Umverteilung von Vermögen erreichen, sondern durch „Fragen des Lebensstils, der Konsumgewohnheiten und der moralischen Haltungsnoten“. Wir Lifestyle-Linken halten unsere Privilegien für Tugenden, und wir blicken verächtlich auf die, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft Fragen der Migration oder sozial ungerechte Maßnahmen gegen den Klimawandel anders erleben als Besserverdienende. In der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg“ hingegen war man der Auffassung, daß jeder die Chance auf sozialen Aufstieg und Wohlstand habe. Das sei zwar ein „Mythos“ gewesen, doch die Gesellschaft in den Nachkriegsjahren sei „deutlich“ näher an diesem Ideal gewesen als heute, infolge staatlicher Regulierungen, starker Gewerkschaften und (Achtung!) gesellschaftlichen Zusammenhalts und gemeinsamer Verantwortung füreinander. Dies habe sich jedoch mit den neoliberalen Reformen und den politischen Weichenstellungen zur Globalisierung geändert. Die Finanzmärkte wurden entfesselt, Industriearbeitsplätze in andere Länder verlagert und der Arbeitsmarkt dereguliert. Für viele Arbeiter habe dies zu sozialem Abstieg hin zu einfachen Dienstleistungsberufen mit schlechterem Einkommen geführt. Gleichzeitig habe sich eine Wissensgesellschaft gebildet, von der gut ausgebildete Akademiker profitieren würden. Existentielle Nöte hätten Akademiker aus der Mittelschicht von daher nie am eigenen Leib erfahren (nein? ach!), und durch die steigenden Mieten in Großstädten würden sie mit Menschen aus anderen sozialen Schichten kaum mehr in Kontakt kommen.
Nicht nur das! Wir „linksliberalen“ Akademiker sind nicht nur die Nutznießer der neoliberalen Doktrin, sondern auch schuld daran. Wir „Linksliberalen“ haben angeblich „die wirtschaftsliberalen Ideen neu verpackt: So wurde aus Egoismus Selbstverwirklichung“, um nur eines von vielen absurden Beispielen zu zitieren. Weiterlesen

Das alte Lied. Wolf Biermann zum 65. Geburtstag.

