
7. November 1968. Beate Klarsfeld ohrfeigt in aller Ăffentlichkeit den deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und bezeichnet ihn als âNaziâ. Diese Ohrfeige ist der Beginn ihres jahrzehntelangen Engagements im Kampf gegen alte und neue Nazis. Zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld hat sie sich der Jagd nach Kriegsverbrechern verschrieben, die sie ĂŒber Kontinente hinweg aufspĂŒren und vor Gericht bringen. Aber fĂŒr die beiden geht es um mehr: Sie geben den Opfern der Shoah ein Gesicht und haben den ewigen Kampf gegen das Vergessen aufgenommen.
Diese Graphic Novel erzĂ€hlt nicht nur die Geschichte der Ohrfeige, sondern auch die von Beate und Serge Klarsfeld und ihrem Streben nach Gerechtigkeit. Beate Klarsfeld ist eine mutige Frau, die vor Gefahren fĂŒr sich selbst nicht zurĂŒckschreckte und die unbeirrt ihren Weg fortgesetzt hat. Gegen staatliche und persönliche WiderstĂ€nde ankĂ€mpfend, hat sie nie akzeptiert, dass manche NS-Kriegsverbrecher einfach so davonkommen sollten.
Pascal Bresson, Sylvain Dorange: Beate und Serge Klarsfeld: Die NazijĂ€ger. Eine Graphic Novel ĂŒber den Kampf gegen das Vergessen.
Carlsen Verlag 2021, 208 Seiten. 28 âŹ
Beate Klarsfeld ĂŒber die berĂŒhmte Ohrfeige und ihre Folgen
Mit der Ohrfeige wollte ich die deutsche Gesellschaft von den alten Nazis befreien, die noch in der Politik aktiv waren. Es war die Ohrfeige der Tochter an ihren Vater. Erst spĂ€ter haben mein Mann und ich erfahren, dass die Naziverbrecher, die in Frankreich ihr Unwesen getrieben hatten, nicht in Deutschland verurteilt und auch nicht nach Frankreich ausgeliefert werden konnten. Deshalb haben wir uns ab 1971 fĂŒr ein Abkommen eingesetzt, das die BRD dazu verpflichtet, die Verbrecher vor Gericht zu bringen. 1975 wurde das Gesetz, das spĂ€ter âLex Klarsfeldâ genannt wurde, verabschiedet.
Der Verlag ĂŒber die HintergrĂŒnde der Graphic Novel:
1968 wurde die Bundesregierung von einer GroĂen Koalition zwischen CDU und SPD regiert. Bundeskanzler war seit 1966 Kurt Georg Kiesiger (CDU), der dritte Bundeskanzler der jungen Republik. Bis 1968 wurde in den deutschen Medien Kiesingers frĂŒhere NSDAP-Mitgliedschaft selten thematisiert, das Ă€nderte sich am 7. November 1968, als eine junge Frau Kiesinger wĂ€hrend eines CDU-Parteitags vor laufenden Kameras und den Augen der Welt ohrfeigte und als Nazi titulierte: Beate Klarsfeld.
Wer ist Beate Klarsfeld?
Beate Klarsfeld wurde am 17.2. 1939 in Berlin geboren. 1960 ging sie mit 21 Jahren als Au-Pair nach Paris, wo sie den angehenden Historiker und spĂ€teren Rechtsanwalt Serge Klarsfeld kennenlernte und 1963 heiratete. 1943 wurde Klarsfelds Vater bei einer SS-Razzia in Paris verhaftet und spĂ€ter in Auschwitz ermordet. Dieses Trauma bildete den Motor fĂŒr Serge Klarsfelds gesellschaftliches Wirken. Als Serge und Beate sich kennenlernten, wusste die junge Frau noch wenig ĂŒber die barbarische Zeit zwischen 1933 und 1945. Im Deutschland der 1950er wurde ĂŒber die Nazi-Jahre ein Mantel des Schweigens gehĂŒllt. Der jĂŒdische Geschichtsstudent wurde zum politischen Mentor der jungen Deutschen. Zusammen fingen sie an, sich politisch zu engagieren.
Wie kam es zu der Ohrfeige an Kurt Georg Kiesinger?
Beate Klarsfeld, die sich in den 1960ern als Journalistin etablierte, schrieb gegen die Kanzlerschaft Kurt Georg Kiesingers an. Aber schon bald wurde dem Ehepaar bewusst, dass man gegen die politische Apathie und die VerdrĂ€ngung der Nazi-Zeit aus dem öffentlichen Bewusstsein durch die Politik nur mit lauter Stimme ankommt: âLeider ist es so, dass man mit verbalen Aktionen nichts mehr erreichen kann. Um einen Skandal aufzudecken, muss man auch mit einem Skandal antwortenâ, sagte Beate Klarsfeld. Die Kiesinger-Ohrfeige, die Beate Klarsfeld eine – nie vollstreckte – Verurteilung zu einem Jahr Haftstrafe im Eilverfahren einbrachte, war der Auftakt ihrer politischen Kampagnen gegen ehemalige Nazi-Kader. In den Jahren, die folgten, bauen die Klarsfelds ein Netzwerk von Helfer*innen, Rechercheur*innen und Sympathisant*innen auf, die sie dabei unterstĂŒtzten, ehemalige Nazi-TĂ€ter in Frankreich, Deutschland und SĂŒdamerika ausfindig zu machen und nach Deutschland ausliefern zu lassen.
Ihr Engagement brachte sie auch immer wieder in Lebensgefahr. Sie erhielten unzÀhlige Morddrohungen, Briefbomben und 1972 entgingen sie einem Anschlag, als eine Bombe ihr Auto zerfetzte.
FĂŒr ihr Lebenswerk erhielten sie im Mai 2015 das Bundesverdienstkreuz. Im Oktober 2015 wurden sie zu UNESCO-Sonderbotschaftern fĂŒr Bildung ĂŒber den Holocaust und die Verhinderung von Völkermorden ernannt. 2012 wurde Beate Klarsfeld als Kandidatin der Linken fĂŒr das BundesprĂ€sidentenamt aufgestellt. 2016 verlieh Israel Beate Klarsfeld in WĂŒrdigung ihrer Verdienste die israelische StaatsbĂŒrgerschaft.
Bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung WeltbĂŒhne GneisenaustraĂe 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
Tel. 0203-375121
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
Bestellt BĂŒcher in der Buchhandlung WeltbĂŒhne und sonst nirgends.
Vor allem das VERSANDGESCHĂFT mĂŒĂte dringend erweitert werden.
Zögern Sie nicht.
Helfen Sie uns mit AuftrÀgen.
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !
..