Letztens war schon wieder der Biermann im Fernsehen. Einen Anlaß gibt es zwar immer für dieses Gesicht, aber diesmal waren es sogar zwei: 1. Biermann wurde 65, 2. vor 25 Jahren verließ er die DDR.
1976 war Biermann in die Bundesrepublik gekommen, um in Köln ein Konzert zu geben, das im Radio live übertragen wurde. Einen Tag später gab der Ministerrat der DDR bekannt, Biermann werde die Rückreise in die DDR verweigert. Das Kölner Konzert wurde daraufhin im Fernsehen gezeigt. Man sprach von „Ausbürgerung“. Die Sache machte Furore.
25 Jahre später erinnert sich Günter Wallraff: „Es war damals innerhalb der Linken ’ne ganz klare Trennungslinie: Sage mir, wie du zu Biermann stehst, und ich sage dir, ob du einen menschlichen Sozialismus anstrebst oder mehr oder weniger einem Regime angehörst, das die größten Verbrechen auch gegen die Menschheit verbringt. Nur, muß ich heute sagen: Es ist rückblickend auch beschämend, daß es erst dieser Ausbürgerung eines so prominenten, bekannten Kollegen, Freundes bedurfte, um so eine eindeutige Haltung einzunehmen.“
Das Erstaunliche an dieser Aussage Wallraffs: Er scheint die Sache heute noch genauso zu bewerten wie vor 25 Jahren. Seit jenen Tagen, in denen er sich über die „Ausbürgerung“ seines ebenso bekannten wie prominenten Kollegen & Freundes empörte, ist ihm nichts aufgefallen. Aber wie es damals „innerhalb der Linken“ zuging, das hat er ganz treffend wiedergegeben: Sag mir wie du zu diesem und zu jenem stehst, und ich sage dir, ob du auf dem falschen Dampfer bist. Es war damals einfach unerläßlich, Stellung zu beziehen, sich zu bekennen. Es wurde aufmerksam nachkontrolliert, ob man die „richtige“ Meinung vertrat. Hatte man die, stand man auf der „richtigen“ Seite, dann war’s in Ordnung. Mit Kritik, Theorie, Analyse brauchte man sich gar nicht mehr abzugeben. Wozu sich Gedanken machen, wenn man doch eine Meinung hat. šberhaupt bestand das ganze Leben der Linken im Wesentlichen darin, einer Meinung zu sein.
Das ist fatal. Da kann einem dies und das entgehen. Wer immerzu meint und wenig denkt, merkt nicht viel.
Dem Günter Wallraff scheinen all die Neuigkeiten entgangen zu sein, die ihn davon abhalten müßte, eine Beurteilung, die vor 25 Jahren noch nachvollziehbar gewesen sein mag, heute noch aufrechtzuerhalten.
In den 80er Jahren distanzierte sich Biermann von der Friedensbewegung. Die CDU verbreitete Biermanns Bild samt Zitat auf Plakaten, ohne daß Biermann dagegen einschritt (siehe DER METZGER 37). Biermanns Ausfälle gegen die Linke wurden immer aggressiver, immer maßloser, immer geschmackloser, immer fanatischer. Siehe DER METZGER 42, 48, 51. Biermann trat bei der CSU auf. Biermann wurde Kolumnist bei der Springer-Zeitung „Die Welt“. Mittlerweile hat Biermann seine Zuneigung zu dem „Richter Gnadenlos“ Ronald Schill bekanntgegeben (dpa-Meldung am 4.11.01: „Biermann stellt sich bei Kriminalitätsbekämpfung hinter Schill“).
So viel intellektuelle Redlichkeit – ach, was sage ich: so viel Auffassungsgabe darf man von einem Publizisten verlangen, daß er zur Kenntnis nimmt, wie die Geschichte mit Biermann seit 1976 weitergegangen ist. Der „kritische Kommunist“, der einen „menschlichen Sozialismus“ anstrebt, hat sich als Kalter Krieger erwiesen, der sich in der Rolle der verfolgenden Unschuld wohlfühlt. Spätestens bei „Springer“ hätte dem Wallraff, der bei „Bild“ Hans Esser war, aufgehen müssen, daß er einem Schwadroneur, einem Blender aufgesessen ist. Nicht dem ach so kritischen Herrn Wallraff, sondern der WAZ blieb es vorbehalten, der Selbstinszenierung Biermanns mit einer gewisse Skepsis zu begegnen („Ausgerechnet Wolf Biermann…“). „Den Marx’schen Idealen hat der letzte wahre Kommunist der DDR inzwischen abgeschworen“, wird Biermann in der WAZ ironisch demontiert. Der, der sich zum Gralshüter des einzig wahren Kommunismus aufgespielt hatte, findet heute: „Als Kommunisten bezeichnen sich nur noch Leute, die nie welche gewesen sind. Das sind die falschen Witwen, die nie mit Lust, nie mit Orgasmen mit dem Kommunismus im Bett gelegen haben.“ In dem Moment, in dem die Kommunistische Weltbewegung für Biermann nicht mehr einträglich ist, hört sie auf zu existieren. Biermann hängt ein Schild dran: „geschlossen“. Biermann erkannte, daß die Linken mit dem „Ex-“ davor, die Abschwörer ein stetig wachsender Markt sind.
Immer noch ist von „Ausbürgerung“ die Rede, obwohl diese Legende erschüttert ist. Biermann zog in den Westen, um sich dort einzurichten. Er wußte sehr wohl, daß er nicht zurückkehren würde und tat so, als fiele er aus allen Wolken. Das Kölner Konzert brachte ihm eine sechsstellige Summe ein, ein feines Begrüßungsgeld. Das sei ihm nicht mißgönnt. Aber daß er sich mit jenen verglich, die von den Nazis ausgebürgert wurden, die, anders als er, zu Staatenlosen wurden und für die die Flucht aus Deutschland die Vernichtung ihrer Existenz bedeutete und nicht Karrieresprung mit sechsstelligem Startgeld – das ist nicht bloß eine Frechheit, es ist geschmacklos.
Daß Biermann in der DDR 11 Jahre lang Auftritts- und Berufsverbot hatte, ist ebenfalls Legende. Daß er – etwa in Kirchengemeinden – vor Publikum auftrat, wurde mir berichtet, ich kann es nicht überprüfen. Während des „Berufsverbots“ erschienen mehrere Bücher und Schallplatten in erklecklicher Auflage und ein Theaterstück kam in Westdeutschland auf die Bühne, nebenbei brachten Abdrucke von Texten und Interviews in der Presse Geld ein, und die GEMA zahlte. Berufsverbot geht anders.
Manche Legenden sind einfach zu nützlich, um sie an den Evidenzen zerschellen zu lassen. Den Kommunismus hält Biermann zwar pflichtschuldigst für eine Irrlehre, läßt sich aber anläßlich des Jubiläums immer noch als dessen einzig wahrer Hüter (mit dem „menschlichen Antlitz“) in dem Kultursendungen feiern. Lieber nach Bautzen hätte er gewollt statt in den Westen, prahlt er. Wolfgang Neuss erinnerte sich, schon 1965 hätte Biermann ihm vorgesponnen, er wolle seine Verhaftung provozieren, dann sein Gefängnistagebuch veröffentlichen und den Nobelpreis kriegen.
Jetzt gab es erstmal ein Jubiläumskonzert mit Thierse und Eppelmann in der ersten Reihe und vor allerlei Bürgerrechtsbärten, die den Barden anhimmelten. Da sang er die alten Lieder: Röchelnd, jauchzend, quietschend, gurgelnd, jedes Wort eine Grimasse, jeder Ton eine Übertreibung. Wolf Biermann sagt nicht einfach „Bratwurst“. Er sagt: „Bratwurst. Haben Sie das gehört? Ich, Wolf Biermann, habe ‚Bratwurst‘ gesagt!!!“ Und er sagt, wie seit je, gleichzeitig verschiedene Meinungen. Er, der den Kriegseinsatz der Bundeswehr gutheißt und gesagt hatte, die „selbsternannten Friedenskämpfer“ seien nicht „in Besitz einer höheren Moral“, sie dürften nicht im Namen der deutschen Intellektuellen sprechen, sang er „Soldat Soldat in grauer Norm“ und ließ sich dafür von Thierse und Eppelmann beklatschen. Es war einfach nur noch widerlich. (Ob der „Welt“-Kolumnist auch noch sang „Die Kugel Nummer eins kam aus Springers Zeitungswald“, habe ich nicht mehr abgewartet).
Wenn die alten Lieder wieder klingen, darf der Günter Wallraff auch noch Inquisitor spielen: Sage mir, wie du zu Biermann stehst, und ich sage dir, ob du „einem Regime angehörst, das die größten Verbrechen auch gegen die Menschheit verbringt“. Verbrechen verbringen? Auch gegen die Menschheit? Einem Regime angehörst? Hätte ich damals die falsche Antwort gegeben, wäre ich vielleicht noch Minister geworden! Mit so einem menschlichen Sozialismus á la Wallraff möchte ich allerdings nichts zu tun haben. Der steht nämlich unter dem Motto: „Sage mir, daß du anderer Meinung bist als ich, und ich sage dir, daß du ein Verbrecher bist“. Ich frage lieber: „Sage mir, was für dich die größten Verbrechen sind, und ich finde heraus, ob du noch alle Tassen im Schrank hast“. Was der Richter Ronald Schill mit dem menschlichen Sozialismus zu tun hat, habe ich nicht verstanden.

Aus DER METZGER Nr. 63 (Dezember 2001)

Neu: DER METZGER Nr. 142

Die Ausgabe Nr. 142, November 2021, ist erschienen.
So sieht die Zeitung aus:

Und das steht drin:

Ulrich Sander: Ein neuer Freisler mit Kornblume im Knopfloch strebt in den Bundestag. Über den AfD-Kanditaten Matthias Helferich.

Matti & Paula in „Eyecandy“. Comicstrip von Timo Stoffregen.

Helmut Loeven: Wahl verloren. Was soll man dazu sagen, daß die Bundestagswahl 2021 keinen Sieger hatte? Wahl bleibt Wahl, da helfen keine Pillen und keine Essigsaure Tonerde.

Helmut Loeven: Sahra Wagenknecht – eine Erledigung. Die neue Buch der früheren Linken ist eine Kriegserklärung an hunderttausende junge Menschen, die sich für Klimaschutz und gegen Rassismus einsetzen und die Partei Die Linke gewählt haben. So wie Sahra Wagenknecht heute redet hat das mit dem Elsässer auch mal angefangen.

Ottokar Grobe findet, daß die CDU viel zu viel Stimmen bekommt.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Nektar; Klimakatastrophe als Sparmaßnahme; Bärbel Bas als Neudorferin; Impfgegner als Betrugsopfer; Kochrezept als Liebeserklärung; Ich als Stahlarbeiter; Unser besonderer Freund R.; James-Bond-Nachfolge: Der Imperialismus wird bunter und weiblicher.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Achter und letzter Teil der Serie. Die Jünger der Marktreligion wollen alle Lebensbereiche der totalen Ökonomisierung und Kommerzialisierung unterwerfen, so das Leben selbst zur Ware zu refor(mat)ieren.

Les Pères de la Libelle. Lina Ganowski über zwei wiederzufindende Bücher: Kästners Fabian und Theweleits Männerphantasien.

Marvin Chlada: Der Utopianer Alphabet. Text-Bild-Collage.

A.S.H. Pelikan: Von Elfen, Mond und Sternen. Erzählte Geschichte erstmals im Druck.

Rainer Dittrich: Petitessen.

Anna Driba: Ihmzuliebe. Wieder ein assoziativer Einwurf. Wer liest muß mitdenken.

Das Heft kostet 4 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

11. September: Der Terror & die Leute

— Diese Gelegenheit mußte genutzt werden: Wenn da Krieg ist, wollen wir mitsiegen. — Zehn Jahre zuvor waren die Religionskrieger der EU noch willkommen als „Freiheitskämpfer“, und die „Apartheid der Geschlechter“ hieß damals ganz apart: „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ — Wenn deutsche Anti-Deutsche zu Bellizisten werden, dann wollen sie auch gleich den totalen Krieg. Dumme Jungen sind das, die nicht wissen, was Krieg ist. — Der Feind meines Feindes ist mein Feind, wenn er Antisemit ist.

Bericht zum Attentat in New York am 11. September 2001, geschrieben im November 2001, erschienen in DER METZGER Nr. 63 (2001) leicht gekürzt.

Die Katastrophe, mit der nach Ansicht mancher Leute das soeben begonnene Jahrtausend auch schon gelaufen ist, wurde mir schonend beigebracht. Ich kam kurz vor 8 nach Hause (kein Mensch auf der Straße hatte sich irgendwie anders verhalten als sonst), schaltete den Fernsehkasten ein, um zu sehen, was es gibt, und sah den Wickert zu ungewohnter Zeit. Im Hintergrund ein Hochhaus mit Qualm und eine Schlagzeile „Terror in New York“. Terror in New York? Dafür eine Sondersendung? Um 8 Uhr auch kein Gong, Wickert redete weiter. Und nach und nach erfuhr ich: In einem Wolkenkratzer gab es eine Explosion. Der Wolkenkratzer war einer der beiden Türme des World Trade Center. Ein Flugzeug ist hineingeflogen. Es war ein entführtes Flugzeug mit Passagieren darin. In den anderen Turm ist auch ein Flugzeug hineingeflogen. Eingestürzt sind die Türme dann auch noch. Zwischendurch erfuhr ich noch, daá auch auf das Pentagon in Washington ein Flugzeug gestürzt ist und ein viertes, ebenfalls entführtes mit Passagieren, irgendwo abgestürzt war, bevor es auf ein Ziel gelenkt werden konnte.
Auf allen TV-Kanälen Sondersendungen, bestehend aus der unentwegten Wiederholung des Bildes von einem Flugzeug, das in einen Wolkenkratzer gleitet, und zwischendurch kamen Leute zu Wort, die schon mal auf der Landkarte mit dem Finger auf New York getippt hatten, also Experten waren. Nicht nur wie man mit zehn Sekunden Bildmaterial und Korrespondenten, die nix genaues auch nicht wissen, zehn Stunden Sondersendung ausfüllt, hat mich erstaunt. Der zuständige Geheimdienst war nicht in der Lage, ein Ereignis vorherzusagen, das über lange Zeit an vielen Orten von vielen Leuten vorbereitet wurde, konnte aber schon nach zehn Minuten genau mitteilen, wer die Hintermänner des Attentats waren. Noch erstaunlicher ist, daß keine Organisation sich zu diesem Attentat bekannte und dazu eine Erklärung abgab.

Wogegen die Rote Armee kämpfte
Die Regierung der USA hat sich viel vorgenommen. Als ginge es jetzt ums Ganze, holt sie zum entscheidenden Schlag aus gegen die Mächte des Bösen, die in Osama bin Laden verkörpert sind, und sie verlangt von aller Welt Ergebenheit. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, der wird – so US-Präsident Bush – als Feind angesehen. Die rotgrüne Bundesregierung meldet sich zur Stelle. Als würde sie einem Hilfeersuchen der USA entsprechen, schickt sie gegen alle Gewissenspein 3.900 Soldaten. Dabei mußte sie das Kanonenfutter geradezu aufdrängen: „Bitte bitte nehmt sie doch!“ Die Koalition brach daran beinahe auseinander. Aber diese Gelegenheit mußte genutzt werden: Wenn da Krieg ist, wollen wir mitsiegen.
Der Kreuzzug gegen das Böse sei natürlich nicht ein Kampf der Kulturen, wird betont. Aber was soll es denn sonst sein, wenn der Präsident der USA in seinem Manichäertum wie das christlich-abendländische Spiegelbild der islamisch-morgenländischen Schreckensvision erscheint? Wieviel die Beteuerung wert ist, ist daran zu messen, um wieviel es Menschen mit morgenländischem Appeal leichter oder schwerer gemacht wird, eine Wohnung zu finden. Weiterlesen

Neu: DER METZGER Nr. 141

Die Ausgabe Nr. 141, September 2021, ist erschienen.
So sieht die Zeitung aus:

Und das steht drin:

Jakop Heinn: Jetzt’ sind’se wieder in’ner Partei. Laut Bundesverfassungsgericht darf die DKP jetzt doch wieder zur Bundestagswahl.

Matti & Paula in „Deutsch II“. Comicstrip von Timo Stoffregen.

Willi Hoffmeister. Erinnerung an einen von uns.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Wir haben viel erreicht; Über Stalin; Wie es sich lebt als Millionär; Hut aus Glas; Hanns Eckelkamp, der Filmverleiher; Eloge an Grace Slick; Polyamorie ist die beste Idee, seit es Geschlechter gibt: Selbstbezichtigung eines Plagiatoren.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Siebter Teil. In den USA haben die 500 größten Unternehmen seit 1980 vier Millionen Arbeitsplätze abgebaut und ihren Anteil am gesamten Steueraufkommen um mehr als die Hälfte reduziert.

Herbert Laschet-Toussaint (HEL): Steffen Kopetzky ALLES.

KarEn hilft Kuba.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: Keine Lust mehr. Über die Delegitimierung der Lust. Sex ist nur noch als Gefahrenquelle darstellbar, auf deiner Haut dem Täter auf der Spur.

Anna Driba: Ach was. Wieder ein assoziativer Einwurf.

Marvin Chlada: 7 Gedichte. Aus dem neuen Gedichtband „Die Melancholie des Teufels“, Trikont Verlag 2021.

Good old everlasting Sternbuschweg im Juni 2021. „Wenn auch die Jahre enteilen, bleibt uns der Sternbuschweg doch.“ Eine kontroverse Diskussion.

Das Heft kostet 4 Euro.
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Die Mauer als Chance

Heute wird wieder über die Berliner Mauer geredet, weil sie heute vor 60 Jahren gebaut wurde.
Heute vor 10 Jahren wurde auch über die Berliner Macher geredet, weil sie damals vor 50 Jahren gebaut wurde.
Vor 10 Jahren, im März 2011 erschien in DER METZGER Nr. 94 eine vorweggenommene Antwort auf die Festreden.
Lesen Sie den ganzen Artikel.

Groß-Graffiti

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Groß-Graffiti
Schafft man das ohne Gerüst?

P.S.: Schaut man nach Betrachten des Bildes in die entgegengesetzte Rechtung, erblickt man einen noch größeren Graffito, der auf dem Cover von DER METZGER Nr. 140 (April 2021) abgebildet ist.

Die Zeitung können Sie ruhig auch mal lesen, da werden Sie nicht dümmer von.

Alle Wege führen zum Botanischen Garten

Den guten Vorsatz wieder aufgreifend, im Frühling weite Wege zu gehen, habe ich es am vergangenen Samstag gerade mal bis zum Botanischen Garten geschafft. Naja, immerhin.
Die ersten Bilder habe ich Ihnen schon gestern gezeigt.
Der Weg zum Botanischen Garten über die Lotharstraße ist zwar ein Umweg. Aber manche Umwege wollen gegangen werden.

Dieses Gebäude in backsteinerner Funktionalität war mal die Zentrale der HJ. Nach deren offizieller Auflösung wurde die Immobilie zutändigkeitshalber dem Jugendamt überlassen.
In dem großzügig geplanten Veranstaltungsraum (ganz links am Rand) fanden dann auch mal richtig progressive Sachen statt – ohne dran zu denken, was alles von hier mal ausging …
Sieht bombastisch aus.

Sieht gefährlich aus. War auch mal gefährlich.

Wer schaut denn da freudestrahlend von der Litfaßsäule? KP Wolf. Der ist jetzt wohl der meistgelesene deutschsprachige Krimi-Autor. In DER METZGER Nr. 41 (1988) interviewte Horst Tress den vielversprechenden Autor.
Ist ja nicht schlecht, wenn einer aus unseren Kreisen Erfolg hat, und wenn auf Litfaßsäulen für Bücher, die nicht schlecht sind, Reklame gemacht wird.

Dieses schöne, großzügige alte Haus Ecke Geibelstraße, genauer gesagt die Wohnung im ersten Stock (über die ganze Breite!) hat für uns (Magda und mich) mal eine wichtige Bedeutung gehabt, obgleich ich in dem Haus nie drin war. Aber das ist jetzt zu kompliziert zu erklären.

Dieses schöne, großzügige alte Haus steht an der Schweizer Straße – es sieht so aus, als ob es leer steht. Dieses Haus, gerade groß genug für zwei bis drei, höchstens vier Personen, hatten wir auch mal ins Auge gefaßt. In dem kleinen, inzwischen fast völlig überwucherten Anbau hätte man eine Werkstatt einrichten können. Aber das war nur so ein Gedanke.
Gibt es mehr zu erzählen? Vielleicht demnächst.

Neu: DER METZGER Nr. 140

Die Ausgabe Nr. 140, April 2021, ist erschienen.
So sieht die Zeitung aus:
Und das steht drin:

Ulrich Sander: Selbstjustiz in Uniform. In Nordrhein-Westfalen werden Versammlungsrecht und Demonstrationsrecht eingeschränkt.

Heinrich Hafenstaedter: Protest gegen Hausräumungen. In Duisburg werden Baumängel und angeblich unzureichender Brandschutz als Vorwand benutzt, um von Immigranten bewohnte Häuser zu räumen und die Leute auf die Straße zu setzen.

Matte und David in „Parksaison“. Comic-Strip von Timo Stoffregen.

Herbert Laschet-Toussaint (HEL): Max Czollek. Ein Vorruf. Er ist mitte dreißig.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Lottogewinne, von denen man nichts hat; Geld als Glücksbringer oder Beruhigungspille; Herr Müller und der Teller; Himmlische Töchter; Hustler; It-Girl als Hotel; Kater und Ente falsch verstanden; Pazifismus am Telefon; Die Umwelt als Hobby der Superreichen.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Sechster Teil. 1979 bis 2008. Die plötzliche Leerstelle der weltpolitischen Opposition (ver-)führte in der Ersten Welt zu der Überzeugung von der „Alternativlosigkeit“ ihres Systems; manche begannen sogar schon vom „Ende der Geschichte“ zu delirieren. Putin hatte es mit einer expansiven Außenpolitik des Westens zu tun, so daß es geradezu fahrlässig gewesen wäre, dieses geostrategische Szenario nicht ernstzunehmen.

Chinmayo 1936-2021. Erinnerung an den Künstler und Kollegen.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: Ein anderer Kardinal. Was heißt „katholisch“ in Reinkultur? Die zwei Seiten des Kardinal Galen.

April Fool’s Day und die Folgen.

Dünnwalds Seite. Ge(k)lebte Zusammenhänge.

Thomas Rüger: „Und im Kopf schneit’s kleine Scherben“. Über die neue CD von Klaus Hoffmann.

Das Weite suchen. Lust an Landschaft.

Das Heft kostet 4 Euro.
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Neu: DER METZGER Nr. 139

Die Ausgabe Nr. 139,Februar 2021, ist erschienen.
So sieht die Zeitung aus:

Und das steht drin:

Ulrich Sander: Kritische Fragen an die Polizei. Rechte Strukturen bedrohen mittels polizeibekannter Daten friedliche Bürger/innen.

Renate König: Unter dem Strich. In Corona-Zeiten rächt sich der Abbau der Gesundheitsversorgung. Trotzdem wird weiter ausgehöhlt.

Jakop Heinn: Stürmten im Geiste mit. Nach dem Sturm militanter Konformisten auf das Capitol in Washington kamen Reaktionen aus den Medien der deutscher Rechten. Ein Überblick.

„Sogenannte Querdenker – wir sind mit denen nicht einverstanden.“ Die „Aachener Erklärung“. Antifaschisten und Antimilitaristen schaffen Klarheit.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Anruf vom froschen Firsch; Der Querkopp ist ein Klotzkopp und der Querdenker ist ein Schrägdenker; Typische Situationen im Radioprogramm des WDR; Tatort aus Österreich; Als Deutscher im China-Restaurant; Die Metamophose des Backfischs zum Teenager; Die Beatles auf dem Zebrastreifen.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Vierter Teil. Von Hirophima bis zur Mondlandung.

„Genehmigt mit freundlicher Genehmigung“ Aus dem täglichen Nonsens im E-mail-Eingang.

Anna Driba: Nicht mein Konto. Vers-Epos. Wer liest muß mitdenken.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: Meinungsrechte, Menschenfreiheit. Wie Lina vor ca. 20 Jahren ihren Nimbus als Foren-Schreck gewann: Polemik gegen solche Leute, die eine Freiheit genießen, deren Zustandekommen sie nicht wahrhaben wollen.

Konrad Knurrhahn: Seltsam. Über Seltsamkeiten.

Das Heft kostet 4 Euro.
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Neu: DER METZGER 138 kommt pünktlich zum Geburtstag!

Heute (1. Dezember 2020) ist der 52. Geburtstag des satirischen Magazins. Und heute (1. Dezember 2020) ist die Ausgabe Nr. 138 erschienen.
Das steht drin:

Ulrich Sander: Alles wird wie früher? Abstand halten, Hygienevorschriften beachten, Alltagsmasken tragen, Lüften ist gut und richtig und vernünftig. Aber Kontrolletti ist unerträglich.

Jakop Heinn: Auch bei Hofe: Corona-Wirrnis. In Saalfeld-Wöhlsdorf empfing Querbürger Fitzek den Reichsdenker Ballweg.

Nein zu geschichtsrevisionistischen Faschismus-Vergleichen. Die VVN nimmt Stellung zu anmaßenden Rückgriffen der Querkopf-Bewegung auf Widerstands-Symbole.

Helmut Loeven: Das philosophischer Kabarett. Diesmal: Spurlos verschwinden, ein Traum; Kleine Papageien; Aus dem Liebesleben, ein Frauenporträt (die unvergleichliche Anne Block); National-Verein für deutsches Sprache. Komisches Haus, komisches Schild.

Antworten an Olaf Kistenmacher, Katja Thorwarth, Karl-Katja Krach (!), Verlag Hoffmann und Campe u.a. über Anton Kistenmacher, Quersänger, Köbes Hansen, Goldfinger und den doofen Egbert.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Vierter Teil.

Falsch, richtig. Wie macht man‘s falsch, wie macht man‘s richtig? Ein Lebenshilfe-Comic-Strip.

A.S.H. Pelikan: Damals in der Karibik. Wenn in der Karibik Fußball gespielt wird, gelten andere mathematische Regeln.

Herbert Laschet-Toussaint (HEL): Ian Morris, BEUTE – ERNTE – ÖL + Einrede Margaret Atwoods. Noch‘n Gedicht (reimt sich).

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: Soldatinnen sind Soldaten. Feministinnen sollten sich endlich mal entscheiden, was sie vom Militär halten. Brutalisierte Maskulinität oder „Teilhabe an der mächtigsten Institution des Staates“? Frauenwehrdienst hat die Armee nicht friedlicher, sondern die Gesellschaft militaristischer gemacht.

Rainer Dittrich: Petitessen.

Amazon stoppen! Die Stiftung Ethik & Ökonomie ruft zum Widerstand gegen die Online-Krake.

Marvin Chlada: Permanente Apokalypse. Ein kleiner Ausflug in die dunklen Landschaften des William S. Burroughs.

Das Weite suchen. Lust an Landschaft.

Das Heft kostet 4 Euro.
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Neu: DER METZGER 137!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nummer 137 (Oktober 2020).
Das steht drin:

Jakop Heinn: Wenig Harmonie bei den „Querdenkern“. Versuch eines Überblicks. Wer hat sich bei der konfusen Massenversammlung am 29. August in Berlin samt Reichtstags-Treppen-Erstürmung ein Stelldichein gegeben? Natürlich: Keine Feier ohne Elsässer!

Der „Sturm auf Berlin“. Kommentar von der VVN-BdA.

Matti und Wiese in: Was Schlaues? Comicstrip von Timo Stoffregen.

„Bitte nicht diese Bildungszeitung“. Kritik am Bildungsprogramm der DKP. Offener Brief an die UZ.

Helmut Loeven: Das Philosophische Kabarett. Diesmal: Schlechte Musik auf WDR2; Gegen zu viel Nacktheit: der Kreisch-Ef in der SPD; Sind „Meghan“ und „Kate“ eigentlich zwei verschiedene Personen? oder Die Leserinnen von „Frau im Spiegel“ dürfen wählen (man merkt‘s); Komiches Gespräch am Rande des Kalkwegs; Warum Fußball nur noch für Frauen erlaubt sein müßte; Komisches Gespräch über die SPD; Wie man die Linkspartei auch noch kaputt kriegt.

Antworten an Monika Maron, Daniela Katzenberger, Duisburger Verkehrsgesellschaft, Carolin Kebekus u.a.

200 Jahre Friedrich Engels. 21 Zitate.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Dritter Teil.

Wernr Muth: Drei Gedichte aus dem neuen Gedichtband „Alsumer Berg“ mit zwei Fotos von Jean Paul Gatz. Heimat-Gedichte? Gegen den Strich, im Beat-Sound.

Helmut Loeven: Siegfried Jäger 1937-2020. – Erinnerung an einen Wissenschaftler.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: Mythos der Mitte. Der „Kampf gegen den Antisemitismus“ wird durch Irrungen, Wirrungen und taktische Manöver geprägt. Die jüdische Autorin empfielt der deutschen Linken, sich zum Israel-Boykott nicht zu äußern und sich vom pro- oder anti-israelischem Fanatismus abzuwenden.

Kommt die Wehrpflicht? Kommentar der DFG-VK.

Das Heft kostet 4 Euro.
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Was der Bauer nicht frißt, das kennt er nicht

Kommunalwahl. In Duisburg: 10 Prozent für AfD. Und am Sonntag war hier Pegida aufgetreten. Ein paar Anmerkungen:

[…] Auch ich bin vaterlos aufgewachsen. Darin unterschied ich mich von den meisten meines Jahrgangs. Ich gehöre nicht zu den Jahrgängen, deren Väter nach dem Zeugungsakt einem Marschbefehl zu folgen hatten und dann vielleicht gar nicht mehr zurückkamen oder, wenn sie Glück hatten, in Gefangenschaft gerieten und dann für ein paar Jahre davon abgehalten wurden, in die Entwicklung ihrer Kinder störend einzugreifen. Auch war in den Jahren meiner Kindheit die Scheidungsrate leider noch sehr niedrig. Die anderen hatten fast alle einen Vater, ich nicht. Ich wurde deswegen bedauert.
Wenn andere Kinder meines Alters mal ihren Vater erwähnten, dachte ich: Mensch, hab‘ ich ein Glück! Und wie man sieht ist aus mir das geworden, was ich werden wollte – was kaum einem der Väter meiner Generation in den Kram gepaßt haben dürfte.
Diese Väter waren Versager auf der ganzen Linie, jedoch fest entschlossen, ihre Idiotie an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Sie hatten nur gelernt, zu tun, was von ihnen erwartet wurde, also: sie hatten eigentlich gar nichts Vernünftiges gelernt. Es hatte nicht viel Mühe gemacht, ihnen jeden Rest von Mitgefühl auszutreiben, und nur zu gern sind sie der Maxime gefolgt, daß das Starke sich nur durchsetzen kann, wenn das Schwache ausgemerzt wird. (Das ist übrigens ein Zitat von Joseph Goebbels). Den Hitler haßten sie, weil er sie um den Endsieg betrogen hatte und sie in Verlegenheit brachte. Also hielten sie umso hartnäckiger an den Verhaltensmustern des Untertanen fest. Daß sie den Krieg verloren hatten, nahmen sie ihren Kindern übel. Für all den Dreck, durch den sie gekrochen waren und den sie gefressen hatten, wollten sie sich an ihren Familien schadlos halten. Der Krieg ruft nicht nach den Kriegern, sondern: umgekehrt! Der Krieg jedoch benötigt nicht so sehr Helden, sondern Feiglinge: Strammsteher, Befehlsempfänger, kaltherzige Hosenscheißer, zu keinem Mitgefühl fähig, außer für sich selbst. Die, für die der einzige Ort, an dem sie Orientierung finden, der Kasernenhof ist, machen das Wohnzimmer zu einem solchen. Die deutschen Väter meiner Zeit waren Duckmäuser, die im trauten Heim ein Feldwebelgebahren an den Tag legten.
Sie waren keine Vorbilder, sie wußten keinen Rat, sie konnten keine Frage beantworten, weil sie selbst nicht verstanden, was sie taten, und glaubten, nichts verstehen zu müssen. Wat der Bauer nich kennt, dat fritt der nich, und was der Vater nicht versteht, das duldet er nicht – und er verstand eigentlich gar nichts, mischte sich aber in alles ein. Alles, was dem Leben Sinn und Inhalt gab oder es auch nur angenehmer und leichter machte, mußte gegen die stupide Ignoranz deutscher Familienväter durchgesetzt werden. Solche Leute darf man nicht fragen warum. „Warum? Befehl ist Befehl.“
Die Erfahrung der Überflüssigkeit blieb ihnen auf die Dauer dann doch nicht erspart. Denn wer nichts versteht, aber sich in alles einmischt, ist nutzlos. Und so wurde der deutsche Familienvater zum Trottel, der alles als Letzter erfährt und der den Lauf der unverstandenen Welt letztlich dann doch nicht aufhalten kann.

[…] Unsere Nachbarn auf derselben Etage waren noch eine richtige Bilderbuchfamilie. So um das Jahr 1960 wurde ein zweites Fernsehprogramm eingeführt, was in vielen Familien zu argumentlosen Streitereien führte. Aber da wurde das so geregelt: Der Vater entscheidet, welches Programm gesehen wird! Die Mutter und die drei Kinder waren glücklich, weil sie nicht gucken mußten, was sie wollten, sondern jemand für sie entschied.
Sehen Sie mich an! Vaterlos! Kinderlos! Also ein Vorbild für jeden.

Wenn ein deutscher Befehlsempfänger (Typ: Familienvater) 900 Juden ermordet hatte, dann hatte er ein schlechtes Gewissen. Warum? Weil ihm befohlen worden war, 1000 Juden zu ermorden. Nicht wegen der 900 ermordeten Juden schämte er sich, sondern wegen der 100, die ihm entwischt sind.
Weil wir (die rot-grün-schwul-alternativ-versifften Intellellen) ihm die 900 zur Last legten, fühlt er sich ungerecht behandelt. Und darum tut er sich selber leid. Er hält sich für unschuldig. Denn er hat nur getan, was ihm gesagt wurde (was von ihm erwartet wurde).
Ein Sprichwort lautet: Auschwitz – das werden die Deutschen den Juden nie verzeihen.
Ein Sprichwort lautet: Man kann einen Juden aus dem KZ holen. Aber man kann nicht das KZ aus dem Juden holen.
Ein Sprichwort könnte lauten:
Nicht alle Deutschen Familienväter waren in der SS. Aber die SS war in den Deutschen Familienvätern.
Und das gilt auch – glauben Sie es mir – für einen großen Teil der nachfolgenden Generationen.
Und die paar, auf die das alles wirklich nicht zutrifft, waren und sind eben undeutsch.

Aus DER METZGER

Ausstellung: „Rassendiagnose: Zigeuner“


Die Ausstellung sollte schon im April beginnen und wurde verschoben. Das vorgesehene Rahmenprogramm mit Vorträgen muß ausfallen. Die Vorträge sollen vielleicht im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Bitte beachten Sie auch den Beitrag über Stolpersteine in Duisburg in DER METZGER Nr. 134.
Und bitte beachten Sie auch das im Januar in der Situationspresse erschienene Buch
NICHTS GELERNT?! Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus
Herausgegeben von Katharina Peters und Stefan Vennmann
Situationspresse (Duisburg) 2019. 212 Seiten, 18 Euro
ISBN 978-3-935673-46-4
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Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nummer 136 (Juli 2020).
Das steht drin:

Matti und David in: Flach. Comicstrip von Timo Stoffregen.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Tönnies hat ja schon wieder ein‘n an der Tönnies; Amthor als Klon August(us)?; Der Untertan als Rebell oder Wer sind eigentlich „die da oben“?; Wie schreipt man Türglinke?; Noblesse oblige; Lenin hatte andere Pläne.

Lothar Röse: America first. Grundzüge US-amerikanischer Außenpolitik. Zweiter Teil.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: „Öffentliche Ärgernisse“ in Vergangenheit und Gegenwart; Furor teutonicus.

Rainer Dittrich: Petitessen.

Der Soundtrack des Hier & Jetzt. Marvin Chlada sprach mit Jürgen Ploog.

Anna Driba: Liebe Mone. Monolog. „Ich brauch meine Puste noch“.

„Wir merken aber auch alles“. Mit wachen Augen den Schwörern auf der Spur. Wegweiser, die weg weisen. Als Überwachungskameras getarnte Vogelhäuschen. Heimliche Treppenhäuser. Leere Abfalleimer. Wir finden die Beweise.

„Was ist das für ein Dingen?“ Gegen die Schwörer-Jäger rebellieren jetzt die Leser: „Wo Wojna geht, ihr mich nicht seht.“ „Wenn Weuna auf dem Marktplatz steht, Herr Mayer auf den Markt nicht geht.“ „Wenn Wojna apricht, dann hör zu nicht.“

Das Heft kostet 4 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Aus der Geschichte der Soziokultur

Aus: Eschhausheft Juli 1979:
In der übernächsten Ausgabe (September 1979) erschien dann diese Anzeige, von Eschhausheft-Gestalter Peter Dietz heimlich hineinmontiert – auch die Soziokultur hat ihre Nacht und ihren Nebel:
Mittlerer Skandal.
(Wer läßt sich schon gern Worte in den Mund legen, auch wenn es die richtigen sind).

Von den abgebildeten Damen sind zwei nicht mehr am Leben; nach einer wurde später (wird immer noch?) gefahndet wegen Mitgliedschaft in einer „terroristischen Vereinigung“ (Rote Zora); zwei fanden meinen Jux im Grunde ganz lustig. Und eine hatte schon vorher mit mir nicht mehr gesprochen.

P.S.:
Einen Faksimile-Querschnitt durch das Eschhausheft (als METZGER-Sonderausgabe) plane ich schon seit einiger Zeit. Wer meint, einen aktuellen Beitrag beisteuern zu können, melde sich bitte bei mir.